Serra da Estrela

Artikelserie II

Mehrteilige Radwanderung durch die Serra da Estrela

Von Mode bis zum traditionellen Olivenanbau

Wenn der Wind über die kar­gen Hoch­pla­teaus der Ser­ra da Est­re­la fegt, erzählt er Geschich­ten von Ent­de­ckern, Hir­ten und dem ewi­gen Rhyth­mus der Natur. Fern­ab der Atlan­tiksträn­de offen­bart das „Ster­nen­ge­bir­ge“ ein Por­tu­gal, das in sei­ner Ursprüng­lich­keit fast archa­isch wirkt.

Der Weg führt zunächst nach Guar­da, der höchst­ge­le­ge­nen Stadt des Lan­des. Hier, wo der Rio Mon­de­go ent­springt, thro­nen Gra­nit­mau­ern über der Land­schaft. Der Fluss, Lebens­ader der Regi­on, schlän­gelt sich von sei­nen Quel­len hin­un­ter in grü­ne Täler, die seit Jahr­hun­der­ten von der Schaf­zucht geprägt sind. Die fluf­fi­gen Bord­alei­ra-Scha­fe lie­fern nicht nur die Wol­le für die typi­schen „Burel“-Stoffe, son­dern auch die Milch für den berühm­ten Quei­jo Ser­ra da Est­re­la, einen cre­mig-wür­zi­gen Käse, der als kuli­na­ri­sches Hei­lig­tum gilt.

Ein kul­tu­rel­ler Anker­punkt ist Bel­mon­te. Das his­to­ri­sche Dorf ist untrenn­bar mit dem Namen Pedro Álva­res Cabral ver­bun­den, dem Ent­de­cker Bra­si­li­ens, der hier gebo­ren wur­de. Doch Bel­mon­te hütet noch ein wei­te­res Geheim­nis: Es beher­bergt eine der letz­ten Kryp­to-Juden-Gemein­den der Ibe­ri­schen Halb­in­sel, die ihre Tra­di­tio­nen über Jahr­hun­der­te im Ver­bor­ge­nen bewahrte.

Tie­fer in den Ber­gen ver­steckt liegt Pió­dão. Das „Weih­nachts­krip­pen­dorf“ scheint direkt aus dem Schie­fer gewach­sen zu sein. Die dunk­len Stein­häu­ser mit ihren cha­rak­te­ris­ti­schen blau­en Türen schmie­gen sich so eng an die Hän­ge des Açor-Gebir­ges, dass man sich in einer ande­ren Zeit wähnt.

Die Rei­se führt wei­ter nach Caria mit sei­nen herr­schaft­li­chen Bishop-Paläs­ten und nach Unhais da Ser­ra, das mit sei­nen Ther­mal­quel­len als Well­ness-Oase der Ber­ge gilt. Den Abschluss bil­det Covil­hã, die eins­ti­ge Stadt der Wol­le. Wo frü­her Web­stüh­le rat­ter­ten, prägt heu­te moder­ne Street-Art die alten Fabrik­mau­ern und ver­bin­det die indus­tri­el­le Ver­gan­gen­heit mit der krea­ti­ven Gegenwart.

Die Ser­ra da Est­re­la ist mehr als ein Gebir­ge – sie ist ein tie­fes Ein­tau­chen in die See­le Portugals.

Angebot 1

Hohe Wacht am Rio Mondego

Guarda, höchste Stadt Portugals, durchstreifen und erleben

Guar­da, Part­ner­stadt Sieg­burgs bei Bonn, birgt vie­le Schät­ze. Es lohnt sich, das Rad ste­hen zu las­sen, die Haupt­stadt des Hoch­ge­bir­ges zwei Tage zu durch­strei­fen, um den „Son­nen­mann“, die fes­tungs­ar­ti­ge Kathe­dra­le und das Juden­vier­tel des alten Luft­kur­or­tes zu erleben.

Es gibt nur stei­le Wege in Guar­das Zen­trum. Gleich­gül­tig, von wel­cher Sei­te der Rei­sen­de kommt, es geht immer berg­auf. Wer von Bel­mon­te übers Vale do Mon­de­go kommt, wird stark gefor­dert. Aber es lohnt sich, zwei bis drei Tage zu ver­wei­len und sich dabei auch kör­per­lich zu erholen!

