Prickelndes Erlebnis am Wattenmeer

Weißt Du, dass Salzwiesen im Nationalpark Wattenmeer manchmal so klingen, als löste jemand eine Brausetablette in einem Glas Wasser auf?

https://www.nationalpark-wattenmeer.de/nds/radroute-um-den-jadebusenDieses schöne Hörerlebnis genoss ich heute nachmittag im Langwarder Groden am Jadebusen. Bremerhaven ist von dort an manchen Stellen zu sehen. Es ist eine gelungene Abrundung meiner kleinen gemütlichen Radreise im Weser-Ems-Gebiet. Diese befindet sich mittlerweile in der dritten Woche. Die Etappe auf dem Nordseeküstenweg endet wahrscheinlich morgen.

Der Reisende schätzt die Chance, die Landschaft, die er sonst nur vom Radweg aus gesehen hat, aus nächster Nähe zu durchstreifen und zu erleben. Wie stand er zuvor doch allzu berauscht von den Rufen vieler Gänse nur am Rande des Geschehens. Viele Gänse überwintern im Wattenmeer, bis sie der Ruf der Wildnis zurück nach Sibirien lockt.

Durch den Groden führen sowohl Bohlen- als auch Schotterwege. So lustwandelt der Reisende auf dem Rundkurs gemächlich und trockenen Fußes an aus Schlick geformten Cañons vorbei. In der Miniaturwelt steht auch Wasser, in dem Möwen nach Nahrung suchen.

Fußspuren von Menschen sind zu sehen. Aber auch Abdrücke der Besucherhunde bilden sich ab. Der Schlick hat sie wohl in sich aufgesogen und verdaut die prickelnde Mahlzeit gerade. Denn der Reisende sieht hier keinen einzigen Jarro oder Julio. Diese Namen trugen einige Beller auf der bisherigen Strecke von Emden bis Burhave. Niedrige Pflanzen bilden „Wälder“.

Einen erheblichen Reiz üben auch die alten romanischen Kirchen auf den Reisenden aus. Der Stoff, aus dem die Träume sind, ist Bernstein, nein, stimmt nicht, sondern Back- und Eifeler Tuffstein. In der Region gibt es kein geeignetes Gestein für Kirchen. Sogar aus Baumberger Sandstein bestand mal eine Kirche am Wege, also aus der westfälischen Heimat des Reisenden. Die Kirchenschiffe sind oft hell. Maritimes Flair verleihen ihnen Segelschiffe. Wie Küsterin Brigitte Onken aus Westeraccum weiß, sind manche Kapitäne auf den den hier liegenden Friedhöfen begraben. Mancher Grabstein zeugt von deren Gewerbe, wenn der Steinmetz ein Schiff einmeißelte.

Vielleicht liest gerade auch der Student aus Hildesheim diese Zeilen. Die Küsterin in Westerbur hofft sehr, dass er ein Theologie-Studium anhängt und als Hirte drei hiesige Gemeinden leitet. Doch sie wisse nicht, ob seine Freundin etwas dagegen habe. Wer weiß. Gottes Wege sind unergründlich.

Hundeleben in der Serra da Estrela

Bisher habe ich noch nie ein Hundebild gebracht. Eines einer Katzen schon. Das ist gut 1,5 Jahre her, als ich auf dem Jakobsweg in Galicien und in Portugal radelte. Eine junge Katze besuchte mich im Parque Arribes del Duero, einer sehr schönen Landschaft in Kastilien-León. Sie war neugierig auf den Gast in der Pension.

Jetzt arbeite ich seit einigen Tagen die Bilder der Radwanderung durch Nord- und Zentralportugal sowie Galicien auf. Davon reiche ich heute einen kleinen Hund nach. Ein Teil der Radwanderung führte mich mal wieder durchs portugiesische Hochgebirge: in die Serra da Estrela. Wie es mir dort erging, kannst Du hier in lose aufeinanderfolgenden Beiträgen nachlesen. In dem gerade verlinkten Beitrag folgte ich in Belmonte, einer hübschen Kleinstadt am Fuße des Gebirges, den Spuren von Pedro Álvares Cabral. Der Adelige wuchs dort auf und entdeckte Brasilien.

Dort traf ich den Hund. Er war nicht bissig. Wie auch – mit der Kette am Hals. In Portugal und Spanien bin ich noch nie von einem Hund gebissen worden. Die meisten größeren Tiere wie Schäferhunde laufen wohl parallel mit mir mit. Sie bleiben aber auf ihrem Terrain. Denn sie sind gut erzogen, sollen nur Menschen mit ihrem Gebell vom Betreten der Grundstücke abhalten.

