Ieoh Ming Pei gestorben

Fast jeder, der ein­mal Paris besucht hat, dürf­te sie ken­nen: die Pyra­mi­de auf dem Lou­vre. Von oben fin­de ich sie gar nicht so beein­dru­ckend. Denn sie unter­schei­det sich nicht wirk­lich von ande­ren ähn­li­chen Wer­ken. Daher foto­gra­fier­te ich sie auch nicht dort wie der Foto­graf des jetzt im Schwei­zer „Tages­an­zei­ger“ erschie­ne­nen Bildes. 

Als ich den Lou­vre besuch­te, befand ich mich unter ihm. Sie dringt mit ihrer glä­ser­nen Spit­ze in eine Ein­kaufs­pas­sa­ge ein. Ihr Metall­git­ter­werk teilt den blau über Paris leuch­ten­den Him­mel in ver­schie­de­ne Seg­men­te. Die mono­to­ne Ein­kaufs­pas­sa­ge erfährt durch den durch­sich­ti­gen Glas­ke­gel eine dra­ma­ti­sche Zuspit­zung. Erhöht wird die­se durch einen zusätz­li­chen wie ein Sta­lag­mit auf­stei­gen­den Kegel. Jetzt ist der ame­ri­ka­nisch-chi­ne­si­sche Archi­tekt Ieoh Ming Pei im hohen Alter von 102 Jah­ren gestorben.

Den kom­plet­ten Arti­kel des Tages­an­zei­gers über den Archi­tek­ten fin­dest Du hier.

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Porto regt J.K. Rowling an

Es ist inspi­rie­rend, sich Rei­se­sei­ten aus­län­di­scher Medi­en anzu­schau­en. Denn sie ver­mit­teln oft eine ande­re Per­spek­ti­ve auf Urlaubs­or­te. Somit bie­tet sich eine gute Chan­ce, den Urlaub etwas anders zu ver­brin­gen als die Mehr­heit der Deut­schen und sie vom Main­stream abzuheben.

Die­ser Tage emp­fiehlt die däni­sche Zei­tung Ber­lings­ke einen Auf­ent­halt in Por­to, die Haupt­stadt des Dou­ro-Tals. Die Autorin Elsebeth Mou­rit­zen ver­weist zunächst auf die übli­chen Kli­schees wie zum Bei­spiel Port­wein und die Kachel­kunst in und an den Gebäu­den der Stadt. Doch Por­to kön­ne es auch mit Lis­sa­bon auf­neh­men, was Kunst, Archi­tek­tur und Folk­lo­re angehe.

Der Rei­sen­de zählt sich nicht zu den Lesern der Har­ry Pot­ter-Bücher. Daher ist ihm ent­gan­gen, dass die Liv­ra­ria Lel­lo, ein über 100 Jah­re altes Buch­ge­schäft, J.K. Row­ling inspi­riert haben soll, als sie Hog­warts beschrieb. Row­ling leb­te dem­nach in Por­to Anfang der 1990er Jah­re. Dort unter­rich­te sie an einer Abend­schu­le Eng­lisch. Tags­über ver­fass­te sie Bücher. Anre­gend fand die Autorin das Inte­ri­eur des Geschäf­tes wie geschwun­ge­ne Trep­pen, dunk­le Säu­len, geschnitz­te Rega­le und far­bi­ge Glasmosaiken. 

Da dies auch zahl­rei­che Pot­ter-Fans ange­zo­gen habe, habe man sich ab dem Jah­re 2015 ent­schie­den, für den Besuch der „schöns­ten Buch­hand­lung der Welt“ Ein­tritt zu neh­men. Denn vie­le kämen nur, um das Geschäft zu besich­ti­gen. Der Ein­tritt wer­de aller­dings mit dem Kauf eines Buches verrechnet.

So offen­bar inspi­riert, besuch­te die däni­sche Jour­na­lis­tin das Ser­ral­ves-Muse­um. Des­sen Haupt­at­trak­ti­on sei eigent­lich ein 18 Hekt­ar gro­ßer Park. Gestal­tet habe ihn der berühm­te fran­zö­si­sche Archi­tekt Jac­ques Gréber. 

