Die schönsten Frauen Portugals kommen aus dem Norden

Von der Schönheit der Frauen im Norden Portugals habe ich schon in Friedrich Sieburgs Werk über den „Neuen Staat“ gelesen. Der vielgereiste Journalist empfand besonders die mulheres und raparigas, Junge heißt rapaz – lustige Wörter, die für mich nach Rappeln klingen – in der Region Minho als schön.

Am Fluss Minho fuhr ich in der Umgebung der einmaligen Festungsstadt Valença entlang, als ich auf dem Jakobsweg Richtung Galizien radelte. Aber von der Schönheit der Frauen nahm ich nichts wahr. Das Stück war wohl auch zu kurz mit geschätzten 30 Kilometern. Ich wusste nur, dass manche Portugiesen diese Region als die schönste ihres Landes betrachten.

Der Satz „Kleider machen Leute“ trifft angesichts der schönen Fotos des Magazins Vortex auf jeden Fall zu. Die Frauen des Nordens tragen leider nur noch an Festtagen bunte Trachten, auf Höhe der Taille ein rundes Tablett mit Spezialitäten der Region. Vielleicht ist es Fisch aus dem Fluss oder – ebenfalls typisch – ein süßes Puddinggebäck. Leider kann ich es nicht erkennen.

Trachtenbilder aus dem Norden Portugals findet ihr hier und auch eine Ode auf die Frauen.

Ode auf die Schönheit der Frauen des Nordens

Porto 6 Tage, 7 Nächte

Eine Woche bleibe ich in Porto. Ich freue mich riesig darauf. Heute oder morgen komme ich an. Unterkunft und Rückflug sind schon gebucht. Sieben Nächte in zentraler Lage an der Avenida dos Aliados. Dann werde ich recherchieren, was die Seele der Stadt ausmacht, möglichst abseits vom Reise-Mainstream. Mal schauen, wie oft ich mein Rad noch brauche. Ich benötige dringend neue Bremskörper, bin froh, dass ich die Schlussetappe gut überstanden habe. Ein freundlicher Mechaniker verkaufte mir gestern welche und schrieb mir Tipps auf, was ich auf jeden Fall besuchen sollte. Er sprudelte fast schon über.

Rauf aufs Rad und los!

Deutsche werden nicht so alt wie Italiener und Spanier. Das liege am falschen Verhalten, sagen Forscher. Komisch: Ich sehe hier auch viele dicke Spanier und Portugiesen auf meiner Tour durch Galizien und die hohen Berge Portugals.

Also: ‚Rauf aufs Rad, weiter am Rio Douro nach Porto, nicht soviel Portwein trinken dabei. Auch wenn es bei der zauberhaften Stadt Lamego schwerfällt, weiterzuradeln. 145 Kilometer sind es nur noch bis Porto, wo ich gut eine Woche bleiben möchte.

Rauchen, Übergewicht, Alkohol

Wein und Oliven so weit das Auge reicht

Noch nie habe ich auf meiner gesamten Reise von gut 3000 Kilometern durch Nordportugal und Galizien Wein und Oliven in solchem Ausmaß gesehen. Es ist auch angesichts der Höhe überwältigend am Rio Douro zwischen Castelo Rodrigo und Porto zu radeln. Informationen über Anbaumethoden lieferte mir gestern das schicke Weinmuseum in São João da Pesqueira im Distrikt Viseu. Viele besuchen die Gegend nur mit der Bahn von Porto aus und schaffen es gerade einmal, in Pinhão ein Weingut zu besuchen und zu speisen. Doch hier auf Radwanderung zu gehen, lohnt sich, weil die Strecke bis Zamora gut über die Nationalstraßen zu bewältigen ist.

Auf dem Jakobsweg Die schönsten Strände des Nordens

Noch ein paar Strände gefällig? Hier nahe Ribadeo an der Grenze von Galizien und Asturien ist das Wasser sogar noch leicht warm. Ich besuchte heute unter anderem die Praia as catedrais, watete mit den Füßen durchs erfrischende Nass, um einen Tunnel zu erkunden und die Kathedralen. Mehr Fotos findet Ihr demnächst in meinem Radwanderführer über den Jakobsweg durch Nordportugal und Galizien.

