Ostertour zum Steinfurter Wasserschloss

Fro­he Ostern wün­sche ich euch allen. Ges­tern ent­deck­te ich die hüb­sche Innen­stadt Burg­stein­furts im Müns­ter­land. Möge sie euch auch erfreu­en und inspi­rie­ren für eure eige­nen Aus­flü­ge und Rei­sen. Die Schön­heit der Stadt liegt dar­an, dass hier einst die Graf­schaft Bent­heim lag. Davon ist heu­te noch das Was­ser­schloss vor­han­den und der vie­len Ein­woh­nern als Nah­erho­lungs­ge­biet die­nen­de Bag­no-Park mit­samt gro­ßem Wald. Lei­der fand ich von den his­to­ri­schen Gebäu­den der Gra­fen nur noch Tafeln mit Abbil­dun­gen. Der Park muss einst ziem­lich präch­tig gewe­sen sein. 

Carl Fer­di­nand Erb­prinz zu Bent­heim und Stein­furt (44) lebt mit Frau und Kin­dern in die­sem Schloss. Ein wei­te­res Schloss besitzt er in Bent­heim. Er streift viel durch die Natur, was mit der Aus­rich­tung des Betrie­bes zu tun hat. “Die Hege und Pfle­ge von Pflan­zen und Tie­ren liegt mir sehr am Her­zen. Als Jäger und Forstei­gen­tü­mer habe ich natür­lich einen ande­ren Blick dar­auf als ein Natur-Roman­ti­ker”, erklärt er jetzt in einem Gespräch mit den West­fä­li­schen Nach­rich­ten. Er emp­fin­de es als Ehre, wenn sich Men­schen für ihn inter­es­sier­ten. Er freue sich dar­über und wer­te das posi­tiv. Natür­lich benö­ti­ge man auch Pri­vat­sphä­re, gera­de wenn es um Fami­lie und Kin­der gehe. “Aber bei mir ist es ja auch so, dass mei­ne Popu­la­ri­tät am Orts­schild von Stein­furt endet”. Er kön­ne nicht das durch die Zeit­schrift “Bun­te” im August 2020 in die Welt gesetz­te Gerücht bestä­ti­gen, dass er sich von sei­ner Frau Elna-Mag­ret getrennt habe: “Wir sind nicht getrennt”. 

Eine Rad­tour zu dem in der Nähe der Nie­der­lan­de lie­gen­den Ort kann jeder gut von Müns­ter aus pla­nen. Ins­ge­samt sind es unge­fähr 78 Kilo­me­ter. Ich emp­feh­le die Stre­cke nach Häger, von dort über den Alten­ber­ger Höhen­rü­cken nach Nord­wal­de. Dann folgt nur noch Borg­horst, und du bist schon in Burg­stein­furt. Das Müns­ter­land ist sehr gut für Pätt­kes­tou­ren geeig­net. Die­sen Begriff präg­te einst Theo Brei­der, der hier viel für Rad­tou­ris­mus getan hat. Brei­der grün­de­te 1959/60 den am Aasee und am Zoo gele­ge­nen Müh­len­hof in Müns­ter. Berühm­tes­tes Stück: eine his­to­ri­sche Bock­wind­müh­le. Bewahrt wer­den dort his­to­ri­sche Gebäu­de vom Land.

Obwohl ich Müns­te­ra­ner bin, fuhr ich ges­tern sogar zum ers­ten Mal über den Höhen­rü­cken. Es gibt ent­lang der Stre­cke vie­le Info­ta­feln und Sitz­bän­ke zum Aus­ru­hen. Denn auch Wan­de­rer nut­zen ger­ne die­se Stre­cke. Jah­re­lang litt ich dar­un­ter, nur an der Alten­ber­ger Stra­ße ent­lang­fah­ren zu kön­nen, weil es fürch­ter­lich lang­wei­lig ist. Schnur­ge­ra­de, viel Ver­kehr, nichts zu erle­ben. Oder aber über Han­sell, wo es eine sehens­wer­te neu­go­ti­sche Kir­che gibt, die aus einer noch vor­han­de­nen baro­cken Kapel­le her­vor­ge­gan­gen ist. Gut zwei Kilo­me­ter wei­ter gibt es einen schö­nen Blick auf ein Alten­ber­ge, der an Land­schafts­ma­le­rei­en der alten Meis­ter erinnert. 

Auf dem Rück­weg über Laer bestritt ich auch die alte Bahn­tras­se von Coes­feld nach Rhei­ne. Ich fand sie bereits am Mon­tag, als ich mir eini­ge Sehens­wür­dig­kei­ten rund um Wett­rin­gen anse­hen woll­te. Von der Bahn­tras­se erreicht man auch gut die von mir sehr geschätz­ten Baum­ber­ge als Nah­ziel. Dort hat zum Bei­spiel Linus Ger­de­mann die Basis für sei­ne erfolg­rei­che Kar­rie­re als Tour de Fran­ce-Fah­rer gelegt. 

Zuerst hielt ich die Tras­se für eine neue Velo­rou­te. Denn sie ist sehr gut gepflegt mit glat­tem Asphalt, Hin­wei­sen auf Orte und Loka­le im Umkreis wie in Horst­mar. Und es gibt kaum Stei­gun­gen, soweit ich gese­hen habe. Auch vie­le Inli­ne-Ska­ter waren ges­tern zu sehen. Mit der Rad-Infra­struk­tur kann es ger­ne so weitergehen.

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Rieselfelder — ein hübsches Gänsepaar

Sobald die Son­ne lacht, zieht es den Rei­sen­den mit Fahr­rad und Kame­ra vom Schreib­tisch nach drau­ßen. Heu­te ent­schied er sich für die Stre­cke durch die Rie­sel­fel­der. In Ver­bin­dung mit eini­gen foto­ge­nen Zie­len in der Stadt ergibt sich dabei durch­aus eine Rad­tour von gut 40 Kilo­me­tern, womit man schon eini­ges für sich tun kann. Es gibt also auch in der Gegend ums flach lie­gen­de Müns­ter durch­aus eini­ge inter­es­san­te Aus­flugs­zie­le. Und das sind nicht nur die Baum­ber­ge, ein klei­nes Mit­tel­ge­bir­ge. Einst die Kloa­ke Müns­ters, sind die Rie­sel­fel­der heu­te ein Para­dies für Vögel. Dort lan­de­ten einst die Abwäs­ser der Stadt, bis man fest­stell­te, dass sich dort die gefie­der­ten Freun­de einstellten.

