Reise durch goldene Zeiten

Anda­lu­si­en — eine Rei­se durch gol­de­ne Zei­ten. Schon am Rand der Extre­ma­du­ra tür­men sich ers­te Ber­ge auf, um das Ende der Hoch­ebe­ne auf­zu­zei­gen und zu sagen: Hier beginnt ein neu­er Abschnitt. Eini­ge Wochen zog der Rei­sen­de über sie hin­weg. Hier ange­ödet von der Mono­to­nie, dort ange­zo­gen von der üppi­gen Natur mit vie­len Vögeln und leben­di­gen Flüs­sen. Und von schö­nen Städ­ten wie Cáce­res und Méri­da. Die eine war­tet mit Häu­sern aus Renais­sance und mus­li­mi­scher Zeit auf. Die ande­re mit römi­schen Vil­len, Ther­men und einem lan­gen Aquä­dukt. Offen­sicht­lich ließ sich in der Extre­ma­du­ra in die­sen Epo­chen viel Geld ver­die­nen. Die Römer för­der­ten hier Gold, Sil­ber, Kup­fer und Eisen­erz. In ande­ren Gegen­den wie Troia in Por­tu­gal trie­ben sie regen Han­del mit Fisch. 

Im Mit­tel­al­ter und in der frü­hen Neu­zeit brach­ten nicht nur die Minen, son­dern auch Kera­mik, Oli­ven und Wein Devi­sen ein. Einen erheb­li­chen Anteil brach­te aller­dings auch die Aus­beu­tung der Kolo­nien ein. Des­halb heißt die grob zwi­schen der Ent­de­ckung Ame­ri­kas und dem Ende des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges lie­gen­de Zeit­span­ne in Spa­ni­en auch “Sig­lo de Oro”. Daher auch “Rei­se durch gol­de­ne Zeiten”.

Durch die Sierra Norte de Sevilla

Dann der Ein­tritt nach Anda­lu­si­en: Der Rei­sen­de durch­fährt einen Ring von Bur­gen. Mit ihnen woll­te man das von den Ara­bern zurück­ge­hol­te Ter­ri­to­ri­um vor den Por­tu­gie­sen schüt­zen. Mit denen lie­fer­ten sie sich in der Zeit auf den Welt­mee­ren blu­ti­ge Schlach­ten um die Vorherrschaft.

Gepfleg­te Dör­fer und blü­hen­de Man­del- und Oli­ven­bäu­me erwar­ten den Rei­sen­den in der Sier­ra de Nor­te de Sevil­la. Die meis­ten sind blü­ten­weiß gestri­chen. In man­chen Orten darf aus­schließ­lich wei­ße Far­be ver­wen­det wer­den. Im Gebir­ge pro­fi­tie­ren die Ein­woh­ner sicht­lich vom ste­ten Besu­cher­strom aus Sevil­la. Die meis­ten kom­men, um dort zu spei­sen. Denn die Gegend ist bekannt für ihre Jagd­grün­de: haupt­säch­lich Wild­schwein und Kanin­chen. Aber auch Reb­huhn: Ein Spa­ni­er zeig­te ihm Kis­ten mit jun­gen Vögeln, die er aus sei­nem Sprin­ter raus­las­sen woll­te. Bis zum Herbst kön­nen sie sich wie auch die mun­ter unter den Man­del­bäu­men flit­zen­den Fasa­nen hier näh­ren, bis die Jäger kommen.

Die meis­ten Men­schen, vie­le selbst wohl­ge­nährt, rol­len mit dem PKW an. Die schlan­ke­ren dröh­nen mit Motor­rä­dern her­bei, man­che auch mit Renn- und Tou­ren­rä­dern. E‑Bikes aber sieht der Rei­sen­de eher sel­ten. Der Rei­sen­de fühlt sich dann an die Eifel um Ade­nau und Heim­bach erin­nert, wo an son­ni­gen Wochen­en­den ähn­lich die Moto­ren heulen. 

Reise durch goldene Zeiten in Sevilla

In Sevil­la ist noch viel Glanz des Sig­lo de Oro zu sehen. Die­ser drückt sich nicht nur in der größ­ten goti­schen Kathe­dra­le der Welt aus. Er spie­gelt sich auch in ade­li­gen Resi­den­zen und im heu­te noch genutz­ten könig­li­chen Palast wider. Dort mischen sich jetzt römi­sche, ara­bi­sche und christ­li­che Archi­tek­tur und Kunst. Auch aus der bedeu­ten­den römi­schen Stadt Itá­li­ca, in der die Kai­ser Tra­jan und Hadri­an groß wur­den, fin­den sich Mosaike.

