Erbarmungslos trockener Jakobsweg

Erbar­mungs­los tro­cke­ner Jakobs­weg: Welch eine abwechs­lungs­rei­che Land­schaft zwi­schen Mom­buey und Ollosa de Tera in Kas­ti­li­en und León. Heu­te Mit­tag streif­te der Rei­sen­de noch auf einer Moun­tain­bike-Rou­te um Mom­buey her­um. Dort war es sehr tro­cken. Nur dicke schwe­re glän­zen­de Quarz­stei­ne erhell­ten die Stim­mung. Es könn­te hier also Gold geben. Hei­de­kraut ist es gelun­gen, sich hier anzu­sie­deln: Es ist hart und krat­zig. Son­ne knallt grell vom Him­mel. Aber die Luft ist erstaun­lich: herbst­lich kühl. Gro­ße Bäu­me dar­ben am Boden, hin­weg­ge­fegt von einem Sturm im Juni. Sie ver­sper­ren den Sin­gle-Trail. Des­halb muss der Jakobs­pil­ger zwi­schen Fel­sen radeln, die wie Ter­mi­ten­bau­ten empor­ra­gen. Ein Paar aus Madrid streift trau­rig durchs tro­cke­ne Fluss­bett des Rio Negro. Der Name kommt wohl nicht von unge­fähr. Sie laden den Bike­pa­cker zum Kaf­fee ins küh­le Feri­en­haus ein.t

Nach erbarmungslos trocken kühles Nass

Am spä­ten Nach­mit­tag heißt es nicht mehr erbar­mungs­los tro­cke­ner Jakobs­weg, son­dern end­lich küh­les Nass. Eine Erlö­sung! Der Rio Tera kreuzt wie­der sei­nen Weg. Die­sem ist der Rei­sen­de bereits in der Nähe der “Lagu­na de los pezes” — Lagu­ne der Fische — bei Pue­bla de San­ab­ria begeg­net. Dort ist er noch auf 1800 Meter Höhe gera­delt ohne Lei­den. Hier bei Ollosa de Tera wird das Gewäs­ser gestaut. In der Her­ber­ge in Mom­buey gibt es übri­gens kei­ne Bett­wan­zen — “chin­chos” auf Spa­nisch. Pil­ger in der Her­ber­ge von Cam­po­bece­ros setz­ten das Gerücht in die Welt. Die “alber­gue” hat­te der Pil­ger ganz für sich allei­ne. Eine net­te Nach­ba­rin öff­ne­te ihm die Tür . Um mor­gens muss­te er ihr die Schlüs­sel nur in die Hand drü­cken. Denn sie stand schon war­tend auf der Stra­ße. Wer also von Sevil­la den Jakobs­weg “Via de la pla­ta” Rich­tung Sant­ia­go de Com­pos­te­la her­auf­ra­delt, kann sich dort beru­higt nie­der­las­sen. Aber der Rei­sen­de ruht nicht, son­dern fährt mor­gen wei­ter Rich­tung Rio Due­ro. So etwas wie einen erbar­mungs­los tro­cke­nen Jakobs­weg wird dort mit Sicher­heit nicht geben.

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Radeln zum größten Eiszeitsee Spaniens

Radeln zum größ­ten Eis­zeit­see Spa­ni­ens: Heu­te kam der Rei­sen­de dem Herrn im Him­mel sehr nahe. Er fand eine Königs­etap­pe Kas­ti­li­en-Leóns. Auf 17 Kilo­me­tern schraub­te er sich her­auf auf 1800 Meter zur Lagu­ne der Fische. Es ist zwei­fel­los eine der schöns­ten Stre­cken, die er auf dem Jakobs­weg “Via de la pla­ta” erle­ben durfte.

Die Lagu­ne liegt gut sie­ben Kilo­me­ter von der Klein­stadt Pue­bla de San­ab­ria ent­fernt. Nicht nur der Besuch der Stadt lohnt. Es ist auch ein Genuss, erst zum größ­ten eis­zeit­li­chen See Spa­ni­ens zu radeln, zum Lago de San­ab­ria. Von dort geht es dann wei­ter zur Lagu­na de los Peces, der Lagu­ne der Fische. Am Fuße des Ber­ges liegt ein Dorf, wo jeder auch in einer der bei­den Gast­stät­ten eine Feri­en­woh­nung mie­ten kann. Denn einen vol­len Tag soll­te jeder schon für die Tour auf den Berg ein­pla­nen. Und ohne Gepäck ist es viel schöner.

Viel trinken beim Radeln zum größten Eiszeitsee Spaniens

Daher fühlt der Bike­pa­cker auf sol­chen Stre­cken nie: Hof­fent­lich ist es bald vor­bei. Genau das Gegen­teil. Er genießt es! Jeder muss nur unter­wegs zuse­hen, gut zu trin­ken. Es emp­fiehlt sich, zwi­schen­durch viel­leicht mal einen Apfel zu essen oder Nüs­se. Somit ver­fü­gen Sport­ler immer über aus­rei­chend Ener­gie und Flüs­sig­keit. Der Sat­tel ist auch ent­schei­dend beim Rad­wan­dern: Er fährt mit einem neu­en SQL. Mit des­sen har­ter Pols­te­rung ist er sehr zufrie­den. Drei Modu­le las­sen sich für einen unter­schied­li­chen Här­te­grad unter den Sat­tel schie­ben: weich, mit­tel, hart.

