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Darf man Salzbrühe im Urlaubsgebiet verklappen?

An der Costa Brava streitet sich eine Gemeinde mit der Chemieindustrie

Verklappung industrieller Abwässer ins Mittelmeer? Ich hätte nicht gedacht, dass dies heute innerhalb der Europäischen Union überhaupt noch erlaubt ist. Bis ich gerade einen Artikel in der spanischen Zeitung „La Vanguardia“ gelesen habe: Darin steht, dass es Unternehmen gebe – S.A. Robama, Menadiona S.L. und Infar S.A – die ihre Salzbrühe im Raum von Barcelona ins Meer leiten. Dazu nutzen sie die Kläranlage von Pineda de Mar. Doch diese scheint aufgrund der hohen Salzkonzentration nicht mehr richtig zu funktionieren oder entspricht vielleicht nicht mehr den Vorschriften. Eine Vorbehandlung der Salzbrühe wäre mit höheren Kosten verbunden, was aus Sicht der Unternehmen unwirtschaftlich wäre, schreibt La Vanguardia. Daher wollten diese Unternehmen jetzt mitten im Urlaubsgebiet von Blanes bei Girona über eine neue Rohrleitung ihre Abwässer ins Meer leiten. Dafür haben sie sich an die Agencia Catalana del Agua (ACA) gewandt. Dagegen erhebt sich jetzt in Blanes Widerstand.

Pepa Celaya, bis vor kurzem Stadträtin in Blanes, befürchte ein hohes Risiko für die menschliche Gesundheit, die Umwelt und den Tourismus in Blanes, denn sie halte diese Verklappung für extrem gefährlich. Darüber hinaus leiste die Entzalzungsanlage von Blanes bereits ihren Dienst für mehr als zehn Gemeinden, darunter auch die Stadt Barcelona. Immer wieder versuche das Rathaus in Blanes Versuche chemischer Unternehmen zu stoppen, ihre Abwässer am Strand von S’Abanell zu verklappen. Man fürchte auch, dass auch andere Industrien aus dem Umland die Kläranlage nutzen wollten, so dass sich der Strand von S’Abanell in eine Kloake verwandeln könnte. Zumal man davon ausgehe, dass die Abwässer nicht vorbehandelt würden.

Gerichtliche Auseinandersetzung folgt

Sollte eine Rohrleitung gebaut werden, führe sie durch Natur und Landwirtschaft. Um die Auswirkungen einschätzen zu können, bedürfe es auch erst einiger komplexer Analysen, die komplex seien, sagt die Gemeinde. Vertrauen bringt man den Unternehmen jedenfalls nicht entgegen, denn auch zugesagte dreimonatliche analytische Selbstkontrollen seiend ungenügend, um die Qualität der Verklappungen zu garantieren. Robama zum Beispiel habe versichert, über eine Kläranlage zu verfügen, die die Abwässer des Unternehmens behandele und die Schadstoffe minimiere, die über die Kanalisation abgeleitet würden. Der Vorbehalt der Gemeinde scheint nicht ganz unbegründet, denn La Vanguardia verweist auf das Chemieunternehmen Cray Valley Ibérica S.A., angesiedelt in Sant Celoni (Barcelona). Erst 2005 wurde es zu Entschädigungszahlungen an Blanes verurteilt. Denn es hatte 1996 das Grundwasser des Rio Tordera mit Dioxinen und Dioxolanen verunreinigt.

Die Entscheidung liegt nun beim Verwaltungsgericht von Girona. Sollte Blanes verlieren, will man vors Oberlandesgericht von Katalonien ziehen, das in letzter Instanz zu entscheiden hätte. Für Reisende gilt, vor einer Buchung immer nachzufragen, ob an der Costa Brava oder anderswo einfach ungeklärte Abwässer eingeleitet werden statt es vorab mit hochwertiger Technologie aufzubereiten. Denn der Urlaub soll ja schön werden.

Den Artikel der La Vanguardia findest Du unter www.lavanguardia.com/vida/20190603/462578992385/preocupacion-vertido-aguas-residuales-quimicas-costa-brava.html

Königlicher Urlaub an der Playa de los Bikinis

Santander, die Hauptstadt Kantabriens, scheint Urlaubern eine gute Mischung aus Strandurlaub, Kunstgenuss und guter Gastronomie zu bieten. Das portugiesische Magazin „Sabado“ hat jetzt die Stadt im Norden Spaniens entdeckt. Als ich mal die Stadt auf dem Küstenweg erreichte, fielen mir nur ein langer Strand auf und die Kunst der Kellnerin, Apfelwein aus einer weit über dem Glas gehaltenen Flasche einzuschenken. Die Architektur erschien mir nicht so ansprechend, dass ich gerne länger in der Stadt geblieben wäre. Ich war allerdings auch mehr auf schöne Landschaften und Erlebnisse auf dem Jakobsweg erpicht, bevor ich meinen Reisestil änderte, mich mehr für Leute als Land interessierte.