Nach wie vor zieht dies Tou­ris­ten aus aller Welt an. Wenn die Ticket­ver­käu­fer nach der Her­kunft fra­gen, wird Aus­tra­li­en, USA, Bel­gi­en, Frank­reich geant­wor­tet. Im Archiv Casa de Indi­as lässt sich nach­voll­zie­hen, wie all dies finan­ziert wur­de: über Kolo­nien. Gold und Sil­ber, aber auch Kakao brach­ten die Kara­vel­len zum damals bedeu­tends­ten Hafen Euro­pas. Unter erbärm­li­chen Bedin­gun­gen und wie Skla­ven schuf­te­ten Indi­os in den Minen. Geist­li­che wie Fray Bar­to­lomé de las Casas (1474–1566) konn­ten Ver­bes­se­run­gen errei­chen. Er ist des­halb als Befrei­ungs­theo­lo­ge in die Geschich­te ein­ge­gan­gen. davon wird in der Aus­stel­lung nichts gesagt.

Wieder am Strand

Und jetzt sieht der Rei­sen­de zum ers­ten Mal seit Por­to wie­der Strän­de. Erst in Mata­las­ca­ñas, aktu­ell in Maza­gón. Es ist so warm, dass er seit zwei Näch­ten wie­der das Zelt nutzt. Aller­dings sind Cam­ping­plät­ze ent­lang des Rio Dou­ro und der Via de la Platz auch dünn gesät. 

Net­te Nach­barn ste­hen aktu­ell an sei­ner Sei­te. Es ist ein deut­sches Ehe­paar, das seit 1998 in Kal­mar in Süd­schwe­den lebt. Bereits zwei Mal gab rs bei ihm Abend­essen: Fisch und Fleisch. Und end­lich mal wie­der Kar­tof­feln. In spa­ni­schen Restau­rants ist das Essen meis­tens frit­tiert. Nicht ein­mal Reis gibt es als Alter­na­ti­ve. Dabei bau­en ihn Bau­ern in Por­tu­gal an. So erfährt der Rei­sen­de auch, was sich so in Schwe­den so tut, sozu­sa­gen als Vor­be­rei­tung auf die nächs­te Rei­se in den Nor­den. Und eine schö­ne Zeit, um sich mor­gen nach zwei Ruhe­ta­gen mit neu­em Schwung in die Algar­ve zu bege­ben. Wie ist es dort mit einer Rei­se durch gol­de­ne Zei­ten bestellt?

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Extremadura — Heimat der Eroberer

Fran­cis­co Pizar­ro und Hernán Cor­tés — wer kennt sie nicht. Sie haben einen ent­schei­den­den Anteil an Spa­ni­ens Ent­wick­lung zur Groß­macht. Denn bei­de erober­ten Süd­ame­ri­ka. Aber aus wel­cher Regi­on kom­men sie eigent­lich? Die Extre­ma­du­ra ist die Hei­mat der bei­den Erobe­rer, ein auch heu­te immer noch dünn besie­del­ter Lan­des­teil. Hier leben gera­de mal eine Mil­li­on Men­schen. In der Haupt­stadt Méri­da spa­zier­te der Rei­sen­de ahnungs­los ins Par­la­ment. Dies hielt er anfäng­lich für ein Muse­um, bis sich ihm ein freund­li­cher Poli­zist in den Weg stell­te. Mit dem Wäch­ter unter­hielt er sich erst ein­mal über das Par­la­ment, die Schön­heit der Stadt und poli­zei­li­che Auf­ga­ben. So beschei­den liegt das Gebäu­de, ein ehe­ma­li­ges Hos­pi­tal, mit­ten in der Alt­stadt, dass man es nicht ein­mal regis­triert. Ähn­lich auch der Regie­rungs­sitz, nur weni­ge hun­dert Meter wei­ter. Dort wird der Ein­gang des ehe­ma­li­gen Kon­vents immer­hin noch mit einer Schleu­se bewacht. Méri­da, Cáce­res und Pla­sen­cia sind rich­ti­ge Städ­te und noch schö­ne dazu. Sie lie­gen am Jakobspil­ger­weg: der “Via de la Pla­ta”.

