Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Endlich: mein erster galizischer Dolmen. Pedra da Arca liegt sehr freundlich direkt an der Strecke in einem schönen Wald. Endlich mal muss ich nicht fünf Kilometer in eine Art Einbahnstraße fahren, um eine Sehenswürdigkeit zu besichtigen. Damit bin ich zum zweiten Mal heute sehr glücklich. Im nahen Ort Malpica halfen mir sage und schreibe sechs Leute dabei, einen winzigen Dorn zu finden, der mir seit zwei Tagen einen Schleichplatten beschert. Ein Paar parkte vor dem Café, stellte die Warnblinkanlage an. Dort frühstückte ich und suchte zugleich den Dorn. Er legte mir Flickzeug hin, holte einen Eimer mit Wasser und suchte nach weiteren Löchern. Sie sah sich konzentriert den Mantel an und fand auch etwas, was hoffentlich der Dorn war. Ein Mädel vom Nebentisch reichte unaufgefordert eine Pinzette. Die anderen gaben gute Ratschläge. Ein Gast übernahm einen Kaffee und der berühmte Dichter Andrés Mourente Castro stellte sich mir vor. Er habe bereits vier Theaterstücke geschrieben. Das ist jetzt Galizien für mich. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich letzte Nacht mein Zelt zwischen einer Kapelle und dem Friedhof von Mens aufgebaut hatte. Die Toten segneten meine Pilgerreise. Und einen Tag später hält der Schlauch noch immer. Die sich gerade wieder an der Küste fortsetzt.

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Nach einem traumhaften Schlaf im Zelt – das Meer rauschte und versenkte mich in einen tiefen Schlaf bis 10 Uhr – sehe ich jetzt erstmals das offene Meer an der galizischen Küste. Davor sah ich nur die Fjorde. Das Ende der Welt – Finisterre – ist nicht mehr fern. Finisterre gilt sogar als wichtiger als Santiago de Compostela selbst. Warum das so ist, bekomme ich dort bestimmt noch heraus.

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Der Rio Minho bildet eine natürliche Grenze zwischen Portugal und Spanien. Eine von Gustave Eiffel geplante Eisenbahnbrücke verbindet beide Länder – bekannt als internationale Brücke. Portugal habe ich gestern etwas wehmütig verlassen, da ich fast immer freundlich behandelt wurde. Angefangen vom Fahrradhändler in Porto, dann aufmunterndes Lächeln an heftigen Steigungen bis hin zum besorgten Umdrehen von Spaziergängern, ob alles in Ordnung sei. Es war oft auch friedlich auf den Straßen. Die Leute hupen wenig.


Insofern kann ich nicht nachvollziehen, warum der dpa-Autor im SPIEGEL – dpa-Artikel Caminho portugues – all dies überhaupt nicht einbezieht, teilweise Dinge falsch benennt. In den sieben Jahren seit Erscheinen des Artikels kann sich nicht viel verändert haben. Denn trotz der Schönheit mancher Etappen gibt es auch Schattenseiten. Das Verkehrsaufkommen ist zum Teil hoch. Die Pilger laufen oft an der Straße entlang, daher viel auf Asphalt, was anstrengend ist. Von der Nähe der Autobahn und des riesigen Industriegebietes zwischen O Porriño und Tui spricht er gar nicht. Manche Steigungen sind auch enorm.


Der dpa-Autor lobt den Caminho portugues aber so überschwänglich, dass man befürchten muss, dass er ein Pressedossier gekürzt widergibt. Das nennt man „kalt schreiben“, was die Gefahr beinhaltet, falsche Erwartungen zu erwecken. Wir brauchen Reporter vor Ort! Er ist schön, denn ab dem Rio Miño laufen die Pilger auf eine an Norwegen erinnernde Fjordlandschaft zu.

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

So ganz abgewichen wie gedacht, bin ich vorgestern doch nicht. Ich geriet auf die Küstenstrecke des Caminho de Santiago. Heute habe ich Cerveiro verlassen und bin einem wunderbaren Flussradweg nach Valença an der Grenze gefolgt. Er war flach, schattig, bot einen tollen Blick auf die Berge und auf den Rio Minho. Länge: etwa 18 Kilometer. Auch viele Möwen siedeln hier.

