Vestager Dänemarks beliebteste Politikerin

Ich fin­de es immer ganz gut, mal über den Tel­ler­rand zu schau­en, also nicht nur tou­ris­ti­sche Aspek­te zu beleuch­ten. Denn dann gerät man leicht in Gefahr, die Ent­wick­lung eines Lan­des nicht in einem Zusam­men­hang mit ande­ren Fak­to­ren zu sehen. Haut­nah hab ich das zum Bei­spiel bei mei­nem Auf­ent­halt auf der hüb­schen Insel Samsø erlebt. Sie ist tou­ris­tisch sehr reiz­voll. Aber manch ein Ein­woh­ner fühlt sich durch die Euro­päi­sche Uni­on auch gegängelt.

Auch Däne­mark ent­sen­det Abge­ord­ne­te ins Euro­pa­par­la­ment. Eine von ihnen ist Mar­gre­the Ves­ta­ger, die der Deutsch­land­funk hier vor­stellt. Sie ist Däne­marks belieb­tes­te Poli­ti­ke­rin. Nach der Dar­stel­lung Gun­nar Köh­nes stammt sie aus Kopen­ha­gen und ist EU-Kom­mis­sa­rin. Beliebt sei sie, weil sie sich mit Tech-Gigan­ten anle­ge, wor­aus ein­zel­ne Ver­brau­cher ihren Nut­zen zögen. In der Die­sel­af­fä­re habe sie sich für das Recht der Auto­be­sit­zer auf Sam­mel­kla­gen ein­ge­setzt. Aber als obers­te Wett­be­werbs­hü­te­rin Euro­pas habe sie es auch mit zahl­rei­chen weni­ger spek­ta­ku­lä­ren Fusio­nen und Fir­men­über­nah­men zu tun. Däne­mark hal­te sie für einen nach wie vor sehr gut funk­tio­nie­ren­den Wohl­fahrts­staat. Dafür brau­che man eine flo­rie­ren­de Wirt­schaft, die man nicht nur der guten poli­ti­schen Füh­rung Däne­marks, son­dern auch der Zuge­hö­rig­keit zum euro­päi­schen Bin­nen­markt verdanke.

Ves­ta­ger war Vor­sit­zen­de der sozi­al-libe­ra­len Par­tei „Radi­kal Venst­re“ und kurz­zei­tig Wirt­schafts- und Innen­mi­nis­te­rin, bevor sie 2014 nach Brüs­sel wech­sel­te. Zwei Jah­re spä­ter wur­de sie daheim zum „Dänin des Jah­res“ gewählt. 

Der Bei­trag Köh­nes gehört zur fünf­tei­li­gen Repor­ta­ge­rei­he “Hei­mat, Hyg­ge, Hoch­mut – Däne­mark hadert mit der EU” in der Sen­dung „Gesich­ter Europas“.

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Aufflammendes dänisches Interesse an Skulpturen

Wer hät­te das gedacht? Im ehe­ma­li­gen Fischer­dorf Hum­le­bæk vor den Toren Kopen­ha­gens ste­hen Skulp­tu­ren der bekann­ten Künst­ler Richard Ser­ra, Alex­an­der Cal­der, Max Ernst, Joan Miro, Jean Debuf­fet und Nobuo Seki­ne. Aus­ge­stellt hat sie das phan­tas­ti­sche Muse­um Louisiana.

Also auch Dänen inter­es­sie­ren sich “auf ein­mal” für Skulp­tu­ren. Ich selbst brauch­te recht lan­ge, bis ich einen Zugang zu ihnen fand. Zunächst brach­ten mei­ne Eltern mir und mei­nen Geschwis­tern, mei­ne Mut­ter stu­dier­te Kunst­ge­schich­te mit Schwer­punkt Mit­tel­al­ter, viel über Kunst der Früh­zeit bis zum Mit­tel­al­ter bei. Wir besuch­ten das mich heu­te immer noch berüh­ren­de Natio­nal­mu­se­um in Kopen­ha­gen, wo mich Moor­lei­chen, Luren und Schmuck faszinierten.

Wenn es reg­ne­te und ein Strand­tag aus­fiel, fuh­ren wir auch nach Ros­kil­de. Nein, nicht zum Musik­fes­ti­val, son­dern zum Bestau­nen der berühm­ten Wikin­ger­aus­stel­lung. Dort ste­hen wun­der­bar kon­stru­ier­te Lang­boo­te. In Oslo sor­gen sie sich übri­gens um ihren Bestand, sah ich ges­tern in den Euro­pa­nach­rich­ten. Erschüt­te­run­gen setz­ten ihnen sehr zu, hieß es. Doch Skulpturen?

Die ent­deck­te ich, als ich zur Vor­be­rei­tung mei­nes Buches “Umeå in mei­nem Her­zen” nach Väs­ter­bot­ten radel­te. Dort gibt es einen für eine so weit nörd­lich lie­gen­de Stadt gera­de­zu exor­bi­tant gro­ßen Skulp­tu­ren­park. Ein Indus­tri­el­ler hat ihn auf­ge­baut. Und da es mir ums Auf­spü­ren von Kunst und Kul­tur ging, blieb mir nichts ande­res übrig, als mich nun auch damit auseinanderzusetzen.

Wie sich der Autor der “Washing­ton Post” damit aus­ein­an­der­setzt, könnt ihr hier lesen.

Skulp­tu­ren Louisiana

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Weit draußen im Atlantik

Weit drau­ßen im Atlan­tik: Wisst ihr, dass Por­tu­gal mehr ist als nur der schma­le Strei­fen auf der Ibe­ri­schen Halbinsel?

Der Staat besitzt weit weg im Atlan­tik klei­ne Inseln, die noch aus der Kolo­ni­al­zeit übrig geblie­ben sind. Nach und nach fie­len die Kolo­nien ab. Oder sie wur­den von ande­ren Natio­nen über­nom­men wie klei­ne Han­dels­stütz­punk­te in Asi­en, Bra­si­li­en. Spä­ter folg­ten noch Ango­la und Mosambik.