Eine Ausnahme bilden kleinere Hunde, die in den Dörfern frei herumlaufen. Sie stellen sich frontal vor mir auf, bellen wie verrückt, weichen aber zurück, wenn man auf sie zugeht. Als Radler braucht man sich also auf der Iberischen Halbinsel nicht davor zu sorgen, das Hunde einen beißen. Meine Reifen sind auch immer heil geblieben.

Dieses Tier lebt wie so viele andere auf einem Hof in einem Tal der Serra da Estrela: in der Nähe des Dorfes Cabeça. Sein treuherziger Blick fesselte mich. Oder leidet er vielleicht etwas unter der schweren Kette? Weiß jemand, um welche Rasse es sich handelt?

Der bekannteste Hund des Gebirges heißt nicht Deutscher Schäferhund, sondern Cão da Serra da Estrela. Auf Wikipedia erfährst Du mehr sein Hundeleben in der Serra da Estrela, weil ich mich nicht näher mit ihm beschäftigt habe. Es handelt sich um einen Hirtenhund. Kein Wunder bei den vielen Schafen und Ziegen, die die Bauern hier halten.

Portugiesen entwickeln Hybrid-E-Bike für Berge und Straßen

Bis heute wusste ich nicht, dass auch in Portugal Räder hergestellt werden. Bisher war mir das nur von Spanien bekannt. Vor einiger Zeit legte ich mir auf dem Jakobsweg in Tui ein Hinterrad einer spanischen Firma zu. Doch auch in Portugal gibt es mit Órbita ein Unternehmen, das Räder produziert. In der Zeitung Diário de Noticias (DN) habe ich heute gelesen, dass in Zusammenarbeit mit der Universität in Aveiro ein E-Bike auf den Markt gekommen ist, mit dem man als Tourist die schönen Schieferdörfer in den hohen Berge Portugals besuchen kann.

Es soll ein Hybrid aus Mountainbike und Straßenrad sein, mit dem man gut auf Asphalt, Schotter und durch die Berge unterwegs sein soll. Laut DN ist mittlerweile ein Netz von gut 2.000 Kilometer entstanden. Ich war selbst zwei Wochen in der Serra da Estrela unterwegs und überrascht, wie gut man dort fahren kann, allerdings mit meinem eigenen Mountainbike. Das Hochgebirge ist nicht unbezwingbar auf den Landstraßen und für jeden, der Spaß am Radfahren hat, zu machen. Die Straßen sind gut geteert, haben nur wenige Schlaglöcher. Stärkere Steigungen sind gut durch Serpentinen angefedert. Denn auch der tägliche Lieferverkehr muss die Dörfer in den abgelegeneren Gebieten erreichen können.

Auf ein E-Bike werde ich aber erst steigen, wenn ich keinen Berg mehr schaffe, also erst mit 90 Jahren. Oder wenn mein täglicher Arbeitsweg 50 Kilometer überschreiten sollte, so dass der zeitliche Aufwand einfach zu hoch wäre. Aber auch die anderen Strecken im Territorium von gut 5.000 Quadratkilometern und 27 Schieferdörfern in Zentralportugal sollten für einigermaßen fitte Radler machbar sein. Ich habe nach der Serra de Estrela auch das Gebiet des Douro und des Minho getestet und für gut befunden.

Den kompletten Artikel des Diário de Noticias findest Du unter https://ocio.dn.pt/estilo/aldeias-do-xisto-vao-ter-bicicleta-eletrica-feita-a-medida-pela-orbita/

1.200 Kilometer mit dem Rad zur Bar Hemingsways

Mit Värmland und Seeland fand ich zuletzt Ziele auf Geo, mit denen ich viele Kindheits- und Jugenderinnerungen verbinde. Mit Biarritz ist heute ein drittes Ziel hinzugekommen, das ich auf einer meiner ersten Radtouren in den Süden kennenlernte. Mit meinem Kumpel Christoph radelte ich auf einem etwas improvisierten französischen Jakobsweg von Belfort aus über Besançon, Dijon, Vézelay und Limoges nach La Rochelle. Vom Küstenort aus ging es weiter über Mimizan und Arcachon nach Biarritz. Ich hatte mir zuvor angeguckt, wie die Pilger im Mittelalter gelaufen sein könnten. Insgesamt waren es durch Frankreich gut 1234 Kilometer.

