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Darf man Salzbrühe im Urlaubsgebiet verklappen?

An der Costa Brava streitet sich eine Gemeinde mit der Chemieindustrie

Verklappung industrieller Abwässer ins Mittelmeer? Ich hätte nicht gedacht, dass dies heute innerhalb der Europäischen Union überhaupt noch erlaubt ist. Bis ich gerade einen Artikel in der spanischen Zeitung „La Vanguardia“ gelesen habe: Darin steht, dass es Unternehmen gebe – S.A. Robama, Menadiona S.L. und Infar S.A – die ihre Salzbrühe im Raum von Barcelona ins Meer leiten. Dazu nutzen sie die Kläranlage von Pineda de Mar. Doch diese scheint aufgrund der hohen Salzkonzentration nicht mehr richtig zu funktionieren oder entspricht vielleicht nicht mehr den Vorschriften. Eine Vorbehandlung der Salzbrühe wäre mit höheren Kosten verbunden, was aus Sicht der Unternehmen unwirtschaftlich wäre, schreibt La Vanguardia. Daher wollten diese Unternehmen jetzt mitten im Urlaubsgebiet von Blanes bei Girona über eine neue Rohrleitung ihre Abwässer ins Meer leiten. Dafür haben sie sich an die Agencia Catalana del Agua (ACA) gewandt. Dagegen erhebt sich jetzt in Blanes Widerstand.

Pepa Celaya, bis vor kurzem Stadträtin in Blanes, befürchte ein hohes Risiko für die menschliche Gesundheit, die Umwelt und den Tourismus in Blanes, denn sie halte diese Verklappung für extrem gefährlich. Darüber hinaus leiste die Entzalzungsanlage von Blanes bereits ihren Dienst für mehr als zehn Gemeinden, darunter auch die Stadt Barcelona. Immer wieder versuche das Rathaus in Blanes Versuche chemischer Unternehmen zu stoppen, ihre Abwässer am Strand von S’Abanell zu verklappen. Man fürchte auch, dass auch andere Industrien aus dem Umland die Kläranlage nutzen wollten, so dass sich der Strand von S’Abanell in eine Kloake verwandeln könnte. Zumal man davon ausgehe, dass die Abwässer nicht vorbehandelt würden.

Gerichtliche Auseinandersetzung folgt

Sollte eine Rohrleitung gebaut werden, führe sie durch Natur und Landwirtschaft. Um die Auswirkungen einschätzen zu können, bedürfe es auch erst einiger komplexer Analysen, die komplex seien, sagt die Gemeinde. Vertrauen bringt man den Unternehmen jedenfalls nicht entgegen, denn auch zugesagte dreimonatliche analytische Selbstkontrollen seiend ungenügend, um die Qualität der Verklappungen zu garantieren. Robama zum Beispiel habe versichert, über eine Kläranlage zu verfügen, die die Abwässer des Unternehmens behandele und die Schadstoffe minimiere, die über die Kanalisation abgeleitet würden. Der Vorbehalt der Gemeinde scheint nicht ganz unbegründet, denn La Vanguardia verweist auf das Chemieunternehmen Cray Valley Ibérica S.A., angesiedelt in Sant Celoni (Barcelona). Erst 2005 wurde es zu Entschädigungszahlungen an Blanes verurteilt. Denn es hatte 1996 das Grundwasser des Rio Tordera mit Dioxinen und Dioxolanen verunreinigt.

Die Entscheidung liegt nun beim Verwaltungsgericht von Girona. Sollte Blanes verlieren, will man vors Oberlandesgericht von Katalonien ziehen, das in letzter Instanz zu entscheiden hätte. Für Reisende gilt, vor einer Buchung immer nachzufragen, ob an der Costa Brava oder anderswo einfach ungeklärte Abwässer eingeleitet werden statt es vorab mit hochwertiger Technologie aufzubereiten. Denn der Urlaub soll ja schön werden.

Den Artikel der La Vanguardia findest Du unter www.lavanguardia.com/vida/20190603/462578992385/preocupacion-vertido-aguas-residuales-quimicas-costa-brava.html

Geometrische Formen aus der Luft

Tangenten, Dreiecke, Vierecke – wer mit einer Drohne von oben auf eine Stadt schaut, kann verblüffende geometrische Muster entdecken.

