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Bezeichnendes Licht auf portugiesischen Hof geworfen

“Schwank der Dienstboten” des berühmten Dramatikers Gil Vicente auf dem Buchmarkt

Gil Vicente
Schwank der Dienstboten

In einer Zeit, in der Portugals Handel aufblüht, lebt ein Adeliger am königlichen Hof auf großem Fuße. Er beschäftigt Angestellte, gibt kostspielige Arbeiten in Auftrag, kann diese aber nicht bezahlen und leistet daher hohle Versprechungen. Allerdings sind seine „Dienstboten“ naiv, denn diese machen trotzdem ihre eigenen Rechnungen auf.

Der „Schwank der Dienstboten“ ist eines der reifsten Stücke des großen Dramatikers Gil Vicente. Er wirft ein bezeichnendes Licht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse am portugiesischen Hof um 1526.

Steht Portugal vor einer Revolution?

Ich habe das Theaterstück jetzt erstmals ins Deutsche übersetzt. An diesem Theaterstück schätze ich, dass die Sprache frisch ist. Man merkt deutlich, dass es ein ganz eigenes Werk des berühmten Renaissance-Dichters ist, er offenbar nicht vorher vom Adel oder Klerus instruiert wurde, welche Botschaft dem Zuschauer im Theater übermittelt werden sollte.

Portugiesen verreisen mehr

Portugal ist nicht nur Urlaubsland, sondern auch die Portugiesen selbst verreisen mehr. Es ist einfach mal interessant, den Blick auf die andere Seite zu werfen, ob die Gastgeber von Millionen von Touristen pro Jahr selbst auch die Perspektive der Reisenden kennen. Sie verreisten im vergangenen Jahr 22,1 Millionen Mal. Zum Vergleich: Deutsche traten 70,1 Millionen Mal eine Urlaubsreise (ab fünf Tagen) im Jahr 2018 an.

Um 4,2 Prozent soll die Zahl der touristisch Reisenden innerhalb wie auch außerhalb Portugals im Jahre 2018 gegenüber 2017 gestiegen sein. Viele Portugiesen – 44,4 Prozent – verreisen innerhalb des Landes, um hauptsächlich Freunde und Familienangehörige zu besuchen. Wenn es ins Ausland geht, auch die Zahl nimmt mit 13,3 Prozent zu, verreisen viele innerhalb der Europäischen Union. Auf Spanien entfallen mit 31,9 Prozent die meisten Reisen. Dem Nachbarland folgen mit weitem Abstand Frankreich mit 13,7 Prozent; noch weiter dahinter liegt das Vereinigte Königreich mit 7,3 Prozent. Deutschland liegt offenbar weit abgeschlagen dahinter. Denn eine Zahl wird nicht genannt. Weit über die Hälfte der portugiesischen Touristen (58,8 Prozent) will sich auf Reisen erholen, sich unterhalten lassen oder einfach nur Ferien verbringen.

Warum die Zahl der Reisen gestiegen ist, wird nicht vom Nationalen Statistikinstitut (INE) gesagt. Wahrscheinlich ist, dass sich die wirtschaftliche Lage so verbessert hat, dass sich mancher Portugiese wieder das Wegfahren leisten kann.

Den kompletten Artikel der Zeitung Observador findest Du unter www.observador.pt/2019/04/29/viagens-turisticas-dos-residentes-em-portugal-crescem-42-em-2018/

Lange Strände mit türkisfarbenem Wasser

Gerade hat die französische Zeitschrift Vogue einen Artikel über 17 schöne Strände in Frankreich publiziert. Vielleicht ist ja einer für Dich dabei, an dem Du gerne Deinen nächsten Urlaub verbringen würdest.

Geradezu verlockend wirken die Fotos vom Strand Pointe de Saint-Hernot in der Bretagne und vom Strand D‘Etretat in der Normandie. Die Namen aller Strände sind im Text gefettet und so leicht ohne Französischkenntnisse zu erkennen, so dass sich eine Übersetzung ins Deutsche erübrigt.