Entlang der Küste ist der Weg ausgesprochen schön, zumal man dem Verkehr rund um die größeren Städte endlich entkommt. Südlich von La Rochelle gibt es entweder entlang des Wassers Sandstrände und Nadelwäldchen. Fuhren wir hingegen etwas weiter im Binnenland herum, fanden wir eine gut zu bewältigende Hügellandschaft vor, die auch nicht das Auf und Ab des Jura beinhaltete. Überall gibt es Campingplätze. Durch diese kann man einerseits viel Geld sparen, andererseits den Luxus des Übernachtens unter freiem Himmel und die Schar gleichgesinnter Frischluftfanatiker genießen. Hervorheben möchte ich Arcachon, Frankophilen durch die enorm hohe Düne bekannt. Wir fühlten uns hier willkommen. Viele winkten uns zu, fragten, woher wir kämen, wohin wir wollten. Es folgte stets ein freundliches Lächeln. Dies liegt wohl auch an der Begeisterung fürs Radfahren.

Biarritz ist für mich das Drehkreuz schlechthin, um unterschiedliche Ziele kennenzulernen: den Atlantik und den Ausläufer der Pyrenäen. Bis nach Pamplona oder San Sebastián ist es ein Katzensprung. Von Biarritz aus kann man gut nach Saint-Jean-Pied-de-Port gelangen, von dort auf den spanischen Jakobsweg. Die Nationalstraße herauf nach Roncevalles bewältigte ich von Biarritz aus an einem Nachmittag, rollte am nächsten Morgen den Weg nach Pamplona herab. Dort interessierte mich die Bar Hemingways, wo er „Fiesta“ geschrieben haben soll. Hingegen geht der Weg nach San Sebastián recht flach weiter. Der Küstenweg nach Santiago de Compostela ist erreicht.

Heutewürde ich eine solch lange Strecke nicht mehr fahren. Mittlerweilefinde ich es interessanter, eine Region und ihre Besonderheitenaufzuarbeiten, Radlern gute Wege zu zeigen, auf denen man Sport,Gastronomie und Kultur miteinander verbinden kann. Auch dabei kommenimmer viele Kilometer zusammengekommen, wenn ich auch kleine Inselnoder Gebirgsstraßen abgrase.

Mehr Infos über Biarritz findest Du unter http://www.geo.de/reisen/reiseziele/21220-rtkl-biarritz-strandperle-mit-franzoesischem-flair

1.200 Kilometer mit dem Rad zur Bar Hemingways

Mit Värmland und Seeland fand ich zuletzt Ziele auf Geo, mit denen ich viele Kindheits- und Jugenderinnerungen verbinde. Mit Biarritz ist heute ein drittes Ziel hinzugekommen, das ich auf einer meiner ersten Radtouren in den Süden kennenlernte. Mit meinem Kumpel Christoph radelte ich auf einem etwas improvisierten französischen Jakobsweg von Belfort aus über Besançon, Dijon, Vézelay und Limoges nach La Rochelle. Vom Küstenort aus ging es weiter über Mimizan und Arcachon nach Biarritz. Ich hatte mir zuvor angeguckt, wie die Pilger im Mittelalter gelaufen sein könnten. Insgesamt waren es durch Frankreich gut 1234 Kilometer.

Entlang der Küste ist der Weg ausgesprochen schön, zumal man dem Verkehr rund um die größeren Städte endlich entkommt. Südlich von La Rochelle gibt es entweder entlang des Wassers Sandstrände und Nadelwäldchen. Fuhren wir hingegen etwas weiter im Binnenland herum, fanden wir eine gut zu bewältigende Hügellandschaft vor, die auch nicht das Auf und Ab des Jura beinhaltete. Überall gibt es Campingplätze. Durch diese kann man einerseits viel Geld sparen, andererseits den Luxus des Übernachtens unter freiem Himmel und die Schar gleichgesinnter Frischluftfanatiker genießen. Hervorheben möchte ich Arcachon, Frankophilen durch die enorm hohe Düne bekannt. Wir fühlten uns hier willkommen. Viele winkten uns zu, fragten, woher wir kämen, wohin wir wollten. Es folgte stets ein freundliches Lächeln. Dies liegt wohl auch an der Begeisterung fürs Radfahren.

