320 Tonnen schweres Flusscafé

320 Ton­nen schwe­res Fluss­ca­fé: Der Stadt ent­rückt sind die Gäs­te im Café auf der Murin­sel, der nächs­ten Sta­ti­on in Graz. Das wie eine Muschel unter Ver­wen­dung von Glas- und Stahl­ele­men­ten geform­te Café ist 47 Meter lang . Es ist 320 Ton­nen schwer, eine eige­ne Welt moderns­ter Prä­gung. Es liegt auf der Mur, dem Stadt­fluss, auf dem sogar Strom­schnel­len auf­blit­zen. Wäh­rend das Was­ser rauscht, tur­nen Kin­der im Frei­en auf einem Klet­ter­netz. In der Muschel ist es schwül wie in einem Treib­haus, eine Glas­welt mit wei­ßem und blau­em Kunststoff-Mobiliar.

Eine Kell­ne­rin strei­tet sich mit einem Kol­le­gen, ob sie oder er fünf gro­ße Bier­glä­ser tra­gen soll. An den Tischen sit­zen Tou­ris­ten, die Rei­se­füh­rer stu­die­ren. Halb­stünd­lich tre­ten sie ab, ande­re Tou­ris­ten betre­ten die Sze­ne. Gemüt­li­che Kaf­fee­haus­at­mo­sphä­re, in der schon Sur­rea­lis­mus, Dada­is­mus, Freuds Psy­cho­ana­ly­se und die moder­ne Phy­sik gebo­ren wur­den, ent­steht hier nicht. Halo­gen-Glanz, Snacks statt Gugel­hupf, Mohn­kip­ferl, Striet­zel oder leich­ten Eier­ge­bäcks, wie man sie in Cafés der aus­ge­hen­den Donau­mon­ar­chie geges­sen hat. Tur­nen auf einem Netz statt Bil­lard, Zei­tun­gen, Zeit­schrif­ten und Kar­ten­spiel. Die Kaf­fee­häu­ser ster­ben in Graz aus, beklag­te dem­entspre­chend eine Passantin.

Flusscafé ein Fremdkörper

So ver­wun­dert es nicht, dass ein 320 Ton­nen schwe­res Fluss­ca­fé Fremd­kör­per aus der Zeit der Kul­tur­haupt­stadt bleibt. Die Murin­sel ist seit sie­ben Jah­ren ein Teil des his­to­ri­schen Alt­stadt­kerns in Graz, uni­so­no mit vie­len ande­ren futu­ris­tisch gestal­te­ten Gebäu­den und Expo­na­ten. Neu ergänzt Alt, die­ses The­ma beherrsch­te die Stadt lan­ge Zeit und bis heu­te. Dazu gehört auch das Kunst­haus, ein Muse­um für zeit­ge­nös­si­sche Kunst, an des­sen Front eine meer­blaue Acryl­glas-Kon­struk­ti­on wie eine über­di­men­sio­na­le Sei­fen­bla­se klebt. Auf dem Dach sind wie Rüs­sel aus­se­hen­de Fens­ter angebracht.

Nach einem Tag Rund­gang bie­tet es sich an, den Abend im Gra­zer Lend­vier­tel zu verbringen.

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Menschen in Graz überzeugen

Men­schen in Graz über­zeu­gen: Sophie Wolf­rum, Wis­sen­schaft­le­rin an der TU Mün­chen, beschreibt nun aber die Pri­vat­woh­nung im Essay „Stadt, Soli­da­ri­tät und Tole­ranz“ als Ort der Auto­no­mie und Immu­ni­tät. Hin­aus gehen die Bewoh­ner gezielt, um wohl dosiert sozia­le Kon­tak­te zu pfle­gen. Der sozia­le Pri­vat­raum wer­de zu einem zu ver­tei­di­gen­den Ter­ri­to­ri­um, das vor Kri­mi­na­li­tät oder vor Frem­den abge­schirmt wer­den müs­se. Wird dies aber wirk­lich mit so einer Lauf­bahn erreicht, wäh­rend zugleich in die Woh­nun­gen ein­ge­bro­chen wird? 

Pla­ka­te an den Häu­sern im Jako­mi­ni­vier­tel zei­gen, dass die Men­schen noch über­zeugt und ver­trös­tet wer­den müs­sen: „Ganz ehr­lich. Eine rote Lauf­bahn wäre mir auch ein­ge­fal­len. Groß­ar­tig! Aber die rote Lauf­bahn ist nur eine von vie­len Maß­nah­men, um das Jako­mi­ni­vier­tel lang­fris­tig attrak­ti­ver zu machen. Also her mit den guten Ideen!“ Das im Herbst abge­schlos­se­ne Pro­jekt kos­te­te 80.000 Euro. Es wird von man­chem Gra­zer als her­aus­ge­wor­fe­nes Geld bezeich­net.

Die kul­tu­rel­le Viel­falt wird zwar geför­dert, wenn Krea­ti­ve wie die Restau­ra­to­ren gewon­nen wer­den kön­nen. Damit ein­her­ge­hend wird wohl­ha­ben­de Kund­schaft ange­zo­gen. Zugleich wer­den aber ande­re aus­ge­grenzt wie ärme­re Bevöl­ke­rungs­grup­pen, da die Mie­ten stei­gen. Dies zei­gen die Reak­tio­nen der Befrag­ten. Vor kur­zem wur­de trotz Kri­tik der Anwoh­ner der Alte Hof in der nahen Kol­ping­gas­se abge­ris­sen. Drei Häu­ser in der Jako­mi­ni­stra­ße hat kürz­lich ein Inves­tor gekauft. Die­ser will sie sanie­ren und dann Büros und Woh­nun­gen errichten. 

