Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Der Rio Min­ho bil­det eine natür­li­che Gren­ze zwi­schen Por­tu­gal und Spa­ni­en. Eine von Gust­ave Eif­fel geplan­te Eisen­bahn­brü­cke ver­bin­det bei­de Län­der — bekannt als inter­na­tio­na­le Brü­cke. Por­tu­gal habe ich ges­tern etwas weh­mü­tig ver­las­sen, da ich fast immer freund­lich behan­delt wur­de. Ange­fan­gen vom Fahr­rad­händ­ler in Por­to, dann auf­mun­tern­des Lächeln an hef­ti­gen Stei­gun­gen bis hin zum besorg­ten Umdre­hen von Spa­zier­gän­gern, ob alles in Ord­nung sei. Es war oft auch fried­lich auf den Stra­ßen. Die Leu­te hupen wenig.


Inso­fern kann ich nicht nach­voll­zie­hen, war­um der dpa-Autor im SPIEGEL — dpa-Arti­kel Camin­ho por­tu­gues — all dies über­haupt nicht ein­be­zieht, teil­wei­se Din­ge falsch benennt. In den sie­ben Jah­ren seit Erschei­nen des Arti­kels kann sich nicht viel ver­än­dert haben. Denn trotz der Schön­heit man­cher Etap­pen gibt es auch Schat­ten­sei­ten. Das Ver­kehrs­auf­kom­men ist zum Teil hoch. Die Pil­ger lau­fen oft an der Stra­ße ent­lang, daher viel auf Asphalt, was anstren­gend ist. Von der Nähe der Auto­bahn und des rie­si­gen Indus­trie­ge­bie­tes zwi­schen O Por­ri­ño und Tui spricht er gar nicht. Man­che Stei­gun­gen sind auch enorm.


Der dpa-Autor lobt den Camin­ho por­tu­gues aber so über­schwäng­lich, dass man befürch­ten muss, dass er ein Pres­se­dos­sier gekürzt wider­gibt. Das nennt man „kalt schrei­ben“, was die Gefahr beinhal­tet, fal­sche Erwar­tun­gen zu erwe­cken. Wir brau­chen Repor­ter vor Ort! Er ist schön, denn ab dem Rio Miño lau­fen die Pil­ger auf eine an Nor­we­gen erin­nern­de Fjor­d­land­schaft zu.

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Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Valen­ça – auch hier bestä­tigt sich die Regel: Beim zwei­ten Besuch sieht vie­les anders aus. Es lohnt sich immer, nach einem Tag Abstand wie­der­zu­kom­men, vor­he­ri­ge Ein­drü­cke über Gesprä­che mit Men­schen oder über Fotos zu vertiefen.

So zieht die Fes­tungs­s­stadt am Rio Min­ho spa­ni­sche Tou­ris­ten magne­tisch an, Ange­bo­te zwi­schen 5 und 30 Euro abzu­klap­pern. Deut­sche ver­ir­ren sich sel­ten her. Es sind vor allem Pil­ger vom Jakobs­weg, die es von Por­to her­auf­ge­schafft haben. Die ers­te Hälf­te auf dem Wan­der­we­ge liegt hin­ter ihnen. Ein Hit für Kin­der sind klei­ne Maschi­nen­pis­to­len; der Kon­sum­krieg zwi­schen den teils schön geka­chel­ten Häu­sern möge beginnen.

Ande­ren ergeht es so wie mir am ers­ten Tag: die gewal­ti­gen Fes­tungs­mau­ern erkun­den, die dem Schutz vor den Kas­ti­li­ern dien­ten, Spei­se­kar­ten stu­die­ren, mit den manch­mal skru­pel­lo­sen Auto­fah­rern in den engen Gas­sen kämp­fen, Kir­chen und Kapel­len auf­su­chen, um danach wie­der zur Ruhe zu kommen.

Beim zwei­ten Besuch nimmt man ver­steck­te Din­ge wahr wie die Skulp­tu­ren Robert Scha­des, dem ich bereits in Cer­vei­ra begeg­ne­te – er ist der Picas­so Portugals.