Übrig geblie­ben aus Über­see ist Madei­ra. Vor eini­ger Zeit durf­te der Rei­sen­de auf Ein­la­dung die Insel besu­chen. Ihn berühr­te die scheue, fast devo­te Art der Bewoh­ner, der er zum ers­ten Mal in einem süd­eu­ro­päi­schen Land begeg­ne­te. Die Men­schen schie­nen sich dort fast unsicht­bar zu machen. Por­tu­gie­sen sind ohne­hin die ruhigs­ten Bewoh­ner Süd­eu­ro­pas. Dies war das Ein­drucks­volls­te, wor­an sich der Rei­sen­de erin­nert, was Por­tu­gal angeht. Unerwartet!

Reporterin des Telegraph auf Madeira

Auch die eng­li­sche Zei­tung “The Tele­graph” hat sich Madei­ra ange­schaut. Lasst euch über­ra­schen, was Repor­te­rin Sarah Bax­ter beson­ders auf­ge­fal­len ist. Sie fängt ihren leben­dig ver­fass­ten Arti­kel über Madei­ra dra­ma­tisch an. Der Wind schüt­tel­te das Flug­zeug beim Anflug auf den Flug­ha­fen Cris­tia­no Ronal­do. Ihr Fens­ter füll­te sich mit blau­er Dünung und wei­ßen Pfer­den. Sie sah also die Far­ben des Atlan­tiks. Die Lan­dung nahm dann aber wie­der die rich­ti­ge Rich­tung an. Dabei rüt­tel­te der Wind das Flug­zeug noch an den Sei­ten. Dann sah sie die Lan­de­bahn auf Pfei­lern im Meer, „expo­niert und gefährlich“.

Der Pilot habe die Pas­sa­gier­ma­schi­ne in Posi­ti­on gebracht. Näher und näher sei die Maschi­ne ihrem Ziel gekom­men, bei­na­he schon da – doch dann. Mit einem letz­ten Schub der Maschi­ne sei alle an Bord auf­wärts getor­kelt, wie­der an den Him­mel gebun­den. Der Das Tisch­ge­stell trat zurück. Dies­mal gewann das Wet­ter. Es brauch­te eini­ge Ver­su­che, um den Cris­tia­no Ronal­do-Flug­ha­fen anzu­flie­gen, ein Begriff so trick­reich wie die Füße des Namens­ge­bers. Der Flug­ha­fen ist bekannt als eines der schwie­rigs­ten Lan­de­ge­bie­te der Welt, schreibt Bax­ter. Dies lie­ge an den die Lan­de­bahn peit­schen­den Quer­win­den. Dies erschei­ne ganz als gegen­sätz­li­che Ein­füh­rung in eine Insel, die häu­fig als ruhig, kon­ven­tio­nell, viel­leicht sogar nett-aber-lang­wei­lig gel­te. Wie auch immer, die­se Vor­stel­lung wer­de gera­de herausgefordert.

All die guten Din­ge über Madei­ra exis­tier­ten noch – die Sicher­heit, Gast­freund­lich­keit, exo­ti­sche Blu­men, gera­de drei Stun­den von der Hei­mat ent­fernt. Aber eine neue Kam­pa­gne, Madei­ra Oce­an Trails, beab­sich­ti­ge die Mög­lich­kei­ten zum Aktiv­ur­laub her­vor­zu­he­ben, spe­zi­ell die wach­sen­de Zahl der Pfad­läu­fer und Wanderer.

Wandern und Extremsport

Topo­gra­phisch fal­le Madei­ra kon­stant über sich selbst – sie sei ein Knüp­pel vul­ka­ni­schen Basalts, wil­des Grün, tie­fe Mul­den und knor­ri­ge Berg­ket­ten; es sei kaum ein fla­ches Stück zu fin­den. Jetzt wer­de die­ses Ter­rain erkannt als per­fek­ter Spiel­platz für die­je­ni­gen, die Aben­teu­er zu >Fuß suchten.

So, fade? Kei­ne Chan­ce. Die Insel – wie auch deren Flug­ha­fen – sei pas­send, um einen seit­wärts zu klop­fen. Extrem­sport sei nicht neu für Madei­ra. Seit Mit­te des 19. Jahr­hun­derts die Ein­hei­mi­schen der Nach­bar­schaft des Mon­te sei­en mit Korb­schlit­ten die stei­len Gas­sen hin­un­ter in die Haupt­stadt Fun­chal heruntergekommen.

Ernest Heming­way – ein Mann, nicht unver­traut mit der Suche nach Span­nung – bezeich­ne­te dies als „anre­gend“. Heu­te stroh­be­deck­te Fuß­we­ge (car­rei­ros) steu­er­ten noch hei­te­re Tou­ris­ten her­un­ter in die­sen Ham­mern auf Ski­er, dabei Geschwin­dig­kei­ten bis zu 50 Stun­den­ki­lo­me­ter errei­chend. „Ich sah von oben, wie sich die Fah­rer abstie­ßen, ihre flat­tern­den wei­ßen Hosen, vor Freu­de keu­chen­de Fluggäste.

Vor­bei an den Rod­lern ent­schied sich die Autorin für eine All­rad-Tour, um die Boden­wel­len Madei­ras bes­ser ken­nen­zu­ler­nen. Am Rad war ihr Füh­rer Ricar­do Car­val­ho, anschei­nend halb Mann, halb Jeep, so har­mo­nisch sei er mit sei­nem Fahr­zeug ver­schmol­zen. Sie habe sich gefragt, ob, gera­de wie Pilo­ten benö­ti­gen ein Extra-Trai­ning, um auf dem Flug­ha­fen zu lan­den, Fah­rer mögen errei­chen eine Zusatz­qua­li­fi­ka­ti­on, um die Stra­ßen anzugreifen.

Eini­ge „Stra­ßen“ sei­en kaum als sol­che zu bezeich­nen – sie sei­en eher Ski­pis­ten. Aber Ricar­do sei gelas­sen gewe­sen, als er sie auf Tour im Osten der Insel genom­men habe, schwin­gend wie im Flug um fie­se Ecken, hupend, Bana­nen­stau­den „bürs­tend“, fast abwei­dend die Sei­ten der an den Hügeln lie­gen­den Häu­ser. „Grif­fe und Brem­sen“, zitiert sie Ricar­do, „erset­zen wir ständig.“

Steile Hänge für Bauern

Mit dem Fahr­zeug sei­en so Euka­lyp­tus- und Pini­en­wäl­der belebt wor­den, vor­bei an Mimo­sen, exo­ti­schem Bam­bus und Zucker­rohr. Eben­so sei­en land­schaft­li­che Abkür­zun­gen über Hügel, wo schwin­del­erre­gen­de Ter­ras­sen Kar­tof­feln, Broc­co­li, Brun­nen­kres­se und Reben nähr­ten, gemeis­tert wor­den. Es muss unglaub­lich guter Boden für die Insu­la­ner gewe­sen sein, um sich dabei zu quä­len, die­se stei­len Hän­ge zu kul­ti­vie­ren, sin­niert die Autorin.

