Erbarmungslos Auf dem Jakobsweg

Welch eine abwechslungsreiche Landschaft zwischen Mombuey und Ollosa de Tera in Kastilien und León. Heute mittag streifte ich noch auf einer Mountainbikeroute um Mombuey herum. Dort ist es sehr trocken. Nur die dicken schweren glänzenden Quarzsteine erhellen die Stimmung. Heidekraut: hart und kratzig. Sonne: grell. Luft: herbstlich kühl. Große Bäume liegen am Boden, hinweggefegt von einem Sturm im Juni. Sie versperren den Singletrail, weshalb ich zwischen Felsen radeln muss, die wie Termitenbauten emporragen. Ein Paar aus Madrid streift traurig durchs trockene Flussbett des Rio Negro. Der Name kommt wohl nicht von ungefähr. Sie laden mich zu einem Kaffee ein.

Am späten Nachmittag treffe ich auf kühles Nass. Der Rio Tera kreuzt wieder meinen Weg, dem ich bereits in der Nähe der Lagune der Fische begegnet bin. Hier – Ollosa de Tera – wird er gestaut. In der Herberge in Mombuey gibt es übrigens keine Bettwanzen – chinchos. Pilger in der Herberge von Campobeceros hatten das behauptet. Wer also von Sevilla heraufkommt, kann sich dort beruhigt niederlassen.

Lagune der Fische Auf 1.800 Metern auf dem Jakobsweg

Heute kam ich unserem Herrn sehr nahe auf einer der Königsetappen, die Kastilien-León zu bieten hat. Auf 17 Kilometern schraubte ich mich herauf auf 1.800 Meter, zweifellos eine der schönsten Strecken, die ich auf dem Jakobsweg erleben durfte.

Sie liegt gut sieben Kilometer von Puente de Sanabria entfernt. Es ist ein Genuss, erst zum größten eiszeitlichen See Spaniens zu radeln, zum Lago de Sanabria, und dann weiter zur Laguna des los Peces.

Daher habe ich auf solchen Strecken nie das Gefühl: Hoffentlich ist es bald vorbei. Genau das Gegenteil. Genieße es! Ich muss nur zusehen, gut zu trinken, zwischendurch einen Apfel zu essen, damit ich immer über Energie verfüge. Der Sattel ist auch entscheidend. Ich fahre mit einem neuen SQL und bin sehr zufrieden.

Ebenso über die verlegenen Blicke der Typen dort oben, vor ihren Mädels, in blütenweißen Blusen, wahrscheinlich auch mit Krawatte und Bügelfalten morgens im Büro sowie ein Ass am Gas.

Aber für diese 17 Kilometer lange Steigung brauchen sie bestimmt einen Defillibrator nach den ersten drei Kilometern. Mein Herz klopft stark, aber nie übermäßig.

PEREGRINO Auf dem Jakobsweg

“Si te gusta la soledad, si quieres ser protagonista de este camino junto a la grandeza del paisaje y frente a dureza de los frios y los soles. Si quieres que los atardeceres te arrastren en sus hondos silencios y que a las mañanas los quiebros de la aurora te agiten el alma … ¡este es tu camino!”

Und irgendwo da draußen stehen die Schuhe, während ich hier vor der Burg in Puente de Sanabria stehe, die auch eine Rolle im berühmten Roman “Don Quijote” spielen soll.

Mich sprach der Text an, weil er von Einsamkeit spricht, von der Härte der Kälte und der Sonne, von weiter Landschaft, von der Stille, der beeindruckenden Stimmung am Morgen. “Dann ist das dein Weg”.

Auf 1.100 Höhenmetern auf dem Jakobsweg

Viele Grüße aus zunächst 676 Metern Höhe auf dem Jakobsweg von Laza nach Verín, auch als Karnevalshochburgen bekannt. Die Schlammschlachten sind legendär. Die Via da Prata, der Silberweg, führt jetzt in Richtung Zamora. Im nächsten Jahr ist schon eine ähnliche Tour geplant. Wer mitradeln will, sollte schon anfangen zu trainieren. Sonst ist die Überlebenschance geringer als ein Sechser im Lotto. Jetzt sind es 938 Meter geworden. Gerade in Cerdedelo eingetroffen, wo sich ein Einwohner auf mich stürzte. Er vermisse Düsseldorf, wo er 25 Jahre gelebt habe. Seine Tochter arbeite beim Arbeitsamt in Madrid, sein Sohn als Polizist in Ourense. Ich hoffe, der Jakobspilger war nicht einer der letzten seiner Art, der diesen wunderschönen Gebirgspass heraufradeln durfte. Denn es entsteht gerade eine Schnellstraße mit Tunnel, die angeblich Galizien besser an Madrid anbinden soll. Da sehe ich schwarz für die Gegend. Hier hat es gebrannt. Ich roch noch die Asche. Es ging noch hinauf auf 1.100 Meter. Gestartet bin ich auf 882 Metern, dann ging auf 465 Meter herunter und schließlich wieder herauf.