Dann höre ich auch schon ein­zel­ne Gesprä­che in den Gas­sen her­aus wie das zwi­schen einer Mode­la­den­be­sit­ze­rin und ihrer Arbeits­kraft. Er fühlt sich offen­bar aus­ge­beu­tet. Aggres­si­on liegt in der Luft. Aber ich weiß schon, dass sich das Gesche­hen auf den Stra­ßen ab 19 Uhr erheb­lich beru­higt. Eine schö­ne Aussicht!

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Jakobsweg: Respekt auf der Straße geht alle an

Spa­ni­en ent­wi­ckelt sich rasant zu einem Rad­sport­land. Heu­te fährt der Rei­sen­de über die Gren­ze von Min­ho nach Gali­zi­en — von Valen­ça nach Tui. Er befin­det sich nach wie vor auf dem Jakobs­weg von Por­to nach Sant­ia­go. Beim Auf­pum­pen der Rei­fen und Rei­ni­gen des Schalt­werks fin­det er auf Augen­hö­he einen guten Text. An einer Tank­stel­le erklärt er sowohl Rad- als auch Auto­fah­rern Ver­kehrs­re­geln: El res­pe­to en la car­re­te­ra es cosa de todos. Respekt auf der Stra­ße geht alle an, nicht nur auf dem Jakobsweg.

Respekt auf der Straße geht alle an

Ach­te auf 1,5 Meter Abstand beim Vor­bei­fah­ren und fah­re defensiv.

Betrach­te eine Grup­pe von Rad­fah­rern als eine ein­zi­ge mobi­le Einheit.

Über­ho­le kein ande­res Fahr­zeug, wenn Dir Rad­fah­rer entgegenkommen.

Benut­ze ein reflek­tie­ren­des Vor­der­licht und tra­ge nachts eine reflek­tie­ren­de Weste.

Respek­tie­re die Ver­kehrs­re­geln genau­so wie alle ande­ren Verkehrsteilnehmer.

Wenn Du neben­ein­an­der fah­ren willst, dann fahrt höchs­tens zu zweit.

Soll­te man das nicht auch an Park­plät­zen, Tank­stel­len und öffent­li­chen Gebäu­den in Deutsch­land auf­hän­gen? Das sind an sich Ver­kehrs­re­geln, die jeder schon im Kin­der­gar­ten lernt. Doch ange­sichts vie­ler schwe­rer Ver­kehrs­un­fäl­le durch fal­sches Über­ho­len, Han­dy am Ohr, Alko­hol und Dro­gen und zu enges Vor­bei­fah­ren ist es wohl nötig. 

Neue Buß­gel­der der STVO 2021 schei­nen auch nichts abzu­mil­dern. Seit Beginn der Woche las der Rei­sen­de von meh­re­ren schwe­ren Unfäl­len: Über­se­hen eines Fahr­zeugs beim Abbie­gen auf eine schma­le Stra­ße. Smart­pho­ne am Ohr und Alko­hol im Blut. Alle Betei­lig­ten lie­gen jetzt mit schwe­ren Ver­let­zun­gen im Krankenhaus. 

Respekt auf der Stra­ße geht eben alle etwas an. Nicht nur auf dem Jakobs­weg. Hin­ter­grund des­sen ist, dass sich im Früh­jahr schwe­re Unfäl­le zwi­schen Auto­fah­rern und Rad­lern in Anda­lu­si­en ereig­ne­ten. Dies erklär­ten hier Ein­hei­mi­sche vor Ort. Es ist auch deut­lich zu spü­ren, dass die Leu­te sehr vor­sich­tig fah­ren. Von wegen heiß­blü­ti­ge Südländer!

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Ponte Internacional Valença-Tui am Minho

So ganz abge­wi­chen wie gedacht, ist der Rei­sen­de vor­ges­tern doch nicht. Er geriet auf die Küs­ten­stre­cke des Camin­ho de Sant­ia­go. Heu­te hat er Cer­vei­ro ver­las­sen und folgt einem wun­der­ba­ren Fluss­rad­weg nach Valen­ça. Dort liegt die Gren­ze. Der Rio Min­ho und die Brü­cke Pon­te Inter­na­cio­nal Valen­ça-Tui ver­bin­den bei­de Grenzen.

