Winterwunderland Münsterland

Wann bist Du das letz­te Mal beim Spa­zie­ren­ge­hen im tie­fen Schnee ver­sun­ken? Der Rei­sen­de heu­te Nach­mit­tag gemein­sam mit einer ehe­ma­li­gen Klas­sen­ka­me­ra­din sei­ner Schwes­ter. Sie lief zufäl­lig vor der Haus­tür lang. Der Rei­sen­de schip­p­te gera­de unter gro­ßen Anstren­gun­gen Schnee weg, als sie vor­bei­kam. Sie besuch­te gera­de ihre Mut­ter und woll­te sich die Stra­ßen­ver­hält­nis­se anschau­en, um die Rück­fahrt nach Frank­furt zu pla­nen. Doch dar­aus wird wohl erst­mal nichts im Win­ter­wun­der­land Müns­ter­land. Da sie ohne­hin im Home­of­fice steckt, kann sie noch ver­län­gern und von Müns­ter aus arbeiten. 

So viel geschneit, hat es lan­ge nicht mehr. Der Rei­sen­de glaubt, 2010 schnei­te es im Müns­ter­land zuletzt wirk­lich. Aber es war längst nicht so viel her­un­ter­ge­kom­men. Und es wur­de damals auch nicht so kalt. Wenn der Rei­sen­de das Fens­ter nachts öff­ne, um zu lüf­ten, fegt ein hef­ti­ger Wind her­ein. Lan­ge aus­zu­hal­ten, ist das nicht.

Gang zum Rüschhaus

Es wur­de beschlos­sen, gemein­sam durch den Schnee des Win­ter­wun­der­lan­des Müns­ter­land zu lau­fen und das foto­ge­ne Haus Rüsch­haus auf­zu­su­chen. Der Rei­sen­de stell­te die Schip­pe bei­sei­te. Dies ist bekannt als Wohn­ort der bekann­ten Dich­te­rin Annet­te von Dros­te-Hüls­hoff. Vie­le ken­nen die “Juden­bu­che” und “Der Kna­be im Moor”. Gestal­tet hat es der berühm­te Barock­bau­meis­ter Johann Con­rad Schlaun (1695–1773).

Als wei­te­res Ziel lockt dar­über hin­aus die Bron­ze­skulp­tur “Dia­lo­gue with Johann Con­rad Schlaun”. Dies ließ der bekann­te ame­ri­ka­ni­sche Bild­hau­er Richard Ser­ra anläss­lich der Skulp­tu­ren­aus­stel­lung am Anfang einer klei­nen Allee 1996 auf­stel­len. Durch eine Nei­gung ver­neigt sich die Skulp­tur um sie­ben Grad vor den bei­den west­fä­li­schen Gro­ßen. Das Unge­tüm aus Stahl nimmt aus 270 Metern Ent­fer­nung eine Bezie­hung zur Tür des Rüsch­hau­ses auf, die zwei Meter hoch, 1,5 Meter breit ist. Gegos­sen hat man den Koloss in der Hat­tin­ger Hen­richs­hüt­te, wo auch schon ande­re Kunst­wer­ke Ser­ras ent­stan­den. Ser­ra hat­te sich zuvor bereits mit einer gan­zen Rei­he von Bau­wer­ken Schlauns beschäftigt.

Schlauns bekann­tes­te Bau­wer­ke sind der Erbd­ros­ten­hof und das Schloss in Müns­ter. “Pater Patriae” steht an des­sen Fas­sa­de. Der Spruch steht für einen auf­ge­klär­ten Staat. Dies drückt schlicht die nied­ri­ge und aufs Stadt­zen­trum aus­ge­rich­te­te Ein­gangs­trep­pe aus. Ein Schloss für die Bürger.

Schloss zu Münster

Seit 1773 ist es offi­zi­ell Resi­denz des Fürst­bi­schofs Max Fried­rich von König­segg-Rothen­fels. Die­ser war in Per­so­nal­uni­on Erz­bi­schof und Kur­fürst von Köln. Er resi­dier­te sowohl in Bonn am Hof­gar­ten, hielt sich aber auch mehr­fach zwi­schen 1768 und 1783 in Müns­ter auf. Durch­schnitt­lich 69 Tage pro Jahr. Einen fes­ten Sitz besaß er nicht. Er folg­te der Tra­di­ti­on seit dem Mit­tel­al­ter sein Leben auf Lan­des­bur­gen zu ver­brin­gen. Um Müns­ter her­um waren dies Wol­beck, Ahaus, Bever­gern, Horst­mar und Coesfeld. 