Der Fotograf Márton Mogyorósy schickte seine Drohne über die Dächer einer meiner Lieblingsstädte – Barcelona. Dort studierte ich über Erasmus Katalanisch. Es ergab sich auch mal die Gelegenheit, auf Einladung eines Menschen aus Mauritius, Tee auf einem Dach in der Altstadt Tee zu trinken.

Ich konnte wunderbar enthoben dem dichten Treiben in den Gassen zuschauen, vor dem ich bei meinem ersten Aufenthalt in Barcelona noch Angst vor Gewalt hatte, denn unvergessen war in mir noch der Anblick eines blutüberströmten Mannes geblieben, der vor dem Hauptbahnhof Sants lag. Ich ging da noch zur Schule. Ebenso trieben damals viele Taschendiebe ihr Unwesen in den Gassen und auf der Plaza Real; ein übriges taten die gespenstische Schatten auf die Hauswände werfenden Flammen der Hähnchengrills dazu. Einem Taschendieb gelang es auch, mir in einem Café die Geldbörse zu entwenden, doch er war zu langsam für mich. Ein echter Tollpatsch!

Zuerst verständigten wir das Personal, während er sich noch auf dem Stuhl hinter mir wegdrehte, dann stellte ich den jammernden Strolch, der mir die Börse wieder zurückgab. Großzügig ließ ich den Mann laufen, obwohl er in der unteren Etage von zwei kräftigen Kerls festgehalten wurde. Manche Katalanen beklagten sich dann bei mir, warum ich nicht die Polizei gerufen hätte, dann hätte man ihn nach Nordafrika zurückschicken können. Doch für mich war er nur ein schlechter Taschendieb!

Ganz oben kann einem nichts passieren. Nur der Himmel kann Dir auf den Kopf fallen. Die spanische Zeitung El Pais hat einige beeindruckende Drohnenfotos des Fotografen Márton Mogyorósy veröffentlicht. Hier der Link:

Barcelona – Architektur von oben

Kulturszene in Barcelona feiert El Bermejo

Mit “El Bermejo” (1440 – 1501) steht in Barcelona aktuell ein bisher eher unbekannter Meister im Rampenlicht. Er ist ein Renaissancemaler des 15. Jahrhunderts, weshalb er mich sehr interessiert, weil ich mich mit der Epoche gerade näher befasse.

Als ich jetzt den Artikel aus dem Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in die Hand bekam, suchte ich im Text des Verfassers Paul Ingendaay natürlich sofort nach Hinweisen in seiner Malerei aus der damaligen Zeit, stand Spanien doch damals kurz davor, sich zur Großmacht aufzuschwingen. Dem Königreich steht noch der Erbfolgekrieg bevor, war gerade noch dabei, die Araber zu vertreiben. Zeitgleich gingen die Spanier überaus hart gegen Juden vor, die dadurch gezwungen waren, nach Portugal und in den Orient auszuwandern. Dort waren sie aufgrund ihres großen handwerklichen und finanziellen Geschicks gefragte Leute. Auch die furchtbaren Erfahrungen mit der Pest hatten die Bewohner der Iberischen Halbinsel gemacht und den Fall Konstantinopels mit Entsetzen gesehen.

Spiegelt sich irgendetwas von diesen Erfahrungen in den Gemälden El Bermejos wider, der mit bürgerlichem Namen Bartolomé de Cárdenas hieß, in Córdoba geboren wurde und wohl zwangsweise zum Christentum übertreten musste?

Durchaus. Er malte zum Beispiel eine Szene der Geißelung, die die Qualen Jesu veranschaulichen sollten. Die Menschen damals versuchten zu erforschen, was die Gottesmutter Maria fühlte, als ihr Sohn ausgepeitscht und später, als er ans Kreuz genagelt. Wurde sie gar ohnmächtig in ihrem Schmerz? Dies zu ergründen, war eine wichtige theologische Frage. Die Gefühle des Menschen rücken in den Mittelpunkt des Interesses.

Der FAZ-Autor beschreibt auch die Marienfiguren des Malers, die elfenbeinerne Zartheit und herzzerreißende Trauer aufwiesen. Seine Christusfiguren seien schrecklich leidende Menschen und obendrein skandalös nackt.

Es ging damals nicht nur um das Leiden Christi und Marias, sondern auch um die Seele der Reise nach dem Tod. Würde sie in der Hölle ankommen? Hatte sie im Leben genug gute Taten verrichtet, damit man doch vom Engel ins Paradies gelassen wurde? Musste man wirklich allen irdischen Versuchungen widerstehen, um ins Paradies zu gelangen?

