Mit Nachtzügen auf Reisen

In mei­nem Leben bin ich zwei­mal mit einem Nacht­zug gefah­ren. Das ers­te Mal fuhr ich mit einem mei­ner Brü­der von Müns­ter nach Karl­stad in Värm­land. Wir waren Jugend­li­che, es war daher auf­re­gend. Erst­mals auf wei­ter Fahrt, noch dazu über Nacht. Ich erin­ne­re mich, wie mein Bru­der mich ver­äp­pel­te. Ich war tat­säch­lich pein­lich berührt, als ich, kaum auf der Toi­let­te, eine bar­sche Durch­sa­ge auf Schwe­disch hör­te, die ich kaum ver­stand. Der Zug stand gera­de auf einem Bahnhof.

Nach der Rück­kehr frag­te ich mei­nen Bru­der, was gesagt wor­den sei. “Er hat gesagt, wäh­rend des Auf­ent­halts auf einem Bahn­hof ist die Benut­zung der Toi­let­te ver­bo­ten.” Mir schoss die Röte ins Gesicht. Was ich mir dach­te, kann sich jeder jetzt selbst ausdenken.

Mei­ne zwei­te Nacht­fahrt führ­te von Bur­gos nach Lis­sa­bon. Ich war mit zwei Freun­den — Chris­toph und Ger­hard — auf dem fran­zö­si­schen Jakobs­weg von Bel­fort bis Biar­ritz gera­delt, setz­te allei­ne über die Pyre­nä­en und gelang­te schließ­lich nach Burgos.

Doch wo konn­te ich im Zug das Rad las­sen? Ein Fahr­rad­ab­teil gab es nicht. Doch Spa­ni­er haben eine Art, die ich sehr schät­ze: Sie regeln die Din­ge oft unbü­ro­kra­tisch. Der Schaff­ner pack­te mein Rad und schob es ein­fach in sein Abteil. So konn­te ich es mir im Schlaf­wa­gen gemüt­lich machen. Am nächs­ten Mor­gen hol­te ich es in Lis­sa­bon ab, früh­stück­te am Tejo.

Jetzt muss­te es nur noch irgend­wie zum Flug­ha­fen in Faro wei­ter­ge­hen. Der nächs­te Zug nach Set­ú­bal nahm mich noch mit. Doch dort ging nichts mehr. Der Schaff­ner des nächs­ten Zuges wei­ger­te sich, mein Rad mit­zu­neh­men. Ich soll­te zum Bus­bahn­hof radeln, sag­te er. Dort gebe es Fern­bus­se. Gesagt, getan. Doch auch dort gab es Schwie­rig­kei­ten. Nie­mand woll­te das Rad mit­neh­men. In Schwe­den wird es ein­fach am Hin­ter­teil fixiert und los geht es. Ein net­ter Bus­fah­rer einer ande­ren Linie sag­te mir, ich soll­te es ein­pa­cken. Dann wür­de sich schon jemand erbar­men. Ich besorg­te Folie, denn die Leu­te hat­ten Sor­ge, es könn­te das Gepäck beschmut­zen. Alles sau­ber ver­packt. Doch ver­ge­bens. Nie­mand erbarm­te sich. wur­de Abend. Mor­gen früh ging mein Flie­ger, mein Arbeit­ge­ber erwar­te­te mich in der Redaktion.

Ich ent­schloss mich, es als Anhal­ter an der Schnell­stra­ße zu ver­su­chen. Vie­le Por­tu­gie­sen hiel­ten auch. Doch man­che dach­ten, ich hät­te eine Pan­ne, woll­ten hel­fen, ande­re woll­ten nur auf Par­tys. Ver­dammt. Es war dun­kel, 22 Uhr. Stun­den­lang hat­te ich gehofft.

Ich radel­te um 23 Uhr in den Ort, such­te ein Taxi. Und tat­säch­lich fand ich jeman­den, der bereit war, mich nach Faro zu brin­gen. Der Preis dafür war unfass­bar güns­tig. Ich glau­be, ich zahl­te höchs­tens 150 Euro. Um fünf Uhr mor­gens setz­te mich der super­net­te Pri­vat­chauf­feur ab. Es war überstanden.

Was ein Autor der Zei­tung “Die Welt” hin­ge­gen auf der Nacht­fahrt von Lis­sa­bon nach San Sebas­tián erleb­te, kannst Du hier nachlesen.

Nacht­zug nach San Sebastián

likeheartlaugh­terwowsadangry
0

Ein Gedanke zu “Mit Nachtzügen auf Reisen

Kommentieren