Doch rate ich dazu, im Netz weitere Fotos vom Urlaubsziel anzuschauen. Denn oft werden solche Bilder von Agenturen kostenlos zur Verfügung gestellt und stammen leider oft nicht von verantwortungsvoll arbeitenden Reisejournalisten. So sind dann zum Beispiel hässliche Häuser und Hotels oder Straßen in der näheren Umgebung nicht auf Agenturbildern zu sehen. Ich kenne innerhalb Europas nur wenige wirklich unverbaute Strände.

Auch auf die Wassertemperatur würde ich vorab im Netz schauen. In Galizien oder selbst in Algarve gibt es Abschnitte mit kalten Strömungen, die selbst im Hochsommer nicht gerade zum Baden einladen. Da ist manchmal das Kattegat in Dänemark an sonnigen Tagen wärmer als in Südeuropa.

Weitere Infos findest Du unter

17 schöne Strände in Frankreich

Männerspaß auf schwedischem Eis

Das Leben der Nordeuropäer im Winter kennenzulernen, hat einen besonderen Reiz. Es ändert sich rapide für Reisende, die es eher gewohnt sind, im Sommer in den Norden zu fahren. Man sieht viel vom normalen Alltagsleben, wenn man Fischer bei der Arbeit oder Schulkinder auf Schlitten heimkommen sieht. Aber auch Erwachsene sind in den Städten mit Schlitten unterwegs. Eine einschneidende Erfahrung war es für mich, mit einem Leihwagen auf Spikes durch die Winterlandschaft zu fahren. Mit einem Freund erkundete ich Lofoten und Vesterålen. Das Eis auf den Straßen war noch im März auf manchen Straßen zentimeterdick, die Mittelspur gerade nachts schwer zu erkennen, erst recht, wenn einem Schneepflüge und mit Fisch beladene Lkw entgegen donnerten. Seitlich war alles zugeschneit, der Rand nur durch rote Pflöcke zu erkennen. Nachdem ich einmal den Wagen in eine Schneewehe gefahren hatte, übergab ich Tobias das Steuer, der den Bogen eher heraushatte, viel sicherer fuhr.

Eher würde es mich locken, es wie Gavin Haines zu machen, der sich kürzlich zum Training mit dem Auto auf einen zugefrorenen See in der Nähe von Jokkmokk begab. Ziemlich schnell verlor auch der Autor der englischen Zeitung „The Telegraph“ die Kontrolle übers Fahrzeug, als er seine erste Rally fuhr. Er fuhr so schnell, dass auch er in eine Schneewehe geriet. Die Türen des Allradfahrzeugs ließen sich nicht mehr öffnen. Er und sein Ausbilder, der professionelle Rallyfahrer Per-Erik Niemi, mussten durch die Fens- ter steigen.

Der Autor gibt sich selbst die Schuld daran, denn er habe nicht auf die Warnungen seines Ausbilders gehört, doch bitteschön langsamer zu fahren. Aber er habe sich eben wie ein Mann verhalten, seine eigenen Fähigkeiten total überschätzend, sich sogar für unbesiegbar haltend. Für Niemi war es also nur eine Frage der Zeit, bis es zu dem Malheur kam: „I was waiting for that to happen.” Bis der Abschleppwagen gekommen sei, um das Fahrzeug herauszuziehen, habe es genug Zeit gegeben, sich den Schaden anzuschauen.

Wie es Haines erging und wo Du Dich für den nächsten Winter selbst zur Rally anmelden kannst, erfährst Du hier.

Männerspaß auf schwedischem Eis

Portugiesische Architektur vom Feinsten

Selten liest und hört man etwas über hervorragende portugiesische Architekten. Doch es gibt sie. So wie es dem Land auch immer wieder gelingt, hervorragende Schriftsteller hervorzubringen.

20 Architekten aus Portugal legten nun der Jury des Mies-Van-Der-Rohe-Preises ihre Arbeiten vor, der Dorte Mandrup,George Arbid, Angelika Fitz, Ștefan Ghenciulescu, Kamiel Klaasse, María Langarita und Frank McDonald angehören. Sie rivalisieren mit einer ganzen Reihe anderer Architekten um den bedeutendsten europäischen Preis. Es gingen sage und schreibe 383 Arbeiten ein. In dieser Jury möchte ich kein Mitglied sein.