Aber inter­es­san­ter fand sie offen­bar eine Art déco-Vil­la aus den 1930er Jah­ren. Die­se ergän­ze das moder­ne Haupt­ge­bäu­de und ste­he als Kunst­werk für sich selbst. In der gebe es wech­seln­de Aus­stel­lun­gen zu sehen. Die moder­ne Abtei­lung im Haupt­ge­bäu­de habe der Archi­tekt Álva­ro Siza gestal­tet und ihr einen monu­men­ta­len kubis­ti­schen Stil ver­lie­hen. Dort prä­sen­tie­re man neu­es­te Kunst, die sozia­le und künst­le­ri­sche Ver­än­de­run­gen in Por­tu­gal und welt­weit wider­spie­ge­le. Erst 1999 eröff­net, habe das Muse­um den Rang erar­bei­tet, Por­tu­gals bedeu­tends­tes Muse­um für neu­zeit­li­che Kunst zu sein.

Por­tos Zen­trum besticht ohne­hin durch sei­ne his­to­ri­sche Alt­stadt. Wen wun­dert es, dass das Cen­tro Por­tu­guês de Foto­gra­fia in einem Palais aus dem Jah­re 1767 unter­ge­bracht ist. Die­ses dien­te mit­un­ter sogar bis zur Nel­ken­re­vo­lu­ti­on 1974 als Gefäng­nis. Danach sei es restau­riert wor­den mit dem Ziel, dort in Dau­er- und Wech­sel­aus­stel­lun­gen die Geschich­te der Foto­gra­fie zu prä­sen­tie­ren. Natür­lich sei­en dort auch Por­träts der Insas­sen zu sehen. 

So schreibt also auch die Haupt­stadt des Dou­ro-Tales ein Stück Har­ry Pot­ter-Geschich­te. Sie ist nicht nur der Kacheln wegen sehens­wert oder weil durch sie der Jakobs­weg von Lis­sa­bon nach Sant­ia­go de Com­pos­te­la führt. Selt­sa­mer­wei­se steht auf der Por­to-Web­site nichts davon.

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Provinzhauptstadt schlägt Weltstadt

Neu­lich habe ich eine span­nen­de Ver­fil­mung über Maxi­mi­li­an von Öster­reich und Maria von Bur­gund gese­hen. Ich dach­te nur, das gibt es doch nicht, denn ich besich­tig­te vor eini­ger Zeit eine Kapel­le in Lil­le, in der Maria gebe­tet haben soll. Und zur­zeit befas­se ich mich durch die por­tu­gie­si­sche Geschich­te viel mit Mari­as Zeit, also mit dem 16. Jahr­hun­dert, da es von Por­tu­gals Zeit als Welt­macht vie­le schö­ne Din­ge zu sehen gibt.

Die­se schlich­te Kapel­le befin­det sich heu­te im Rat­haus von Lil­le, zu Mari­as Zei­ten eine der reichs­ten Städ­te Euro­pas. Hoch­ge­kom­men waren die Bür­ger durch Tuch­han­del. Noch heu­te ist Tuch aus Flan­dern in Adels­sit­zen zu fin­den in Form von pracht­vol­len Wand­tep­pi­chen und ein­ge­web­ten Bil­dern ade­li­gen und reli­giö­sen Lebens.

Unter den dama­li­gen Herr­schern war Bur­gund sehr begehrt und Maria eine gute Par­tie. Frank­reich und Öster­reich führ­ten daher sogar Krieg gegen­ein­an­der. Die schö­ne und sehr gebil­de­te Frau hat­te sich näm­lich für Maxi­mi­li­an ent­schei­den müs­sen, den sie für grob hielt. Sie schick­te eine Hof­da­me nach Wien, um ihn erst zu prü­fen. Roch er wirk­lich so schlecht wie gesagt wur­de? Speis­te er auch so unkul­ti­viert, indem er die Gabel mit den Zin­ken nach unten in den Mund führ­te? Wäre bei­des erfüllt gewe­sen, hät­te ihm die Zofe nicht das Bild­nis mit ihrem Anlitz über­rei­chen dürfen.

