Spaniens älteste Stadt

Cádiz in Andalusien – mich enttäuschte der Ort, als ich von Jerez de la Frontera hingeradelt war. Andere Städte im Süden sind malerischer. Ich erinnere mich daher mehr an meine Angst, aus der Stadt hinaus zu kommen, da ich glaubte, mit dem Rad irgendwo ein Schild übersehen zu haben und auf einer Autobahn gelandet zu sein.

Die Straße war doppelspurig auf beiden Seiten, die Fahrzeuge rauschten an mir vorbei. Ich erwartete jederzeit die Polizei, die mir sagen würde, lieber Junge, sieh mal zu, dass du dich vom Acker machst. Aber nicht einmal einzelne Autofahrer gaben mir Zeichen.

Irgendwann kam dann doch eine erlösende Abfahrt und die Tour führte dann entspannt weiter an der Küste entlang. Cádiz hatte ich hinter mir und fühle mich irgendwie bestätigt beim Lesen des Artikels in der Welt, dass der Autorin nichts aufgefallen ist, keine besondere Perspektive gefunden hat. Verpasst habe ich dort also nichts. Gassen zum Herumschlendern gibt es überall in ganz Spanien, Kanonen auch, die empfohlenen Speisen auch.

Vielleicht kannst Du mir Tipps geben, wodurch sich die Stadt auszeichnet. Immerhin wurde dort die erste Verfassung des Landes verfasst. Und sie ist die älteste Stadt Spaniens. Oft lassen sich durch solche Fakten wunderbar bestimmte Haltungen der Menschen beobachten wie einen großen Stolz darauf, gerade in Andalusien, das sich oft von der fernen Zentralregierung in Madrid vernachlässigt fühlt.

Spaniens älteste Stadt

Ewiger Streit um den Affenfelsen

Gibraltar – von allen Orten in Andalusien finde ich diesen besonders spannend. Deshalb besuchte ich die Stadt auf dem Affenfelsen auch schon zweimal auf meinen Radreisen in Spanien.

Mich zog als Historiker natürlich in erster Linie an, dass der Ort eine Kolonie am Rande Europas ist. Wo gibt es eine Möglichkeit, sich so unkompliziert anzusehen, wie die Menschen dort mit diesem Status umgehen.

Wohnen sollte man am besten im spanischen Vorort La Linea, weil es dort deutlich günstiger ist als in Gibraltar. Zur Besichtigung muss jeder erst über die Grenze laufen.

In diesen Tagen ist der Grenzübergang noch unkompliziert, doch wie wird es bei einem Brexit? Es gab schon einmal eine Zeit, an die sich die Älteren auf Gibraltar nur ungern erinnern. Durch einen heftigen Streit mit Spanien über den künftigen Status der Kolonie schlossen die Spanier in den 1980er Jahren die Grenze. Wenn jemand herein wollte, ging das nur über Boote. Für einzelne mag das noch irgendwie lösbar sein. Aber die Versorgung der Bevölkerung zu leisten, ist schwierig. Aus Marokko kam Hilfe. Es gab schon länger Verbindungen nach Casablanca, aber diese wurde jetzt intensiviert. Auch über die Flugzeuge lief die Versorgung, von der man heute noch etwas mitbekommt. Bis heute flammen immer wieder Streitigkeiten zwischen Spanien und England auf.

Denn hinter der Grenze liegt der Flughafen, besser: Ring kleines Rollfeld. Es ist schon kurios, an einer Ampel stehen zu bleiben, zu warten, bis ein Flugzeug gelandet ist, dann erst über das Rollfeld gehen zu dürfen im Pulk anderer Ankömmlinge. All dies erlebt man schon in den ersten Minuten nach der Ankunft, weshalb sich da schon ein Besuch lohnt.

Was hingegen ein Reporter der englischen Zeitung „Telegraph“ in Andalusien erlebt hat, könnt ihr hier nachlesen.

Erlebnisse in der Alpujarra

Paradiesisches Radeln in Kopenhagen

Neulich noch erzählte ich hier vom Fahrradfahren in Kopenhagen und meinem Unfall mit einer Radlerin, die dort von hinten in mich reinfuhr. Gerade lese ich in einem Artikel des Deutschlandfunks, dass es in der Hauptstadt komfortabler geworden ist, zu radeln. Man stellt sich also auf die Radler ein. Immerhin 40 Prozent ließen ihr Auto mittlerweile stehen und fahren lieber Rad. Davon profitiere die Stadt auch, denn Parkplätze zu unterhalten sei sehr teuer.

