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Tap-tap-tap

Jetzt hat auch die “Washington Post” die Jakobswege in Spanien entdeckt, nörgelt jedoch meines Erachtens etwas zu sehr darüber. Das kann daran liegen, dass die Autorin Jeanine Barone noch nie dort gepilgert ist.

Ich bin bereits auf vier verschiedenen Routen unterwegs gewesen: auf dem Küstenweg, auf dem französischen Weg sowie dem Silberweg und kürzlich noch dem portugiesischen Weg. Daher konnte ich dchon reichlich Erfahrung sammeln.

Lediglich dem Argument, dass es recht viel an der Straße entlanggeht, kann ich zustimmen.

“But despite its popularity, the Camino Frances isn’t uniformly picturesque. Most of the age-old trail meanders through unremarkable farmland or beside busy paved roads or even heavily trafficked highways.”

Mir tun die Pilger oft auf dem französischen Weg leid, weil es sehr anstrengend ist. Für Radfahrer hingegen ist es dann natürlich ideal, denn es geht auf dem Asphalt natürlich schneller. Allerdings wird es dort auch recht heiß. Ich habe auch schon aufgeweichtem Asphalt ausweichen müssen. Es empfiehlt sich, mit Hilfe eines Navis den großen Straßen auszuweichen und auf kleinere und von Bäumen beschattete Wege zu gehen.

Gerade im Umkreis großer Städte wie Pamplona, Burgos, Santiago de Compostela und Porto sind die Wege doch unmöglich angelegt; selbst noch bei kleineren wie Tui läuft man mehrere Stunden am Verkehr vorbei. Ich war wirklich froh, zu radeln, würde als Wanderer eher den Bus bis aufs Land nehmen und mir so 20 Kilometer Laufen auf Asphalt ersparen. In vielen Wanderführern wird Asphalt oft verschwiegen.

Nie und nimmer würde ich dort im Hochsommer unterwegs sein wollen. Denn es ist auch nicht immer einfach, sich mit Wasser zu versorgen, obwohl die Menschen in den Bars und Privathäusern sehr hilfsbereit sind. Wie oft kippten mir Barkeeper noch Eis in die Flaschen oder rannten Bewohner in die Küche, um zu helfen. Sie sorgen sich, dass Pilger einen Hitzschlag erleiden. Ich habe auch schon von Polizisten gehört, die Wanderer in den Streifenwagen setzten, damit sie sich mit Hilfe der Klimaanlage wieder abkühlen konnten.

Auch die Pilger selbst sind oft hilfsbereit. Ich lernte auf dem portugiesischen Weg zum Beispiel sehr nette mehrsprachige Franzosen kennen, mit denen ich mehrere Stunden unterwegs war und noch heute dank Facebook Kontakt halte. Wir übernachteten gemeinsam in einer Herberge. Sie schoben mein schweres Rad mit an einer steilen Stelle in einem Wald. Auf einem Platz vor einer Kathedrale picknickten wir zusammen. Es war ihnen sehr wichtig, die Mahlzeit mit mir zu teilen. Zum Glück hatte ich selbst auch guten Käse dabei.

Die Massen der 320 000 Menschen, die 2018 in Spanien unterwegs waren, empfand ich nie als belastend, sondern eher als Bereicherung, weil sie von allen Kontinenten kamen und so abends bei einem Bierchen immer interessanten Gesprächsstoff lieferten. Und das “rhythmische tap-tap-tap der Wanderstöcke” habe ich nie gehört auf dem Weg nach Santiago de Compostela, sondern eher bewundert, um wieviel fitter die Leute wurden, je näher sie der Kathedrale kamen.

Mehr Infos auf Englisch findest Du hier:

Washington Post Jakobsweg

Unterwegs am Meer und im Hinterland Portugals

Einsame Leuchttürme, endlose Strände, auf Felswänden herumkletternde Muschelsammler, dekorative Meeresbuchten – die Westküste der Iberischen Halbinsel zählt zu den schönsten Portugals und Spaniens. Aveiro selbst, das die Zeitung “La Voz de Galicia” vorstellt, kenne ich noch nicht. Aber wenn man sich die Fotos anschaut, scheint es eine hübsche Stadt zu sein, in der die Boote sehr an Venedig erinnern.

