Fernsehtipps Reise und Kultur

Aktu­ell ver­sor­ge ich euch mög­lichst regel­mä­ßig mit Dokus über Kul­tur und Rei­se. Im Zen­trum ste­hen belieb­te Zie­le in Euro­pa, die an den nächs­ten Tagen im Fern­se­hen lau­fen. Dies­mal ist die Aus­wahl sehr breit mit Zie­len in Frank­reich, Öster­reich, Spa­ni­en und Schwe­den. Frank­reich, Nor­we­gen und wie­der ein­mal Däne­mark blei­ben dies­mal außen vor. Fast jeden Tag ist das Mit­rei­sen auf dem Sofa garan­tiert. Das Pro­gramm zum Down­load fin­det ihr unten als Link im pdf-Format.

Wie­der ein­mal hoch­wer­tig nach Spa­ni­ens ein­zig­ar­ti­ger Wald­land­schaft ver­gan­ge­ne Woche scheint auch ein Bei­trag über Ibe­ri­ens wil­de Viel­falt zu wer­den. Kein Wun­der, ich höre oft von Por­tu­gie­sen und Spa­ni­ern, dass sie nicht ins Aus­land reis­ten, weil sie sowie­so alles hät­ten: Ber­ge, Meer und Wüs­ten. Es gibt Ski­ge­bie­te wie in Andor­ra und wie in der Ser­ra da Est­re­la.

Recht viel wird über Öster­reich gebracht. Erfreu­lich sind die his­to­ri­schen Bei­trä­ge über ein Kel­ten­grab im Umland von Salz­burg. Und über den letz­ten Rit­ter Maxi­mi­li­an im 16. Jahr­hun­dert: Er ist zu emp­feh­len, da gut gemacht. Denn Maxi­mi­li­an hei­ra­te­te Maria von Bur­gund aus macht­po­li­ti­schen Grün­den. Dem Habs­bur­ger Haus gelang durchs rei­che Flan­dern der end­gül­ti­ge Auf­stieg zur Welt­macht. Und es wuchs sogar ech­te Lie­be zwi­schen Maxi­mi­li­an und Maria.

Auf den NDR-Bei­trag über den Weser­rad­weg bin ich auch sehr gespannt. Denn dort war ich selbst schon eini­ge Male unter­wegs. Die Stre­cke durchs Weser­berg­land ist der schöns­te Abschnitt, ein unter­schätz­tes Gebiet. Die Weser ist dort weit­ge­hend noch natür­lich. Es gibt vie­le Auen, kei­ne gewerb­li­che Schiff­fahrt, nur Frei­zeit­sport­ler. Tie­fe Wäl­der zum Wan­dern und Radeln und wirk­lich freund­li­che Men­schen. Und ein hoch­wer­ti­ges Kul­tur­ange­bot, wenn ich allei­ne an Cor­vey, Weser­re­nais­sance und Por­zel­lan aus Fürs­ten­berg denke. 

Ein tol­les Ziel ist aber auch das Ahr­ge­bir­ge vor den Toren Bonns, wor­über heu­te der SWR berich­tet. Wenn ich dort wan­de­re oder rade­le, füh­le ich mich bei man­chen Etap­pen wie im Süden Euro­pas. Dies liegt zum einen an der Vege­ta­ti­on mit Pflan­zen, die es auch im Süden gibt. Zum ande­ren liegt es an der Wär­me, die an gewis­sen Stel­len über 60 Grad errei­chen kann. Daher füh­len sich dort Rep­ti­li­en wohl, aber auch Wein kann dort ange­baut wer­den. Den Wein emp­fin­de ich als wohl­schme­ckend. Beliebt ist die Zeit der Wein­le­se. Aller­dings ist die Gegend dann der Fes­te wegen völ­lig über­lau­fen. Vie­le Auto­fah­rer zieht es dann in die Dör­fer rund um Ahr­wei­ler statt mit Bahn oder Rad zu kom­men. Die Anbin­dung an den Zug ist ziem­lich gut.

Ein­schal­ten also nicht vergessen!