Als die Brü­cke dort — Pon­te Inter­na­cio­nal Valen­ça-Tui — errich­tet wer­den soll­te, bewarb sich auch der berühm­te Archi­tekt Gust­ave Eif­fel 1881 mit einem Plan um die Aus­füh­rung. Die por­tu­gie­sisch-spa­ni­sche Kom­mis­si­on ent­schied sich für den Ent­wurf des Archi­tek­ten Pelayo Mance­bo y Ágre­da. Auf der ande­ren Sei­te liegt Tui. Der Rad­weg bis dort­hin ist flach und schat­tig. Er bie­tet einen tol­len Blick auf die Ber­ge. Die Län­ge beträgt etwa 18 Kilo­me­ter. Auch vie­le Möwen sor­gen hier mit ihren Rufen für Leben.

Besichtigung Valenças

Eine Besich­ti­gung Valen­ças lohnt sich, das der Rei­sen­de bis dahin noch nicht kann­te. Nur dem Namen nach: Als er den Flug­ha­fen in Por­to ver­ließ, unter­hielt er sich mit einer hüb­schen blon­den deut­schen Tou­ris­tin, um zu erfah­ren, wo es die­se wohl hin­zog. Zu sei­nem Erstau­nen woll­te sie nicht Por­to besich­ti­gen, son­dern mit dem Bus direkt nach Valen­ça fahren.

Und jetzt nach eini­gen Tagen auf dem Jakobs­weg mit dem Rad ist er selbst hier. Doch die Tou­ris­tin ist längst über alle Ber­ge. Er nimmt sich ein Zim­mer in einem Hotel in der Neu­stadt, direkt vor der impo­san­ten von einer Mau­er kom­plett umge­be­nen Fes­tungs­stadt. An der Rezep­ti­on wer­den sie ihn heu­te und mor­gen immer per­sön­lich mit “Bom dia, sen­hor Ben­ning” oder “Boa tar­de, sen­hor Ben­ning” grü­ßen. Die haben es drauf.

Valen­ça ist wesent­lich grö­ßer als Almei­da im Cen­tro de Por­tu­gal, obwohl sie nicht ein­mal 3500 Ein­woh­ner auf­weist. In Almei­da leben nicht ein­mal 1500. So dünn besie­delt ist es außer­halb der gro­ßen Städ­te. Wahr­schein­lich hängt der Ein­druck an der gro­ßen Zahl der Tou­ris­ten, von denen vie­le aus Spa­ni­en kom­men. Auf sie war­ten vie­le Restau­rants und Sou­ve­nir­lä­den in den Gas­sen. In denen bebt das Leben. Wer die Pon­te Inter­na­cio­nal Valen­ça-Tui am Min­ho über­schrei­tet, gelangt ins wesent­lich ruhi­ge­re Tui.

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Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Gibt es die Bien­na­le nur in Vene­dig? Nein. Auch in der por­tu­gie­si­schen Klein­stadt Cer­vei­ra am schö­nen Río Min­ho gibt es eine.

Zwar zählt die zwi­schen Por­to und Vigo lie­gen­de „vila“ nur weni­ge tau­send Ein­woh­ner. Aber dafür gibt es ein Muse­um, eine Art Gale­rie in der win­zi­gen Alt­stadt und ein sehr gro­ßes Kul­tur­fo­rum mit Aus­stel­lungs­sä­len. Um hin­zu­kom­men, muss­te ich etli­che Hügel mit dem Rad überwinden.

Den Jakobs­weg habe ich dafür kurz ver­las­sen, kann dafür aber mor­gen auf dem hof­fent­lich ange­neh­men Fluss­rad­weg am Rio Min­ho nach Valen­ça strampeln.

Oft ste­hen hin­ter Kul­tur­ange­bo­ten älte­re Herr­schaf­ten; doch hier trifft man erfreu­lich vie­le jun­ge Frau­en und Män­ner aus Por­tu­gal und aus Spa­ni­en. Es kann also durch­aus was wach­sen! Dahin­ter steht natür­lich eine Stiftung.

Das Fes­ti­val gibt es schon seit vie­len Jah­ren, sicht­bar an in der Stadt und am Fluss ver­teil­ten Skulp­tu­ren. Künst­ler aus acht Natio­nen neh­men dar­an teil.