Denn Guar­da ist mit 1056 Metern die am höchs­ten gele­ge­ne Stadt Por­tu­gals. Die nächst höher gele­ge­nen Städ­te lie­gen zwi­schen 450 und 700 Metern. Aber war­um baut man eine Stadt für heu­te gera­de ein­mal 43.000 Ein­woh­ner in die­ser Lage? Guar­da war immer schon regio­na­les Zen­trum. 1139 durch König Sancho I. gegrün­det, erfüll­te sie die Funk­ti­on eines Bischofs­sit­zes. Guar­da bedeu­tet Wacht. Sie ist zum Schut­ze des Umlan­des ange­legt. Es ist leicht zu ver­tei­di­gen, ob sich Fein­de nähern. Sancho dien­te sie als Grenz­ver­tei­di­gung­an­la­ge gegen expan­siv den­ken­de kas­ti­lisch-leo­ne­si­sche Ade­li­ge. Zugleich soll­ten die Bewoh­ner ins Inne­re des Gebir­ges füh­ren­de Stra­ße über­wa­chen. Schon seit der Stein­zeit ist die Regi­on besie­delt; sie ist also kei­nes­wegs sied­lungs­leer. Bevor­zugt sie­del­te man hier schon in der Früh­zeit auf den Hoch­ebe­nen, in aus­ge­schnit­te­nen frucht­ba­ren Tälern, oder auch bevor­zugt an Flüs­sen wie dem Mon­de­go oder dem Côa. Wer die Pra­ça Luís de Camões an der Kathe­dra­le erreicht hat, darf auf die­sem Haupt­platz in einem der Cafés zuerst ein­mal durch­at­men oder sich an dem Anblick der schö­nen alten Häu­ser mit den Arka­den erfreu­en. Einst war die­ser Platz ein Markt­platz. Er liegt am Ran­de der zum Teil noch von Stadt­mau­ern umge­be­nen attrak­ti­ven Altstadt.

Dort fin­det der Besu­cher auch das Tou­ris­ten­bü­ro. Wer nach der Che­fin fragt, wird zur Pro­jekt­ma­na­ge­rin Car­la Basi­lio gewie­sen wer­den. Dem Besu­cher erklärt die klei­ne zier­li­che Frau mit den grü­nen Augen zuerst die Grund­zü­ge des berühm­tes­ten Baus der Stadt, die Kathe­dra­le, die dem Rad­ler aus einem Film im CISE in Seia schon bekannt ist; völ­lig über­rascht ist er, dass das Hoch­ge­bir­ge solch eine Per­le beher­bergt. Auch von der Nach­bar­stadt Bel­mon­te erzählt sie und deren jüdi­schem Erbe. Doch es bleibt nicht nur beim Vor­trag. Sie ist auch sofort bereit, durch ihre Geburts­stadt zu füh­ren. Sie ist nicht nur auf Guar­da spe­zia­li­siert, son­dern sie ver­ant­wor­tet den inne­ren Tou­ris­mus der weit bis Avei­ro und Cas­te­lo Bran­co rei­chen­den Inne­ren Bei­ra. Bonn ken­ne sie, erzählt sie und lächelt. Wäh­rend eines Schü­ler­aus­tau­sches habe sie eini­ge Zeit in Guar­das Part­ner­stadt Sieg­burg verbracht.

Sie führt zunächst über den durch Anla­ge von Bee­ten mit Blu­men auf­ge­lo­cker­ten Platz zur Kathe­dra­le, auf Por­tu­gie­sisch . Links der Kir­che erhebt sich eine Bron­ze­sta­tue Dom Sanchos. Auf einem wei­ßen Gra­nit­qua­der steht 2. König von Por­tu­gal, 1185 – 1211. Unter sei­nem lan­gen Gewand lugt die rech­te Schuh­spit­ze her­vor. An Stel­le eines Fußes sticht links die Spit­ze eines lan­gen Schwer­tes in den Block, des­sen Knauf er mit der lin­ken Hand umfasst. Mit der rech­ten fixiert er eine Fal­te sei­nes Gewan­des, über dem er einen Umhang trägt. Ein klei­nes Kreuz hängt an einer Ket­te auf der Brust. Der König trägt einen Bart. Die Kro­ne auf dem Haupt zeigt sei­ne Stel­lung an. Sancho schaut weit über den Platz. Bereits mit 13 Jah­ren war er Feld­herr in einer Schlacht um Ciu­dad Rodri­go, die ver­hee­rend ende­te. Das heu­ti­ge Bild von ihm ist das eines (…)