Von weit her kom­men sie her, um hier zu über­win­tern, Speck anzu­fres­sen und wie­der in ihre jewei­li­ge Hei­mat zurück­zu­flie­gen. So wie viel­leicht die­se bei­den Grau­gän­se, die der Rei­sen­de heu­te Mit­tag am Ran­de der Gewäs­ser fand. Sehr schön expo­niert auf dem fla­chen Grund ste­hend. Sie beob­ach­te­ten ihn eine Wei­le, bis es ihnen dann doch zu heiß wur­de und sie davon schwammen.

Die Rie­sel­fel­der reich­ten bis 1975 von Coer­de bis kurz vor Gim­b­te. Rie­sel­wär­ter ver­teil­ten dann das Abwas­ser über Beton­halb­scha­len auf die Fel­der. Fünf Rie­sel­wär­ter­häus­chen gab es, von denen noch eines exis­tiert. Bis zu 33 Rie­sel­wär­ter arbei­te­ten in drei Schich­ten, sie­ben Tage pro Woche. Sie soll­ten ver­hin­dern, dass Kanä­le ver­stopf­ten. Auch vor den Dykern durf­te nichts ins Was­ser fal­len. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg war dies noch Hand­ar­beit, mit der Sen­se Brenn­nes­seln und Grä­ser zu ent­fer­nen. Das ange­fal­le­ne Mate­ri­al ging an Bau­ern in der Umge­bung, die es an ihre Tie­re verfütterten. 

Es ist ein Erleb­nis, dort durch­zu­ra­deln und vie­le Tier­stim­men zu hören — wie im Nor­den Euro­pas. Und auch sie von ziem­lich nah zu sehen und zu iden­ti­fi­zie­ren. Die Bio­lo­gi­sche Sta­ti­on in einem der Rie­sel­wär­ter­häus­chen küm­mert sich rüh­rend um die Tie­re. Der Rat der Stadt Müns­ter beschloss im Früh­jahr 2021, inmit­ten des Gebie­tes die Stra­ße Coer­hei­de zu sper­ren, um Tie­re zu schüt­zen. Durch den Ver­kehr wer­den nicht nur wert­vol­le Brut­ge­bie­te beein­träch­tigt, son­dern auch Tie­re über­fah­ren wie Rin­gel­nat­tern. Nach jah­re­lan­gem Still­stand wur­de das wirk­lich mal Zeit. Jetzt bleibt nur zu hof­fen, dass auch die Inter­es­sen der dort leben­den Men­schen mit einer ele­gan­ten Lösung berück­sich­tigt werden.

Streit ist aber schon ent­brannt: Anwoh­ner befürch­ten mehr Ver­kehr in der Umge­bung. Unter­neh­mer glau­ben, dass sie dadurch Kun­den ver­lie­ren, da die­se kei­ne Umwe­ge in Kauf neh­men wür­den. Dies gel­te auch für Kin­der, die Freun­de in Nach­bar­or­ten besu­chen woll­ten. Aller­dings haben pri­mä­re Anwoh­ner Son­der­ge­neh­mi­gun­gen zum Befah­ren der Coer­müh­le erhal­ten. Außer­dem wür­den jetzt zwei Wege von Tages­tou­ris­ten zuge­parkt. Land­wir­te könn­ten dort nicht mehr ran­gie­ren. Erwar­tet wür­den von der Stadt mehr Kontrollen.

Aber auch der Hei­mat­ver­ein San­drup-Spra­kel-Coer­de enga­giert sich dort, indem er dort ein Eichen­kreuz errich­ten will. 5,50 Meter hoch und 2,25 Meter breit soll es wer­den. Es gibt für die Gedenk­stät­te an Coro­na-Opfer eine pas­sen­de Stel­le am Wan­der­weg des West­fä­li­schen Hei­mat­bun­des und Gut Kin­der­haus. Das Kreuz besteht aus dem Holz einer von einem Sturm umge­ris­se­nen hun­dert­jäh­ri­gen Eiche aus San­drup. Mit­ge­hol­fen hat beim Trans­port ein Land­wirt, Die Eiche wird erst in einer Säge­rei in Alten­ber­ge und dann in einer Tisch­le­rei in Nien­ber­ge bear­bei­tet. Die Ent­de­ckung sol­cher Orte kann Freu­de berei­ten, wie auch die des Bild­stocks mit einer schein­bar weib­li­chen Figur. Die­se ent­deck­te der Rei­sen­de an der Coer­müh­le in Aanä­he. Es han­delt sich jedoch um die Sand­stein­ar­beit “Jesus am Ölberg” vom Bild­hau­er Ste­fan Rosen­dahl. Wer sich für Kunst inter­es­siert, kann der Coer­müh­le einen Besuch abstat­ten. Denn es gibt auf dem Gelän­de eini­ge Künst­ler, die sich auf die Pro­duk­ti­on von Kera­mik, komi­scher Kunst und Aqua­rel­len spe­zia­li­siert haben., 

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Wintermezzo im Münsterland

Dass dicker Schnee kom­men wür­de, war schon seit Tagen bekannt. Als ich aber am nächs­ten Mor­gen zum Früh­stü­cken ging, muss­te ich lachen. So über­rascht war ich. Ein hoher Hügel war über Nacht auf dem eigent­lich fla­chen Beet gewach­sen. Nur die Blü­te einer Win­ter­ro­se lug­te aus ihm her­aus. Von solch einer Mas­se war ich am Vor­abend nicht aus­ge­gan­gen. Ich befürch­te­te jetzt, dass sich der Schnee bald so hoch tür­men wür­de, dass nur noch ein win­zi­ges Guck­loch einen Blick in den Gar­ten ermög­li­chen würde.