„Sie konn­ten kei­ne Maschi­nen ver­wen­den, daher war es nicht so hart für sie“, lässt sie Bax­ter sagen. „Noch heu­te erle­di­gen die Bau­ern alles per Hand“. Wie auf Kom­man­do habe ein alter Mann mit fla­cher Müt­ze einen Eimer mit Kar­tof­feln erho­ben auf der stei­len Stra­ße seit­lich von ihnen. Der frucht­ba­re Boden schien in sei­ner Pro­duk­ti­vi­tät unbe­grenzt, die der den Leva­das ver­dankt, einem Netz­werk aus Kanä­len, das die Fel­der wäs­sert. Por­tu­gie­sen hät­ten Madei­ra vor 600 Jah­ren ent­deckt, die Leva­das stamm­ten aus die­ser Epoche.

Kostbares Nass in den levadas

Sie lei­ten kost­ba­res Nass aus den leben­di­gen, schwamm­ar­ti­gen Lor­beer­wäl­dern auf die durs­ti­gen Ter­ras­sen. Über Madei­ra hin­weg zieht sich das mehr als 2000 Kilo­me­ter lan­ge Leva­da-Netz­werk, tröp­felnd wie Adern. Die Pfa­de ent­lang der Kanä­le gli­chen einer gro­ßen Zeich­nung mit phan­tas­ti­schen Rou­ten für Wanderer.

„Ich folg­te eini­gen kur­zen Leva­da-Abschnit­ten, die einen Spa­zier­gang am Ribei­ro Frio ein­schloss. Auf der Rou­te tröp­fel­te und atme­te der Wald – du konn­test das Leben in ihm spü­ren. Als ich durch moo­si­ge Baum­stäm­me und bär­ti­ge Flech­ten streif­te, traf ich auf ein Café, das pon­cha ver­kauf­te, loka­len Schnaps“, erzählt Bax­ter. Die­ser set­ze sich zusam­men aus Zucker­rohr, Honig, Zucker und Zitro­ne. Vom Bal­kon des Cafés habe die Autorin dann die Aus­sicht genos­sen. Dabei habe sie sich ange­sichts eines unter ihr befind­li­chen Was­ser­falls wie in Chi­na gefühlt, also in einer mys­ti­schen nebe­li­gen Szene.

Von dort sei sie mit Ricar­do zur Quin­ta do Furão gefah­ren, wo ihnen einen köst­li­ches Mahl mit Degen­fisch und Napf­schne­cken-Risot­to ser­viert wor­den sei. Vom Tisch der Veran­da aus habe sie über die Nord­küs­te der Insel bli­cken kön­nen, „eine Küs­te mit einer ziem­li­chen Beu­le“. Die vol­le Kraft der herr­schen­den Wind lie­ßen die Klip­pen bis hin zur Unter­wer­fung ero­die­ren; Fel­sen fie­len ein­fach in den Schaum.

Piraten auf Madeira

Gera­de­wegs unter dem Restau­rant erblick­te Bax­ter ein Stück Land zum Ver­kauf. Es sei über­wach­sen gewe­sen, uner­reich­bar, voll­kom­men unprak­tisch. In ihr sei der Tag­traum ent­stan­den, es zu kau­fen, dar­auf ein Zelt auf­zu­stel­len und dann das wei­te­re Leben über die wil­de feind­li­che Küs­te zu schau­en. Ricar­do selbst gestand ihr, Pira­ten­blut in sich zu haben. „Madei­ra wur­de wäh­rend des 16. Jahr­hun­derts häu­fig von Pira­ten atta­ckiert“, erzählt er ihr.

„In den Jah­ren danach sind vie­le Kin­der mit unbe­kann­tem Vater auf die Welt gekom­men – mei­ne Fami­lie betraf das auch. Daher mag ich es wohl, mor­gens Rum zu trin­ken.“ 1566 lan­de­te der fran­zö­si­sche Pirat Bert­rand de Mont­luc vor Fun­chal. Er wüte­te unter den Ein­hei­mi­schen, wobei hun­der­te von ihnen umka­men. Danach sei­en Fes­tun­gen errich­tet wor­den zum Schutz des Eilands. „An der Nord­küs­te muss­ten nicht vie­le errich­tet wer­den“, fügt er spä­ter hin­zu, als er dort mit Bax­ter an einer Mau­er aus unüber­wind­li­chem Fel­sen betrachtet.

Oder wäre es das gewe­sen“ Eini­ge Tage spä­ter habe sie sich an solch einem Wall befun­den, gehau­en über einer Ril­le an den Klip­pen. Dort sei Was­ser her­un­ter­ge­strömt, Gebüsch in die Wel­len dar­un­ter gestürzt. An die­sem Tag sei Ser­gio vom Go Trail Madei­ra ihr Füh­rer gewe­sen, um einen der Mee­res­pfa­de der Insel zu erkunden.

Ultra Trail (MUIT) weit draußen im Atlantik

Dort sei es spek­ta­ku­lär gewe­sen, nicht umsonst der letz­te Teil des Ultra Trails der Insel (MUIT), der bei ihrer Ankunft bereits den zehn­ten Jah­res­tag gefei­ert habe. Über 115 Kilo­me­ter lang sei die­ser Wett­be­werb, bei dem Por­to Moniz im Nord­wes­ten und Machi­co im Süd­os­ten mit­ein­an­der ver­bun­den wür­den. Inte­griert wür­de der mit 1862 Metern höchs­te Berg der Insel, der Pico Rui­vo. Bax­ter selbst tes­te die zwölf Kilo­me­ter lan­ge Etap­pe zwi­schen Por­to da Cruz und Machi­co mit­tels des soge­nann­ten Ver­eda do Larano-Pfades.