Denn die Kir­chen­ober­häup­ter lei­te­ten auch Bis­tü­mer, von denen Osna­brück, Köln und Pader­born. Sie resi­dier­ten dann im heu­ti­gen Bad Iburg im Teu­to­bur­ger Wald, Schloss Neu­haus, Bonn und Brühl. Bis zum Schloss­brand am 26. März 1945 durch Bom­ben exis­tier­te ein Gemäl­de Johann Hein­rich Tisch­beins von Max Fried­rich im Fürs­ten­saal. Heu­te exis­tiert davon zum Glück noch eine Ölskiz­ze. Deren Eigen­tü­mer ist das Lan­des­mu­se­um. In Cle­mens­werth in Sögel und Sas­sen­berg bei Waren­dorf ging er auf die Jagd.

Auch Maximilian Franz von Österreich lebte im Schloss

Auch sein Nach­fol­ger Maxi­mi­li­an Franz von Öster­reich (1756–1801) hielt sich dort auf. Er wur­de gar im Dom zu Müns­ter gekrönt, nach­dem ihn eine sechs­spän­ni­ge Kut­sche vom Schloss abge­holt hat­te. Gefei­ert wur­de danach im Gro­ßen Saal. Rit­ter und Ver­tre­ter der Städ­te muss­ten ihm auf dem Dom­platz einen Eid able­gen. 280 Tage soll­te er fort­an ins­ge­samt zwi­schen 1784 und 1793 in Müns­ter verbringen. 

Er emp­fing dort 1785, 1787 und 1793 den Land­tag, wo dann Dom­her­ren, Rit­ter und Ver­tre­ter der Städ­te berie­ten. Und er weih­te drei Weih­bi­schö­fe. Auch in der Schloss­ka­pel­le nahm er sei­ne Auf­ga­ben wahr, nicht nur im Dom oder im Bischofspalast.

Sogar einem Teil sei­ner Fami­lie dien­te das Schloss als Zufluchts­stät­te: Sei­ne Schwes­ter Maria Chris­ti­na und der mit ihr ver­hei­ra­te­te Her­zog Albert von Sach­sen-Teschen leb­ten hier gut sechs Wochen. Sie waren Gou­ver­neu­re der damals von Frank­reich besetz­ten öster­rei­chi­schen Nie­der­lan­de. Denn fran­zö­si­sche Sol­da­ten waren nach Bonn 1792/3 im Zuge des Revo­lu­ti­ons­krie­ges gekommen. 

Als preu­ßi­sche Trup­pen West­fa­len 1802 besetz­ten, war das Kapi­tel als fürst­bi­schöf­li­che Resi­denz been­det. Der Frei­herr vom Stein als Ober­kam­mer­prä­si­dent und Mili­tär­gou­ver­neur Geb­hard Lebe­recht von Blü­cher, ab 1814 Fürst Blü­cher von Wahl­statt, zogen ein. Sie über­nah­men das Heft des Handelns. 

Den Spa­zier­gang durchs Win­ter­wun­der­land ver­län­ger­te der Rei­sen­de an den dar­auf­fol­gen­den Tagen bei strah­len­dem Son­nen­schein. Auf dem auch bei Jog­gern auf Schnee belieb­te Twe­ren­feld­weg führt am Hotel Haus Hüer­län­der vor­bei. Dort war­tet auf Fami­li­en mit Kin­dern ein Zoo mit Dam­wild. Und Mini­golf. Die Stra­ße Rich­tung Rox­el lau­fend, lohnt sich ein Blick auf die Was­ser­burg Haus Vöge­ding. Die­se ist trotz ihrer Jah­re sehr gut in Schuss. Dazu gehört auch ein grö­ße­rer Bau­ern­hof. Von dort kön­nen Besu­cher in der Fer­ne die Gip­fel der Baum­ber­ge sehen. Wann wird es ein Win­ter­wun­der­land Müns­ter­land je wie­der geben? 

