Wimmerndes Metall und wirbelnder Sand

Im har­ten Nord­see­wind hört man wim­mern­des Metall der Krä­ne und Schif­fe im Süd­ha­fen von Esbjerg. Dort wer­den am Tag Schif­fe und Ölplatt­for­men gewar­tet. Doch an die­sem Abend sind nur zwei Ang­ler am Ende der Mole hier und der Rei­sen­de. Wie Ten­ta­keln ragen die fili­gra­nen Netz­struk­tu­ren der Krä­ne in den Him­mel. Es wür­de nicht ver­wun­dern, wenn jetzt eini­ge der fie­sen insek­ten­ar­ti­gen Vie­cher aus dem Film „Matrix“ hier auftauchten.

Die West­küs­te Jüt­lands hat der Rei­sen­de lan­ge unter­schätzt. Dabei ist sie zwi­schen Höjer und Esbjerg deut­lich attrak­ti­ver als die deut­sche Nord­see­küs­te. Auf sei­ner ers­ten Rad­tour nahm der Repor­ter sie nur über die das Wel­len­ba­den ver­hin­dern­de Ebbe wahr. Und viel Indus­trie, die die von Land­wirt­schaft gepräg­te Land­schaft ver­schan­delt. Doch das hat sich jetzt geän­dert. Das Spek­trum reicht von Per­len wie Ribe, Römö und Fanö über Vul­ka­ne wie Esbjerg bis hin zu Wüs­ten wie Hvi­de San­de, Vejers Strand, Bork Havn, selbst Ring­kö­bing. Vie­les scheint zube­to­niert. Den meis­ten Kaf­fee­häu­sern man­gelt an Gemüt­lich­keit. Hier scheint zuzu­tref­fen, was ein Gas­tro­nom in Büsum vor vier Wochen kri­ti­sier­te. Vie­le trimm­ten ihre Geschäf­te auf Imbiss. Das Essen wer­de vereinheitlicht.

Drachen und Strandsegler

Am nächs­ten Tag sieht die Sze­ne­rie von der Fäh­re nach Fanö nicht mehr so gespens­tisch aus. Die Exzen­trik aber bleibt trotz des Son­nen­scheins. Sie ver­blasst dann aber auch etwas nach dem Tag mit Krie­chen durch Bun­ker, Krau­chen über einen kilo­me­ter­lan­gen Strand vor­bei an Dra­chen und Strand­seg­lern. Von der Kuli­na­rik hat der Rei­sen­de nicht wirk­lich gekos­tet. Er lässt hier lie­ber Flo­ra Jädi­cke den Vor­tritt, die sich spe­zi­ell dafür hier umge­schaut hat.

Das gilt genau­so für Römö, wo sich der Rei­sen­de auf­grund des güns­ti­gen Prei­ses im Asia-Restau­rant abends nie­der­ließ. An „All you can eat“ kommt ein hung­ri­ger Rad­ler nach der Über­que­rung des 1948 errich­te­ten ewig lan­gen Dam­mes bei Gegen­wind nicht vor­bei. Zudem nutz­ten der Chi­ne­se und er in Lakolk aus­gie­big die Gele­gen­heit, gegen­sei­tig ihre Dänisch-Kennt­nis­se im Dia­log auf­zu­fri­schen. Denn auch die­ser kämpf­te noch immer mit der für ihn immer noch frem­den Sprache.

Am nächs­ten Tag genoss der Rei­sen­de an einem ein­sa­men Strand den Blick auf Sylt, sog den typi­schen Geruch däni­scher Hei­de in sich auf. Dies war der Geruch sei­ner Kind­heit in Däne­mark an den Strän­den von Gjer­rild, Asser­bo und Ska­gen. Dabei muss­te er aber auch auch den häss­li­chen Anblick des Hafens nach Sylt ver­dau­en, in dem zwei Fisch­re­stau­rants ver­su­chen, Besu­cher aus Sylt Geld mit hohen Prei­sen aus der Tasche zu zie­hen. Und irgend­wie war es doch schö­ner, bei Ebbe zur Insel Noirm­ou­tier über­zu­set­zen, bevor die Flut kam. Solch ein Aben­teu­er nimmt einem lei­der ein hoher Damm.