Zunächst kann die dem fol­gen­de Teue­rung für sozia­len Unfrie­den sor­gen. Des­halb müs­sen die Men­schen in bezahl­ba­re Vier­tel zie­hen. Dies kann zu Ghet­toi­sie­rung und Kon­flik­ten zwi­schen neu­en und alten Bewoh­nern füh­ren. Das Pro­blem wird also ver­la­gert, nicht gelöst. Ist die Lauf­bahn nicht eher rei­nes Pres­ti­ge­ob­jekt? Denn Design ist die Sum­me aus Gebrauchs­ob­jekt und Kunst­werk, aus Funk­tio­nal­äs­the­tik und künst­le­ri­schem Aus­druck. Nur wenn das Ver­hält­nis stimmt, spricht man von gutem Design.

Einst ein Handwerksviertel

„Das Jako­mi­ni­vier­tel war einst ein Hand­werks­vier­tel mit Schus­tern und Schnei­dern. Doch mit den Jah­ren sie­del­ten sich Han­dels­be­trie­be an, die sich jedoch nur schwer hal­ten konn­ten“, erklärt Sabi­ne Pram­mer von Crea­ti­ve Indus­tries of Sty­ria. Mit einem Miet­för­der­mo­dell wol­le man noch mehr Krea­ti­ve anzie­hen. Seit dem Start hät­ten sich über 20 Krea­ti­ve ange­sie­delt. Die­se neh­men zum Teil auch die drei Jah­re lau­fen­de Miet­för­de­rung in Anspruch, die sich „an alle Unter­neh­men und Selbst­stän­di­gen rich­tet, die erwerbs­mä­ßig, das heißt, gezielt mit Gewinn­erzie­lungs-Absicht kul­tu­rel­le Güter und Dienst­leis­tun­gen ent­wi­ckeln, schaf­fen, pro­du­zie­ren, ver­mark­ten und ver­tei­len bezie­hungs­wei­se medi­al verbreiten“.

Der Stadt ent­rückt sind die Gäs­te im Café auf der Murin­sel, der nächs­ten Sta­ti­on in Graz.


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Kreative Szene im Jakominiviertel

Krea­ti­ve Sze­ne im Jako­mi­ni­vier­tel: Die nächs­te Sta­ti­on des Rund­gangs ist die krea­ti­ve Sze­ne im Jako­mi­ni­vier­tel, ein Tipp Sabi­ne Pram­mers von der Agen­tur Crea­ti­ve Indus­tries Sty­ria. Vor der Jako­mi­ni­stra­ße regelt ein Poli­zist den Ver­kehr; er ist unzu­frie­den mit der Atmo­sphä­re. Zur­zeit sei es ruhig, aber es lei­de immer wie­der unter Ein­brü­chen und Mes­ser­ste­che­rei­en. An die­sem son­ni­gen Tag wirkt die Stra­ße harm­los und wie eine lan­ge schma­le Gas­se. Durch sie führt eine leuch­tend rote 750 Meter lan­ge Lauf­bahn, eine Art Weg­wei­ser. Auch die Stra­ßen­bahn, die „Bim“, fährt hier an Kunst­lä­den, ori­en­ta­li­schen Deli­ka­tes­sen, „Kera­mik vom Feins­ten“, einem Tee­pa­ra­dies und Cafés vor­bei. Eini­ge die­ser Läden sind vor weni­gen Mona­ten auf­ge­baut wor­den, da die Stadt hier eine krea­ti­ve Sze­ne ansie­deln will. Das Vier­tel steht vor einem Wan­del.

Der ESC-Kunst­ver­ein ist aber schon 14 Jah­re in der Gas­se. Der Ver­ein prä­sen­tiert in klei­nen Aus­stel­lun­gen moder­ne Kunst, manch­mal ver­an­stal­tet er auch Per­for­man­ces. Mit­ar­bei­te­rin Reni Hoff­mül­ler gehört zu denen, die die Pla­nun­gen der Stadt, Graz zu ver­än­dern, kri­tisch sehen, beson­ders bezüg­lich der Bemü­hun­gen, das Bahn­hofs­vier­tel auf­zu­wer­ten. „Wenn zugleich das Jako­mi­ni­vier­tel ver­schö­nert und das Bahn­hofs­vier­tel ver­bes­sert wird, wer­den wir an Zulauf verlieren.“

Neue Restauratorinnen zufrieden

Hin­ge­gen sind die neu zuge­zo­ge­nen Restau­ra­to­rin­nen mit der Situa­ti­on zufrie­den. In ihrer klei­nen Werk­statt restau­rie­ren sie die­ser Tage Bil­der­rah­men, Gemäl­de, Hei­li­gen­fi­gu­ren und eine Weih­nachts­krip­pe. Kir­chen­ge­mein­den und Pri­vat­kun­den ver­ge­ben die Auf­trä­ge. Anfäng­lich habe die Inha­be­rin Eri­ka Thüm­mel Beden­ken gehabt, sagt ihre Ange­stell­te Dr. Hei­de­lin­de Fell, weil es schwie­rig sei, hier zu par­ken. Aber die zen­tra­le Lage, die gute Erreich­bar­keit mit „Bim“ und Bus, habe den Aus­schlag gege­ben, den Stand­ort von der Peri­phe­rie in die Innen­stadt zu ver­le­gen. Hier kämen mehr poten­ti­el­le Kun­den durch. Sie kön­nen beim Bum­meln stän­dig Ver­än­de­run­gen im Schau­fens­ter beob­ach­ten, den Frau­en beim Arbei­ten zuschau­en. Wert­vol­le alte Gegen­stän­de wer­den so erhal­ten. Retro ist beliebt.