Unter die­sen befin­det sich auch eine des Künst­lers Robert Schad aus Ravens­burg, der unfass­bar vie­le Eisen­skulp­tu­ren über wei­te Tei­le des Lan­des ver­teilt hat – fast schon der Picas­so Deutschlands.

Der Kata­log wur­de mir ges­tern gezeigt. Schad nimmt in die­sem Jahr auch an der Bien­na­le teil.

Mich erin­nern sei­ne ros­ti­gen Wer­ke an Edu­ar­do Chil­li­das „Tole­ranz durch Dia­log“ und Richard Ser­ras Ver­nei­gung vor dem genia­len baro­cken Bau­meis­ter Johann Con­rad Schlaun und der gro­ßen Dich­te­rin Annet­te von Dros­te- Hüls­hoff. Die­se Skulp­tu­ren ste­hen dau­er­aus­ge­stellt sowohl im Innen­hof des Rat­hau­ses zu Müns­ter als auch auf der Allee des Rüsch­hau­ses vor den Toren Müns­ters, der Stadt der Skulpturen.

Beson­ders beein­druckt der Spa­zier­gang durch die alte Fes­tung. Die Räu­me wer­den geschickt zur Prä­sen­ta­ti­on genutzt.

Mehr über die Wer­ke vie­ler renom­mier­ter Künst­ler erfah­ren Sie in mei­nem gera­de erschie­ne­nen Buch: “Müns­ter Stadt der Skulp­tu­ren” Ich habe meh­re­re Rou­ten zwi­schen 5 und 13 Kilo­me­tern aus­ge­ar­bei­tet, die Sie über einen Bar­code auf dem Smart­pho­ne erfas­sen kön­nen. Zu Fuß oder per Rad war­ten eini­ge Über­ra­schun­gen auf Sie, die weit über das bis Anfang Okto­ber lau­fen­de Skulp­tur-Pro­jekt hinausgehen.

Die­se Skulp­tur mit den Hän­den erin­nert mich eben­falls an die „100 Arme der Guan-yin“ auf dem Mari­en­platz in Müns­ter, wenn auch die­se hier klei­ner aus­fällt. Aber man kann schließ­lich auch nicht immer erwar­ten, etwas zu fin­den, das einen durch sei­ne Inno­va­ti­on gera­de­zu überwältigt.

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Steiniger Jakobsweg um Bandeira

Stei­ni­ger Jakobs­weg um Band­ei­ra: So sieht der Camin­ho de Sant­ia­go von Por­to nach Sant­ia­go öfter aus. Mit Gepäck muss der Rei­sen­de dann oft schie­ben. Er kennt aber immer­hin fünf Freun­de in Bonn und in Müns­ter, die auch nicht auf­gä­ben. Ste­phan, zwei Chris­ti­ans, Hol­ger und Ulf.

Die Stre­cke heu­te ist deut­lich die anstren­gends­te. Dabei ist er die letz­ten fünf Kilo­me­ter par­al­lel zum Wan­der­weg auf der Land­stra­ße gera­delt. Dar­un­ter for­der­ten ihn auch neun Pro­zent Stei­gung her­aus. Der Pil­ger­weg selbst ist ab Band­ei­ra nur für Moun­tain­bi­ker ohne Gepäck zu bewäl­ti­gen. Das Rad müs­se stre­cken­wei­se auf den Schul­tern getra­gen wer­den, mun­kelt man. Der Anfang der Stre­cke hat unter Regen so stark gelit­ten, dass ein Stück abge­rutscht ist. Er ist jetzt gesperrt.

Das Erklim­men des Berg­gip­fels gegen Ende des Trips war hef­tig. Jetzt ruht er im Berg­dorf Rubiães. Die­ses ist abends deut­lich küh­ler als Pon­te de Lima im Tal. Die Wir­tin woll­te ihn gleich dazu nöti­gen, mit einem Shut­tle zu einem nahen Restau­rant zu fah­ren. Es tut ihm schreck­lich leid, dass ihr nun 10 % Pro­vi­si­on ent­ge­hen. Und sie woll­te nicht, dass er sein Rad direkt vor dem Zim­mer abstellt. Dabei liegt es eben­erdig im Hof. 