Wirbelnder Sand freigelassen wie die Seele

Im Süden Jüt­lands ist auch Ödnis zu erfah­ren wie in Vejers Strand, Hvi­de San­de, Bork Havn und selbst Ring­kö­bing. Im aller­dings beschei­de­nen Rah­men reih­ten sich Imbis­se und Nip­pes-Läden anein­an­der. Auch die vie­len Feri­en­häu­ser könn­ten stö­ren. Der­art beklag­te sich eine Mit­ar­bei­te­rin im Wikin­ger­cen­ter in Bork dar­über. Aber immer­hin ist die Küs­te nicht der­art ver­baut wie an man­chen Abschnit­ten in Spa­ni­en, Frank­reich oder selbst in einem Natur­schutz­ge­biet wie Troia süd­lich von Lis­sa­bon. Meis­tens kann man doch noch die See­le bau­meln las­sen in Dünen, die es woan­ders nicht in Euro­pa gibt. Dee Sand wir­belt hier frei­ge­las­sen wie die See­le. Nicht ein­mal in Arcachon gibt es sol­che Dünen. Obwohl es selbst am Tag in Ribe oder Ring­kö­bing nach der Besich­ti­gung der Sehens­wür­dig­kei­ten töd­lich lang­wei­lig wer­den kann für den Nor­mal­tou­ris­ten. Für einen Jour­na­lis­ten gilt das nicht, da er immer neu­gie­rig ist und span­nen­de Men­schen und Land­schaf­ten fast auto­ma­tisch vorfindet.

Wissen übers Wattenmeer aufgebaut

Und hier lernt er auch viel übers Wat­ten­meer wie zum Bei­spiel im Watt­ten­meer­zen­trum von Ribe. Umsäu­selt von psy­cho­de­li­scher Musik ver­fol­gen Besu­cher den Zug der Vögel, das Leben der Fische, sehen vie­le aus­ge­stopf­te Vögel. Aller­dings kennt man vie­les aua TV-Dokus. Und das Mul­ti­mar-Watt­fo­rum in Tön­ning ist um etli­che Klas­sen bes­ser. Der Rei­sen­de kam mal in den Genuss, es auf einer kuli­na­ri­schen Pres­se­rei­se in Schles­wig-Hol­stein kennenzulernen.

Wer also den süd­li­chen der däni­schen Nord­see besucht, muss mit einem hef­ti­gen Hin und Her eines Pen­dels rech­nen. Was zunächst öde wirkt, kann auch Bal­sam für die See­le sein. Und es wirkt auch beschei­den ehr­lich dänisch. Aber an der viel zitier­ten Gemüt­lich­keit hapert es dann. Aber wim­mern­des Metall und wir­beln­der Sand sind ja auch ganz schön.

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Dänemarks schönste Schlösser auf der Margeritenroute

Däne­mark beher­bergt sehens­wer­te Schlös­ser, von denen vie­le auch betre­ten wer­den kön­nen. Denn so man­che gehö­ren dem Staat, da der Unter­halt sehr teu­er ist.

Die Zei­tung “Jyl­lands Pos­ten” hat jetzt einen Arti­kel mit­samt Kar­te ver­öf­fent­licht. Die­ser hilft Dir dabei, die Schlös­ser zu besu­chen, die sich auf Jüt­land, Fünen und den sich anschlie­ßen­den Nach­bar­inseln befinden.

Die Schlös­ser sind oft nicht nur äußer­lich Schmuck­stü­cke, son­dern beher­ber­gen in sich auch wert­vol­le Kunst­wer­ke, wie zum Bei­spiel Goya und Rubens im Renais­sance­schloss Voer­gaard in der Nähe von Fre­de­riks­havn im Nor­den Jütlands.

In der Nähe von Aar­hus liegt das Renais­sance­schloss Rosen­holm. Es beher­bergt sowohl Däne­marks größ­te Samm­lung an Gobe­lins als auch bedeu­ten­de Fami­li­en­por­träts von Malern wie Carl Gus­taf Pilo oder Jens Juel.