Aber die Ehe mit dem letz­ten Rit­ter lief auch viel har­mo­ni­scher als erwar­tet. Lei­der fiel sie auf einer Jagd vom Pferd. Es war leicht­sin­nig, wäh­rend einer Schwan­ger­schaft so wild zu rei­ten. Sie starb eini­ge Tage spä­ter an den Fol­gen. Aus der Zeit übrig geblie­ben sind präch­ti­ge Bür­ger­häu­ser im Zen­trum Lil­les und erstaun­lich gute Kunst im Stadt­kern und im Umland. Ein Repor­ter des Kuriers in Wien war jetzt in Lil­le, ver­gleicht sie mit Brüg­ge. Und auch ich schrieb dar­über für “Die Pres­se” in Wien. Viel Spaß beim Schmökern.

Pro­vinz­haupt­stadt schlägt Weltstadt

Zu Besuch in Lil­le und Brügge

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Spaniens tolle Museen und Tapasbars

Etwas über­trie­ben fin­de ich es ja, wenn “Die Pres­se” in Wien mit der Über­schrift eines Arti­kels sug­ge­riert, Madrid sei die Haupt­stadt der Tapas. Da gibt es bes­se­re spa­ni­sche Städte.

Ich tei­le aller­dings die Ansicht, dass die Muse­en in Madrid sehr gut sind. Und ich bin froh, dass auch mal ein ande­res genannt wird als der Pra­do. Die­ses Muse­um kommt natür­lich auch im Arti­kel vor mit­samt Picas­sos Guer­ni­ca­bild, was ich scha­de fin­de, denn dort geht ohne­hin “jeder” Madrid­be­su­cher mal hin. Besu­chens­wert ist etwa das pri­vat geführ­te See­fahrts­mu­se­um, denn Spa­ni­en war mal eine Macht auf See, und dort erfährt man dann auch war­um und wie dies das Land prägte.

Im Muse­um “Rei­na Sofia” bin ich selbst gewe­sen, wäre auf­grund einer von der Autorin emp­fun­de­nen “düs­te­ren Atmo­sphä­re” nie dar­auf gekom­men, dass es mal eine Kli­nik beher­berg­te, son­dern emp­fand die Archi­tek­tur als recht ele­gant. Denn Besu­cher betre­ten ein vor­neh­mes Gebäu­de mit wei­ten Trep­pen. Es gibt groß­zü­gi­ge Fens­ter mit tol­len Aus­sich­ten auf Madrid und auf den Innen­hof, in dem so wir­kungs­voll Skulp­tu­ren auf­ge­stellt sind, dass man Lust bekommt, sich auch im wei­te­ren Leben mit Skulp­tu­ren zu beschäftigen.

Die von mir und mei­ner Freun­din eher zufäl­lig aus­ge­wähl­te Aus­stel­lung zeig­te Kari­ka­tu­ren sehr bekann­ter Künst­ler wie Goya, wes­halb wir auch mal eine unbe­kann­te Sei­te die­ses Künst­lers zu Gesicht bekamen.

Als Orte mit sehr guten Tapas emp­feh­le ich Ubri­que und Graz­ale­ma in Anda­lu­si­en. Es sind zwar nur Dör­fer in der Ser­ra, aber dort gibt es Rezep­te vom Land, wie zum Bei­spiel sehr schmack­haf­te Wachteleier.

Als Haupt­stadt der Tapas emp­fin­de ich eher San Sebas­tián. Nir­gend­wo anders in Spa­ni­en fand ich eine so gro­ße Zahl an Tapas­bars und eine solch gro­ße Viel­zahl an Gerich­ten vor. Ich habe dort sogar mal Gehirn geges­sen, was mei­ne Freun­din so eklig fand, dass sie mich nie wie­der küs­sen woll­te. Sie hat es den­noch getan. Ein Feh­ler war es also nicht!

Streif­zug durch Madrid

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Wie auf einem ganz anderen Kontinent

War­um in die Fer­ne schwei­fen, wenn das Gute liegt so nah. Vor eini­ger Zeit besich­tig­te ich mit einer Freun­din Düs­sel­dorf. Am Inter­es­san­tes­ten fan­den wir das Japan­haus. In der Stadt leben durch die Ansied­lung japa­ni­scher Unter­neh­men vie­le Asia­ten. Im Japan­haus fin­den deren Mit­ar­bei­ter ein Stück Hei­mat. Es gibt dort einen Gar­ten, der die Land­schaf­ten Japans nach­bil­det, so dass Besu­cher dort medi­tie­rend her­um­wan­deln kön­nen. Exo­tisch muten uns auch die Räu­me an, vor allem der Tempel.