SaSoDiDoFr
Deutsch­landUnter­wegs im Ahr­ge­bir­ge, SWR, 14 Uhr

Selbst­ver­such Pil­gern. Auf dem Jakobs­weg von Ful­da nach Frank­furt, HR, 21.00 Uhr
Erleb­nis Weser­rad­weg, Von Hann. Mün­den bis Nien­burg, NDR, 20.15 Uhr
Öster­reichNatur­pa­ra­dies See­feld, arte, 15.00 Uhr
Das Geheim­nis des Kel­ten­gra­bes, ZDF Info, 19.30 Uhr


Ein­ge­schenkt. Wein­land Öster­reich, 3sat, 11.45 UhrMaxi­mi­li­an. Das Spiel von Macht und Lie­be, 3sat, 201.5 Uhr
Por­tu­gal
Die Azo­ren. Grü­nes Insel­pa­ra­dies, 3sat, 13.35 Uhr
Madei­ra, Por­tu­gals Blü­ten­meer im Atlan­tik, NDR, 20.15 Uhr
Schwe­den


Ich bin Gre­ta, SWR, 23.15 Uhr
Spa­ni­enWil­de Pyre­nä­en, Ber­ge des Lichts, BR. 14.15 UhrIbe­ri­en. Wil­de Viel­falt, Phoe­nix, 20.15 Uhr
Lan­za­ro­te, Feu­er, Lava, Licht, NDR, 20.15 Uhr
TV-Tipps Rei­se und Kultur
likeheartlaugh­terwowsadangry
0

Vom Castro de Baroña nach Fisterra

Vom Cas­tro de Baro­ña nach Fis­ter­ra: Was für ein Tag in Éza­ro in Gali­ci­en nach dem trü­ben Wet­ter ges­tern — eben wech­sel­haf­tes atlan­ti­sches Kli­ma. Der Ort liegt schon in der Nähe von Fis­ter­ra, Ende der Welt. Dort­hin zieht es über den Cami­no Finis­terre eine beson­de­re Vari­an­te des Cami­no de Sant­ia­go vie­le Jakobspil­ger. Jetzt eben auch den Rei­sen­den auf der Rad­rei­se durch Gali­ci­en, angeb­lich bestechend durch die schö­ne Lage an der Küs­te. Sant­ia­go de Com­pos­te­la liegt öst­lich davon. Süd­lich hin­ter ihm liegt eine tol­le Stre­cke in der Umge­bung von Por­to do Son.

Vor der Klein­stadt liegt das schö­ne Cas­tro de Baro­ña auf einer Halb­in­sel, eine vor­christ­li­che Burg. Die Lage ist zwar nicht so magisch wie eines vor weni­gen Tagen. Selt­sam, dass das spa­ni­sche Frem­den­ver­kehrs­amt das so schlecht ver­mark­tet. Denn zum Teil ist das durch­aus mit der Rou­te 66 in Nord­nor­we­gen zu ver­glei­chen. Aber deut­sche Tou­ris­ten habe der Rei­sen­de an die­ser Küs­te noch nicht gesehen.

Obwohl die Burg nur noch eine Rui­ne ist, kann sich der Besu­cher gut vor­stel­len, wo Mau­ern und Tür­me stan­den, um das Hin­ter­land gut vor Ein­fäl­len von See­räu­bern zu schüt­zen. Sogar die Grund­ris­se der Häu­ser sind gut zu sehen. Und die Kel­ten beherrsch­ten deut­lich sicht­bar auch die Kunst, run­de Gebäu­de zu errich­ten. Wege füh­ren zwi­schen den Häu­sern her. Doch hohe Wän­de und Dächer sind natür­lich nicht mehr zu sehen.

Außer­dem hat­ten die Wach­ha­ben­den einen sehr guten Blick übers Meer, um her­an­zie­hen­de Schif­fe recht­zei­tig zu ent­de­cken. Nicht umsonst liegt die Sied­lung auf einer Halb­in­sel. Schnell konn­ten sie die Bewoh­ner im Hin­ter­land war­nen. Im Cas­tro leb­ten Kel­ten, von deren 20 Wohn­häu­sern die Grund­ris­se gut erhal­ten sind. Sie sie­del­ten dort ab dem ers­ten Jahr­hun­dert vor Christus. 