Wie die portugiesische Zeitung Diário de Noticias berichtet, wird der Sieger am 7. Mai in Barcelona bekannt gegeben. Dort sitzt auch die Stiftung, die den mit 60.000 Euro dotierten Preis vergibt. Bereits einmal gewonnen hat der Portugiese Álvaro Siza Vieira. 1988 wurde er für das Bankgebäude der Banco Borges e Irmão in Vila do Conde ausgezeichnet.

Andere bekannte Namen sind Norman Foster (1990), Rafael Moneo (2001), Zaha Hadid (2003) und Rem Koolhaas (2005).

Die interessanten Arbeiten der Portugiesen kannst Du Dir unter diesem Link anschauen:

Portugiesische Architektur vom Feinsten

Geometrische Formen aus der Luft

Tangenten, Dreiecke, Vierecke – wer mit einer Drohne von oben auf eine Stadt schaut, kann verblüffende geometrische Muster entdecken.

Der Fotograf Márton Mogyorósy schickte seine Drohne über die Dächer einer meiner Lieblingsstädte – Barcelona. Dort studierte ich über Erasmus Katalanisch. Es ergab sich auch mal die Gelegenheit, auf Einladung eines Menschen aus Mauritius, Tee auf einem Dach in der Altstadt Tee zu trinken.

Ich konnte wunderbar enthoben dem dichten Treiben in den Gassen zuschauen, vor dem ich bei meinem ersten Aufenthalt in Barcelona noch Angst vor Gewalt hatte, denn unvergessen war in mir noch der Anblick eines blutüberströmten Mannes geblieben, der vor dem Hauptbahnhof Sants lag. Ich ging da noch zur Schule. Ebenso trieben damals viele Taschendiebe ihr Unwesen in den Gassen und auf der Plaza Real; ein übriges taten die gespenstische Schatten auf die Hauswände werfenden Flammen der Hähnchengrills dazu. Einem Taschendieb gelang es auch, mir in einem Café die Geldbörse zu entwenden, doch er war zu langsam für mich. Ein echter Tollpatsch!

Zuerst verständigten wir das Personal, während er sich noch auf dem Stuhl hinter mir wegdrehte, dann stellte ich den jammernden Strolch, der mir die Börse wieder zurückgab. Großzügig ließ ich den Mann laufen, obwohl er in der unteren Etage von zwei kräftigen Kerls festgehalten wurde. Manche Katalanen beklagten sich dann bei mir, warum ich nicht die Polizei gerufen hätte, dann hätte man ihn nach Nordafrika zurückschicken können. Doch für mich war er nur ein schlechter Taschendieb!

Ganz oben kann einem nichts passieren. Nur der Himmel kann Dir auf den Kopf fallen. Die spanische Zeitung El Pais hat einige beeindruckende Drohnenfotos des Fotografen Márton Mogyorósy veröffentlicht. Hier der Link:

Barcelona – Architektur von oben

Eiland der Abenteuer und der Freiheit

Abgeschiedenheit, Abenteuer, Abstand, viel Wasser – das verbinde ich mit Urlaub auf einer Insel. Es kommt nicht darauf an, ob sie im Meer oder in einem See liegt.

Mein erstes Mal war auf einer winzigen Insel auf einem norwegischen See in der Nähe von Elverum. Der Ort liegt nordwestlich von Oslo, nahe der schwedisch-norwegischen Grenze. Meine Eltern mussten nach der Ankunft immer den Wagen am Seeufer abstellen. Einer von uns ruderte die ganze Familie nach einem Ausflug auf dem Festland immer zur Insel. Es war schon ein komisches Gefühl, das Fahrzeug stets zurückzulassen. Wir trennten uns richtig vo Wagen.

Die Insel war sogar bewaldet. Der Steg lag am Ufer. Das Holzhaus habe ich als dunkel in Erinnerung. Als abenteuerlich empfand ich vor allem den Eiskeller unter dem Haus. Selbst mitten im Sommer fror es darin, aber es war damals auch ein kühler Sommer.

Bis heute verstehe ich nicht, wie es mir trotz der Kälte gelang, des öfteren Schwimmflossen anzuziehen, eine Taucherbrille aufzusetzen und dann ins Wasser zu gleiten, um mir die Unterwasserwelt anzuschauen. Mich interessierten vor allem die Fische – Barsche und Hechte hauptsächlich. Es hätte mich nicht gewundert, wenn ich dabei auch dem Ungeheuer von Elverum begegnet wäre.

