Perfekt getarnt Radpilgern auf dem Jakobsweg

Wer will noch kom­men? Dann wirst Du in den nächs­ten Tagen den zau­ber­haf­ten Rio Dou­ro ken­nen­ler­nen. Gut 50 Kilo­me­ter rade­le ich jetzt durch Kas­ti­li­en-León, dann bie­ge ich Rich­tung Por­to ab.

Der Cami­no wird trotz Schot­ters ein­fa­cher, denn meis­tens ist das Gelän­de flach. Jeder hät­te gute Chan­cen, hier zu über­le­ben. 😊 Denn das Wet­ter ist kühl, für uns Deut­sche Spät­som­mer. Viel trin­ken muss ich also nicht.

Mein Rad ist ocker­far­ben. Das liegt am Staub. So pas­se ich mich der Umge­bung an, per­fek­te Adap­t­ati­on. Selbst man­che Häu­ser sehen hier so aus. Sie wur­den vor gut 100 Jah­ren aus Lehm erbaut, ent­hal­ten Stein­chen. Der unte­re Rand ist noch gemau­ert. Holz­bal­ken tra­gen die Last. Ver­nünf­tig restau­riert könn­ten sie sogar eine Tou­ris­ten­at­trak­ti­on sein ent­lang der Via de la Pla­ta, der von Sevil­la nach Sant­ia­go de Com­pos­te­la führt. Aber die Spa­ni­er las­sen sie offen­bar nach und nach ver­fal­len, obwohl sie gut zur Iden­ti­fi­ka­ti­on mit der Regi­on beitragen

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Lagune der Fische Auf 1.800 Metern auf dem Jakobsweg

Heu­te kam ich unse­rem Herrn sehr nahe auf einer der Königs­etap­pen, die Kas­ti­li­en-León zu bie­ten hat. Auf 17 Kilo­me­tern schraub­te ich mich her­auf auf 1.800 Meter, zwei­fel­los eine der schöns­ten Stre­cken, die ich auf dem Jakobs­weg erle­ben durfte.

Sie liegt gut sie­ben Kilo­me­ter von Puen­te de San­ab­ria ent­fernt. Es ist ein Genuss, erst zum größ­ten eis­zeit­li­chen See Spa­ni­ens zu radeln, zum Lago de San­ab­ria, und dann wei­ter zur Lagu­na des los Peces.

Daher habe ich auf sol­chen Stre­cken nie das Gefühl: Hof­fent­lich ist es bald vor­bei. Genau das Gegen­teil. Genie­ße es! Ich muss nur zuse­hen, gut zu trin­ken, zwi­schen­durch einen Apfel zu essen, damit ich immer über Ener­gie ver­fü­ge. Der Sat­tel ist auch ent­schei­dend. Ich fah­re mit einem neu­en SQL und bin sehr zufrieden.

Eben­so über die ver­le­ge­nen Bli­cke der Typen dort oben, vor ihren Mädels, in blü­ten­wei­ßen Blu­sen, wahr­schein­lich auch mit Kra­wat­te und Bügel­fal­ten mor­gens im Büro sowie ein Ass am Gas.

Aber für die­se 17 Kilo­me­ter lan­ge Stei­gung brau­chen sie bestimmt einen Defil­li­bra­tor nach den ers­ten drei Kilo­me­tern. Mein Herz klopft stark, aber nie übermäßig.

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PEREGRINO Auf dem Jakobsweg

“Si te gus­ta la soledad, si quie­res ser prot­ago­nis­ta de este cami­no jun­to a la gran­de­za del paisa­je y fren­te a dure­za de los fri­os y los soles. Si quie­res que los atar­de­ce­res te arra­s­tren en sus hon­dos silen­ci­os y que a las maña­nas los quie­bros de la auro­ra te agi­ten el alma … ¡este es tu camino!”

Und irgend­wo da drau­ßen ste­hen die Schu­he, wäh­rend ich hier vor der Burg in Puen­te de San­ab­ria ste­he, die auch eine Rol­le im berühm­ten Roman “Don Qui­jo­te” spie­len soll.

