Urlaub der Extreme

Eine ganz andere Perspektive erhältst Du, wenn du im Urlaub ein Land nach geographischen Punkten erkundest. Geographen vorwärts!

Nach der Zeitung „La Voz de Galicia“ gibt es in Spanien so einige interessante geographische Punkte. Ich persönlich habe mit dem Ort Tarifa jetzt endlich eine Eselsbrücke für die Grenze zwischen Atlantik und Mittelmeer gefunden, denn ich konnte mir das bisher nie merken. In Tarifa ist mir bei einer meiner Radwanderungen vor allem der wahnsinnige Wind am Strand aufgefallen, weshalb die Gegend besonders Surfern gefällt.

Hingegen gilt Estaca de Bares in der Provinz A Coruña als Ort, wo der Atlantik vom kantabrischen Meer getrennt wird. Dort liegt ebenfalls der nördlichste Punkt der Iberischen Halbinsel mit schöner Steilküste, die zugleich Lebensraum und Durchzugsgebiet von Zugvögeln ist.

Hingegen war mir aber schon beim Urlaub auf der Kanareninsel El Hierro bewusst, dass ich mich an der Punta de la Orchilla am westlichsten Punkt Spaniens befand. Vor 1492 habe man geglaubt, dass sich dort der westlichste Punkt der Erde befand, schreibt „La Voz“.

Und an welchen Punkten ergibt sich die längste Strecke zwischen Westen und Osten der Halbinsel? Den östlichen Punkt bildet der Cabo de Creus bei Gerona, wo es einen spektakulären Naturpark gibt. Im Westen hingegen liegt der Cabo Fisterra das Gegenüber, der auch Ziel der Jakobspilger ist, die auch etwas von der beeindruckenden Steilküste sehen wollen, von der ein Teil sogar als Todesküste bezeichnet wird. Unter Seefahrern gilt diese Küste als gefährlich. Viel Spaß beim Durchstreifen und Erleben.

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Einzigartige geographische Ziele in Spanien

Perfekt getarnt Radpilgern auf dem Jakobsweg

Wer will noch kommen? Dann wirst Du in den nächsten Tagen den zauberhaften Rio Douro kennenlernen. Gut 50 Kilometer radele ich jetzt durch Kastilien-León, dann biege ich Richtung Porto ab.

Der Camino wird trotz Schotters einfacher, denn meistens ist das Gelände flach. Jeder hätte gute Chancen, hier zu überleben. 😊 Denn das Wetter ist kühl, für uns Deutsche Spätsommer. Viel trinken muss ich also nicht.

Mein Rad ist ockerfarben. Das liegt am Staub. So passe ich mich der Umgebung an, perfekte Adaptation. Selbst manche Häuser sehen hier so aus. Sie wurden vor gut 100 Jahren aus Lehm erbaut, enthalten Steinchen. Der untere Rand ist noch gemauert. Holzbalken tragen die Last. Vernünftig restauriert könnten sie sogar eine Touristenattraktion sein entlang der Via de la Plata, der von Sevilla nach Santiago de Compostela führt. Aber die Spanier lassen sie offenbar nach und nach verfallen, obwohl sie gut zur Identifikation mit der Region beitragen

Erbarmungslos Auf dem Jakobsweg

Welch eine abwechslungsreiche Landschaft zwischen Mombuey und Ollosa de Tera in Kastilien und León. Heute mittag streifte ich noch auf einer Mountainbikeroute um Mombuey herum. Dort ist es sehr trocken. Nur die dicken schweren glänzenden Quarzsteine erhellen die Stimmung. Heidekraut: hart und kratzig. Sonne: grell. Luft: herbstlich kühl. Große Bäume liegen am Boden, hinweggefegt von einem Sturm im Juni. Sie versperren den Singletrail, weshalb ich zwischen Felsen radeln muss, die wie Termitenbauten emporragen. Ein Paar aus Madrid streift traurig durchs trockene Flussbett des Rio Negro. Der Name kommt wohl nicht von ungefähr. Sie laden mich zu einem Kaffee ein.