Der Autor des Sabado stellt Santander „als lang gezogenen neun Kilometer langen Arm vor“, der zum Meer weise. Vom Flughafen kommend, fällt ihm auf, dass es hier eine industrielle Zone mit einem Hafen gibt. Gegenüber der Marine reihen sich Straßencafés auf dem Paseo de Pereda und der Calle Castelar aneinander. Er selbst muss die komplette Stadt mit dem Taxi durchqueren, da er sich im Urlaubsviertel El Sardinero mit Landhäusern und Villen niederlassen will. Dort gibt es immerhin Busch, der anzeigt, dass er sich am Stadtrand befindet. El Sardinero erscheint ihm als enormes Urlaubsressort. Dort gebe es Hotels im Stil der Belle Époque und ein großes Casino. Dies hänge damit zusammen, dass König Alfons XIII. von Spanien hier seine Sommerresidenz errichtet habe. Diese soll er zwischen 1913 und 1930 mehrfach aufgesucht haben. Auf der Halbinsel La Magdalena sei ein homonymer Palast zwischen 1908 und 1912 errichtet worden. Die Insel beschreibt er als Anhang von Erde und Grün, mit Gärten und Felsen. Daraus rage mit dem Faro de La Cerda ein bedeutender Leuchtturm hervor. Dort gibt es auch die von der Bucht der Halbinsel abgewandte Playa de los Bikinis. Man munkele, dort sei zum ersten Mal in Kantabrien eine Frau im Bikini gesehen worden. Diese sei eine der hübschen und nicht überlaufenen Stränden, die allerdings schon zu Spaziergängen zwingen würden. Die meisten besuchten die nur 100 Meter von Santander entfernte Primera Playa. Es gebe auch andere hübschere Strände, die nicht überlaufen seien, aber diese zwängen zu kleinen Spaziergängen.

Neben Naherholung biete die Stadt Kultur in einem mit dem Pritzker-Preis ausgezeichneten Museum. Im Centro Botín würden mehr als tausend Werke präsentiert von hervorragenden Künstlern wie Rubens, El Greco, Picasso und Miró. Unter den Kronen der Bäume der Jardines de Pereda versteckt liege das vom italienischen Architekten Renzo Piano gestaltete Haus. Dieser habe auch nicht weniger bedeutende Gebäude wie das Centre Pompidou in Paris oder das Whitney Museum amerikanischer Kunst in New York gestaltet. Die Errichtung habe fünf Jahre gedauert, sei 2014 unterbrochen worden, was dem Tod Emilio Botins geschuldet gewesen sei, Präsident der Santander Bank seit 1986. Die Stiftung der Santander habe das Museum finanziert.

In den Straßen des Zentrums fühlt sich der Verfasser tatsächlich wie in der Baixa lisboeta. Dort stößt er auf die Kathedrale, erbaut im 12. und 14. Jahrhundert im gotischen Stil. Ein großer Brand von 1941 habe fast das ganze Zentrum der Stadt zerstört, wovon auch die Kathedrale betroffen gewesen sei. Das war also einer der Gründe dafür, dass ich die Stadt nicht als so einladend empfand, da ihr historisch gewachsene Strukturen fehlen. Neben dem Besuch der Kirche empfiehlt er, auch der bezaubernden Plaza Pombo mit dem historischen unter Arkaden versteckten Café do Pombo einen Besuch abzustatten. Nur zwei Minuten davon entfernt liege der Markt von Santander mit regionalen Käsesorten, Fisch, Meeresfrüchten und Oliven. Dies rechtfertige eine Runde innerhalb des Hauses, in dem auch Cafés und Bodegas zu finden seien.

Die besten Bars fand er zwischen der Calle Sta. Lucia und dem Paseo de Pereda. Einen Tisch drinnen oder auf dem Fußweg zu erhalten, könne kompliziert sein. Aber dies glichen draußen reichlich vorhandene hohe Tische aus, wo man das Trinkglas abstellen und Tapas futtern könne. Heraufgehend zur Calle Casimiro Sainz bis zum Kreisverkehr Glorieta de Sol komme man zu einem anderen Kreisverkehr: zum Tetuán. Auch dort gebe es Kneipen und Meeresfrüchterestaurants. Allerdings höre man dort keine Musik. Die Lichter seien stark, nichts sei so cool wie zuvor am Paseo. Verschwitzte und zänkische Angestellte servierten den köstlichen Meeresfisch von Kantabrien. Das Restaurant Marucho sei eine Referenz in der Calle de Tetuán. Aber offenbar hat es dem Verfasser hier nicht so gefallen wie zuvor.

Den kompletten Artikel findest Du auf www.sabado.pt/gps/style/viagens/detalhe/santander-a-descoberta-de-praias-arquitectura-historia-e-marisco?ref=GPS_Grupo3_viagens

179 Kilometer Abenteuer am Fjord

Es ist mal wieder spannend zu erfahren, was einen spanischen Autor der Zeitung „El Mundo“ an Norwegen fasziniert und zu welchen Bildern er greift, um die Landschaft zu erfassen. Den Verfasser verschlug es im Winter in die größte Hochebene Europas, in die Hardangervidda. Dabei gibt es auch in Spanien Hochgebirge. Aber sie liegen nicht direkt am Wasser. Vielleicht eröffnet Dir dieser Artikel so einen völlig neuen Zugang zum Norden.