Stütz­punk­te wur­den oft auf Halb­in­seln errich­tet, um das Meer zu errich­ten. Auch in Nord­nor­we­gen gibt es bei Har­stad eine heu­te noch zu besich­ti­gen­de Stel­lung der deut­schen Wehr­macht. Mit der soge­nann­ten Adolf-Kano­ne konn­ten von dort aus sich nähern­de feind­li­che Schif­fe beschos­sen wer­den. Dazu ist es zum Glück nie gekom­men. Auch auf Zypern sind sol­che erhöh­ten Sied­lun­gen in Küs­ten­nä­he aus der Anti­ke zu sehen, um sich gegen Pira­te­rie zu schüt­zen. Vom Cas­tro de Baro­ña nach Fis­ter­ra — ein Abschnitt, der sich lohnt.

likeheartlaugh­terwowsadangry
0

Offenes Meer an der Praia das Furnas

Offe­nes Meer an der Pra­ia das Fur­nas: Nach einem traum­haf­ten Schlaf im Zelt sieht der Rei­sen­de erst­mals das offe­ne Meer an der gali­ci­schen Küs­te. Das Meer rausch­te. Es ver­senk­te ihn auf der Rad­wan­de­rung durch Gali­ci­en ab elf Uhr abends in einen tie­fen Schlaf bis 10 Uhr mor­gens. Davor sah er nur Fjor­de ent­lang so eini­ger vie­le Kilo­me­ter lan­gen Buchten. 

Den tie­fen Schlaf hat­te er zuvor gar nicht erwar­tet. Denn hier camp­te er wild, weil es hier auch erlaubt war. Neben dem Zelt­platz lag das Surf­house As Fur­nas. Dort hät­te er lie­ber sein Zelt auf­ge­schla­gen, um sich etwas siche­rer zu füh­len. Denn da es spät am Abend war, konn­te er sich nicht vor­ab ein Bild der Bewoh­ner machen. Doch der Inha­ber woll­te den vol­len Preis für eine Über­nach­tung. Das sah der Pil­ger nicht ein. Dies ist eine unge­wöhn­li­che Hal­tung für die an sich gast­freund­li­che Regi­on. Wahr­schein­lich litt der Betrei­ber an chro­ni­schem Geld­man­gel. Denn vie­le Gäs­te waren nicht zu sehen. Da war an ande­ren Strän­den wesent­lich mehr Betrieb.

Bald ist die Costa da morte erreicht

Das Ende der Welt — Finis­terre — ist nicht mehr weit ent­fernt. Finis­terre gilt sogar als wich­ti­ge­res Ziel als Sant­ia­go de Com­pos­te­la selbst. War­um das so ist, bekommt er dort bestimmt noch her­aus. Ab Mal­pi­ca beginnt die berühmt-berüch­tig­te Cos­ta da mor­te, die Todes­küs­te. Heu­te ist sie durch die Nähe zum Was­ser ein belieb­tes Wan­der­ge­biet. Sie erstreckt sich bis zur Hafen­stadt A Coru­ña. Vie­le Schif­fe gin­gen auf der hohen See unter. Unzäh­lig ist die Zahl der gestor­be­nen See­leu­te. Davon zeu­gen bereits ent­lang der Etap­pen hier und da Denk­mä­ler für die ertrun­ke­nen Fischer. Kein Wun­der: Denn ab dort gibt es kei­ne tief ein­ge­schnit­te­nen Buch­ten mehr. Die­se kön­nen die Macht des Mee­res brem­sen. Offe­nes Meer an der Pra­ia das Fur­nas. Dort gilt das nicht mehr. Für heu­te Abend ist Por­to do Son das Ziel.

likeheartlaugh­terwowsadangry
0

Ponte Internacional Valença-Tui am Minho

So ganz abge­wi­chen wie gedacht, ist der Rei­sen­de vor­ges­tern doch nicht. Er geriet auf die Küs­ten­stre­cke des Camin­ho de Sant­ia­go. Heu­te hat er Cer­vei­ro ver­las­sen und folgt einem wun­der­ba­ren Fluss­rad­weg nach Valen­ça. Dort liegt die Gren­ze. Der Rio Min­ho und die Brü­cke Pon­te Inter­na­cio­nal Valen­ça-Tui ver­bin­den bei­de Grenzen.

Als die Brü­cke dort — Pon­te Inter­na­cio­nal Valen­ça-Tui — errich­tet wer­den soll­te, bewarb sich auch der berühm­te Archi­tekt Gust­ave Eif­fel 1881 mit einem Plan um die Aus­füh­rung. Die por­tu­gie­sisch-spa­ni­sche Kom­mis­si­on ent­schied sich für den Ent­wurf des Archi­tek­ten Pelayo Mance­bo y Ágre­da. Auf der ande­ren Sei­te liegt Tui. Der Rad­weg bis dort­hin ist flach und schat­tig. Er bie­tet einen tol­len Blick auf die Ber­ge. Die Län­ge beträgt etwa 18 Kilo­me­ter. Auch vie­le Möwen sor­gen hier mit ihren Rufen für Leben.