Von Nordportugal kenne ich das Hinterland an der Küste, bin ich doch dort auf dem Jakobsweg geradelt. Vom Meer bekommt man dort bis auf gelegentlich stärkeren Wind wenig mit. Das Profil ist erst mal von Porto über Barcelos und Ponte de Lima bis zur alten Festungsstadt Valença an der Grenze zu Spanien flach bis hügelig.

Da dort Pilger unterwegs sind, finden Alleinreisende immer wieder nette Gesellschaft. Jeder kann sich frei entscheiden, ob er oder sie die Ruhe dort für sich alleine genießen oder sich einer Wandergruppe anschließen will. Da mit dem Rad unterwegs, ist man viel leichter in der Lage, sich die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung anzusehen und trifft die netten Wanderer von heute mittag in der Dorfbar oder bei einem der vielen Feste in den Kleinstädten wieder, um sich dann gegenseitig von den Ereignissen des Tages zu berichten. Wie etwa von den hübsch bemalten Hühnern aus Holz in Barcelos, der Hahn ist Wahrzeichen Portugals, oder dem der Kunst gewidmeten und dadurch beeindruckenden Ort Cerveira. Über die sozialen Medien kann man sich ohnehin schnell miteinander anfreunden und ist so gut unterrichtet, wo sich eine nette Gefährtin gerade herumtreibt.

Also braucht sich hier kein Individualreisender vor Einsamkeit zu fürchten und muss sich erst recht nicht wie bei teuer bezahlten Gruppenreisen wie ein Esel an der Leine herumführen lassen.

Aktiv in Aveiro

Heiße Flammen in Navarra

Navarra – die spanische Provinz im Nordosten des Landes finde ich ziemlich interessant. Ich bin auf dem Jakobsweg von Biarritz in die Pyrenäen hinaufgeradelt, habe in einem der Dörfer – Auritz – gleich einen feuerspeienden Drachen getroffen. In ein Fest zur Sonnenwende bin ich geraten, habe dem Drachen immer ausweichen müssen, der sich einen Spaß erlaubte, die Leute zu erschrecken.

Roncesvalles liegt auch dort oben auf fast 1000 Metern. Dort wurde am 15. August die Nachhut des Truppenzuges Karls des Großen unter der Führung von Roland durch die ortsansässigen Basken vernichtet, was die historische Grundlage für das Rolandslied bildete.

Nach der Kletterei geht es viele Kilometer abwärts nach Pamplona, wo ich mich im Gegensatz zur Autorin des nachfolgenden Artikels nicht für die Hemingway-Bar begeistern kann. Diese sieht nicht anders aus als die anderen Bars der Stadt, ist eher eine Touristenfalle. Dort schrieb er seinen Roman Fiesta.

Empfehlenswert sind hingegen in der Umgebung die kleinen Dörfer wie Puente de la Reina, wo ich mich an eine hübsche römische Brücke erinnere. Radfahrer sollten dort auf jeden Fall den kleinen Straßen folgen , die deutlich mehr Schatten bieten als die Schnellstraße. Denn es kann im Sommer auch im Norden des Landes sehr heiß werden.

Doch die Menschen sind dort hilfsbereit und bringen Trinkwasser. Manch einer rennt sofort in die Küche. Denn sie haben wahrscheinlich nicht nur einmal erlebt, dass ein Pilger sich vollkommen überschätzt und nicht genug Wasser mitgenommen hat, um an Gepäck zu sparen. Man kann in Navarra also deutlich mehr erleben, als der Autor des nachfolgenden Textes.