Erwähnung findet daher im FAZ-Artikel auch das erste erhaltene Gemälde El Bermejos: „Der heilige Michael triumphiert über den Teufel“ (1468) aus der National Gallery in London. Man könne sich an der Stofflichkeit kaum sattsehen, schreibt Ingendaay. Die schimmernde Goldrüstung des Erzengels mit eingearbeitetem grünen Samt, grau schimmerndem Kettenhemd und perlen- und diamantbesetztem Schuhwerk, umweht von einem prächtigen purpurnen Umhang, kontrastiere mit dem bösen Tier, das er mit dem Fuß zu Boden drücke.

Der Glaube an den Teufel war allgegenwärtig. Er versucht stets, auch mit Lügen, die Seele für sich zu gewinnen, bietet ihr ein Leben in Luxus, wofür sie später aber in der Hölle leiden muss. Auf der anderen Seite steht der Engel mit dem flammenden Schwert, der auch um die Seele wirbt, ihr rät, dass all diese überflüssigen irdischen Güter abzulehnen. Diese seien vergänglich. Über dem FAZ-Artikel findest Du ein Bild, auf dem Maria Jesus in den Armen hält. Der Totenkopf rechts davon ist ein typisches Emblem für die Vergänglichkeit. Wenn sie aber ein einfaches Leben führe und den Weg in die Heilige Mutter Kirche finde, sei sie erlöst. Der Seele fällt es sehr schwer, all das zu begreifen.

Jetzt hoffe ich, Neugierde in Dir geweckt zu haben, die Ausstellung in Barcelona zu besuchen. Sie läuft im Museu d’Art Nacional de Catalunya. Dort werden über zwanzig Gemälde El Bermejos gezeigt, ergänzt um mehr als vierzig Bilder von Vorläufern und Zeitgenossen.

Weitere Infos unter

El Bermejo – Spanien entdeckt alten Meister des 15. Jahrhunderts wieder

Reisen zu den Vögeln – Tipps

Das ist ja mal ein interessantes Interview einer Zeitung für Reisende, die gerne Vögel in der Natur beobachten. Es kann sehr befreiend sein, sich mal für einige Stunden mit einer anderen Welt zu befassen, die oft schon vor der eigenen Haustür liegt.

Bis heute erinnere ich mich noch sehr gerne an die norwegische Vogelwelt. Auf Vesterålen zu beobachten, wie Papageitaucher fischen, ist sehr lustig. Und zu sehen, wie Möwen dann versuchen, ihnen den Fisch abzujagen, auch.

Die Tageszeitung “La Vanguardia” aus Barcelona befragte jetzt einen Ornithologen, wie man an die Vogelbeobachtung herangehen kann. Es handelt sich um Borja Milá, einen Forscher im Departamento de Biodiversidad y Biología Evolutiva am Museo Nacional de Ciencias Naturales del CSIC in Madrid.

Er meint, dass man dazu grundsätzlich Lust und Leidenschaft mitbringen solle. Der Rest komme mit der Erfahrung.

Anfangs sei es mühsam, das Gefieder der unterschiedlichen Arten zu unterscheiden, auch Altersunterschiede und Geschlechter zu unterscheiden. Aber mit der Zeit entwickele sich die Fähigkeit dazu.

Für wichtig hält er es ebenso, Vogelstimmen zu erkennen. Denn das helfe, die Tiere in freier Natur zu entdecken. Sich Aufnahmen der Gesänge anzuhören, sei eine Möglichkeit; die bessere Alternative allerdings sei es, selbst loszuziehen und den Vögeln einfach zuzuhören. Lernerfolg stelle sich sehr schnell ein.

Mehr Infos unter

Tipps der La Vanguardia für die Vogelbeobachtung

Frisch gegrillter Fisch mit etwas Olivenöl

Da kommen bestimmt interessante Rezepte zusammen, wenn sich die “komplexe Historie einer Region in der Küche spiegelt”. Dies ist die interessante Perspektive des lange im Ort Roses in Katalonien lebenden Kochs und Restaurantbetreibers Ferran Adrià. Andrew Purvis von der englischen Zeitung “The Telegraph” hat sich mit Adria getroffen.