Mich sprach der Text an, weil er von Ein­sam­keit spricht, von der Här­te der Käl­te und der Son­ne, von wei­ter Land­schaft, von der Stil­le, der beein­dru­cken­den Stim­mung am Mor­gen. “Dann ist das dein Weg”.

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Allariz, schönste Kleinstadt am Jakobsweg

Fast schon kit­schig, oder? Eine römi­sche Brü­cke in Allariz auf dem Jakobs­weg. Allariz gilt als schöns­te Klein­stadt Gali­zi­ens, liegt in der Nähe von Ourense an der spa­nisch-por­tu­gie­si­schen Gren­ze. Die Via de la pla­ta führt von Sevil­la nach Sant­ia­go de Com­pos­te­la. Sie ist ihrer male­ri­schen Gas­sen und der schö­nen Lage am Fluss wirk­lich einen Besuch wert.

Mehr dazu in mei­nem kom­men­den Rad­rei­se­füh­rer durch Gali­zi­en, das ich sehr akri­bisch abge­ar­bei­tet habe.

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Straße der Ölsardinen mit Tetilla und Kalmaren

Stra­ße der Ölsar­di­nen mit Tetil­la und Kalma­ren: Wochen­lang ist der Rei­sen­de schon unter­wegs auf sei­ner Rad­tour durch Nord­por­tu­gal und Gali­ci­en. Er hat sich in der Zeit durch ver­schie­de­ne Restau­rants gefut­tert. Frisch vom Kut­ter kamen frisch gekoch­te Mies­mu­scheln im Hafen von Arou­sa. Die Qua­li­täts­kon­trol­le in einen Hafen schenk­te ihm eine gan­ze Tüte davon. So käme er nie mehr auf die Idee, irgend­wo anders als an der Küs­te Mee­res­früch­te zu kau­fen. Und wenn dann nur frisch vom Boot. Zuerst noch deli­kat, ver­lie­ren sie schon bin­nen einer Stun­de deut­lich an Aro­ma. Aber sie lang­ten bis zum nächs­ten Tag und wur­den auch nicht schlecht. Übel ist dem Rei­sen­den auch nach einem Tag Trans­port ohne Eis nicht geworden.

In den Super­märk­ten ent­lang der Todes­küs­te sah er aber stän­dig Kon­ser­ven mit Mee­res­früch­ten. So reif­te in ihm der Ent­schluss, nach dem Genuss der fri­schen Muscheln die ein­ge­leg­ten gali­ci­schen Pro­duk­te zu tes­ten, ob die­se einem Ver­gleich stand­hal­ten. Des­halb griff er nun auch zu Sar­di­nen, Muscheln und Tin­ten­fisch. Er stell­te sie fein säu­ber­lich auf einen Zaun am Strand. So fällt spä­ter auch leich­ter, sich spä­ter an die Pro­duk­te zu erinnern.

Der Tetilla-Käse ist der Form einer weiblichen Brust nachempfunden

Beson­ders inter­es­siert ihn der Käse “tetil­la”, nicht nur der Form wegen. Er ist der Form einer weib­li­chen Brust nach­emp­fun­den. Statt Fleisch vom Rind oder Schwein isst er gene­rell lie­ber Käse, bevor­zugt bio­lo­gi­schen, da Tie­re dann nicht lei­den müs­sen. Oft kom­bi­niert er ger­ne ver­schie­de­ne Käse, um her­aus­zu­fin­den, ob die Aro­men der jewei­li­gen Regio­nen durch­schla­gen. Kräu­ter von ver­schie­de­nen Wei­den kön­nen den Käse stark beein­flus­sen. Im Rad­rei­se­füh­rer “Ser­ra da Est­re­la” und dem You-Tube-Film “Die Scha­fe sind die Bos­se auf den Wei­den” beschreibt er, wie Bio-Land­wir­te in Gou­veia den aro­ma­ti­schen “Quei­xo da Ser­ra da Est­re­la” produzieren.