Belus­tigt ist er über die ver­le­ge­nen Bli­cke der Typen dort oben. Jeder von ihnen ist bestimmt ein Ass a Gas. Jetzt ste­hen sie hier mit ihren Mädels: in blü­ten­wei­ßen Blu­sen, wahr­schein­lich auch mit Kra­wat­te und Bügel­fal­ten mor­gens im Büro. Aber für die­se gut 17 Kilo­me­ter lan­ge Stei­gung brau­chen sie bestimmt einen Defil­li­bra­tor schon nach den ers­ten drei Kilo­me­tern. Denn dort beginnt ein stei­ler Anstieg. Das Herz des Jakobs­pil­gers klopft stark, aber nie über­mä­ßig. Ein gutes Training!

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Wenn dir die Einsamkeit gefällt…

Wenn dir die Ein­sam­keit gefällt: “Si te gus­ta la sole­dad, si quie­res ser prot­ago­nis­ta de este cami­no jun­to a la gran­de­za del paisa­je y fren­te a dure­za de los fri­os y los soles. Si quie­res que los ata­r­de­ce­res te arras­tren en sus hon­dos silen­ci­os y que a las maña­nas los quie­bros de la auro­ra te agi­ten el alma … ¡este es tu camino!”

“Wenn dir die Ein­sam­keit gefällt, wenn du Haupt­dar­stel­ler die­ses Weges sein willst, zusam­men mit der Groß­ar­tig­keit der Land­schaft und gegen die Här­te der Käl­te und der Son­ne. Wenn du willst, dass die Son­nen­un­ter­gän­ge dich in ihr tie­fes Schwei­gen zie­hen und dass mor­gens die Unter­gän­ge der Mor­gen­rö­te dir die See­le auf­rüt­teln … ist dies dein Weg!”

Dies steht auf dem mit stei­ner­nen Wan­der­stie­feln ver­se­he­nen Monu­ment am Jakobs­weg “Via de la Pla­ta”. Die Stre­cke führt von Sevil­la in Anda­lu­si­en nach Sant­ia­go de Com­pos­te­la in Gali­ci­en. Den Rei­sen­den spricht der Text an. Denn er spricht von Ein­sam­keit, von der Här­te der Käl­te und der Son­ne, von wei­ter Land­schaft, von der Stil­le, der beein­dru­cken­den Stim­mung am Mor­gen. “Dann ist das dein Weg”. Kein ande­rer Jakobs­pil­ger ist in Sicht. Nur eini­ge hun­dert Meter wei­ter frisst ein ange­lein­ter Esel Gras in einer Sied­lung ohne Men­schen. Großartig!

Burg aus dem Roman “Don Quijote”

Hin­ge­gen tref­fen jetzt vor der Burg in Pue­bla de San­ab­ria Besu­cher ein. Vor die­ser steht der Rei­sen­de gera­de mit sei­nem Fahr­rad. Die­se wol­len wohl erfah­ren, wie die Fes­tung aus­sieht, die Miguel de Cer­van­tes in sei­nem berühm­ten Schel­men­ro­man “Don Qui­jo­te” zum Schau­platz sei­ner Hand­lung erwählt hat. Eine rich­ti­ge Rit­ter­burg mit run­den Eck­tür­men. Der Tou­ris­mus­ver­band bie­tet eine Tour auf den Spu­ren des Qui­jo­te an. Die­se ähnelt wohl den auch im deutsch­spra­chi­gen Raum oft zu fin­den­den Bur­gen­rou­ten. Heu­te zählt die Fes­tung zu den best­erhal­te­nen Bur­gen des 15. Jahr­hun­derts. Sie steht wie vie­le ande­re Fes­tun­gen auch auf einer Anhö­he. Von oben genie­ßen Tou­ris­ten den wei­ten Blick in die Land­schaft um die alte Fes­tungs­stadt Zamo­ra in Kas­ti­li­en-León. Hier ist es weit­ge­hend flach. Aber wuss­test Du, dass der Jakobs­weg sogar in die­ser Gegend auf weit über 1000 Meter Höhe ansteigt?

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1100 Höhenmeter auf dem Jakobsweg

1100 Höhen­me­ter auf dem Jakobs­weg: Vie­le Grü­ße aus zunächst 676 Metern Höhe auf dem Jakobs­weg von Laza nach Ver­ín. Laza und Ver­ín sind auch als Kar­ne­vals­hoch­bur­gen bekannt. Die Schlamm­schlach­ten in den jewei­li­gen Dorf­zen­tren sind im Früh­jahr legen­där. Dort bewer­fen sich Dorf­be­woh­ner und Spa­ni­er aus ande­ren Tei­len des Lan­des mit Schlamm, zie­hen sich dafür Regen­klei­dung an. Ein ziem­li­cher Spaß. Jetzt ist bei der Durch­fahrt nichts davon zu sehen. Die Haus­wän­de sind wie­der gesäubert.

Die “Via de la pla­ta” führt den Bike­pa­cker in Rich­tung Zamo­ra. Fürs nächs­te Jahr ist schon eine ähn­li­che Tour geplant. Wer mit­ra­deln will, soll­te anfan­gen zu trai­nie­ren. Sonst ist die Chan­ce, nicht durch­zu­hal­ten, gerin­ger als ein Sech­ser im Lotto.

Neue Schnellverbindung nach Madrid

Nun befin­det sich der Jakobs­pil­ger auf 938 Metern Höhe. Gera­de ist er in Cerd­ede­lo ein­ge­trof­fen, wo sich ein Ein­woh­ner auf ihn stürzt. Er ver­mis­se Düs­sel­dorf, wo er 25 Jah­re gelebt habe, erzählt er. Sei­ne Toch­ter arbei­te beim Arbeits­amt in Madrid. Sein Sohn betä­ti­ge sich als Poli­zist in Ouren­se.