“In Roses, we had first the Greeks and Romans; then the Arabs were here for 1,000 years.” Es gebe nicht viele Orte auf der Welt, die solche Erfahrungen gemacht und wo sich daraus eine solch einzigartige Kultur gebildet hätte. Sogar die Entdeckung Amerikas durch die Spanier spiegele sich wieder, denn so sei die Tomate nach Europa gekommen. Ein ausgesprochen simples Rezept wenden bis heute sehr viele Spanier an: Statt mit Butter beträufeln sie Weißbrot mit Olivenöl und reiben das Brot anschließend mit einer Scheibe Tomate. Fertig ist der Snack “pa amb tomàquet”.

Hinzu komme der enorme Fischreichtum durch den Einfluss zweier Meere: auf der einen Seite das Mittelmeer, auf der anderen der Atlantik, wo insbesondere die Beziehungen mit Galizien und Kantabrien im Norden eine Rolle spielten.

Konsequenz für den Koch: “There’s a wealth of seafood – gambes [shrimp], llagosta [lobster], llagostins [langoustines], calamars [squid]… I’m using the Catalan words.” In Roses gebe es fünf, sechs Restaurants, in denen der Fisch noch lebe, wenn Gäste ihn auf der Speisekarte auswählten. “Every coastal village has a place like that and in Catalonia we have maybe 300. Grilled fish, very natural, with a little olive oil, is a very Catalan way of cooking and a speciality in itself.”

Wenn Du noch mehr über diesen interessanten Mann und die katalanische Esskultur erfahren willst, solltest Du den Artikel hier weiterlesen.

Genussvoll speisen in Katalonien

Spaniens schönste Dörfer durchstreifen und erleben

Du kennst bestimmt auch die Initiative “Unser Dorf soll schöner werden”. Wenn sich Dörfer besonders gelungen herausputzen, gibt es Preise dafür. Diese Initiative gibt es seit Jahren auch in Spanien.

Es existiert sogar ein Ranking mit den vermeintlich schönsten Dörfern, jedenfalls von denen, die an dem Wettbewerb teilnehmen. Neulich fand ich in spanischen Medien auch Listen, zu denen ich Dir als Hilfe für Deine nächste Reise auf die Iberische Halbinsel hier verschiedene Links gab. Der “Spiegel” veröffentlichte jetzt auch eine Liste mit den schönsten Dörfern, basierend auf den Ergebnissen des spanischen Wettbewerbes. Viel Spaß beim Durchklicken.

Spaniens schönste Dörfer

Im Frühling nach Valls und ins Kloster Ripolles

Neulich berichtete ich von meinen politischen Erfahrungen während meines Katalanisch-Studiums an der Universitat de Barcelona. In der Zeit reiste ich auch viel ins Umland.

Da ich im Café der Universität relativ schnell Freunde gefunden hatte, brauchte ich keinen Reiseführer. Viel besseren Zugang erhielt ich durch äußerst unternehmungslustige Leute, die mir gerne die Perlen in der Umgebung zeigten. Nicht wenige kamen aus den Kleinstädten in der Umgebung.

Bis heute erinnere ich mich immer noch freudig an das Frühlingsfest in Valls. Mit der Bahn reisten wir im Februar an.

Bei unserer Ankunft im Dorfzentrum roch es schon verführerisch lecker nach Essen. Denn auf verschiedenen Grills bereiteten die Bewohner Frühlingszwiebeln zu, große Knollen mit langen Blättern. Für einen sehr günstigen Preis gab es Weißbrot und eine kleine Flasche Wein. Im Dorfzentrum war ein langes Bankett aufgebaut, an dem alle mit ihrem Essen Platz nahmen. Meine Finger wurden beim Auspacken des Essens aus der Alufolie rußig.

Später ließen wir uns auf einem Feld nieder. Ich erinnere mich noch, dass ich als einziger noch schmunzelnd mit T-Shirt herumlief, während die Katalanen schon Mäntel und sogar Handschuhe trugen. Für sie wurde es schon kühl, während es für mich schon sommerliche Temperaturen waren.

Gestern dachte ich auch daran, als ich Johannes Thingnes Bø beim Biathlon in Kanada ungerührt am Schießstand sah, während der Konkurrenz so langsam “Ohrlapperl” (O-Ton Vanessa Hinz) und Finger erstarrten. Selbst innerhalb Europas haben wir schon eine völlig unterschiedliche Empfindlichkeit bei Temperaturen. Als Norweger ist er natürlich an solche Kälte gewöhnt.