Alle Fotos bestellst Du im Bild­por­tal — in ver­schie­de­nen For­ma­ten. Mit einem gerahm­ten Foto kannst Du Dei­nen Arbeits­tisch im Home­of­fice schmü­cken. Mit einem Pos­ter die Woh­nung dekorieren.

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Neu: Reiseführer Münster Stadt der Skulpturen

Müns­ter, die Stadt der Skulp­tu­ren, gilt als eine der lebens­wer­tes­ten Städ­te der Welt. Daher gibt es jetzt den Rei­se­füh­rer: Müns­ter Stadt der Skulp­tu­ren Las­se tol­le Zie­le bei Stadt­wan­de­run­gen auf dich wir­ken. Mit Adres­sen, gpx-Tracks und Fotos. Sol­che Stadt­wan­de­run­gen gibt es bis­her in kei­nem Rei­se­füh­rer über Münster. 

Das Buch eig­net sich sehr gut, Eltern und Freun­den die Stadt selb­stän­dig zu zei­gen, ohne dass Du etwas buchen musst. Denn es gibt meh­re­re Spa­zier­gän­ge oder Rad­tou­ren, die sich mit Buch und Smart­pho­ne leicht durch­füh­ren las­sen. Es erleich­tert Neu­bür­gern das Ein­le­ben, da auch die wich­tigs­ten Aus­flugs­zie­le wäh­rend der Woche und am Wochen­en­de nahe­bringt, natür­lich auch Tra­di­ti­ons­knei­pen. Und vie­les, was woan­ders nur ange­deu­tet wird, wird hier bes­ser erklärt. War­um ist der Dom so errich­tet? Was macht den Erbd­ros­ten­hof archi­tek­to­nisch wertvoll? 

Cover Vorderseite Münster Stadt der Skulpturen 1

Dass die Stadt eine Kunst­me­tro­po­le ist, ist den meis­ten wohl erst auf­ge­fal­len, als sie 2010 ins Fina­le der Kul­tur­haupt­stadt Euro­pas gelang­te. War­um, erklärt der Rei­se­füh­rer “Müns­ter Stadt der Skulpturen”.

Trotz gut aus­ge­bau­ter Rad­we­ge fah­ren vie­le Müns­te­ra­ner mit ihren Lee­zen an Gale­rien, Kunst­hand­lun­gen sowie Ate­liers vor­bei. Dabei ver­fügt die Pro­vinz-Haupt­stadt über eine Kunst­aka­de­mie und ein Picas­so Muse­um. Aber auch über ein Lan­des­mu­se­um für Kunst und Kul­tur­ge­schich­te, ein Stadt­mu­se­um und ein Natur­kun­de­mu­se­um. Viel­leicht lockt in eini­gen Jah­ren ein Matis­se-Muse­um die Mas­sen an.

Auch spannende moderne Architektur Thema

Alle zehn Jah­re rich­tet die Stadt unter Lei­tung des bekann­ten Kura­tors Kas­per König ein Skulp­tur Pro­jekt aus. Renom­mier­te Künst­ler aus aller Welt stel­len ihre Wer­ke in der Stadt zur Schau. Dazu nut­zen sie auch geschickt bereits vor­han­de­ne his­to­ri­sche Gebäu­de und Plätze. 

Die­se haben ihnen Bau­meis­ter Johann Con­rad Schlaun und spä­ter im 19. und 20. Jahr­hun­dert die Archi­tek­ten Alfred Hen­sen, Harald Deil­mann, Julia Bol­les-Wil­son und Peter Wil­son sowie der Korea­ner Duk-Kyu Ryang hinterlassen. 