Der Rei­sen­de hofft, nicht einer der letz­ten sei­ner Art zu sein, der die­sen wun­der­schö­nen Gebirgs­pass her­auf­ra­deln durf­te. Denn es ent­steht zur­zeit eine Schnell­stra­ße mit Tun­nel. Die­se soll angeb­lich Gali­ci­en bes­ser an Madrid anbin­den. an ihm vor­bei fah­ren Lkw mit Mate­ri­al und Schutt. Ganz oben ist an den Weg­rän­dern alles platt­ge­walzt, neue Wege ange­legt worden.

Da sieht der Rei­sen­de schwarz für die­se Gegend. Spä­ter wird ihn ein Jäger trös­ten und sagen, dass die neu­en Wege nach Abschluss der Arbei­ten wie­der ein­ge­dampft wür­den. Sie sind also nur temporär.

Das Gefühl inne­rer Schwär­ze liegt auch dar­an, dass es hier kürz­lich gebrannt hat. Der Geruch von Asche liegt noch immer in der Luft. Manch­mal sind es Schä­fer, die zün­deln, Rau­cher, die acht­los ihre Kip­pen weg­wer­fen. Äthe­ri­sche Öle gehen schnell in Flam­men auf, beson­ders aber auch der Euka­lyp­tus. Hier und da sind es auch Bau­spe­ku­lan­ten, die Brän­de beauf­tra­gen. Die Lkw-Kolon­nen hören dann end­lich auf. 

Nach dem Auf­ent­halt auf der Ter­ras­se eines Restau­rants in einem Dorf geht es noch wei­ter her­auf; auf 1100 Meter Höhe. Gestar­tet ist der Rei­sen­de heu­te mor­gen auf 882 Metern. Anschlie­ßend ging es auf 465 Meter her­un­ter und das Gan­ze schließ­lich wie­der her­auf. Erbar­mungs­los und ein ziem­li­cher Mara­thon: Die­ser bringt aber wenigs­tens eine gute Kon­di­ti­on ein. Auf 1100 Metern auf dem Jakobs­weg unter­wegs zu sein, soll sich auch lohnen.

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Allariz, schönste Kleinstadt Galiciens

Römi­sche Brü­cke an der Pra­ia Flu­vi­al de Acearrica

All­ariz, schöns­te Klein­stadt Gali­ci­ens: Die­ser Blick wirkt fast schon kit­schig wie auf Post­kar­ten. Oder nicht? Unver­mu­tet ist der Rei­sen­de auf sei­nem Weg nach Sant­ia­go de Com­pos­te­la auf eine römi­sche Brü­cke gesto­ßen. Sie liegt an der Pra­ia Flu­vi­al de Acear­ri­ca nahe All­ariz. Ihre bei­den Bögen über dem Was­ser sind per­fekt gerun­det. Dies ist typisch für die anti­ke Archi­tek­tur, als Rom noch die Ibe­ri­sche Halb­in­sel besetzte.

Nahe der Brü­cke liegt All­ariz. Sie gilt als schöns­te Klein­stadt Gali­ci­ens im Nord­wes­ten Spa­ni­ens, befin­det sich in der Nähe von Ouren­se an der spa­nisch-por­tu­gie­si­schen Gren­ze. Sie ist es wert, auf der Rad­wan­de­rung auf­grund ihrer male­ri­schen Gas­sen und der schö­nen Lage am Fluss besucht zu wer­den. Die Gas­sen sind mit Kopf­stein gepflas­tert. In klei­nen Geschäf­ten kön­nen Tou­ris­ten nach Geschen­ken stöbern. 

Als der Rei­sen­de hier eini­ge Jah­re zuvor auf einer Pres­se­rei­se abends her­um­schlen­der­te, fand gera­de ein Tanz auf dem Dorf­platz statt. Eine Kapel­le spiel­te. Ein Mädel war so gut i n Stim­mung, dass sie ihn zum Tanz auf­for­der­te. Lei­der ent­täusch­te er sie, da er nicht gera­de gut tanzt. Zum Schwo­fen hät­te es viel­leicht gelangt. Und er trug die fal­schen Schu­he. Dar­an und an ihre trau­ri­gen Gesichts­zü­ge erin­ner­te sich der Jakobs­pil­ger jetzt wieder.

Kein Tanz in Allariz, schönste Kleinstadt Galiciens

Da die Dame heu­te nicht wie­der auf­tauch­te, ver­brach­te der Rei­sen­de den Abend in einem klei­nen Restau­rant mit wohl schme­cken­den Spei­sen. Eine Stär­kung war ihm will­kom­men. Denn von nun an führ­te die Stre­cke in die Ber­ge. Der Ther­mal­ort Ouren­se liegt mit nur 23 Kilo­me­tern bereits hin­ter ihm, der mit All­ariz über die alte Pil­ger­rou­te “Via de la pla­ta” ver­bun­den ist, die eins­ti­ge römi­sche Ver­kehrs­stra­ße. Sie heißt übri­gens nicht “Sil­ber­weg” (pla­ta = Sil­ber), son­dern gepflas­ter­ter Weg, was aus dem Ara­bi­schen abge­lei­tet ist. Der Pil­ger­weg führt ab Sevil­la im Süden in den Nord­wes­ten Spa­ni­ens. Mehr dazu folgt im Rad­rei­se­füh­rer über Galicien.