Echte Perlen in der Heimat der Eroberer

Aber die Orte Tru­ji­l­lo und Medel­lín hin­ge­gen sind Nes­ter, von hoch gele­ge­nen Bur­gen auf Hügeln domi­niert. Sie lie­gen auf dem fla­chen kar­gen Land. Vor 500 Jah­ren war es bestimmt nicht anders in der Extre­ma­du­ra, der Hei­mat der Erobe­rer. Im Som­mer heiß, jetzt im Win­ter nachts rich­tig kalt. Als der Rei­sen­de kürz­lich mor­gens Méri­da ver­ließ, lag Rau­reif auf dem Rasen. Jetzt befin­det er sich noch ein­mal 50 Kilo­me­ter wei­ter in Zaf­ra, Sevil­la nur noch 150 ent­fernt. Aber es ist immer noch frisch. Heu­te waren es im Schat­ten nur zwölf Grad. 

Aber auch hier in Zaf­ra ist es wie­der so hübsch wie in den Städ­ten zuvor. Heu­te fand er den wohl schöns­ten Wasch­platz der Ibe­ri­schen Halb­in­sel und die wohl schöns­te Apo­the­ke. Nach den Adels­hö­fen in Pla­sen­cia und Cáce­res, dem anti­ken Thea­ter und Mosai­ken in Cáce­res und Méri­da, den Bur­gen und Stadt­plät­zen in Tru­ji­l­lo und Medel­lín füllt sich das Foto­al­bum wei­ter mit deko­ra­ti­ven Moti­ven. Und wei­te­re schö­ne Moti­ve war­ten noch. Denn nun beginnt die Rei­se ab der Gren­ze von Anda­lu­si­en zurück in gol­de­ne Zei­ten.

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Felslandschaft: Game of Thrones

In der Fels­land­schaft von Game of Thro­nes: Der Rei­sen­de ließ es sich am Neu­jahrs­tag nicht neh­men, einen wich­ti­gen Schau­platz der US-Serie “Game of Thro­nes” — Jue­go de Tro­nos — zu besu­chen. Die schö­ne Fels­land­schaft liegt gut 20 Kilo­me­ter von Cáce­res ent­fernt. Die Land­schaft “Los Bar­rue­cos” besticht durch ihre kar­ge Wei­te mit ver­streut lie­gen­den rie­si­gen Gra­nit­fel­sen. Zudem befin­det sich hier die größ­te Weiß­storch-Kolo­nie Euro­pas inmit­ten der Extre­ma­du­ra. Ein Film­team dreh­te hier einen Teil der sieb­ten Staf­fel an einem Tüm­pel und in der nahen Stadt Cáceres.

Euch allen ein fro­hes neu­es Jahr. Und bis dem­nächst in der Hei­mat der spa­ni­schen Erobe­rer Hernán Cor­tés und Fran­cis­co Pizar­ro. Die Fels­land­schaft von Game of Thro­nes wird noch lan­ge in Erin­ne­rung bleiben.

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Frohe Weihnachten aus Spanien!

Fro­he Weih­nach­ten aus Spa­ni­en! Euch allen wünscht der Rei­sen­de ein geseg­ne­tes Fest. Hier in Pla­sen­cia an Jakobs­weg “Via de la pla­ta” gehen die Men­schen heu­te Abend her­aus zum Fei­ern. Auch mal etwas Neu­es, wenn man Weih­nach­ten zum ers­ten Mal nicht bei den Eltern, son­dern in der Extre­ma­du­ra ver­bringt. Da die Stadt leb­haft ist, fällt das Allein­sein nicht schwer. Die Restau­rants sind offen. Vie­le jun­ge Leu­te strei­fen durch die Klein­stadt, fei­ern an Steh­ti­schen. Daher ähnelt die Atmo­sphä­re ein wenig dem Sil­ves­ter­abend bei uns. Selbst am ers­ten Weih­nachts­tag sind Restau­rants offen. Ganz anders als in Deutsch­land, wo fast jeg­li­ches Leben erstarrt.

Hin­ter Pla­sen­cia geht es auf dem weit­ge­hend fla­chen Land wei­ter Rich­tung Cáce­res. Auf­ge­löst ist hier auch nach gut 3000 Kilo­me­tern auf der Ibe­ri­schen Halb­in­sel end­lich, woher all die klei­nen Hol­gers stam­men — aus der far­bi­gen und idyl­lisch gele­ge­nen Klein­stadt Hol­gue­ra. Auf dem Kirch­turm des wehr­haft aus­se­hen­den Sakral­baus befin­den sich allein drei Stor­chen­nes­ter. Das Geklap­per der gro­ßen Vögel ist schon von wei­tem zu hören. In fast jeder Stadt und jedem Dorf befin­den sich Stor­chen­nes­ter. Ein wohl­tu­en­des Natur­er­leb­nis. Und ein schö­nes Geschenk. Fro­he Weih­nach­ten aus Spanien!