Ankäufe aus dem Skulptur Projekt

Im Stadt­raum fin­den sich zudem gut 30 Ankäu­fe aus dem Skulp­tur Pro­jekt. Wie zum Bei­spiel die Aasee­ku­geln oder die Kir­schen­säu­le. Wer die Stadt über den Rand der Rad­we­ge hin­aus durch­streift und erlebt, ent­deckt wei­te­re Hun­der­te Skulp­tu­ren und Instal­la­tio­nen im Stadt­kern. Wäh­rend der Recher­che for­der­te es her­aus, die­se zu foto­gra­fie­ren, zu beur­tei­len und zu gewich­ten. Haben die­se an der Kunst­aka­de­mie aus­ge­bil­de­te Künst­ler geschaf­fen? Oder sor­gen Gale­ris­ten und Kunst­händ­ler wie Klaus Stein­röt­ter dafür? Du erfährst auf jeden Fall, wo in der Innen­stadt Geschäf­te lie­gen, in denen moder­ne Kunst ver­kauft wird. Viel­leicht willst Du ja Dei­ne Woh­nung schön dekorieren.

Kunst im öffentlichen Raum

Das Stadt­ge­biet ist vier Zonen geglie­dert, in denen sich die meis­ten Instal­la­tio­nen und Skulp­tu­ren befin­den. Die­se sind vor allem im Zen­trum, auf der Pro­me­na­de und dem Uni­ver­si­täts­ge­län­de sowie rund um den Aasee zu fin­den. Der Kul­tur­rei­se­füh­rer erhebt kei­nen Anspruch auf Voll­stän­dig­keit bei den vor­ge­schla­ge­nen Tou­ren durch die Stadt. Alle Kunst­wer­ke zu kom­men­tie­ren, wür­de den Rah­men spren­gen. Expo­na­te und ande­re Aus­flugs­zie­le in Müns­ter sol­len leicht zu errei­chen sein. Der Stadt­füh­rer erleich­tert so auch die Fra­ge deut­lich: Was kann ich in Müns­ter machen? Oder wo kann ich in Müns­ter essen gehen? Wohin in Münster?

Das Augen­merk liegt dar­auf, inwie­weit unge­wöhn­li­che Gebäu­de, Plät­ze und Kunst­wer­ke den öffent­li­chen Raum prä­gen. Erge­ben sich neue Sicht-Ach­sen durch neue Gebäu­de? Ent­steht eine neue Sicht­wei­se auf einen Stadt­teil, einen Frei­zeit­raum, eine Arbeits­stät­te? Schaf­fen neue Plät­ze Auf­ent­halts­qua­li­tät? Wo gibt es schö­ne Orte in Müns­ter? Die­nen die­se nicht nur kon­sum­ori­en­tier­ten Inter­es­sen, son­dern füh­ren zu Expe­ri­men­tier-Geist? Aus­druck des­sen sind natür­lich die belieb­ten Müns­ter-Kri­mis Tat­ort und Wils­berg mit Rechts­me­di­zi­ner Boer­ne und Kom­mis­sar Thiel, Wils­berg, Over­beck und Anna Sprin­ger. An bekann­ten Dreh­or­ten kommst Du natür­lich auch vor­bei, wenn Du Urlaub in Müns­ter machst.

Neuer Geist am Hafen?

Die Augen rich­ten sich in den kom­men­den Jah­ren auf den Stadt­ha­fen: Zum ers­ten Mal seit gut 70 Jah­ren schau­en Besu­cher an der Schil­ler­stra­ße direkt aufs Are­al am Was­ser. Die Osmo-Hal­le wur­de im Febru­ar 2021 abge­ris­sen. 2001 ging das Unter­neh­men von Oster­mann und Schei­we in Insol­venz. Es folg­ten ein mehr als 60 Meter hoher Schorn­stein und mar­kan­te Spä­ne­bun­ker mit 50 Zen­ti­me­ter dicken Wän­den. Vor­han­de­ner Stahl wur­de ein­ge­schmol­zen. Mit Beton und Zie­gen ent­steht wie­der etwas Neues.

27000 Qua­drat­me­ter sind jetzt frei. Inves­tor Andre­as Deil­mann, des­sen Vater schon deutsch­land­weit beach­tens­wer­te Gebäu­de schuf, hat viel vor. Aber bis­her liegt nur der Ent­wurf eines Bebau­ungs­plans vor. Kommt dort viel­leicht ein Matis­se-Muse­um hin? Das wäre ein neu­er Tou­ris­ten-Magnet. In Müns­ter lagern vie­le Wer­ke des berühm­ten Malers.