Am späten Nachmittag treffe ich auf kühles Nass. Der Rio Tera kreuzt wieder meinen Weg, dem ich bereits in der Nähe der Lagune der Fische begegnet bin. Hier – Ollosa de Tera – wird er gestaut. In der Herberge in Mombuey gibt es übrigens keine Bettwanzen – chinchos. Pilger in der Herberge von Campobeceros hatten das behauptet. Wer also von Sevilla heraufkommt, kann sich dort beruhigt niederlassen.

Lagune der Fische Auf 1.800 Metern auf dem Jakobsweg

Heute kam ich unserem Herrn sehr nahe auf einer der Königsetappen, die Kastilien-León zu bieten hat. Auf 17 Kilometern schraubte ich mich herauf auf 1.800 Meter, zweifellos eine der schönsten Strecken, die ich auf dem Jakobsweg erleben durfte.

Sie liegt gut sieben Kilometer von Puente de Sanabria entfernt. Es ist ein Genuss, erst zum größten eiszeitlichen See Spaniens zu radeln, zum Lago de Sanabria, und dann weiter zur Laguna des los Peces.

Daher habe ich auf solchen Strecken nie das Gefühl: Hoffentlich ist es bald vorbei. Genau das Gegenteil. Genieße es! Ich muss nur zusehen, gut zu trinken, zwischendurch einen Apfel zu essen, damit ich immer über Energie verfüge. Der Sattel ist auch entscheidend. Ich fahre mit einem neuen SQL und bin sehr zufrieden.

Ebenso über die verlegenen Blicke der Typen dort oben, vor ihren Mädels, in blütenweißen Blusen, wahrscheinlich auch mit Krawatte und Bügelfalten morgens im Büro sowie ein Ass am Gas.

Aber für diese 17 Kilometer lange Steigung brauchen sie bestimmt einen Defillibrator nach den ersten drei Kilometern. Mein Herz klopft stark, aber nie übermäßig.

Auf 1.100 Höhenmetern auf dem Jakobsweg

Viele Grüße aus zunächst 676 Metern Höhe auf dem Jakobsweg von Laza nach Verín, auch als Karnevalshochburgen bekannt. Die Schlammschlachten sind legendär. Die Via da Prata, der Silberweg, führt jetzt in Richtung Zamora. Im nächsten Jahr ist schon eine ähnliche Tour geplant. Wer mitradeln will, sollte schon anfangen zu trainieren. Sonst ist die Überlebenschance geringer als ein Sechser im Lotto. Jetzt sind es 938 Meter geworden. Gerade in Cerdedelo eingetroffen, wo sich ein Einwohner auf mich stürzte. Er vermisse Düsseldorf, wo er 25 Jahre gelebt habe. Seine Tochter arbeite beim Arbeitsamt in Madrid, sein Sohn als Polizist in Ourense. Ich hoffe, der Jakobspilger war nicht einer der letzten seiner Art, der diesen wunderschönen Gebirgspass heraufradeln durfte. Denn es entsteht gerade eine Schnellstraße mit Tunnel, die angeblich Galizien besser an Madrid anbinden soll. Da sehe ich schwarz für die Gegend. Hier hat es gebrannt. Ich roch noch die Asche. Es ging noch hinauf auf 1.100 Meter. Gestartet bin ich auf 882 Metern, dann ging auf 465 Meter herunter und schließlich wieder herauf.

Allariz, schönste Kleinstadt am Jakobsweg

Fast schon kitschig, oder? Eine römische Brücke in Allariz auf dem Jakobsweg. Allariz gilt als schönste Kleinstadt Galiziens, liegt in der Nähe von Ourense an der spanisch-portugiesischen Grenze. Die Via de la plata führt von Sevilla nach Santiago de Compostela. Sie ist ihrer malerischen Gassen und der schönen Lage am Fluss wirklich einen Besuch wert.

Mehr dazu in meinem kommenden Radreiseführer durch Galizien, das ich sehr akribisch abgearbeitet habe.