Die Zeitung “La Vanguardia” aus Barcelona empfiehlt im Umland der Stadt einen Ausflug nach Ripolles. Dort bin ich natürlich auch gewesen, denn das Kloster ist eine absolute Sehenswürdigkeit, nicht zuletzt die schöne Lage in den Bergen. An den Fotos der Zeitung könnt ihr auch erkennen, dass dort im Winter sogar Schnee liegt, ihr also Ski fahren könnt. Auch Katalanen fahren Ski, auch wenn sie beim Biathlon komischerweise nicht antreten. Im Winter sind vor Wochenenden Gruppen mit Skier zu sehen, die auf den Bus warten. Viele fahren dann nach Andorra.

Ausflug nach Ripolles

Protestkultur in Barcelona

Gebannt schauen die Menschen jeden Tag Fernsehen. Werden die Katalanen sich von Spanien lossagen? Ganz nah dran an der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung bin ich während meiner Radwanderung auf den Jakobswegen durch Galizien, führe mit vielen Menschen entlang der Strecke Gespräche über Politik. Wie die Basken führen auch Galizier durchaus Sympathien für die Katalanen, sind die drei Völker doch keine Kastilier, sondern haben ihre eigene Sprache.

Ich erzähle ihnen von meiner eigenen Sympathie, die mit dem Lesen von George Orwells Buch “Hommage to Catalonia” anfing und der Verwunderung Orwells, dass die Arbeiterschaft Barcelonas im Sattel sitze und nicht die Bourgeoisie. Die Zeiten sind längst vorbei, wird höchstens noch in den Spielen des FC Barcelona gegen Espanyol sichtbar, wenn im übertragenen Sinne das Bürgertum gegen die Arbeiterschaft antritt.

Ich erzähle den Galiziern davon und von meinem Katalanisch-Studium in Barcelona, wie ich von Studenten immer wieder Umfragen beantworten sollte, ob Catalunya unabhängig werden sollte, einer von ihnen zeichnete dazu auch tolle Karikaturen.

Die politische Streitkultur nahm ich in Barcelona immer deutlicher wahr als in deutschen Städten. Sie erreicht einen direkt. Ich erinnere mich, wie mich Roberto, der Vater meiner damaligen Freundin, fast etwas ärgerlich anschaute, als ich ihm beim Basteln eines Protestplakats zuschaute und ihn fragte, was das denn bringen sollte. Für ihn als Gewerkschaftsmitglied es wohl selbstverständlich, für die Äußerung seines Rechtsempfindens auf die Straße zu gehen.

Als ich dann meine erste Reportage über einen Generalstreik schreiben wollte in Barcelona, geriet ich dann selbst dort in eine unangenehme Situation. Die Batterien waren mir beim Fotografieren ausgegangen und ich musste mir schnell neue besorgen. Die meisten Mitarbeiter aller Kaufhäuser der Stadt streikten für bessere Arbeitsbedingungen und gerechtere Löhne. Als ich mit den Batterien aus dem Eingang trat, empfing mich ein gellendes Pfeifkonzert, aber ich glaube auch, dass sich die meisten Leute einen Spaß daraus machten. Denn aufgrund meiner blonden Haare war ich deutlich als Ausländer zu identifizieren. Es tat mir auch keiner etwas. Gewalt habe ich dort auch nur zu meiner Schulzeit gesehen, als ich während einer Fahrt mit dem Leistungskurs jemanden in seinem Blute liegen sah. Die Katalanen sind für mich kein gewalttätiges Volk und daher ist der jetzige Vorwurf der Ankläger in bevorstehenden Gerichtsprozessen gegen die “Rebellen” sicher nicht gerechtfertigt. Es ist nicht richtig, starke Polizeikräfte gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen. Das war ein dicker Fehler des Ministerpräsidenten Rajoys.

Der Deutschlandfunk hat jetzt einen interessanten Bericht über die beginnenden Prozesse gebracht. Hier findet ihr ihn.

Prozesse gegen “Rebellen” beginnen

Immer noch unruhig in Katalonien

Zur Abwechslung mal etwas Politisches. Eine sehr gute Sendung ist für mich “Europa heute” im Deutschlandfunk, um sich zu informieren, was sich so in den Urlaubsländern tut. So habe ich gerade in einem Beitrag gelesen, dass in Spanien Politiker aus Katalonien seit einem Jahr in U-Haft sitzen. In Katalonien, wo ich selbst über Erasmus studiert hatte, ist es nach wie vor sehr unruhig.