Es ist das ers­te und ein­zi­ge Mal auf der gesam­ten Tour, dass dem Rei­sen­den jemand so komisch kommt. Er setz­te sich trotz­dem gegen sie durch. Sicher­heit fürs Rad geht vor. Er ist schließ­lich auf das Fahr­zeug ange­wie­sen. Am nächs­ten Mor­gen hat sie sich wie­der beru­higt und ser­viert ein gutes Früh­stück. Wer weiß, was die Frau am Vor­tag plagte.

Der Blick vom Bal­kon ist ganz okay. Oder? Stei­ni­ger Jakobs­weg um Band­ei­ra, die Mühe hat sich gelohnt. Ein Pil­ger­weg ohne Lei­den wäre auch kein Pilgerweg.

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Fluss des Vergessens am Jakobsweg

Fluss des Ver­ges­sens am Jakobs­weg: Drei Tage hält sich der Rei­sen­de schon am Fluss des Ver­ges­sens in Pon­te de Lima auf. Ob er wirk­lich alles ver­gisst, stellt er wahr­schein­lich erst hin­ter der Orts­gren­ze fest. Pil­ge­rin Alex­an­dra hat ihn jeden­falls nicht ver­ges­sen. Denn sie schreibt ihm immer noch, obwohl sie die Klein­stadt seit drei Tagen ver­las­sen hat. So schlimm ist es also nicht.

Er hält die Erzäh­lung auch für eine List der Fein­de der Römer, um die Legio­nen am Vor­marsch über den Fluss Lima zu hin­dern. Am Ufer ste­hen ein paar bewaff­ne­te jun­ge Ker­le um die zwan­zig Jah­re mit unsi­che­ren Gesich­tern. Die Lan­ze eines Legio­närs ist sogar ver­bo­gen, als sei­en gera­de Aste­rix und Obelix vor­bei­ge­kom­men, um sich mit ihnen zu prü­geln. Auf der ande­ren Sei­te war­tet ihr Anfüh­rer zu Pfer­de, der vor­ge­rit­ten ist. Die Legio­nä­re wol­len erst durch den Fluss waten, sobald jeder ein­zel­ne von ihnen sei­nen Namen gehört hat. Eine hüb­sche Geschich­te zu einer ange­neh­men Klein­stadt, in der so eini­ge Pil­ger zwei Tage ihre Wun­den pflegen.

Die schönsten Frauen Portugals kommen aus dem Norden

Das Leben ist gemüt­lich. Das Bier ist bil­lig, die Men­schen hilfs­be­reit. Der Rei­sen­de hat sich in einem Han­del für 29 Cent fünf Schrau­ben besorgt, um wei­te­ren Ver­lus­ten auf der hol­pe­ri­gen Stre­cke die Stirn bie­ten zu kön­nen. Der Gepäck­trä­ger sitzt jeden­falls wie­der fest, wofür aller­dings der Fla­schen­hal­ter dar­an glau­ben muss­te. Wie gut, dass er mit zwei pas­sen­den Schrau­ben fixiert ist. Die Schuh­soh­le kleb­te ges­tern ein Schus­ter für einen Euro. 

In Pon­te de Lima gibt es auch ein schö­nes Muse­um mit sakra­ler Kunst. Abends bie­ten Bands leb­haf­te Kon­zer­te. Ges­tern trat ein Fado-Sän­ger auf, den der Rei­sen­de im Hotel­zim­mer bis drei Uhr nachts hör­te. Gestört es es über­haupt nicht. Denn er sang phan­tas­tisch. Und die Zuschau­er lach­ten viel, wes­halb es wohl auch lus­tig war. Unver­ges­sen ist auch die bild­hüb­sche Rezep­tio­nis­tin Ana im Hotel, deren Sprach­me­lo­die ein­fach phan­tas­tisch klang. Die­se erin­ner­te an die schwe­di­sche Art, beim Spre­chen fast zu Sin­gen — Sprech­ge­sang. Die schöns­ten Frau­en Por­tu­gals kom­men aus dem Nor­den. Das ist bekannt.