Sophie Wolf­rum, Wis­sen­schaft­le­rin an der TU Mün­chen, beschreibt nun aber die Pri­vat­woh­nung im Essay „Stadt, Soli­da­ri­tät und Tole­ranz“ als Ort der Auto­no­mie und Immu­ni­tät.

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Kaschmir und Seide

Kasch­mir und Sei­de: Klei­dung im Stil der 50er Jah­re nimmt den größ­ten Teil der Arbeit Lena Hoscheks ein. Ihre per­sön­li­chen Stil­vor­bil­der sind Iko­nen wie Sophia Loren und Dita von Tee­se. Vie­le glän­zen­de Mate­ria­li­en ver­wen­det sie, schaut man sich den Film von der regel­mä­ßig im Janu­ar statt­fin­den­den Ber­li­ner Fashion Week an. Kunst­sei­de und Nylon waren zwar vor sech­zig Jah­ren neu, pfle­ge­leicht und schick.

Lena Hoschek setzt aber zu 99 Pro­zent auf Natur­fa­sern wie Kasch­mir und Sei­de. Sie betont beson­ders die Tail­le mit brei­ten Gür­teln und raf­fi­nier­ten Schnit­ten. Dies wider­spricht dem Vor­ur­teil eini­ger Kri­ti­ker, dass sie oft nur Klei­der für fül­li­ge Damen ent­wer­fe. Sie kre­iere auch Klei­der in den Grö­ßen 36 und 38, ent­geg­net Hoschek die­sen. Eini­ge Klei­der tra­gen Namen, die jeder aus Fil­men über his­to­ri­sche Per­sön­lich­kei­ten kennt wie Alex­an­der, Ras­pu­tin und Law­rence. Die Krea­tio­nen kos­ten zwi­schen 350 und 800 Euro, aber sie sind eben nicht von der Stan­ge. Pro­du­ziert wird die Ware in Ost­eu­ro­pa. Dort sei­en die Löh­ne nied­ri­ger, aber es sei auch leich­ter, mit den Pro­du­zen­ten von Wien und Graz den direk­ten Kon­takt zu hal­ten, sagt Hoschek.

Graz-ParkStatue-Peter-Rosegger
Das Geschäft Lena Hoscheks liegt nahe eines Parks.

Frü­her war es ein The­ma, dass man eine Frau war und einen Job mach­te. Heu­te kau­fen berufs­tä­ti­ge Frau­en die­se Klei­dung. Es ist Klei­dung aus einer Zeit, in der Män­ner dafür zustän­dig waren, Wohl­stand zu schaf­fen, den ihre Frau­en auf die­se Wei­se zur Schau stell­ten. In Euro­pa und in den USA blüh­te die Wirt­schaft auf, aber Frau­en wur­de erneut die häus­li­che und die reprä­sen­ta­ti­ve Sphä­re zuge­wie­sen. In den 1950er Jah­ren soll­te die Frau wie­der ganz in ihrer Rol­le als Haus­frau und Mut­ter auf­ge­hen. Berufs­tä­tig­keit für Frau­en war nicht über­all üblich. 

Edel aussehende Dirndls

Hoschek setzt auch einen Kon­tra­punkt gegen Mas­sen­pro­duk­te, indem sie edel aus­se­hen­de Dirndls kre­iert. Sie betont auch hier die Weib­lich­keit, zwingt in einer schnell­le­bi­gen Zeit zu gemes­se­nen Bewe­gun­gen durch guten und lan­gen Stoff, ein Wider­stand des Bäu­er­li­chen gegen das Groß­städ­ti­sche. Frau ist bei Fest­lich­kei­ten immer sitt­sam ange­zo­gen, gera­de in tra­di­tio­nel­len Län­dern wie Österreich.

Nun blei­ben noch eini­ge Minu­ten für Fotos. Natür­lich posiert Lena Hoschek stolz. Als eine der bes­ten Desi­gne­rin­nen der Welt sieht sie sich aber nicht; den inter­na­tio­na­len Durch­bruch wie der Öster­rei­cher Hel­mut Lang. Die­ser gab in den 1990er Jah­ren dem stren­gen Puris­mus durch mini­ma­le Effek­te etwas Beson­de­res. Das hat sie noch nicht geschafft.

Nun geht es wei­ter ins Jako­mi­ni­vier­tel.

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Im Harrods von Graz

Im Har­rods von Graz: Doch beim Durch­blät­tern des von der Gra­zer Agen­tur „Crea­ti­ve Indus­tries of Sty­ria“ (CIS) kon­zi­pier­ten Maga­zins „Wir bewer­ben uns“ ist es erstaun­lich, dass Graz den Titel errun­gen hat, weil man sich fragt, ob eini­ge der 350 abge­bil­de­ten Objek­te eigent­lich den Ansprü­chen moder­nen Designs genü­gen, zum Bei­spiel Bil­der aus Fri­seur­sa­lons, Mode­lä­den und Muse­en. Vie­le die­ser Objek­te schei­nen aus­tausch­bar zu sein. Wur­de nicht mit 1,5 Mil­lio­nen Euro zu viel aufs Spiel gesetzt, um einen Titel zu errin­gen, den kaum jemand kennt? Trotz allem kann jeder auf einem ein­tä­gi­gen Rund­gang durchs Stadt­zen­trum selbst fest­stel­len, war­um Graz die­sen Titel errun­gen hat.

