Auf dem Jakobsweg Dem Himmel wieder nah

Nach den relativ flachen Etappen an der Küste wird es ab heute wieder ernst. Santiago de Compistela in Galizien muss der Jakobspilger sich auf dem Camino del Norte erarbeiten.

Ich fühle mich wie im Schwarzwald; nur ist die Palme am Brunnen fehl am Platz.

Aber das zweite Jerusalem ist auch nur noch 180 Kilometer entfernt. Ribadeo habe ich heute mittag verlassen.

Meine Unterkunft heute in den Bergen: Refugio de peregrino.

Auf dem Jakobsweg Schwan Petra lebt jetzt in Galizien

Ihr vermisst bestimmt den Schwan Petra vom Aasee in Münster. Sie hatte sich vor einigen Jahren in ein Tretboot verliebt, das wie ein Schwan gestaltet war. Ich habe sie gerade auf einem Fluss in Cedeira in Galizien gefunden. Auch hier wird er bewundert. Gerade sagte eine Frau: „Qué bonito el negrito“. Allerdings tauchen hier (noch) keine Journalisten aus aller Welt auf, um über die große Liebe des Schwans zu berichten. Der Schwan schwimmt. Auf diesem Weg an der höchsten Steilküste Europas rollt, springt und trottet der Rest der Lebewesen auf unserem Planeten. Die Küste liegt also höher als die von Amalfi am Golf von Neapel und Höga Kusten im Hälsingland, südlich von Umeå.

Oben auf dem Pass sind die Kühe endlich gefunden.

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Spanienfahrer und Biologen: Um welche Bäume handelt es sich hier? Ich sehe die öfter auf meiner Strecke zwischen Porto und Finisterre. Ein Bauer ist gerade nicht zu sehen, den ich fragen könnte.

José, der Mountainbiker begleitete mich ein Stück durch die Berge, klärte mich auf: Eukalyptus. Vor einem Jahr brannte es heftig. Die Bergbewohner mußten evakuiert werden. Ähnlich wie bei dem verheerenden Brand bei Coimbra vor einigen Wochen. Zum Glück gab es keine Todesopfer.

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

So ganz abgewichen wie gedacht, bin ich vorgestern doch nicht. Ich geriet auf die Küstenstrecke des Caminho de Santiago. Heute habe ich Cerveiro verlassen und bin einem wunderbaren Flussradweg nach Valença an der Grenze gefolgt. Er war flach, schattig, bot einen tollen Blick auf die Berge und auf den Rio Minho. Länge: etwa 18 Kilometer. Auch viele Möwen siedeln hier.

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

So sieht der Caminho de Santiago öfter aus. Mit Gepäck muß ich dann oft schieben. Ich kenne aber immerhin vier Freunde in Bonn und in Münster, die auch nicht aufgäben. Die Strecke heute ist deutlich die anstrengendste, obwohl ich die letzten fünf Kilometer parallel zum Wanderweg auf der Landstraße geradelt bin. Darunter waren auch neun Prozent Steigung. Der Pilgerweg selbst ist ab Bandeira nur für Mountainbikefahrer ohne Gepäck zu bewältigen. Das Rad muss streckenweise auf den Schultern getragen werden, munkelt man.

Das Erklimmen des Berggipfels gegen Ende des Trips war heftig. Jetzt ruhe ich im Bergdorf Rubiães, das abends deutlich kühler ist als Ponte de Lima im Tal. Die Wirtin wollte mich gleich dazu nötigen, mit einem Shuttle zu einem nahen Restaurant zu fahren. Es tut mir sehr leid, dass ihr nun 10 % Provision entgehen.

Der Blick vom Balkon ist ganz okay. Oder?

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Drei Tage halte ich mich schon am Fluß des Vergessens auf. Ob ich wirklich alles vergesse, stelle ich wahrscheinlich erst hinter der Ortsgrenze fest. Die Pilgerin Alexandra hat mich jedenfalls nicht vergessen, denn sie schreibt mir immer noch, obwohl sie die Kleinstadt schon seit drei Tagen verlassen hat. So schlimm ist es also nicht.

Ich halte die Erzählung auch für eine List der Feinde der Römer, um die Legionen am Vormarsch über den Fluss Lima zu hindern. Am Ufer stehen ein paar bewaffnete junge Kerle um die zwanzig mit unsicheren Gesichtern. Die Lanze eines Legionärs ist sogar verbogen, als seien gerade auch Asterix und Obelix vorbeigekommen und hätten sich mit ihnen geprügelt. Auf der anderen Seite wartet ihr Anführer zu Pferde. Die Legionäre wollen erst durch den Fluß waten, sobald jeder einzelne von ihnen seinen Namen gehört hat. Eine hübsche Geschichte zu einer angenehmen Kleinstadt, in der so einige Pilger zwei Tage ihre Wunden pflegen.

Das Leben ist gemütlich. Das Bier ist billig, die Menschen hilfsbereit. Ich selber habe mir in einem Handel für 29 Cent fünf Schrauben besorgt, um weiteren Verlusten auf der holperigen Strecke die Stirn bieten zu können. Meine Schuhsohle hat ein Schuster gestern geklebt für einen Euro. Hier gibt es ein schönes Museum mit sakraler Kunst und lebhafte Konzerte.

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Meine ersten kleinen Reparaturen habe ich am Rad schon hinter mir. Dabei bin ich erst seit fünf Tagen in Portugal. Zuerst verbog das Schaltwerk auf dem Flug. Ich konnte es mit der Hand wieder richten und mit dem Schraubendreher wieder einstellen. Da der Wanderpfad holprig ist, verlor ich heute eine Schraube am Gepäckträger. Zum Glück konnte ich eine meines Flaschenhalters opfern.

Denkt also bitte immer daran, passende Schrauben mitzunehmen. Und die Schaltung vor dem Flug zu demontueren, im Fall der Fälle einen Ersatz einzuoacken. Er wiegt nicht viel.