Los­ge­gan­gen sei es ab Engen­hos do Nor­te, wo es auch eine dampf­ge­trie­be­ne Rum-Destil­le­rie gebe. Doch zum Trin­ken habe es kei­ne Zeit gege­ben. Hin­ter Por­to da Cruz begin­ne ein Küs­ten­weg, den an die­sem Tag Wel­len benetzt hät­ten, bevor es wei­ter ins Hin­ter­land gegan­gen sei. Dort gebe es gra­sen­de Tie­re auf Wei­den zu sehen. Der Pfad fol­ge fla­chen Leva­das. Mit­un­ter ver­lau­fe der Weg auf Klip­pen, win­de sich auf Fel­sen, von denen man bis nach Pon­ta de São Lou­ren­ço kom­me – Madei­ras öst­lichs­ter Punkt.

Madei­ra mit der sel­ten fla­chen, dünn besie­del­ten Wild­nis, sei wie gemacht fürs Trail-Ren­nen, also fürs Lau­fen im Gelän­de. In den letz­ten Jah­ren habe der Sport hier stark zuge­nom­men mit loka­len Ren­nen im Kalen­der. Gro­ße Namen der Sze­ne hät­ten sich dazu ein­ge­fun­den. Der bes­te Ath­let Por­tu­gals, Luis Fer­nan­des, stam­me sogar von Madei­ra. Aber man müs­se kei­ne Berg­zie­ge oder oder Wett­läu­fer sein, um die Stre­cken bewäl­ti­gen zu kön­nen, meint Bax­ter. Die Idee hin­ter den Trails sei eher ein Men­ta­li­täts­wan­del; die­ser las­se die Welt wis­sen, dass das siche­re Madei­ra auf­re­gen­de Rou­ten zu bie­ten habe, egal wel­ches Tem­po man ein­schla­gen wolle.

Sie habe sich am nächs­ten Tag defi­ni­tiv fürs lang­sa­me Lau­fen ent­schie­den, als sie an der Nord­küs­te bei Por­to Moniz zum höchs­ten Pla­teau im Gebiet von Fanal her­auf­ge­stie­gen sei, ein schar­fer Auf­stieg auf gut 1000 Meter. Dies sei auch die Etap­pe des Trail-Laufs; so wie sie gepus­tet und geschnauft habe, über Moo­se gehüpft, Far­ne gestreift und über Wur­zeln geschrit­ten sein, hät­te sie sich kaum vor­stel­len kön­nen, ihre hun­dert Kilo­me­ter bewäl­ti­gen zu können.

Auf dem Plateau von Funal

Als sie das Pla­teau erreicht habe, waber­te über­all Nebel; einen Aus­blick habe es nicht gege­ben. Doch es sei über­wäl­ti­gend gewe­sen. Fanal gehö­re zu Madei­ras feins­ten, von der UNESCO gelis­te­ten, Lau­ri­sil­va, den ers­ten Lor­beer­wald, der gro­ße Tei­le Süd­eu­ro­pas vor über 40 Mil­lio­nen Jah­ren bedeckt habe. Heu­te sei er nur noch sel­ten. Hoch oben sei es wie im Mär­chen gewe­sen. Die Bäu­me sei­en wie Geis­ter erschie­nen, Gespens­ter im Dunst mit krum­men Glied­ma­ßen. Sie wirk­ten wie Groß­vä­ter, gebeugt, bär­tig und wei­se. „Alles, was ich tun konn­te, war anzu­hal­ten und sie zu lieb­ko­sen.“ Ruhe kam in ihr auf. Sie habe den alten Wald wie Bal­sam durch die Schu­he in sich auf­ge­nom­men, zusam­men mit den Pfüt­zen des letz­ten Regengusses.

Am Nach­mit­tag sei sie nach Fun­chal zurück­ge­kehrt. Bei einem Glas pon­cha habe sie sich den Kar­ne­vals­um­zug im Gewirr von Federn und Strings ange­se­hen. Sie habe sich gewünscht, auch den Umzug der Diens­tags­pa­ra­de zu sehen. Der Taxi­fah­rer habe ihr auf dem Weg zum Flug­ha­fen erzählt, dass die­se Dum­mer Kar­ne­val genannt wer­de. „Jeder darf dar­an teil­neh­men. Die Leu­te zie­hen an, was sie wol­len, Poli­ti­ker wer­den auf die Schip­pe genom­men. Dies gleicht mehr einer Gesell­schafts­sa­ti­re.“ Dies habe mehr nach der Insel geklun­gen, schließt Bax­ter den Arti­kel, die sie gefun­den habe.

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Dichter Andersen reiste nach Andalusien

Dich­ter Ander­sen reis­te nach Anda­lu­si­en: Es ist immer wie­der inter­es­sant, wel­che Per­sön­lich­kei­ten durch die Welt rei­sen. Gera­de las der Rei­sen­de im Rei­se­teil der “Ber­lings­ke”, eine der größ­ten Zei­tun­gen Däne­marks, von

sta­tu­en af H.C.Andersen på Pla­za la Mari­na. Han besøg­te Mala­ga i 1862 og hans rej­se­bes­kri­vel­se »I Spa­ni­en« er frem­ra­gen­de og teg­ner et ekstra­or­dinært posi­tivt por­træt af spa­nier­ne i Anda­lu­si­en, som sta­dig hol­der vand.

Es steht also eine Sta­tue des berühm­ten Man­nes mit­ten in Mála­ga. 1862 besuch­te Hans Chris­ti­an Ander­sen den Küs­ten­ort, also gut 20 Jah­re, bevor Picas­so (1881–1973) auf die Welt kam. Ers­tens wuss­te der Rei­sen­de nicht, dass der Däne in Spa­ni­en und auch in Por­tu­gal gewe­sen war. Zwei­tens schrieb er sogar ein Buch über sei­ne Zeit in Süd­eu­ro­pa. Bekannt ist der Däne zum Bei­spiel durchs Mär­chen “Das häss­li­che Ent­lein” und die Schnee­kö­ni­gin. Er stammt von der Insel Fünen (Fyn).

