Erst Verlangen nach mehr, dann der Schwips

Margit Stoffels geht für „Die Zeit“ in Bangkok einen trinken

Ein belebter Bar mit Gästen, die Cocktails trinken, umgeben von bunten Neonlichtern und Bildschirmanzeigen
Mit KI gene­rier­tes Bild

„Die Musik aller­dings ist kei­nes­wegs Easy Lis­tening, son­dern für west­li­che Ohren vor allem laut: Eine Her­aus­for­de­rung, wenn man sich unter­hal­ten möch­te. Egal, wir haben leicht einen sit­zen und heu­te Nacht kei­ne Ter­mi­ne mehr. Also lau­schen wir noch ein wenig der Musik und schwan­ken dann hin­aus in die Nacht.“

Auf einer hal­ben Sei­te beschreibt die Autorin davor drei Bars in der thai­län­di­schen Haupt­stadt Bang­kok. Die drei Fotos von einem Drink-Gedeck, der The­ke einer Bar und einem Insekt scheint sie nicht geschos­sen zu haben. Eine Quel­len­an­ga­be fehlt.

Der Sinn die­ses am 12. März 2026 in der Wochen­zei­tung „Die Zeit“ ver­öf­fent­lich­ten Arti­kels „In drei Drinks durch Bang­kok“ erschließt sich nicht wirk­lich. Da unge­sund, trin­ken immer weni­ger Men­schen in Deutsch­land Alko­hol. Will die Redak­ti­on eine aktu­ell schrump­fen­de Min­der­heit anspre­chen? Zudem gibt es Drinks wohl in jeder Stadt. Es kann auch nicht Sinn eines Urlaubs sein, sich so zu betrin­ken, wie es Autorin Mar­git Stof­fels offen­bar tut. Ein Blick ins Netz zeigt, dass „Die Zeit“ Bei­trä­ge wie die­sen als Serie „In drei Drinks durch…“ ver­öf­fent­licht. Autoren stel­len in ver­schie­de­nen Städ­ten Bars vor. Bis­her wur­den Fol­gen über Madrid, Wien, Zürich und Dres­den ver­öf­fent­licht. Ein wei­te­rer Blick ins Netz zeigt, dass Stof­fels Redak­teu­rin der Zeit ist.

Durch­strei­fen & Erle­ben nimmt seit März 2026 regel­mä­ßig Rei­se­ar­ti­kel füh­ren­der deutsch­spra­chi­ger Medi­en unter die Lupe. Der Arti­kel der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung (FAZ) über Fred­dy Lang­ers Wan­de­rung im Eis bil­de­te den Auf­takt die­ser Serie. Es folg­te Jakob Stro­bel y Ser­ras Erkun­dung eines ess­ba­ren Wal­des in den Nie­der­lan­den. Ver­gan­ge­ne Woche gab es einen Bei­trag über ein Gespräch der Autorin Jes­si­ca Braun mit der Alpi­nis­tin Mol­lie Hug­hes in der Zeit. Ein­ge­plant sind in den kom­men­den Wochen auch unter ande­rem die Süd­deut­sche Zeitung.

Lust, dem Barkeeper beim Mixen zuzusehen

Die ers­te Sze­ne beginnt gegen 18.00 Uhr auf der Dach­ter­ras­se einer Bar. Dar­auf war der Rei­sen­de schon vor­be­rei­tet, fasst doch der Lead gut und knapp zusam­men, wor­um es geht: „Bar­kee­per wei­sen den Weg durch die Stadt. Mar­git Stof­fels beginnt ganz oben in einer schi­cken Roof­top-Bar und lan­det irgend­wann bei Kräu­ter­li­kör in Chinatown.“

Sie ist mit Freund Uwe unter­wegs, der in Bang­kok lebt. Zunächst geht sie zu Fuß mit ihm los, offen­bar von des­sen Woh­nung aus. Nach schick klingt es aber nicht, wenn sie schreibt, dass die Bar bota­nisch tape­ziert sei, eine unauf­ge­reg­te tro­pi­sche Atmo­sphä­re herr­sche. Sie befasst sich dann mit dem Aus­se­hen der Gefä­ße, dem Out­fit des Bar­kee­pers und schließ­lich, wor­aus sich die Geträn­ke zusam­men­set­zen und wie sie schme­cken. Sie will mehr davon, hier blei­ben, dem Bar­kee­per beim Mixen zuschauen.

Geschmack wie der deutscher Liköre

Die zwei­te Sze­ne han­delt in einer Erd­ge­schoss­bar in Chi­na­town, die der ers­te Bar­kee­per ihr emp­foh­len hat. Etwas ent­täuscht den Rei­sen­den, dass eine Taxi­fahrt dafür not­wen­dig ist, da es dann nicht mehr fuß­läu­fig bequem ist. Sie ver­gleicht die Gestal­tung der Bar mit einer künst­le­risch gestal­te­ten Bau­stel­le. Wie­der geht sie auf die Klei­dung der Bar­kee­per ein, deren ver­schlos­se­ne Mie­nen, ver­weist aufs Stim­men­ge­wirr. Wie die Drinks hier schme­cken, sagt sie nicht wirk­lich, spricht nur vom „star­ken Martini“.

In einer Bar in einer Gas­se spielt sich die drit­te Sze­ne ab. Gäs­te klat­schen im Takt thai­län­di­scher Musik. Sie lässt sich von der Bar­kee­pe­rin erklä­ren, wie das jewei­li­ge Getränk wir­ken soll, eines sogar aphro­di­sie­rend. Letzt­lich schme­cken die­se aber, wäh­rend sie und Uwe auf Holz­ho­ckern an einer Mar­mor­the­ke sit­zen, wie bekann­te deut­sche Likö­re. Deren Namen nennt sie auch. Spä­ter wan­ken bei­de hin­aus in die Nacht. Eine Anga­be der Zeit unter­lässt sie.

Wozu das Gan­ze? Wie die Geträn­ke wir­ken, beschreibt die Autorin selbst: Erst ver­langt sie nach mehr, will dem Bar­kee­per beim Mixen zuschau­en. Dann folgt der Schwips. Das geht letzt­lich über­all, was auch aus der sehr rea­li­täts­na­hen sehr guten Beschrei­bung her­vor­geht. So geht es wirk­lich in sol­chen Bars zu. So fühlt sich ein Gast auch in ande­ren Gaststätten.

Dafür muss man nicht nach Bang­kok rei­sen. Dies sol­len wohl auch Leser erken­nen. An sich sei sie gekom­men, weil sie Bang­kok möge: „Über­all lächeln­de Men­schen, man hört kaum ein böses oder lau­tes Wort“. Aber viel­leicht will die Autorin nur indi­rekt beleh­ren, all das, was sie beruf­lich tat, tun­lichst zu unter­las­sen? Dann wäre es ein sinn­vol­ler päd­ago­gi­scher Artikel.

Fes­tungs­stadt Almei­da, Portugal

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