Fünf Tour-Vor­schlä­ge sind in “Müns­ter Stadt der Skulp­tu­ren” so geplant, dass man Attrak­tio­nen in Ruhe auf sich wir­ken las­sen kann. Das Buch ent­hält neben zahl­rei­chen Fotos Kar­ten, gps-Tracks und Adres­sen. Denn der neue Kul­tur­füh­rer Müns­ter Stadt der Skulp­tu­ren ist im Gegen­satz zu kon­ven­tio­nel­len Stadt­füh­rern ein unver­zicht­ba­rer Beglei­ter für die­je­ni­gen, die hier — selbst als Ein­hei­mi­sche — das Frem­de erle­ben, sich auf die Umge­bung ein­las­sen wollen.

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Menschen im Kampf

Rei­sen­der, kommst Du nach Oslo, ver­pas­se auf kei­nen Fall einen Besuch des Gus­tav-Vige­land-Parks. Als ich zum zwei­ten Mal in mei­nem Leben Oslo besuch­te, wuss­te ich noch nichts von der Exis­tenz die­ses Künst­lers. Daher war ich über Aus­druck und Span­nung in den dar­ge­stell­ten Kör­pern über­rascht. Die bekann­tes­ten Nor­we­ger in der Kul­tur waren für mich bis dahin Hen­rik Ibsen und Knut Hamsun.

Gera­de habe ich in der nor­we­gi­schen Tages­zei­tung Mor­gen­bla­det gele­sen, dass Vige­land vor 150 Jah­ren auf die Welt kam. Daher gibt es jetzt ihm zu Ehren eine Jubi­lä­ums­aus­stel­lung im Vige­land­mu­se­um. Wie Mor­gen­bla­det schreibt, bezeich­ne man ihn oft als auto­di­dak­ti­schen Künst­ler, was nicht ganz kor­rekt sei. Als jun­ger Mann habe er Unter­richt an der Zeich­ner­schu­le in Kris­tia­nia genom­men und in Ate­liers älte­rer Künst­ler gear­bei­tet, die ihn kor­ri­giert hät­ten. Er sei nach Kopen­ha­gen, Paris und Flo­renz gegan­gen, habe oft Muse­en besucht, lern­te damals sehr bekann­te Män­ner wie den Dänen Vil­helm Bis­sen und Augus­te Rodin ken­nen. Ihm in der Aus­stel­lung gegen­über­ge­stellt wer­den die drei zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler Con­stan­tin Meu­nier, Antoi­ne Bour­del­le umd Aris­ti­de Maillol. 

Aber kön­ne sich Vige­land über­haupt mit die­sen gro­ßen Namen mes­sen, fragt Mor­gen­bla­det. Der Autor meint durch­aus. Denn sein Aus­druck sei stär­ker und wei­se eine expres­si­ve Dyna­mik auf, die tief in die mensch­li­che Psy­che und Lei­den­schaft eindringe.

Den Arti­kel und Fotos fin­dest Du auf http://www.morgenbladet.no/kultur/2019/04/mennesker-i-kamp

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Dinner auf dem Meeresgrund

Unge­wöhn­lich ist das Pro­jekt — ein ins Meer ver­senk­tes Restau­rant ent­steht zur­zeit an der nor­we­gi­schen Süd­küs­te. In Båly, gut 80 Kilo­me­ter west­lich von Kris­ti­an­sand, kön­nen Gäs­te im “Under” wäh­rend des Essens auf den Mee­res­grund schau­en und hof­fen, dass inter­es­san­te Fische vorbeischwimmen.

Auf der Ober­flä­che des Gast­hau­ses sol­len sich Muscheln ansie­deln, die das Was­ser rei­ni­gen. Der Betrei­ber will auch Anlauf­stel­le für For­scher sein, die sich für das Meer interessieren.

Ab und zu fin­de ich auf Rei­sen schon von Men­schen geschaf­fe­ne Orte, wo man sich der Erde beson­ders nah fühlt. Im schwe­di­schen Norr­bot­ten ken­ne ich ein Restau­rant an einem Fluss, in dem eine Kame­ra vor­bei­kom­men­de Lach­se zeigt. Das ist ein Natur­er­leb­nis, in dem man mal Tie­re sieht, die nicht nur in einem Aqua­ri­um leben.

