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Unterwegs am Meer und im Hinterland Portugals

Einsame Leuchttürme, endlose Strände, auf Felswänden herumkletternde Muschelsammler, dekorative Meeresbuchten – die Westküste der Iberischen Halbinsel zählt zu den schönsten Portugals und Spaniens. Aveiro selbst, das die Zeitung “La Voz de Galicia” vorstellt, kenne ich noch nicht. Aber wenn man sich die Fotos anschaut, scheint es eine hübsche Stadt zu sein, in der die Boote sehr an Venedig erinnern.

Von Nordportugal kenne ich das Hinterland an der Küste, bin ich doch dort auf dem Jakobsweg geradelt. Vom Meer bekommt man dort bis auf gelegentlich stärkeren Wind wenig mit. Das Profil ist erst mal von Porto über Barcelos und Ponte de Lima bis zur alten Festungsstadt Valença an der Grenze zu Spanien flach bis hügelig.

Da dort Pilger unterwegs sind, finden Alleinreisende immer wieder nette Gesellschaft. Jeder kann sich frei entscheiden, ob er oder sie die Ruhe dort für sich alleine genießen oder sich einer Wandergruppe anschließen will. Da mit dem Rad unterwegs, ist man viel leichter in der Lage, sich die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung anzusehen und trifft die netten Wanderer von heute mittag in der Dorfbar oder bei einem der vielen Feste in den Kleinstädten wieder, um sich dann gegenseitig von den Ereignissen des Tages zu berichten. Wie etwa von den hübsch bemalten Hühnern aus Holz in Barcelos, der Hahn ist Wahrzeichen Portugals, oder dem der Kunst gewidmeten und dadurch beeindruckenden Ort Cerveira. Über die sozialen Medien kann man sich ohnehin schnell miteinander anfreunden und ist so gut unterrichtet, wo sich eine nette Gefährtin gerade herumtreibt.

Also braucht sich hier kein Individualreisender vor Einsamkeit zu fürchten und muss sich erst recht nicht wie bei teuer bezahlten Gruppenreisen wie ein Esel an der Leine herumführen lassen.

Aktiv in Aveiro

Portugal wirbt um 2,3 Millionen Rückkehrer

Im Ausland lebende Portugiesen will die Regierung zurücklocken – bei gut 2,3 Millionen ist das natürlich ein großes Potential. Sie sollen bei der Modernisierung des Landes anpacken und den Bevölkerungsschwund stoppen.

Bei meinen Reisen treffe ich vor allem in den kleinen Städten und Dörfern Rückkehrer aus dem Ausland an.

Die spektakulärste Begegnung ergab sich in Almeida in Zentralportugal. Nachdem ich mir die alte Festungsstadt angesehen hatte, an der sich Napoleon bei seinen Europa unterjochenden Kriegszügen eine Zeitlang beinahe die Zähne ausgebrochen hätte, radelte ich durch die Neustadt. Der Wind wirbelte Sand auf, der zwischen sicher 20 Wellblechhütten angehäuft war. Er bewegte auch eine Tür dazu, sich quietschend hin und her zu bewegen. “Diese wie in einem Westernfilm aussehende Siedlung muss ich mir ansehen”, dachte ich mir und radelte langsam zwischen den Häusern entlang. An den Fassaden platzte Metall ab, Rost war sichtbar, manche waren verlassen. Schuhe, Schutt und einen Kühlschrank enthielt eines der verlassenen Gebäude.

Aber vor einigen Häusern gab es auch kleine Vorgärten. Eine Frau kam heraus und goss ihre Blumen. Eine gute Möglichkeit, hier mal mit jemandem zu sprechen, der mir etwas über diese merkwürdige Siedlung erzählen konnte. Die gut 50 Jahre alte Frau arbeitet als Köchin in einem Restaurant in einem Nachbarort. Ich darf auch einen Blick von der Haustür ins das Haus werfen, das sorgsam eingerichtet ist. Zu sehen sind Bilder ihrer Familie im Wohnzimmer, Flaschen mit Wein und Öl in der Küche – überhaupt nicht elend. In der Zwischenzeit sammeln sich vor der Tür Frauen und beginnen munter, sich miteinander zu unterhalten. Meine neue Bekannte schließt sich an und so beschließe ich, nach Castelo Rodrigo zurückzukehren. Im Gegensatz zum auf einer Hochebene liegenden Almeida liegt Castelo Rodrigo hoch auf einem steil ansteigenden Berg. Ich frage meine Gastgeberin, ob sie die Wellblechsiedlung kenne. Natürlich! Dort lebten Rückkehrer aus Brasilien. Die Häuser habe damals ein Unternehmen aus der DDR errichtet.

Einen kurzen Film über die Gegend habe ich auf meinem YouTube-Kanal laufen. Er dokumentiert meine Reise durch die Serra da Estrela, über die ich demnächst einen Kulturreiseführer herausgegebe.

Durchstreifen & Erleben auf YouTube

Wer sich für das Rückkehrprogramm interessiert, sollte hier nachschauen.

Portugal wirbt um Rückkehrer