Fotografieren

Buch des Monats: John Hedgecoes “Fotografieren. Die neue große Fotoschule” ist ein tolles Lehrbuch

Sel­ten hat es dem Rei­sen­den so viel Freu­de berei­tet, Fach­li­te­ra­tur durch­zu­ar­bei­ten wie bei John Hedge­coes Werk „Foto­gra­fie­ren. Die neue gro­ße Foto­schu­le“. Denn das Ergeb­nis danach ließ sich sehen. Die Zahl mei­ner Fotos bei Ado­be Stock Fotos stieg erheb­lich an. Kam es anfangs nur zu spo­ra­di­schen Ver­öf­fent­li­chun­gen von viel­leicht einer in der Woche, wur­den es häu­fig meh­re­re pro Tag. Dies trifft auch auf sei­ne Pro­duk­te bei Cal­ven­do zu. Allein in die­sem Jahr brach­te er gleich sechs Pro­duk­te heraus.

Hier­mit setzt sich die Serie “Buch des Monats” nun auch mal mit einem Sach­buch fort. Begon­nen hat sie mit einer Erzäh­lung über den Zie­gen­ba­ron von Wol­beck und Yann Mar­tels “Die hohen Ber­ge Por­tu­gals” begon­nen hat­te. Sie wur­de zuletzt wei­ter­ge­führt mit Stieg Lars­sons Tri­lo­gie “Ver­blen­dung, Ver­damm­nis, Ver­ge­bung”, de Cas­tros Roman “Wol­le und Schnee” sowie Ribei­ros Werk “Wenn die Wöl­fe heu­len”. Es han­delt sich alle­samt um Wer­ke, die ich aktu­ell und den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren wäh­rend mei­ner Zeit als Rei­se­jour­na­list inspi­riert und in mei­ner Arbeit vor­an­ge­bracht haben. 

Ohne ein gutes Buch geht es nicht

Ohne ein gutes Buch geht es nicht. Den Tipp fürs gute Schrei­ben erhielt ich auf einer Schu­lung an der Aka­de­mie der Baye­ri­schen Pres­se in Mün­chen. Dort ließ ich mich mehr­fach aus­bil­den, unter ande­rem in den Stil­for­men Repor­ta­ge und Fea­ture. Der Dozent riet uns, wäh­rend des Schrei­bens immer ein gutes Buch zu lesen. Dies schult die Sprache.

Es stört nicht, dass Hedge­coes Buch schon vor gut 20 Jah­ren her­aus­ge­kom­men ist. Der Rei­sen­de kauf­te es 2014. Es fiel ihm vor zwei Jah­ren wie­der in die Hän­de, als er sei­ne Lei­den­schaft für Landschafts‑, Vogel- und Archi­tek­tur­fo­to­gra­fie wie­der­ent­deck­te. Die Grund­prin­zi­pi­en der Foto­gra­fie bei Belich­tung und Bild­auf­bau ver­än­dern sich ja kaum. Ver­al­tet sind nicht ein­mal die Kame­ra-Typen. Es fehlt offen­sicht­lich nur die Sys­tem­ka­me­ra. Obwohl der Rei­sen­de schon durch jah­re­lan­ge Arbeit für Lokal­zei­tun­gen gute Kennt­nis­se erwor­ben hat­te, konn­te er die­se durch die Lek­tü­re des Buches deut­lich ver­tie­fen und verbessern.

Farbkreis gut erklärt

Nur ein schö­nes Bei­spiel aus dem Buch: Bis dahin konn­te sich der Rei­sen­de zum Bei­spiel nie so rich­tig gut den Farb­kreis mer­ken. Im Kapi­tel „Bes­se­re Bil­der gestal­ten“ erklärt Hedge­coe es aber so gut in einem Absatz, dass es nicht mehr schwer fällt. Und die Aus­rich­tung des Farb­krei­ses stimmt auch bei ihm, wäh­rend sie bei vie­len ande­ren Autoren falsch dar­ge­stellt wird. RGB lie­gen qua­si auf zwölf, vier und acht Uhr, so dass man es sich gut mer­ken kann. Die Sekun­där­far­ben lie­gen ihnen jeweils gegen­über. Far­be ist enorm wich­tig bei der Aus­wahl guter Bil­der für den Ver­kaufs­pro­zess, schreibt der Ver­fas­ser. Rot spie­le eine gro­ße Rol­le, da die­se Far­be immer vom Betrach­ter stark wahr­ge­nom­men wer­de. Mit Far­ben las­sen sich auch gut Bil­der staf­feln, um deren Wir­kung zu steigern.

Am Ende eines jeden Kapi­tel kommt ein Pro­fi­tipp: mit drei bis fünf kur­zen Sät­zen: So erklärt es zum The­ma Far­be, dass ein Model immer Rot tra­gen soll­te, wenn es vor einem Pan­ora­ma gut zur Gel­tung kom­men soll. Oder man in einer Land­schaft nach roten Blu­men schau­en soll­te. Aber man sol­le es mit auch nicht mit zu vie­len knal­li­gen Far­ben übertreiben.

Vernünftig gegliedert

Geglie­dert ist der Inhalt in die Kapi­tel: Kame­ra, Ele­men­te der Foto­gra­fie, Bes­se­re Bil­der gestal­ten, Beson­de­re Pro­jek­te, Foto­gra­fie für Fort­ge­schrit­te­ne und Ent­wi­ckeln, ver­grö­ßern, nach­be­ar­bei­ten. Hedge­coe lässt nichts wirk­lich aus, selbst auf die rich­ti­ge Aus­wahl der Objek­ti­ve geht er ein, wie man rich­tig scharf­stellt, Tie­fen­schär­fe ein­stellt. Nur zum Film grei­fen heu­te wohl nur noch wel­che, die Wert auf die beson­de­re Tie­fe von sol­chen Bil­dern schwö­ren. Es geht um Still­le­ben, Por­träts, Archi­tek­tur, Stu­dio­fo­to­gra­fie. Nicht nur die Tech­nik ist ent­schei­dend, son­dern auch die Bezie­hung zum Model, sei es ein Erwach­se­ner, ein Kind oder ein Tier.

Also unbe­dingt zugrei­fen, solan­ge es noch anti­qua­risch zu haben ist. Das Buch erschien im Dor­ling Kin­ders­ley Ver­lag und kos­tet nur noch ein paar Euro. Das ist gut inves­tier­tes Geld für bes­se­re Fotos.

Fes­tungs­stadt Almei­da, Portugal

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