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Herbstlicht auf dem Jakobsweg

Herbst­licht auf dem Jakobs­weg: Der Herbst ist nun auch in Gali­ci­en ein­ge­zo­gen. Fast über­all lie­gen Eicheln und Kas­ta­ni­en auf dem Boden. Bau­ern haben aber auch klei­ne Hau­fen aus ihnen gebil­det, füt­tern sie doch mit den Früch­ten ihr Vieh. Deren Scha­len kna­cken rich­tig unter den Rei­fen des Rei­se­ra­des. Dabei han­delt es sich um ein Ghost-Moun­tain­bike, bepackt mit Ort­lieb-Taschen am Hin­ter­rad, Zelt und Schlaf­sack. Auf dem Rücken befin­det sich noch ein Vau­de-Ruck­sack für Wert­sa­chen. Auf noch mehr Gepäck ver­zich­tet der Rei­sen­de, weil er sich in Euro­pa befin­det, wo man prak­tisch über­all Fahr­rad­tei­le kau­fen kann.

Panische Reaktion im Herbstlicht auf dem Jakobsweg

Nachts wird es hier schon ganz schön kalt, obwohl die Regi­on so weit im Süden Euro­pas liegt. Der Son­nen­stand erlaubt tol­le Bil­der so spät im Jahr. Hier steht der Rei­sen­de in der Nähe eines der best­erhal­te­nen gali­cis­chen Dör­fer: All­ariz. Ouren­se ist weit entfernt.

Da das Rad schwer und es nicht mög­lich ist, das Rad irgend­wo anzu­leh­nen, hat der Rei­sen­de zuvor eine Spa­zier­gän­ge­rin gebe­ten, das Rad für einen Moment zu hal­ten. Statt­des­sen lief die­se panisch davon. Wäh­rend er die­sen Baum foto­gra­fier­te, sah er sie etwas wei­ter ent­fernt tele­fo­nie­ren. “Da braut sich etwas zusam­men”, dach­te er. Schnell wei­ter fah­ren, bevor ihn gleich die Guar­dia Civil noch stoppt. Doch von deren Fahr­zeu­gen tauch­te nichts auf. 

Statt­des­sen kam ihm ein frus­triert drein­schau­en­der Mann auf dem Rad ent­ge­gen, wohl der Ehe­mann. Dem Rei­sen­den wür­dig­te er kei­nes Bli­ckes. Deut­lich war ihm aber der Ärger anzu­se­hen, dass er sich ange­sichts des Bike­pa­ckers dach­te: “Mei­ne Frau hat wie­der ein­mal eine ihrer Panik­at­ta­cken. Was soll ich bloß tun?” Der Mann konn­te einem nur leid tun.

Aber mensch­li­che Begeg­nun­gen sind auch der Reiz die­ser Rei­se: Frü­her am Tag hat­te der Rei­sen­de noch zwei net­te Spa­zier­gän­ge­rin­nen getrof­fen, die ihm den wei­te­ren Weg erklär­ten. Ohne in Panik zu gera­ten. Sie zeig­ten sich begeis­tert über sein Vor­ha­ben, sich das schö­ne Gali­ci­en anzu­schau­en und dabei eben auch das schö­ne Herbst­licht auf dem Jakobs­weg zu genießen.

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Thermalwasser am Jakobsweg

Ther­mal­was­ser am Jakobs­weg: Feu­er und hef­ti­gen Gewit­ter­re­gen hat der Rei­sen­de end­gül­tig über­wun­den. Neu­lich saß er ver­zwei­felt auf der Ther­ma­rest-Mat­te in einer Hei­de. Er zit­ter­te vor Käl­te, weil es in Strö­men reg­ne­te. Das Was­ser floss auf den Schlauch und in den Rei­fen, wäh­rend ande­re wahr­schein­lich gera­de gemüt­lich auf dem Sofa vor dem Fern­se­her sich das drit­te Pils rein­zisch­ten. Er muss­te irgend­wie das Loch zukle­ben. Bei Regen for­dert das her­aus, noch dazu mit zit­tern­den Hän­den. Im zwei­ten Anlauf gelang es ihm. Und es hielt sogar, obwohl direkt dane­ben ein alter Fli­cken saß. Wäh­rend­des­sen wur­de es immer schlam­mi­ger auf dem Jakobs­weg. Knie­tie­fe Was­ser­lö­cher, feuch­ter Sand, glit­schi­ge Stei­ne — der Pil­ger­pfad ver­wan­del­te sich in einen Morast.

Da er mit die­sem Schlauch wohl kei­ne wei­te­ren Fahr­ten bestrei­ten konn­te, ent­schloss er sich, nach Lalín zurück zu radeln. Am nächs­ten Tag woll­te er sein Rad nach 2.000 Kilo­me­tern über­ho­len und doch noch das schö­ne Mario­net­ten­mu­se­um zu besu­chen. Lalín liegt am Jakobs­weg und bie­tet eine neue Her­ber­ge zum Über­nach­ten an. 

Dort gibt es auch ein Rad­ge­schäft, in dem sich der Rei­sen­de mit einem Kaf­fee wie­der auf­wär­men durf­te. Mit einer neu­en Ket­te, Zahn­kranz sowie neu­en Brems- und Schalt­zü­gen geht es mor­gen 300 Kilo­me­ter wei­ter ab Ouren­se erst ein­mal Rich­tung Sant­ia­go de Com­pos­te­la. Das Wet­ter ist wie­der som­mer­lich, wenn­gleich sich der Nebel erst mit­tags verzieht.