Kaum ein Graz­be­su­cher wird das Kauf­haus Kast­ner & Öhler nicht in sei­nen Stadt­rund­gang auf­neh­men. Tou­ris­mus­spre­che­rin Mar­got Bach­bau­er bezeich­net es als das Har­rods von Graz. Nach eini­gen Minu­ten kommt Mar­tin Wäg, Geschäfts­füh­rer des tra­di­tio­nel­len Kauf­hau­ses. Er erzählt, dass der 1913 errich­te­te Ein­gangs­be­reich, der his­to­ri­sche Licht­hof auf vier Stock­wer­ken, erst im ver­gan­ge­nen Okto­ber ori­gi­nal­ge­treu wie­der­her­ge­stellt wor­den sei. Alte gold­far­be­ne Stuck­ar­bei­ten wären so gut wie nicht mehr vor­han­den gewesen.

Anstel­le der alten Licht­kup­pel gebe es jetzt ein fünf­tes Stock­werk und dar­auf eine Dach­ter­ras­se mit Außen- und Innen­be­reich. Die­sen Dienst am Kun­den kön­ne sich das Kauf­haus leis­ten. Die Kun­den fühl­ten sich durch die Jugend­stil­ele­men­te an frü­her erin­nert. Er sagt eben das, was ein Geschäfts­füh­rer so sagen muss. End­lich geht es auf die Roll­trep­pe. Dabei unter­hält er sich mit Sabi­ne Pram­mer, CIS-Mit­ar­bei­te­rin, die den Besuch des Kauf­hau­ses vor­ge­schla­gen hat. Die Kin­der bei­der sind in die­sel­be Klas­se gegan­gen. Und vor kur­zem hat Mar­tin Wäg sei­ne Tan­te im Kauf­haus getroffen.

Wäh­rend des Auf­wärts­rol­lens sieht man auf jeder Eta­ge zu Arka­den ver­bun­de­ne Säu­len. Aus Pflan­zen am Fuße der Säu­len ran­ken sich immer neu bis zur Decke gewun­de­ne gol­de­ne Zwei­ge empor, mit­un­ter hän­gen an ihnen auch gol­de­ne Trau­ben. Das for­ma­le Leit­mo­tiv des Jugend­stils war die geschwun­ge­ne Linie, der wel­li­ge Kur­ven­zug als Teil orga­ni­scher For­men, wozu sich die Rebe durch ihre typi­sche Form beson­ders eig­net. Die sti­li­sier­te vege­ta­ti­ve Form wur­de Leit­mo­tiv der Deko­ra­ti­on. Die Orna­men­te stam­men aus einer Zeit, an deren Erschei­nungs­bild sich kein Kun­de mehr erin­nern dürf­te. Ver­klärt hin­ge­gen ist immer noch das Bild des belieb­ten alten Kai­sers Franz-Josef I. von Öster­reich erleb­ten. So nost­al­gisch beseelt sol­len sich heu­te Kun­den zum Kau­fen ver­füh­ren las­sen. Sie sol­len etwas Indi­vi­du­el­les inmit­ten der Mas­sen­pro­duk­te spüren.

Oben ange­kom­men, ver­mit­teln Bil­der einen Ein­druck davon, wie das Kauf­haus Anfang des 20. Jahr­hun­derts aus­ge­se­hen hat. „Die sol­len auch die nächs­ten zwan­zig Jah­re hier hän­gen“, sagt Wäg. Dahin­ter liegt die neue Dach­ter­ras­se mit vie­len Besu­chern. Wäg ist stolz. „Wir sind wohl das ein­zi­ge Kauf­haus auf der Welt, das über solch eine Ter­ras­se ver­fügt.“ Vie­le Besu­cher hal­ten hier nicht nur einen Kaf­fee aus der Bar in der Hand, son­dern lich­ten auch die roten Zie­gel­dä­cher ab, ein berühm­tes Wahr­zei­chen der Stadt. Davor eine futu­ris­tisch gestyl­te Seil­bahn, mit der man den belieb­ten Schloss­berg bezwin­gen kann, rechts davon über allen Dächer ein eben­falls futu­ris­ti­sches Lichtschwert.

Im Bewer­bungs­ma­ga­zin der Stadt Graz fin­den sich Fotos aus der Kol­lek­ti­on der Mode­de­si­gne­rin und Klei­der­ma­che­rin Lena Hoschek. Sie mach­te vor eini­ger Zeit mit einem Kleid fürs Pop­s­tern­chen Katy Per­ry – „I kissed a girl“ — auf sich auf­merk­sam. Sie erhielt dadurch vie­le Auf­trä­ge. Ihr Mode­ge­schäft befin­det sich nahe…


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Kann Grazer Design integrieren?