Besichtigung Valenças

Eine Besich­ti­gung Valen­ças lohnt sich, das der Rei­sen­de bis dahin noch nicht kann­te. Nur dem Namen nach: Als er den Flug­ha­fen in Por­to ver­ließ, unter­hielt er sich mit einer hüb­schen blon­den deut­schen Tou­ris­tin, um zu erfah­ren, wo es die­se wohl hin­zog. Zu sei­nem Erstau­nen woll­te sie nicht Por­to besich­ti­gen, son­dern mit dem Bus direkt nach Valen­ça fahren.

Und jetzt nach eini­gen Tagen auf dem Jakobs­weg mit dem Rad ist er selbst hier. Doch die Tou­ris­tin ist längst über alle Ber­ge. Er nimmt sich ein Zim­mer in einem Hotel in der Neu­stadt, direkt vor der impo­san­ten von einer Mau­er kom­plett umge­be­nen Fes­tungs­stadt. An der Rezep­ti­on wer­den sie ihn heu­te und mor­gen immer per­sön­lich mit “Bom dia, sen­hor Ben­ning” oder “Boa tar­de, sen­hor Ben­ning” grü­ßen. Die haben es drauf.

Valen­ça ist wesent­lich grö­ßer als Almei­da im Cen­tro de Por­tu­gal, obwohl sie nicht ein­mal 3500 Ein­woh­ner auf­weist. In Almei­da leben nicht ein­mal 1500. So dünn besie­delt ist es außer­halb der gro­ßen Städ­te. Wahr­schein­lich hängt der Ein­druck an der gro­ßen Zahl der Tou­ris­ten, von denen vie­le aus Spa­ni­en kom­men. Auf sie war­ten vie­le Restau­rants und Sou­ve­nir­lä­den in den Gas­sen. In denen bebt das Leben. Wer die Pon­te Inter­na­cio­nal Valen­ça-Tui am Min­ho über­schrei­tet, gelangt ins wesent­lich ruhi­ge­re Tui.

likeheartlaugh­terwowsadangry
0

Biennale in Cerveira und in Venedig

Bien­na­le in Cer­vei­ra und in Vene­dig: Gibt es die Bien­na­le nur in Vene­dig? Nein! Denn auch in der por­tu­gie­si­schen Klein­stadt Cer­vei­ra am schö­nen Río Min­ho gibt es eine: Bienal de Cer­vei­ra. Zwar zählt die zwi­schen Por­to und Vigo lie­gen­de „vila“ nur weni­ge tau­send Ein­woh­ner. Aber das heißt nicht, dass sie nicht zu bie­ten hat. Denn sie weist einer­seits ein Muse­um auf, eine Art Gale­rie in der win­zi­gen Alt­stadt. Ande­rer­seits exis­tiert ein sehr gro­ßes Kul­tur­fo­rum mit Aus­stel­lungs­sä­len. Um zur Stadt zu gelan­gen, muss­te der Rei­sen­de etli­che Hügel mit dem Rad über­win­den. Den Camin­ho Por­tu­guês von Por­to nach Sant­ia­go hat er für Kul­tur statt Natur kurz ver­las­sen. Mor­gen will er auf dem hof­fent­lich ange­neh­men Fluss­rad­weg am Rio Min­ho nach Valen­ça strampeln.

Oft ste­hen hin­ter Kul­tur­ange­bo­ten älte­re Herr­schaf­ten. Doch hier trifft man erfreu­lich vie­le jun­ge Frau­en und Män­ner aus Por­tu­gal und aus Spa­ni­en. Es kann also durch­aus was wach­sen! Hin­ter dem Eve­nemang steht natür­lich eine Stif­tung. Das Fes­ti­val gibt es schon seit vie­len Jah­ren. Dies wird sicht­bar an vie­len Kunst­wer­ken in der Stadt und den am Fluss ver­teil­ten Skulp­tu­ren. Künst­ler aus acht Natio­nen neh­men dar­an teil. 

Robert Schad, Picasso Deutschlands

Unter die­sen befin­det sich auch eine Skulp­tur des Künst­lers Robert Schad aus Ravens­burg. Schad ist es gelun­gen, unfass­bar vie­le Eisen­skulp­tu­ren über wei­te Tei­le Por­tu­gals zu ver­tei­len. Als ihn der Rei­sen­de gegen­über Gesprächs­part­nern auf der Bien­na­le als “Picas­so Deutsch­lands” bezeich­net, nickt so man­cher bestä­ti­gend. Sein Kata­log wur­de dem Rei­sen­den gezeigt. Schad nimmt in die­sem Jahr 2017 auch wie­der an der Bien­na­le teil.