Die Radwege seien enorm breit. Wer vor einer Ampel stehe, müsse nicht unbequem balancieren, sondern könne den Fuß auf extra angebrachten Stangen abstellen. Und während der Fahrt könnten die Pedalritter ihren Abfall in schräg an der Fahrbahn angebrachte Mülleimer werfen.

All dies wäre ja mal ein Anfang für viele andere Städte wie Aarhus, wo ich Derartiges nicht gesehen habe,. Radfahren in Dänemarks zweitgrößter Stadt ist noch nicht ganz ausgereift.

Auch in Deutschlands Städten nicht, wenn ich alleine daran denke, wie schwer einem zum Beispiel das Radfahren in Köln gemacht wird. Aber vorgestern habe ich mich noch in Münster darüber gefreut, dass blitzschnell nach dem für rutschige Verhältnisse sorgenden Schneefall die Radwege geräumt waren.

Paradiesisches Radeln in Kopenhagen

Mit dem Rad von Porto nach Figueira da Foz

Este percurso é ideal para quem se quiser estrear nestas andanças: acompanha o oceano, num traçado plano, maioritariamente em ecovias e é um deleite para os sentidos.

Irgendwann radele ich auch mal von Porto aus an der Atlantikküste Richtung Lissabon. Ein Reporter der portugiesischen Zeitung „Express“ ist kürzlich eine Strecke von gut 140 Kilometern bis Figueira da Foz gefahren und das sogar recht schnell. Für jede Etappe der dreitägigen Tour brauchte er jeweils gut 3,5 Stunden.

Er beschreibt sie als ideal für diejenigen, die gerne dem Atlantik folgen wollen, eine überwiegend flache Strecke bevorzugen und wenig vom Autoverkehr beeinträchtigt werden möchten.

Auf der Webseite der Zeitung findet ihr neben der Reportage auch drei Karten, auf denen die Etappen mit Zwischenzielen dargestellt sind. Ich wünsche euch schon mal viel Spaß bei der Vorbereitung eurer Tour.

Radtour am Atlantik

Flussradeln zum inneren Abschalten

An Flüssen entlang zu reisen, ist immer wieder schön. Viele Kommunen haben ihre Flüsse in den vergangenen Jahren aufgewertet und an ihnen Radwege gebaut. So lässt sich die jeweilige Region oft über Hunderte von Kilometern relativ leicht erkunden, da verkehrsarm und oft auch flach.

In den vergangenen 18 Monaten habe ich sehr viele Flüsse kennengelernt.

Es fing an mit dem gefährlichen Fluss Lima im Norden Portugals, denn einmal darin gewesen, kann man sein Gedächtnis verlieren. Das glaubten die Römer jedenfalls und sie schickten bei einem ihrer Züge sicherheitshalber ihrer Zenturio voran. Am anderen Ufer angekommen, musste er jeden seiner Legionäre namentlich anrufen. Erst dann setzte sich auch der übrige Tross in Bewegung. Noch heute zeugt eine römische Legion im hübschen Ort Ponte de Lima von diesem Ereignis.

Wer weiß, was ihr alles erlebt, wenn ihr den immerhin 777 Kilometer langen Fluss Seine in Frankreich durchstreift und erlebt. Die Zeitung „Le Monde“ hat ihn erkundet und dabei auch einiges Sehenswertes gefunden.

Radtour an der Seine

Mehr als Partys und Sonne

Ballermann? Strände? Mallorca hat auch Höhlen zur Besichtigung anzubieten, die ich nicht entdeckte, als ich dort einmal die Insel umradelte. Mallorca hatte ich lange vor mir hergeschoben und erst einmal mir interessanter erscheinende Ziele in Spanien auserkoren.

Andalusien fand ich wegen des maurischen Erbes spannender und besuchte lieber Granada, Córdoba, Sevilla und Ronda. Und natürlich dem großartigen Dichter Garcia Lorca huldigen, der im Bürgerkrieg von Gegnern der Republik erschossen wurde. Gibraltar wollte ich lieber sehen, um mein Wissen aus dem Geschichtsstudium über die Kolonie zu verlebendigen.

Doch dann kam ich auch nach Mallorca und war positiv überrascht, wie begeistert die Einheimischen selbst dort mit dem Rennrad fahren, dass es dort auch längst nicht so überlaufen war bis auf die Hotspots. Allerdings war ich dort vor Ostern, was ich nur empfehlen kann.

Denn die Menschen sind deutlich entspannter. Der Inhaber eines Hotels in Palma führte mich dementsprechend mit dem Rad durch die Gegend, in einem anderen in Port de Sóller hörte ich tolle spanische Musik. Am nächsten Morgen übergab mir eine Mitarbeiterin eine Kopie der CD.