Eine Woche lag eine dicke Schnee­de­cke auf dem Müns­ter­land. Zwei Tage lang hat­te es zuvor ohne Unter­lass geschneit. Eine ver­trau­te Land­schaft ver­än­der­te sich. Ande­re Geräu­sche, ande­re Far­ben. Ein neu­es Pro­fil. Bis­her Unbe­ach­te­tes gewann an Bedeu­tung. So bringt eine Woche Schnee Men­schen in Urlaubsstimmung.

Es folg­ten ers­te Spa­zier­gän­ge. Aufs Rad stei­gen woll­te ich noch nicht. Spikes stan­den zwar im Kel­ler, durch die sich mein Ver­hält­nis zu Eis und Schnee stark ver­än­dert hat­te. Frü­her war Win­ter eher eine Last, heu­te ein Genuss, da man mit sol­chen Lauf­rä­dern sicher fah­ren kann. Selbst auf zuge­fro­re­nen Seen. Dies­mal war aber soviel gefal­len, dass ich mir kaum vor­stel­len konn­te, mich durch so tie­fen Schnee zu wüh­len. So nahm ich mir vor, die nähe­re Umge­bung foto­gra­fisch zu erfassen. 

Der ers­ten Über­ra­schung folg­te zwei Tage spä­ter die zwei­te: Die Gewäs­ser fro­ren zu. Auf der Gräf­te einer Was­ser­burg nah­men Enten auf Schnee Platz, der vom Dach gerutscht war. Sicher­lich ange­neh­mer als auf blo­ßem Eis. Es gab kein ein­zi­ges Was­ser­loch mehr. Des­halb schnat­ter­te kei­ne ein­zi­ge Ente fröh­lich mit den ande­ren. Die Stim­mung in der Grup­pe war sicht­lich gedrückt. 

Bis­her lang­wei­li­ge Tüm­pel an Bau­ern­hö­fen boten nun ein präch­ti­ges Far­ben­spiel. Auf an sich schlam­mi­gen Gewäs­sern lag nun eine brau­ne Eis­schicht mit wei­ßen Adern. Schnee an den Ufern warf neu­es Licht. Er ergab auch einen schö­nen Kon­trast zum zwi­schen Bäu­men durch­schei­nen­den blau­en Him­mel. Selbst Grä­ben an den Äckern gewan­nen nun an Reiz, da sie nun mit Eis gefüllt waren. Also ent­schied ich: Aus dem Luft­schnap­pen wird bei so vie­len Rei­zen eine Kurzwanderung.

Denn selbst Äcker rück­ten in neu­es Licht. Durch wei­ßen Tep­pich gewan­nen sie an Wei­te. Es fühl­te sich so an, als hät­te einen jemand ins win­ter­li­che Skan­di­na­vi­en gebeamt. Eines der letz­ten Bau­ern­häu­ser in unmit­tel­ba­rer Nähe der Stadt wirk­te wie in der Tun­dra gele­gen. Ein gol­de­nes Kreuz ent­wi­ckel­te im Schnee mehr Strahl­kraft. Eine Land­stra­ße ver­wan­del­te sich in eine Loi­pe. Rechts von der Stra­ße, wo kei­ne Autos und Spa­zier­gän­ger waren„ zogen sich tie­fe Spu­ren von Ski­er. Ein Acker­rand­strei­fen als Ski­ge­biet. In die Rea­li­tät zurück hol­te einen dicker Schnee auf dem Rad­weg. Per­fekt geräumt war nur die Land­stra­ße. Von wegen Ver­kehrs­wen­de in einer Fahr­rad­haupt­stadt. Die Wor­te “Fahr­rad frei” auf dem Schild wir­ken da fast iro­nisch. Nicht ein­mal für Wanderer 

Dann führ­te der Weg abwärts in Rich­tung eines Erho­lungs- und Land­schafts­schutz­ge­bie­tes. Rechts am Wege liegt ein Land­fah­rer­platz, auf den ich neu­gie­rig war. Denn in der Zei­tung stand, dass Räum­diens­te hier Schnee ablü­den. Meter­hoch türm­te er sich hier. Genau­so, wie ich es mir vor­ge­stellt hat­te. Neu­gie­rig war ich auch, wie sich das Fach­werk-Tor­haus an der Stie­ge im Schnee prä­sen­tier­te. Jemand hat­te mir vor eini­gen Tagen erzählt, dass der dort leben­de Gast­wirt es vor dem Ver­fall geret­tet hät­te. Er kauf­te es einem Land­wirt ab, ließ es ab- und hier wie­der auf­bau­en. Ein schö­ner Weg, alte Bau­wer­ke zu bewahren. 

Eini­ge Meter wei­ter sah ich ein wei­te­res Bau­werk im Wald. Ein Baum hat­te es errich­tet, eher unfrei­wil­lig. Einer sei­ner Äste krümm­te sich so stark, dass es einem Tor ähn­lich sah. Durch das Licht des Schnees erziel­te es eine beson­de­re Wir­kung. Nor­ma­ler­wei­se ist es hier wohl eher dun­kel. Ein Ein­gangs­tor in ein klei­nes Natur­schutz­ge­biet, durch­zo­gen von Wan­der­we­gen durch Wald und über Hügel. Wie­der ein wei­ter Blick, also wie­der das Gefühl, im Nor­den Euro­pas zu sein. Für mich eine der schöns­ten Gegen­den rund um die Stadt.

Die­se Bil­der kannst Du im Bild­por­tal in ver­schie­de­nen Grö­ßen erwer­ben, wenn Du Dei­ne Woh­nung oder Dein Unter­neh­men ver­schö­nern willst.

So ent­wi­ckel­te sich aus fünf Kilo­me­ter Luft­schnap­pen eine klei­ne Wan­de­rung von 8,5 Kilo­me­tern. Sie führ­te vom Haus Rüsch­haus vor den Toren Müns­ters zum Horst­ma­rer Land­weg. Von dort ging es auf die Gas­sel­stie­ge ins Natur­schutz­ge­biet Vor­bergs Hügel. Der Hügel ist fast 100 Meter hoch. Mit 311 Hekt­ar ist es das zweit­größ­te Natur­schutz­ge­biet Müns­ters. Zur­zeit dis­ku­tie­ren ver­schie­de­ne Par­tei­en über die Nut­zung des Gebie­tes durch Men­schen. Wäre ein Park­platz dort sinn­voll oder nicht, um das Besu­cher­auf­kom­men zu regu­lie­ren? Soll­te man gar einen Auf­se­her ein­stel­len, um die Strö­me zu len­ken? Eine ähn­li­che Dis­kus­si­on gibt es über die Ein­rich­tung eines Wan­der­we­ges ent­lang des Flüss­chens Aa vom Stadt­zen­trum bis zur Burg Hüls­hoff. Men­schen suchen immer mehr Ent­span­nung im Grünen.