Ich selbst besuch­te eine Rei­he sol­cher Schlös­ser, aber auch Her­ren­hö­fe in Mit­tel­jüt­land, als ich vor eini­ger Zeit dort mit dem Fahr­rad die Gegend bereis­te. Es erga­ben sich eini­ge net­te Begeg­nun­gen mit den Bewoh­nern, von denen ich Dir dem­nächst in mei­nem Kul­tur­rei­se­füh­rer über Mit­tel­jüt­land berich­ten werde.

Erst ein­mal fin­dest Du hier wei­te­re Infos über die Schlös­ser, die Du ein­fach mit dem Rad über die Mar­ge­ri­ten­rou­te berei­sen kannst. In Däne­mark gibt es ein so her­vor­ra­gen­des Rad­we­ge­netz, so dass sich die Fahrt mit dem Auto nur als lang­wei­lig erwei­sen kann.

Fol­ge der Mar­ge­ri­te — Schlossroute

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Pfiffige Ideen für die Bürger einer Stadt

Typisch pfif­fi­ge Dänen sage ich da. Auf solch eine inno­va­ti­ve Idee kämen sonst viel­leicht noch die Nie­der­län­der — eine Müll­ver­bren­nungs­an­la­ge dient zugleich in Kopen­ha­gen als Ski­pis­te. In Däne­mark gibt es kei­ne Ber­ge. Aber Kurz­ur­laub auf einem Ski­hang ist trotz­dem möglich.

Mir fällt oft im Nor­den auf, dass Innen­städ­te sehr viel bür­ger­nä­her gestal­tet wer­den als bei uns. In man­chen Innen­städ­ten fehlt es gar an Sitz­bän­ken zum Aus­ru­hen. Sie sind dem Kom­merz überlassen.

In Aar­hus zum Bei­spiel gibt es auf dem Dom­platz eine klei­ne ele­gan­te Park­an­la­ge. Bäu­me wur­den gepflanzt, eine Holz­flä­che errich­tet, auf der Fami­li­en her­um­tol­len kön­nen. Am Fluss wur­den Ste­ge errich­tet, auf denen die Bür­ger sich zum Gespräch tref­fen. Einen Ein­druck davon machtt ihr euch am Bes­ten über Fotos die­ses Kalenders.

Aar­hus Stadt des Lächelns

Eine ähn­li­che Idee hat­te man schon davor in der nord­schwe­di­schen Stadt Luleå, übri­gens Welt­kul­tur­er­be, indem man eine Ufer­pro­me­na­de aus Holz auf Höhe der Stadt­bi­blio­thek am Hafen bau­te. Im Som­mer kön­nen Ein­hei­mi­sche von einer Empo­re aus bei einem Glas Wein oder Bier aus den Son­nen­un­ter­gang beob­ach­ten. Vor­her gab dort nur raue Stu­fen aus Beton.

Der­ar­ti­ges sieht man nicht oft hoch in Nord­eu­ro­pa, eher impo­san­te Eis­bre­cher, denn Luleå liegt schon am Polar­kreis. Hast Du auf Rei­sen ande­re pfif­fi­ge Ideen für die Bür­ger ent­deckt? Ich bin schon neu­gie­rig. Und hier der Link zur Ski­pis­te in Kopenhagen.

Ski­pis­te in Kopenhagen

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Einheimische und Touris gut einbezogen

Ein­hei­mi­sche und Tou­ris gut ein­be­zo­gen: End­lich wird mal offen­bart, was es kos­tet, Kul­tur­haupt­stadt zu sein. Denn soeben ist ein Bericht der Euro­päi­schen Uni­on über die Kul­tur­haupt­stadt Aar­hus erschie­nen. Dar­in wird eine recht posi­ti­ve Bilanz gezo­gen. Die Zei­tung “Aar­hus Stifts­tid­ende” ver­öf­fent­lich­te jetzt Aus­zü­ge aus dem Bericht.