Sol­che gas­tro­no­mi­schen Ange­bo­te schme­cken am bes­ten an der fri­schen Luft. Und erst recht, wenn eine atem­be­rau­ben­de Land­schaft hin­zu­kommt, in der man als Rad­rei­sen­der mit Sicher­heit gut unter­wegs ist. Wie sicher Rad­ler auf der Stra­ße der Ölsar­di­nen mit Tetil­la und Kalma­ren sind, zeigt der fol­gen­de Bericht auf.

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Finisterre: Himmel auf Erden?

Finis­terre: Him­mel auf Erden? Namen von Orten wie Finis­terre — also Ende der Welt — zie­hen den Rei­sen­den gera­de­zu magisch an. Am Ende der Welt ver­mu­te­ten die Men­schen des Mit­tel­al­ters die größ­te Nähe zu den Inseln der Seli­gen. In einer kel­ti­schen Sage wird erzählt, die Inseln lägen hin­ter dem Hori­zont des Atlan­tiks. Dort such­ten die Pil­ger das Gespräch mit den Toten.

Außer­dem hilft es, auf lan­gen Stre­cken eini­ge Zie­le vor Augen zu haben und sie dann auch ein­zu­hal­ten. Denn sonst fährt man nur durch Land­schaft. Dies kann auf Dau­er ermü­dend sein. In der ers­ten Zeit sei­ner Rad­rei­sen beschränk­ten sich die Tou­ren oft nur dar­auf, Land­schaft wahr­zu­neh­men die Wahr­neh­mung. Doch ab einem bestimm­ten Punkt ist zu erken­nen, dass vie­le Land­schaf­ten ein­an­der ähneln. Das Spe­zi­fi­sche, was Men­schen von Regi­on zu Regi­on anders macht, kommt dabei nicht her­aus. Und da wird es erst span­nend. Auf dem Rad kommt man den Men­schen auch ziem­lich nah. Ein­la­dun­gen kom­men leich­ter zustan­de, als wenn man nur im Auto hockt.

Land­schaft prägt Men­schen. Men­schen prä­gen Land­schaft: Das Kli­ma, der Boden, die Lage an einer Küs­te, an einem Fluss, in den Ber­gen. Das formt. Men­schen bau­en dort Häu­ser, kochen regio­nal­ty­pi­sches Essen, lei­den unter Hit­ze oder erfreu­en sich am mil­den Kli­ma. Bei einer Urlaubs­rei­se mit dem Rad ent­wi­ckelt man ein gutes Gespür für die Land­schaft. Wind und Wet­ter, Stei­gung und Gefäl­le sind unmit­tel­bar zu füh­len. Vor allem am Po.

Doch wie ist es am Ende der Welt? Wie sieht es an der nächs­ten Ecke aus? Geht es dort wei­ter? Eine Sack­gas­se gibt es dort auf der Rad­rei­se durch Gali­ci­en nicht. Denn der Camin­ho de Sant­ia­go endet nicht dort. Der Rei­sen­de setzt von dort aus sei­nen indi­vi­du­el­len Pil­ger­weg fort. Denn Sant­ia­go de Com­pos­te­la hat er in die­sem Jahr noch nicht erreicht. Von hier aus geht die Tour wei­ter in den Nor­den nach A Coru­ña. Er ist noch lan­ge nicht erschöpft, obwohl vie­le har­te Ber­ge hin­ter ihm liegen.

Himmel auf Erden?