Etwas außer­halb liegt bei Mett­mann das Nean­der­tal-Muse­um. Nicht nur die Aus­stel­lung besticht durch ihre Leben­dig­keit, son­dern auch die schö­ne Land­schaft, in der ein Ske­lett aus der Stein­zeit gefun­den wur­de. Gut ein­ge­bet­tet ist ein Gehe­ge mit Tie­ren, die damals gejagt wurden.

Wer mehr über Düs­sel­dorf erfah­ren will, soll­te die­sen jetzt in der “Pres­se” in Wien ver­öf­fent­lich­ten Arti­kel lesen. Beim Lesen füh­le ich mich tat­säch­lich so wie an einem ganz beson­de­ren Ort und hät­te die beschrie­be­nen Stät­ten auch ger­ne besucht. Das wird auf jeden Fall nachgeholt.

Aus­flug nach Düsseldorf

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Porto 6 Tage, 7 Nächte

Eine Woche blei­be ich in Por­to. Ich freue mich rie­sig dar­auf. Heu­te oder mor­gen kom­me ich an. Unter­kunft und Rück­flug sind schon gebucht. Sie­ben Näch­te in zen­tra­ler Lage an der Ave­ni­da dos Alia­dos. Dann wer­de ich recher­chie­ren, was die See­le der Stadt aus­macht, mög­lichst abseits vom Rei­se-Main­stream. Mal schau­en, wie oft ich mein Rad noch brau­che. Ich benö­ti­ge drin­gend neue Brems­kör­per, bin froh, dass ich die Schluss­etap­pe gut über­stan­den habe. Ein freund­li­cher Mecha­ni­ker ver­kauf­te mir ges­tern wel­che und schrieb mir Tipps auf, was ich auf jeden Fall besu­chen soll­te. Er spru­del­te fast schon über.

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Centre Pompidou eine Garage?

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Cent­re Pom­pi­dou in Paris, eher eine Gara­ge als ein Museum.

Lan­ge Röh­ren füh­ren an der ver­glas­ten Fas­sa­de ent­lang. Metall­stre­ben wir­ken wie Bau­ge­rüs­te. Das berühm­te Muse­um Cent­re Pom­pi­dou in Paris wirkt eher wie eine gro­ße Gara­ge als eine Stät­te berühm­ter moder­ner Kunst­wer­ke. Sicher soll­te der Bau mal sehr modern wir­ken. In Deutsch­land sehen ihm tech­ni­sche Gebäu­de man­cher Uni­ver­si­tä­ten und Fach­hoch­schu­len ähn­lich wie zum Bei­spiel an der Cor­rens­stra­ße in Müns­ter. Doch heu­te wirkt die­ser Stil kalt und abwei­send. Der Rei­sen­de geht in sei­nem Kul­tur­rei­se­füh­rer “Müns­ter Stadt der Skulp­tu­ren” näher dar­auf ein. 

Am Gebäu­de kann man nicht viel ändern, ohne ein gro­ße Geld­sum­me in die Hand zu neh­men. Aber das Aus­stel­lungs­kon­zept müss­te die Muse­ums­lei­tung über­ar­bei­ten. Es wirkt nicht dem Stand der Zeit ent­spre­chend. Vie­le Kunst­wer­ke setzt man den Besu­chern vor, erklärt wenig, rückt sie nicht ins rech­te Licht. Es sind auch zu vie­le Expo­na­te. Man eilt irgend­wann an ihnen vor­bei, ohne etwas mit­zu­neh­men. Das Cent­re Pom­pi­dou ist eine bes­se­re Garage.

