Jakob Strobel y Serra rettet die Welt

„Mit eigenen Händen hat ihn unser Mann wenige Kilometer südlich von Nimwegen im Osten der Niederlande erschaffen, um uns allen zu zeigen wie wir unseren Planeten retten können.“
Jakob Strobel y Serra, Ressortleiter des Reiseblattes der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), hat sich also entschlossen, einen Reisebericht der lösungsorientierten Art zu verfassen. Daher trägt der am 5. März veröffentlichte Text auch den Titel „Die Natur ist klüger als der Mensch“. Er suchte für den halbseitigen Text Emile van der Staak und Wouter van Eck auf. Diese nennt er Geistesbrüder, besuchte erst des einen „essbaren Wald“, dann des anderen veganes Restaurant. Der eine ist für ihn ein „Superstar“, der andere „berühmt“. Der Text ist in der Ersten Person-Plural verfasst, was altväterlich klingt. Wer „wir“ oder „uns“ sind, beantwortet der Autor nicht.
Durchstreifen & Erleben nimmt seit März 2026 regelmäßig Reiseartikel führender deutschsprachiger Medien unter die Lupe. Der Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) über Freddy Langers Wanderung im Eis bildet den Auftakt dieser Serie. Eingeplant sind in den kommenden Wochen auch unter anderem Süddeutsche Zeitung, Die Welt, und Die Zeit.
400 Pflanzen, Nutzpflanzen aus aller Welt, stehen in diesem 2,5 Hektar großen Wald. Diese seien gleichermaßen resistent gegen Frost und Hitze. Van der Eck komme gänzlich ohne Chemie aus. Monokulturen hasse er. Zu dieser Gesinnung habe ihn seine Zeit als Entwicklungshelfer in Kenia gebracht, wo er sich mit symbiotischen Pflanzensystemen befasst habe. „Und jetzt stehen wir vor haushohen Walnussbäumen, die soviel Ertrag bringen, dass selbst Emile van der Staak davor kapitulieren muss.”
Ausnehmend gut gelaunt, ausnehmend enthusiastisch
Van der Staak kommt einmal in der Woche zu ihm, um Zutaten für seine veganen Gerichte zu kaufen. Dieser wollte lieber Koch als Ingenieur werden, was er mitten in der Prüfungsphase zum Examen entschied. In dessen offener Küche gehe es „forsch“ zu. „Die Brigade, die ausnahmslos schwarze Käppis in der Art chinesischer Kulis trägt, antwortet auf alle Kommandos des Chefs so laut im Chor, dass wir alle unwillkürlich jedes Mal zusammenzucken. Doch sofort können wir uns davon überzeugen, dass in der Küche alles in bester Ordnung ist. Denn fast immer bringen uns die ausnehmend gut gelaunten und ausnehmend enthusiastischen Köche die Gerichte an den Tisch und erklären ohne Umschweife, was sie da getan haben.“
Strobel y Serra greift gerne zum Stilmittel der Wiederholung und der Aufeinanderfolge vieler Substantive. So will er wohl witzig betonen, wie an späterer Stelle dessen Gerichte hochkomplex, hochintellektuell, hochverarbeitet sind. Den Koch selbst beschreibt er als Geschmacksforscher, Aromenalchimisten, Experimentalküchenchef. Doch bleiben diese Begriffe letztlich Worthülsen, da nicht weiter erklärt.
Ein lesenswerter Text? Er ist ziemlich sachlich verfasst, beide Protagonisten sind sehr hervorgehoben. Um die guten Ideen zu unterstützen? Eine gute Idee van Ecks kann es aber durchaus sein, um den Planeten vielleicht zu retten. Es braucht mehr davon.