Meine Mutter hingegen fror ständig und kehrte nach diesem Kälteurlaub nie wieder nach Norwegen zurück. Norwegen hatte sich für sie erledigt. Ich bin hingegen dem Land bis heute sehr verbunden.

Von der Welt trennt man sich auf einer Insel ziemlich, was sehr angenehm ist; man gerät aber auch in Abhängigkeit. Von manchen Inseln fährt nur einmal am Tag eine Fähre zum Festland. Wer die verpasst, kann erst am nächsten Tag wieder zurückkehren.

In Nordnorwegen, ich glaube, es war Vesterålen, besuchte ich mal eine winzige Insel, fuhr morgens auf einem Postschiff hin, das auch Passagiere mitnahm. Ich meldete mich beim Kapitän ab und sagte ihm, dass ich nachmittags wieder zurück am Kai sei. Bei der kleinen Insel kein Problem, dachte ich. Da das Gelände aber morastiger und hügeliger war, als erwartet, zog sich meine Rückkehr hin, und eine lustige Zeit mit anderen Passagieren hatte ich auch verbracht. Ich sah das Boot später von oben schon auf dem Weg zum Hafen, eilte zum Kai und erfuhr, dass der Kapitän schon ganz besorgt gewesen sei ob meiner nicht erfolgten Rückkehr. Er habe ganz geduldig auf mich gewartet, nicht genervt auf seine Uhr geschaut, weil seine Frau ihn bereits mit dem Abendessen erwartete. Ein Grund mehr, Norwegen noch ein bisschen mehr in mein Herz zu schließen.

Die Zeitschrift Geo stellt in einem Beitrag Schären an der Südküste Norwegens vor. Vielleicht lockt es Dich ja auch dorthin.

Schären in Norwegen

Wandern oder Radeln auf dem Camino Primitivo?

Bist Du schon auf dem Camino Primitivo geradelt? Nachdem ich gerade einen Artikel in der “Welt” darüber gelesen habe, reizt es mich schon, weil ich dann mal wieder ordentlich auf dem vom Küstenweg abgehenden Teil des Jakobsweges kraxeln könnte.

Erst einmal habe ich auch den Weg durch Galizien und Portugal erklimmen können und musste nur zwei- oder dreimal auf Landstraßen ausweichen. So schlimm war es trotz 23 Kilogramm Gepäck jetzt auch nicht gerade. Zum anderen kann man auch schieben. Viele erzählen auch nur gerne viel und erzählen, wie anstrengend doch die Strecke sei, die gerade vor einem liege. Am Ende war es dann immer leichter als gedacht. Hier handelt es sich auch nur um knapp über 300 Kilometer Strecke. Und auch dort wird es schon mit Hilfe eines Navis möglich sein, die ganz steilen Abschnitte zu umfahren. Ich probiere es trotzdem in den Bergen aus, auch wenn ich auf einer Webseite gelesen habe, dass es für Radler zu schwierig sei. Es gibt sicher dort auch Unterkünfte, wo ich das Gepäck abladen kann, und dann ganz unbeschwert den Gipfel erreiche.

Denn ich finde persönlich Berge sehr viel spannender beim Radfahren trotz der damit verbundenen Anstrengungen, weil die meisten Küstenwege in Europa nicht zuletzt der Bebauung und des Verkehrs wegen eher abschreckend sind.

Was spricht dafür den Primitivo auszuprobieren? In Bergen sind oft wenig Autos unterwegs. Die Menschen haben meistens eine freundliche Mentalität und sind daher oft sehr hilfsbereit. Zudem sind die Preise günstig und das Essen in den Gaststätten auf Einheimische ausgerichtet. Es gibt also das bessere Essen. Zudem: Was gibt es Schöneres, als eine Pause an Wasserfällen einzulegen, einen Kaffee in einem Bergdorf einzulegen, wenn der Nebel noch dampft, eine grandiose Aussicht zu genießen?

Mehr Infos über das Potential einer Pilgerreise auf dem Camino Primitivo findest Du hier:

Pilgern auf dem Camino Primitivo

Kulturszene in Barcelona feiert El Bermejo

Mit “El Bermejo” (1440 – 1501) steht in Barcelona aktuell ein bisher eher unbekannter Meister im Rampenlicht. Er ist ein Renaissancemaler des 15. Jahrhunderts, weshalb er mich sehr interessiert, weil ich mich mit der Epoche gerade näher befasse.