Aar­hus demons­tre­rede stor spænd­vid­de og var i stand til at enga­ge­re et bredt spek­trum af men­nes­ker. Både loka­le og turis­ter.” Die Stadt habe eine gro­ße Spann­wei­te gezeigt. Und sie habe eine brei­tes Spek­trum an Men­schen in die Pro­jek­te ein­be­zo­gen. Dies betref­fe sowohl Ein­woh­ner als auch aus­wär­ti­ge Besu­cher. Und die Ver­ant­wort­li­chen sei­en sorg­fäl­tig mit dem Bud­get umge­gan­gen. Dies sei deut­lich hier bes­ser gelun­gen als in ande­ren Kulturhauptstädten.

Die Zei­tung “Århus Stifts­tid­ende” fasst zusam­men: “Europæisk Kul­tur­ho­ved­stad Aar­hus 2017 hav­de et bud­get på 497 mil­lio­ner kr. Pro­jek­tet blev primært fin­an­sie­ret af offent­li­ge mid­ler fra Sta­ten, Aar­hus Kom­mu­ne, Regi­on Midt­jyl­land og de 18 and­re kom­mu­ner i regio­nen.” Ein Bud­get von 497 Mil­lio­nen Kro­nen habe zur Ver­fü­gung gestan­den. Dazu hät­ten vor allem der däni­sche Staat, Aar­hus Kom­mu­ne, die Regi­on Mit­tel­jüt­land und 18 ande­re Kom­mu­nen Gel­der in der Regi­on bereit­ge­stellt. Aus der EU sei­en 20,1 Mil­lio­nen Euro in die Ver­an­stal­tun­gen inves­tiert worden.

Budget unterschiedlich verteilt

71 pro­cent af bud­get­tet blev anvendt på kul­tu­rel­le akti­vi­te­ter. 13 pro­cent gik til PR, mark­eds­føring og kom­mu­ni­ka­ti­on. 15 pro­cent på løn­nin­ger og admi­nis­tra­ti­on”, schlüs­selt die Zei­tung wei­ter auf. Es wur­den dem­nach 71 Pro­zent des Bud­gets in kul­tu­rel­le Akti­vi­tä­ten gesteckt. 13 Pro­zent flos­sen in PR, Markt­for­schung und Kom­mu­ni­ka­ti­on. 15 Pro­zent in Löh­ne und Ver­wal­tung. “Iføl­ge Fon­den Aar­hus 2017’s egne opgø­rel­ser blev der arran­ge­ret i alt 628 begi­ven­he­der i hele Regi­on Midt­jyl­land. De til­trak i alt 3,3 mil­lio­ner gæs­ter.” 628 Ver­an­stal­tun­gen hät­ten ins­ge­samt 3,3 Mil­lio­nen Besu­cher in die Regi­on Mit­tel­jüt­land gezogen.

Aller­dings muss man als Außen­ste­hen­der immer berück­sich­ti­gen, dass es sich um einen Bericht der EU über ein eige­nes Pro­jekt han­delt. Daher kommt es oft zu einer posi­ti­ven Bericht­erstat­tung von Sei­ten der Uni­on. Wie eben, dass Ein­hei­mi­sche und Tou­ris gut ein­be­zo­gen wur­den. Aber den Dänen ist das durch­aus zuzu­trau­en. Der Rei­sen­de war oft genug vor Ort, um zu erken­nen, dass sich eine Rei­se nach Aar­hus wirk­lich lohnt.

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Aarhus ‑Stadt des Lächelns

Lus­tig, gera­de gegoo­gelt. Mein Kul­tur­rei­se­füh­rer über Aar­hus “Aar­hus Stadt des Lächeln Die däni­sche Kul­tur­haupt­stadt durch­strei­fen und erle­ben” ist der­zeit Gegen­stand eines Semi­nars für Mas­ter-Stu­den­ten an der Uni Hei­del­berg über Kul­tur­mar­ke­ting. Prof. Dr. Man­del bie­tet das Semi­nar an. Dann wer­de ich viel­leicht auch zitiert in einer der Seminararbeiten. ☺

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Vogue lädt zum Aarhus-Tagestrip