Sei­ne ros­ti­gen Wer­ke erin­nern an Edu­ar­do Chil­li­dasTole­ranz durch Dia­log“ und an Richard Ser­ras “Dia­lo­gue with Johann Con­rad Schlaun”. Chil­li­das ros­ti­ge Bank steht dau­er­aus­ge­stellt im Innen­hof des Rat­hau­ses zu Müns­ter. Die Bezeich­nung betont Müns­ters Rol­le beim West­fä­li­schen Frie­den aus. Es ist sinn­vol­ler, mit Geg­nern zu spre­chen und zu ver­han­deln statt des Dia­log abzu­bre­chen. Ser­ras Werk, ein rost­ro­ter Metall­block, soll die Hoch­ach­tung vor dem genia­len baro­cken Bau­meis­ter Johann Con­rad Schlaun und der gro­ßen Dich­te­rin Annet­te von Dros­te- Hüls­hoff aus­drü­cken. Sie steht auf einer Allee des Rüsch­hau­ses vor den Toren Müns­ters, der Stadt der Skulp­tu­ren.

Schön ist der Spa­zier­gang durch die alte Fes­tung in Cer­vei­ra. Die Räu­me wer­den geschickt zur Prä­sen­ta­ti­on aus­ge­nutzt. Die­se Skulp­tur mit den Hän­den erin­nert den Rei­sen­den an die „100 Arme der Guan-yin“ auf dem Mari­en­platz in Müns­ter. Die­ser hier fällt aber klei­ner aus. Aber man kann auch nicht immer erwar­ten, etwas zu fin­den, das einen durch Inno­va­ti­on gera­de­zu über­wäl­tigt. Bien­na­le in Cer­vei­ra und in Vene­dig — ein Besuch der Aus­stel­lung ist wär­mes­tens zu empfehlen.

likeheartlaugh­terwowsadangry
0

Steiniger Jakobsweg um Bandeira

Stei­ni­ger Jakobs­weg um Band­ei­ra: So sieht der Camin­ho de Sant­ia­go von Por­to nach Sant­ia­go öfter aus. Mit Gepäck muss der Rei­sen­de dann oft schie­ben. Er kennt aber immer­hin fünf Freun­de in Bonn und in Müns­ter, die auch nicht auf­gä­ben. Ste­phan, zwei Chris­ti­ans, Hol­ger und Ulf.

Die Stre­cke heu­te ist deut­lich die anstren­gends­te. Dabei ist er die letz­ten fünf Kilo­me­ter par­al­lel zum Wan­der­weg auf der Land­stra­ße gera­delt. Dar­un­ter for­der­ten ihn auch neun Pro­zent Stei­gung her­aus. Der Pil­ger­weg selbst ist ab Band­ei­ra nur für Moun­tain­bi­ker ohne Gepäck zu bewäl­ti­gen. Das Rad müs­se stre­cken­wei­se auf den Schul­tern getra­gen wer­den, mun­kelt man. Der Anfang der Stre­cke hat unter Regen so stark gelit­ten, dass ein Stück abge­rutscht ist. Er ist jetzt gesperrt.

Das Erklim­men des Berg­gip­fels gegen Ende des Trips war hef­tig. Jetzt ruht er im Berg­dorf Rubiães. Die­ses ist abends deut­lich küh­ler als Pon­te de Lima im Tal. Die Wir­tin woll­te ihn gleich dazu nöti­gen, mit einem Shut­tle zu einem nahen Restau­rant zu fah­ren. Es tut ihm schreck­lich leid, dass ihr nun 10 % Pro­vi­si­on ent­ge­hen. Und sie woll­te nicht, dass er sein Rad direkt vor dem Zim­mer abstellt. Dabei liegt es eben­erdig im Hof. 

Es ist das ers­te und ein­zi­ge Mal auf der gesam­ten Tour, dass dem Rei­sen­den jemand so komisch kommt. Er setz­te sich trotz­dem gegen sie durch. Sicher­heit fürs Rad geht vor. Er ist schließ­lich auf das Fahr­zeug ange­wie­sen. Am nächs­ten Mor­gen hat sie sich wie­der beru­higt und ser­viert ein gutes Früh­stück. Wer weiß, was die Frau am Vor­tag plagte.