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Winterwunderland Münsterland

Wann bist Du das letz­te Mal beim Spa­zie­ren­ge­hen im tie­fen Schnee ver­sun­ken? Der Rei­sen­de heu­te Nach­mit­tag gemein­sam mit einer ehe­ma­li­gen Klas­sen­ka­me­ra­din sei­ner Schwes­ter. Sie lief zufäl­lig vor der Haus­tür lang. Der Rei­sen­de schip­p­te gera­de unter gro­ßen Anstren­gun­gen Schnee weg, als sie vor­bei­kam. Sie besuch­te gera­de ihre Mut­ter und woll­te sich die Stra­ßen­ver­hält­nis­se anschau­en, um die Rück­fahrt nach Frank­furt zu pla­nen. Doch dar­aus wird wohl erst­mal nichts im Win­ter­wun­der­land Müns­ter­land. Da sie ohne­hin im Home­of­fice steckt, kann sie noch ver­län­gern und von Müns­ter aus arbeiten. 

So viel geschneit, hat es lan­ge nicht mehr. Der Rei­sen­de glaubt, 2010 schnei­te es im Müns­ter­land zuletzt wirk­lich. Aber es war längst nicht so viel her­un­ter­ge­kom­men. Und es wur­de damals auch nicht so kalt. Wenn der Rei­sen­de das Fens­ter nachts öff­ne, um zu lüf­ten, fegt ein hef­ti­ger Wind her­ein. Lan­ge aus­zu­hal­ten, ist das nicht.

Gang zum Rüschhaus

Es wur­de beschlos­sen, gemein­sam durch den Schnee des Win­ter­wun­der­lan­des Müns­ter­land zu lau­fen und das foto­ge­ne Haus Rüsch­haus auf­zu­su­chen. Der Rei­sen­de stell­te die Schip­pe bei­sei­te. Dies ist bekannt als Wohn­ort der bekann­ten Dich­te­rin Annet­te von Dros­te-Hüls­hoff. Vie­le ken­nen die “Juden­bu­che” und “Der Kna­be im Moor”. Gestal­tet hat es der berühm­te Barock­bau­meis­ter Johann Con­rad Schlaun (1695–1773).

Als wei­te­res Ziel lockt dar­über hin­aus die Bron­ze­skulp­tur “Dia­lo­gue with Johann Con­rad Schlaun”. Dies ließ der bekann­te ame­ri­ka­ni­sche Bild­hau­er Richard Ser­ra anläss­lich der Skulp­tu­ren­aus­stel­lung am Anfang einer klei­nen Allee 1996 auf­stel­len. Durch eine Nei­gung ver­neigt sich die Skulp­tur um sie­ben Grad vor den bei­den west­fä­li­schen Gro­ßen. Das Unge­tüm aus Stahl nimmt aus 270 Metern Ent­fer­nung eine Bezie­hung zur Tür des Rüsch­hau­ses auf, die zwei Meter hoch, 1,5 Meter breit ist. Gegos­sen hat man den Koloss in der Hat­tin­ger Hen­richs­hüt­te, wo auch schon ande­re Kunst­wer­ke Ser­ras ent­stan­den. Ser­ra hat­te sich zuvor bereits mit einer gan­zen Rei­he von Bau­wer­ken Schlauns beschäftigt.

Schlauns bekann­tes­te Bau­wer­ke sind der Erbd­ros­ten­hof und das Schloss in Müns­ter. “Pater Patriae” steht an des­sen Fas­sa­de. Der Spruch steht für einen auf­ge­klär­ten Staat. Dies drückt schlicht die nied­ri­ge und aufs Stadt­zen­trum aus­ge­rich­te­te Ein­gangs­trep­pe aus. Ein Schloss für die Bürger.

Schloss zu Münster

Seit 1773 ist es offi­zi­ell Resi­denz des Fürst­bi­schofs Max Fried­rich von König­segg-Rothen­fels. Die­ser war in Per­so­nal­uni­on Erz­bi­schof und Kur­fürst von Köln. Er resi­dier­te sowohl in Bonn am Hof­gar­ten, hielt sich aber auch mehr­fach zwi­schen 1768 und 1783 in Müns­ter auf. Durch­schnitt­lich 69 Tage pro Jahr. Einen fes­ten Sitz besaß er nicht. Er folg­te der Tra­di­ti­on seit dem Mit­tel­al­ter sein Leben auf Lan­des­bur­gen zu ver­brin­gen. Um Müns­ter her­um waren dies Wol­beck, Ahaus, Bever­gern, Horst­mar und Coesfeld. 

Denn die Kir­chen­ober­häup­ter lei­te­ten auch Bis­tü­mer, von denen Osna­brück, Köln und Pader­born. Sie resi­dier­ten dann im heu­ti­gen Bad Iburg im Teu­to­bur­ger Wald, Schloss Neu­haus, Bonn und Brühl. Bis zum Schloss­brand am 26. März 1945 durch Bom­ben exis­tier­te ein Gemäl­de Johann Hein­rich Tisch­beins von Max Fried­rich im Fürs­ten­saal. Heu­te exis­tiert davon zum Glück noch eine Ölskiz­ze. Deren Eigen­tü­mer ist das Lan­des­mu­se­um. In Cle­mens­werth in Sögel und Sas­sen­berg bei Waren­dorf ging er auf die Jagd.