Andere Museen in Europa deutlich moderner

Was Moder­ni­tät angeht, sind ande­re Kunst­hal­len wie ARos in Aar­hus oder Le Tri­pos­tal in Lil­le wei­ter. Dort fühlt sich der Rei­sen­de wie getra­gen. Er glei­tet ent­spannt von einem Raum zum nächs­ten. Die Expo­na­te wer­den ergänzt durch audio­vi­su­el­le Medi­en, die sich zum Bei­spiel zeit­kri­tisch mit gesell­schaft­li­chen oder poli­ti­schen The­men aus­ein­an­der­set­zen. Oder Künst­ler spie­len mit Licht und Schat­ten, um wider­zu­spie­geln, was Men­schen füh­len. In abge­dun­kel­ten Räu­men ahmen ver­spiel­te Metall­ob­jek­te Bewe­gun­gen von Tie­ren und Pflan­zen nach. Im Kel­ler ent­span­nen Vide­os. Stim­men ver­schie­de­ner Spre­cher schal­len durchs dämm­ri­ge Gewöl­be. Sie erzeu­gen eine medi­ta­ti­ve Stimmung. 

Für “Die Pres­se” in Wien hat der Rei­sen­de nach der Rück­kehr einen Arti­kel über Lil­les Muse­en geschrie­ben, mit Paris ver­gli­chen. Mor­gen besucht er mit Alex­an­dra das Muse­um Lou­vre.

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Louvre: Selfie-Chaos um Mona Lisa

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Sel­fie-Cha­os vor der Mona Lisa im Louvre

Was für ein Cha­os! Sel­fie-Cha­os vor der Mona Lisa! In Muse­en geht der Rei­sen­de ger­ne und stun­den­lang. Dann erfährt er mehr über die Kul­tur eines Lan­des, einer Regi­on, damit er gut dar­über schrei­ben kann. Für heu­te haben sich Alex­an­dra und er das Muse­um Lou­vre in Paris vor­ge­nom­men. Dies ist unum­gäng­lich. Bei einer Städ­te­rei­se soll­ten weder das Vasa-Muse­um in Stock­holm, der Pra­do in Madrid noch das Natio­nal­mu­se­um in Kopen­ha­gen aus­ge­spart wer­den. Es sei denn, man hat nur Tivo­li oder fies­ta im Kopf.

Der Mona Lisa gilt der Besuch nicht in ers­ter Linie. Und in den meis­ten Abtei­lun­gen ent­kommt man auch dem Sel­fie-Cha­os im Lou­vre. Es gibt vie­le ande­re Welt­kunst im Ori­gi­nal zu sehen. Fran­zö­si­sche, ita­lie­ni­sche nie­der­län­di­sche und spa­ni­sche Meis­ter, berühm­te Wer­ke der Anti­ke. Wo, wenn nicht im Lou­vre, gibt es alles “auf einen Schlag zu sehen”. Schon beim Ein­tre­ten fühlt sich der Rei­sen­de erha­ben, geht es doch über eine schö­ne Trep­pe etwas tie­fer zum Bild­hau­er Rodin und zu hol­län­di­schen Meis­tern. Wer sich auf ihr umdreht, erkennt einen wun­der­schö­nen Blick auf ein run­des gro­ßes Fens­ter. Auch im Dach befin­den sich meh­re­re Glas­ele­men­te, um Licht ein­zu­las­sen. Denn das Muse­um ist ein ehe­ma­li­ger Bahn­hof. Aber es gibt auch ganz moder­ne Bau­ele­men­te wie eine Pyra­mi­de inner­halb eines Einkaufszentrums. 

Ein rie­si­ges Gebäu­de mit einer Viel­zahl voll­ge­stell­ter Räu­me. Auf Dau­er wirkt sich dies aber auch ermü­dend aus. Es emp­fiehlt sich also, sich bes­ser auf ein oder zwei Epo­chen zu kon­zen­trie­ren, als alles sehen zu wol­len. Jeder kann ja wie­der­kom­men. Ein Kon­zept, das sich beim Rei­sen­den bewährt hat: Denn er hat immer einen Grund, in eine Stadt oder Regi­on zurück­zu­keh­ren, weil es dort noch Din­ge zu sehen gibt, die er noch nicht kennt. Auf dem zwei­ten Blick sieht er auch viel mehr oder anders, weil jetzt ande­re Men­schen dort sind oder das Licht foto­ge­ner fällt. Oder Bäu­me oder Gebäu­de ent­laubt oder ent­fernt sind und der Blick freier.

