Artikel über Frankreich

Frank­reich bleibt auch 2026 das Rei­se­ziel Num­mer eins. Doch wäh­rend die Klas­si­ker bekannt sind, suchen Leser heu­te nach dem „Dahin­ter“: nach authen­ti­schen Begeg­nun­gen, unent­deck­ten Regio­nen und nach­hal­ti­gen Erleb­nis­sen. Als frei­er Rei­se­jour­na­list mit Fokus auf die Gran­de Nati­on bie­te ich Ihnen für Ihr Res­sort pass­ge­naue, recher­chier­te Repor­ta­gen, die über das Post­kar­ten­idyll hinausgehen.

Radweg der Delikatessen

Auf der „Vélodyssée“ an der französischen Atlantikküste

Aus­zug aus einer Reportage

(…) Die schöns­te deutsch­spra­chi­ge Beschrei­bung der Land­schaft lie­fert­Fried­rich Sieburg, ein bedeu­ten­der Zeit- und Lite­ra­tur­kri­ti­ker, in sei­nem Werk über die Ven­dée­auf­stän­de zwi­schen 1793 und 1796: „Die Ven­dée – das ist der Him­mel, der aus dem Meer steigt, einen uner­müd­li­chen Bogen über Marsch, Hei­de und Wäl­der spannt, um erst auf den Hügeln von Anjou aus­zu­ru­hen. Wo der Oze­an die geschwun­ge­nen Küs­ten berennt, da beginnt auch der Wind, der sich schwer über die sal­zi­gen Wie­sen legt, die nied­ri­gen wei­ßen Dör­fer zusam­men­drängt, die kah­len Gewäs­ser kräu­selt, die von der Flut her ste­hen blei­ben, und dann mit hei­te­rem Erstau­nen in Apfel­bäu­men ver­weilt, in gro­ßen­Ei­chen zögert, in alten Par­ken stillhält.“

 An der Furt fol­gen­den Möwen Muschel­samm­ler. Jetzt ist es unge­fähr­lich, fürs Abend­essen zu sor­gen, denn wäh­rend der Ebbe wird die­ser Küs­ten­ab­schnitt durch die vor­ge­la­ger­te Insel zu einer Lagu­ne. Man­che tra­gen Eimer, ande­re Draht­kör­be zum Auf­be­wah­ren der Beu­te. Mit einer acht­zäh­ni­gen Har­ke bückt sich ein Mann, reißt den Boden auf, schiebt Stei­ne zur Sei­te, an denen Muscheln sit­zen. Dies wirkt wie Raub­bau an der Natur. Ein die Natur scho­nen­des Gerät scheint es nicht zu geben. Ende Sep­tem­ber wirkt die Suche bei 20 Grad war­mem Was­ser archa­isch, denn die Men­schen haben schon in der Stein­zeit oft von Muscheln gelebt. Die Zahl der Samm­ler wächst minüt­lich. Jetzt sind 70 bis 100 Men­schen zu sehen. Knie­tief ste­hen sie im Was­ser, gra­ben mit Mes­sern und Hän­den. Ist nicht zu befürch­ten, dass die Muscheln durch inten­si­ves Sam­meln aus­ge­rot­tet wer­den? Soll­te man nicht Vor­bil­dern wie Nor­we­gen fol­gen, wo gere­gelt ist, wie viel Kilo­gramm Fisch Hob­by­ang­ler über die Gren­ze aus­füh­ren dür­fen? Bis heu­te meint man in Frank­reich, dass das Sam­meln für den Eigen­be­darf unbe­denk­lich sei. Dies bestä­tigt Dr. Gerd Meurs, Exper­te im Natio­nal­park-Zen­trum Mul­ti­mar Watt­fo­rum in Tön­ning, im Gespräch. Am Atlan­tik sei­en kei­ne Men­schen­mas­sen zu ver­zeich­nen. Daher sei es unbe­denk­lich, Muscheln zu sam­meln. Um 11.39 Uhr ist die Furt kom­plett befahr­bar. Der Ver­kehr rollt und von der Insel nähert sich ein Radfahrer.

„Schö­ne Insel Noirm­ou­tier“ schwelgt Fried­rich Sieburg. „Ihre roten Fel­sen tauch­te sie in den uner­müd­li­chen Oze­an, ihre klei­nen Wäl­der ver­schlin­gen sich zu einem rät­sel­vol­len Dickicht, in des­sen war­mer Dun­kel­heit Som­mers saf­ti­ge Far­ne zit­tern und rote Bee­ren wach­sen. Klip­pen und Wald beschüt­zen die klei­ne Stadt gegen den gro­ßen West­sturm.“ Da See­luft hung­rig macht, führt der Weg erst zum Restau­rant „Le Tran­sat“ auf Noirm­ou­tier. Die Muscheln wer­den gekocht in einem gro­ßen Topf gereicht. Dazu gibt es in klei­ne wei­ße­Boh­nen mit längs geschnit­te­nen Speck­strei­fen. Wei­ße Boh­nen sind typisch für die Ven­dée. Das Natio­nal­ge­richt heißt Moget­te mit Boh­nen und einer Schei­be Schin­ken auf Toastbrot.

 Im Orts­zen­trum ver­leiht ein Rad­ge­schäft gute Räder. Aller­dings ist­auf einer so fla­chen Insel kein har­ter Test nötig. Fährt man an der­hüb­schen Kir­che vor­bei, stößt man nach einer Wei­le auf einen Meer­was­ser füh­ren­den Kanal, der bei Ebbe eher lang­wei­lig ist. Die­Boo­te lie­gen auf Schlick. Am Kanal ent­lang führt eine meh­re­re Kilo­me­ter lan­ge, auf Salz­gär­ten zufüh­ren­de, Pro­me­na­de, die im Abend­licht zum Foto­gra­fie­ren reiz­vol­ler sind. Hier hal­ten Tie­re das Gras vom Kanal fern. Sogar ein Sei­den­rei­her hält auf einem Damm Aus­schau nach Nah­rung. Pit­to­resk wir­ken der Kirch­turm und ein hüb­sches wei­ßes Schloss mit zwei Tür­men. Die­se mit­tel­al­ter­li­che­Burg aus dem 13. Jahr­hun­dert hat­te bis ins 19. Jahr­hun­dert eine mili­tä­ri­sche Funk­ti­on. Von dort aus konn­ten Fran­zo­sen, Eng­län­der und Deut­sche den Hafen, das Meer, aber auch das Fest­land über­wa­chen. Heu­te ist es hübsch, da es mili­tä­risch kei­ne Rol­le spielt. Zur Zeit der Auf­stän­de, in der Sieburgs Roman spielt, nahm man das Schloss als mäch­tig wahr, „ein vier­kan­ti­ger Bau aus sil­ber­grau­en Stei­nen, des­sen vier Ecken von run­den Tür­men mit spit­zen Dächern und schma­len Schieß­schar­ten ein­ge­fasst sind“.

Vom Kanal aus gelangt man zu den Strän­den im Nord­os­ten der Insel. Dort lie­gen Segel- und Motor­boo­te. Man­che Bade­gäs­te haben sich zum Lesen auf Stüh­le gesetzt, ande­re ruhen auf Hand­tü­chern im fei­nen Sand. Es gibt kei­ne hohe Bebau­ung, ledig­lich eini­ge bil­lig aus­se­hen­de Restau­rants, dafür aber eine schö­ne, ins Meer füh­ren­de, Holz­brü­cke zum Flanieren. (…)


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