Ein­zi­ges Man­ko: Die Restau­rants bie­ten hier nur Dosen­fraß an, was unschwer am Foto in der Gale­rie zu erken­nen ist. Hal­be Dosen, gan­ze Dosen. Der Rei­sen­de will fri­schen por­tu­gie­si­schen Fisch, kei­ne Kon­ser­ven. Obwohl am Fluss des Ver­ges­sens am Jakobs­weg: Die­se Zustän­de hier wird der Rei­sen­de nie­mals vergessen.

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Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Es gibt so Leu­te, die mei­nen, mensch­li­che Inter­es­sen übers Alter defi­nie­ren zu müs­sen. Mit zwan­zig Dis­co und Fit­ness­stu­dio, mit drei­ßig Lite­ra­tur und erst mit vier­zig Jah­ren inter­es­sie­re man sich fürs Wan­dern. Ab fünf­zig soll man angeb­lich spü­ren, dass gar nichts mehr geht. Man soll­te sich dann schon einen Platz im Alters­heim suchen und auch den pas­sen­den Grab­stein. Auf dem Jakobs­weg hat auch schon eine Pil­ge­rin behaup­tet, da sie jung sei, sei sie eher bereit, in den Her­ber­gen zu schla­fen als Älte­re. Dort riecht es oft nicht gut. Leu­te schnar­chen. Eta­gen­bet­ten sind auch nicht immer ver­lo­ckend. Manch­mal gibt es auch kei­ne frei­en Bet­ten mehr, so dass Matrat­zen auf den Gang gebracht werden.

Doch wenn man sich in den Her­ber­gen umschaut, strö­men Men­schen zwi­schen 20 und 70 her­ein. Fast alle tra­gen sport­li­che Klei­dung. Die Tele­skop­stö­cke und Ruck­sä­cke sehen kom­for­ta­bel aus. Nie­mand muss mehr schwe­re Kame­ras schlep­pen. Für den pri­va­ten Gebrauch rei­chen die klei­nen Digi­tal­ka­me­ras locker aus; die Smart­phone­bil­der dürf­ten eher ent­täu­schen, ermü­den auch Teil­neh­mer am hei­mi­schen Stamm­tisch eher.

Erstaun­li­cher­wei­se ach­ten aber vie­le nicht auf rich­ti­ge Wan­der­schu­he, weil sie mei­nen, dass die bil­li­gen beim Dis­coun­ter genau­so gut sei­en wie Mar­ken­wa­re. Ich füh­re selbst oft als Wan­der­füh­rer durch die Eifel, glaub­te selbst lan­ge bei mei­nen alten Schu­hen, dass Schmer­zen ein­fach dazu gehör­ten. Doch seit­dem ich 260 Euro in alpi­ne Schu­he gesteckt habe, weiß ich, dass es auch ohne Bla­sen geht. An das Gewicht gewöh­ne ich mich schon bin­nen Minu­ten bei jeder Wan­de­rung. Die Ober­schen­kel schmerz­ten nur wäh­rend der ers­ten Etap­pe und bei jeder wei­te­ren nur inden ers­ten Minu­ten. Auf dem Jakobs­weg rade­le und lau­fe ich sogar mit mei­nen Win­ter­schu­hen. Die Cleats für SPD-Peda­len sind so gut ein­ge­ar­bei­tet, dass ich sie nur auf sehr glat­ten Stei­nen spü­re, beim Schie­ben nur wenig. Die von vie­len befürch­te­te Wär­me tritt nie auf, weder bei den Berg- noch bei den Rad­stie­feln. Oft sind bei vie­len die Schu­he zu klein, wovon hier San­da­len füh­ren­de Schuh­ge­schäf­te pro­fi­tie­ren. Wer hat die Leu­te bloß bera­ten? Dicke Socken und eine Num­mer grö­ßer, dar­auf bestand mein Fach­ver­käu­fer sogar.