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Nach 500 Kilometern Radeln erste Stadt

Nach 500 Kilo­me­tern Radeln ers­te Stadt: Mehr als 500 Kilo­me­ter lie­gen jetzt hin­ter dem Rei­sen­den, seit­dem er Por­to ver­las­sen hat. Heu­te Nach­mit­tag ist er in Zamo­ra ein­ge­trof­fen — in Cas­ti­lia y León also. Sie ist eine sei­ner Lieb­lings­städ­te auf sei­ner Rund­rei­se auf der Ibe­ri­schen Halb­in­sel. Von nun an geht es auf der Via de la Pla­ta in Rich­tung Sevilla. 

Shop­ping — ein längst nicht mehr bekann­tes Erleb­nis. Coim­bra und Por­to waren auf nun 2200 Kilo­me­tern ab Faro die ein­zi­gen wirk­li­chen Städ­te. Zehn Wochen hat der Rei­sen­de fast nur auf dem Land, in Klein­städ­ten und Dör­fern ver­bracht. Por­to und Zamo­ra ver­bin­det der Rio Dou­ro. Die­ser ent­springt in der Gegend von Soria.

Mode, Par­füm, Mobil­funk — welch ein Kon­trast zu den Unmen­gen an Bar­bie­ren und Fri­seu­ren, Bars und Cafés in den Klein­städ­ten in Por­tu­gal. Heu­te hät­te der Rei­sen­de mal Zeit für einen Besuch beim Fri­seur gehabt. Aber er fand in der Alt­stadt nur ein Nagel­stu­dio. Das wäre viel­leicht auch mal ange­bracht, nach­dem der Rad­ler ges­tern fünf Löcher eines Schlau­ches ver­sie­gelt hat­te. Die Sta­cheln einer Pflan­ze hat­ten sich hin­ein­ge­bohrt. Öl ist noch immer auf der Haut zu sehen. Zwei Nägel bra­chen etwas ab, not­dürf­tig mit dem Taschen­mes­ser in Form gebracht. Aber es fand sich ein­fach kein Friseur.

Einkaufen ist nach 500 Kilometern Radeln mal wieder ein Erlebnis

Und was kauf­te der Rei­sen­de in der rie­si­gen Stadt? Größ­te Inves­ti­ti­on war bis­her in Por­to ein neu­er Hin­ter­rei­fen. Sta­cheln hält der aller­dings nicht stand. Heu­te folg­te eine … Han­dy­hül­le. Eine rote wähl­te die Ver­käu­fe­rin für ihn aus. Die­se hielt nur weni­ge Wochen, wie auch eine spä­te­re in einem indi­schen Laden an der Algar­ve. Fin­ger davon: Daher soll­te man sich bes­ser eine neue vor einer Rei­se im eige­nen Land kau­fen. Die meis­ten Läden mit Smart­pho­ne-Asses­soires ver­kau­fen nur Bil­lig­wa­re. Sie frag­te dann auch noch nach dem Smart­pho­ne-Modell. Völ­li­ge Über­for­de­rung beim Ver­kaufs­ge­spräch. Nach neun Wochen Unter­hal­tung auf Por­tu­gie­sisch folgt nun eine auf Spa­nisch. Dank ihrer freund­li­chen Anlei­tung fand der Rei­sen­de dann noch her­aus, wel­ches Modell er seit acht Jah­ren sein eigen nennt. Ver­bun­den mit einem Rabatt hät­te er noch Ohr­hö­rer dazu­kau­fen kön­nen. Er emp­fahl ihr aber statt­des­sen sei­ne eige­nen. Nach etwas Nach­den­ken fand sie es wit­zig, dass der Kun­de das Gespräch dre­hen wollte.

In der Menge treiben lassen

Dann ließ er sich wie­der drau­ßen mit der Men­ge trei­ben. Men­ge ist gut gesagt, ange­sichts der viel­leicht 100 Leu­te auf der Ein­kaufs­stra­ße. Aber ver­gli­chen mit den ein­zel­nen Pas­san­ten, die er in den Vor­wo­chen gese­hen hat­te, ist das viel. In Cafés und Bars saß er meis­tens nur mit drei oder vier Leu­ten zusam­men im Raum. In Covid-Zei­ten ist das aber auch nicht ganz verkehrt.