Nach­dem die Stadt in den Rang einer Kul­tur­haupt­stadt erho­ben wur­de, war sie öffent­lich kaum wahr­zu­neh­men. Dann aber hat­te sie sich im Regie­rungs­pro­gramm 2008 vor­ge­nom­men, „den Stel­len­wert der Krea­ti­vi­tät und der Krea­tiv­wirt­schaft noch wei­ter aus­zu­bau­en“. Seit­dem sie Design­stadt ist, muss sie zei­gen, dass sie in der Lage ist, ästhe­ti­sche Pro­duk­te her­zu­stel­len. Eben­so Dienst­leis­tun­gen anzu­bie­ten, die Men­schen und deren Umwelt berei­chern und zur kul­tu­rel­len Viel­falt bei­tra­gen, im Grun­de für die gan­ze Mensch­heit. So wird Design ver­kürzt defi­niert. Aller­dings kann man kri­tisch fra­gen: Kann das Gra­zer Design wirk­lich inner­halb der moder­nen Stadt­ge­sell­schaft integrieren?

Graz-Lendviertel-Designbänke-aus-Holz

Wie erfah­ren Arme und Wohl­ha­ben­de, Sin­gles, Paa­re, Kin­der­lo­se und Fami­li­en ihre Stadt? Kann das zur Schau gestell­te Design Soli­da­ri­tät und Tole­ranz stif­ten? Geht es auf Wün­sche ein, unge­stört von Nach­barn, Ver­kehr, frem­den Geräu­schen und Ein­flüs­sen zu leben? Oder wer­den hier nur klas­si­sche Stadt­räu­me gepflegt, erneu­ert und neu­en Bedürf­nis­sen ange­passt? Somit also ein The­men­park Innen­stadt für aus­ge­wähl­te sozia­le Grup­pen auf­ge­baut und damit das bereits bestehen­de Sozi­al­ge­fü­ge gefes­tigt? Wie steht es also ums Inte­grie­ren in die Gra­zer Stadtgesellschaft?

Fort­set­zung folgt.


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Graz ist City of Design

Graz ist City of Design: Den Rang als Kul­tur­haupt­stadt hat Graz schon im Jah­re 2003 nach­ge­wie­sen. Damit steht die Stadt dafür, den Reich­tum, die Viel­falt und die Gemein­sam­kei­ten des kul­tu­rel­len Erbes in Euro­pa her­aus­zu­stel­len und ein bes­se­res Ver­ständ­nis der Bür­ger Euro­pas für­ein­an­der zu ermög­li­chen. Dies ist die Vor­aus­set­zung für den Titel. Danach hat die Stadt den nächs­ten Titel errun­gen: Sie ist ers­te öster­rei­chi­sche City of Design, auf­ge­nom­men ins inter­na­tio­na­le Netz­werk der Crea­ti­ve Cities.

Die UNESCO erwar­tet dafür eine leben­di­ge Design­bran­che, eine Kul­tur­land­schaft mit star­ken Impul­sen im Bereich Design und moder­ner Archi­tek­tur, ein cha­rak­te­ris­ti­sches „Stadt-Design“, moder­ne Design-Aus­bil­dungs­stät­ten sowie Krea­ti­ve und Gestal­ter, die lokal und inter­na­tio­nal tätig sind. Gefor­dert wird ein Stadt-Design mit inte­grier­ten Aus­bil­dungs­stät­ten sowie krea­ti­ven und gestal­te­ri­schen Impul­sen, also eine Kul­tur­land­schaft mit moder­ner Form­ge­bung in allen Berei­chen ein­schließ­lich der Archi­tek­tur. Bis­her prä­mier­te Städ­te sind Ber­lin, Bue­nos Aires, Mon­tré­al, Kobe, Nago­ya, Shen­zhen, Shang­hai, Seo­ul und St. Etienne.

City of Design will Stellenwert der Kreativität ausbauen

Nach­dem die Stadt in den Rang einer Kul­tur­haupt­stadt erho­ben wur­de, war sie öffent­lich kaum wahr­zu­neh­men. Dann aber hat­te sie sich im Regie­rungs­pro­gramm 2008 vor­ge­nom­men, „den Stel­len­wert der Krea­ti­vi­tät und der Krea­tiv­wirt­schaft noch wei­ter aus­zu­bau­en“. Seit­dem sie Design­stadt ist, muss sie zei­gen, dass sie in der Lage ist, ästhe­ti­sche Pro­duk­te her­zu­stel­len. Eben­so Dienst­leis­tun­gen anzu­bie­ten, die Men­schen und deren Umwelt berei­chern und zur kul­tu­rel­len Viel­falt bei­tra­gen, im Grun­de für die gan­ze Mensch­heit. So wird Design ver­kürzt defi­niert. Aller­dings kann man kri­tisch fra­gen: Kann das Gra­zer Design wirk­lich inner­halb der moder­nen Stadt­ge­sell­schaft integrieren?

Wie erfah­ren Arme und Wohl­ha­ben­de, Sin­gles, Paa­re, Kin­der­lo­se und Fami­li­en ihre Stadt? Kann das zur Schau gestell­te Design Soli­da­ri­tät und Tole­ranz stif­ten? Geht es auf Wün­sche ein, unge­stört von Nach­barn, Ver­kehr, frem­den Geräu­schen und Ein­flüs­sen zu leben? Oder wer­den hier nur klas­si­sche Stadt­räu­me gepflegt, erneu­ert und neu­en Bedürf­nis­sen ange­passt? Somit also ein The­men­park Innen­stadt für aus­ge­wähl­te sozia­le Grup­pen auf­ge­baut und damit das bereits bestehen­de Sozi­al­ge­fü­ge gefes­tigt? Wie steht es also ums Inte­grie­ren in die Gra­zer Stadtgesellschaft?