Vogue lädt zum Aar­hus-Tages­trip: Ist die Autorin der ame­ri­ka­ni­schen Zeit­schrift “Vogue” wirk­lich in der Stadt des Lächelns gewe­sen? Nichts schreibt sie über die Atmo­sphä­re in der Kul­tur­haupt­stadt. Die Kul­tur der Stadt kommt nur am Ran­de vor. Sind die Dänen etwa nur Säu­fer? Und tüch­ti­ge Esser? Den im Text her­vor­ge­ho­be­nen “Akva­vit” kann der Rei­sen­de pro­blem­los in einem deut­schen Dis­coun­ter kau­fen. Mit jeman­dem vor Ort gespro­chen, hat die Ver­fas­se­rin auch nicht. Der Rei­sen­de hat bis­her nur weni­ge Arti­kel über Aar­hus gele­sen oder im Rund­funk gehört, bei dem er das Gefühl hat­te, dass die Autoren dort gewe­sen sind. Und die Fotos stam­men von einer Wer­be­agen­tur. Nicht die lei­ses­te Kri­tik wird am Auf­tritt der Stadt geäu­ßert. Die Leser zah­len viel Geld für die­se Zeit­schrift. Anzei­gen wer­den von Unter­neh­men teu­er bezahlt. Wo ist hier die Gegen­leis­tung für die Leser?

Doch nach der Auf­re­gung nun end­lich zum Arti­kel der berühm­ten Zeitschrift: 

Ver­steckt auf der schrof­fen Halb­in­sel Jüt­land, sei Aar­hus nie die belieb­tes­te Tou­ris­ten-Desti­na­ti­on gewe­sen. Die meis­ten Besu­cher Däne­marks zögen lie­ber einen zusätz­li­chen Tag in Kopen­ha­gen einer drei­stün­di­gen Bahn­fahrt an der Ost­küs­te vor. Obwohl Aar­hus die Repu­ta­ti­on als „Stadt des Lächelns“ genie­ße, sei ein Lächeln nicht aus­schlag­ge­bend beim Buchen des Traum­trips. Trotz­dem sei die Stadt zur Euro­päi­schen Kul­tur­haupt­stadt ernannt wor­den. Und so begann die Stadt, sich her­aus­zu­put­zen fürs Jahr 2017 für die Prä­sen­ta­ti­on auf der hohen Stu­fe zwi­schen Euro­pas ande­ren gro­ßen Städ­ten. Heu­te habe Aar­hus die per­fek­te Mischung aus Klein­stadt-Charme und einer Atmo­sphä­re wie in Kopen­ha­gen. Natür­lich habe die Stadt nicht die­se Art zu lächeln ver­lo­ren. Nach die­sem Ein­stieg zeigt Vogue auf, wie ihre Leser einen per­fek­ten Tag in Aar­hus ver­brin­gen können.

Ein guter Tag 

Ein guter Tag in Däne­mark begin­ne immer, wenn es heißt, Vogue lädt zum Aar­hus-Tages­trip, mit Kaf­fee und einer Schei­be Brot oder Gebäck. Aber nicht unbe­dingt mit däni­schem Gebäck. Denn däni­sches Back­werk sei nicht urdä­nisch. Ursprüng­lich kom­me es auf Wien. Stadt­be­su­cher soll­ten es mit lie­ber einer „kanel­stang“ (Zimt­stan­ge) oder einer Schei­be fri­schen Sau­er­teig­brots ver­su­chen, bestri­chen mit wei­cher haus­ge­mach­ter But­ter. Rei­sen­de wür­den schnell ler­nen, dass Brot tief in der däni­schen Kul­tur ver­wur­zelt sei. Es gebe sogar däni­sche Sät­ze, in denen Brot als Meta­pher gebraucht wür­de. So hei­ße es zum Bei­spiel “spis lige brød til” oder „Iss etwas Brot“. So wer­de dazu auf­ge­for­dert, ruhig zu blei­ben. Gutes Brot und Gebäck sei in in vie­len Stadt­vier­teln zu fin­den. Aber die gemüt­li­che „Kaff­ebar“ und Rös­te­rei im Lati­ner-Vier­tel über­tref­fe sie alle. Dies drü­cke sich in vie­len Stamm­kun­den aus.