Auch Maximilian Franz von Österreich lebte im Schloss

Auch sein Nach­fol­ger Maxi­mi­li­an Franz von Öster­reich (1756–1801) hielt sich dort auf. Er wur­de gar im Dom zu Müns­ter gekrönt, nach­dem ihn eine sechs­spän­ni­ge Kut­sche vom Schloss abge­holt hat­te. Gefei­ert wur­de danach im Gro­ßen Saal. Rit­ter und Ver­tre­ter der Städ­te muss­ten ihm auf dem Dom­platz einen Eid able­gen. 280 Tage soll­te er fort­an ins­ge­samt zwi­schen 1784 und 1793 in Müns­ter verbringen. 

Er emp­fing dort 1785, 1787 und 1793 den Land­tag, wo dann Dom­her­ren, Rit­ter und Ver­tre­ter der Städ­te berie­ten. Und er weih­te drei Weih­bi­schö­fe. Auch in der Schloss­ka­pel­le nahm er sei­ne Auf­ga­ben wahr, nicht nur im Dom oder im Bischofspalast.

Sogar einem Teil sei­ner Fami­lie dien­te das Schloss als Zufluchts­stät­te: Sei­ne Schwes­ter Maria Chris­ti­na und der mit ihr ver­hei­ra­te­te Her­zog Albert von Sach­sen-Teschen leb­ten hier gut sechs Wochen. Sie waren Gou­ver­neu­re der damals von Frank­reich besetz­ten öster­rei­chi­schen Nie­der­lan­de. Denn fran­zö­si­sche Sol­da­ten waren nach Bonn 1792/3 im Zuge des Revo­lu­ti­ons­krie­ges gekommen. 

Als preu­ßi­sche Trup­pen West­fa­len 1802 besetz­ten, war das Kapi­tel als fürst­bi­schöf­li­che Resi­denz been­det. Der Frei­herr vom Stein als Ober­kam­mer­prä­si­dent und Mili­tär­gou­ver­neur Geb­hard Lebe­recht von Blü­cher, ab 1814 Fürst Blü­cher von Wahl­statt, zogen ein. Sie über­nah­men das Heft des Handelns. 

Den Spa­zier­gang durchs Win­ter­wun­der­land ver­län­ger­te der Rei­sen­de an den dar­auf­fol­gen­den Tagen bei strah­len­dem Son­nen­schein. Auf dem auch bei Jog­gern auf Schnee belieb­te Twe­ren­feld­weg führt am Hotel Haus Hüer­län­der vor­bei. Dort war­tet auf Fami­li­en mit Kin­dern ein Zoo mit Dam­wild. Und Mini­golf. Die Stra­ße Rich­tung Rox­el lau­fend, lohnt sich ein Blick auf die Was­ser­burg Haus Vöge­ding. Die­se ist trotz ihrer Jah­re sehr gut in Schuss. Dazu gehört auch ein grö­ße­rer Bau­ern­hof. Von dort kön­nen Besu­cher in der Fer­ne die Gip­fel der Baum­ber­ge sehen. Wann wird es ein Win­ter­wun­der­land Müns­ter­land je wie­der geben? 

Alle Fotos bestellst Du im Bild­por­tal — in ver­schie­de­nen For­ma­ten. Mit einem gerahm­ten Foto kannst Du Dei­nen Arbeits­tisch im Home­of­fice schmü­cken. Mit einem Pos­ter die Woh­nung dekorieren.

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Fernsehtipps Reise und Kultur

Ab jetzt ver­sor­ge ich euch mög­lichst regel­mä­ßig mit Dokus über Kul­tur und Rei­se. Im Zen­trum ste­hen belieb­te Zie­le in Euro­pa, die an den nächs­ten Tagen im Fern­se­hen lau­fen. Auf­fäl­lig: Es lau­fen etwas mehr anspruchs­vol­le Fil­me als in der ver­gan­ge­nen Woche. Vor allem geht es um Flüs­se in NRW, also Natur, und um berühm­te Bau­wer­ke in Frank­reich. Däne­mark, Nor­we­gen, Por­tu­gal und Spa­ni­en blei­ben außen vor.

Der wohl span­nends­te Bei­trag dürf­te heu­te Abend auf arte über die Wikin­ger lau­fen. Und sicher auch zu beach­ten ist die Sen­dung über Müns­te­ra­ner Kauf­leu­te. Was vie­le viel­leicht nicht wis­sen: Müns­ter ist eine Hansestadt.

Deutsch­landFrank­reichSchwe­den
SaFahr mal hin — Neue Pfa­de auf alten Wegen. Ent­lang der Sieg- SWR 14.00 Uhr

Alle Augen Auf — Flüs­se in NRW — WDR 16.30 Uhr
Die Kathe­dra­le
Die Bau­meis­ter des Straß­bur­ger Müns­ters
— arte 14.50 Uhr
Die Krie­ge­rin­nen der Wikin­ger — arte 21.10 Uhr
SoBolé­ro — Ein Refrain für die Welt — arte, 23.25 UhrZu Tisch… Nord­schwe­den — arte 18.25 Uhr
MoGeheim­nis­vol­le Orte Schloss Ver­sailles — Das Ers­te, 23.25 Uhr 
Di
Mi
Do
FrDie Kauf­leu­te von Müns­ter. Eine Zeit­rei­se ins Mit­tel­al­ter — WDR, 20.15 Uhr 
TV-Tipps Rei­se und Kultur
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Neu: Reiseführer Münster Stadt der Skulpturen

Müns­ter, die Stadt der Skulp­tu­ren, gilt als eine der lebens­wer­tes­ten Städ­te der Welt. Daher gibt es jetzt den Rei­se­füh­rer: Müns­ter Stadt der Skulp­tu­ren Las­se tol­le Zie­le bei Stadt­wan­de­run­gen auf dich wir­ken. Mit Adres­sen, gpx-Tracks und Fotos. Sol­che Stadt­wan­de­run­gen gibt es bis­her in kei­nem Rei­se­füh­rer über Münster. 

Das Buch eig­net sich sehr gut, Eltern und Freun­den die Stadt selb­stän­dig zu zei­gen, ohne dass Du etwas buchen musst. Denn es gibt meh­re­re Spa­zier­gän­ge oder Rad­tou­ren, die sich mit Buch und Smart­pho­ne leicht durch­füh­ren las­sen. Es erleich­tert Neu­bür­gern das Ein­le­ben, da auch die wich­tigs­ten Aus­flugs­zie­le wäh­rend der Woche und am Wochen­en­de nahe­bringt, natür­lich auch Tra­di­ti­ons­knei­pen. Und vie­les, was woan­ders nur ange­deu­tet wird, wird hier bes­ser erklärt. War­um ist der Dom so errich­tet? Was macht den Erbd­ros­ten­hof archi­tek­to­nisch wertvoll? 