Zamo­ra ähnelt einem Stadt­teil Madrids. Vorm Hotel liegt die Sevil­la-Bar. Vor die­ser spie­len ein Gitar­rist und ein Sän­ger spa­ni­sche Klas­si­ker. Eine per­fek­te Ein­stim­mung auf die bevor­ste­hen­de Rad­rei­se Rich­tung Sevil­la auf dem Jakobs­weg. Vorm Hotel liegt auch eine Tapas­bar. Zum Zen­trum gehö­ren Muse­en und ein Thea­ter. Und es gibt eine schö­ne Burg, hoch über der beein­dru­cken­den Land­schaft. Von ihr wirft der Rei­sen­de einen weh­mü­ti­gen Blick zurück auf die zurück­lie­gen­den Wochen am Rio Dou­ro. Das ist pures Bike-Packing. Und nach 500 Kilo­me­tern Radeln war sogar das unge­lieb­te Ein­kau­fen in der ers­ten Stadt ein Erlebnis.

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Prickelndes Erlebnis am Wattenmeer

Weißt Du, dass Salz­wie­sen im Natio­nal­park Wat­ten­meer manch­mal so klin­gen, als lös­te jemand eine Brau­se­ta­blet­te in einem Glas Was­ser auf?

Die­ses schö­ne Hör­erleb­nis genoss ich heu­te Nach­mit­tag im Lang­war­der Gro­den am Jade­bu­sen. Bre­mer­ha­ven ist von dort an man­chen Stel­len zu sehen. Es ist eine gelun­ge­ne Abrun­dung mei­ner gemüt­li­chen Rad­rei­se im Weser-Ems-Gebiet. Die­se befin­det sich mitt­ler­wei­le in der drit­ten Woche. Die Etap­pe auf dem Nord­see­küs­ten­weg endet wahr­schein­lich morgen.

Der Rei­sen­de schätzt die Chan­ce, die Land­schaft, die er sonst nur vom Rad­weg aus gese­hen hat, aus nächs­ter Nähe zu durch­strei­fen und zu erle­ben. Wie stand er zuvor doch all­zu berauscht von den Rufen vie­ler Gän­se nur am Ran­de des Gesche­hens. Vie­le Gän­se über­win­tern im Wat­ten­meer, bis sie der Ruf der Wild­nis zurück nach Sibi­ri­en lockt.

Durch den Gro­den füh­ren sowohl Boh­len- als auch Schot­ter­we­ge. So lust­wan­delt der Rei­sen­de auf dem Rund­kurs gemäch­lich und tro­cke­nen Fußes an aus Schlick geform­ten Cañons vor­bei. In der Minia­tur­welt steht auch Was­ser, in dem Möwen nach Nah­rung suchen.

Fuß­spu­ren von Men­schen sind zu sehen. Aber auch Abdrü­cke der Besu­cher­hun­de bil­den sich ab. Der Schlick hat sie wohl in sich auf­ge­so­gen und ver­daut die pri­ckeln­de Mahl­zeit gera­de. Denn der Rei­sen­de sieht hier kei­nen ein­zi­gen Jar­ro oder Julio. Die­se Namen tru­gen eini­ge Bel­ler auf der bis­he­ri­gen Stre­cke von Emden bis Bur­have. Nied­ri­ge Pflan­zen bil­den Wälder.

Einen erheb­li­chen Reiz üben auch die alten roma­ni­schen Kir­chen auf den Rei­sen­den aus. Der Stoff, aus dem die Träu­me sind, ist Bern­stein, nein, stimmt nicht, son­dern Back- und Eife­ler Tuff­stein. In der Regi­on gibt es kein geeig­ne­tes Gestein für Kir­chen. Sogar aus Baum­ber­ger Sand­stein bestand mal eine Kir­che am Wege, also aus der west­fä­li­schen Hei­mat des Rei­sen­den. Die Kir­chen­schif­fe sind oft hell. Mari­ti­mes Flair ver­lei­hen ihnen Segel­schif­fe. Wie Küs­te­rin Bri­git­te Onken aus Wes­ter­ac­cum weiß, sind man­che Kapi­tä­ne auf den den hier lie­gen­den Fried­hö­fen begra­ben. Man­cher Grab­stein zeugt von deren Gewer­be, wenn der Stein­metz ein Schiff einmeißelte.