Auf­fal­lend unter den Bewoh­nern im gan­zen Vier­tel ist hier ein bei offe­ner Tür arbei­ten­der Schrei­ner. Im Ein­gangs­be­reich steht eine ans Kreuz gena­gel­te Chris­tus­fi­gur. Unter gro­ßem Krei­schen glät­tet er in sei­ner Werk­statt eine run­de Holz­schei­be mit einem elek­tri­schen Hobel. Über der Werk­bank hängt ein Kreuz unter einer Alu­lei­ter. An einem ande­ren Tag wabert hier star­ker Kleb­stoff­ge­ruch durch die Gas­se. Dies­mal steht er mit einer Mas­ke auf dem Gesicht vor sei­ner Arbeits­plat­te. Er fügt etwas zusam­men. Ein Bild, das heut­zu­ta­ge nicht mehr oft zu sehen ist, allen­falls viel­leicht ver­brei­tet in Sorent am Golf von Nea­pel oder in Graz in der Stei­er­mark, wo das Prin­zip der offe­nen Werk­statt noch pro­pa­giert wird. Die­ser Tisch­ler bil­det in Guar­da eine Ausnahme.

(…)

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Angebot 2

„Auch im Paradies muss man hart arbeiten“

Vom Schreibtisch auf den Olivenhain

Im Novem­ber, wenn die meis­ten Tou­ris­ten Por­tu­gal ver­las­sen haben, lässt sich im Hoch­ge­bir­ge bis Mit­te Dezem­ber das Schau­spiel der Oli­ven­ern­te beob­ach­ten. Es ist fremd, denn fast nie­mand weiß, wie die­se Früch­te vom Baum geholt wer­den. Schreib­tisch­tä­ter aus aller Welt packen als Ern­te­hel­fer in einem ein­sa­men Tal der Ser­ra da Est­re­la mit an.

(…) Jes­se füllt zwei Hei­ne­ken-Glä­ser mit Was­ser. Von hier unten ist die star­ke Bewal­dung der bei­den das Tal ein­schlie­ßen­den Höhen­zü­ge zu sehen. Oben weht ein fri­scher Wind, zu erken­nen. Das zei­gen die lang­sam rotie­ren­den Wind­rä­der, die elek­tri­sche Ener­gie pro­du­zie­ren. Ruhig und sach­lich beant­wor­tet er alle auf­kom­men­den Fra­gen. Er macht aber auch gleich deut­lich, dass er kein Land­wirt­schafts­exper­te ist. Er ken­ne sich weder mit Scha­fen noch mit den Beson­der­hei­ten von Obst­bäu­men aus. Daher kön­ne er nicht ein­mal sagen, wel­che Oli­ven­sor­ten er bewirtschafte.

(…)

Mit 20 Hekt­ar Grund gehö­ren die Nie­der­län­der zu den gro­ßen Betrie­ben im Mon­de­go-Tal. Außer ihm gebe es zwei bis drei ande­re gro­ße Land­wir­te, mit denen er aber nicht in Kon­takt ste­he. Ins­ge­samt gebe es an die tau­send über sechs bis sie­ben Dör­fer ver­teil­te Klein­bau­ern. Um sich zu ori­en­tie­ren, was auf dem kar­gen sau­ren Boden wächst, habe er sich auf deren Fel­dern umge­se­hen. Nicht nur Oli­ven gedie­hen gut, son­dern auch Man­deln und Kir­schen. Man­deln erziel­ten sogar gute Prei­se, doch ver­fü­ge er nur über einen Bestand von 18 Bäumen. (…)

Alle Pro­duk­te wür­den ins Aus­land expor­tiert. Dies sei lukra­ti­ver, sagt Jes­se. Für ein Kilo Kir­schen erhal­te er in Por­tu­gal 80 Cent, von einem Kun­den in den Nie­der­lan­den dage­gen zwei Euro. Daher habe er im ver­gan­ge­nen Jahr den Bestand um 80 Kirsch­bäu­me erwei­tert. Alles bio­lo­gisch-dyna­misch: Erkrank­te Bäu­me wür­den ent­fernt oder zumin­dest teil­wei­se beschnit­ten. Aber viel Arbeit sei nicht nötig, denn nicht ein­mal die gefürch­te­te Wei­ße Flie­ge kom­me hier vor, da deren natür­li­che Fein­de die Tro­cken­heit, die Vögel und Raub­in­sek­ten sei­en. Der eigent­li­che Win­ter sei recht kalt.