Cover Vorderseite Münster Stadt der Skulpturen 1

Dass die Stadt eine Kunst­me­tro­po­le ist, ist den meis­ten wohl erst auf­ge­fal­len, als sie 2010 ins Fina­le der Kul­tur­haupt­stadt Euro­pas gelang­te. War­um, erklärt der Rei­se­füh­rer “Müns­ter Stadt der Skulpturen”.

Trotz gut aus­ge­bau­ter Rad­we­ge fah­ren vie­le Müns­te­ra­ner mit ihren Lee­zen an Gale­rien, Kunst­hand­lun­gen sowie Ate­liers vor­bei. Dabei ver­fügt die Pro­vinz-Haupt­stadt über eine Kunst­aka­de­mie und ein Picas­so Muse­um. Aber auch über ein Lan­des­mu­se­um für Kunst und Kul­tur­ge­schich­te, ein Stadt­mu­se­um und ein Natur­kun­de­mu­se­um. Viel­leicht lockt in eini­gen Jah­ren ein Matis­se-Muse­um die Mas­sen an.

Auch spannende moderne Architektur Thema

Alle zehn Jah­re rich­tet die Stadt unter Lei­tung des bekann­ten Kura­tors Kas­per König ein Skulp­tur Pro­jekt aus. Renom­mier­te Künst­ler aus aller Welt stel­len ihre Wer­ke in der Stadt zur Schau. Dazu nut­zen sie auch geschickt bereits vor­han­de­ne his­to­ri­sche Gebäu­de und Plätze. 

Die­se haben ihnen Bau­meis­ter Johann Con­rad Schlaun und spä­ter im 19. und 20. Jahr­hun­dert die Archi­tek­ten Alfred Hen­sen, Harald Deil­mann, Julia Bol­les-Wil­son und Peter Wil­son sowie der Korea­ner Duk-Kyu Ryang hinterlassen. 

Ankäufe aus dem Skulptur Projekt

Im Stadt­raum fin­den sich zudem gut 30 Ankäu­fe aus dem Skulp­tur Pro­jekt. Wie zum Bei­spiel die Aasee­ku­geln oder die Kir­schen­säu­le. Wer die Stadt über den Rand der Rad­we­ge hin­aus durch­streift und erlebt, ent­deckt wei­te­re Hun­der­te Skulp­tu­ren und Instal­la­tio­nen im Stadt­kern. Wäh­rend der Recher­che for­der­te es her­aus, die­se zu foto­gra­fie­ren, zu beur­tei­len und zu gewich­ten. Haben die­se an der Kunst­aka­de­mie aus­ge­bil­de­te Künst­ler geschaf­fen? Oder sor­gen Gale­ris­ten und Kunst­händ­ler wie Klaus Stein­röt­ter dafür? Du erfährst auf jeden Fall, wo in der Innen­stadt Geschäf­te lie­gen, in denen moder­ne Kunst ver­kauft wird. Viel­leicht willst Du ja Dei­ne Woh­nung schön dekorieren.

Kunst im öffentlichen Raum

Das Stadt­ge­biet ist vier Zonen geglie­dert, in denen sich die meis­ten Instal­la­tio­nen und Skulp­tu­ren befin­den. Die­se sind vor allem im Zen­trum, auf der Pro­me­na­de und dem Uni­ver­si­täts­ge­län­de sowie rund um den Aasee zu fin­den. Der Kul­tur­rei­se­füh­rer erhebt kei­nen Anspruch auf Voll­stän­dig­keit bei den vor­ge­schla­ge­nen Tou­ren durch die Stadt. Alle Kunst­wer­ke zu kom­men­tie­ren, wür­de den Rah­men spren­gen. Expo­na­te und ande­re Aus­flugs­zie­le in Müns­ter sol­len leicht zu errei­chen sein. Der Stadt­füh­rer erleich­tert so auch die Fra­ge deut­lich: Was kann ich in Müns­ter machen? Oder wo kann ich in Müns­ter essen gehen? Wohin in Münster?

Das Augen­merk liegt dar­auf, inwie­weit unge­wöhn­li­che Gebäu­de, Plät­ze und Kunst­wer­ke den öffent­li­chen Raum prä­gen. Erge­ben sich neue Sicht-Ach­sen durch neue Gebäu­de? Ent­steht eine neue Sicht­wei­se auf einen Stadt­teil, einen Frei­zeit­raum, eine Arbeits­stät­te? Schaf­fen neue Plät­ze Auf­ent­halts­qua­li­tät? Wo gibt es schö­ne Orte in Müns­ter? Die­nen die­se nicht nur kon­sum­ori­en­tier­ten Inter­es­sen, son­dern füh­ren zu Expe­ri­men­tier-Geist? Aus­druck des­sen sind natür­lich die belieb­ten Müns­ter-Kri­mis Tat­ort und Wils­berg mit Rechts­me­di­zi­ner Boer­ne und Kom­mis­sar Thiel, Wils­berg, Over­beck und Anna Sprin­ger. An bekann­ten Dreh­or­ten kommst Du natür­lich auch vor­bei, wenn Du Urlaub in Müns­ter machst.

Neuer Geist am Hafen?

Die Augen rich­ten sich in den kom­men­den Jah­ren auf den Stadt­ha­fen: Zum ers­ten Mal seit gut 70 Jah­ren schau­en Besu­cher an der Schil­ler­stra­ße direkt aufs Are­al am Was­ser. Die Osmo-Hal­le wur­de im Febru­ar 2021 abge­ris­sen. 2001 ging das Unter­neh­men von Oster­mann und Schei­we in Insol­venz. Es folg­ten ein mehr als 60 Meter hoher Schorn­stein und mar­kan­te Spä­ne­bun­ker mit 50 Zen­ti­me­ter dicken Wän­den. Vor­han­de­ner Stahl wur­de ein­ge­schmol­zen. Mit Beton und Zie­gen ent­steht wie­der etwas Neues.