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Gibt es die Biennale nur in Venedig? Nein. Auch in der portugiesischen Kleinstadt Cerveira am schönen Río Minho gibt es eine.

Zwar zählt die zwischen Porto und Vigo liegende „vila“ nur wenige tausend Einwohner. Aber dafür gibt es ein Museum, eine Art Galerie in der winzigen Altstadt und ein sehr großes Kulturforum mit Ausstellungssälen. Um hinzukommen, musste ich etliche Hügel mit dem Rad überwinden.

Den Jakobsweg habe ich dafür kurz verlassen, kann dafür aber morgen auf dem hoffentlich angenehmen Flussradweg am Rio Minho nach Valença strampeln.

Oft stehen hinter Kulturangeboten ältere Herrschaften; doch hier trifft man erfreulich viele junge Frauen und Männer aus Portugal und aus Spanien. Es kann also durchaus was wachsen! Dahinter steht natürlich eine Stiftung.

Das Festival gibt es schon seit vielen Jahren, sichtbar an in der Stadt und am Fluss verteilten Skulpturen. Künstler aus acht Nationen nehmen daran teil.

Unter diesen befindet sich auch eine des Künstlers Robert Schad aus Ravensburg, der unfassbar viele Eisenskulpturen über weite Teile des Landes verteilt hat – fast schon der Picasso Deutschlands.

Der Katalog wurde mir gestern gezeigt. Schad nimmt in diesem Jahr auch an der Biennale teil.

Mich erinnern seine rostigen Werke an Eduardo Chillidas „Toleranz durch Dialog“ und Richard Serras Verneigung vor dem genialen barocken Baumeister Johann Conrad Schlaun und der großen Dichterin Annette von Droste- Hülshoff. Diese Skulpturen stehen dauerausgestellt sowohl im Innenhof des Rathauses zu Münster als auch auf der Allee des Rüschhauses vor den Toren Münsters, der Stadt der Skulpturen.

Besonders beeindruckt der Spaziergang durch die alte Festung. Die Räume werden geschickt zur Präsentation genutzt.

Mehr über die Werke vieler renommierter Künstler erfahren Sie in meinem gerade erschienenen Buch: „Münster Stadt der Skulpturen“ Ich habe mehrere Routen zwischen 5 und 13 Kilometern ausgearbeitet, die Sie über einen Barcode auf dem Smartphone erfassen können. Zu Fuß oder per Rad warten einige Überraschungen auf Sie, die weit über das bis Anfang Oktober laufende Skulptur-Projekt hinausgehen.

Diese Skulptur mit den Händen erinnert mich ebenfalls an die „100 Arme der Guan-yin“ auf dem Marienplatz in Münster, wenn auch diese hier kleiner ausfällt. Aber man kann schließlich auch nicht immer erwarten, etwas zu finden, das einen durch seine Innovation geradezu überwältigt.

Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

So sieht der Caminho de Santiago öfter aus. Mit Gepäck muß ich dann oft schieben. Ich kenne aber immerhin vier Freunde in Bonn und in Münster, die auch nicht aufgäben. Die Strecke heute ist deutlich die anstrengendste, obwohl ich die letzten fünf Kilometer parallel zum Wanderweg auf der Landstraße geradelt bin. Darunter waren auch neun Prozent Steigung. Der Pilgerweg selbst ist ab Bandeira nur für Mountainbikefahrer ohne Gepäck zu bewältigen. Das Rad muss streckenweise auf den Schultern getragen werden, munkelt man.

Das Erklimmen des Berggipfels gegen Ende des Trips war heftig. Jetzt ruhe ich im Bergdorf Rubiães, das abends deutlich kühler ist als Ponte de Lima im Tal. Die Wirtin wollte mich gleich dazu nötigen, mit einem Shuttle zu einem nahen Restaurant zu fahren. Es tut mir sehr leid, dass ihr nun 10 % Provision entgehen.

Der Blick vom Balkon ist ganz okay. Oder?