Biarritz ist für mich das Drehkreuz schlechthin, um unterschiedliche Ziele kennenzulernen: den Atlantik und den Ausläufer der Pyrenäen. Bis nach Pamplona oder San Sebastián ist es ein Katzensprung. Von Biarritz aus kann man gut nach Saint-Jean-Pied-de-Port gelangen, von dort auf den spanischen Jakobsweg. Die Nationalstraße herauf nach Roncevalles bewältigte ich von Biarritz aus an einem Nachmittag, rollte am nächsten Morgen den Weg nach Pamplona herab. Dort interessierte mich die Bar Hemingways, wo er „Fiesta“ geschrieben haben soll. Hingegen geht der Weg nach San Sebastián recht flach weiter. Der Küstenweg nach Santiago de Compostela ist erreicht.

Heutewürde ich eine solch lange Strecke nicht mehr fahren. Mittlerweilefinde ich es interessanter, eine Region und ihre Besonderheitenaufzuarbeiten, Radlern gute Wege zu zeigen, auf denen man Sport,Gastronomie und Kultur miteinander verbinden kann. Auch dabei kommenimmer viele Kilometer zusammengekommen, wenn ich auch kleine Inselnoder Gebirgsstraßen abgrase.

Mehr Infos über Biarritz findest Du unter http://www.geo.de/reisen/reiseziele/21220-rtkl-biarritz-strandperle-mit-franzoesischem-flair

Feuerzeug statt Campingkocher im Outdoor-Urlaub

Was ich esse, wenn ich mehrere Wochen in der freien Natur unterwegs bin? Diese Frage stellt sich mir schon lange nicht mehr. Dafür hat sich schon zu viel eingespielt. Warme Küche ist mir nicht wichtig, so dass ich keinen Campingkocher mitschleppen muss. Der nimmt viel Platz auf dem Rad weg und schwer ist er auch noch. Das erspart mir auch, Reis- oder Nudelpackungen mitzuschleppen.

Als Grundausstattung ist es mir wichtig, eine Wasserblase im Rucksack zu tragen, aus der ich auch während einer Fahrt durchs Gebirge trinken kann. Denn so kann ich weiter in meinem Rhythmus strampeln. In warmen Ländern nehme ich weitere zwei Trinkflaschen am Rahmen mit. Es gibt immer irgendwo einen Friedhof oder ein Café, wo ich leicht Wasser nachfüllen kann. Einheimische verraten mir auch oft, wo sich ein Brunnen oder eine Quelle mit gutem Wasser befindet.

Für die ersten Tage nach der Ankunft packe ich gerne drei Päckchen Studentenfutter als Basisversorgung ein. So erspare ich mir fürs erste das Suchen in Lebensmittelgeschäften. Auch Haferflocken nehme ich mit, denn so kann man sehr gut Magen- und Darmprobleme vermeiden. Vor Ort kaufe ich dann Jogurt dazu, da er sich meistens länger hält als Milch, auch besser schmeckt als H-Milch und mehr Energie liefert.

In Kiruna hat mir ein Bekannter mal einen praktischen Kunststoffbecher geschenkt, der sich nicht nur gut zum Trinken, sondern auch zum Essen eignet. Viele Skandinavier tragen das stabile Teil bei sich, wenn sie wandern gehen. Äpfel halten den Mund schön frisch, liefern auch noch Flüssigkeit und Vitamine. Bananen sind auch sehr gut zur Versorgung mit Nährstoffen, kaufe ich aber nur zum direkten Verzehr vor Ort, weil sie schnell vergehen. Meistens schmunzeln die Kassiererinnen über die eine Banane auf dem Band, so dass sich eine gute Gelegenheit zu einem Gespräch über das Land ergibt.

Statt eines Campingkochers nehme ich lieber ein Feuerzeug mit. Es gibt an vielen Orten Feuerstellen, an denen man leicht eine Wurst oder eine Dose in die Flammen halten kann. Das rundet wunderbar einen schönen Tag in den schwedischen Fjälls ab. Und Platz für ein Feuerzeug ist immer im Gepäck. Rezepte zu kennen, wie die Autorin des Spiegel im nachfolgenden Artikel schreibt, sind dann gar nicht elementar. Draußen schmeckt sowieso alles besser, wenn man das Rauschen des Flusses und das Flüstern des Windes hört und dann vielleicht auch ein Rentier vorbeikommt.