Natürlich greift der Autor zu Begriffen wie Postkartenlandschaft. Was mich aber stets fasziniert, ist das ganz andere Verhältnis der Spanier zur Kälte. Während Mitteleuropäer schon im Frühjahr oder noch im Herbst im T-Shirt durch die Gegend laufen, ziehen sie sich Winterkleidung an, um nicht zu frieren. Auch dieser Autor musste sich an die tiefen Temperatur unter Null in Kombination mit Eis und Schnee gewöhnen und fragte wohl jemanden vor Ort, wie Skandinavier damit umgingen: „Norweger sagen, dass Kälte nicht existiere. Es gebe nur unpassende Kleidung.“ Entsprechend gekleidet könne auch ein Spanier sich von der Landschaft entzücken lassen, ohne dabei zu erfrieren. Diese sei im Winter viel interessanter, weil in dieser Zeit auf den Fjorden der Frieden regiere, jeder ohne die Last der Kreuzfahrtschiffe sich vom Leben in der Stadt abkoppeln und eine Verbindung mit der Natur eingehen könnte. Nicht zuletzt habe die Unesco diese Landschaft zum Weltkulturerbe ernannt.

Das sind spezielle Wahrnehmungen des Verfassers. Doch wohin zieht es Spanier, wenn sie Outdooraktivitäten wie Skifahren, Schneeschuhwandern oder Eisklettern ausüben wollen? Gibt es Geheimtipps, von denen Menschen aus deutschsprachigen Ländern nie etwas erfahren? Zu den wichtigsten Zielen zum Skifahren zählt für ihn Myrkdalen im Gebiet des 179 Kilometern unfassbar langen Hardangerfjordes. Dort gebe es insgesamt 28 Kilometer lange Pisten. Doch schon die Anreise auf der Schnellstraße von Bergen sei atemberaubend. Mit jedem Kilometer öffne sich die Natur. Die Berge reichten direkt bis an die Straße heran. Sie spiegelten sich im ruhigen und durchsichtigen Wasser. Und noch beeindruckender sei es zu sehen, wie sich der Schnee darin spiegele. Getoppt werde all das allerdings von Vøringsfossen, einem der bekanntesten Wasserfälle Norwegens. Er ist 182 Meter hoch mit einer Freifallstrecke von beeindruckenden 145 Metern. Wenn das Wasser gefroren ist, gibt es dort offenbar die Möglichkeit des Eiskletterns. Aktuell werde eine enorme Glasbrücke gebaut, die zwei Aussichtspunkte miteinander verbinde.

Den kompletten Artikel der Zeitung El Mundo findest Du unter http://www.elmundo.es/viajes/europa/2019/04/16/5ca2215921efa0bc178b45bf.html

Versuche einer Symbiose zwischen Tourismus und Umwelt

Wenn Du in Spanien Urlaub auf dem Land machst, sind diese Gegenden ziemlich einsam: Ich selbst finde das genial, weil ich die Ruhe genieße und dort viel öfter als in Städten nette Leute treffe, die mich auf einen Kaffee nach Hause mitnehmen, mir ihren Hofgarten zum Campen anbieten. Interessante Geschichten kommen auch oft dabei heraus, die ich dann weiter für Dich recherchieren kann. Allerdings verwirrt es auch, wenn ich nach Tagen auf einsamen Wegen in eine Stadt wie Santiago de Compostela komme. Dort muss ich mich erst wieder an den Verkehr und die Menschenmassen gewöhnen.

Besonders einsam ist es im Norden des Landes gelegenen Asturien, das sich der Francis Panchá, Autor der spanischen Zeitung El Pais, vorgenommen hat: Dort gebe es sogar mehr Hunde als unter 20-Jährige. Aber jährlich strömten Tausende von Touristen in die kleinen Orte der Provinz, die einerseits Naturparadies, andererseits ein leeres Paradies sei. Sie wollten sich in Europas erstem Nationalpark Picos de Europa erholen, der vor gut hundert Jahren eingeweiht worden sei. Ein Sonderfall in Spanien: Denn in dem Gebiet lebten und arbeiteten auch Menschen, schreibt Panchá. Dies versuche man jetzt besser mit touristischen Konzepten zu vereinen, um zum einen die Umwelt zu schonen, zum anderen Abwanderung zu vermeiden. Touristen sollen lokal erzeugte Produkte verbrauchen, die die Existenzgrundlage der Einheimischen sichern.

So setze sich die Stiftung Bartgeier (Fundación Quebrantahuesos) für die Wiederansiedlung dieser Vogelart ein. Man rechne mit mehr Besuchern, die sich auf ein reichhaltiges kulinarisches Erlebnis freuen könnten. Denn in Asturien gebe es viele Landwirte, die sich auf die Zucht von Lämmern und Ziegen spezialisiert haben. Man hat sogar zusammen eine Briefmarke unter dem Motto „Nahrung durch Vielfalt“ entwickelt.

An der Costa de Sol fand Panchá in Nerja bei Málaga ebenfalls Bemühungen, den Tourismus mit der Umwelt zu vereinen. Dort gebe es das Problem, dass die Zahl der Besucher im Winter nachlasse. Wer dort anreise, interessiere sich für die Naturparks Acantilados Maro – Cerro Gordo und Sierra Almijara. Besonderheiten dort: die dort lebende spanische Ziege, rote Korallen und ein weiter Blick nach Nordafrika.Man habe es geschafft, Wandertouristen anzuziehen, die auf wiederhergestellten alten Römerstraßen und Maultierpfaden unterwegs seien.