Außer die­sen Ein­nah­men habe er eine neue gewinn­brin­gen­de Quel­le entdeckt. (…)

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Angebot 3

Schafwolle in den Genen

Im Sterngebirge erwacht die alte Textilhauptstadt Covilhã wieder

Aus­zug aus einer Repor­ta­ge über das por­tu­gie­si­sche Man­ches­ter in den hohen Ber­gen Portugals

Unter einer Brü­cke steht eine alte Tex­til­fa­brik aus dem 19. Jahr­hun­dert an der Rua Mate­us Fer­nan­des. Spu­len mit Garn, Werk­zeug, Tau­sen­de von Behäl­tern mit Far­ben, Wol­le in Rega­len, an der Wand, auf Arbeits­ti­schen und auf dem Boden. Die Fabrik sieht in Tei­len noch so aus wie am letz­ten Tag vor ihrem Kon­kurs im Jah­re 2002, nicht zuletzt zei­gen dies zurück­ge­las­se­ne Web­stüh­le. Man­che Maschi­nen in der Fabrik sind noch voll funk­ti­ons­fä­hig. Fran­cis­co Afon­so führt per­sön­lich an einem der Web­stüh­le vor, dass die Weber­schiff­chen immer noch durch die gespann­ten Fäden flit­zen. „Immer wie­der stand ich mit­ten in der Nacht auf und web­te hier“, erzählt Afon­so. „Ich ver­such­te, mei­ne Kind­heit zurück­zu­ho­len.“ Der leger mit gestreif­tem Hemd, Pull­over und Jeans beklei­de­te Mann erzählt, dass sein Vater Julio da Sil­va Afon­so 1976 von „Men‘s Fashion Wri­ters Inter­na­tio­nal“ mit „The Bril­li­ant Pen“ einen renom­mier­ten Preis für sei­ne Kol­lek­tio­nen erhal­ten habe. An die 200 Mit­ar­bei­ter habe er in Spit­zen­zei­ten beschäf­tigt. „Mein Vater war wiss­be­gie­rig und offen.“ Und er setz­te auf das rich­ti­ge Pro­dukt mit eng­li­schem Tweed, der damals der Ren­ner gewe­sen sei. Schon Groß­va­ter Antó­nio Est­re­la habe die Basis dafür gelegt. Auf der Welt­aus­stel­lung in St. Lou­is 1904 habe er einen Preis für die bes­te Wol­le erhal­ten. Woll­pro­duk­ti­on und ‑ver­ar­bei­tung waren zu die­ser Zeit der wich­tigs­te Fak­tor der por­tu­gie­si­schen Industrie.

Als bes­tes por­tu­gie­si­sches Woll­schaf gilt noch heu­te die Ras­se Chur­ra Mon­de­guei­ra. Nach Infor­ma­tio­nen der Asso­cia­ção Nacio­nal de Cria­do­res de Ovi­nos da Ser­ra da Est­re­la ist es mit­tel­groß. Das fei­ne fet­ti­ge Fell ist weiß. Die Haar­sträh­nen lau­fen spitz aus. Wäh­rend das weib­li­che Schaf 40 bis 50 Kilo­gramm wiegt, erreicht das männ­li­che 50 bis 80. Die Brust­par­tie ist rela­tiv gestreckt, der Bauch haar­los. Im Bereich der gro­ßen Augen, der hori­zon­tal ange­leg­ten Ohren sowie der fei­nen, aber kräf­ti­gen Bei­ne kann es mit­un­ter pig­men­tiert sein. Sein unbe­haar­ter, gera­de geform­ter und bart­lo­ser, Kopf ist mit­tel­groß. Das Maul ist groß, die Lip­pen sind ausgeprägt.

