Dramatische und flott zu lesende Erzählung

Eine dra­ma­ti­sche und flott zu lesen­de Erzäh­lung hat der frei­be­ruf­li­che Jour­na­list Sieg­mund Natsch­ke mit „Der Zie­gen­ba­ron“ ver­fasst. „Das Gesetz steht in stau­bi­gen Rega­len. Das Leben spielt sich hier ab: in die­sen Gas­sen, in die­sen Häu­sern, in den Her­zen die­ser Kin­der“. Im Wirts­haus zu Wol­beck kämpft Zie­gen­ba­ron Alfred von Renes­se für sein Ziel: das Leben vie­ler Men­schen zu ret­ten. Er tritt im Bei­sein vie­ler Wol­be­cker Bür­ger gegen Abge­sand­te des Gesund­heits­am­tes Müns­ter an. Die­ses will ihm das Ver­ab­rei­chen von Zie­gen­milch zum Kurie­ren von Krank­hei­ten wie Tuber­ku­lo­se und Rachi­tis verbieten.

Die­se Erzäh­lung ist jetzt im Aschen­dorff-Ver­lag erschie­nen. Mit rou­ti­nier­ter Feder hat der Betrei­ber des Blogs „Müns­ter täg­lich“ das Werk ver­fasst. Er weiß genau, wie man ein Dra­ma auf­baut. Kommt es im Wirts­haus zu einer Kata­stro­phe? Oder geht alles gut aus? Der Kern der Geschich­te hat sich tat­säch­lich so abge­spielt, ange­rei­chert um fik­ti­ve Elemente.

Die Mut­ter Natsch­kes lern­te den Land­wirt­schafts­leh­rer im Pfle­ge­heim ken­nen. Der damals 102 Jah­re alte Prot­ago­nist erzähl­te der damals 16Jährigen von den wich­tigs­ten Ereig­nis­sen sei­nes Lebens ums Jahr 1900. Bevor sich sein hei­len­des Wir­ken her­um­sprach, muss­te er eine Men­ge Über­zeu­gungs­ar­beit für die sinn­vol­le Hal­tung von Zie­gen im eige­nen Dorf leis­ten. Eine Kuh konn­ten sich vie­le Men­schen gar nicht leis­ten. Den Satz „Die Zie­ge ist die Kuh des klei­nen Man­nes“ pre­dig­te er unend­lich oft, In der Ein­stiegs­sze­ne erfährt der Leser, wie vie­le Men­schen bereits durch Zie­gen­milch wie­der gesun­de­ten. So grün­de­te von Renes­se zunächst einen Zie­gen­züch­ter­ver­ein. Denn eine Zie­ge gebe sowohl Milch als auch Freu­de. „Und wer Freu­de schenkt, der heilt die Welt.“ Und Arz­nei gegen Krank­hei­ten wie Tuber­ku­lo­se war damals teuer.

Bis dahin lag noch kein Kon­flikt in der Welt. Erst als ein klei­ner Jun­ge wegen Tuber­ku­lo­se im Ster­ben liegt, tritt der Zie­gen­ba­ron per­sön­lich als Hei­ler auf. Er bringt nicht nur dem Jun­gen, son­dern vie­len ande­ren Men­schen per­sön­lich Zie­gen­milch. Und er kuriert sie tat­säch­lich. Damit aber eckt er hart beim Gesund­heits­amt an. Der Kampf beginnt. Wie es wei­ter­geht, wird hier nicht ver­ra­ten. Das soll jeder Leser selbst beim Lesen die­ser span­nen­den Lek­tü­re erfahren.

Mit Natsch­kes Erzäh­lung, die nicht nur für Müns­te­ra­ner lesens­wert ist, hat Müns­ter in Alfred von Renes­se eine zwei­te schil­lern­de Per­sön­lich­keit dazu­ge­won­nen. Als ein­zi­ge galt bis­her der exzen­tri­sche Pro­fes­sor Lan­dois. Die­ser hat­te mit sei­nen Aktio­nen zur Finan­zie­rung des Zoos stets für viel Gesprächs­stoff gesorgt.

Fes­tungs­stadt Almei­da, Portugal

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