Zu einem Besuch Däne­marks gehö­re ein Rad, fährt die Autorin fort. Dies sei dop­pelt zu emp­feh­len, wenn es hart sei, die gan­ze Zeit dem Brot zu wider­ste­hen. Obwohl Aar­hus fuß­läu­fig sei, sei es prak­tisch, ein Rad von Cycling Aar­hus zu mie­ten. Oder sich ein kos­ten­lo­ses von Aar­hus City Bikes zu schnappen.

Doch etwas Kultur in der Vogue

Die Rad­tour durch Aar­hus kön­ne an der Water­kant begin­nen. Im Hafen sei­en die Con­tai­ner der gro­ßen Ree­de­rei Maersk zu sehen, die so gigan­tisch sei­en, dass sie an Lego-Bau­stei­ne erin­ner­ten. Von dort kom­me man zu einem neu­en Stück Archi­tek­tur, der öffent­li­chen Büche­rei und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zen­trum Dokk 1. Mit des­sen Design sehe die Büche­rei jeder ande­ren Stadt trau­rig wie ein altes Anti­qua­ri­at aus. Den Fluss über­schrei­tend, kom­me man ins Lati­ner-Vier­tel, den ältes­ten Stadt­teil. Des­sen enge Gas­sen und flach hän­gen­de, von Laden­fron­ten gesäum­te, Gebäu­de sei­en charakteristisch.

Sobald man genug Geld für ein klei­ne Haus aus­ge­ge­ben und genug Waf­feln geges­sen habe, um eine klei­ne Fami­lie zu ernäh­ren, sol­le man die Tour mit dem Genuss von Kul­tur fort­set­zen. Als Euro­päi­sche Kul­tur­haupt­stadt wim­me­le es in der Stadt vor inno­va­ti­ven und kul­tu­rel­len Ange­bo­ten. So bie­te sich ein Besuch des AroS-Muse­ums an oder Gam­le By. Gam­le By ist ein Muse­ums­dorf mit his­to­ri­schen jüt­län­di­schen Häu­sern, wie es dies auch in Det­mold oder in Kiel schon zu sehen ist.

Cocktails beim Aarhus-Städtetrip

Wer noch hung­rig sei, soll­te nicht ver­säu­men, eine däni­sche Mahl­zeit ein­zu­neh­men. Dänen hät­ten ein gewis­se Bril­lanz, wenn es ums Essen gehe. Aar­hus selbst brum­me nur so der exzel­len­ten Köche wegen. Emp­foh­len wird das Miche­lin-Restau­rant Gas­tro­mé. Dies sei modern skan­di­na­visch ein­ge­rich­tet mit wei­ßen Wän­den und mit Fel­len bestück­ten Holz­stüh­len. Dies sei das opti­ma­le Set­ting für ein nor­di­sches Menü, bela­den mit loka­len Gewür­zen, Gemü­se und Natur­wei­nen. Von hier aus sol­le es anschlie­ßend zur St. Paul-Apo­the­ke gehen, eine Cock­tail-Bar. Die­se neh­me das Zube­rei­ten von Cock­tails noch ernst.

Die Autorin emp­fiehlt dort „einen gräss­li­chen Cock­tail, der raucht und glüht“. Und jetzt kommt end­lich der Akva­vit im Text vor, wenn es auch nur ein Schuss ist: Es han­de­le sich um ein skan­di­na­vi­sches Alko­hol­ge­tränk, das aus Kar­tof­feln oder Getrei­de destil­liert wer­de. Dänen sei­en ein frucht­bar kul­ti­vier­ter Hau­fen. Und es sei wahr­schein­lich, dass die­se Bar nur bei einem lei­sen Brum­men die gan­ze Nacht brum­me. Man soll­te also nicht zu grob wer­den. Falls der Besu­cher dies doch tue, könn­te der Nach­bar her­über­schau­en. Und ihm ein sanf­tes Lächeln schen­ken. Daher hei­ße die Stadt schließ­lich „Stadt des Lächelns“.

