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Flussradeln zum inneren Abschalten

An Flüssen entlang zu reisen, ist immer wieder schön. Viele Kommunen haben ihre Flüsse in den vergangenen Jahren aufgewertet und an ihnen Radwege gebaut. So lässt sich die jeweilige Region oft über Hunderte von Kilometern relativ leicht erkunden, da verkehrsarm und oft auch flach.

In den vergangenen 18 Monaten habe ich sehr viele Flüsse kennengelernt.

Es fing an mit dem gefährlichen Fluss Lima im Norden Portugals, denn einmal darin gewesen, kann man sein Gedächtnis verlieren. Das glaubten die Römer jedenfalls und sie schickten bei einem ihrer Züge sicherheitshalber ihrer Zenturio voran. Am anderen Ufer angekommen, musste er jeden seiner Legionäre namentlich anrufen. Erst dann setzte sich auch der übrige Tross in Bewegung. Noch heute zeugt eine römische Legion im hübschen Ort Ponte de Lima von diesem Ereignis.

Wer weiß, was ihr alles erlebt, wenn ihr den immerhin 777 Kilometer langen Fluss Seine in Frankreich durchstreift und erlebt. Die Zeitung “Le Monde” hat ihn erkundet und dabei auch einiges Sehenswertes gefunden.

Radtour an der Seine

Dinos, Dinos, Dinos – im Jurassic Park nahe der Weser

Echte Fußstapfen von Dinosauriern haben Forscher im Landkreis Nienburg nahe der Weser gefunden. Heute sehe ich sie mir in Mönchehagen.

Es ist wirklich beeindruckend und daher eine Bereicherung der Radwanderung entlang der Weser. Dazu gibt es jede Menge Dinosaurier in Lebensgröße. Meine Fotodatenbank ist um einiges reicher geworden.

Zahlreiche Infotafeln präsentieren die Zeit der kolossalen Lebewesen.

Für Familien bedeutet das viel Spaß. Ich sah viele Kinder mit einem Quiz herumlaufen. Häufigste Frage: Ist der gefährlich? Einige Stunden ist jeder gut beschäftigt. Nett auch die Ausstellung über Dinobabys. Gezeigt wurden auch Eier und versteinerte Skelette.

Wein und Oliven so weit das Auge reicht

Noch nie habe ich auf meiner gesamten Reise von gut 3000 Kilometern durch Nordportugal und Galizien Wein und Oliven in solchem Ausmaß gesehen. Es ist auch angesichts der Höhe überwältigend am Rio Douro zwischen Castelo Rodrigo und Porto zu radeln. Informationen über Anbaumethoden lieferte mir gestern das schicke Weinmuseum in São João da Pesqueira im Distrikt Viseu. Viele besuchen die Gegend nur mit der Bahn von Porto aus und schaffen es gerade einmal, in Pinhão ein Weingut zu besuchen und zu speisen. Doch hier auf Radwanderung zu gehen, lohnt sich, weil die Strecke bis Zamora gut über die Nationalstraßen zu bewältigen ist.

Erbarmungslos Auf dem Jakobsweg

Welch eine abwechslungsreiche Landschaft zwischen Mombuey und Ollosa de Tera in Kastilien und León. Heute mittag streifte ich noch auf einer Mountainbikeroute um Mombuey herum. Dort ist es sehr trocken. Nur die dicken schweren glänzenden Quarzsteine erhellen die Stimmung. Heidekraut: hart und kratzig. Sonne: grell. Luft: herbstlich kühl. Große Bäume liegen am Boden, hinweggefegt von einem Sturm im Juni. Sie versperren den Singletrail, weshalb ich zwischen Felsen radeln muss, die wie Termitenbauten emporragen. Ein Paar aus Madrid streift traurig durchs trockene Flussbett des Rio Negro. Der Name kommt wohl nicht von ungefähr. Sie laden mich zu einem Kaffee ein.

Am späten Nachmittag treffe ich auf kühles Nass. Der Rio Tera kreuzt wieder meinen Weg, dem ich bereits in der Nähe der Lagune der Fische begegnet bin. Hier – Ollosa de Tera – wird er gestaut. In der Herberge in Mombuey gibt es übrigens keine Bettwanzen – chinchos. Pilger in der Herberge von Campobeceros hatten das behauptet. Wer also von Sevilla heraufkommt, kann sich dort beruhigt niederlassen.