Gute Autoren mit scharfem Blick auf die Gesellschaft

Das Werk hat der Rei­sen­de natür­lich umge­hend bestellt, lie­fern sol­che Bücher doch oft hoch­in­ter­es­san­te Ein­bli­cke in die Zeit von 1862. Sehr gute Autoren wie der berühm­te Mär­chen­dich­ter Hans Chris­ti­an Ander­sen (1805–1875) haben oft einen schar­fen Blick auf die jewei­li­ge Gesell­schaft des Lan­des. Sie fin­den auch die pas­sen­den Bil­der für die Zustände.

Der Rei­sen­de grast oft Anti­qua­ria­te und Floh­märk­te nach guter Lite­ra­tur ab, weil es in ihr ver­blüf­fend oft Zugän­ge zu neu­en Phä­no­me­nen gibt. In Por­tu­gal traf er zum Bei­spiel auf eine beson­de­re Art der Reli­gio­si­tät, die er so noch nie in einem ande­ren Land antraf. Er geht auf die­se in sei­nem Rad­rei­se­füh­rer über die hohen Ber­ge Por­tu­gals ein, der im Früh­jahr erscheint. Er ist zur Vor­be­rei­tung meh­re­re Wochen durch die Ser­ra da Est­re­la geradelt.

Oder aber in Spa­ni­en trifft man oft noch auf den Machis­mo, für den es natür­lich auch Erklä­run­gen gibt. Der bekann­te Jour­na­list Fried­rich Sieburg sieht in sei­nem Werk “Neu­es Por­tu­gal” (1937) eine der Wur­zeln dafür im ara­bi­schen Erbe.

Der Rei­sen­de ist schon gespannt dar­auf, was Ander­sen über die Zustän­de in Spa­ni­en und Por­tu­gal in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts schreibt. Viel­leicht traf er Picas­sos Vor­fah­ren, als er nach Anda­lu­si­en reiste?

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Inneres Abschalten an Douro und Seine

Inne­res Abschal­ten an Dou­ro und Sei­ne: An Flüs­sen ent­lang zu rei­sen, ist schön. Vie­le Kom­mu­nen haben ihre Flüs­se in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf­ge­wer­tet und an ihnen Rad­we­ge gebaut. So lässt sich die jewei­li­ge Regi­on oft über Hun­der­te von Kilo­me­tern rela­tiv leicht erkun­den. Denn sie sind dann ver­kehrs­arm und dort oft auch flach.

In den ver­gan­ge­nen 18 Mona­ten hat der Rei­sen­de vie­le Flüs­se ken­nen­ge­lernt. Viel­leicht liegt die Neu­gier­de, deren Umge­bung zu durch­strei­fen und zu erle­ben, an der Lage Bonns. Im Umfeld der ehe­ma­li­gen Haupt­stadt flie­ßen der Rhein, die Sieg und die Ahr. Das kann inspirieren.

Gedächtnisverlust am Fluss Lima?

Es fing an mit dem gefähr­li­chen Fluss Lima im Nor­den Por­tu­gals. Denn hat ein Rei­sen­der ihn ein­mal durch­quert, kann man sein Gedächt­nis ver­lie­ren. Das glaub­ten die Römer in der Anti­ke jeden­falls. Legio­nä­re schick­ten ihren Zen­tu­rio bei einem ihrer Züge nahe der heu­ti­gen Klein­stadt Pon­te de Lima sicher­heits­hal­ber vor­aus. Am ande­ren Ufer ange­kom­men, muss­te er jeden sei­ner Legio­nä­re nament­lich anru­fen. Erst dann setz­te sich der übri­ge Tross in Bewe­gung. Noch heu­te zeugt eine römi­sche Legi­on im hüb­schen Ort Pon­te de Lima von die­sem Ereig­nis. Als der Rei­sen­de dort bei sei­nem Urlaub in Nord­por­tu­gal ein­traf, fand er römi­sche Sol­da­ten in mensch­li­cher Grö­ße auf bei­den Sei­ten des Ufers vor. Aste­rix und Obe­lix hät­ten sich gefreut.

Natur und hübsche Kleinstädte im Naturpark Arribes del Duero 

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Fluss in der Bio­gra­phie des Rei­sen­den ist eben­so der Rio Dou­ro im Nor­den Por­tu­gals. Fas­zi­nie­rend dar­an ist, dass er sowohl ein spa­ni­scher als auch ein por­tu­gie­si­scher Fluss ist. Er ent­springt in Soria in Kas­ti­li­en und León, das Gour­mets der dort wach­sen­den Trüf­feln wegen bekannt ist. Wei­ße und schwar­ze Trüf­feln kom­men dort natür­lich vor, aber wer­den auch gezüch­tet. Das wech­seln­de Kli­ma von Wär­me und Käl­te und die Böden begüns­ti­gen deren Wachs­tum. Kaum jemand weiß, dass es dort auch tie­fe Wäl­der gibt, in denen Pil­ze gut gedei­hen. Daher gibt es in Soria auch jähr­lich einen Koch­wett­be­werb. Dort füh­ren Stars der Sze­ne vor lau­fen­den Kame­ras ihre bes­ten Rezep­te vor.

Der Fluss fließt inner­halb Spa­ni­ens bis in die hüb­sche Stad Zamo­ra hin­ein. Die Due­ro-Regi­on zwi­schen Soria und Zamo­ra steht schon auf dem Pro­gramm für den Herbst 2021. Zamo­ra ist Jakobs­pil­gern bekannt. Denn dort führt auch die “Via de la pla­ta” von Sevil­la aus durch. Auf por­tu­gie­si­scher wie spa­ni­scher Sei­te, der Fluss bil­det eine natür­li­che Gren­ze, schließt sich der gro­ße Natur­park “Arri­bes del Due­ro” an. Er ist über­wie­gend flach, also auch für Unge­üb­te Rad­ler leicht zu erschlie­ßen. Dort gibt es Aus­bli­cke in Can­yons, hüb­sche Klein­städ­te mit Bur­gen und natür­lich auch sel­te­ne Tie­re und Pflan­zen. An einer Stel­le begeg­ne­te der Rei­sen­de sogar einer Got­tes­an­be­te­rin, die wohl die wenigs­ten in frei­er Natur zu sehen bekom­men. Inne­res Abschal­ten am Dou­ro — all das trägt auf jeden Fall dazu bei.