Kann Graz, obwohl von man­chen Wie­nern als Dorf geschmäht, die­se Auf­ga­ben mit die­sen Mit­teln bewäl­ti­gen? Tou­ris­mus-Spre­che­rin Mar­got Bach­bau­er meint hier­zu: „Graz hat mit knapp 250.000 Ein­woh­nern die rich­ti­ge Grö­ße. Wenn man will, kann man immer Bekann­te tref­fen.“ Das Leben sei gemüt­li­cher als anders­wo. „Wenn man durch die Stra­ßen geht, sieht man das. Graz war einst Alters­ru­he­sitz der Wie­ner Beam­ten. Es wur­de Pen­si­o­no­po­lis genannt. Davon aber spürt man heu­te nichts mehr, da um die 40.000 Stu­den­ten die Stadt in der Stei­er­mark bele­ben.“ Was ergibt sich aus dem nun fol­gen­den Rund­gang durch die Stadt?

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Kriegsorte in Frankreich besuchen

Kriegs­or­te in Frank­reich besu­chen: Als der Rei­sen­de zur Pres­se­rei­se „Wege der Erin­ne­rung 1914 — 1918“ ein­ge­la­den wur­de, fühl­te er sich hin- und her­ge­ris­sen. Das Pro­gramm ver­sprach nur Beklem­men­des. Denn es soll­te drei Tage lang über Sol­da­ten­fried­hö­fe, durch Muse­en und zu Schau­plät­zen des Ers­ten Welt­krie­ges gehen. Für Mili­tär­ge­schich­te inter­es­sier­te er sich aber wäh­rend sei­nes Geschichts­stu­di­ums nie. Es gibt Spe­zia­lis­ten, die sich unge­wöhn­lich gut mit Hee­res­be­we­gun­gen, Waf­fen, Mili­tär­fahr­zeu­gen aus­ken­nen und nahe­zu jedes Datum der Schlach­ten auf­zäh­len kön­nen. War­um auch immer!

Auf Floh­märk­ten gibt es Bücher über Gene­rä­le, Pan­zer­di­vi­sio­nen und Kriegs­schif­fe. Nur ein­mal kauf­te er sich solch ein Werk, weil ihm ein befreun­de­ter Foto­graf in der Nähe von Trom­sø die Stel­le zeig­te, an der das Wrack der Tirpitz liegt, Hit­lers Lieb­lings­schiff. Bri­ti­sche Bom­ber ver­senk­ten das Schiff in Nord­nor­we­gen. Es war beklem­mend, zum Bei­spiel Uni­form­tei­le in einem Muse­um zu sehen, die einst deut­schen See­leu­ten gehört hatten.

Kriegsorten bieten spannende Geschichten

Er kennt auch Gibral­tar im Süden Spa­ni­ens. Der heu­ti­ge Affen­fel­sen nahm einst eine wich­ti­ge stra­te­gi­sche Stel­lung zur Kon­trol­le des Mit­tel­mee­res ein. Bis heu­te erin­nert er sich ger­ne an den bri­ti­schen Kriegs­ve­te­ra­nen, der ihm erzähl­te, dass er einst auf Gibral­tar als Pilot gear­bei­tet habe. Deut­sche hät­ten sein Flug­zeug abge­schos­sen. Oder an den Bericht des Kapi­täns: Die­ser zeig­te Del­fi­ne und erzähl­te dabei, wie span­nend ein Roman über bri­ti­sche und deut­sche Spio­ne in der Bucht am Fel­sen gewe­sen sei. Geschich­te aus ande­rer Perspektive.

Die dort gemach­ten Erfah­run­gen ver­lo­cken den Rei­sen­den nun wie­der los­zu­fah­ren, um Kriegs­schau­plät­ze in Frank­reich zu besu­chen. Er will das mit eige­nen Augen sehen, was er nur aus den Geschichts­bü­chern kennt. Er will mit Men­schen spre­chen, die dort leben. Und er wird spä­ter sol­che Besu­che nach­be­rei­ten, indem er Lite­ra­tur dar­über liest. Die Reak­ti­on, der Besuch sol­cher Stät­ten sei lang­wei­lig, kann er nicht nach­voll­zie­hen. Ange­sichts hoher Besu­cher­zah­len auf Sol­da­ten­fried­hö­fen und an ande­ren Stät­ten — Erin­ne­rungs­tou­ris­mus — steht er mit die­ser Mei­nung nicht allein. Denn sol­che Stät­ten hän­gen oft mit der deut­schen Geschich­te zusammen.

Die Fol­gen sol­cher Krie­ge, das Lei­den der Men­schen, die Nutz­lo­sig­keit, dür­fen nie in Ver­ges­sen­heit gera­ten. Die Ursa­chen für Kon­flik­te müs­sen unter­sucht, Lösun­gen zur Ver­mei­dung gefun­den wer­den. Denn hin­ter span­nen­den Geschich­ten von Zeit­zeu­gen steckt oft gro­ßes Elend.

