Heinz Storrer schreibt im “Tages-Anzeiger” über den hohen Norden

Lappland war den Bewohnern zu dunkel. Die Tiere des Waldes berieten, was sie dagegen tun könnten, fanden aber keine Lösung. Nur ein junger Polarfuchs schlug etwas vor. Doch er wurde nicht Ernst genommen. Daher wurde er wütend, rannte fort auf einen Hügel. Er wirbelte mit dem Schwanz viel Schnee auf, wodurch der Wald ringsum erleuchtet wurde.
Eine hübsche Geschichte tischt Heinz Storrer den Lesern seines Artikels über seinen Besuch in den nordischen Ländern auf. Dieser erschien am 11. Januar 2026 im Schweizer Tages-Anzeiger. Storrer arbeitet seit über 40 Jahren als Reise- und Kulturjournalist. Er war offenbar vor allem beim Medium „Schweizer Familie“ aktiv. Mit solch einem Hinweis hatte der Tages-Anzeiger bereits in einer Fußnote in der Vorwoche die Autorin Chris Winteler geehrt. So wird deutlich, dass der Artikel nicht von KI oder einer PR-Agentur verfasst wurde.
Mit diesem Text setzt sich die Serie der Rezension deutschsprachiger Reiseblätter von Durchstreifen & Erleben auch in dieser Woche fort. Diese begann mit Artikeln deutscher Leitmedien, wird aktuell mit der Analyse von Reisetexten in Schweizer Medien fortgesetzt. Zunächst ging es um Texte in der Weltwoche und in der NZZ. Mit dem Tages-Anzeiger endet die Analyse von Schweizer Texten.
Verträumte Perspektive
Die Geschichte über den Polarfuchs rundet den Text über Storrers Reise gelungen ab, auf der er den Norden zwischen Alta, Nordkap und Inari vorstellt. Sein in Ich-Form verfasster Bericht beginnt im September auf der Insel Magerøya am Nordkap. Dort hält er sich zu Beginn seines Textes auf, die Besucher beobachtend, die sich einem Globus, einem König Oskar gewidmeten Obelisken sowie einem Souvenirladen zuwenden. Den ausgestopften Polarvögel beachte hingegen niemand, dafür aber etwas mehr eine humorvoll aufgemachte Multimedia-Show über die Polarregion.
Etwas träumerisch versetzt er sich in seine bisherige Autoreise zurück, die ihn zum Nordkap führte. Auf dem Weg suchte er eine von Sami betriebene Rentierfarm in Kilpisjärvi auf. Dort erfuhr er, dass der Klimawandel sich nicht gut auf die Zucht der Rentiere auswirke. Denn durch härtere Böden wäre die Nahrungssuche erschwert, weshalb nachgefüttert werden müsse. Dies beeinträchtige die für Züchter wichtige natürliche Selektion. Den Sami gehe es nicht schlecht, da ihnen der Tourismus Devisen einbringe. Denn sie hielten Vorträge, böten Führungen an und Schlittenfahrten.
Er setzt dann in der Rückschau über zum Malla-Naturreservat als nächstem Schauplatz im Dreiländereck. Dort beobachtet er die „Natur in Flammen“, da die Sonne die Bäume bescheint. Er beschreibt die Taiga mit Moos, Birken, Berg, See und Ente – eine märchenhafte Atmosphäre.
Die Fahrt führt von dort zurück nach Kilpisjärvi, wo er das Saana-Fjell besteigt, ein als Kraftort bekannter 1029 Meter hoher Berg. Er sei von weitem zu sehen. Von oben schaue man auf drei Länder in der Taiga-Landschaft.
Noch weiter zurückschauend erinnert er sich an Alta, die als Stadt des Nordlichts bezeichnet werde. Die Kathedrale sei danach benannt. Dort trifft er sich mit Unternehmern, die Schiefer abbauen. Diese fühlten sich aufgrund des reichen Vorkommens an Fisch, Wild und Früchten der Natur wohl hier.
Seine Gedanken enden hier und fast auch schon seine Geschichte. Denn vom Nordkap aus führt die Fahrt nach Inari in Finnland. Dort bieten sich sowohl ein Museum mit Informationen über die Sami an als auch eine Fahrt mit einem Ausflugsschiff. In Inari sieht er zum ersten Mal wirklich Nordlichter auf dieser Reise. Daran knüpft er seine Geschichte mit dem Polarfuchs an.
Emotionslos und fade
Der Artikel kommt etwas fade daher bis auf die Tiergeschichte. Über die Eigenheit dieser spannenden und wenig geschilderten Region kommt zu wenig heraus, was sich von anderen Teilen der drei Länder wirklich abhebt. Das ist zu wenig dafür, dass in den hohen Norden fahrende Touristen wirklich viel Motivation aufwenden müssen, um überhaupt so weit zu fahren. Letztlich muss der Autor noch nicht einmal dort gewesen sein. Er kann genauso gut zum Beispiel Fotos für den Text beschrieben haben. Emotionen, die Nähe zu ihm schaffen, wie es Freddy Langer mit seiner Schneewanderung gelungen ist, sind bis aufs Märchenhafte so gut wie nicht vorhanden.
Dies scheint dem Stil des Tages-Anzeigers geschuldet zu sein, der offenbar Lesern Häppchen von möglichst vielen Stationen liefern will. Dies wurde schon am Text Wintelers in den vergangenen Woche deutlich. Vielleicht lohnt es sich auch nicht, eines nur geringen Honorars wegen viel mehr zu investieren. Der Reisende war selbst noch nicht so weit oben, weil ihn bisher Schilderungen von viel Nebel, Regen und lediglich der Anblick vieler Rentiere abschreckten. Geplant ist aber schon eine entsprechende Route mit Rad und Zelt. Er muss sich nur noch einen Ruck geben, den ihm dieser Artikel nicht gegeben hat.