Riesiges Weinanbaugebiet bis Porto

Es schließt sich dann bis Por­to ein rie­si­ges Wein­an­bau­ge­biet an. Wich­tigs­tes Pro­dukt ist der Port­wein, der nicht so schwer ist, wie oft geschrie­ben wird. Der Rei­sen­de pro­bier­te den por­tu­gie­si­schen Rot­wein vom Dou­ro hier und dort. Er kann nicht sagen, dass ihm das Radeln am nächs­ten Tag schwer fiel. Die Rou­te nach Por­to wird von vie­len Rad­lern genutzt. Vor Peso da Régua traf der Rei­sen­de auf der gut zu befah­ren­den Natio­nal­stra­ße auf zwei Paa­re Mit­te 20 aus Eng­land. Die­se durch­quer­ten nach Frank­reich auch Spa­ni­en und Por­tu­gal. Ihr Ziel war es, von Anda­lu­si­en aus den Sprung nach Afri­ka zu wagen. Sie befan­den sich also qua­si erst am Anfang ihrer lan­gen Rei­se, waren eben­falls dem Dou­ro gefolgt. Über­nach­tet wür­de nur im Zelt, sag­ten sie. Sie sahen dabei klei­ne Wein­or­te am Fluss­ufer, das auch nach dem hei­ßen Som­mer noch immer grün im Herbst war.

Wer weiß, was ihr alles erlebt, wenn ihr den 777 Kilo­me­ter lan­gen Fluss Sei­ne in Frank­reich durch­streift und erlebt. Die in Paris erschei­nen­de Zei­tung “Le Mon­de” hat das Gewäs­ser für ihre Leser erkun­det und dabei Sehens­wer­tes gefun­den. Die meis­ten Leser träu­men sicher­lich von einer Fluss­fahrt auf der Sei­ne. Inne­res Abschal­ten an Dou­ro und Sei­ne, das geht gut, weil die Wege ein­deu­tig sind. Rei­sen­de benö­ti­gen an sich nicht ein­mal eine Karte.

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Radelnd und segelnd um die Welt

Radelnd und segelnd um die Welt: Schon als Jugend­li­cher träum­te der Rei­sen­de davon, mit dem Fahr­rad die Welt zu umrun­den. Er las schließ­lich Karl Mays Schil­de­run­gen frem­der Wel­ten, von Gra­ham Greens Rei­sen. Auch Heinz Helf­gens berühm­tes Werk “Ich rade­le um die Welt” beein­druck­te ihn.

Doch irgend­wann beschloss er, mich auf inter­es­san­te Regio­nen zu spe­zia­li­sie­ren. Denn er merk­te, dass er auf lan­gen Rei­sen gar nicht alles auf­neh­men konn­te. Außer­dem gerie­ten da schon die vie­len Völ­ker wie Sami, Bas­ken, Kata­la­nen in sei­nen Fokus. Die­se gehö­ren auch zu dem gehö­ren, was Euro­pa heißt. Oder wer alles hier so auf klei­nen Inseln lebt! Die kann man ja gar nicht schaf­fen, wenn man jah­re­lang die Welt umrundet.

Da hat­te er schon eine lan­ge Rad­tour von Besan­çon in Frank­reich bis nach Bur­gos in Spa­ni­en geschafft. Oder er war von Mora im schwe­di­schen Dalar­na bis zum Lofot gera­delt und wie­der zurück; ein Jahr spä­ter ähn­lich ein­mal sozu­sa­gen um den Polar­kreis. So war er schon früh meh­re­re Mona­te unter­wegs. Er ist noch immer dabei, Rei­se­füh­rer über die­se Tou­ren zu ver­fas­sen. Viel Stoff, wenn man radelnd und segelnd um die Welt fährt!

Segelnd um die Welt

Wie mag es da erst den ers­ten See­fah­rern aus Por­tu­gal ergan­gen sein, mit denen er sich seit gerau­mer Zeit befasst. Sie waren auch meh­re­re Mona­te auf Schif­fen unter­wegs, begeg­ne­ten vie­len Men­schen. Als ein­fa­che Tou­ris­ten oder Jour­na­lis­ten waren sie nicht unter­wegs, son­dern mit einer poli­tisch-wirt­schaft­li­chen Funk­ti­on betraut. See­fah­rer wie der Bra­si­li­en­ent­de­cker Pedro Alva­res Cabral, vor ihm schon Vas­co da Gama, soll­ten um 1500 den por­tu­gie­si­schen Han­del bele­ben. Sie führ­ten gleich eine gro­ße Men­ge an See­leu­ten mit, für die sie auch noch Ver­ant­wor­tung trugen.

Jetzt gerät in Por­tu­gal Magel­lan in den Fokus. Dies las der Rei­sen­de gera­de in der Zei­tung “Poli­ti­co”. Magel­lans Rei­sen befin­den sich seit 2017 auf der Lis­te des Welt­kul­tur­er­bes. Da er vor 500 Jah­ren los­se­gel­te, begeht Por­tu­gal in die­sem Jahr eine Rei­he von Fei­er­lich­kei­ten. Ein klei­ner Streit ent­zün­det sich jetzt schon zwi­schen den alten See­fah­rer­na­tio­nen Spa­ni­en und Por­tu­gal. Denn aus Sicht der Spa­ni­er voll­ende­te ein völ­lig unbe­kann­ter Bas­ke die Rei­se Magel­lans: Juan Sebas­tián Elca­no. Die­ser hät­ten die Por­tu­gie­sen bei der Kan­di­da­tur zum Welt­kul­tur­er­be ein­fach unterschlagen.

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Höchste Geschwindigkeit in Kopenhagen

Bist Du schon in Kopen­ha­gen gewe­sen? Ein Besuch lohnt sich alle­mal. Denn die Stadt zählt zu den schöns­ten Haupt­städ­ten Euro­pas. Dazu gehö­ren aber genau­so Stock­holm und Oslo. Aber es steht fest: Höchs­te Geschwin­dig­keit gibt es nur in Kopenhagen.

Der Rei­sen­de durf­te vier Wochen dort ver­brin­gen. Als er einen Dänisch-Eras­mus-Kurs an der Uni­ver­si­tät absol­vier­te, durf­te er sich glück­lich schät­zen, bei Freun­den im Stadt­teil Gen­tof­te zu wohnen.