Als ich jetzt den Artikel aus dem Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in die Hand bekam, suchte ich im Text des Verfassers Paul Ingendaay natürlich sofort nach Hinweisen in seiner Malerei aus der damaligen Zeit, stand Spanien doch damals kurz davor, sich zur Großmacht aufzuschwingen. Dem Königreich steht noch der Erbfolgekrieg bevor, war gerade noch dabei, die Araber zu vertreiben. Zeitgleich gingen die Spanier überaus hart gegen Juden vor, die dadurch gezwungen waren, nach Portugal und in den Orient auszuwandern. Dort waren sie aufgrund ihres großen handwerklichen und finanziellen Geschicks gefragte Leute. Auch die furchtbaren Erfahrungen mit der Pest hatten die Bewohner der Iberischen Halbinsel gemacht und den Fall Konstantinopels mit Entsetzen gesehen.

Spiegelt sich irgendetwas von diesen Erfahrungen in den Gemälden El Bermejos wider, der mit bürgerlichem Namen Bartolomé de Cárdenas hieß, in Córdoba geboren wurde und wohl zwangsweise zum Christentum übertreten musste?

Durchaus. Er malte zum Beispiel eine Szene der Geißelung, die die Qualen Jesu veranschaulichen sollten. Die Menschen damals versuchten zu erforschen, was die Gottesmutter Maria fühlte, als ihr Sohn ausgepeitscht und später, als er ans Kreuz genagelt. Wurde sie gar ohnmächtig in ihrem Schmerz? Dies zu ergründen, war eine wichtige theologische Frage. Die Gefühle des Menschen rücken in den Mittelpunkt des Interesses.

Der FAZ-Autor beschreibt auch die Marienfiguren des Malers, die elfenbeinerne Zartheit und herzzerreißende Trauer aufwiesen. Seine Christusfiguren seien schrecklich leidende Menschen und obendrein skandalös nackt.

Es ging damals nicht nur um das Leiden Christi und Marias, sondern auch um die Seele der Reise nach dem Tod. Würde sie in der Hölle ankommen? Hatte sie im Leben genug gute Taten verrichtet, damit man doch vom Engel ins Paradies gelassen wurde? Musste man wirklich allen irdischen Versuchungen widerstehen, um ins Paradies zu gelangen?

Erwähnung findet daher im FAZ-Artikel auch das erste erhaltene Gemälde El Bermejos: „Der heilige Michael triumphiert über den Teufel“ (1468) aus der National Gallery in London. Man könne sich an der Stofflichkeit kaum sattsehen, schreibt Ingendaay. Die schimmernde Goldrüstung des Erzengels mit eingearbeitetem grünen Samt, grau schimmerndem Kettenhemd und perlen- und diamantbesetztem Schuhwerk, umweht von einem prächtigen purpurnen Umhang, kontrastiere mit dem bösen Tier, das er mit dem Fuß zu Boden drücke.

Der Glaube an den Teufel war allgegenwärtig. Er versucht stets, auch mit Lügen, die Seele für sich zu gewinnen, bietet ihr ein Leben in Luxus, wofür sie später aber in der Hölle leiden muss. Auf der anderen Seite steht der Engel mit dem flammenden Schwert, der auch um die Seele wirbt, ihr rät, dass all diese überflüssigen irdischen Güter abzulehnen. Diese seien vergänglich. Über dem FAZ-Artikel findest Du ein Bild, auf dem Maria Jesus in den Armen hält. Der Totenkopf rechts davon ist ein typisches Emblem für die Vergänglichkeit. Wenn sie aber ein einfaches Leben führe und den Weg in die Heilige Mutter Kirche finde, sei sie erlöst. Der Seele fällt es sehr schwer, all das zu begreifen.

Jetzt hoffe ich, Neugierde in Dir geweckt zu haben, die Ausstellung in Barcelona zu besuchen. Sie läuft im Museu d’Art Nacional de Catalunya. Dort werden über zwanzig Gemälde El Bermejos gezeigt, ergänzt um mehr als vierzig Bilder von Vorläufern und Zeitgenossen.