Selbst der ent­täu­schen­de Anblick der Klein­stadt Finis­terre — auf Gali­zisch Fis­ter­ra — kann ihn nicht davon abhal­ten. Denn eine schö­ne Stadt ist sie nicht. Die Archi­tek­tur liegt wei­ter unter dem, was sonst eine spa­ni­sche Stadt zu bie­ten hat. Es ist vor allem ein tou­ris­ti­scher Ort mit Über­nach­tungs­mög­lich­kei­ten. Zum Glück aber liegt der Ort male­risch am Strand. Und die Stre­cke ent­lang der Küs­te ist reiz­voll. Es rei­hen sich vie­le schö­ne Aus­sichts­punk­te anein­an­der. Und die Men­schen sind sehr leben­dig. Vie­le Fes­ti­vals gab es im August und Sep­tem­ber von Por­to über Bar­ce­los und Pon­te­ve­dra zu sehen.

Unbe­dingt zu emp­feh­len ist in Finis­terre der Besuch des Leucht­turms. In einem Neben­ge­bäu­de ist ein Hotel mit nur sie­ben Zim­mern zu unter­ge­bracht. Der Rei­sen­de bekam gera­de noch das letz­te Zim­mer, in dem an sich ein Aus­zu­bil­den­der unter­ge­bracht ist. Glück gehabt, um den gan­zen Abend hier voll­auf zu genie­ßen. Von oben schaut man auf Klip­pen im Meer und in die Fer­ne. Dann beginnt das Leucht­feu­er zu glim­men und dann sei­ne Krei­se zu ziehen. 

Es gibt nicht vie­le Orte auf der Welt, wo es der­art stim­mungs­voll ist. Dazu zäh­len für den Rei­sen­den der Leucht­turm Bju­r­ö­klub in Väs­ter­bot­ten und Eck­war­der­hör­ne am Über­gang vom Jade­bu­sen zur Nord­see. Aber Finis­terre, Him­mel auf Erden? Jeder Pil­ger muss das für sich selbst entscheiden.

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Vom Monte do Castelo nach Porto do Son

Vom Mon­te do Cas­te­lo nach Por­to do Son: Nix für Couch-Pota­toes — steil und win­dig. Da war die gest­ri­ge Etap­pe ab Arou­sa deut­lich beque­mer. Aber es ist schön. Ins­ge­samt ist der abwechs­lungs­rei­che Weg 33 Kilo­me­ter lang. Schö­ner als mor­gens an einem lan­gen Sand­strand ohne groß­ar­ti­ge Bebau­ung kann man kaum nach dem Früh­stück star­ten. Direkt hin­ter Xuño geht es den Berg her­auf für Rad­ler, die nicht nur flach am Strand ent­lang fah­ren, Auto­ver­kehr mei­den wol­len. Ganz in der Nähe ver­läuft der 92 Kilo­me­ter lan­ge Pil­ger­werg “Cami­no Finis­terre”.

Kaum oben mit klop­fen­dem Her­zen ange­kom­men, hört der Rad­ler: Ich bin nicht der ein­zi­ge, der den beschwer­li­chen Weg erklom­men hat. Hin­ter ihm hört er das Sur­ren einer Gang­schal­tung. Ein ande­rer Moun­tain­bi­ker setzt zum Über­ho­len an. Aber nach einem kur­zen Gespräch geht es zusam­men wei­ter. Der Gali­cier führt den Rei­sen­den eini­ge Kilo­me­ter soweit, dass er mög­lichst auf einer Höhe blei­ben, um die Berg­luft zu genie­ßen. Scha­fe lau­fen hier frei her­um wie in Nor­we­gen. Den nor­we­gi­schen Witz, dass die wei­ßen Stei­ne im Tun­nel kei­ne Stei­ne sind, hat er hier noch nicht gehört. Es gibt auch eini­ge klei­ne Höfe ent­lang des Passes.

Abfahrt zur Küste

Am Nach­mit­tag ist die Abfahrt nach Por­to do Son erreicht. An Stel­le der Son­ne domi­niert jetzt Nebel die Land­schaft. Unten im Tal läuft eine Par­ty. Musik schallt her­auf. Oder ist es ein Work­out? Denn die Musik erin­nert an die Power­fit­ness des Hoch­schul­sports Müns­ter. Da es erst 18.47 Uhr ist, ist dies eher mög­lich. In Spa­ni­en geht das Nacht­le­ben näm­lich erst ab 22 Uhr los.