Auch in Gredos bei Àvila nordwestlich von Madrid fand Panchá einen weiteren dünn besiedelten Ort mit ähnlichen Bestrebungen: Dort zähle man Ginster und den Himmel zu den Besonderheiten der Region. Daher gebe es seit einiger Zeit ein Festival rund um den Ginster. Man wolle so Botanik und aus der Pflanze erstellte handwerkliche Produkte wie Dachbedeckungen, Besen und Strohsäcke miteinander vereinen, verspreche sich aber auch davon, den Zusammenhalt der lokalen Bevölkerung zu fördern. Denn alle Dörfer der Region schmückten sich damit von Mitte Mai bis Mitte Juni und würden mit Preisen dafür belohnt. Schon im April wolle man Besucher mit der Beobachtung des Universums anlocken. Man sei stolz auf das kürzlich verliehene Starlight-Zertifikat. Denn der Himmel weise hier eine außergewöhnliche atmosphärische Klarheit auf. Ginster und Himmel – lokale Ressourcen, die immer existiert haben, werden jetzt touristisch genutzt.

Den vollständigen spanischen Text findest Du unter

https://elviajero.elpais.com/elviajero/2019/04/05/actualidad/1554453543_788004.html

1.200 Kilometer mit dem Rad zur Bar Hemingways

Mit Värmland und Seeland fand ich zuletzt Ziele auf Geo, mit denen ich viele Kindheits- und Jugenderinnerungen verbinde. Mit Biarritz ist heute ein drittes Ziel hinzugekommen, das ich auf einer meiner ersten Radtouren in den Süden kennenlernte. Mit meinem Kumpel Christoph radelte ich auf einem etwas improvisierten französischen Jakobsweg von Belfort aus über Besançon, Dijon, Vézelay und Limoges nach La Rochelle. Vom Küstenort aus ging es weiter über Mimizan und Arcachon nach Biarritz. Ich hatte mir zuvor angeguckt, wie die Pilger im Mittelalter gelaufen sein könnten. Insgesamt waren es durch Frankreich gut 1234 Kilometer.

Entlang der Küste ist der Weg ausgesprochen schön, zumal man dem Verkehr rund um die größeren Städte endlich entkommt. Südlich von La Rochelle gibt es entweder entlang des Wassers Sandstrände und Nadelwäldchen. Fuhren wir hingegen etwas weiter im Binnenland herum, fanden wir eine gut zu bewältigende Hügellandschaft vor, die auch nicht das Auf und Ab des Jura beinhaltete. Überall gibt es Campingplätze. Durch diese kann man einerseits viel Geld sparen, andererseits den Luxus des Übernachtens unter freiem Himmel und die Schar gleichgesinnter Frischluftfanatiker genießen. Hervorheben möchte ich Arcachon, Frankophilen durch die enorm hohe Düne bekannt. Wir fühlten uns hier willkommen. Viele winkten uns zu, fragten, woher wir kämen, wohin wir wollten. Es folgte stets ein freundliches Lächeln. Dies liegt wohl auch an der Begeisterung fürs Radfahren.

Biarritz ist für mich das Drehkreuz schlechthin, um unterschiedliche Ziele kennenzulernen: den Atlantik und den Ausläufer der Pyrenäen. Bis nach Pamplona oder San Sebastián ist es ein Katzensprung. Von Biarritz aus kann man gut nach Saint-Jean-Pied-de-Port gelangen, von dort auf den spanischen Jakobsweg. Die Nationalstraße herauf nach Roncevalles bewältigte ich von Biarritz aus an einem Nachmittag, rollte am nächsten Morgen den Weg nach Pamplona herab. Dort interessierte mich die Bar Hemingways, wo er „Fiesta“ geschrieben haben soll. Hingegen geht der Weg nach San Sebastián recht flach weiter. Der Küstenweg nach Santiago de Compostela ist erreicht.

Heute würde ich eine solch lange Strecke nicht mehr fahren. Mittlerweile finde ich es interessanter, eine Region und ihre Besonderheiten aufzuarbeiten, Radlern gute Wege zu zeigen, auf denen man Sport, Gastronomie und Kultur miteinander verbinden kann. Auch dabei kommen immer viele Kilometer zusammengekommen, wenn ich auch kleine Inseln oder Gebirgsstraßen abgrase.

Mehr Infos über Biarritz findest Du unter http://www.geo.de/reisen/reiseziele/21220-rtkl-biarritz-strandperle-mit-franzoesischem-flair

Streit über die Gestaltung der Museumsmeile in Madrid

Lange habe ich es versäumt, in einem Museum nicht nur den Exponaten meine Aufmerksamkeit zu schenken, sondern mir auch die äußere Gestaltung des Gebäudes anzuschauen. Wahrscheinlich geht es den meisten so. Erst vor kurzem wurden mir bei einem Besuch in Lille die Augen geöffnet, dass sich eine Umrundung lohnen kann. Nicht selten ist Architekten etwas Besonderes eingefallen, um einmal einem Museum etwas Einladendes zu verleihen, andererseits etwas für die Bewahrung der Kunstwerke zu tun.