Entspannung im Thermalwasser

Heu­te leg­te er einen Ruhe­tag ein und besuch­te nach dem Früh­stück eine Ther­me am Rio Miño. Ouren­se ist für die Ther­men berühmt. Jeder Bür­ger der gali­cis­chen Stadt hat das Recht auf ein Ther­mal­bad. Idyl­lisch am Río Miño spru­deln war­me Quel­len aus Mut­ter Erde, aber auch im Stadt­zen­trum. Ent­span­nung zum Nulltarif. 

Beim ers­ten Anlauf am Abend war der Jakobs­pil­ger auf etwas Luxus aus mit Mas­sa­ge und Sau­na. Statt eines der öffent­li­chen Bäder am Fluss zu neh­men, radel­te er eini­ge Meter wei­ter. Dort kann man sich in einer Ther­me ver­wöh­nen las­sen. Der Ein­tritt kos­tet 5.50 Euro. Lei­der war­te­ten dort aller­dings gut 100 wei­te­re Men­schen in einem vor­ge­la­ger­ten Restau­rant dar­auf, ein­ge­las­sen zu wer­den. Das muss­te nicht unbe­dingt sein.

Am nächs­ten Mor­gen star­te­te er einen neu­en Ver­such. Im Gepäck befand sich auch ein Bade­man­tel aus dem Hotel. Für heu­te 7.20 Euro ent­spann­te er sich wun­der­bar drei Stun­den in gut zehn unter­schied­lich tem­pe­rier­ten Becken. Die Bei­ne sind den­noch etwas ange­spannt. Viel­leicht merkt er mor­gen mehr Wir­kung nach einem guten Schlaf. Und hof­fent­lich wer­den Feu­er und Ther­mal­was­ser auf dem Jakobs­weg so schnell nicht wie­der auf­tau­chen. Auf der Stre­cke nach Ouren­se lern­te er auch das bezau­bern­de All­ariz kennen.

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Radeln auf dem Jakobsweg hält jung

Radeln auf dem Jakobs­weg hält jung: Gera­de gele­sen: Sport hält jung. Das hofft der Rei­sen­de doch sehr auf sei­ner Rund­rei­se durch Gali­ci­en. Schließ­lich muss auch etwas dabei her­aus­kom­men, wenn er fast jeden Tag 30 bis 50 Kilo­me­ter erst auf dem por­tu­gie­si­schen und dann auf dem nörd­li­chen Jakobs­weg an der Küs­te radelt. Dabei geht es meis­tens durchs Mit­tel­ge­bir­ge. Dabei bewegt er ins­ge­samt gut 35 Kilo unter sich fort. Das Rad selbst wiegt gut zwölf Kilo. Die Pack­ta­schen plus Zelt und Schlaf­sack bean­spru­chen um die 23 Kilo. Zehn Kilo hat er bin­nen acht Wochen abge­nom­men, ohne wirk­lich lei­den zu müs­sen. Er quält sich nicht mit einer Diät, indem er zum Bei­spiel nur noch bit­te­re Tei­le einer Aga­ve oder Früch­te eines Kak­tus isst. Aller­dings ist er auch wenig am Tag: Müs­li am Mor­gen, tags­über Äpfel und Erd­nüs­se, Tapas hier und da in einer Bar. Abends füllt leich­te medi­ter­ra­ne Kost den Magen. Und dazu gibt es lecke­ren spa­ni­schen Kaf­fee. Der Erfolg stellt sich ein: 76 Kilo zeig­te die Waa­ge neu­lich an.

Ans Schie­ben auf stei­ni­gen oder stei­len Stre­cken hat er sich auch gewöhnt. Mitt­ler­wei­le beherrscht er das sogar deut­lich bes­ser und flucht nicht mehr so viel. Denn sei­ne Arm- und Rumpf­mus­ku­la­tur ist deut­lich stär­ker gewor­den. Außer­dem trai­niert das frei nach der Devi­se: Was nicht tötet, här­tet ab. 

Bin­nen kur­zer Zeit hat er also schon schö­ne Ergeb­nis­se erzielt. Und er hat noch eini­ges vor sich: Jetzt geht es gut 500 Kilo­me­ter wei­ter auf der Via de la pla­ta nach Zamo­ra. Die­ser Weg führt Pil­ger von Sevil­la in Anda­lu­si­en nach Sant­ia­go. Es schließt sich eine ähn­li­che Ent­fer­nung am Rio Dou­ro ent­lang nach Por­to an. 

Radeln auf dem Jakobs­weg hält jung. Medi­ta­ti­ve Erfah­run­gen und tol­le Kon­tak­te gesel­len sich dazu. Eine run­de Sache. Und jetzt war­tet nach der Hit­ze am Tag des Feu­ers und dem Ver­lust vie­ler Kilos ein Ther­mal­bad in Ouren­se auf ihn!

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Heiß heiß heiß in Galicien

Heiß, heiß, heiß in Gali­ci­en: Da vie­le fra­gen, wie heiß es gera­de auf dem Jakobs­weg im bren­nen­den Gali­ci­en zugeht. Zwei Mona­te soll es im Lan­des­in­ne­ren nicht mehr gereg­net haben. Dem Rei­sen­den ist zuwei­len schon ziem­lich heiß. Der Him­mel ist stau­big. Die Son­ne schil­lert des­halb grün­lich. Bevor er vom Brand erfährt, fin­det er die Fär­bung noch ziem­lich cool zum Foto­gra­fie­ren. Er hält den Staub für Sand aus Afri­ka. Es sind immer­hin 30 Kilo­me­ter bis zum Brand­herd. Die Schleim­haut in der Nase trock­net und setzt sich mit dunk­lem Staub zu. 

