Redaktion der “Welt am Sonntag” stellt 26 Highlights des Ostseeraums vor

„Sie sind schön anzusehen, doch außerhalb ausgewiesener Wege meist tabu: Dünen – sie gehören als natürlicher Küstenschutz fest zur Ostsee. Sie entstehen durch Wind, der den an den Strand gespülten Sand verweht, der sich wiederum an Strandhafer oder Treibholz festsetzt und langsam zu Hügeln auftürmt.“
Kurz und knapp auf knapp über zwei Zeitungsseiten alphabetisch Besonderheiten des Ostseeraums zusammenfassen: Das ist die Kunst eines knapp über zwei Seiten gehenden Artikels über das Binnenmeer zwischen Deutschland, Dänemark, Schweden, Russland, Polen und den baltischen Staaten. Drei Autoren des Axel-Springer-Verlages trugen für die Wochenendausgabe der Tageszeitung „Die Welt“ Fakten über das Binnenmeer zusammen. Dabei handelt es sich um Sarah Bachmann, Volontärin beim Springer-Verlag, sowie Kira Hanser und Sönke Krüger, leitende Redakteure des Ressorts Reise der Tageszeitung „Die Welt“. Dies wird aber nicht explizit hervorgehoben. Somit setzt sich die Serie der Rezensionen deutscher Reiseblätter von Durchstreifen & Erleben auch in dieser Woche fort, die mit zwei Artikeln der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie zwei Artikeln der Zeit begann.
„Zu den spektakulärsten zählen die Wanderdünen der Kurischen Nehrung rund um Nidden (Nidda). Bis zu 50 Meter erheben sie sich, sie gehören zu den höchsten Sandbergen Europas.“ Im weiteren zählen die im Nationalpark von Leba in Polen zu den schönsten. Bei dieser Schilderung erinnert sich der Reisende gerne an die tollen und betretbaren Dünen mit feinstem Zuckersand in Asserbo auf Seeland. Diese gehören aber zum Kattegat. Nicht missen in Schweden sollte man auch Marstrand im Västra Götalands län des herrlichen Lichts wegen sowie die weiter nördlich liegende Küste im Bohuslän.

Es beginnt mit A wie Aquarien und endet mit Z für ein Bier
Neun von 26 Buchstaben erfasst die erste Seite mit Fakten, die den Disziplinen Geographie, Geschichte, Biologie, Tourismus, Kunstgeschichte und Verkehr entnommen sind. Für einen Kenner des Nordens nicht unbedingt neu, bieten sie aber Einsteigern eine gute Übersicht. Ihnen bleibt viel Arbeit erspart, da sie Infos erhalten, die sie sich nicht selbst zusammenstellen müssen, wenn sie eine Reise in die Ostseeländer planen. Den meisten, wie dem Reisenden auch, dürfte das Baltikum unbekannt sein, da es noch nicht so lange auf Tourismus vorbereitet ist.
Die Seite beginnt mit A wie Aquarien, von denen leider einige schöne ausgelassen werden. Sie setzt sich fort mit Bernstein, dessen einstige Bedeutung und hoher Wert in vorchristlicher Zeit nicht wirklich gut herausgearbeitet wird. Überflüssig ist es hier. die Cottbuser Ostsee für den Buchstaben C aufzuführen. Denn sie hat nichts mit der Ostsee außer dem Namen gemein. Als Begründung werden hier Windräder genannt.
Der zweite Teil umfasst mit J bis S weitere Infos vom Wrack Jan Heweliusz, das heute beliebtes Ziel für Taucher bei Kap Arkona vor Rügen ist. In diesem Teil stößt sich der Reisende daran, dass eine 7‑Länder-Tour bei den Kreuzfahrten erwähnt wird. Diese Tour beginnt in Kiel und führt über Danzig zurück. Denn man könnte denken, dass an dieser Stelle geworben wird. Aber wahrscheinlich soll es nur ein guter Tipp sein. Denn Redaktionen trennen strikt ihr Geschäft von dem der Anzeigen. Es lässt sich auch nicht immer vermeiden. Wichtig ist auf jeden Fall unter R wie Radfahren Kaliningrad zu erwähnen, da es aufgrund der schwierigen politischen Stimmung umfahren werden muss. Dies kann man leicht beim Planen vergessen. Genauso wie Sankt Peterburg, das auch an der Ostsee liegt. Mir erzählte jetzt noch ein Bekannter aus der Bretagne, wie hart es einem mit ihm befreundeten Tourenradfahrer in China ergangen ist, den nicht nur einmal die Polizei aus ihrem jeweiligen Bezirk herausschaffte.
Immer weniger Quallen Richtung Baltikum
Im weiteren Verlauf folgt die Nennung abwechslungsreicher Nationalparks mit unterschiedlichen Naturangeboten. Aufgenommen werden auch Fakten über Quallen. Der Reisende wusste bis heute nicht, dass deren Menge mit abnehmenden Salzwassergehalt Richtung Baltikum abnimmt. Mal wieder etwas gelernt. Der Text endet mit schwedischen und finnischen Schären und einem dort vorhandenen reichhaltigen Angebot für Aktivurlauber.
Der Artikel geht mit dem schwächsten Teil zu Ende, der von T wie bis Z reicht. Denn vieles dort dürfte Urlaubern bekannt sein, da sich die meisten Kurztexte auf den deutschen Teil der Ostsee beziehen. Warum auch zum zweiten Mal unter W wie Wikinger Haithabu aufgriffen, Ystad klischeehaft als Bilderbuch-Schweden bezeichnet wird, ist nicht zu erklären. Und auch nicht, warum die Biersorte “Zickfelder Meeresbrise” genannt wird, obwohl sie nicht mehr vorhanden ist. Trotz dieser kleinen Schwächen liefert die Redaktion eine gute Zusammenfassung, die schön in eine Lenkertasche oder in ein Handschuhfach im Auto passt an Stelle einer sechsbändigen Ausgabe über die Attraktionen der Ostseeanrainerstaaten. Mehr als 26 Attraktionen schaffen die meisten sowieso nicht auf einer Rundreise, die in der Regel ja höchstens fünf Wochen dauern kann.
1 Kommentar zu „Gutes Format fürs Reisegepäck“