Was ich esse, wenn ich mehrere Wochen in der freien Natur unterwegs bin? Diese Frage stellt sich mir schon lange nicht mehr. Dafür hat sich schon zu viel eingespielt. Warme Küche ist mir nicht wichtig, so dass ich keinen Campingkocher mitschleppen muss. Der nimmt viel Platz auf dem Rad weg und schwer ist er mir auch noch. Ebenso erspart es mir, Reis- oder Nudelpackungen mitzuschleppen.

Was Spiegel-Autorin Eva Lehnen im Outdoor-Urlaub wichtig ist, erfährst Du hier:

https://www.spiegel.de/reise/europa/rezepte-fuer-die-outdoorkueche-buecher-fuer-die-camper-a-1262013.html

Wandern oder Radeln auf dem Camino Primitivo?

Bist Du schon auf dem Camino Primitivo geradelt? Nachdem ich gerade einen Artikel in der „Welt“ darüber gelesen habe, reizt es mich schon, weil ich dann mal wieder ordentlich auf dem vom Küstenweg abgehenden Teil des Jakobsweges kraxeln könnte.

Erst einmal habe ich auch den Weg durch Galizien und Portugal erklimmen können und musste nur zwei- oder dreimal auf Landstraßen ausweichen. So schlimm war es trotz 23 Kilogramm Gepäck jetzt auch nicht gerade. Zum anderen kann man auch schieben. Viele erzählen auch nur gerne viel und erzählen, wie anstrengend doch die Strecke sei, die gerade vor einem liege. Am Ende war es dann immer leichter als gedacht. Hier handelt es sich auch nur um knapp über 300 Kilometer Strecke. Und auch dort wird es schon mit Hilfe eines Navis möglich sein, die ganz steilen Abschnitte zu umfahren. Ich probiere es trotzdem in den Bergen aus, auch wenn ich auf einer Webseite gelesen habe, dass es für Radler zu schwierig sei. Es gibt sicher dort auch Unterkünfte, wo ich das Gepäck abladen kann, und dann ganz unbeschwert den Gipfel erreiche.

Denn ich finde persönlich Berge sehr viel spannender beim Radfahren trotz der damit verbundenen Anstrengungen, weil die meisten Küstenwege in Europa nicht zuletzt der Bebauung und des Verkehrs wegen eher abschreckend sind.

Was spricht dafür den Primitivo auszuprobieren? In Bergen sind oft wenig Autos unterwegs. Die Menschen haben meistens eine freundliche Mentalität und sind daher oft sehr hilfsbereit. Zudem sind die Preise günstig und das Essen in den Gaststätten auf Einheimische ausgerichtet. Es gibt also das bessere Essen. Zudem: Was gibt es Schöneres, als eine Pause an Wasserfällen einzulegen, einen Kaffee in einem Bergdorf einzulegen, wenn der Nebel noch dampft, eine grandiose Aussicht zu genießen?

Mehr Infos über das Potential einer Pilgerreise auf dem Camino Primitivo findest Du hier:

Pilgern auf dem Camino Primitivo

Durch Portugal von Norden nach Süden

Schade. Gerade habe ich mich auf einen schönen Artikel in der „Neuen Zürcher Zeitung“ übers Radwandern durch Portugal von Norden nach Süden gefreut; dieser Text ist auch so angeteast. Der Autor scheint zwei Wochen lang von Chaves nach Faro geradelt zu sein. Doch nach dem Teaser steht gar nichts mehr übers Radfahren drin. Das ist ziemlich schwach. Denn die NZZ versäumt es, die große Radreise-Gemeinschaft als Leserschaft für sich zu gewinnen.

Im Großen und Ganzen ist der Text schon in sich stimmig, was der Verfasser über Portugal schreibt, meistens über Menschen in den Bars und Tourismus-Mitarbeiter. Dies verknüpft er mit Fakten, die täglich über Migration und Industrie in den Medien stehen. Eher würde der Inhalt daher in den Wirtschaftsteil passen. Ich frage mich, ob er wirklich die komplette Strecke gefahren ist.

Doch als Radfahrer interessieren mich landschaftliche Reize für gute Fotos, Besonderheiten zum Besichtigen, Sicherheit und Verkehr, schwierige Steigungen, Straßenbelag, Mentalität der Bewohner, ob sie helfen, wenn man Wasser braucht oder eine Panne hat.