Die Musik ent­puppt sich bei der Ankunft als Fischer­fest in Por­to do Son. Mor­gen isst der Rei­sen­de mit ihnen Sar­di­nen. Doch als er am nächs­ten Tag vor­mit­tags am Hafen ein­trifft, sieht er nur noch Grä­ten. Das Fest ist bereits been­det. Viel­leicht haben ande­re Urlau­ber im Sep­tem­ber mehr Glück mit einem Fischer­fest 2021. Lei­der geht es so schnel­ler als gedacht wei­ter nach Ézo­ra.

Gali­zi­sche Fes­te sind näm­lich lus­tig. Sein ers­tes sah der Rei­sen­de vor eini­gen Jah­ren in Sant­ia­go de Com­pos­te­la. Dort ver­such­ten sich in Trach­ten geklei­de­te Musi­ker aus ver­schie­de­nen Lan­des­tei­len im Dudel­sack­spie­len gegen­sei­tig zu über­trump­fen. Sant­ia­go ist ohne­hin fei­er­freu­dig. Eine fröh­li­che Stadt! Vom Mon­te do Cas­te­lo nach Por­to do Son — eine emp­feh­lens­wer­te Rou­te für den Urlaub in Galicien.

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Muschelfischer an der Ria de Arousa

Wie gemalt: Abend­stim­mung in Arou­sa. Hier wer­den die berühm­ten Herz­mu­scheln und Mies­mu­scheln ange­baut. Mor­gens um vier ver­las­sen die Fischer den Hafen. Mor­gen besucht der Rei­sen­de die Fischer. Muschel­fi­scher an der Ria de Arou­sa, das ist das Ziel.

Unwei­ger­lich muss er zuvor an die unsäg­li­che Ver­schmut­zung der Küs­te durch Öl den­ken, die immer wie­der Gali­ci­en heim­sucht. Im Jah­re 2002 sank hier der unter der Flag­ge der Baha­mas fah­ren­de Öltan­ker “Pres­ti­ge”. Er woll­te im Novem­ber 2002 Öl von Lett­land nach Sin­ga­pur brin­gen. Der Kurz­sich­tig­keit der spa­ni­schen Behör­den ist das Desas­ter zu ver­dan­ken, dass die Exis­tenz vie­ler Fischer rui­nier­te. Denn sie lie­ßen den durch einen Sturm leck­ge­schla­ge­nen Tan­ker nicht in einen Hafen fah­ren. Dort hät­te das Öl abge­pumpt wer­den kön­nen. So zer­brach das Schiff und sank in die Tie­fe. 3600 Meter. Tau­sen­de von See­vö­geln und Mee­res­tie­ren star­ben der Ölpest wegen.

Wie geht es heute den Fischern?

Daher woll­te der Rei­sen­de im Inter­view erfah­ren, wie es den Fischern heu­te geht. Unter der Ver­schmut­zung lei­det heu­te zum Glück nie­mand mehr, ver­si­cher­ten ihm Mit­ar­bei­ter der Qua­li­täts­kon­trol­le im Hafen. Sie wie­gen und kochen die “Ern­te” von den vor der Küs­te lie­gen­den Muschel­bän­ken. Anschlie­ßend pro­bie­ren sie auch, wie sie schme­cken. Die Qua­li­tät ist nicht immer gleich. Sie hängt stark von den Nie­der­schlä­gen ab, die aus den Ber­gen über die Flüs­se in die Buch­ten gelan­gen. Daher ist das Was­ser in Nord­spa­ni­en oft ziem­lich kalt. So kalt, dass der Rei­sen­de es ein­fa­cher fin­det, kurz ins Polar­meer zu stei­gen als hier in den Atlan­tik. In Nord­nor­we­gen ist der Tem­pe­ra­tur­un­ter­schied zwi­schen Luft und Was­ser nicht so groß wie hier. Aber je käl­ter das Was­ser, des­to bes­ser fürs Wachs­tum der Muscheln.