Als ich das LaM in Lille besuchte – ein Museum für moderne Kunst, zeitgenössische Kunst und Art brut – fiel mir auf, dass das Haus aus zwei Flügeln mit unterschiedlichen Fassaden bestand. Der linke wurde in den 1970er-Jahren gebaut, der rechte Flügel wurde erst 2009 in völlig neuem Stil errichtet. Der rote Backstein des linkes Flügels bildet einen Kontrast zum weiß gestrichenen Beton des rechten.
Der Architekt des linken Flügels könnte ein Kubismus-Adept sein, während der rechte Flügel deutlich an den mozarabischen Stil erinnert. Der Spanien-Kenner sieht, dass die Wände mittelalterlichen Kirchen in Asturien und Galizien ähneln, die maurische Gestaltungselemente übernommen haben. Diese Bauweise wirkt in Nordfrankreich fremd. Tagsüber fallen Lichtflecken in das Gebäudeinnere. Wenn das Licht nachts eingeschaltet wird, leuchten die Wände fast wie magische Laternen nach außen. Der aufgebrochene Beton nimmt dem Gebäude das Brutale.

LAM außerhalb von Lille

Seitdem interessiert mich nicht nur bei Museen, sondern auch bei vielen anderen Gebäuden die Gestaltung und die Einbindung in die Umgebung. Wird dem Bürger und dem Reisenden eine angenehme Aufenthaltsqualität geboten? Oft denken Städte bei neuen Gebäuden nur an den Konsum.

Was derzeit in Madrid in der Museumsszene abgeht, findest Du in einem neuen Artikel der Neuen Zürcher Zeitung. Dort streiten die Bürger unter anderem über die Gestaltung des Prado. Viel Freude beim Lesen.

https://www.nzz.ch/feuilleton/der-paseo-der-prado-in-madrid-ein-potenzielles-weltkulturerbe-ld.1477476

Auf den Spuren des Dichterfürsten Federico Garcia Lorca

Als ich in Barcelona Katalanisch lernte, wurde an der Universität auch ein Theaterstück Federico Garcia Lorcas aufgeführt. Natürlich besuchte ich die Aufführung der Studentengruppe, verband ich damals Spanien unbedingt mit einem der größten Dichter des Landes. “Bluthochzeit” zählt zu seinen bekanntesten Werken. Vom Stück selbst verstand ich damals nicht viel, denn so gut war mein Spanisch noch nicht. Aber es war meine erste Begegnung mit dem in Andalusien lebenden Poeten.

Als es im Januar einige freie Tage gab, beschlossen ich und der aus London stammende Freund Declan, nach Andalusien zu fahren. Schöne Fotos faszinierten uns: Alhambra in Granada, Mezquita in Córdoba, Kathedrale in Sevilla. Wir fuhren einfach mit dem Zug los, uns etwas aufs Glück verlassend, eine Unterkunft vor Ort zu finden.

Als wir in Granada eintrafen, waren wir erstaunt, dass dort sogar Wasser auf der Straße gefror. Obwohl im Süden gelegen, kann es auch in Andalusien sehr kalt werden. Wir fanden ein freies Zimmer bei einem älteren Paar im Zentrum der Stadt. Von dort aus nahmen wir uns als erstes die Alhambra vor, marschierten den Hügel zu Fuß herauf, fanden es äußerst exotisch, wegen des Gartens, der Wasserspiele und des Blickes über die Umgebung.

Aber noch viel mehr rührte uns, dass der letzte Maurenkönig viele Tränen vergossen haben soll, als er Granada im Jahre 1492 verlassen musste. Wir konnten seine Trauer aufgrund der schönen Umgebung gut verstehen. Damit war auch die Reconquista der katholischen Könige abgeschlossen. Es gab kein arabisches Kalifat mehr.

In Granada besichtigten wir auch die berühmten Höhlen, in denen wirklich Menschen leben. Sie haben Löcher in den Berg gegraben, nutzen die Erdwärme und haben sich dort richtige Wohnungen eingerichtet. Viele Aussteiger, auch aus dem Ausland, haben sich dort niedergelassen.

In der Nähe liegt mit Fuente Vaqueros ein Dorf, in dem Garcia Lorca auf die Welt kam. Leider waren wir an einem Montag dort, so dass das Museum geschlossen war. Im Ort selbst war sonst sehr wenig los, so dass wir zu Fuß zu einem kleinen Park liefen, der dem großen Dichter gewidmet war. Dort standen Tafeln mit Zitaten aus seinen Werken. Wir lassen sie uns gegenseitig vor und ich filmte das Szenario.

Ich erinnere mich vor allem noch an den berühmten Vers “Verde que yo te quiero verde” – Grün wie ich dich liebe grün” aus der Romance Sonámbulo. Ich war unendlich traurig, dass man Garcia Lorca in dieser Gegend einfach erschossen hatte und versuchte mir vorzustellen, was sich damals in der Serra abgespielt hatte. Seine sterblichen Überreste hat man bis heute nicht gefunden

Aber nach der Rückkehr nach Barcelona freute ich wiederum darüber, wie gerührt Freunde waren, dass wir den Park besucht und Verse aus seinen Werken zitiert hatten. Sie sahen einfach, dass wir uns sehr für die Kultur ihres Landes interessierten. Nach einigen Reisen mehr, hörte man dann auch von ihnen, dass wir ihr Land besser kennten, als sie selbst. Ein befreundetes Paar reiste dann auch selbst nach Andalusien, um auf unseren Spuren zu wandeln.