Weitere Infos unter

El Bermejo – Spanien entdeckt alten Meister des 15. Jahrhunderts wieder

Wenn die Sonne am Flussufer untergeht…

Was tut es gut, während einer Wanderung oder Radtour an einem heißen Tag in einem schönen Fluss zu baden. Als ich im vergangenen Jahr mit einem guten Freund von Bonn aus durchs Sieger- und Sauerland und anschließend durchs Weserbergland geradelt bin, habe ich hin und wieder das gute Angebot an Flüssen und Seen genutzt.

Zuerst entspannte ich mich an einem heißen Tag in der Sieg, später in der Hennetalsperre bei Meschede; dort gab es sogar einen gesonderten Badebereich.

Beim Langzeitradeln ist Baden nicht nur gut für die Muskeln, sondern auch eine Chance, Synthetikkleidung während der Fahrt zu waschen. Bei heißem Wetter trocknet diese sehr schnell. Und kleine Fische sorgen für ein kostenloses Peeling; denn sie holen sich gerne feine Hautschuppen von den Beinen. Dass sie an einem herumzupfen, ist prickelnd und daher belustigend.

Wer plant, demnächst durch Portugal zu reisen, findet jetzt in dem von mir sehr geschätzten Magazin Vortex eine Liste schöner Badestellen, von denen ich sogar einige kenne. Einige liegen nämlich in der Serra da Estrela, dem Hochgebirge, und im Norden des Landes.

Gebadet habe ich dort zum Beispiel an einem Badestrand kurz vor Ponte de Lima, als ich mich auf dem Jakobsweg befand. Es war heiß und an dem Tag hatte ich die Pilgerin Alexandra kennen gelernt. Wir hatten uns nett unterhalten und beschlossen daher, den Nachmittag am Flussstrand zu verbringen, da wir sowieso im Ort übernachten wollten. Dafür dass es im August war, führte der Strom erstaunlich viel Wasser. Auch ein Angler hielt sich in der Nähe auf. Ich sah während des Schwimmens auch einige große Fische.

Ganz anders ist hingegen die Praia Fluvial de Loriga in der Serra da Estrela. Das Gewässer hüpft dort munter über die Steine, ist eben ein Gebirgsfluss, den mir eine freundliche Mitarbeiterin einer Ferienanlage in Lapas dos Dinheiros zeigte neben anderen Geheimnissen ihrer Heimat, die ich alleine nie gefunden hätte. Dazu zählten auch ein versteckt in einem Wald liegender Wasserfall und ein einsam hoch auf einem Hügel stehendes Kreuz neben einer Kapelle. Mich erinnerte das Kreuz an den Zuckerhut in Brasilien, auf dem auch ein großes Kreuz steht.

Um die Liste im Magazin Vortex einsehen zu können, brauchst Du nicht Portugiesisch sprechen zu können. Die Ortsnamen sind jedem Text vorangestellt. Außerdem gibt es dazu gute Fotos zum Träumen.

Portugals schönste Badeplätze an Flüssen

Umweltschutz soll am Polarkreis besser werden

Länger habe ich nichts mehr aus Umeå gehört, einer weit nördlich liegenden Stadt in Västerbotten. Das ist in Schweden, fast am Ende des nördlichen Teils der Ostsee, die allerdings dort Baltisches Meer genannt wird.

Jetzt bringt der Deutschlandfunk einen Beitrag über das Umweltbewusstsein der Einwohner in der Kulturhauptstadt des Jahres 2014, was natürlich in einem Zusammenhang mit Greta Thunberg zu sehen ist.

So einiges darin ist mir im Zuge meiner Radwanderung am Polarkreis gar nicht aufgefallen wie zum Beispiel die schlechte Luftqualität, obwohl ich vor meiner Ankunft schon einige Wochen in freier Natur unterwegs gewesen war. Deshalb hätte es mir auffallen müssen. „Wir haben eine sehr schlechte Luftqualität, besonders im Winter, damit fing es an. Es gibt zu viele Autos und wenig Wind. Darum müssen wir Alternativen entwickeln. Anreize geben, auch im Winter mit dem Fahrrad zu fahren oder mit dem Bus.“

Der rege Autoverkehr ist mir schon aufgefallen, was darin liegt, dass Umeå die größte Stadt Nordschwedens ist und so mit ihren Angeboten viele Menschen anzieht. Wer einkaufen will oder ins Krankenhaus muss, muss nach Umeå fahren. Die Einfallstraßen sind natürlich entsprechend groß und es empfiehlt sich eher, die Stadt über kleine Straßen mit dem Rad anzufahren.