Allariz, schönste Kleinstadt am Jakobsweg

Fast schon kitschig, oder? Eine römische Brücke in Allariz auf dem Jakobsweg. Allariz gilt als eine der schönsten Kleinstädte Galiziens, liegt in der Nähe von Ourense an der spanisch-portugiesischen Grenze. Die Via de la plata führt von Sevilla kommend bis nach Santiago de Compostela.

Feuer und Wasser Auf dem Jakobsweg

Feuer und Wasser habe ich endgültig überwunden. Neulich saß ich noch verzweifelt auf der Thermarestmatte in der Heide, zitterte vor Kälte, weil es in Strömen regnete. Das Wasser floss auf den Schlauch und in den Reifen, während Ihr wahrscheinlich gerade gemütlich auf dem Sofa vor dem Fernseher das dritte Pils gezischt habt. Ich musste irgendwie das Loch zukleben. Bei Regen ist das eine Herausforderung, noch dazu mit zitternden Händen. Im zweiten Anlauf gelang es mir. Und es hielt sogar, obwohl direkt daneben ein Altflicken saß. Währenddessen wurde es immer schlammiger auf dem Jakobsweg. Knietiefe Wasserlöcher, feuchter Sand, glitschige Steine – der Pilgerpfad verwandelte sich in einen Morast.

Da ich mit diesem Schlauch wohl keine weiteren Fahrten bestreiten konnte, entschloss ich mich, nach Lalín zurückzuradeln, mein Rad nach 2.000 Kilometern am nächsten Tag zu überholen und doch noch das schöne Marionettenmuseum zu besuchen. Lalín liegt auf dem Jakobsweg und bietet eine neue Herberge zum Übernachten an. Mit einer neuen Kette, Zahnkranz und neuen Brems- und Schaltzügen geht es morgen 300 Kilometer weiter ab Ourense erst einmal Richtung Salamanca. Das Wetter ist wieder sommerlich, wenngleich sich der Nebel erst mittags verzieht.

Heute legte ich einen Ruhetag ein und besuchte nach dem Frühstück eine Therme am Rio Miño. Ourense ist für die Thermen berühmt. Für 7.20 € konnte ich mich dort wunderbar drei Stunden in gut zehn unterschiedlich temperierten Becken entspannen. Die Beine sind aber immer noch angespannt. Vielleicht merke ich morgen mehr nach einem erholsamen Schlaf.

Jedermannsrecht aufs Thermalbad

Jeder Bürger der galizischen Stadt Ourense hat das Recht auf ein Thermalbad. Idyllisch am Río Miño sprudeln warme Quellen aus Mutter Erde, aber auch im Stadtzentrum. Entspannung zum Nulltarif.

Der Jakobspilger mag es aber luxuriös mit Massage und Sauna und radelt einige Meter weiter. Dort kann man sich in einer Therme verwöhnen lassen. Der Eintritt kostet 5.50 €. Leider warteten dort allerdings gut 100 weitere Menschen darauf, hereingelassen zu werden. Das muss nicht unbedingt sein. Morgen früh starte ich einen neuen Versuch.

Auf dem Jakobsweg Sport hält jung

Gerade gelesen: Sport hält jung. Das hoffe ich doch sehr. Schließlich muss auch etwas dabei herauskommen, wenn ich fast jeden Tag 30 bis 50 Kilometer erst auf dem portugiesischen und dann auf dem nördlichen Jakobsweg an der Küste radele, es meistens durchs Mittelgebirge geht, ich insgesamt gut 35 Kilo unter mir fortbewege. Zehn Kilo habe ich in acht Wochen abgenommen, ohne wirklich leiden zu müssen, indem ich nur Früchte der Kakteen esse oder Agarve. 76 Kilo zeigte die Waage neulich an.

Ans Schieben auf steinigen oder steilen Strecken habe ich mich auch gewöhnt und beherrsche es sogar deutlich besser, da meine Armmuskulatur stärker geworden ist. Binnen kurzer Zeit habe ich also schon schöne Ergebnisse erzielt. Und ich habe noch einiges vor mir: Jetzt geht es gut 500 Kilometer weiter auf der Via de la plata nach Salamanca. Dann folgt eine ähnliche Entfernung nach Porto.