Der Blick vom Bal­kon ist ganz okay. Oder? Stei­ni­ger Jakobs­weg um Band­ei­ra, die Mühe hat sich gelohnt. Ein Pil­ger­weg ohne Lei­den wäre auch kein Pilgerweg.

likeheartlaugh­terwowsadangry
0

Fluss des Vergessens am Jakobsweg

Fluss des Ver­ges­sens am Jakobs­weg: Drei Tage hält sich der Rei­sen­de schon am Fluss des Ver­ges­sens in Pon­te de Lima auf. Ob er wirk­lich alles ver­gisst, stellt er wahr­schein­lich erst hin­ter der Orts­gren­ze fest. Pil­ge­rin Alex­an­dra hat ihn jeden­falls nicht ver­ges­sen. Denn sie schreibt ihm immer noch, obwohl sie die Klein­stadt seit drei Tagen ver­las­sen hat. So schlimm ist es also nicht.

Er hält die Erzäh­lung auch für eine List der Fein­de der Römer, um die Legio­nen am Vor­marsch über den Fluss Lima zu hin­dern. Am Ufer ste­hen ein paar bewaff­ne­te jun­ge Ker­le um die zwan­zig Jah­re mit unsi­che­ren Gesich­tern. Die Lan­ze eines Legio­närs ist sogar ver­bo­gen, als sei­en gera­de Aste­rix und Obelix vor­bei­ge­kom­men, um sich mit ihnen zu prü­geln. Auf der ande­ren Sei­te war­tet ihr Anfüh­rer zu Pfer­de, der vor­ge­rit­ten ist. Die Legio­nä­re wol­len erst durch den Fluss waten, sobald jeder ein­zel­ne von ihnen sei­nen Namen gehört hat. Eine hüb­sche Geschich­te zu einer ange­neh­men Klein­stadt, in der so eini­ge Pil­ger zwei Tage ihre Wun­den pflegen.

Die schönsten Frauen Portugals kommen aus dem Norden

Das Leben ist gemüt­lich. Das Bier ist bil­lig, die Men­schen hilfs­be­reit. Der Rei­sen­de hat sich in einem Han­del für 29 Cent fünf Schrau­ben besorgt, um wei­te­ren Ver­lus­ten auf der hol­pe­ri­gen Stre­cke die Stirn bie­ten zu kön­nen. Der Gepäck­trä­ger sitzt jeden­falls wie­der fest, wofür aller­dings der Fla­schen­hal­ter dar­an glau­ben muss­te. Wie gut, dass er mit zwei pas­sen­den Schrau­ben fixiert ist. Die Schuh­soh­le kleb­te ges­tern ein Schus­ter für einen Euro. 

In Pon­te de Lima gibt es auch ein schö­nes Muse­um mit sakra­ler Kunst. Abends bie­ten Bands leb­haf­te Kon­zer­te. Ges­tern trat ein Fado-Sän­ger auf, den der Rei­sen­de im Hotel­zim­mer bis drei Uhr nachts hör­te. Gestört es es über­haupt nicht. Denn er sang phan­tas­tisch. Und die Zuschau­er lach­ten viel, wes­halb es wohl auch lus­tig war. Unver­ges­sen ist auch die bild­hüb­sche Rezep­tio­nis­tin Ana im Hotel, deren Sprach­me­lo­die ein­fach phan­tas­tisch klang. Die­se erin­ner­te an die schwe­di­sche Art, beim Spre­chen fast zu Sin­gen — Sprech­ge­sang. Die schöns­ten Frau­en Por­tu­gals kom­men aus dem Nor­den. Das ist bekannt.

Ein­zi­ges Man­ko: Die Restau­rants bie­ten hier nur Dosen­fraß an, was unschwer am Foto in der Gale­rie zu erken­nen ist. Hal­be Dosen, gan­ze Dosen. Der Rei­sen­de will fri­schen por­tu­gie­si­schen Fisch, kei­ne Kon­ser­ven. Obwohl am Fluss des Ver­ges­sens am Jakobs­weg: Die­se Zustän­de hier wird der Rei­sen­de nie­mals vergessen.

likeheartlaugh­terwowsadangry
0

Internationales Flair auf dem Jakobsweg

Inter­na­tio­na­les Flair auf dem Jakobs­weg: Es ist auf­re­gend, wen der Rei­sen­de auf der Stre­cke des Camin­ho Por­tu­guês ken­nen­lernt. Ein­sam ist es nie. Dazu wan­dern zu vie­le Men­schen auf dem por­tu­gie­si­schen Jakobs­weg von Por­to nach Sant­ia­go de Com­pos­te­la. Die Stre­cke ist 235 Kilo­me­ter lang. Nach einer offi­zi­el­len Sta­tis­tik des Pil­ger­bü­ros waren auf den bei­den por­tu­gie­si­schen Jakobs­we­gen an der Küs­te und im Bin­nen­land zusam­men in den Jah­ren 2018 und 2019 fast 95000 Men­schen unterwegs.