Wer mehr über die Höhlen erfahren will, sollte hier weiterlesen:

Höhlen auf Mallorca

Heiße Flammen in Navarra

Navarra – die spanische Provinz im Nordosten des Landes finde ich ziemlich interessant. Ich bin auf dem Jakobsweg von Biarritz in die Pyrenäen hinaufgeradelt, habe in einem der Dörfer – Auritz – gleich einen feuerspeienden Drachen getroffen. In ein Fest zur Sonnenwende bin ich geraten, habe dem Drachen immer ausweichen müssen, der sich einen Spaß erlaubte, die Leute zu erschrecken.

Roncesvalles liegt auch dort oben auf fast 1000 Metern. Dort wurde am 15. August die Nachhut des Truppenzuges Karls des Großen unter der Führung von Roland durch die ortsansässigen Basken vernichtet, was die historische Grundlage für das Rolandslied bildete.

Nach der Kletterei geht es viele Kilometer abwärts nach Pamplona, wo ich mich im Gegensatz zur Autorin des nachfolgenden Artikels nicht für die Hemingway-Bar begeistern kann. Diese sieht nicht anders aus als die anderen Bars der Stadt, ist eher eine Touristenfalle. Dort schrieb er seinen Roman Fiesta.

Empfehlenswert sind hingegen in der Umgebung die kleinen Dörfer wie Puente de la Reina, wo ich mich an eine hübsche römische Brücke erinnere. Radfahrer sollten dort auf jeden Fall den kleinen Straßen folgen , die deutlich mehr Schatten bieten als die Schnellstraße. Denn es kann im Sommer auch im Norden des Landes sehr heiß werden.

Doch die Menschen sind dort hilfsbereit und bringen Trinkwasser. Manch einer rennt sofort in die Küche. Denn sie haben wahrscheinlich nicht nur einmal erlebt, dass ein Pilger sich vollkommen überschätzt und nicht genug Wasser mitgenommen hat, um an Gepäck zu sparen. Man kann in Navarra also deutlich mehr erleben, als der Autor des nachfolgenden Textes.

Artikel Navarra

Perfekt getarnt Radpilgern auf dem Jakobsweg

Wer will noch kommen? Dann wirst Du in den nächsten Tagen den zauberhaften Rio Douro kennenlernen. Gut 50 Kilometer radele ich jetzt durch Kastilien-León, dann biege ich Richtung Porto ab.

Der Camino wird trotz Schotters einfacher, denn meistens ist das Gelände flach. Jeder hätte gute Chancen, hier zu überleben. 😊 Denn das Wetter ist kühl, für uns Deutsche Spätsommer. Viel trinken muss ich also nicht.

Mein Rad ist ockerfarben. Das liegt am Staub. So passe ich mich der Umgebung an, perfekte Adaptation. Selbst manche Häuser sehen hier so aus. Sie wurden vor gut 100 Jahren aus Lehm erbaut, enthalten Steinchen. Der untere Rand ist noch gemauert. Holzbalken tragen die Last. Vernünftig restauriert könnten sie sogar eine Touristenattraktion sein entlang der Via de la Plata, der von Sevilla nach Santiago de Compostela führt. Aber die Spanier lassen sie offenbar nach und nach verfallen, obwohl sie gut zur Identifikation mit der Region beitragen

Erbarmungslos Auf dem Jakobsweg

Welch eine abwechslungsreiche Landschaft zwischen Mombuey und Ollosa de Tera in Kastilien und León. Heute mittag streifte ich noch auf einer Mountainbikeroute um Mombuey herum. Dort ist es sehr trocken. Nur die dicken schweren glänzenden Quarzsteine erhellen die Stimmung. Heidekraut: hart und kratzig. Sonne: grell. Luft: herbstlich kühl. Große Bäume liegen am Boden, hinweggefegt von einem Sturm im Juni. Sie versperren den Singletrail, weshalb ich zwischen Felsen radeln muss, die wie Termitenbauten emporragen. Ein Paar aus Madrid streift traurig durchs trockene Flussbett des Rio Negro. Der Name kommt wohl nicht von ungefähr. Sie laden mich zu einem Kaffee ein.

Am späten Nachmittag treffe ich auf kühles Nass. Der Rio Tera kreuzt wieder meinen Weg, dem ich bereits in der Nähe der Lagune der Fische begegnet bin. Hier – Ollosa de Tera – wird er gestaut. In der Herberge in Mombuey gibt es übrigens keine Bettwanzen – chinchos. Pilger in der Herberge von Campobeceros hatten das behauptet. Wer also von Sevilla heraufkommt, kann sich dort beruhigt niederlassen.