Wer mehr über das heutige Verhältnis der Spanier zum Dichterfürsten erfahren will, sollte den soeben publizierten Artikel in der Zeit lesen, den ein aus Granada stammender Journalist verfasst hat. Viel Freude beim Lesen!

Artikel Garcia Lorca

Sauberkeit spanischer Urlaubsziele untersucht

Galizier gelten in Spanien als fröhliches Volk. Als ich vor einigen Monaten in Santiago de Compostela gastierte, waren die Bars abends im Zentrum immer gut gefüllt. Es war schwierig, einen Platz zu bekommen. An vielen Orten wird musiziert. Noch heute nimmt der Dudelsack eine hervorragende Rolle ein. Das liegt nicht nur daran, dass Santiago eine wichtige Pilgerstadt ist und daher viele Menschen aus der ganzen Welt tagtäglich in der Stadt eintreffen.

Ähnlich gepolt sind auch die Menschen in Städten wie A Coruña oder Ourense. Es lohnt sich also immer, Galizien zu besuchen.

Doch wie ist es um die Sauberkeit der galizischen Städte bestellt? Für jeden, der froh gelaunt am Urlaubsort ankommt, ist es enttäuschend, am Urlaubsort anzukommen und unangenehme menschliche Hinterlassenschaften vorzufinden.

Die Tageszeitung „La Voz de Galicia“ veröffentlichte jetzt einen Artikel über die Sauberkeit in 60 spanischen Städten. Die saubersten drei sind Oviedo, Bilbao und die galizische Stadt Vigo an der Westküste. Für die Untersuchung zeichnet die Organiza- ción de Consumidores y Usuarios (OCU) verantwortlich.

Hingegen schneiden die große Hafenstadt A Coruña und das beschauliche Städtchen Lugo relativ schlecht ab. Lugo hat sich demnach sogar noch verschlechtert in den vergangenen Jahren, Vigo hingegen verbessert. Die erste Studie darüber wurde bereits 1995 veröffentlicht. Die letzte Untersuchung ist gerade einmal vier Jahre her.

Der Verfasser des Zeitungsartikels sieht eine Ursache für die Sauberkeit in der Bereitschaft der Städte, in die Sauberkeit zu investieren. So gibt die oben platzierte Stadt Vigo 71 Euro pro Einwohner aus, während A Coruña mit 43 Euro deutlich niedriger liegt.

Hauptärgernisse in A Coruña sind wilde Graffiti und Plakate an Häusern und Mauern sowie Exkremente auf den Wegen. Aber auch schlechte Müllbeseitigung werden bemängelt und die mangelnde Pflege der Grünanlagen. Ebenso wird die Vernachlässigung der Außenviertel der Stadt genannt. Hingegen schneidet die Qualität der Luft in der Bewertung durch die Einwohner erstaunlich gut für eine Stadt dieser Größe ab, die zumal sie ein wichtiger Industriestandort ist.

Schlecht schneidet auch die alte Römerstadt Lugo ab, durch die auch manch ein Jakobspilger auf dem Weg nach Santiago kommt. Die „Stadt der römisch-antiken Mauern“ erhält nur bei der Bewertung der Luftqualität gute Noten, bemängelt werden aber auch wieder die Sauberkeit der Straßen und wie in A Coruña die Instandhaltung der Parkanlagen. Ähnlich schlecht bewertet wird auch die das Vorhandensein von Exkrementen und die schlechte Müllbeseitigung.

Etwas besser scheint es hingegen in Städten wie Pontevedra und Ourense auszusehen. Die liegen ungefähr in der Mitte der 60 bewerteten Städte. Ourense hat aber auch eine sehr attraktive Altstadt, in der Jakobspilger ihre Glieder kostenlos in das Wasser einer Thermalquelle ausstrecken können. Die Sauberkeit in Pontevedra wird wohlwollend zur Kenntnis genommen. Ohnehin muss sich dort in den vergangenen Jahren einiges getan haben, denn die Stadt machte im Ranking einen erheblichen Satz nach vorne.

Dies trifft auch auf die baskische Metropole Bilbao zu, ebenfalls wie A Coruña eine alte Industriestadt. Bilbao machte von allen untersuchten Städten den größten Sprung nach vorne. In Ourense sieht es etwas schlechter aus. Gut schneidet wiederum die Luftqualität ab. Lediglich in Lérez ist man mit der Sauberkeit und dem Zustand der Grünanlagen sehr zufrieden; allerdings stört die Einwohner der Anblick von Kot erheblich.

Weitere Infos findest Du unter Sauberkeit in spanischen Städten

Geometrische Formen aus der Luft

Tangenten, Dreiecke, Vierecke – wer mit einer Drohne von oben auf eine Stadt schaut, kann verblüffende geometrische Muster entdecken.

Der Fotograf Márton Mogyorósy schickte seine Drohne über die Dächer einer meiner Lieblingsstädte – Barcelona. Dort studierte ich über Erasmus Katalanisch. Es ergab sich auch mal die Gelegenheit, auf Einladung eines Menschen aus Mauritius, Tee auf einem Dach in der Altstadt Tee zu trinken.