Hat der Rei­sen­de mit sei­ner Kri­tik an die­sem Text über­trie­ben? Wer von euch bricht nun wirk­lich eupho­risch zu Däne­marks zweit­größ­ter Stadt auf? Unter “Vogue lädt zum Aar­hus-Tages­trip” hat sich der Rei­sen­de zuvor wahr­lich etwas mehr Niveau und weni­ger offen­sicht­li­che Wer­bung ver­spro­chen. So zum Bei­spiel über ein Tref­fen mit einem Mann, der die See­le die­ser Stadt bewah­ren will.

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Im Eisberg zuhause

Im Eis­berg zuhau­se: Der „Eis­berg“ mit elf teils spit­zen, teils fla­chen Gip­feln ist eine der exklu­sivs­ten Wohn­an­la­gen der Welt. Der­ar­tig gewag­te Archi­tek­tur für eine Anla­ge mit 208 Woh­nun­gen gibt es nur in Aar­hus, der euro­päi­schen Kul­tur­haupt­stadt des Jah­res 2017. Schnee­weiß steht „Isbjer­get“ an der Was­ser­kan­te der Aar­hus­bucht im neu­en Stadt­teil Aar­hus Ø. Geplant hat ihn ein däni­scher Archi­tekt mit dem spre­chen­den Namen Mik­kel Frost vom Archi­tek­ten­bü­ro Cebra. 2013 wur­de er erbaut.

Schaut man sich Frosts Arbei­ten in bis­her ver­öf­fent­lich­ten Kata­lo­gen an, fühlt man sich an Le Cor­bu­si­er erin­nert. Er skiz­ziert nicht nur mit Zei­chen­block und Filz­stift. Sei­ne Zeich­nun­gen kolo­riert er mit Pin­sel und Tusch­kas­ten. Steht der Betrach­ter drau­ßen vor dem Gebäu­de, strah­len die Wän­de umlie­gen­der Häu­ser in hel­lem Weiß. Frei hän­gen­de Bal­ko­ne aus blau gefärb­tem Glas vor blau­em Him­mel und wei­tem Meer ver­lei­hen den Gip­feln etwas Flie­ßen­des, Fra­gi­les. Fast schon am Hori­zont hin­ter den hohen Armen der Lade­krä­ne ankern rie­si­ge Con­tai­ner­schif­fe auf der Reede.

Lebt es sich gut im Eisberg?

In einer der Woh­nun­gen lebt der Jugend­li­che Ulrik. Ihn traf der Rei­sen­de bei einem sei­ner Streif­zü­ge durch den neu­en Stadt­teil. Dies war eine gute Gele­gen­heit, unab­hän­gig vom Archi­tek­ten zu erfah­ren, ob die Woh­nun­gen auch wirk­lich lebens­wert sind. Er bewohnt eines der Häu­ser mit Schwes­ter und Eltern. 20.000 Kro­nen kos­te die Woh­nung im Monat, erzählt Ulrik. Die­se bestehe aus drei gro­ßen und zwei klei­nen Zim­mern sowie einem Bal­kon. Von oben genie­ße er oft den schö­nen Son­nen­un­ter­gang über der Bucht. Zuvor habe er auf einer klei­nen Insel in Schott­land gelebt. Sein Vater sei dort als Inge­nieur für ein Wind­kraft­un­ter­neh­men ein­ge­setzt gewesen.

Der 16jährige Jugend­li­che nutzt ger­ne die nahe Umge­bung für sport­li­che Akti­vi­tä­ten. Heu­te fährt er mit einem BMX-Rad. Denn er träumt davon, in der Sport­art Pro­fi zu wer­den. Er fin­det hier mit­samt Freund Lucas eine per­fek­te Bahn zum Trai­nie­ren vor. Die­se wird abends sogar ange­strahlt. In einem You­tube-Video erzäh­len die bei­den Freun­de noch mehr, was es heißt “Im Eis­berg zuhau­se” zu sein. Klickt es ein­fach an.

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