All dies macht eine Radreise aus. Portugal hat viel zu bieten, wenn man dort radelt. Ein starkes Manko allerdings: die Mitnahme von Rädern im ÖPNV. Ich kenne nur zwei Strecken, wo dies möglich ist. Porto entlang des Rio Douro und Faro in Richtung Vila Real de Santo António. Was das Radeln in Zentral-Portugal ausmacht, beschreibe ich in meinem Rad- und Kulturreiseführer über die Serra da Estrela im Nordosten des Landes. Man muss ohnehin nicht die ganze Strecke in Portugal von Norden nach Süden fahren. Weniger ist oft mehr, weil man die Landschaft und ihre Bewohner in einer Region besser kennen lernt.

Fortsetzung folgt.

Spaniens älteste Stadt

Cádiz in Andalusien – mich enttäuschte der Ort, als ich von Jerez de la Frontera hingeradelt war. Andere Städte im Süden sind malerischer. Ich erinnere mich daher mehr an meine Angst, aus der Stadt hinaus zu kommen, da ich glaubte, mit dem Rad irgendwo ein Schild übersehen zu haben und auf einer Autobahn gelandet zu sein.

Die Straße war doppelspurig auf beiden Seiten, die Fahrzeuge rauschten an mir vorbei. Ich erwartete jederzeit die Polizei, die mir sagen würde, lieber Junge, sieh mal zu, dass du dich vom Acker machst. Aber nicht einmal einzelne Autofahrer gaben mir Zeichen.

Irgendwann kam dann doch eine erlösende Abfahrt und die Tour führte dann entspannt weiter an der Küste entlang. Cádiz hatte ich hinter mir und fühle mich irgendwie bestätigt beim Lesen des Artikels in der Welt, dass der Autorin nichts aufgefallen ist, keine besondere Perspektive gefunden hat. Verpasst habe ich dort also nichts. Gassen zum Herumschlendern gibt es überall in ganz Spanien, Kanonen auch, die empfohlenen Speisen auch.

Vielleicht kannst Du mir Tipps geben, wodurch sich die Stadt auszeichnet. Immerhin wurde dort die erste Verfassung des Landes verfasst. Und sie ist die älteste Stadt Spaniens. Oft lassen sich durch solche Fakten wunderbar bestimmte Haltungen der Menschen beobachten wie einen großen Stolz darauf, gerade in Andalusien, das sich oft von der fernen Zentralregierung in Madrid vernachlässigt fühlt.

Spaniens älteste Stadt

Ewiger Streit um den Affenfelsen

Gibraltar – von allen Orten in Andalusien finde ich diesen besonders spannend. Deshalb besuchte ich die Stadt auf dem Affenfelsen auch schon zweimal auf meinen Radreisen in Spanien.

Mich zog als Historiker natürlich in erster Linie an, dass der Ort eine Kolonie am Rande Europas ist. Wo gibt es eine Möglichkeit, sich so unkompliziert anzusehen, wie die Menschen dort mit diesem Status umgehen.

Wohnen sollte man am besten im spanischen Vorort La Linea, weil es dort deutlich günstiger ist als in Gibraltar. Zur Besichtigung muss jeder erst über die Grenze laufen.

In diesen Tagen ist der Grenzübergang noch unkompliziert, doch wie wird es bei einem Brexit? Es gab schon einmal eine Zeit, an die sich die Älteren auf Gibraltar nur ungern erinnern. Durch einen heftigen Streit mit Spanien über den künftigen Status der Kolonie schlossen die Spanier in den 1980er Jahren die Grenze. Wenn jemand herein wollte, ging das nur über Boote. Für einzelne mag das noch irgendwie lösbar sein. Aber die Versorgung der Bevölkerung zu leisten, ist schwierig. Aus Marokko kam Hilfe. Es gab schon länger Verbindungen nach Casablanca, aber diese wurde jetzt intensiviert. Auch über die Flugzeuge lief die Versorgung, von der man heute noch etwas mitbekommt. Bis heute flammen immer wieder Streitigkeiten zwischen Spanien und England auf.

Denn hinter der Grenze liegt der Flughafen, besser: Ring kleines Rollfeld. Es ist schon kurios, an einer Ampel stehen zu bleiben, zu warten, bis ein Flugzeug gelandet ist, dann erst über das Rollfeld gehen zu dürfen im Pulk anderer Ankömmlinge. All dies erlebt man schon in den ersten Minuten nach der Ankunft, weshalb sich da schon ein Besuch lohnt.

Was hingegen ein Reporter der englischen Zeitung „Telegraph“ in Andalusien erlebt hat, könnt ihr hier nachlesen.

Erlebnisse in der Alpujarra