Es war schön, zu beob­ach­ten, wel­ches Feu­er in den Augen der Fischer glimmt, sobald ihre Ern­te auf der Waa­ge lan­det. Je mehr Mus­kel­fleisch vor­han­den ist, des­to bes­ser für den Preis. Ist wenig Regen in den Vor­wo­chen gefal­len, fal­len die Muscheln klei­ner aus. Zum Abschied schen­ken die Mit­ar­bei­ter dem Rei­sen­den einen Beu­tel mit frisch gekoch­ten Mies­mu­scheln. Der reicht für zwei Tage. Und er fängt auch nicht an zu gam­meln. In der Qua­li­tät sind weder Muscheln in der Dose noch in den Restau­rants zu fin­den. Trotz mehr­fach fol­gen­der Ver­su­che ent­lang der Stre­cke bis nach Ribadeo.

Dann geht die Rad­rei­se durch Gali­ci­en wei­ter. Das berühm­te Cas­tro de Baro­ña war­tet schon. Der nächs­te Höhe­punkt nach dem Besuch der Muschel­fi­scher an der Ria de Arousa.

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Auf dem Pilgerweg von Combarro nach Arousa

Auf dem Pil­ger­weg von Com­bar­ro nach Arou­sa: Auf das Ende der Welt — Finis­terre — bewegt der Rei­sen­de sich jetzt zu auf der Pil­ger­rei­se. Da alle Wege nach Sant­ia­go de Com­pos­te­la füh­ren, radelt er seit einem Tag auf dem Küs­ten­weg ab Pon­te­ve­dra. Die Stre­cke ist leicht zu bewäl­ti­gen. Nur beim Ver­such, sie zu que­ren, ist mit etwas War­te­zeit zu rech­nen. Bis­her gibt es vie­le Sied­lun­gen. Weni­ger schön. Es gibt aber einen Sei­ten­strei­fen an der Fahrbahn.

Ganz so ein­sam ist es hier nicht zwi­schen Com­bar­ro, A Gran­xa und Arou­sa. Die Feri­en­sai­son an belieb­ten Plät­zen an der Ria de Arou­sa oder an der Ria de Vigo endet erst Mit­te Sep­tem­ber. Bis dahin muss der Pil­ger die Küs­ten­stra­ße mit vie­len Auto- und Motor­rad­fah­rern tei­len. Es scheint wenigs­tens so, dass die­se an Rad­fah­rer gewöhnt sind. Schnell fah­ren die wenigs­ten. Denn vie­le Renn­rad­fah­rer sind an der West­küs­te Gali­ci­ens unterwegs.

Sanxenxo touristisch überfüllt

Ein Ein­woh­ner im über­füll­ten Tou­ris­ten­ort San­xenxo erzähl­te, es hät­ten sich im ver­gan­ge­nen Jahr zwei Unfäl­le ereig­net. Daher füh­ren vie­le Auto­fah­rer jetzt vor­sich­tig. San­xenxo ist wirk­lich abschre­ckend. Der Ort ist über­baut mit Hotels und Restau­rants, ähn­lich ent­täu­schend wie Juels­min­de auf Jüt­land oder Le Trou du Dia­ble in der Ven­dée. Da Mas­sen­tou­ris­mus an die­sen Orten abge­fer­tigt wird, ist das Ver­kehrs­auf­kom­men hoch. Die Stra­ßen wer­den brei­ter, die Park­plät­ze grö­ßer, die Bebau­ung ver­mehrt. Also bit­te Rückbau!

Ab Arou­sa wird es bes­ser, wo es eine gute Pil­ger­her­ber­ge gibt. Pil­ge­rin Alex­an­dra war­tet schon. Sie ver­brach­te eini­ge Tage auf einem Fes­ti­val in Vigo. Nahe bei Arou­sa steigt sie wie­der in den por­tu­gie­si­schen Jakobs­weg ein. Für sie ist Sant­ia­go mit gut 60 Kilo­me­tern nicht mehr weit. Aber erst­mal besu­chen die bei­den Pil­ger mor­gen Muschel­fi­scher im Hafen. Dann heißt es Abschied von­ein­an­der neh­men am Pil­ger­weg von Com­bar­ro nach Arousa.