Quel­le: https://jakobsweg-lebensweg.de/pilgerstatistik/

Jedem steht es frei, sich zu ent­schei­den, ob man allei­ne wan­dern will oder zu meh­re­ren. Manch­mal ist es aller­dings schö­ner, die Land­schaft still für sich zu genie­ßen. Denn wer viel beim Wan­dern redet, kann auch viel übersehen.

Die Mehr­heit stel­len in die­sen Tagen Deut­sche und Spa­ni­er. Am Wochen­en­de gesel­len sich dann Por­tu­gie­sen dazu. Aber auch Asia­ten wie eine Usbe­kin, die der Rei­sen­de in Gemein­schaft am Mit­tags­tisch mit zwei Dänen und einer Deut­schen traf. Sie sprach flie­ßend Deutsch. So dach­te der Rei­sen­de auf­grund des Akzents, dass sie in Süd­deutsch­land auf­ge­wach­sen wäre.

Einladung zum Steakessen

Als er am Vor­abend einen Schlaf­platz such­te, stieß er an einem Feld­weg auf zwei Fran­zö­sin­nen. Die­se aßen vor dem Gemein­schafts­haus eines Hos­tals. Eine gute Gele­gen­heit, mal wie­der Fran­zö­sisch zu spre­chen. Dies war nach Tagen auf Spa­nisch, Eng­lisch und etwas Por­tu­gie­sisch anstren­gend. Aber immer noch natür­li­cher als jeder Kon­ver­sa­ti­ons­kurs an der Volks­hoch­schu­le. Einen Besit­zer gab es nicht.

Bei­de Damen arran­gier­ten nach Abspra­che mit ande­ren Bewoh­nern einen Zelt­platz auf dem Gelän­de. Wahr­schein­lich war der Rad­ler der ers­te Cam­per hier, da eigent­lich nur Zim­mer ver­mie­tet wur­den. Eine Dusche aller­dings boten sie ihm nicht in ihrer Hüt­te an. Da prä­sen­tie­ren sich Nor­we­ger, Schwe­den, Dänen und Por­tu­gie­sen gast­freund­li­cher. Er bespritz­te sich statt­des­sen mit einem auf dem Gelän­de lie­gen­den Gar­ten­schlauch — eiskalt.

Anschlie­ßend luden ihn Iri­neo und sei­ne Frau — aus Sin­tra — zum Abend­essen ein. Es gab frisch gegrill­tes Steak mit Chips, Salat und Bier. Die bei­den Por­tu­gie­sen gin­gen davon aus, dass ihr Gast hung­rig sein muss­te. Dabei war er nur 21 Kilo­me­ter auf einem zum Teil aller­dings holp­ri­gen Weg in der Umge­bung von Pon­te de Lima nach Rubiães gefah­ren. Dank­bar schlief er ange­sichts des guten Essens im Zelt ein. Über ihm wölb­te sich der kla­re Ster­nen­him­mel. Zir­pen­de Gril­len beglei­te­ten ihn in den tie­fen Schlaf. Mor­gen geht es wei­ter nach Cer­vei­ra am schö­nen Río Min­ho. Hof­fent­lich gibt es auch wei­ter viel inter­na­tio­na­les Flair auf dem Jakobsweg.

likeheartlaugh­terwowsadangry
0

Radpilgern von Porto nach Barcelos

Rad­pil­gern von Por­to nach Bar­ce­los: Wäre der Rei­sen­de zu Fuß auf dem por­tu­gie­si­schen Pil­ger­weg unter­wegs, er wür­de jetzt erschöpft in einer nahen Her­ber­ge vor Por­to schla­fen. Denn ers­te Etap­pe auf der Rad­rei­se durch Nord­por­tu­gal führt lan­ge durch Por­to. Es geht über­wie­gend an der Stra­ße ent­lang. Als Wan­de­rer wür­de er mit dem Bus aus der Stadt bis an deren Gren­ze fah­ren. Bei Morei­ra sah er die ers­ten Pil­ger und war erleich­tert, auf dem rich­ti­gen Weg zu sein. Mit dem gpx-Track auf dem Navi folg­te er unge­fähr der Stre­cke durch die Stadt. Das war ange­sichts des Ver­kehrs nicht immer einfach.