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Goldene Existenz für Trüffelbauern

Die Familiengeschichte Carlos Fresnedas, der auch regelmäßig im Oktober auf dem Internationalen Trüffel- und Pilzkongress in Soria anzutreffen ist, ist nicht nur exemplarisch für die Geschichte spanischer Trüffeln, sondern auch für die goldene Existenz kleiner Fincabauern. Sein Großvater habe in den 1930-er Jahren in der Nähe eines Weizenfeldes schwarze Trüffeln gefunden. „Es ist gerade 80 Jahre her, dass die ersten Trüffeln als Wirtschaftsfaktor entdeckt wurden“, erzählt Fresneda. Damals habe es eine große Nachfrage von Katalonien aus gegeben. Bei dieser günstigen Ausgangssituation konnte der Großvater sein Geschäft in Ruhe aufbauen.

Trüffel und Hund

Ein Bauer, der heute neu auf den Markt tritt, muss sonst acht bis zehn Jahre warten, bis er erste Trüffeln ernten kann. Danach aber müsse er sich bis an sein Lebensende keine Sorgen machen, sagt Fresneda. „Ein Pilz kann mit Pausen bis zu 500 Jahre lang Früchte hervorbringen.“ Fresneda, Präsident des Trüffelbauernverbandes, kann gut von seiner Ernte mit etwa einer Tonne im Jahr leben. „Ich trainiere meinen Hund, züchte Bäume und wässere die Pflanzen“, beschreibt Fresneda sein Leben in Soria. Jährlich könne er vier Wochen Urlaub machen. Kein Wunder, dass Trüffelanbau heute mit einer Goldgrube verglichen wird.


Ende der Serie

Finca Arotz

Urlaub zur Karnevalszeit in Spanien?

Auf der Jagd nach edlen Pilzen

In ein Grimmsches Märchen zurückversetzt, fühlen sich Besucher der Provinz Soria in den Wäldern der ehemaligen spanischen Königreiche Kastilien und León. Wie Rotkäppchen tragen Pilzsammler geflochtene Körbe. Sie ernten, ohne zu säen: Soria ist ein Dorado für Pilzkenner. Restaurants bereiten Speisen aus Steinpilzen oder Trüffeln zu. In Navaleno gibt es die größte Trüffelfarm der Welt. Die Bedingungen für Pilze sind auf der von Touristen noch nicht entdeckten Hochebene von Soria sehr gut.

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Modell eines Pilzes im Pilzzentrum Navaleno. Oben: Landschaft von Navaleno.

Wenn Gourmets von Trüffeln, Morcheln und Steinpilzen sprechen, wissen sie, dass es sich um Spitzenprodukte der französischen und italienischen Esskultur handelt. Doch gibt es auch in Spanien, dem Land der Olivenhaine und des Serrano-Schinkens, Trüffeln und andere Edelpilze? Die Antwort ist ein deutliches „Ja“, vorwiegend in der autonomen Region Kastilien und León. Speziell in den Wäldern der Provinz Soria finden die begehrten Speisepilze günstige natürliche Bedingungen. Jeden Herbst sind dort mit Messern bewaffnete Sammler unterwegs, um zu „ernten, ohne zu säen“. Diese Gegend übergehen die Reiseführer bislang, sie liegt im Binnenland, 230 Kilometer nordöstlich von Madrid. Noch ist die gezielte Trüffelzucht erst dreißig bis vierzig Jahre alt. Sie ist aber so erfolgreich, dass man sie als eine neue Form der Landwirtschaft bezeichnen könnte. Nicht einmal in Frankreich ist die Herkunft der Trüffel aus spanischer Zucht bekannt. Die spanischen Initiatoren in Soria beurteilen die Chancen für den Export, aber auch die Förderung des Tourismus jedoch als sehr gut. Sie meinen auch, dass sich keine Gefahr für die Natur ergibt. Im Grunde folgen die Initiatoren dem in Katalonien und dem Baskenland wesentlich früher beschrittenen Weg der Pilzkultur.


Fortsetzung folgt.

Offizielle Website der Region Kastilien & León zur Pilzkultur

Urlaub zur Karnevalszeit in Spanien?