Auch die Universität zieht natürlich viele junge Menschen an, die jetzt schon eine andere Lebenseinstellung mitbringen als Ältere. „Letztes Jahr haben wir den ökologischen Fußabdruck von Umeå ausgerechnet. Basierend auf Umfragen, wie die Menschen reisen, was sie kaufen, was sie essen und so weiter. Dabei haben wir gesehen, dass vor allem die jungen Leute immer mehr Secondhand kaufen, ein Drittel der jungen Frauen zwischen 20 und 30 lebt vegetarisch. Und was wir dabei herausgefunden haben: Wenn alle Einwohner solche Reisegewohnheiten hätten wie die Frauen, würden wir unsere Klimaziele erreichen.”

Außerhalb der Stadt sieht es sicher nicht so kritisch aus, denn an der Küste öffnet sich eine beeindruckende Inselwelt, im Binnenland hingegen lockt der Naturfluss Vindeln mit interessanten Freizeitangeboten wie Kajakfahren oder Forellenfischen. Und an der Grenze zu Norwegen erhebt sich ein Gebirge, in dem ich mich ein wenig wie ein Goldsucher in einer Geschichte Jack Londons fühlen darf.

Allerdings bekommt Schweden die Folgen des Klimawandels offenbar besonders deutlich zu spüren: Das Meteorologische Institut des Landes erklärte vergangene Woche, dass die Temperatur in Schweden doppelt so schnell ansteige wie im globalen Schnitt.

Umweltbewusstsein in Umeå

Sherry, Käse und gebratene Auberginen – heute ist Andalusientag

Immer mal wieder lobe ich hier die andalusische Küche. Für mich hat sie den Reiz, dass es in Andalusien viele Restaurants abseits der touristischen Trampelpfade in kleinen Orten gibt. Diese lernen Radfahrer oder Wanderer leichter kennen als jemand, der in einer Fahrerkabine sitzt. Denn man kehrt nach kürzeren Distanzen ein, weil man sich erholen will und fast immer hungrig ist. Zudem sind die Preise auf dem Land recht niedrig, so dass es man es sich leisten kann, sich unterwegs fast nur in Bars und Restaurants zu versorgen und so die regionale Küche kennenzulernen.

Ein Autor der englischen Zeitung “The Telegraph” hat sich jetzt mit José Pizarro getroffen. Der Gastronom stammt aus der Extremadura, lebt aber in England und gilt als Kenner der andalusischen Küche.

Für ihn hält Andalusien für Gäste einfache Vergnügungen bereit wie ein Glas Wein oder Sherry; dazu gibt es dann etwas Schinken oder Käse. Viele der Zutaten und Rezepte gingen bis in die Antike zurück, so dass die Speisen ziemlich vielfältig seien, erzählt er.

Jede der acht Provinzen beherberge ganz eigene Rezepte wie etwa gebratene Auberginen mit Zuckersirup in Cordoba oder Kabeljau mit Orangensalat in Granada. Oder ein großes Stück vom Thunfisch aus Cádiz, der nachhaltig mit Netzen während ihres Zuges vom Atlantik ins wärmere Mittelmeer gefangen werde. Er esse ihn sogar gerne roh mit gutem Olivenöl und Salz.

Dem Interviewten zufolge solltest Du im nächsten Urlaub in Cordoba Gazpacho als Erfrischung probieren, denn Pizarro hält diese kalte Suppe für die beste der Region. Sie heißt Salmorejo und ist etwas dickflüssiger als die anderen. Ebenfalls für empfehlenswert hält er ajoblanco aus Málaga, dem sogar Mandeln und Melonen beigefügt würden.

So, ich bekomme jetzt Hunger und werde gleich einkaufen gehen. Klar, dass es heute mittag andalusische Küche gibt. Ich gehe davon aus, dass Du gut Englisch sprichst und die zweite Hälfte des Interviews sicherlich auch selbst lesen kannst.

Mehr Infos unter:

Andalusische Küche