Hei­di befin­det sich noch immer im Ent­schei­dungs­pro­zess. Jetzt pro­biert sie auch einen feld­grau­en, aber wesent­lich stren­ger geschnit­te­nen, Man­tel an. Denn die Gestal­tung des Kra­gens, der Knopf­leis­te, der Schnitt der Klei­dung, scheint an einer Mili­tär­uni­form ori­en­tiert zu sein. Doch hier blei­ben die Kom­pli­men­te aus. (…)


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Angebot 4

Die Schafe sind die Bosse auf der Weide“

Radeln im Käseland der „heiligen“ Serra da Estrela

Aus­zug aus einer Repor­ta­ge auf der Spur der por­tu­gie­si­schen Deli­ka­tes­se “Quei­jo da Ser­ra da Est­re­la” in den hohen Ber­gen Portugals

(…) Das erst 2013 als Ski­ho­tel errich­te­te Haus duf­tet ange­nehm nach frisch geschla­ge­nem Nadel­holz. Wie ist das mög­lich? Die­Wän­de bestehen aus skan­di­na­vi­schem Kie­fern­holz. Im Ein­gangs­be­reich hän­gen Ski­er an der Wand. Vie­le die­ser Win­ter­sport­ge­rä­te sind übers Gebäu­de ver­teilt. Das Moun­tain­bike lan­det erst ein­mal in der Gara­ge des fahr­rad­freund­li­chen Hotels, in dem sogar Ersatz­tei­le wie Seil­zü­ge und Brems­klöt­ze aus­lie­gen. Ein Zim­mer­mäd­chen klopft spä­ter an der Tür, bringt Tee­lich­ter zur stim­mungs­vol­len Beleuch­tung. Die höchs­te Zim­mer­num­mer ist die 14. Sie garan­tiert einen ruhi­gen Auf­ent­halt. Mas­sen­tou­ris­mus gibt es hier nicht.

Am nächs­ten Mor­gen ist es son­nig. Vor dem Zim­mer erstreckt sich eine Ter­ras­se mit Lie­ge­stüh­len. Jetzt sieht die Berg­welt längst nicht mehr so unbe­zwing­bar aus. Die Stra­ße, auf der es über­mor­gen los­ge­hen soll, schlän­gelt sich eini­ge Meter ent­fernt vor­bei. Doch heu­te steht eine Fuß­wan­de­rung auf einem Schä­fer­pfad durch die von der Eis­zeit gepräg­te Land­schaft an. Zunächst jedoch führt der Weg ins Restau­rant, in dem es ruhig und ent­spannt zugeht. Das Buf­fet ist reich­hal­tig. Nichts wird hier abge­zählt. Jeder Gast kann mil­de oder herb schme­cken­de Käse­sor­ten durch­pro­bie­ren. Ein wür­zig duf­ten­der Schafs­kä­se fällt auf: der Quei­jo da Ser­ra da Est­re­la. Sei­ne Rin­de ist so hart, dass sie in sich eine wei­che cre­mi­ge Mas­se bewah­ren kann. Der Deckel des Käses wird abge­schnit­ten. Mit einem Löf­fel wird die leicht bit­te­re Mas­se her­aus geho­ben, um sie aufs Brot zu strei­chen. Auf der Packung steht: Fett­ge­halt von 45 bis 60, Feuch­tig­keits­ge­halt von 61 bis 69 Pro­zent. Die­sen Käse bezeich­nen die Bewoh­ner der Gegend als Visi­ten­kar­te ihrer Regi­on. Er ist schon seit mehr als 2.000 Jah­ren bekannt. 

(:..)

Im emp­feh­lens­wer­ten Werk „Por­tu­gal O Sab­or da Ter­ra“ ver­wei­sen die­Au­to­ren Mat­to­so, Daveau und Belo auf die Bedeu­tung des Begrif­fes „Ser­ra“, der den Pro­duk­ten und Tra­di­tio­nen der Gegend bei­gefügt ist. Der Wein des Dão zum Bei­spiel tra­ge auch den Namen „Encos­ta­da Est­re­la“ (Hang der Est­re­la); dies sei das Ver­mächt­nis des Viria­tus, des Armi­ni­us der Por­tu­gie­sen im Kampf gegen die Römer. Das habe etwas damit zu tun, dass man das Hoch­ge­bir­ge als Ort anse­he, wo sich rei­ner kaum Cha­rak­ter und Tugen­den des por­tu­gie­si­schen Vol­kes erhal­ten hätten. (…)



