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Genug Stoff für “Hollywood”

115 Kilometer auf dem Rad zum Nationalpark Eifel

115 Kilometer, fast 1000 Höhenmeter: Von Bonn aus ist der Nationalpark Eifel noch ganz gut mit dem Rad zu erreichen. Die Strecke besticht durch Burgen wie in Mechernich und Satzvey, den von Nettersheim nach Köln führenden Römerkanal, die Katzensteine, die vor 15000 Jahren Menschen der Steinzeit als Heim dienten. Auch die Kakushöhle bei Eisenfey wurde von Steinzeitmenschen genutzt. Sie bietet noch heute sogar 50 Menschen Platz. Vielleicht macht man sich in Eisenfey Hoffnungen auf die Ankunft eines Regisseurs aus Hollywood, der den Stoff um die beiden Riesen verfilmen will. Ein bisschen sieht es hier so aus.

Wir hatten die Kondition für solch eine Strecke über Wochen hinweg mit einigen harten Bergetappen kontinuierlich aufgebaut, so dass wir selbst die neunprozentigen Steigungen sowie Schotterstrecken gut bewältigten. Relativ locker fuhren wir nach Bonn zurück. Die Luft ging uns nicht dabei aus. Am kommenden Wochenende folgen wir wahrscheinlich dem Verlauf der Agger. Diese entspringt in Meinerzhagen und fließt gut 85 Kilometer nach Lohmar. Dort mündet sie in die Erft.

Heraus in die Natur an die frische Luft

Wohin fährst Du am liebsten, wenn Du Dich auf das Rad schwingst? Wenn Du nach dem Tag im Hörsaal oder im Büro frische Luft und Bewegung brauchst? Oder wenn Du mal mehrere Tage am Stück an der frischen Luft und in der freien Natur unterwegs sein möchtest?

Als Naherholungsgebiete locken mich die Eifel rund um Bonn oder die Baumberge in der Nähe von Münster. Dort genieße ich die Möglichkeit, auf “Berge” zu kraxeln und von ihnen herunterzusausen, schöne Ausblicke zu genießen wie auf den Kölner oder den Billerbecker Dom.

Geht es in die Ferne, gefallen mir besonders die Küstenwanderwege in Nordnorwegen und im spanischen Galizien. Denn selten kommt man innerhalb Europas so nahe ans (unverbaute) Wasser wie auf dem Lofot oder auf die Insel Senja oder die Strecke entlang der Costa da Morte. Sogar manche Herberge liegt dort so schön und auch noch einsam, dass ich das Meer im Zelt oder vom Zimmer aus hören kann. Dass ich dort nachts in einen tiefen erholsamen Schlaf falle, ist selbstverständlich.

Will ich Berge sehen, erfreue ich mich besonders an den Pässen zwischen Mo i Rana und Vilhelmina im Grenzgebiet von Schweden und Norwegen, weil ich mich dort wie ein Goldsucher fühlen darf in rauer Landschaft. Klare Flüsse rauschen an mir vorbei, während ich vor dem Zelt am Lagerfeuer sitze und mir etwas brutzele. Das Feuer verscheucht auch die meisten Mücken.

Oder aber ich suche wieder Galizien auf und besuche die Provinz A Coruña. Nicht weit entfernt davon liegt auch die Serra da Estrela. Aber trotzdem gibt es dort massive Unterschiede. In Galizien gibt es viel mehr Schluchten und Wege zum Kraxeln, während die Estrela in weiten Teilen eher eine Hochebene ist, durch die man das portugiesische Hochgebirge relativ leicht mit dem Rad durchstreifen und erleben kann.

Wer so inspiriert auf Tour gehen will, sollte sich auch die Tipps einiger anderer Cracks ansehen, die die Zeitschrift “Geo” mitsamt gpx-Daten zum Nachfahren zusammengestellt hat.