Das Geld wird am fal­schen Ende gespart. Lie­ber ein paar Mal 16 Euro für Frit­ten, Bier und Cur­ry­wurst statt in gute Schu­he und in einen ver­nünf­ti­gen, gut auf Land und Leu­te vor­be­rei­ten­den Rei­se­füh­rer. Phar­ma­in­dus­trie und Fit­ness­stu­di­os freu­en sich über gute Kun­den. Schließ­lich ist man hier auf 235 Kilo­me­tern min­des­tens Wochen unter­wegs mit 17–24 Kilo­me­tern am Tag. Immer­hin ern­tet man nach dem Trip neben einem schlan­ke­ren Kör­per und schö­nen Erin­ne­run­gen auch eine Men­ge Selbst­be­wusst­sein und Durch­hal­te­ver­mö­gen, was man bei den Zuhau­se anste­hen­den Her­aus­for­de­run­gen gut gebrau­chen kann. Egal, ob man 20 oder 70 Jah­re jung ist: Den inne­ren Schwei­ne­hund hat man auf alle Fäl­le besiegt.

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Auf dem Jakobsweg Radeln für Pilger

Es ist auf­re­gend, wen ich auf der Stre­cke ken­nen­ler­ne. Ein­sam ist es nie. Dazu wan­dern zu vie­le auf dem por­tu­gie­si­schen Jakobs­weg von Por­to nach Sant­ia­go de Com­pos­te­la. Die Stre­cke ist 235 Kilo­me­ter lang. Jedem steht es frei, sich zu ent­schei­den, ob man allei­ne wan­dern will oder zu meh­re­ren. Manch­mal ist es schön, die Land­schaft still für sich zu genie­ßen, denn wer viel beim Wan­dern redet, kann auch viel übersehen.

Die Mehr­heit stel­len in die­sen Tagen Deut­sche und Spa­ni­er. Am Wochen­en­de gesell­ten sich Por­tu­gie­sen dazu. Aber auch Asia­ten wie eine Usbe­kin, die ich in Gemein­schaft am Mit­tags­tisch mit zwei Dänen und einer Deut­schen traf. Sie sprach flie­ßend Deutsch, so dass ich auf­grund des Akzents dach­te, dass sie in Süd­deutsch­land auf­ge­wach­sen wäre.

Als ich am Vor­abend einen Schlaf­platz such­te, stieß ich auf zwei Fran­zö­sin­nen, die vor dem Gemein­schafts­haus eines Hos­tals aßen. Eine gute Gele­gen­heit, mal wie­der Fran­zö­sisch zu spre­chen, was nach Tagen auf Spa­nisch, Eng­lisch und etwas Por­tu­gie­sisch anstren­gend war. Aber immer noch natür­li­cher als jeder Kon­ver­sa­ti­ons­kurs an der Volks­hoch­schu­le. Die bei­den Damen arran­gier­ten einen Zelt­platz auf dem Gelän­de für mich. Wahr­schein­lich war ich der ers­te Cam­per hier, da eigent­lich nur Zim­mer ver­mie­tet wur­den. Eine Dusche aller­dings boten sie mir nicht in ihrer Hüt­te an; da sind Nor­we­ger, Schwe­den, Dänen und Por­tu­gie­sen gast­freund­li­cher. Ich nahm den Gar­ten­schlauch statt­des­sen. Anschlie­ßend luden mich Iri­neo und sei­ne Frau — aus Sin­tra — zum frisch gegrill­ten Steak mit Chips, Salat und Bier ein. Sie gin­gen davon aus, dass ich hung­rig sein muss­te. Dabei war ich nur 21 Kilo­me­ter auf einem zum Teil aller­dings holp­ri­gen Weg gefah­ren. Dank­bar schlief ich im Zelt unter kla­rem Ster­nen­him­mel mit Gril­len­zir­pen ein.

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Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Mei­ne ers­ten klei­nen Repa­ra­tu­ren habe ich am Rad schon hin­ter mir. Dabei bin ich erst seit fünf Tagen in Por­tu­gal. Zuerst ver­bog das Schalt­werk auf dem Flug. Ich konn­te es mit der Hand wie­der rich­ten und mit dem Schrau­ben­dre­her wie­der ein­stel­len. Da der Wan­der­pfad holp­rig ist, ver­lor ich heu­te eine Schrau­be am Gepäck­trä­ger. Zum Glück konn­te ich eine mei­nes Fla­schen­hal­ters opfern.

Denkt also bit­te immer dar­an, pas­sen­de Schrau­ben mit­zu­neh­men. Und die Schal­tung vor dem Flug zu demon­tue­ren, im Fall der Fäl­le einen Ersatz ein­zuoacken. Er wiegt nicht viel.

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