Mona Lisa anhand des Selfie-Chaos gefunden

An Mona Lisa kommt er nach zwei Stun­den Auf­ent­halt zufäl­lig vor­bei, schaut in den Saal, weil der so selt­sam voll ist. Wer hat die Dame nicht alles por­trä­tiert: Es gibt von Pablo Picas­so Mona Lisa, von Fri­da Kahlo Mona Lisa, von Andy War­hol Mona Lisa. Und es gibt Lego Mona Lisa. Aber bestimmt nicht bei dem Cha­os hier. Es ist so voll, dass ein Band wie auf dem Flug­hä­fen den Zustrom zum Gemäl­de kana­li­sie­ren muss, meh­re­re Ord­ner das Gewu­sel in den Griff bekom­men müs­sen. Alle schei­nen nur eines zu wol­len: einen Nach­weis per Sel­fie, dass sie hier gewe­sen sind. Sel­fie-Cha­os um Mona Lisa! Und es sind nicht nur Japa­ner oder Chi­ne­sen, die wie die Wil­den Leo­nar­do da Vin­cis Meis­ter­werk foto­gra­fie­ren, son­dern auch Men­schen aus ande­ren Kon­ti­nen­ten der Welt. Dies ist deut­lich auf dem Foto oben zu sehen.

Dabei ist die gemal­te Dame nicht ein­mal foto­gen, steht sie doch unterm Schutz von Pan­zer­glas. Kein Wun­der, wenn nach Anga­ben des Lou­vre täg­lich 20000 Besu­cher ins Haus strö­men, ist es nötig, sie abzu­schir­men. Es gilt, ande­re Kon­zep­te zu fin­den, damit Kunst­freun­de dem Sel­fie-Cha­os um Mona Lisa entkommen.

Seit März 2021 ent­hüllt der Lou­vre übri­gens online sei­ne Schät­ze. Über 480 000 Wer­ke ste­hen jetzt im Inter­net. Kos­ten­los, egal ob sie aus­ge­stellt, aus­ge­lie­hen oder ein­ge­la­gert sind. Unter www.collections.louvre.fr ste­hen bis­lang 74 Pro­zent der Bestän­de. Inter­es­sen­ten kön­nen die Samm­lung nach Kate­go­rien wie Male­rei, Skulp­tur oder Kunst­ob­jek­te durch­stö­bern. Oder aber nach Kunst­schu­len und unter­schied­li­chen Abtei­lun­gen des Muse­ums wie “Alter­tü­mer aus dem Nahen Osten”. Die Lei­tung des Hau­ses ver­steht die Online-Samm­lung als “Werk­zeug zur Demo­kra­ti­sie­rung”, wie Anne-Myr­ti­le Renoux gegen­über Sabi­ne Glau­bitz von der Deut­schen Pres­se-Agen­tur erklärte. 

Im Online-Lou­vre gibt es bestimmt auch kein Sel­fie-Cha­os um Mona Lisa. Aber die Lei­tung ist bestimmt schon mal zusammengebrochen.

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Mit Schulbuchbildern im Kopf nach Paris

Obwohl Freun­din Alex­an­dra im Tou­ris­mus­sek­tor arbei­tet, hat sie eini­ges in Euro­pa noch nicht gese­hen. Schon lan­ge plant sie, sich berühm­te Metro­po­len anzu­schau­en. Franz Kaf­kas “Der Pro­zess” liegt auf dem Nacht­schrank. Des­sen sur­rea­lis­ti­sche Schil­de­run­gen lös­ten den Wunsch aus, sich Prag anzu­schau­en. Kaf­ka ist in Prag auf die Welt gekom­men. Die anti­ke Mit­tel­meer­welt hat sie schon in der Schu­le fas­zi­niert. Daher will sie auch nach Athen flie­gen, um sich berühm­te Tem­pel anzu­schau­en. In Geschich­te hat sie sich auch mit Fran­zö­si­scher Revo­lu­ti­on und Son­nen­kö­nig Lud­wig XIV. aus­ein­an­der­ge­setzt. Mit Schul­buch­bil­dern im Kopf begibt sie sich jetzt nach Paris.