27000 Qua­drat­me­ter sind jetzt frei. Inves­tor Andre­as Deil­mann, des­sen Vater schon deutsch­land­weit beach­tens­wer­te Gebäu­de schuf, hat viel vor. Aber bis­her liegt nur der Ent­wurf eines Bebau­ungs­plans vor. Kommt dort viel­leicht ein Matis­se-Muse­um hin? Das wäre ein neu­er Tou­ris­ten-Magnet. In Müns­ter lagern vie­le Wer­ke des berühm­ten Malers.

Fünf Tour-Vor­schlä­ge sind in “Müns­ter Stadt der Skulp­tu­ren” so geplant, dass man Attrak­tio­nen in Ruhe auf sich wir­ken las­sen kann. Das Buch ent­hält neben zahl­rei­chen Fotos Kar­ten, gps-Tracks und Adres­sen. Denn der neue Kul­tur­füh­rer Müns­ter Stadt der Skulp­tu­ren ist im Gegen­satz zu kon­ven­tio­nel­len Stadt­füh­rern ein unver­zicht­ba­rer Beglei­ter für die­je­ni­gen, die hier — selbst als Ein­hei­mi­sche — das Frem­de erle­ben, sich auf die Umge­bung ein­las­sen wollen.

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Sonnenblumen lachen auf Erden

Son­nen­blu­men lachen auf Erden — auch in Coro­na-Zei­ten. Ein Müns­ter­län­der Bau­er erfreut Renn­rad­fah­rer wie mich wäh­rend der sport­li­chen Tou­ren. Er hat einen sicher 50 Meter lan­gen Strei­fen ent­lang sei­nes Mais­fel­des ange­legt. An den Blü­ten laben sich jetzt die Insek­ten. Klei­ne Tie­re fin­den sicher dort auch Unter­schlupf. Und davor wach­sen ja auch noch wei­te­re Blumen.

Was ich aller­dings trau­rig fin­de, ist, dass Blüh­strei­fen, die ich im ver­gan­ge­nen Jahr ent­deck­te wie etwa am Horst­ma­rer Land­weg in Müns­ter wie­der ver­schwun­den sind. Wahr­schein­lich kön­nen sich Arten, die im letz­ten Som­mer dort eine Hei­mat gefun­den haben, heu­te schon nicht mehr halten. 

Oder?

Heu­te, 9. August, fand ich auf der­sel­ben Stre­cke durch die Bau­er­schaft Rox­el einen wei­te­ren schö­nen Blüh­strei­fen. Ihn scheint die Wär­me an einem der hei­ßes­ten Tage des Jah­res, nicht zu beein­dru­cken. Dafür aber den Esel, der erst­mals seit­dem ich dort fah­re nach Gesell­schaft such­te. Und die Land­ju­gend, die ein Plansch­be­cken für erschöpf­te Teil­neh­mer ihrer Fah­rad-Ral­lye bereitstellte.

Habt ihr auch schö­ne Blüh­strei­fen in eurer Regi­on? Dann her mit euren Fotos. Ich stel­le sie ger­ne hier dazu, um der Natur eine Stim­me zu geben und damit mehr sagen kön­nen: Son­nen­blu­men lachen auf Erden. 

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Maiidylle in den Baumbergen

Mai­idyl­le: Fach­werk­hof bei Havix­beck am Fuße der Baum­ber­ge im Müns­ter­land. Die Gers­te ist bin­nen kur­zem ziem­lich hoch­ge­schos­sen. Am Don­ners­tag war sie noch nicht so weit. Schnapp­schuss beim Moun­tain­bi­ken am Sonntagvormittag.

Hof und Feld lie­gen am Ran­de einer mei­ner Lieb­lingstre­cken in die Baum­ber­ge. Je nach Lau­ne, Wet­ter und Zeit fah­re ich ent­we­der 60 Kilo­me­ter mit dem Renn­rad oder 70 Kilo­me­ter mit dem Moun­tain­bike. Ent­we­der lockt es mich, auf gut aus­ge­bau­ten Stre­cken schnell zu fah­ren oder aber Forst­we­ge zu bestrei­ten und dabei kur­ze anspruchs­vol­le Stei­gun­gen zu nehmen.

Von Müns­ter aus führt der Weg zunächst zum Dorf Hohen­hol­te. Kurz davor liegt eine hüb­sche Was­ser­müh­le, von denen es im Umkreis Müns­ters nicht wirk­lich vie­le gibt. Das Rad bewegt sich lei­der nicht mehr, obwohl der Bach nach star­kem Regen doch erstaun­lich viel Was­ser führt. Dabei kommt mir das Gedicht Fried­rich Schil­lers in den Sinn:

Ein Mühl­werk mit ver­bor­g­ner Feder
Bewegt sich ohne Ruh und Rast,
Ein ewi­ger Strom treibt sein Rad,
Sein Werk ist vom Was­ser gefasst.
Der Strom ist’s, der die Müh­le regt,
Die Müh­le, die den Strom bewegt,
So för­dern sie sich wech­sel­wei­se
In ewig wun­der­vol­lem Krei­se,
Und wie die Wel­le rat­los bran­det,
Sie stockt doch und erschöpft sich immer,
Bis sich zuletzt der Strom ver­san­det.
Dann steht das Rad und steht auf immer.

Frei nach Fried­rich Schiller

Es folgt ein net­ter Feld­weg in einen Wald, den ich erst in die­sem Jahr ent­deck­te. Ich suche immer neue Stre­cken, damit es nicht zu mono­ton wird, und um Inspi­ria­ti­on zum Schrei­ben zu finden.