Ich konnte wunderbar enthoben dem dichten Treiben in den Gassen zuschauen, vor dem ich bei meinem ersten Aufenthalt in Barcelona noch Angst vor Gewalt hatte, denn unvergessen war in mir noch der Anblick eines blutüberströmten Mannes geblieben, der vor dem Hauptbahnhof Sants lag. Ich ging da noch zur Schule. Ebenso trieben damals viele Taschendiebe ihr Unwesen in den Gassen und auf der Plaza Real; ein übriges taten die gespenstische Schatten auf die Hauswände werfenden Flammen der Hähnchengrills dazu. Einem Taschendieb gelang es auch, mir in einem Café die Geldbörse zu entwenden, doch er war zu langsam für mich. Ein echter Tollpatsch!

Zuerst verständigten wir das Personal, während er sich noch auf dem Stuhl hinter mir wegdrehte, dann stellte ich den jammernden Strolch, der mir die Börse wieder zurückgab. Großzügig ließ ich den Mann laufen, obwohl er in der unteren Etage von zwei kräftigen Kerls festgehalten wurde. Manche Katalanen beklagten sich dann bei mir, warum ich nicht die Polizei gerufen hätte, dann hätte man ihn nach Nordafrika zurückschicken können. Doch für mich war er nur ein schlechter Taschendieb!

Ganz oben kann einem nichts passieren. Nur der Himmel kann Dir auf den Kopf fallen. Die spanische Zeitung El Pais hat einige beeindruckende Drohnenfotos des Fotografen Márton Mogyorósy veröffentlicht. Hier der Link:

Barcelona – Architektur von oben

Wandern oder Radeln auf dem Camino Primitivo?

Bist Du schon auf dem Camino Primitivo geradelt? Nachdem ich gerade einen Artikel in der “Welt” darüber gelesen habe, reizt es mich schon, weil ich dann mal wieder ordentlich auf dem vom Küstenweg abgehenden Teil des Jakobsweges kraxeln könnte.

Erst einmal habe ich auch den Weg durch Galizien und Portugal erklimmen können und musste nur zwei- oder dreimal auf Landstraßen ausweichen. So schlimm war es trotz 23 Kilogramm Gepäck jetzt auch nicht gerade. Zum anderen kann man auch schieben. Viele erzählen auch nur gerne viel und erzählen, wie anstrengend doch die Strecke sei, die gerade vor einem liege. Am Ende war es dann immer leichter als gedacht. Hier handelt es sich auch nur um knapp über 300 Kilometer Strecke. Und auch dort wird es schon mit Hilfe eines Navis möglich sein, die ganz steilen Abschnitte zu umfahren. Ich probiere es trotzdem in den Bergen aus, auch wenn ich auf einer Webseite gelesen habe, dass es für Radler zu schwierig sei. Es gibt sicher dort auch Unterkünfte, wo ich das Gepäck abladen kann, und dann ganz unbeschwert den Gipfel erreiche.

Denn ich finde persönlich Berge sehr viel spannender beim Radfahren trotz der damit verbundenen Anstrengungen, weil die meisten Küstenwege in Europa nicht zuletzt der Bebauung und des Verkehrs wegen eher abschreckend sind.

Was spricht dafür den Primitivo auszuprobieren? In Bergen sind oft wenig Autos unterwegs. Die Menschen haben meistens eine freundliche Mentalität und sind daher oft sehr hilfsbereit. Zudem sind die Preise günstig und das Essen in den Gaststätten auf Einheimische ausgerichtet. Es gibt also das bessere Essen. Zudem: Was gibt es Schöneres, als eine Pause an Wasserfällen einzulegen, einen Kaffee in einem Bergdorf einzulegen, wenn der Nebel noch dampft, eine grandiose Aussicht zu genießen?

Mehr Infos über das Potential einer Pilgerreise auf dem Camino Primitivo findest Du hier:

Pilgern auf dem Camino Primitivo

Kulturszene in Barcelona feiert El Bermejo

Mit “El Bermejo” (1440 – 1501) steht in Barcelona aktuell ein bisher eher unbekannter Meister im Rampenlicht. Er ist ein Renaissancemaler des 15. Jahrhunderts, weshalb er mich sehr interessiert, weil ich mich mit der Epoche gerade näher befasse.

Als ich jetzt den Artikel aus dem Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in die Hand bekam, suchte ich im Text des Verfassers Paul Ingendaay natürlich sofort nach Hinweisen in seiner Malerei aus der damaligen Zeit, stand Spanien doch damals kurz davor, sich zur Großmacht aufzuschwingen. Dem Königreich steht noch der Erbfolgekrieg bevor, war gerade noch dabei, die Araber zu vertreiben. Zeitgleich gingen die Spanier überaus hart gegen Juden vor, die dadurch gezwungen waren, nach Portugal und in den Orient auszuwandern. Dort waren sie aufgrund ihres großen handwerklichen und finanziellen Geschicks gefragte Leute. Auch die furchtbaren Erfahrungen mit der Pest hatten die Bewohner der Iberischen Halbinsel gemacht und den Fall Konstantinopels mit Entsetzen gesehen.

Spiegelt sich irgendetwas von diesen Erfahrungen in den Gemälden El Bermejos wider, der mit bürgerlichem Namen Bartolomé de Cárdenas hieß, in Córdoba geboren wurde und wohl zwangsweise zum Christentum übertreten musste?