Viel­leicht liest gera­de auch der Stu­dent aus Hil­des­heim die­se Zei­len. Die Küs­te­rin in Wes­ter­bur hofft sehr, dass er ein Theo­lo­gie-Stu­di­um anhängt und als Hir­te drei hie­si­ge Gemein­den lei­tet. Doch sie wis­se nicht, ob sei­ne Freun­din etwas dage­gen habe. Wer weiß. Got­tes Wege sind unergründlich. 

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Hundeleben in der Estrela

Hun­de­le­ben in der Est­re­la: Bis­her hat der Rei­sen­de noch nie ein Hun­de­bild gebracht. Eines einer Kat­ze schon. Das ist gut 1,5 Jah­re her, als er auf dem Jakobs­weg in Gali­ci­en und in Por­tu­gal radel­te. Eine jun­ge Kat­ze besuch­te ihn im Par­que Arri­bes del Duero, einer sehr schö­nen Land­schaft in Kas­ti­li­en-León. Sie war neu­gie­rig auf den Gast in der Pension. 

Jetzt arbei­tet er seit eini­gen Tagen die Bil­der der Rad­wan­de­rung durch Nord- und Zen­tral­por­tu­gal sowie Gali­ci­en auf. Davon reicht er heu­te einen klei­nen Hund nach. Ein Teil der Rad­wan­de­rung führ­te ihn mal wie­der durchs por­tu­gie­si­sche Hoch­ge­bir­ge: in die Ser­ra da Est­re­la. Wie es ihm dort erging, kannst Du hier in lose auf­ein­an­der­fol­gen­den Bei­trä­gen nach­le­sen. In dem gera­de ver­link­ten Bei­trag folg­te er in Bel­mon­te, einer hüb­schen Klein­stadt am Fuße des Gebir­ges, den Spu­ren von Pedro Álva­res Cab­ral. Der Ade­li­ge wuchs dort auf und ent­deck­te Brasilien.

Die meisten Hunde in Spanien und Portugal sind gut abgerichtet

Dort traf der Rei­sen­de den Hund. Er war nicht bis­sig. Wie auch: Mit der Ket­te am Hals. In Por­tu­gal und Spa­ni­en ist er noch nie von einem Hund gebis­sen wor­den. Die meis­ten grö­ße­ren Tie­re wie Schä­fer­hun­de lau­fen par­al­lel mit. Sie blei­ben aber auf ihrem Ter­rain. Denn sie sind gut abge­rich­tet. Sie sol­len nur Men­schen mit Gebell vom Betre­ten der Grund­stü­cke abhalten.

Eine Aus­nah­me bil­den klei­ne­re Hun­de, die in den Dör­fern frei her­um­lau­fen. Sie stel­len sich fron­tal auf, bel­len wie ver­rückt, wei­chen aber zurück, wenn man auf sie zugeht. Als Rad­ler braucht man sich also auf der Ibe­ri­schen Halb­in­sel nicht davor zu sor­gen, das Hun­de einen bei­ßen. Sei­ne Rei­fen sind auch immer heil geblieben.

Die­ses Tier lebt wie so vie­le ande­re auf einem Hof in einem Tal der Ser­ra da Est­re­la: in der Nähe des Dor­fes Cabe­ça. Sein treu­her­zi­ger Blick fes­selt. Oder lei­det er viel­leicht etwas unter der schwe­ren Ket­te? Weiß jemand, um wel­che Ras­se es sich handelt? 

Der bekann­tes­te Hund des Gebir­ges heißt nicht Deut­scher Schä­fer­hund, son­dern Cão da Ser­ra da Est­re­la. Auf Wiki­pe­dia erfährst Du mehr sein Hun­de­le­ben in der Ser­ra da Est­re­la, da sich der Rei­sen­de nicht näher mit ihm beschäf­tigt habe. Er hat noch nie einen Hund gehal­ten, nur Mon­go­li­sche Wüs­ten­renn­mäu­se und wei­ße Mäu­se. Es han­delt sich um einen Hir­ten­hund. Kein Wun­der bei den vie­len Scha­fen und Zie­gen, die die Bau­ern hier halten. 