Im Berg­werk Kris­ti­ne­berg im schwe­di­schen Väs­ter­bot­ten gibt es eine tief lie­gen­de Kapel­le für Berg­leu­te. Schon die Fahrt mit dem Auto in die Stol­len hat etwas Gespens­ti­sches, weil es feucht­warm ist. Ich glau­be, es dau­er­te bestimmt eine hal­be Stun­de, bis wir unten anka­men. An der Wand der Kapel­le erhebt sich Chris­tus. Ein Berg­mann leg­te die Figur bei Arbei­ten frei. Er beschützt heu­te die oft gläu­bi­gen Arbei­ter vor Unfäl­len. Väs­ter­bot­ten hat aber noch eine Men­ge mehr zu bie­ten. Schließ­lich ist es Urge­biet der Sami und daher sehr geheimnisvoll.

Und der Künst­ler Ger­hard Rich­ter bringt uns die Rota­ti­on der Erde nahe. Kürz­lich schenk­te er der Stadt Müns­ter ein Focault­sches Pen­del. Es schwingt jetzt in der Domi­ni­ka­ner­kir­che an einem Faden und nicht nur ich, son­dern auch vie­le ande­re Besu­cher fra­gen sich, wie es mög­lich ist, dass die Kugel stets hin und her schwingt. Es gibt aber auch noch vie­le ande­re bewun­derns­wer­te Wer­ke in Müns­ter, Stadt der Skulp­tu­ren, die das irdi­sche Leben schrump­fen lassen.

Spei­sen in Downunder

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Neubau des Munch-Hauses und des Nationalmuseums in Oslo auf gutem Wege

Uff, bei den Fotos der däni­schen Zei­tung “Ber­lings­ke” bekom­me ich wie­der rich­tig Lust, nach Oslo zu rei­sen. Ich ver­brach­te dort schon eini­ge Tage, lan­de­te dort gemüt­lich mit einer Fäh­re von Kiel im Hafen. Von dort kann man ganz gemüt­lich in Rich­tung Innen­stadt wei­ter­lau­fen. Die “Pen­si­on Koch” muss­te ich nicht lan­ge suchen, denn die lag direkt auf dem Weg. So schnell, ohne gro­ße Suche­rei, hat­te ich zuvor noch nie in einer Groß­stadt eine Unter­kunft gefun­den. Mir fiel Wochen danach der groß­ar­ti­ge Roman “Der Halb­bru­der” von Lars Saa­bye Chris­ten­sen in die Hän­de. Und wovon las ich bereits auf den ers­ten Sei­ten: von der Pen­si­on Koch. Schön zen­tral in der Nähe des könig­li­chen Schlos­ses gele­gen, las­sen sich dort aus schö­ne Streif­zü­ge unternehmen.

Die Kul­tur­re­dak­ti­on der Ber­lings­ke hat mit der Dänin Karin Hinds­bo die Direk­to­rin des Natio­nal­mu­se­ums inter­viewt. Sie begann im Jah­re 2014 in Ber­gen ihre Museumslaufbahn.

Oslo sol­le sich zur Kul­tur­me­tro­po­le ent­wi­ckeln, erzählt sie von den Plä­nen der Stadt­pla­ner. Das Natio­nal­mu­se­um erhal­te der­zeit ein neu­es Gebäu­de und ein Munch-Muse­um. In ihrer Frei­zeit gehe sie ger­ne in einen Skulp­tu­ren­park i Ekeberg “som kunst­samleren Chris­ti­an Ring­nes gav byen som gave for fem år siden.” Eben­so emp­fiehlt sie Ferrn­ley Museet, das “eta­ble­res også som kul­tur­in­sti­tu­tio­ner ud mod fjor­den.” Es hat sich also eini­ges getan seit mei­nem letz­ten Aufenthalt.

Doch schmö­kert selbst wei­ter auf

Rei­se zur wach­sen­den Kul­tur­me­tro­po­le Oslo

So schwie­rig ist Dänisch nicht.

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Aufflammendes dänisches Interesse an Skulpturen

Wer hät­te das gedacht? Im ehe­ma­li­gen Fischer­dorf Hum­le­bæk vor den Toren Kopen­ha­gens ste­hen Skulp­tu­ren der bekann­ten Künst­ler Richard Ser­ra, Alex­an­der Cal­der, Max Ernst, Joan Miro, Jean Debuf­fet und Nobuo Seki­ne. Aus­ge­stellt hat sie das phan­tas­ti­sche Muse­um Louisiana.