Erinnerungstourismus in Nordfrankreich

Scha­ren von Tou­ris­ten – vor­wie­gend aus Aus­tra­li­en und Kana­da – rol­len täg­lich vor die Fried­hö­fe für die Gefal­le­nen des Ers­ten Welt­krie­ges in Nord­frank­reich. Sie neh­men dafür über 20-stün­di­ge Flü­ge von Syd­ney oder Van­cou­ver nach Paris in Kauf. Auch vie­le Bri­ten sind unter den Besu­chern. Was suchen all die­se Men­schen in der Regi­on Nord-Pas-de-Calais, fast hun­dert Jah­re nach dem Kriegs­ge­sche­hen? Sind sie in den Sog des Erin­ne­rungs­tou­ris­mus gera­ten? Oder wol­len sie ein­fach nur Kriegs­or­te in Frank­reich besuchen?

Zur Stär­kung vor der Tour emp­fiehlt sich in Lil­le erst ein­mal der Besuch der Braue­rei Les 3 bras­seurs in der Nähe des Haupt­bahn­ho­fes. Dort gibt es def­ti­ges Essen. Vie­le trin­ken hier Bier, was zu Lil­le tra­di­tio­nell gehört. Mir ser­viert man Rind­fleisch mit Pom­mes Frit­tes. Frit­ten sind typisch hier. Bel­gi­en ist nahe. Das Rind­fleisch besteht aus ein­zel­nen Stü­cken, die zu einem saf­ti­gen Stück zusam­men­ge­fügt sind. Als Des­sert kommt Eis mit Spe­ku­la­ti­us auf den Tisch. Es gebe nahe Lil­le eine gro­ße Spe­ku­la­ti­us-Fabrik, erklärt man uns. Daher gehör­ten Spe­ku­la­ti­us immer zum Essen. Dann geht es nach Arras.

Ehrenmal in Fromelles

Vie­le Tou­ris­ten strö­men in der Nähe von Arras zu einem neu­en aus­tra­li­schen Ehren­mal von 1998 in Fro­mel­les. Hier ver­lief län­ge­re Zeit die West­front. Aus­tra­li­en muss­te am 23. August 1914 gemein­sam mit den ande­ren Domi­ni­ons Kana­da, Süd­afri­ka und Neu­see­land sowie mit der Kolo­nie Bri­tisch-Indi­en in den Krieg ein­tre­ten. Das Denk­mal zeigt einen breit­bei­nig gehen­den Sol­da­ten mit gebeug­tem Kopf, der einen toten Kame­ra­den auf sei­nen Schul­tern schleppt. Er steht für 5.000 Aus­tra­li­er, die hier in einem über 24 Stun­den dau­ern­den Kampf gegen die Deut­schen im Jah­re 1916 ihr Leben ver­lo­ren. Für vie­le Aus­tra­li­er ist dies bis heu­te eines der schlimms­ten Ereig­nis­se ihrer Geschich­te. Die Män­ner wur­den von Maschinengewehrsalven…

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Film: LaM in Lille

Hasen

Zwei Hasen schau­en ein­an­der an. Einer über­reicht dem ande­ren etwas. Erwar­tungs­voll öff­net die­ser die Arme. Die bei­den Skulp­tu­ren sind die Publi­kums­lieb­lin­ge im Muse­um für moder­ne Kunst, zeit­ge­nös­si­sche Kunst und Art brut in Lil­le (LaM). Jeder sieht sofort, dass der Künst­ler im Grun­de eine Frau und einen Mann geschaf­fen hat, die mit­ein­an­der tan­zen. Über den Humor ver­bin­de man zeit­ge­nös­si­sche eigent­lich nicht, sagt eine der Kura­to­rin­nen. Doch so wol­le man die Besu­cher an aktu­el­le The­men heranführen.

Aben­teu­er Muse­um. Das LaM in Lil­le“ — der arte-Film ver­mit­telt sehr gut das Beson­de­re die­ses Muse­ums. Es stellt die ver­staub­ten Kunst­mu­se­en in Paris in Sachen Kunst­ver­mitt­lung klar in den Schat­ten. In Paris wer­den wert­vol­le Gemäl­de bloß zur Schau gestellt. Dabei sind die Ein­nah­men durch die hohe Zahl der Besu­cher sicher üppig, um gute Muse­ums­di­dak­tik auf­zu­bau­en. Doch das scheint man nicht für nötig zu hal­ten. Kein Wun­der, dass ins Lou­vre zum Bei­spiel die Sel­fie-Kul­tur vor der Mona Lisa ein­ge­zo­gen ist. 

Eben­so arbei­tet der Film gut die beson­de­re Lage der Kunst­hal­le her­aus. Es liegt außer­halb Lil­les in einem Park. Es sind Jog­ger zu sehen, die auch dazu ein­ge­la­den sind, sich die Bil­der und Skulp­tu­ren anzu­schau­en. Lil­le liegt nahe an Bel­gi­en und Eng­land, öff­net sich so aus Sicht der Fran­zo­sen nach „Nord­eu­ro­pa“. Das Muse­um soll zum All­tag der Men­schen gehö­ren, Teil eines Netz­wer­kes sein.

Der sehens­wer­te Film steht in der Media­thek zur Ansicht bereit. Schnell anschau­en, bevor er wie­der abge­setzt wird.