Touren anderer Cracks

Atemberaubend: mit der Nordlandbahn von Oslo nach Bodø

Zu den schönsten Eisenbahnfahrten Europas zählt die Strecke von Oslo nach Bodø. Dies liegt nicht nur am günstigen Preis für die nur einige Stunden lange Fahrt. Sondern es ergeben sich immer wieder sagenhafte Ausblicke auf die Fjorde und auf die Berge, wesentlich schöner als ein Flug, auf dem man nur bringt gutem Wetter etwas von der langen Küste sieht. Denn der Regionalzug bummelt ganz gemütlich Richtung Polarkreis. Und mein Fahrrad muss ich auch nicht umständlich einpacken und hoffen, dass es die Arbeiter auf dem Flughafen pfleglich behandeln, sondern schiebe es einfach ins Abteil und versinke danach in einem der gemütlichen Sessel.

Jeder erlebt die Fahrt anders. Was ein Reporter der Neuen Zürcher Zeitung dabei erlebt hat, erfährst Du in diesem Artikel.

Mit dem Zug von Trondheim nach Bodø

Mehr als Partys und Sonne

Ballermann? Strände? Mallorca hat auch Höhlen zur Besichtigung anzubieten, die ich nicht entdeckte, als ich dort einmal die Insel umradelte. Mallorca hatte ich lange vor mir hergeschoben und erst einmal mir interessanter erscheinende Ziele in Spanien auserkoren.

Andalusien fand ich wegen des maurischen Erbes spannender und besuchte lieber Granada, Córdoba, Sevilla und Ronda. Und natürlich dem großartigen Dichter Garcia Lorca huldigen, der im Bürgerkrieg von Gegnern der Republik erschossen wurde. Gibraltar wollte ich lieber sehen, um mein Wissen aus dem Geschichtsstudium über die Kolonie zu verlebendigen.

Doch dann kam ich auch nach Mallorca und war positiv überrascht, wie begeistert die Einheimischen selbst dort mit dem Rennrad fahren, dass es dort auch längst nicht so überlaufen war bis auf die Hotspots. Allerdings war ich dort vor Ostern, was ich nur empfehlen kann.

Denn die Menschen sind deutlich entspannter. Der Inhaber eines Hotels in Palma führte mich dementsprechend mit dem Rad durch die Gegend, in einem anderen in Port de Sóller hörte ich tolle spanische Musik. Am nächsten Morgen übergab mir eine Mitarbeiterin eine Kopie der CD.

Wer mehr über die Höhlen erfahren will, sollte hier weiterlesen:

Höhlen auf Mallorca

Mehr als ein Fluss

Viel spektakulärer als die Küste ist das Binnenland Portugals. Und mit dem Fahrrad auch viel komfortabler zu durchstreifen und zu erleben als mit dem Auto.

Denn es wird einem nicht übel. Und auf den Nationalstraßen von Porto bis nach Zamora in Spanien fließt wenig Verkehr und es gibt dort keine harten Steigungen. Man entwickelt ein gutes Gespür für die Landschaft. Weingüter laden zum Verkosten ein. Es gibt dort imposante Schluchten zu sehen, in denen ich zum ersten Mal in meinem Leben einer Gottesanbeterin begegnete, Felsritzungen von Menschen aus der Steinzeit betrachtete und an den barocken Wunder der Stadt Lamego entlang flanierte. Oder aber in einem der Thermalbäder meine müden Beine auffrischte.

Journalisten der in Portugal erscheinenden Zeitschrift “Evasões” empfanden das ähnlich und publizierten kürzlich eine Geschichte über den Rio Douro. Lest sie oder klickt die Bilderstrecke.

Rio Douro

Radwanderer spielt mit Tornado

Mit der eigenen Kraft ein Ziel zu erreichen – das fasziniert mich stets beim Radfahren. Einen Gebirgspass in Portugal oder Spanien zu erklimmen, von der schwedischen Ostküste quer durch Lappland bis zum Polarmeer zu radeln: Das berauscht mich, so hart es auch manchmal ist.