Also auch Dänen inter­es­sie­ren sich “auf ein­mal” für Skulp­tu­ren. Ich selbst brauch­te recht lan­ge, bis ich einen Zugang zu ihnen fand. Zunächst brach­ten mei­ne Eltern mir und mei­nen Geschwis­tern, mei­ne Mut­ter stu­dier­te Kunst­ge­schich­te mit Schwer­punkt Mit­tel­al­ter, viel über Kunst der Früh­zeit bis zum Mit­tel­al­ter bei. Wir besuch­ten das mich heu­te immer noch berüh­ren­de Natio­nal­mu­se­um in Kopen­ha­gen, wo mich Moor­lei­chen, Luren und Schmuck faszinierten.

Wenn es reg­ne­te und ein Strand­tag aus­fiel, fuh­ren wir auch nach Ros­kil­de. Nein, nicht zum Musik­fes­ti­val, son­dern zum Bestau­nen der berühm­ten Wikin­ger­aus­stel­lung. Dort ste­hen wun­der­bar kon­stru­ier­te Lang­boo­te. In Oslo sor­gen sie sich übri­gens um ihren Bestand, sah ich ges­tern in den Euro­pa­na­ch­rich­ten. Erschüt­te­run­gen setz­ten ihnen sehr zu, hieß es. Doch Skulpturen?

Die ent­deck­te ich, als ich zur Vor­be­rei­tung mei­nes Buches “Umeå in mei­nem Her­zen” nach Väs­ter­bot­ten radel­te. Dort gibt es einen für eine so weit nörd­lich lie­gen­de Stadt gera­de­zu exor­bi­tant gro­ßen Skulp­tu­ren­park. Ein Indus­tri­el­ler hat ihn auf­ge­baut. Und da es mir ums Auf­spü­ren von Kunst und Kul­tur ging, blieb mir nichts ande­res übrig, als mich nun auch damit auseinanderzusetzen.

Wie sich der Autor der “Washing­ton Post” damit aus­ein­an­der­setzt, könnt ihr hier lesen.

Skulp­tu­ren Louisiana

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Louvre: Selfie-Chaos um Mona Lisa

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Sel­fie-Cha­os vor der Mona Lisa im Louvre

Was für ein Cha­os! Sel­fie-Cha­os vor der Mona Lisa! In Muse­en geht der Rei­sen­de ger­ne und stun­den­lang. Dann erfährt er mehr über die Kul­tur eines Lan­des, einer Regi­on, damit er gut dar­über schrei­ben kann. Für heu­te haben sich Alex­an­dra und er das Muse­um Lou­vre in Paris vor­ge­nom­men. Dies ist unum­gäng­lich. Bei einer Städ­te­rei­se soll­ten weder das Vasa-Muse­um in Stock­holm, der Pra­do in Madrid noch das Natio­nal­mu­se­um in Kopen­ha­gen aus­ge­spart wer­den. Es sei denn, man hat nur Tivo­li oder fies­ta im Kopf.

Der Mona Lisa gilt der Besuch nicht in ers­ter Linie. Und in den meis­ten Abtei­lun­gen ent­kommt man auch dem Sel­fie-Cha­os im Lou­vre. Es gibt vie­le ande­re Welt­kunst im Ori­gi­nal zu sehen. Fran­zö­si­sche, ita­lie­ni­sche nie­der­län­di­sche und spa­ni­sche Meis­ter, berühm­te Wer­ke der Anti­ke. Wo, wenn nicht im Lou­vre, gibt es alles “auf einen Schlag zu sehen”. Schon beim Ein­tre­ten fühlt sich der Rei­sen­de erha­ben, geht es doch über eine schö­ne Trep­pe etwas tie­fer zum Bild­hau­er Rodin und zu hol­län­di­schen Meis­tern. Wer sich auf ihr umdreht, erkennt einen wun­der­schö­nen Blick auf ein run­des gro­ßes Fens­ter. Auch im Dach befin­den sich meh­re­re Glas­ele­men­te, um Licht ein­zu­las­sen. Denn das Muse­um ist ein ehe­ma­li­ger Bahn­hof. Aber es gibt auch ganz moder­ne Bau­ele­men­te wie eine Pyra­mi­de inner­halb eines Einkaufszentrums. 