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Radeln auf der Vélodyssée

Aus­pro­biert! Der Rad­wan­der­weg „La Vélo­dys­sée“ ist 1200 Kilo­me­ter lang. Er durch­quert die Bre­ta­gne und führt am Atlan­tik ent­lang bis zur bas­ki­schen Küs­te. Ein Teil­stück beginnt süd­lich der Loire in St. Nazai­re und führt über Noirm­ou­tier nach Bre­ti­gnol­les sur mer. Da die Stre­cke flach ist, eig­net sie sich gut für Ein­stei­ger ins Rad­wan­dern. Sie lässt sich gut bin­nen einer Woche inklu­si­ve An- und Abrei­se bewäl­ti­gen. Der Rei­sen­de tes­te­te den Abschnitt, ob er hält, was das fran­zö­si­sche Frem­den­ver­kehrs­amt verspricht.

Denn sein Ziel ist es, auf lan­ge Sicht für Urlau­ber die schöns­ten Rad­stre­cken, Regio­nen und Städ­te von Gibral­tar bis zum Nord­kap jour­na­lis­tisch auf­zu­ar­bei­ten. Damit Radeln und der Genuss von Kuli­na­rik und Kul­tur ein Ver­gnü­gen ist. 

Die “Badi­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten” aus Karls­ru­he haben jetzt den Arti­kel des Rei­sen­den über die­se schö­ne Stre­cke ver­öf­fent­licht. Es gibt auf ihr aber auch Schwä­chen. Viel Freu­de beim Lesen!

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Portugiesen entwickeln Hybrid-E-Bike

Por­tu­gie­sen ent­wi­ckeln Hybrid-E-Bike: Bis heu­te wuss­te ider Rei­sen­de nicht, dass auch Por­tu­gie­sen Räder ent­wi­ckeln. Bis­her war es ihm nur bekannt, dass das Nach­bar­land Spa­ni­en Räder baut. Vor eini­ger Zeit leg­te der Bike­pa­cker sich auf dem Jakobs­weg in Tui ein Hin­ter­rad einer spa­ni­schen Fir­ma zu. Lei­der fehl­ten dem Händ­ler Ersatz­tei­le. So muss­te die an sich noch intak­te Ghost-Fel­ge ins Alt­me­tall wandern.

Doch nicht nur in Spa­ni­en, son­dern auch in Por­tu­gal gibt es mit Órbi­ta ein Unter­neh­men, das Räder pro­du­ziert. In der Zei­tung Diá­rio de Noti­ci­as (DN) hat der Rei­sen­de heu­te gele­sen, dass in Zusam­men­ar­beit mit der Uni­ver­si­tät in Avei­ro ein Hybrid-E-Bike auf den Markt gekom­men ist. Mit dem kann man als Tou­rist zum Bei­spiel die schö­nen Schie­fer­dör­fer in den hohen Ber­ge Por­tu­gals besuchen.

Portugiesen entwickeln Hybrid-E-Bike für Berge und Täler

Es ist ein Hybrid aus Moun­tain­bike und Stra­ßen­rad, mit dem man gut auf Asphalt, Schot­ter und durch die Ber­ge unter­wegs sein soll. Laut DN ist mitt­ler­wei­le in ganz Por­tu­gal ein Stra­ßen­netz von gut 2.000 Kilo­me­ter ent­stan­den. Der Rad­wan­de­rer war selbst zwei Wochen in der Ser­ra da Est­re­la unter­wegs. Ihn über­rasch­te, wie guter dort fah­ren konn­te, aller­dings mit sei­nem eige­nen Moun­tain­bike. Das Hoch­ge­bir­ge ist nicht unbe­zwing­bar auf den Land­stra­ßen und für jeden, der Spaß am Rad­fah­ren hat, zu machen. Die Stra­ßen sind gut geteert, haben nur weni­ge Schlag­lö­cher. Stär­ke­re Stei­gun­gen sind gut durch Ser­pen­ti­nen abge­fe­dert. Denn auch der täg­li­che Lie­fer­ver­kehr muss die Dör­fer in den abge­le­ge­ne­ren Gebie­ten errei­chen können.

Auf solch ein Rad wird der Rei­sen­de aber erst stei­gen, wenn er kei­nen Berg mehr schafft. In Fra­ge kommt es also wohl erst mit 90 Jah­ren. Oder wenn sein täg­li­cher Arbeits­weg 50 Kilo­me­ter über­schrei­ten soll­te, so dass der zeit­li­che Auf­wand für rein mus­ku­lä­re Fort­be­we­gung ein­fach zu hoch wäre. Aber auch die ande­ren Stre­cken im Ter­ri­to­ri­um von gut 5.000 Qua­drat­ki­lo­me­tern und 27 Schie­fer­dör­fern in Zen­tral­por­tu­gal soll­ten für eini­ger­ma­ßen fit­te Rad­ler zu schaf­fen sein. Der Rei­sen­de hat nach der Ser­ra de Est­re­la auch die Gebie­te des Rio Dou­ro und des Rio Min­ho getes­tet. Und befand die Ter­rains für sehr gut geeignet.