Feuer und Wasser Auf dem Jakobsweg

Feuer und Wasser habe ich endgültig überwunden. Neulich saß ich noch verzweifelt auf der Thermarestmatte in der Heide, zitterte vor Kälte, weil es in Strömen regnete. Das Wasser floss auf den Schlauch und in den Reifen, während Ihr wahrscheinlich gerade gemütlich auf dem Sofa vor dem Fernseher das dritte Pils gezischt habt. Ich musste irgendwie das Loch zukleben. Bei Regen ist das eine Herausforderung, noch dazu mit zitternden Händen. Im zweiten Anlauf gelang es mir. Und es hielt sogar, obwohl direkt daneben ein Altflicken saß. Währenddessen wurde es immer schlammiger auf dem Jakobsweg. Knietiefe Wasserlöcher, feuchter Sand, glitschige Steine – der Pilgerpfad verwandelte sich in einen Morast.

Da ich mit diesem Schlauch wohl keine weiteren Fahrten bestreiten konnte, entschloss ich mich, nach Lalín zurückzuradeln, mein Rad nach 2.000 Kilometern am nächsten Tag zu überholen und doch noch das schöne Marionettenmuseum zu besuchen. Lalín liegt auf dem Jakobsweg und bietet eine neue Herberge zum Übernachten an. Mit einer neuen Kette, Zahnkranz und neuen Brems- und Schaltzügen geht es morgen 300 Kilometer weiter ab Ourense erst einmal Richtung Salamanca. Das Wetter ist wieder sommerlich, wenngleich sich der Nebel erst mittags verzieht.

Heute legte ich einen Ruhetag ein und besuchte nach dem Frühstück eine Therme am Rio Miño. Ourense ist für die Thermen berühmt. Für 7.20 € konnte ich mich dort wunderbar drei Stunden in gut zehn unterschiedlich temperierten Becken entspannen. Die Beine sind aber immer noch angespannt. Vielleicht merke ich morgen mehr nach einem erholsamen Schlaf.

Jedermannsrecht aufs Thermalbad

Jeder Bürger der galizischen Stadt Ourense hat das Recht auf ein Thermalbad. Idyllisch am Río Miño sprudeln warme Quellen aus Mutter Erde, aber auch im Stadtzentrum. Entspannung zum Nulltarif.

Der Jakobspilger mag es aber luxuriös mit Massage und Sauna und radelt einige Meter weiter. Dort kann man sich in einer Therme verwöhnen lassen. Der Eintritt kostet 5.50 €. Leider warteten dort allerdings gut 100 weitere Menschen darauf, hereingelassen zu werden. Das muss nicht unbedingt sein. Morgen früh starte ich einen neuen Versuch.

Auf dem Jakobsweg Galizische Landidylle

Eine wunderschöne, aber auch anstrengende Etappe liegt hinter mir von Vilalba nach A Lagoa in der Provinz Lugo. Der Weg ist zum Teil etwas holprig, da Steine im Weg liegen. Bei Steigungen muss ich schon meine Pferdestärken erhöhen, um das gut 35 Kilo schwere Rad auf den nächsten Stein zu bugsieren und dann wieder den nächsten Stein. Stufe für Stufe. Dafür entschädigen aber die Ruhe, wenig bis gar kein Autoverkehr und immer mal wieder netten Gesprächen mit den galizischen Bauern. Diese unterbrechen ihre Arbeit gerne für einen Plausch mit dem vorbeiziehenden Jakobspilger. Der eine zeigte mir seine 18 Hühner, die den Fuchs fürchten müssen, seine drei Schweine und acht Kühe. Der andere, Abél, zeigte mir seinen alten Waschtrog aus Stein, in dem sich vor über hundert Jahren seine Familie wusch.

Auf dem Jakobsweg Premiumradweg entdeckt

Ein echtes Highlight für Jakobspilger ist der Gebirgspass auf 600 Metern von Mondoñedo in Galizien nach Abadin. Einzig ein Café fehlte auf der gut 18 Kilometer langen Strecke. Dafür sind aber viele nette Pilger unterwegs wie meine neuen französischen Freunde Agathe, Melissa, Elias und Florian, mit denen ich gestern noch vor der Kirche von Vilanova gepicknickt hatte.