Ähn­lich wie der erschöp­fen­de Start vom Flug­ha­fen aus: Er woll­te zuerst den zuvor im Netz gebuch­ten Ryan­air-Bus neh­men. Doch der war nir­gend­wo zu fin­den. Leu­te vor Ort erklär­ten ihm, dass die­ser kei­nen fes­ten Platz hät­te und auch nicht län­ger an einer Hal­te­stel­le ver­wei­le. Die Buchungs­ge­bühr war also für die Katz’. 

Elende Schlepperei

So ent­schloss er sich, die Stra­ßen­bahn zum Hotel neh­men. Die Stre­cke erwies sich als elen­de Schlep­pe­rei inklu­si­ve Umstei­gen. Velo-Tasche mit Rad, Pack­ta­schen, Schlaf­sack und Zelt wogen mit der Zeit immer mehr. Ein Klotz am Bein. Dann hielt die Stra­ßen­bahn auch nicht direkt vorm Hotel. Dies erfor­der­te eini­ges Hin- und Her­zu­ckeln an der Ave­ni­da das Liber­dades. Dann sah er doch noch das Hotel­schild. Zum guten Ende lag die Rezep­ti­on aus­ge­rech­net im ers­ten Stock — ohne Auf­zug. In zwei Gän­gen schlepp­te er alles herauf. 

Beim nächs­ten Mal wür­de er einen Shut­tle-Ser­vice bei der Hotel­bu­chung dazu­neh­men, bei dem der Fah­rer auch auf den Pas­sa­gier war­tet. Die­ser ist mit sie­ben bis 14 Euro nicht zu teu­er. So erleich­tert sich jeder den Ein­stieg in Wochen der Medi­ta­ti­on auf dem Camin­ho Português.

Erschöpft bau­te er das Rad zusam­men, konn­te wenigs­tens dabei durch eine lau­fen­de TV-Sen­dung erfah­ren, was sich aktu­ell in Por­tu­gal so tut. Dabei stell­te er fest, dass sich das Schalt­werk offen­bar auf dem Flug ein wenig ver­bo­gen hat­te. Ganz kom­for­ta­bles Radeln schien ihm unmög­lich. Am nächs­ten Tag fand er in Vila Nova de Gaia das Geschäft Ond­aBike Shop. Der freund­li­che Chef unter­such­te das Moun­tain­bike. Er befand das Schalt­werk für fahr­tüch­tig. Dafür repa­rier­te er dann ande­re Sachen.

Tag 1 auf dem Caminho Português 

Am nächs­ten Mor­gen ging es dann schon auf dem Jakobs­weg zur Stadt­gren­ze. Von dort an bes­sert sich die Situa­ti­on erheb­lich. Für Rad­ler ist es gera­de­zu bequem. Denn über fla­ches Land geht es auf Bau­ern­we­gen und Land­stra­ßen wei­ter. Hier und da kom­men auch Feld- und Forst­we­ge dazu. Das ers­te Etap­pen­ziel für Pil­ger — Vilar­in­ho — ist schnell erreicht. Doch in der Her­ber­ge woll­te er nicht blei­ben. Dafür war es noch zu früh.

Die 54 Kilo­me­ter Stre­cke nach Bar­ce­los ist ins­ge­samt nett. Aber sie ist nicht spek­ta­ku­lär. Schö­ner wird sie direkt um Bar­ce­los, führt sie doch leicht auf und ab durch eine Hügel­land­schaft. Hät­te er nicht noch eine Unter­kunft suchen müs­sen, hät­te er die Gegend wahr­schein­lich mehr genos­sen. Denn die Dun­kel­heit brach her­ein. Aber er fand er noch ein klei­nes Hotel in der Nähe des die Klein­stadt kreu­zen­den Flus­ses. So muss der Rei­sen­de sich nicht gleich in der ers­ten Nacht beim Rad­pil­gern von Por­to nach Bar­ce­los auf eine Bank legen und mit Zei­tungs­pa­pier bedecken.

likeheartlaugh­terwowsadangry
0