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Reisen durch Donald Trumps Amerika

Chris Wintelers Artikel im Schweizer “Tagesanzeiger” fehlt es an Tiefe

Traveler standing with suitcase and coffee cup beside large airport window overlooking mountains
Von KI generiertes Bild

Wie ist es, unter Donald Trump durch die USA zu reisen? Der Titel des Artikels im Schweizer Tagesanzeiger hört sich am spannendsten an von allen in dieser Zeitung in den vergangenen Wochen erschienenen Texten. Daher beschäftigt sich Durchstreifen & Erleben in dieser Woche mit dem von Chris Winteler verfassten Text.

Mit einem „zügigen“ und „unkomplizierten“ Empfang auf dem Flughafen beginnt der in der Wir-Form verfasste Artikel. Es habe dort auch keine Fragen bezüglich der Social Media- Kontakte gegeben. Aber der Empfang ist recht kühl ausgefallen. Denn niemand habe die Reporterin angelächelt. Ihr wichtigstes Ziel seien die Smoky Mountains in Tennessee gewesen. Dass es sich hier zur Hälfte des Textes um eine hauptsächlich musikalische Reise zu Zielen der Country Music handelte, überrascht allerdings. Davon ist erst nach einigen Absätzen die Rede.

Mit diesem am 12. April erschienenen Text setzt sich die Serie der Rezension deutschsprachiger Reiseblätter von Durchstreifen & Erleben auch in dieser Woche fort. Diese begann mit Artikeln deutscher Leitmedien, wird aktuell mit der Analyse von Reisetexten in Schweizer Medien fortgesetzt. Winteler wird immerhin am Ende des Artikels als Mitglied des Reportagen- und Storytelling-Teams der Zeitung vorgestellt. Damit stellt der Tagesanzeiger eine löbliche Ausnahme unter bisher allen vorgestellten Zeitungen dar. Somit wird nicht nur der Autorin eine gewisse Wertschätzung entgegen gebracht, sondern es ist auch Lesern klar, wer den Text verfasst hat. Dies sorgt für Transparenz.

Hastig aneinander gereihte Schauplätze

Im fußläufigen Nashville in Tennessee besuchte sie sowohl ein Studio, in dem viele bekannte Musikgrößen ihre Titel produziert hätten, als auch die Country Music Hall of Fame. Hier folgt die zweite Beobachtung als Reisende, dass sie innerhalb von drei Wochen keinen einzigen Europäer angetroffen habe. Im Ort habe man ihr erklärt, dass deren Fernbleiben gut durch einheimische Besucher ersetzt werden könnte. Dem folgt die Aussage, dass es in Nashville 250 Orte gebe, in denen Live-Musik angeboten werde.

Zweiter Ort der Reportage war die Kleinstadt Franklin, offenbar, weil er bedeutend im Amerikanischen Bürgerkrieg gewesen sei. 1864 seien bei Kämpfen sehr viele Menschen ums Leben gekommen. Im Civil War Museum werde das Geschehen dargestellt. Die Reise wird in der Bar Leiper’s Fork fortgesetzt. Sie verfolgte dort mit, wie 19 Musiker hofften, von Musikproduzenten entdeckt zu werden.

Roter Faden geht verloren

Dem ersten musikalischen Teil mit sehr schnell wechselnden Szenen folgt nun ein völlig anderer zweiter. Der rote Faden der Musik bricht ab. Zunächst schiebt Chris Winteler kulinarische Erfahrungen ein, ihre dritte Beobachtung: In den Südstaaten werde vieles in Fett gebacken, sogar Brot. Sie hat auch beobachtet, dass manche Kinder auffallend adipös seien. Diesem folgen Wahrnehmungen religiöser Art. Denn sie reiste durchs evangelische Zentrum Amerikas mit vielen Jesus-Botschaften, sogar auf Polizeiwagen.

Den Faden noch weiter verlassend, besuchte sie dann einen unterirdischen Wasserfall und eine Kalksteinhöhle, für die der Bundesstaat auch bekannt ist. Endlich erreichte sie den Nationalpark Smokey Mountains. Dort erfuhr sie, dass nur wenige diesen wirklich betreten, und wenn, dann nur kurz für eine Meile. Die Massen, immerhin kommen pro Jahr 11,5 Millionen Besucher, lassen sich offenbar nur von einer Vergnügungsmeile anziehen mit Kinderattraktionen und zwei Museen – und Dollywood. Diesen Park habe die arme Bauerntochter Dolly aufgebaut. Populär sei dort vor allem eine Holzachterbahn.

Ihr fiel in dieser Gegend neben der Armut auf, dass ein Mann seine Pistole offen in einem Holster mit sich trug. Man nehme hier das Recht, sich selbst zu verteidigen, in die eigene Hand. Es gebe auch einen Trump-Fanshop, wobei allerdings die Wahl des lokalen Sheriffs den meisten wichtiger sei. Und die hohen Preise für Benzin und sogar für Eier beschäftigten die Menschen.

Am Ende schließt sich der Bogen vom Empfang im Flughafen zum Aufenthalt in den Smoky Mountains: Viele grüßten hier freundlich, interessierten sich dafür, woher die Besucher kämen. Nur die vielen Komplimente schienen ihr mehr Floskel denn ehrlich zu sein.

Wenig spezifisch

Etwas enttäuscht dieser Text. So richtig gut kommt nicht heraus, wie es ist, unter Trump durch die USA zu reisen. Dafür sind die Orte des Geschehens auch zu hastig aneinandergereiht, was wohl der Ambition, viele Schauplätze zum möglichen Nachreisen unterzubringen, geschuldet ist. Letztlich fiel ihr nur auf, dass europäische Besucher hier nicht mehr ihren Fuß reinsetzten, Viele von ihr ausgewählte Beispiele gelten genauso für andere Länder. Sie sind nicht spezifisch genug. Es mangelt deutlich an Vergleichen, wie es hier vielleicht zuvor bei einer Reise vor einigen Jahren gewesen ist. Dazu hätte man die Bewohner gut fragen können, ob sie selbst Änderungen wahrnehmen oder ob das Leben genauso wie zuvor weitergehe.

Festungsstadt Almeida, Portugal

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