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Kunst in Pontevedra und Münster ist vereint

Kunst in Pon­te­ve­dra und Müns­ter ist ver­eint: Stein­bän­ke mit Apho­ris­men fin­den sich in einem Skulp­tu­ren­park auf einer Halb­in­sel am Fluss Lérez. Zum Bei­spiel steht dort: “Emo­tio­na­le Reak­tio­nen sind genau­so wert­voll wie intel­lek­tu­el­le”. Oder: “Du kannst nicht erwar­ten, dass das Volk etwas ist, was es nicht ist”.

Sol­che geist­vol­len Sprü­che kennt der Rei­sen­de doch? Wer hat — im Nord­wes­ten Spa­ni­ens — am Jakobs­weg die Idee der ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Jen­ny Hol­zer “geklaut”? Ähn­li­che Bän­ke ste­hen im Schloss­park der Stadt Müns­ter. Sie the­ma­ti­sie­ren, wie sinn­los Krie­ge sind. Dies zeig­te sich nicht nur in Viet­nam oder auf dem Bal­kan, son­dern erweist sich auch wie­der 2021 an Afgha­ni­stan. Die Bän­ke sind aber nicht pla­gi­iert. Der Künst­le­rin aus Gal­li­po­lis in Ohio gelang es dem­nach, eine spa­ni­sche Jury vom Wert ihrer Arbeit zu über­zeu­gen. Viel­leicht sah sich jemand davor ihre Wer­ke in Müns­ter an. Und dann beschloss man, sol­che Bän­ke zu erwer­ben, damit auch Gali­cier und ab heu­te auch Pil­ger etwas von ihnen haben.

Jenny Holzer und Ulrich Rückriem auch in Spanien vertreten

Zuvor stieß der Rei­sen­de auf eine hohe Gra­nits­te­le. Sie erin­nert an “Spar­do­se” von 2017 in der Nähe des Train-Denk­mals an der müns­ter­i­schen Pro­me­na­de. Wie die Bän­ke wur­de auch die­se anläss­lich der Skulp­tur Pro­jek­te in Müns­ter auf­ge­stellt. Die Ste­le in Pon­te­ve­dra stammt von Ulrich Rück­riem aus Düs­sel­dorf. Er pro­du­zier­te auch “Dolo­mit zuge­schnit­ten” an der Petri­kir­che in Müns­ter. Auf dem Cami­no de Sant­ia­go ent­deckt der Pil­ger also ein Stück Hei­mat. Euro­pa wächst zusam­men, nicht nur über die Jakobsmuschel.

Zu beei­len braucht sich nie­mand, um die Kunst­wer­ke zu sehen. Die­se ste­hen noch län­ger sowohl in Müns­ter als auch in Pon­te­ve­dra. Wer mehr über “Müns­ter Stadt der Skulp­tu­ren” erfah­ren möch­te, greift am bes­ten nur zum gleich­na­mi­gen Buch. Dort lädt der Rei­sen­de zu Stadt­wan­de­run­gen durch Müns­ter zwi­schen 5 und 13 Kilo­me­tern ein. Dabei erfah­ren Besu­cher bis­her Unent­deck­tes über Archi­tek­tur und Kunst.

Kunst in Pon­te­ve­dra und Müns­ter ist ver­eint: Wer weiß, ob nicht bald Gemein­schafts­pro­jek­te zwi­schen den Städ­ten lau­fen. Zwi­schen Kas­sel und Athen auf der Docu­men­ta 14 ist es schon gesche­hen. Mor­gen führt die Pil­ger­rei­se nach Com­bar­ro, angeb­lich eines der schöns­ten Fischer­dör­fer Galiciens.

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