Kira Hanser von der Welt am Sonntag beobachtet Nachtzüge

„Zur Abenddämmerung einsteigen und im Morgengrauen ankommen, das klingt ausgeschlafen. Gut 60 Nachtzüge fahren derzeit kreuz und quer durch Europa. Von Nord nach Süd, von Ost nach West sind sie unterwegs, leider aber unter Umgehung Deutschlands. Das ist paradox.”
So beginnt Kira Hansers zweispaltiger Artikel „Unterwegs“ auf der Reiseseite der „Welt am Sonntag“ (WAMS) am 22.03.2026. Mit diesem Artikel setzt sich die Serie der Rezension deutscher Reiseblätter von Durchstreifen & Erleben auch in dieser Woche fort. Diese begann mit zwei Artikeln der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wurde mit zwei Artikeln der Zeit fortgesetzt. In der vergangenen Woche ging es um Highlights der Ostsee in der Welt am Sonntag. In derselben Ausgabe geht es also um Verkehr. Damit ist schon zu erkennen, dass man zumindest in dieser Wochenendausgabe der WAMS komplett auf Reportagen zum Vermitteln von Erlebnissen verzichtet hat. Der Artikel mutet durch Umrandung und Unterbringung an der linken oberen Seite wie eine Kolumne an. Es ist aber keine.
Viele würden gerne nachts reisen
Hanser rechnet in ihrem Artikel also 60 in Europa verkehrende Nachtzüge zusammen. Für paradox hält sie die Umgehung Deutschlands, weil 83 Prozent der Deutschen gerne Nachtzüge nutzen möchten. Dies habe eine Umfrage ergeben. Schon 2016 habe sich die Deutsche Bahn von diesen verabschiedet. Die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) habe die Nachtzugflotte damals übernommen. Die ÖBB sei mit 20 Strecken Marktführer. Diese erwarte, dass sich die Passagierzahlen bis 2030 verdoppelten. Aber deutsche Verbindungen baue sie hingegen ab. Es gebe zu viele Baustellen innerhalb Deutschlands, argumentiert diese. Hanser hält auch die Trassengebühren für ziemlich hoch und damit für hinderlich beim Ausbau. Aber der belgisch-niederländische European Sleeper starte in diesem Jahr mit drei neuen Strecken, fügt sie am Ende hinzu.
Mehrwert am Ende des Artikels
Warum nun ein Sachartikel, der auch in den Wirtschaftsteil passt? In derselben Ausgabe erscheint ein ähnlicher Text im Wirtschaftsteil. Verkehr und Deutsche Bahn sind Inhalte, die Verbraucher stets interessieren. Nicht wenige würden, wenn möglich, aufs Fliegen verzichten, um den ökologischen Fußabdruck zu verringern. Hauptstädte wie Paris oder Kopenhagen sind mit der Bahn gut an einem Tag von Deutschland aus zu erreichen. Das geht ja auch aus der von Hanser angesprochenen Umfrage hervor. Implizit kritisiert sie die Deutsche Bahn, da diese ihr Angebot sogar vor Jahren eingestellt hat. Die Springer-Presse ist ein mächtiges Medium. Die Bahn allerdings dürfte es nicht so tangieren, weil ihre Strategie und die neue Chefin täglich in den Medien stehen. Aber Hanser liefert Urlaubern und Geschäftsreisenden auch einen kleinen Mehrwert, indem sie auf ein neues Angebot aufmerksam macht, das bis nach Frankreich, Belgien und Italien führt. Wer mehr erfahren will, sollte den Artikel „Unterwegs“ im Pressreader aufrufen. Denn er beinhaltet wirkliche Interessen, was ihn auf jeden Fall lesenswert macht.