Trotz des Radelns im Gebirgs­wald wird ihm so heiß, dass er das ers­te Mal seit Jah­ren im Dorf Rosen­de eis­kal­te Cola trinkt. Die­se ver­schafft tat­säch­lich Abküh­lung auf der Rad­rei­se durch den Nord­wes­ten Spa­ni­ens. Eigent­lich ver­ab­scheut er sol­che Geträn­ke genau­so wie Ziga­ret­ten. Es ist immer­hin 30 Grad warm. Das nimmt er aber nicht so wahr. Denn er ist mitt­ler­wei­le gut trainiert.

7000 Hektar Land verbrennen

Spä­ter kommt er in Bar­rei­ro an. Dort will er über­nach­ten. Das liegt gemes­sen am Cami­no de Sant­ia­go gut 40 Kilo­me­ter süd­lich von Sant­ia­go de Com­pos­te­la ent­fernt. Von dort war er noch vor einer zu erwar­ten­den Sint­flut geflo­hen. Der Wirt sag­te ihm, dass der Staub von einem zehn Kilo­me­ter ent­fern­ten Brand in Selli­da stamm­te. Und jetzt riecht er tat­säch­lich das Feu­er. Als es dun­kel wird, tritt er aus dem Hos­tal wie­der auf die Stra­ße. Die meis­ten Fens­ter sind dun­kel. Kein Mensch ist zu sehen. 

Eini­ge Män­ner ste­hen an der The­ke einer Bar, dre­hen sich sogar etwas weg. Dies ist für Gali­ci­en schon unge­wöhn­lich. Sonst grü­ßen die meis­ten höf­lich. Der Rei­sen­de erklärt es sich mit der Furcht vor dem Feu­er. Immer­hin bren­nen 7000 Hekt­ar. 10.000 Hüh­ner ster­ben, wäh­rend er wie elek­tri­siert “Est­rel­la Gali­cia” trinkt. Die­se Zah­len ent­nimmt er am nächs­ten Tag aus der Zei­tung „Faro de Gali­cia“. Viel­leicht haben die Leu­te auch Kom­ple­xe ihres selt­sa­men Ortes wegen, weil er lacht, weil es hier nur pin­chos zum Knab­bern gibt. Der Wirt guckt etwas säu­er­lich. Als er spä­ter die benach­bar­ten Vino­thek die Wir­tin der benach­bar­ten Vino­thek auf die Geis­ter­stun­de anspricht, meint sie, die Leu­te ruh­ten sich nur aus. Beim Ver­las­sen der Vino­thek hat sich der Brand­ge­ruch verstärkt.

Eine por­tu­gie­si­sche Freun­din schreibt, nach­dem er ihr von sei­nen Ängs­ten vor dem Brand geschrie­ben hat, dass es auch an vie­len Orten in Por­tu­gal bren­ne: in Guar­da, Viseu und Cer­to. Das stärks­te Feu­er befin­de sich in Vigo am Atlan­tik. Genau durch die­se Orte führt sein Rück­weg nach Por­to. Wird er bald ins Feu­er fah­ren? Bie­ten sich Umwe­ge an?

Regen erwünscht

Jetzt wünscht er sich den Regen, dem er zuvor in Sant­ia­go eigent­lich ent­kom­men woll­te. Wie alle Men­schen hier. Im Hos­tal ist kein Laut zu hören. Wie wür­de er han­deln, wenn der Ort eva­ku­iert wer­den müss­te. Er hat­te solch eine Situa­ti­on ein­mal in Nar­vik in Nord­nor­we­gen erlebt, als er frisch aus der Dusche kam. Nackt woll­te er nicht auf die Stra­ße tre­ten. Also zog er sich zügig an und schnapp­te sich sei­ne Packtaschen. 

Nachts hört er Regen­trop­fen in Bar­rei­ro fal­len. Rei­fen von Autos roll­ten auf nas­sem Asphalt. Jetzt hofft er, dass es bald auf der gan­zen ibe­ri­schen Halb­in­sel reg­net. Hof­fent­lich wird es nicht so bald wie­der “Heiß heiß heiß in Gali­ci­en” hei­ßen. Mor­gen geht es wei­ter auf der Via de la pla­ta in Rich­tung Zamora.

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Aarhus in 36 Stunden

Aar­hus in 36 Stun­den: Die Repor­te­rin Ingrid K. Wil­liams von der “New York Times” besuch­te die däni­sche Kul­tur­haupt­stadt. Sie meint, es sei mög­lich, dort die wich­tigs­ten Sehens­wür­dig­kei­ten bin­nen 36 Stun­den zu besich­ti­gen. Dafür setzt sie ein lan­ges Wochen­en­de an. Aar­hus bezeich­net sie als eine klei­ne Stadt der Wis­sen­schaft. Die­se bie­te ver­blüf­fen­des Kunst­werk, gemüt­li­che Restau­rants und exzel­len­tes Brauhausbier.

In ers­ter Linie sieht sie Däne­marks zweit­größ­te Stadt als Uni-Stadt an. Jeder sieb­te Bewoh­ner stu­die­re. An allen Ecken und Enden sprieß­ten neue archi­tek­to­ni­sche Land­mar­ken und umge­nutz­te Kul­tur­kom­ple­xe wie Wild­blu­men. Am alten Hafen kön­ne man jetzt abends aus­ge­hen und inter­es­san­te Design-Objek­te besich­ti­gen. Die Stadt sei fuß­läu­fig und bie­te sowohl oben wie unten Ent­de­ckun­gen an wie Kunst­wer­ke auf dem Dach als auch gemüt­li­che Löcher in Wän­den. All das befin­de sich nur drei Zug­stun­den von der Haupt­stadt Kopen­ha­gen entfernt.