Er genoss es, von dort jeden Mor­gen mit dem Rad in die Stadt zu fah­ren. Dabei sah er, dass dies nicht nur er und sein Gast­ge­ber Fre­de­rik so zu tun pfleg­ten, son­dern vie­le ande­re auch. Allein bei der Mas­se war die Stadt schon qua­si gezwun­gen, viel für einen rei­bungs­lo­sen Rad­ver­kehr zu tun. An das hohe Tem­po muss­te der Rei­sen­de sich aber gewöh­nen. Nicht nur Män­ner las­sen die Peda­len krei­seln, son­dern auch Män­ner. Die Geschwin­dig­keit ist viel viel höher als in Deutsch­land, obwohl der Rei­sen­de sein Rad täg­lich benutzt und daher dar­an gewöhnt ist. 

Unfall schon am ersten Tag

Lei­der rausch­te ihm am ers­ten Mor­gen eine Frau von hin­ten in Rad. Dabei stürz­ten er und die Frau zu Boden. Dem Rei­sen­den pas­sier­te nichts. Aber die Rad­le­rin fuhr im Kran­ken­wa­gen wei­ter in eine Kli­nik. Zum Glück beglei­te­te den Rei­sen­den sei­ne Gast­ge­be­rin, um ihm einen guten Weg in die Innen­stadt zu zei­gen. Daher konn­te auch gleich in die­ser unan­ge­neh­men Situa­ti­on mit der Poli­zei hel­fen. Da sie hin­ter dem Rei­sen­den gefah­ren war, kam sie auch gleich als Augen­zeu­gin in Fra­ge. Aber der Rei­sen­de erin­nert sich auch noch gut dar­an, wie gerührt der Poli­zist war, als er sich auf Dänisch bemüh­te, mit ihm zu sprechen.

Zeitung El Pais in Kopenhagen

Eine spa­ni­sche Jour­na­lis­tin hat für “El Pais” kürz­lich Kopen­ha­gen besucht. Das Rad ließ sie ste­hen. Spa­nie­rin­nen fah­ren kaum Rad. Aber sie ahnt gar nicht, was sie dadurch ver­passt hat. Mar­ta Vil­lena such­te zum einen das Gefühl der “hyg­ge”, die däni­sche Gemüt­lich­keit. Zum ande­ren woll­te sie die Ursa­che dafür ent­de­cken, dass Dänen eines der glück­lichs­ten Völ­ker der Welt sind. Dar­über hin­aus woll­te sie sehen, wie die Dänen es errei­chen, nur wenig Koh­len­di­oxid zu emittieren.

Sightseeing in Norrebro

Doch erst­mal ist im wei­te­ren Ver­lauf des Arti­kels nichts davon zu lesen. Statt­des­sen stellt sie das Stadt­vier­tel Nor­re­b­ro als Para­de­bei­spiel gelun­ge­ner Inte­gra­ti­on vor. Dort leb­ten Men­schen mit 50 ver­schie­den Natio­na­li­tä­ten. Sie bezeich­net das Vier­tel als “mul­ti­kul­tu­rel­les Para­dies”. Es prä­sen­tie­re sich Besu­chern als sehr modern und beson­ders ruhig. Dort gebe es Second-Hand-Geschäf­te, Bars und Cafés. Offen­bar Gast einer Pres­se­rei­se lud man Mar­ta Vil­lena ins Café Grod zum Früh­stück ein. Danach stand eine Besich­ti­gung der Köni­gin Lui­se-Brü­cke an sowie ein Besuch der gro­ßen Markt­hal­le “Tor­ve­hal­ler­ne” an. Täg­lich ström­ten Tau­sen­de von Besu­chern ins mit 60 Stän­den aus­ge­stat­te­te Gebäu­de. Dort such­ten sie fri­sche und schon gekoch­te Spezialitäten.

Architektur-Star Arne Jacobsen

Beson­ders ange­tan hat es Vil­lena offen­bar das Hotel­zim­mer 606. Die­ses sei in der Zeit ste­hen­ge­blie­ben. Es befin­det sich im Hotel Radis­son Blu Roy­al. Es han­de­le sich dabei ums ers­te däni­sche Hoch­haus und den höchs­ten Wol­ken­krat­zer Skan­di­na­vi­ens. Zwi­schen 1956 und 1960 habe es der genia­le Archi­tekt Arne Jacob­sen (1902–1971) ent­wor­fen. Es steht in der Nähe des Ver­gnü­gungs­parks Tivo­li. Im Jah­re 2016 sei das Hotel reno­viert wor­den. Aber das Zim­mer 606 habe man in der Zeit ste­hen gelas­sen. Aus­ge­stat­tet sei es mit den berühm­ten Ses­sel Ei, Storch und Trop­fen. Jacob­sen habe die­se Möbel­stü­cke extra fürs Hotel geschaf­fen. Wer sich wei­ter mit Jacob­sen aus­ein­an­der­set­zen wol­le, sei in der Däni­schen Natio­nal­bank und dem Design Muse­um in Kopen­ha­gen bes­tens auf­ge­ho­ben. Dort sei­en wei­te­re Wer­ke des Genies zu finden.

TV-Serie Borgen in Christiansborg

Die spa­ni­sche Autorin kennt offen­bar däni­sche Fern­seh­se­rie “Bor­gen”. Dar­in geht es zen­tral um die fik­ti­ve Pre­mier­mi­nis­te­rin Bri­git­te Nyborg. Schau­platz der Serie war häu­fig Schloss Chris­ti­ans­borg, Sitz des Fol­ke­ting­et, des Obers­ten Gerichts­ho­fes und des Staats­mi­nis­te­ri­ums. Die däni­sche Königs­fa­mi­lie nut­ze das Gebäu­de auch gele­gent­lich für Events. An der Serie inter­es­sier­te Tou­ris­ten könn­ten bei Nor­dic Noir Tours unter ver­schie­de­nen Ange­bo­ten das Pas­sen­de aus­wäh­len. Sicher aber bedeu­tet eine Füh­rung dort aber nicht: Rich­te Dich auf höchs­te Geschwin­dig­keit in Kopen­ha­gen ein.