Sport ist gesund

Heiß, heiß, heiß Auf dem Jakobsweg

Da viele fragen, wie heiß es gerade auf dem Jakobsweg im brennenden Galizien zugeht. Zwei Monate soll es im Landesinneren nicht mehr geregnet haben. Mir ist zuweilen schon ziemlich heiß. Der Himmel ist staubig. Die Sonne schillert deshalb grünlich. Aschestückchen fallen vom Himmel. Die Schleimhaut in der Nase trocknet und setzt sich mit dunklem Staub zu. Trotz des Radelns im Gebirgswald wird mir so heiß, dass ich das erste Mal seit Jahren im Dorf Rosende eiskalte Cola trinke, die mir tatsächlich Abkühlung verschafft. Eigentlich verabscheue ich solche Getränke genauso wie Zigaretten. Es ist immerhin 30 Grad warm, was ich aber nicht so wahrnehme, da ich mittlerweile gut trainiert bin.
Später komme ich in Barreiro an, wo ich übernachten will. Das ist gut 40 Kilometer südlich von Santiago de Compostela entfernt, wo ich vor der zu erwartenden Sintflut geflohen bin. Der Wirt sagte mir, dass der Staub von einem zehn Kilometer entfernten Brand in Sellida stammte. Und jetzt rieche ich tatsächlich das Feuer. Als es dunkel wird, trete ich aus dem Hostal wieder auf die Straße. Die meisten Fenster sind dunkel. Kein Mensch ist zu sehen. Einige Männer stehen an der Theke einer Bar, drehen sich sogar etwas weg, was für Galizien schon ungewöhnlich ist. Sonst grüßen die meisten höflich. Ich erkläre es mit der Furcht vor dem Feuer. Immerhin brennen 7000 Hektar. 10.000 Hühner sterben, während ich elektrisiert eine Estrella Galicia trinke. Diese Zahlen entnehme ich am nächsten Tag dem „Faro de Galicia“. Vielleicht haben die Leute auch Komplexe ihres seltsamen Ortes wegen, weil ich lache, weil es hier nur pinchos zum Knabbern gibt. Der Wirt guckt etwas säuerlich.
Als ixh die Wirtin der benachbarten Vinothek auf den Geisterstunde anspreche, meint sie, die Leute ruhten sich nur aus. Beim Verlassen der Vinothek hat such der Brandgeruch verstärkt
Eine portugiesische Freundin schreibt mir, dass es auch an vielen Orten in Portugal brenne: in Guarda, Viseu und Certo. Das stärkste Feuer befinde sich in Vigo am Atlantik. Genau durch diese Orte führr mein Rückweg von Salamanca nach Porto. Werde ich bakd vom Feuer sein? Jetzt wünsche ich mir den Regen, dem ich eigentlich entkommen wollte. Wie alle Menschen. Im Hostal iist lein Laut zu hören. Wie würde ich handeln, wenn der Ort evakuiert werden müsste. Ich hatte solch eine Situatio erst einmal i Narvik in Nordnorwegen erlebt, als ich frisch aus der Dusche kam. Nackt woilte ich nicht auf die Straße treten. Also zog ich mich zügig an und schnappte meine Packtaschen.
Nachts hörte ich Regentropfen. Die Reifen rollten auf nassem Asphalt. Jetzt hoffte ich, dass es bald auf der ganzen iberischen Halbinsel regnete.

Aarhus Stadt des Lächelns

Ein Reporter der “New York Times” war in der dänischen Kulturhauptstadt und empfiehlt ausdrücklich einen Besuch.

https://www.nytimes.com/interactive/2017/10/12/travel/what-to-do-36-hours-in-aarhus-denmark.html?rref=collection%2Fsectioncollection%2Ftravel&action=click&contentCollection=travel&region=rank&module=package&version=highlights&contentPlacement=1&pgtype=sectionfront

Auf dem Jakobsweg Galizische Landidylle

Eine wunderschöne, aber auch anstrengende Etappe liegt hinter mir von Vilalba nach A Lagoa in der Provinz Lugo. Der Weg ist zum Teil etwas holprig, da Steine im Weg liegen. Bei Steigungen muss ich schon meine Pferdestärken erhöhen, um das gut 35 Kilo schwere Rad auf den nächsten Stein zu bugsieren und dann wieder den nächsten Stein. Stufe für Stufe. Dafür entschädigen aber die Ruhe, wenig bis gar kein Autoverkehr und immer mal wieder netten Gesprächen mit den galizischen Bauern. Diese unterbrechen ihre Arbeit gerne für einen Plausch mit dem vorbeiziehenden Jakobspilger. Der eine zeigte mir seine 18 Hühner, die den Fuchs fürchten müssen, seine drei Schweine und acht Kühe. Der andere, Abél, zeigte mir seinen alten Waschtrog aus Stein, in dem sich vor über hundert Jahren seine Familie wusch.