Durchaus. Er malte zum Beispiel eine Szene der Geißelung, die die Qualen Jesu veranschaulichen sollten. Die Menschen damals versuchten zu erforschen, was die Gottesmutter Maria fühlte, als ihr Sohn ausgepeitscht und später, als er ans Kreuz genagelt. Wurde sie gar ohnmächtig in ihrem Schmerz? Dies zu ergründen, war eine wichtige theologische Frage. Die Gefühle des Menschen rücken in den Mittelpunkt des Interesses.

Der FAZ-Autor beschreibt auch die Marienfiguren des Malers, die elfenbeinerne Zartheit und herzzerreißende Trauer aufwiesen. Seine Christusfiguren seien schrecklich leidende Menschen und obendrein skandalös nackt.

Es ging damals nicht nur um das Leiden Christi und Marias, sondern auch um die Seele der Reise nach dem Tod. Würde sie in der Hölle ankommen? Hatte sie im Leben genug gute Taten verrichtet, damit man doch vom Engel ins Paradies gelassen wurde? Musste man wirklich allen irdischen Versuchungen widerstehen, um ins Paradies zu gelangen?

Erwähnung findet daher im FAZ-Artikel auch das erste erhaltene Gemälde El Bermejos: „Der heilige Michael triumphiert über den Teufel“ (1468) aus der National Gallery in London. Man könne sich an der Stofflichkeit kaum sattsehen, schreibt Ingendaay. Die schimmernde Goldrüstung des Erzengels mit eingearbeitetem grünen Samt, grau schimmerndem Kettenhemd und perlen- und diamantbesetztem Schuhwerk, umweht von einem prächtigen purpurnen Umhang, kontrastiere mit dem bösen Tier, das er mit dem Fuß zu Boden drücke.

Der Glaube an den Teufel war allgegenwärtig. Er versucht stets, auch mit Lügen, die Seele für sich zu gewinnen, bietet ihr ein Leben in Luxus, wofür sie später aber in der Hölle leiden muss. Auf der anderen Seite steht der Engel mit dem flammenden Schwert, der auch um die Seele wirbt, ihr rät, dass all diese überflüssigen irdischen Güter abzulehnen. Diese seien vergänglich. Über dem FAZ-Artikel findest Du ein Bild, auf dem Maria Jesus in den Armen hält. Der Totenkopf rechts davon ist ein typisches Emblem für die Vergänglichkeit. Wenn sie aber ein einfaches Leben führe und den Weg in die Heilige Mutter Kirche finde, sei sie erlöst. Der Seele fällt es sehr schwer, all das zu begreifen.

Jetzt hoffe ich, Neugierde in Dir geweckt zu haben, die Ausstellung in Barcelona zu besuchen. Sie läuft im Museu d’Art Nacional de Catalunya. Dort werden über zwanzig Gemälde El Bermejos gezeigt, ergänzt um mehr als vierzig Bilder von Vorläufern und Zeitgenossen.

Weitere Infos unter

El Bermejo – Spanien entdeckt alten Meister des 15. Jahrhunderts wieder

Sherry, Käse und gebratene Auberginen – heute ist Andalusientag

Immer mal wieder lobe ich hier die andalusische Küche. Für mich hat sie den Reiz, dass es in Andalusien viele Restaurants abseits der touristischen Trampelpfade in kleinen Orten gibt. Diese lernen Radfahrer oder Wanderer leichter kennen als jemand, der in einer Fahrerkabine sitzt. Denn man kehrt nach kürzeren Distanzen ein, weil man sich erholen will und fast immer hungrig ist. Zudem sind die Preise auf dem Land recht niedrig, so dass es man es sich leisten kann, sich unterwegs fast nur in Bars und Restaurants zu versorgen und so die regionale Küche kennenzulernen.

Ein Autor der englischen Zeitung “The Telegraph” hat sich jetzt mit José Pizarro getroffen. Der Gastronom stammt aus der Extremadura, lebt aber in England und gilt als Kenner der andalusischen Küche.

Für ihn hält Andalusien für Gäste einfache Vergnügungen bereit wie ein Glas Wein oder Sherry; dazu gibt es dann etwas Schinken oder Käse. Viele der Zutaten und Rezepte gingen bis in die Antike zurück, so dass die Speisen ziemlich vielfältig seien, erzählt er.

Jede der acht Provinzen beherberge ganz eigene Rezepte wie etwa gebratene Auberginen mit Zuckersirup in Cordoba oder Kabeljau mit Orangensalat in Granada. Oder ein großes Stück vom Thunfisch aus Cádiz, der nachhaltig mit Netzen während ihres Zuges vom Atlantik ins wärmere Mittelmeer gefangen werde. Er esse ihn sogar gerne roh mit gutem Olivenöl und Salz.

Dem Interviewten zufolge solltest Du im nächsten Urlaub in Cordoba Gazpacho als Erfrischung probieren, denn Pizarro hält diese kalte Suppe für die beste der Region. Sie heißt Salmorejo und ist etwas dickflüssiger als die anderen. Ebenfalls für empfehlenswert hält er ajoblanco aus Málaga, dem sogar Mandeln und Melonen beigefügt würden.

So, ich bekomme jetzt Hunger und werde gleich einkaufen gehen. Klar, dass es heute mittag andalusische Küche gibt. Ich gehe davon aus, dass Du gut Englisch sprichst und die zweite Hälfte des Interviews sicherlich auch selbst lesen kannst.

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Andalusische Küche