Kunst­freun­den legt die Autorin dann einen Abste­cher in die Kunst­hal­le Char­lot­ten­borg nahe Die­se liegt im oft foto­gra­fier­ten Stadt­vier­tel Nyhavn. Einst im 16. Jahr­hun­dert für Gene­ral Ulrik Fre­de­rick Gyl­den­lov erbaut, beher­ber­ge das Gebäu­de heu­te Kopen­ha­gens bedeu­tends­te Samm­lung zeit­ge­nös­si­scher Kunst. Wer ger­ne elek­tro­ni­sche Musik hört, ist in der Apol­lo-Bar will­kom­men. Die Kunst­hal­le beher­bergt also nicht nur bil­den­de Kunst. Sind das jetzt die Stät­ten däni­scher Gemüt­lich­keit? Für die Jour­na­lis­tin Mar­ta Vil­lena scheint das der Fall zu sein. Höchs­te Geschwin­dig­keit in Kopen­ha­gen ist ihr nicht auf­ge­fal­len, obwohl auch das Fah­ren per Rad das Kli­ma schont.

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Walfleisch — essen oder nicht?

Wal­fleisch essen oder nicht? Fin­det ihr es in Ord­nung, als Urlau­ber im Aus­land ein Tier zu essen, das bei uns geschützt wäre?

Das ist einer Jour­na­lis­tin jetzt auf dem Lofot in Nor­we­gen pas­siert. Auf ihrem Tel­ler lag auf einer Pres­se­rei­se Wal­fleisch. Es stamm­te von Zwerg­wa­len, die in Nor­we­gen gejagt wer­den dür­fen. Sie habe es geges­sen. Es habe ihr nicht geschmeckt, schreibt sie.

Das ist Geschmack­sa­che. Vor eini­ger Zeit grill­te ein Gast­wirt auf der Ter­ras­se sei­nes Restau­rants auf dem Lofot Wal­fleisch. Er lud mich zum Essen ein, als ich mich zu ihm gesell­te. Es schmeck­te aus­ge­zeich­net, war qua­li­ta­tiv mit sehr gutem Rind­fleisch zu ver­glei­chen. Ich woll­te nur mal erfah­ren, war­um Wal­fleisch so beliebt in Nor­we­gen ist und ob es geschmack­lich wirk­lich wert ist, einen intel­li­gen­ten Freund der Men­schen zu jagen. Seit­dem rüh­re ich bei mei­nen Rei­sen in den Nor­den auch kein Wal­fleisch mehr an. Es soll­te nur ein ein­ma­li­ger Ver­such sein.

Wenn Nor­we­ger Wal­fleisch essen wol­len, ist das in Ord­nung, mei­ne ich. Dies gehört zur Tra­di­ti­on des Lan­des. Denn sie hegen und pfle­gen ansons­ten ande­re Wal­ar­ten, küm­mern sich auch vor­züg­lich um den Erhalt Ihrer Fisch­be­stän­de, soweit ich das zu beur­tei­len ver­mag. Daher haben zum Bei­spiel Traw­ler aus den Nie­der­lan­den kei­nen Zutritt in die Gewäs­ser; ein wich­ti­ger Grund, war­um Nor­we­gen bis heu­te kein EU-Mit­glied ist. Doch künf­ti­gen Besu­chern der Insel­grup­pe jetzt das Ver­kos­ten schmack­haft zu machen, emp­fin­de ich nicht als gute Strategie.

Es gibt neben Walen selbst in unse­ren Brei­ten noch ande­re fas­zi­nie­ren­de Tie­re: Heu­te (7.4.21) las ich einen Arti­kel über Eis­haie. Sie bewe­gen sich sehr lang­sam vor­wärts — mit einem Kilo­me­ter pro Stun­de. For­scher mei­nen: Da sie nur wenig Ener­gie auf­grund extre­mer Lebens­be­din­gun­gen ver­brauch­ten, könn­ten sie sehr alt wer­den. Ein Weib­chen bekom­me den ers­ten Nach­wuchs mit … 150 Jah­ren. Die ältes­ten Tie­re sei­en 400 Jah­re alt. Unglaub­lich, dass es das noch auf unse­rem Pla­ne­ten gibt.

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Menschliche Eingriffe in die Natur meisterhaft fotografiert

Wer Lust hat, sich meis­ter­haf­te Fotos aus Schwe­den und Island anzu­schau­en, soll­te hier her­ein­schau­en. Der schwe­di­sche Foto­graf Håkan Strand hat mensch­li­che Ein­grif­fe in die Natur foto­gra­fiert, die jetzt im Schnee, im Nebel oder im Was­ser lie­gen. Da es sich um Schwarz­weiß­bil­der han­delt, wir­ken die Land­schaf­ten melancholisch.

Hakan Strand foto­gra­fiert Skandinavien

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Wie auf einem ganz anderen Kontinent

War­um in die Fer­ne schwei­fen, wenn das Gute liegt so nah. Vor eini­ger Zeit besich­tig­te ich mit einer Freun­din Düs­sel­dorf. Am Inter­es­san­tes­ten fan­den wir das Japan­haus. In der Stadt leben durch die Ansied­lung japa­ni­scher Unter­neh­men vie­le Asia­ten. Im Japan­haus fin­den deren Mit­ar­bei­ter ein Stück Hei­mat. Es gibt dort einen Gar­ten, der die Land­schaf­ten Japans nach­bil­det, so dass Besu­cher dort medi­tie­rend her­um­wan­deln kön­nen. Exo­tisch muten uns auch die Räu­me an, vor allem der Tempel.

Etwas außer­halb liegt bei Mett­mann das Nean­der­tal-Muse­um. Nicht nur die Aus­stel­lung besticht durch ihre Leben­dig­keit, son­dern auch die schö­ne Land­schaft, in der ein Ske­lett aus der Stein­zeit gefun­den wur­de. Gut ein­ge­bet­tet ist ein Gehe­ge mit Tie­ren, die damals gejagt wurden.

Wer mehr über Düs­sel­dorf erfah­ren will, soll­te die­sen jetzt in der “Pres­se” in Wien ver­öf­fent­lich­ten Arti­kel lesen. Beim Lesen füh­le ich mich tat­säch­lich so wie an einem ganz beson­de­ren Ort und hät­te die beschrie­be­nen Stät­ten auch ger­ne besucht. Das wird auf jeden Fall nachgeholt.

Aus­flug nach Düsseldorf

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