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1200 Kilometer zur Bar Hemingways

1200 Kilo­me­ter Jakobs­weg zur Bar Heming­ways: Wer Värm­land und See­land hat der Rei­sen­de zuletzt Zie­le auf Geo gefun­den, mit denen er vie­le Kind­heits- und Jugend­er­in­ne­run­gen ver­bin­det. Mit Biar­ritz kommt heu­te ein drit­tes Ziel hin­zu, das er auf einer sei­ner ers­ten Rad­tou­ren in den Süden kennenlernte. 

Mit Kum­pel Chris­toph radel­te er auf einem impro­vi­sier­ten Jakobs­weg in Frank­eich von Bel­fort aus über Besan­çon, Dijon, Vézelay und Limo­ges nach La Rochel­le. Vom Küs­ten­ort aus ging es wei­ter über Mimizan und Arcachon nach Biar­ritz ent­lang der Côte Bas­que. Er hat­te sich zuvor ange­guckt, wie die Pil­ger im Mit­tel­al­ter gelau­fen sein könn­ten. Ins­ge­samt sind es durch Frank­reich gut 1234 Kilometer.

Ent­lang der Küs­te ist der Weg schön, zumal man dem Ver­kehr rund um die grö­ße­ren Städ­te ent­kommt. Süd­lich von La Rochel­le gibt es ent­lang des Was­sers Sand­strän­de und Nadel­wäld­chen. Wer hin­ge­gen wei­ter im Bin­nen­land her­um­fährt, fin­det eine gut zu bewäl­ti­gen­de Hügel­land­schaft vor. Die­se beinhal­tet auch nicht das Auf und Ab des Jura. Über­all gibt es Cam­ping­plät­ze, um abends sicher irgend­wo anzu­kom­men, bevor es dun­kel wird.

Drehkreuz Biarritz

Durch die­se kann man einer­seits viel Geld spa­ren, ande­rer­seits den Luxus des Über­nach­tens unter frei­em Him­mel und die Schar gleich­ge­sinn­ter Frisch­luft­fa­na­ti­ker genie­ßen. Her­vor­zu­he­ben ist Arcachon, Fran­ko­phi­len durch die enorm hohe Düne bekannt. Vie­le Men­schen win­ken, fra­gen, woher man kom­me, wohin man wol­le. Es folgt stets ein freund­li­ches Lächeln. Dies liegt wohl auch an der Begeis­te­rung fürs Radfahren.

Biar­ritz ist das Dreh­kreuz schlecht­hin, um unter­schied­li­che Zie­le ken­nen­zu­ler­nen: den Atlan­tik und den Aus­läu­fer der Pyre­nä­en. Bis nach Pam­plo­na oder San Sebas­tián ist es ein Kat­zen­sprung. Von Biar­ritz aus kann man gut nach Saint-Jean-Pied-de-Port gelan­gen, von dort auf den spa­ni­schen Jakobs­weg. Die Natio­nal­stra­ße her­auf nach Ron­ce­val­les bewäl­tigt der Rei­sen­de von Biar­ritz aus an einem Nach­mit­tag. Er rollt am nächs­ten Mor­gen den Weg nach Pam­plo­na her­ab. Dort inter­es­siert ihn die Bar Heming­ways, wo er „Fies­ta“ geschrie­ben haben soll. Hin­ge­gen geht der Weg nach San Sebas­tián recht flach wei­ter. Der Jakobs­weg Küs­ten­weg — Cami­no de la cos­ta — nach Sant­ia­go de Com­pos­te­la ist dort erreicht.

Heu­te wür­de der Rei­sen­de eine so lan­ge Stre­cke nicht mehr fah­ren. Mitt­ler­wei­le fin­det er es inter­es­san­ter, eine Regi­on mit ihren Beson­der­hei­ten auf­zu­ar­bei­ten. Es gilt, Rad­lern gute Wege zu zei­gen, auf denen sie Sport, Gas­tro­no­mie und Kul­tur ver­bin­den kön­nen. Wenn man Inseln oder Gebirgs­stra­ßen abgrast, kom­men auch dabei etli­che Kilo­me­ter zusam­men. So wie unglaub­li­che 1200 Kilo­me­ter zur Bar Hemingways.

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