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Angebot 5

Gletscher und heiße Quellen

Mit dem Rad durch die Serra da Estrela

Aus­zug aus einer Reportage

(…) Fünf Altä­re ste­hen in der Kapel­le mit­samt Gemäl­den, die Sze­nen aus dem Leben Jesu zei­gen: den Stall zu Beth­le­hem, Abend­mahl, Gefan­gen­nah­me, Pila­tus, Kreuz­weg, Kreu­zi­gung, das Grab und die Auferstehung.

Hin­ter der Kapel­le führt der Weg hin­auf in einen Berg­wald. Oben fäl­len Forst­ar­bei­ter an einem Abhang Bäu­me und ent­as­ten sie. Weni­ge Meter wei­ter steht ein Sat­tel­schlep­per in einer Park­bucht. Auf­ge­la­den hat er gewal­ti­ge Pini­en­stäm­me, wobei es sich wahr­schein­lich um Pinu­sPi­nea han­delt, da die­se nicht nur natür­lich in die­sem Raum lebt, son­dern auch in der Ver­gan­gen­heit mas­siv ange­baut wur­de. Hier also wächst wie­der Wald, für des­sen Nie­der­gang mensch­li­che Wirt­schaft in jün­ge­rer Zeit durch die Grün­dung von Tex­til­ma­nu­fak­tu­ren in der nahen Stadt Covil­hã und ent­spre­chend hohem Bedarf an Brenn­holz und Frisch­was­ser gesorgt hat. Die Arbei­ter grü­ßen freund­lich. Har­te Arbeit an einem Frei­tag­abend! Machen sie kei­nen frü­hen Fei­er­abend? Por­tu­gal ist eben doch anders als Spa­ni­en, was schon Fah­rer Nuno Adria­no bei der Anfahrt nach Pen­has Dou­ra­das erzähl­te. Por­tu­gie­sen arbei­te­ten viel und könn­ten so nur wenig Zeit mit der Fami­lie ver­brin­gen. Er selbst sei Wan­der­füh­rer in der Ser­ra da Est­re­la; so kom­me er oft erst spät­abends von den Tou­ren nach Hause.

In frü­he­ren Zei­ten bis ins 19. Jahr­hun­dert exis­tier­ten hier dank der Bewal­dung die Men­schen der Dör­fer von Schaf­zucht auf grü­nen Hän­gen. Schon gegen Ende des 19. Jahr­hun­derts stell­ten jedoch Teil­neh­mer einer wis­sen­schaft­li­chen Exkur­si­on fest, dass das Vieh die Gebirgs­hän­ge über Jahr­hun­der­te abge­wei­det hat­te und dass der Wald gro­ßen­teils gero­det wor­den war. Die­se ver­häng­nis­vol­le Ent­wick­lung konn­ten die Wis­sen­schaft­ler durch Pol­len­ana­ly­se in den unter­schied­li­chen Torf­schich­ten der Moo­re nachweisen. 

(…)

Trotz die­ser trau­ri­gen Bilanz hat das sich tra­di­tio­nel­le Leben der Beirões in der Ser­ra erhal­ten, da über­all Men­schen zurück­ge­blie­ben sind und sich mit­ein­an­der in Bezie­hung gesetzt haben, beto­nen die Autoren von „Por­tu­gal O Sab­or da Ter­ra“. Die Wege sei­en schlecht gewe­sen, der Zugang zu den Dör­fern galt als schwie­rig. Aber die noch bewohn­ten Orte hät­ten sich nicht abge­rie­gelt. Um die Här­te des Lebens ins­be­son­de­re im Win­ter zu kom­pen­sie­ren, sei das Volk in die Ebe­nen gegan­gen, weil es Feld­früch­te und hand­werk­li­che Pro­duk­te ver­kau­fen woll­te. Vor allem sei das Vieh in den nie­de­ren Zonen in die Win­ter­quar­tie­re bis in die Ebe­nen gebracht worden. (…)


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Portugal

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Fes­tungs­stadt Almei­da, Portugal

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