Am Freitag Kunst und Essen

Zunächst führt Wil­liams an einem ima­gi­nä­ren Frei­tag ihre Leser ins Kunst­mu­se­um AroS. Auf dem Dach emp­fand sie den in Regen­bo­gen­far­ben gehal­te­nen Rund­gang als spek­ta­ku­lär. Die­ses von Olaf­ur Eli­as­son geschaf­fe­ne Kunst­werk sei Insta­gram-taug­lich. Besu­cher könn­ten die Kul­tur­haupt­stadt von oben buch­stäb­lich aus der 360-Grad-Per­spek­ti­ve betrach­ten. Unter dem Rund­gang befin­den sich die Aus­stel­lun­gen des Hau­ses: Die­se offe­rie­ren poli­tisch gela­de­ne Wer­ke wie „No man is an island – The Sata­nic Ver­ses“ oder einen Aus­stel­lungs­raum „The 9 Spaces“ mit audio­vi­su­el­len Arbei­ten zeit­ge­nös­si­scher Künst­ler. Sie hebt die fas­zi­nie­ren­de Rot­licht-Instal­la­ti­on von James Turell her­vor und die audio­vi­su­el­len Arbei­ten des Schwei­zer Künst­lers Pipi­lot­ti Rist.

Gut vier Stun­den spä­ter will die Autorin zu einem Essen im Restau­rant Haer­vaerk ver­füh­ren. Im Spei­se­saal gebe es Besteck in Leder­beu­teln. Fleisch wer­de dort auf­ge­hängt. Das Menü wech­se­le täg­lich. Dies rich­te sich danach, was klei­ne loka­le Zulie­fe­rer gera­de zum Ver­kauf anbö­ten. Ihr Menü begann mit schmack­haf­ten Snacks: Schmalz drap­pier­tem lauch­blätt­ri­gen Bocks­bart folg­ten mit Schin­ken ver­pack­te Gris­si­ni. Ihren Gau­men ver­wöhn­ten danach bel­gi­sche Waf­feln mit Pil­zen. Dazu trank sie Cider des Vin­hu­set Kvist & Vitus im Süden der Stadt. Als wäre dies nicht genug, ließ sie sich dann geba­cke­ne Rüben mit Pfer­de­speck sowie Arti­scho­cken-Eis mit Chips und Kavi­ar schme­cken. 450 Kro­nen für solch ein Mahl sind für däni­sche Ver­hält­nis­se noch aus­ge­spro­chen günstig.

Am Samstag Bier und Architektur

Dass sie danach auch gut geschla­fen hat und schon wie­der hung­rig war, zeigt, dass sie sich bereits um 10 Uhr mor­gens zu einem Bier-Menü ein­fand. Dies bot ihr die Bar Hant­Werk. Die­se böte jüt­län­di­sche Sor­ten wie „Blon­di­nes Kusi­ne“. Hin­ter dem lus­ti­gen Namen ver­birgt sich ein bel­gi­sches Bier mit Zitrus-Geschmack, das die Mikro­braue­rei Hum­le­land her­stel­le. Danach ließ sie es sich offen­bar in der Bar Mig & Ols­ned­ke­ren bei einem wei­te­ren Bier gut gehen. Dabei muss man sich Aar­hus gar nicht schön trin­ken. Wie es um ihre Bla­se danach bestellt war, möch­te man gar nicht wis­sen. Denn aufs Bier folg­te ein Kaf­fee im “Gre­at Cof­fee”. Die­sen bie­tet mit Søren Stil­ler Mar­kus­sen einer der bes­ten Kaf­fee-Baris­tas Däne­marks an. Die Pro­mil­le schie­nen sich schon aus­zu­wir­ken, denn sie über­sah, dass Name des Man­nes mit ø statt mit o geschrie­ben wird. Dabei über­sah sie auch die vie­len inter­es­san­ten Glas­be­häl­ter in der Kaf­fee­rös­te­rei. Denn der Inha­ber kocht nicht nur ein­fach Kaf­fee. In sei­nem Rei­se­füh­rer „Aar­hus Stadt des Lächelns“ beschreibt der Rei­sen­de das Vor­ge­hen ein­ge­hen­der. Statt­des­sen schlüpf­te sie viel­leicht beschwipst in den Kaf­fee­la­den “RS28”. Dort reich­te man ihr eine schau­mi­ge Lat­te Mac­chia­to. Und sie sprach mit Baris­tas über Aromen.

Bibliothek der Zukunft und kreative Szene

Wie sie es so schon um 11 Uhr in Däne­marks Biblio­thek der Zukunft „Dokk 1“ geschafft hat, bleibt ihr Geheim­nis. Eine phy­si­sche Büche­rei im digi­ta­len Zeit­al­ter. Die­se befin­det sich am Was­ser auf Aar­hus Ø, dem umge­stal­te­ten alten Hafen der Stadt. Das däni­sche Archi­tek­ten-Büro Schmidt Ham­mer Las­sen hat ihr die­se neo-futu­ris­ti­sche hep­ta­go­na­le Struk­tur ver­lie­hen. Sie sei nicht nur ein­fach eine öffent­li­che Büche­rei. Sie bie­te zudem Räu­me für Büros, Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen, Aus­stel­lun­gen, Vor­füh­run­gen sowie Klub­ses­sel zum Aus­ru­hen und Platz fürs Abend­essen. Außen gebe es eine Ter­ras­se mit Platz für Kin­der und Out­door-Kunst, innen einen schö­nen Blick aufs Was­ser und die alte Industrie-Kultur.