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Renaissance-Fest auf der Grand Place

Renais­sance-Fest auf der Grand Place: Nach Lil­le lockt den Rei­sen­den einer­seits die Aus­sicht mit dem Renais­sance-Fest auf der Grand Place, die Kul­tur­haupt­stadt 2004 mit ande­ren Kul­tur­haupt­städ­ten zu ver­glei­chen. Die in Väs­ter­bot­ten lie­gen­de Stadt Umeå ist seit 2010 schwe­di­sche Kul­tur­haupt­stadt. Aar­hus in Mit­tel­jüt­land setzt die­se Rei­he in Däne­mark 2018 fort. Bei­de Städ­te kennt der Rei­sen­de gut. Denn er reist regel­mä­ßig durch Skandinavien.

Ande­rer­seits wird sich dort vor 500.000 Besu­chern ein Renais­sance-Fest auf der Grand Place abspie­len. Die­ses fin­det fast jedes Jahr statt, selbst aktu­ell in Zei­ten der Coro­na-Pan­de­mie. Erst kurz davor ist der Rei­sen­de mit dem Fahr­rad von Bonn aus auf­ge­bro­chen, um auf 1.100 Kilo­me­tern nicht nur den Nie­der­rhein und den süd­li­chen Teu­to­bur­ger Wald anzu­schau­en. Er woll­te sich auch von der Weser-Renais­sance inspi­rie­ren las­sen. Her­vor­ra­gen­de archi­tek­to­ni­sche Per­len aus dem 15. und 16. Jahr­hun­dert sind zum Bei­spiel das Bre­mer Rat­haus, das Schloss Hämel­schen­burg vor sowie das Rat­ten­fän­ger­haus in Hameln. Renais­sance hat ihn also ziem­lich inspiriert.

Spannung aufs Renaissance-Fest auf der Grand Place

Wer­den die aus Rio, Detroit und Seo­ul ange­reis­ten Akteu­re his­to­ri­sche Gewän­der tra­gen? Durch­strömt Musik aus die­ser Zeit die Stadt? Dort sind auch noch Häu­ser aus Renais­sance und Barock erhal­ten. Wird aus Lite­ra­tur des Renais­sance zitiert? Etwa aus Thea­ter­stü­cken des berühm­ten por­tu­gie­si­schen Dra­ma­ti­kers Gil Vicen­te? Vicen­te ist auch Fran­zo­sen gut bekannt. Por­tu­gie­si­sche Ein­wan­de­rer haben ihn in Frank­reich ein­ge­führt. Vie­le sei­ner Stü­cke wur­den ins Fran­zö­si­sche übersetzt.

Ange­kün­digt ist eine Trans­for­ma­ti­on der his­to­ri­schen Renais­sance in die heu­ti­ge Zeit. Hier nun eini­ge Bei­spie­le vom Renais­sance-Fest auf der Gand Place. Die ent­spre­chen­den Fotos sind oben in der Dia­show zu sehen:

Hier folgt nun ein Aus­schnitt aus dem dem Renais­sance-Fest auf dem Grand Place: God­zil­la steigt am Bahn­hof Gare Lil­le Fland­res in die Luft. Bie­tet der dort star­ten­de gro­ße Umzug Ein­bli­cke ins ame­ri­ka­ni­sche Kino? Wei­te­re Gigan­ten bele­ben das Stadt­bild: hier ein ori­en­ta­li­scher Herr­scher mit Mina­ret­ten auf dem Kopf. Dort zieht ein Kari­be mit Feder­busch durch die Stra­ßen. Ihm folgt ein King Kong ähn­li­cher Goril­la. Die Grand Place bie­tet also reich­lich Gele­gen­heit für ein Foto-Shooting.

Fast wie „Le Bal des Quat’z’arts descendant les Champs-Elysées“

Die Sze­ne­rie erin­nert an das im Palais des Beaux-Arts hän­gen­de Gemäl­de „Le Bal des Qua­t’­z’arts des­cen­dant les Champs-Ely­sées“. Geor­ge-Antoine Roche­gras­se stellt dar­auf das Künst­ler­fest von 1894 auf den Champs-Ely­sées in Paris dar. Fröh­li­che Men­schen aus fast allen Erd­tei­len der Welt und aus unter­schied­li­chen Epo­chen sind dar­auf abge­bil­det. Die 1890-er Jah­re bil­den den Höhe­punkt des fran­zö­si­schen Impe­ria­lis­mus. Frank­reich erobert gro­ße Gebie­te in Afri­ka und Asi­en und kann damit Eng­land die Stirn bie­ten. Das Bild kann man als Pro­pa­gan­da­bild deu­ten. Nach dem deut­schen Sieg von 1870/71 hat Frank­reich eine neue Iden­ti­tät gefun­den. Es kann sei­nen Natio­nal­stolz in neu­er Iden­ti­tät als Repu­blik und Kolo­ni­al­macht behaupten.

Aus der Vogel­per­spek­ti­ve sind die zusam­men­lau­fen­den Stra­ßen gut zu sehen. Hier­durch zie­hen in der Dun­kel­heit die ers­ten Wagen. Die beglei­ten­de Musik erin­nern an den Kar­ne­val von Rio. Eine Laser­show hüllt Tän­zer und Musi­ker in unwirk­li­che Farben.

Aber mit einer Trans­for­ma­ti­on von der Renais­sance in die Moder­ne hat dies wenig zu tun. Oder?

Unter die­sem Ein­druck führt der Weg ins uri­ge Restau­rant “Au bar­bue d’Anvers”. Dort kann jeder dem Rum­mel gut ent­ge­hen, um sich in Ruhe auf einen wei­te­ren Kul­tur­tag in Lil­le vorzubereiten.

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