Allariz, schönste Kleinstadt am Jakobsweg

Fast schon kitschig, oder? Eine römische Brücke in Allariz auf dem Jakobsweg. Allariz gilt als eine der schönsten Kleinstädte Galiziens, liegt in der Nähe von Ourense an der spanisch-portugiesischen Grenze. Die Via de la plata führt von Sevilla kommend bis nach Santiago de Compostela.

Auf dem Jakobsweg Dem Himmel wieder nah

Nach den relativ flachen Etappen an der Küste wird es ab heute wieder ernst. Santiago de Compistela in Galizien muss der Jakobspilger sich auf dem Camino del Norte erarbeiten.

Ich fühle mich wie im Schwarzwald; nur ist die Palme am Brunnen fehl am Platz.

Aber das zweite Jerusalem ist auch nur noch 180 Kilometer entfernt. Ribadeo habe ich heute mittag verlassen.

Meine Unterkunft heute in den Bergen: Refugio de peregrino.

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Nach einem traumhaften Schlaf im Zelt – das Meer rauschte und versenkte mich in einen tiefen Schlaf bis 10 Uhr – sehe ich jetzt erstmals das offene Meer an der galizischen Küste. Davor sah ich nur die Fjorde. Das Ende der Welt – Finisterre – ist nicht mehr fern. Finisterre gilt sogar als wichtiger als Santiago de Compostela selbst. Warum das so ist, bekomme ich dort bestimmt noch heraus.

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Das ist doch mal ein Stadtstrand, oder? Der Lohn für den Weg durch die Berge im Hintergrund. Erst seit heute morgen aber komme ich in den Genuß, direkt an der Küste entlang zu fahren.

Leider gibt es offenbar noch kein Rezept gegen die stinkende Blechlawine entlang der Küste von Galizien. Wenigstens fahren sie aber rücksichtsvoll hinter mir her und vorbei. Bemüht man sich überhaupt? Auf den ach so tollen Spanienwebseiten, die vieles hier gar nicht kennen, wird sogar ein Mietwagen empfohlen, obwohl es eine Bahnlinie gibt und man wandernd oder radelnd dem Lande viel näher kommt.

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

So ganz abgewichen wie gedacht, bin ich vorgestern doch nicht. Ich geriet auf die Küstenstrecke des Caminho de Santiago. Heute habe ich Cerveiro verlassen und bin einem wunderbaren Flussradweg nach Valença an der Grenze gefolgt. Er war flach, schattig, bot einen tollen Blick auf die Berge und auf den Rio Minho. Länge: etwa 18 Kilometer. Auch viele Möwen siedeln hier.

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

So sieht der Caminho de Santiago öfter aus. Mit Gepäck muß ich dann oft schieben. Ich kenne aber immerhin vier Freunde in Bonn und in Münster, die auch nicht aufgäben. Die Strecke heute ist deutlich die anstrengendste, obwohl ich die letzten fünf Kilometer parallel zum Wanderweg auf der Landstraße geradelt bin. Darunter waren auch neun Prozent Steigung. Der Pilgerweg selbst ist ab Bandeira nur für Mountainbikefahrer ohne Gepäck zu bewältigen. Das Rad muss streckenweise auf den Schultern getragen werden, munkelt man.

Das Erklimmen des Berggipfels gegen Ende des Trips war heftig. Jetzt ruhe ich im Bergdorf Rubiães, das abends deutlich kühler ist als Ponte de Lima im Tal. Die Wirtin wollte mich gleich dazu nötigen, mit einem Shuttle zu einem nahen Restaurant zu fahren. Es tut mir sehr leid, dass ihr nun 10 % Provision entgehen.

Der Blick vom Balkon ist ganz okay. Oder?

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Meine ersten kleinen Reparaturen habe ich am Rad schon hinter mir. Dabei bin ich erst seit fünf Tagen in Portugal. Zuerst verbog das Schaltwerk auf dem Flug. Ich konnte es mit der Hand wieder richten und mit dem Schraubendreher wieder einstellen. Da der Wanderpfad holprig ist, verlor ich heute eine Schraube am Gepäckträger. Zum Glück konnte ich eine meines Flaschenhalters opfern.

Denkt also bitte immer daran, passende Schrauben mitzunehmen. Und die Schaltung vor dem Flug zu demontueren, im Fall der Fälle einen Ersatz einzuoacken. Er wiegt nicht viel.