Eine Stun­de spä­ter berei­tet ihr Miche­lin-Koch Was­sim Hall­al smør­re­brød zu – sie schreibt smor­re­brod. Das But­ter­brot mit Kar­tof­fel­brei, knusp­ri­gem Schin­ken, kara­mel­li­sier­ten Zwie­beln und Baby­ge­mü­se gebe es in der Loca­ti­on F‑Hoj am Fluss­ufer. Sie emp­fiehlt dazu Krab­ben, zu denen ein Hühn­chen-Apfel-Salat in Senf­sauce ser­viert wird.

So gestärkt begibt sie sich dann ins Kopen­ha­ge­ner Möbel­ge­schäft Paus­ti­an. Dies scheint eine brei­te Palet­te unter­schied­li­cher Sti­le anzu­bie­ten vom Funk­tio­na­lis­ten wie Weg­ner und Jacob­sen Mit­te des 20. Jahr­hun­derts bis zu moder­nen Trend­set­tern wie Muuto and Hay. Das Möbel­haus ist dem­nach in einer ehe­ma­li­gen Eisen­bahn­sta­ti­on am Was­ser unter­ge­bracht. Zu fin­den sei­en dort Desi­gner­stü­cke wie die Arti­scho­cken-Lam­pe Poul Hen­nings­ens. Oder Kay Boje­sens hän­gen­der Affe, der einst in vie­len däni­schen Kin­der­zim­mern zu fin­den gewe­sen sei.

Zwei Stun­den 30 Minu­ten spä­ter fand sie sich in Godsbanen ein, ein alter Güter­bahn­hof. Heu­te lüden dort Krea­ti­ve wie Maler, Schrift­stel­ler und dar­stel­len­de Künst­ler in ihre Stu­di­os, Gale­rien und Ate­liers ein. Dort böten sich jeder­zeit Stra­ßen­mes­sen, Ess- und Trink­fes­ti­vals, Floh­märk­te und Kon­zer­te zum Besuch an – in einer Umge­bung mit alten Eisen­bahn­ge­bäu­den, Spiel­plät­zen, Pop-up-Shops und vege­ta­ri­schem Café.

Abends um 20 Uhr warf sich Autorin Ingrid K. Wil­liams wohl wie­der in Scha­le, such­te das Restau­rant „Ves­ter­lau­get Mad­bo­de­ga“ auf. Dies bezeich­net sie als „gemüt­li­ches Him­mels­pa­ra­dies“. Dafür ver­wen­det sie den däni­schen Begriff „hyg­ge“. Möbliert sei es mit Tischen und Stüh­len vom Floh­markt, ani­miert von Ker­zen. Die Gäs­te teil­ten sich die Tische. Wäh­rend es mor­gens Eng­lish break­fast und däni­sches But­ter­brot gebe, böte der Koch abends nur einen Haupt­gang an wie Span­fer­kel mit Gers­te, Erb­sen und Fen­chel. Oder aber däni­sches Hühn­chen mit Kräu­tern sowie Lin­sen und Pas­ti­na­ken. Dazu als Nach­tisch Rha­bar­ber-Mas­car­po­ne-Hasel­nuss-Tor­te und loka­les Bier. Damit sei für einen hyg­ge­li­gen Abend gesorgt, meint die Autorin.

Für den spä­te­ren Abend emp­fiehlt sie einen Besuch im “Gedulgt“, wo Cock­tails gemixt wür­den. Aber Aar­hus in 36 Stun­den ist noch längst nicht vorüber.

Am Sonntag Isbjerget und dänische Geschichte

Das Köpf­chen war wohl nicht all­zu schwer, so dass sich Ingrid am nächs­ten Mor­gen um 10 Uhr in „Isbjer­get“ ein­fin­det. Die­ses einem Eis­berg nach­emp­fun­de­ne Wohn­haus hat der Archi­tekt Mik­kel Frost ent­wor­fen, den der Rei­sen­de in „Aar­hus Stadt des Lächelns“ por­trä­tiert. Wer vom Was­ser aus auf Aar­hus Ø zusteu­ert, dem wird das hohe wei­ße Gebäu­de nicht ent­ge­hen. Des­sen „wei­ße Spitz­dä­cher rag­ten dra­ma­tisch auf wie zer­klüf­te­te Gip­fel“, schreibt die Autorin.

Mit­tags führt sie sich Kof­fe­in-Ener­gie zu im „La Cabra Cof­fee“. Und wie kann es auch anders sein? Es lockt sie das gute Essen. Gegrill­te Sand­wi­ches, Avo­ca­do-Toast und sowie Brot und Käse. Alter­na­tiv bie­te sich „Aar­hus Street Food“ an, eine Hal­le mit über 30 Stän­den, gespickt mit inter­na­tio­na­ler Küche.

Um 13.30 Uhr lässt sie sich immer­hin auch mal auf däni­sche Geschich­te ein. Im vom Archi­tek­ten­bü­ro Hen­ning Lar­sen gestal­te­ten Moes­gaard Muse­um, das wirk­lich sehens­wert ist, geht es um däni­sche Früh­ge­schich­te bis hin zur Wikingerzeit.

Im Gro­ßen und Gan­zen wid­me­te sich die Dame vor allem dem Essen, was ame­ri­ka­ni­schen Besu­chern wohl ziem­lich wich­tig ist. Aber Kul­tur schmeckt auch am Bes­ten, wenn man bei Aar­hus in 36 Stun­den nicht hung­rig ist. Auch ein Repor­ter der Zeit­schrift “Vogue” besuch­te Aar­hus. Dort gibt es wei­te­re inter­es­san­te Tipps.

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