Jessica Braun spricht in „Die Zeit“ mit der britischen Alpinistin Mollie Hughes

„Einer meiner Freunde ist Wissenschaftler und jeden Winter dort. Seine Fotos und Videos haben mich inspiriert. Ohne Forschungsauftrag ist eine Antarktis-Reise aber richtig teuer. Nun bin ich weder Wissenschaftlerin noch reich. Aber ich bin extrem leidensfähig. Das war mein Ticket.“
Dies sagt die britische Alpinistin Mollie Hughes in einem Gespräch mit Autorin Jessica Braun in der der Wochenzeitung „Die Zeit“ am 12. März 2026. Beide Gesprächspartner sind dem Reisenden nicht bekannt. Wer Jessica Braun ist, wird nicht gesagt. Die Alpinistin wird mitsamt Alter am unteren Rand der Seite als Autorin eines neuen Buches über die Antarktis vorgestellt. Dies löste offenbar das Gespräch aus. Auch ihr Unternehmen in Schottland wird namentlich genannt.
Das Personen-Interview ist eingebettet in die Seiten „Entdecken“ für die es ein eigenes Ressort innerhalb der “Zeit” geht. Es soll um neugieriges Erkunden der Welt gehen, sei es durch Reiseberichte, Architektur, Wissenschaftsgeschichten oder Porträts über Menschen, die ihr Leben verändert haben. Das Ressort will “Fragen, die alles verändern” stellen, Erfindungen sowie neue Ansätze, die die Zukunft gestalten, beleuchten.
Antworten auf zu viele Einzelfragen
Die Interviewerin fragt eingangs, wie man bei minus 35 Grad im Freien auf die Toilette geht. Es gebe nicht viel Privatsphäre, antwortet Hughes. Dann fragt sie, warum diese Eis und Schnee so faszinierten? Die Alpinistin meint, es sei schön, reduziert und real. Dann folgt eine Doppelfrage: ob es anstrengend oder leicht sei. Antwort: Sie lerne viel über sich, genieße die Natur, tue etwas für ihre Seele. Warum stieg sie auf den Mount Everest? Sie habe nach ihre Uni-Abschlussarbeit über Bergsteiger die Welt mit eigenen Augen sehen wollen. Wie sie sich vorbereitet habe, kommt als nächste Frage: Sie habe ein Jahr lang hart trainiert, in Kälte gecampt, schwer bepackt gelaufen.
So geht das bis zum Ende des Gesprächs im Prinzip weiter, mal mit Einzel‑, dann mit Doppelfragen. Aus den oft halboffenen Fragen geht hervor, dass die Interviewerin das Buch gelesen hat und sie auch die Biographie der Befragten kannte. Sie bezieht sich insgesamt auf Aussagen der Sportlerin im Buch, nennt Fakten aus dem Leben, versetzt sich auch einmal in die Situation der Leser, die vielleicht auch über eine Reise dieser Art nachdenken. Welche Tour würden Sie Menschen empfehlen? Oder wie schon zuvor: Wie haben Sie sich vorbereitet?
Die Antworten auf zu viele Einzelfragen sind spannend. Braun ermöglicht es aber Hughes durchs Frage-Antwort-Spiel leider kaum, eigene Fragen zu stellen, eigene Akzente zu setzen. Diese kann nur brav beantworten, wonach sie gefragt wird. Es geht weitgehend ums Vermitteln persönlicher Erfahrungen. Der Interviewerin geht in einer relativ neutralen Grundhaltung daru, in ihrem Gespräch Wertvorstellungen, Emotionen und Empfehlungen zu vermitteln. Hughes antwortet dementsprechend sachlich.
Der Reisende hat bessere Erfahrungen mit Gesprächen gemacht, die ein gegenseitiges Geben und Nehmen sind. So können sich beide Gesprächspartner besser füreinander öffnen. Auch der Interviewer hat so einiges anzubieten. Daher befinden sich beide auf Augenhöhe. Der Leser erfährt so viel mehr über beide Menschen. Schließlich hat auch Jessica Braun einiges zu bieten, ist sie doch mit einem Buch übers Atmen als Spiegel-Bestseller-Autorin gelistet. Der Zeit-Redaktion täte es gut, auch auf die Qualität ihrer Autoren hinzuweisen, damit Leser das zu schätzen wissen.