Die in Paris gefäll­ten Ent­schei­dun­gen bezüg­lich fran­zö­si­scher Erobe­rungs­gier waren deut­lich in ihrem Hei­mat­land Por­tu­gal in Form gro­ßer Beben spü­ren. Daher mit Ver­sailles das eins­ti­ge Zen­trum abso­lu­tis­ti­scher Macht mit eige­nen Augen sehen. Wel­che Spu­ren hat sinn­los hin­ge­rich­te­te Köni­gin Marie Antoi­net­te hin­ter­las­sen? Zuvor hat sie eine Bio­gra­fie Marie Antoi­net­tes gele­sen. Auf ihrer Lis­te ste­hen Wahr­zei­chen wie Eif­fel­turm und die Kathe­dra­le Not­re-Dame de Paris, Muse­en wie Lou­vre und d’Or­say und eine roman­ti­sche Seine-Flussfahrt.

Erstaunlich ruhige Innenstadt

Den Rei­sen­den bewegt ähn­li­ches: Von Haupt­städ­ten hat er Kopen­ha­gen, Stock­holm, Hel­sin­ki, Oslo, Lon­don und Madrid gese­hen. Doch in Paris kennt er nur den Weg zwi­schen den Bahn­hö­fen Mont­par­nas­se und Gare de l’Est. Als er aus Spa­ni­en mit dem Rad zurück­kam, muss­te er die Stadt que­ren, um nach Deutsch­land wei­ter­zu­fah­ren. Er war über­rascht, wie ruhig es war. Statt auf Cha­os traf er auf Orte der Muße wie Boule spie­len­de Männer.

Mit­te Mai 2021 mach­te das Pari­ser Rat­haus bekannt, dass es das Zen­trum ver­kehrs­be­ru­hi­gen, Auto­ver­kehr mas­siv ein­schrän­ken wol­le. 180 000 Fahr­zeu­ge füh­ren durch, davon 100 000 ohne anzu­hal­ten, sag­te David Bel­li­ard von den Grü­nen. Künf­tig sol­len nur Anwoh­ner, Bus­se, Taxis, Hand­wer­ker, Gewer­be­trei­ben­de und Zustel­ler dort unter­wegs sein dür­fen. Die Ver­än­de­rung gel­te fürs Gebiet rund um die Sei­ne-Insel Île de la Cité und das sieb­te Arrondissements.

Vieles nur aus dem Schulbuch bekannt

Schul­buch­bil­der von Paris im Kopf hat auch der Rei­sen­de. Er kennt die Stadt eben­so aus Fil­men, Erzäh­lun­gen und Ölbil­dern sei­nes Künst­ler­freun­des Frank Sie­we­ring. Die­ser brach­te Fotos und Skiz­zen aus Frank­reich mit, um sie zuhau­se in Aqua­rel­le und Ölbil­dern aus­zu­ar­bei­ten. Sie­we­ring ließ sich schon immer von van Gogh, Schie­le, Macke und Klee inspi­rie­ren. Sei­ne Wer­ke hän­gen jetzt in sei­nem Zuhau­se, in Büros von Ban­kern und Industriellen.

Klar, dass der Rei­sen­de und Alex­an­dra nahe Mont­mart­re bezie­hen wer­den. Sie haben eine Woh­nung über ein Inter­net­por­tal pri­vat gemie­tet. Wor­auf Du beim Mie­ten einer Woh­nung über Anbie­ter wie airbnb ach­ten soll­test, erfährst Du in die­sem hier in der Lokal­zeit Bonn. Dort spricht der Rei­sen­de mit Mode­ra­to­rin Sybil­le Schütt über Internetportale.

Neben his­to­ri­schen Quel­len aus Schu­le und Stu­di­um kennt der Rei­sen­de Paris aus Fil­men, die er eini­ge Jah­re ger­ne ange­schaut hat. Dar­un­ter fal­len Fran­tic und “Die Lie­ben­den von Pont Neuf”. Aber auch Hör­spie­le mit Kom­mis­sar Mai­gret inspi­rie­ren ihn. Er will den Spie­gel­saal von Ver­sailles sehen, der in der deut­schen Geschich­te eine wich­ti­ge Rol­le spiel­te. Mit die­sen Inspi­ra­tio­nen im Gepäck fah­ren er und Alex­an­dra bald nach Frank­reich. Natür­lich mit Boule-Kugeln in der Tasche. Denn das tut der Rei­sen­de seit sei­ner Kind­heit. Oft spiel­te er in Süd­frank­reich ger­ne mit Ein­hei­mi­schen. Mal schau­en, was aus den Schul­buch­bil­dern von Paris am Ende übrig bleibt!

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