Artikel Navarra

PEREGRINO Auf dem Jakobsweg

“Si te gusta la soledad, si quieres ser protagonista de este camino junto a la grandeza del paisaje y frente a dureza de los frios y los soles. Si quieres que los atardeceres te arrastren en sus hondos silencios y que a las mañanas los quiebros de la aurora te agiten el alma … ¡este es tu camino!”

Und irgendwo da draußen stehen die Schuhe, während ich hier vor der Burg in Puente de Sanabria stehe, die auch eine Rolle im berühmten Roman “Don Quijote” spielen soll.

Mich sprach der Text an, weil er von Einsamkeit spricht, von der Härte der Kälte und der Sonne, von weiter Landschaft, von der Stille, der beeindruckenden Stimmung am Morgen. “Dann ist das dein Weg”.

Heiß, heiß, heiß Auf dem Jakobsweg

Da viele fragen, wie heiß es gerade auf dem Jakobsweg im brennenden Galizien zugeht. Zwei Monate soll es im Landesinneren nicht mehr geregnet haben. Mir ist zuweilen schon ziemlich heiß. Der Himmel ist staubig. Die Sonne schillert deshalb grünlich. Aschestückchen fallen vom Himmel. Die Schleimhaut in der Nase trocknet und setzt sich mit dunklem Staub zu. Trotz des Radelns im Gebirgswald wird mir so heiß, dass ich das erste Mal seit Jahren im Dorf Rosende eiskalte Cola trinke, die mir tatsächlich Abkühlung verschafft. Eigentlich verabscheue ich solche Getränke genauso wie Zigaretten. Es ist immerhin 30 Grad warm, was ich aber nicht so wahrnehme, da ich mittlerweile gut trainiert bin.
Später komme ich in Barreiro an, wo ich übernachten will. Das ist gut 40 Kilometer südlich von Santiago de Compostela entfernt, wo ich vor der zu erwartenden Sintflut geflohen bin. Der Wirt sagte mir, dass der Staub von einem zehn Kilometer entfernten Brand in Sellida stammte. Und jetzt rieche ich tatsächlich das Feuer. Als es dunkel wird, trete ich aus dem Hostal wieder auf die Straße. Die meisten Fenster sind dunkel. Kein Mensch ist zu sehen. Einige Männer stehen an der Theke einer Bar, drehen sich sogar etwas weg, was für Galizien schon ungewöhnlich ist. Sonst grüßen die meisten höflich. Ich erkläre es mit der Furcht vor dem Feuer. Immerhin brennen 7000 Hektar. 10.000 Hühner sterben, während ich elektrisiert eine Estrella Galicia trinke. Diese Zahlen entnehme ich am nächsten Tag dem „Faro de Galicia“. Vielleicht haben die Leute auch Komplexe ihres seltsamen Ortes wegen, weil ich lache, weil es hier nur pinchos zum Knabbern gibt. Der Wirt guckt etwas säuerlich.
Als ixh die Wirtin der benachbarten Vinothek auf den Geisterstunde anspreche, meint sie, die Leute ruhten sich nur aus. Beim Verlassen der Vinothek hat such der Brandgeruch verstärkt
Eine portugiesische Freundin schreibt mir, dass es auch an vielen Orten in Portugal brenne: in Guarda, Viseu und Certo. Das stärkste Feuer befinde sich in Vigo am Atlantik. Genau durch diese Orte führr mein Rückweg von Salamanca nach Porto. Werde ich bakd vom Feuer sein? Jetzt wünsche ich mir den Regen, dem ich eigentlich entkommen wollte. Wie alle Menschen. Im Hostal iist lein Laut zu hören. Wie würde ich handeln, wenn der Ort evakuiert werden müsste. Ich hatte solch eine Situatio erst einmal i Narvik in Nordnorwegen erlebt, als ich frisch aus der Dusche kam. Nackt woilte ich nicht auf die Straße treten. Also zog ich mich zügig an und schnappte meine Packtaschen.
Nachts hörte ich Regentropfen. Die Reifen rollten auf nassem Asphalt. Jetzt hoffte ich, dass es bald auf der ganzen iberischen Halbinsel regnete.