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

60 Kilometer Radeln mit etlichen Höhenmetern haben sich gelohnt: Heute abend fand ich den schönsten Ort meiner nun schon langen Reise auf dem portugiesischen Jakobsweg. Er ist magisch. Was bin ich froh, dass ich nicht schon nachmittags in dem Hostal abgestiegen bin, das irgendwie gruselig war. Eine sehr alte Frau, hundert Jahre alt vielleicht, schlurfte bei der Zimmerbesichtigung auf mich zu und raunte: „Vorsicht!“ Da suchte ich natürlich das Weite. Und auf einmal waren meine Beine wieder fit. Doch genießt nun die Atmosphäre, soweit das bei Fotos möglich ist. Später folgt auf YouTube ein Film. Jeden Tag durfte ich somit immer etwas kennenlernen, was ich bisher noch nicht kannte.

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Valença – auch hier bestätigt sich die Regel: Beim zweiten Besuch sieht vieles anders aus. Es lohnt sich immer, nach einem Tag Abstand wiederzukommen, vorherige Eindrücke über Gespräche mit Menschen oder über Fotos zu vertiefen.

So zieht die Festungssstadt am Rio Minho spanische Touristen magnetisch an, Angebote zwischen 5 und 30 Euro abzuklappern. Deutsche verirren sich selten her. Es sind vor allem Pilger vom Jakobsweg, die es von Porto heraufgeschafft haben. Die erste Hälfte auf dem Wanderwege liegt hinter ihnen. Ein Hit für Kinder sind kleine Maschinenpistolen; der Konsumkrieg zwischen den teils schön gekachelten Häusern möge beginnen.

Anderen ergeht es so wie mir am ersten Tag: die gewaltigen Festungsmauern erkunden, die dem Schutz vor den Kastiliern dienten, Speisekarten studieren, mit den manchmal skrupellosen Autofahrern in den engen Gassen kämpfen, Kirchen und Kapellen aufsuchen, um danach wieder zur Ruhe zu kommen.

Beim zweiten Besuch nimmt man versteckte Dinge wahr wie die Skulpturen Robert Schades, dem ich bereits in Cerveira begegnete – er ist der Picasso Portugals.

Dann höre ich auch schon einzelne Gespräche in den Gassen heraus wie das zwischen einer Modeladenbesitzerin und ihrer Arbeitskraft. Er fühlt sich offenbar ausgebeutet. Aggression liegt in der Luft. Aber ich weiß schon, dass sich das Geschehen auf den Straßen ab 19 Uhr erheblich beruhigt. Eine schöne Aussicht!

Auf dem Jakobsweg Radeln für Pilger

Es ist aufregend, wen ich auf der Strecke kennenlerne. Einsam ist es nie. Dazu wandern zu viele auf dem portugiesischen Jakobsweg von Porto nach Santiago de Compostela. Die Strecke ist 235 Kilometer lang. Jedem steht es frei, sich zu entscheiden, ob man alleine wandern will oder zu mehreren. Manchmal ist es schön, die Landschaft still für sich zu genießen, denn wer viel beim Wandern redet, kann auch viel übersehen.

Die Mehrheit stellen in diesen Tagen Deutsche und Spanier. Am Wochenende gesellten sich Portugiesen dazu. Aber auch Asiaten wie eine Usbekin, die ich in Gemeinschaft am Mittagstisch mit zwei Dänen und einer Deutschen traf. Sie sprach fließend Deutsch, so dass ich aufgrund des Akzents dachte, dass sie in Süddeutschland aufgewachsen wäre.

Als ich am Vorabend einen Schlafplatz suchte, stieß ich auf zwei Französinnen, die vor dem Gemeinschaftshaus eines Hostals aßen. Eine gute Gelegenheit, mal wieder Französisch zu sprechen, was nach Tagen auf Spanisch, Englisch und etwas Portugiesisch anstrengend war. Aber immer noch natürlicher als jeder Konversationskurs an der Volkshochschule. Die beiden Damen arrangierten einen Zeltplatz auf dem Gelände für mich. Wahrscheinlich war ich der erste Camper hier, da eigentlich nur Zimmer vermietet wurden. Eine Dusche allerdings boten sie mir nicht in ihrer Hütte an; da sind Norweger, Schweden, Dänen und Portugiesen gastfreundlicher. Ich nahm den Gartenschlauch stattdessen. Anschließend luden mich Irineo und seine Frau – aus Sintra – zum frisch gegrillten Steak mit Chips, Salat und Bier ein. Sie gingen davon aus, dass ich hungrig sein musste. Dabei war ich nur 21 Kilometer auf einem zum Teil allerdings holprigen Weg gefahren. Dankbar schlief ich im Zelt unter klarem Sternenhimmel mit Grillenzirpen ein.