Spöt­ter sin­gen ger­ne “Wenn ich könn­te, wenn ich woll­te, füh­re ich immer nach Hohen­hol­te”. Es ist klein, liegt zwar etwas ab vom Schuss. Dafür aber hat es mit der Stifts­kir­che St. Georg einen zen­tra­len Mit­tel­punkt, den schon recht alte Häu­ser umkrei­sen. Dort gibt es einen Dorf­la­den inklu­si­ve Post­stel­le. Dis­coun­ter gibt es erst wie­der in Havix­beck, das mit dem Rad gut eine Vier­tel­stun­de dahin­ter liegt. Bei Oeding-Erdel kön­nen Durch­rei­sen­de und EIn­hei­mi­sche Kaf­fee trin­ken. Dass Hohen­hol­te über­haupt außer eini­gen Höfen exis­tiert, ist der Grün­dung eines Augus­ti­ner­klos­ters zu ver­dan­ken, das spä­ter in ein Damen­stift (1557 — 1811) umge­wan­delt wurde.

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Mit Nachtzügen auf Reisen

In mei­nem Leben bin ich zwei­mal mit einem Nacht­zug gefah­ren. Das ers­te Mal fuhr ich mit einem mei­ner Brü­der von Müns­ter nach Karl­stad in Värm­land. Wir waren Jugend­li­che, es war daher auf­re­gend. Erst­mals auf wei­ter Fahrt, noch dazu über Nacht. Ich erin­ne­re mich, wie mein Bru­der mich ver­äp­pel­te. Ich war tat­säch­lich pein­lich berührt, als ich, kaum auf der Toi­let­te, eine bar­sche Durch­sa­ge auf Schwe­disch hör­te, die ich kaum ver­stand. Der Zug stand gera­de auf einem Bahnhof.

Nach der Rück­kehr frag­te ich mei­nen Bru­der, was gesagt wor­den sei. “Er hat gesagt, wäh­rend des Auf­ent­halts auf einem Bahn­hof ist die Benut­zung der Toi­let­te ver­bo­ten.” Mir schoss die Röte ins Gesicht. Was ich mir dach­te, kann sich jeder jetzt selbst ausdenken.

Mei­ne zwei­te Nacht­fahrt führ­te von Bur­gos nach Lis­sa­bon. Ich war mit zwei Freun­den — Chris­toph und Ger­hard — auf dem fran­zö­si­schen Jakobs­weg von Bel­fort bis Biar­ritz gera­delt, setz­te allei­ne über die Pyre­nä­en und gelang­te schließ­lich nach Burgos.

Doch wo konn­te ich im Zug das Rad las­sen? Ein Fahr­rad­ab­teil gab es nicht. Doch Spa­ni­er haben eine Art, die ich sehr schät­ze: Sie regeln die Din­ge oft unbü­ro­kra­tisch. Der Schaff­ner pack­te mein Rad und schob es ein­fach in sein Abteil. So konn­te ich es mir im Schlaf­wa­gen gemüt­lich machen. Am nächs­ten Mor­gen hol­te ich es in Lis­sa­bon ab, früh­stück­te am Tejo.

Jetzt muss­te es nur noch irgend­wie zum Flug­ha­fen in Faro wei­ter­ge­hen. Der nächs­te Zug nach Set­ú­bal nahm mich noch mit. Doch dort ging nichts mehr. Der Schaff­ner des nächs­ten Zuges wei­ger­te sich, mein Rad mit­zu­neh­men. Ich soll­te zum Bus­bahn­hof radeln, sag­te er. Dort gebe es Fern­bus­se. Gesagt, getan. Doch auch dort gab es Schwie­rig­kei­ten. Nie­mand woll­te das Rad mit­neh­men. In Schwe­den wird es ein­fach am Hin­ter­teil fixiert und los geht es. Ein net­ter Bus­fah­rer einer ande­ren Linie sag­te mir, ich soll­te es ein­pa­cken. Dann wür­de sich schon jemand erbar­men. Ich besorg­te Folie, denn die Leu­te hat­ten Sor­ge, es könn­te das Gepäck beschmut­zen. Alles sau­ber ver­packt. Doch ver­ge­bens. Nie­mand erbarm­te sich. wur­de Abend. Mor­gen früh ging mein Flie­ger, mein Arbeit­ge­ber erwar­te­te mich in der Redaktion.

Ich ent­schloss mich, es als Anhal­ter an der Schnell­stra­ße zu ver­su­chen. Vie­le Por­tu­gie­sen hiel­ten auch. Doch man­che dach­ten, ich hät­te eine Pan­ne, woll­ten hel­fen, ande­re woll­ten nur auf Par­tys. Ver­dammt. Es war dun­kel, 22 Uhr. Stun­den­lang hat­te ich gehofft.

Ich radel­te um 23 Uhr in den Ort, such­te ein Taxi. Und tat­säch­lich fand ich jeman­den, der bereit war, mich nach Faro zu brin­gen. Der Preis dafür war unfass­bar güns­tig. Ich glau­be, ich zahl­te höchs­tens 150 Euro. Um fünf Uhr mor­gens setz­te mich der super­net­te Pri­vat­chauf­feur ab. Es war überstanden.

Was ein Autor der Zei­tung “Die Welt” hin­ge­gen auf der Nacht­fahrt von Lis­sa­bon nach San Sebas­tián erleb­te, kannst Du hier nachlesen.

Nacht­zug nach San Sebastián

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Norway.today hautnah miterleben

Ein Kas­sen­schla­ger scheint der­zeit das Thea­ter­stück “Norway.today” zu sein. Es wird auf ver­schie­de­nen deut­schen Büh­nen aufgeführt.

Pre­mie­re hat das Dra­ma jetzt auch im Klei­nen Büh­nen­bo­den in Müns­ter. Es spielt am Prei­kes­to­len, der seit Jah­ren schon ein belieb­tes tou­ris­ti­sches Ziel ist, lei­der auch Motiv für völ­lig leicht­sin­ni­ge, ja lebens­ge­fähr­li­che Sel­fies. Zwei Frau­en, gespielt von Ali­ce Zikeli und Tat­ja­na Poloc­zek, rei­sen zum Fel­sen und füh­ren dort Gesprä­che, in denen sie das Leben neu ent­de­cken. 90 Minu­ten lang kannst Du haut­nah, das ist das Schö­ne am Thea­ter, ein schnel­les und humor­vol­les Dra­ma mit­er­le­ben. Die Rei­se zum Prei­kes­to­len kannst Du hier buchen:

Dra­ma Norway.today

Im Netz fin­dest Du auch vie­le wei­te­re Thea­ter, die das Stück aufführen.

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