Die Faszination, die Fahrräder auslösen können, ist auch deutlich an den Gesichtern der Besucher des Universums in Bremen abzulesen, die sich dort mit Hochrädern, Mountainbikes, Rennrädern, Lastenrädern, Militärradern, Damenrädern und Rikschas befassen.

Sie strampeln mit einer Rikscha durch eine Großstadt, betrachten staunend die Experimente, aus Carbon, Aluminium oder Plastik den perfekten Rahmen zu produzieren.

Ich sehe dort Kettenschaltungen, die es schon Anfang des 20. Jahrhunderts gab, betrachte Riemen- oder Seilantriebe, Laufräder mit und sogar ohne Speichen, probiere an Modellen aus, wie diese Antriebe funktionieren.

Obwohl nicht alles gut funktioniert, lohnt es sich trotzdem für Radler, den Weserradweg für eine Weile zu verlassen, um sich auch mal mit dem treuen Stahlross, das mich selbst zum Beispiel seit August 2017 gut und gerne 7.000 Kilometer durch Deutschland, Spanien und Portugal getragen hat, auseinanderzusetzen.

Auch mit der Entstehung einer Welle, einer Wolke, eines Tornados oder des geriffelten Sandstreifens am Meeresufer kann sich jeder in anderen Abteilungen des Hauses befassen, also Phänomenen, die jeder während des Radwanderns unmittelbarer erfährt als Autofahrer oder Passagiere eines Kreuzfahrtschiffs oder Hausbootes. Denn die Ziele erreicht man aus eigener Kraft.

Es sind Erlebnisse, die einen erden, einem klarmachen, welchen Naturgewalten man täglich ausgesetzt ist. Im Universum kann dafür jeder mit einem Tornado spielen oder eine Welle erzeugen.

Draußen in der Natur hingegen spielen Wind, Wellen und Berge mit dem Reisenden.

PEREGRINO Auf dem Jakobsweg

“Si te gusta la soledad, si quieres ser protagonista de este camino junto a la grandeza del paisaje y frente a dureza de los frios y los soles. Si quieres que los atardeceres te arrastren en sus hondos silencios y que a las mañanas los quiebros de la aurora te agiten el alma … ¡este es tu camino!”

Und irgendwo da draußen stehen die Schuhe, während ich hier vor der Burg in Puente de Sanabria stehe, die auch eine Rolle im berühmten Roman “Don Quijote” spielen soll.

Mich sprach der Text an, weil er von Einsamkeit spricht, von der Härte der Kälte und der Sonne, von weiter Landschaft, von der Stille, der beeindruckenden Stimmung am Morgen. “Dann ist das dein Weg”.

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Spanien entwickelt sich rasant zu einem Radsportland. Heute fuhr ich über die Grenze von Nordportugal nach Galizien – von Valença nach Tui. Beim Aufpumpen meiner Reifen und Reinigen meines Schaltwerks mit Wasser fand ich auf Augenhöhe einen sehr guten Text, der sowohl Rad- als auch Autofahrern Verkehrsregeln erklärte.

Respekt auf der Straße geht alle an

Achte auf 1,5 Meter Abstand beim Vorbeifahren und fahre defensiv.

Betrachte eine Gruppe von Radfahrern als eine einzige mobile Einheit.

Überhole kein anderes Fahrzeug, wenn Dir Radfahrer entgegenkommen.

Benutze ein reflektierendes Vorderlicht und trage nachts eine reflektierende Weste.

Respektiere die Verkehrsregeln genauso wie alle anderen Verkehrsteilnehmer.

Wenn Du nebeneinander fahren willst, dann fahrt höchstens zu zweit.

Sollte man das nicht auch an deutschen Tankstellen und an öffentlichen Gebäuden und Parkplätzen aufhängen?