Ein rie­si­ges Gebäu­de mit einer Viel­zahl voll­ge­stell­ter Räu­me. Auf Dau­er wirkt sich dies aber auch ermü­dend aus. Es emp­fiehlt sich also, sich bes­ser auf ein oder zwei Epo­chen zu kon­zen­trie­ren, als alles sehen zu wol­len. Jeder kann ja wie­der­kom­men. Ein Kon­zept, das sich beim Rei­sen­den bewährt hat: Denn er hat immer einen Grund, in eine Stadt oder Regi­on zurück­zu­keh­ren, weil es dort noch Din­ge zu sehen gibt, die er noch nicht kennt. Auf dem zwei­ten Blick sieht er auch viel mehr oder anders, weil jetzt ande­re Men­schen dort sind oder das Licht foto­ge­ner fällt. Oder Bäu­me oder Gebäu­de ent­laubt oder ent­fernt sind und der Blick freier.

Mona Lisa anhand des Selfie-Chaos gefunden

An Mona Lisa kommt er nach zwei Stun­den Auf­ent­halt zufäl­lig vor­bei, schaut in den Saal, weil der so selt­sam voll ist. Wer hat die Dame nicht alles por­trä­tiert: Es gibt von Pablo Picas­so Mona Lisa, von Fri­da Kahlo Mona Lisa, von Andy War­hol Mona Lisa. Und es gibt Lego Mona Lisa. Aber bestimmt nicht bei dem Cha­os hier. Es ist so voll, dass ein Band wie auf dem Flug­hä­fen den Zustrom zum Gemäl­de kana­li­sie­ren muss, meh­re­re Ord­ner das Gewu­sel in den Griff bekom­men müs­sen. Alle schei­nen nur eines zu wol­len: einen Nach­weis per Sel­fie, dass sie hier gewe­sen sind. Sel­fie-Cha­os um Mona Lisa! Und es sind nicht nur Japa­ner oder Chi­ne­sen, die wie die Wil­den Leo­nar­do da Vin­cis Meis­ter­werk foto­gra­fie­ren, son­dern auch Men­schen aus ande­ren Kon­ti­nen­ten der Welt. Dies ist deut­lich auf dem Foto oben zu sehen.

Dabei ist die gemal­te Dame nicht ein­mal foto­gen, steht sie doch unterm Schutz von Pan­zer­glas. Kein Wun­der, wenn nach Anga­ben des Lou­vre täg­lich 20000 Besu­cher ins Haus strö­men, ist es nötig, sie abzu­schir­men. Es gilt, ande­re Kon­zep­te zu fin­den, damit Kunst­freun­de dem Sel­fie-Cha­os um Mona Lisa entkommen.

Seit März 2021 ent­hüllt der Lou­vre übri­gens online sei­ne Schät­ze. Über 480 000 Wer­ke ste­hen jetzt im Inter­net. Kos­ten­los, egal ob sie aus­ge­stellt, aus­ge­lie­hen oder ein­ge­la­gert sind. Unter www.collections.louvre.fr ste­hen bis­lang 74 Pro­zent der Bestän­de. Inter­es­sen­ten kön­nen die Samm­lung nach Kate­go­rien wie Male­rei, Skulp­tur oder Kunst­ob­jek­te durch­stö­bern. Oder aber nach Kunst­schu­len und unter­schied­li­chen Abtei­lun­gen des Muse­ums wie “Alter­tü­mer aus dem Nahen Osten”. Die Lei­tung des Hau­ses ver­steht die Online-Samm­lung als “Werk­zeug zur Demo­kra­ti­sie­rung”, wie Anne-Myr­ti­le Renoux gegen­über Sabi­ne Glau­bitz von der Deut­schen Pres­se-Agen­tur erklärte. 

Im Online-Lou­vre gibt es bestimmt auch kein Sel­fie-Cha­os um Mona Lisa. Aber die Lei­tung ist bestimmt schon mal zusammengebrochen.

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