Strand in Galicien mit Tetilla, Muscheln und Kalamaren
Schroffe Felsen an der Costa da morte
Straße der Ölsardinen mit Tetilla und Kalmaren: Wochenlang ist der Reisende schon unterwegs auf seiner Radtour durch Nordportugal und Galicien. Er hat sich in der Zeit durch verschiedene Restaurants gefuttert. Frisch vom Kutter kamen frisch gekochte Miesmuscheln im Hafen von Arousa. Die Qualitätskontrolle in einen Hafen schenkte ihm eine ganze Tüte davon. So käme er nie mehr auf die Idee, irgendwo anders als an der Küste Meeresfrüchte zu kaufen. Und wenn dann nur frisch vom Boot. Zuerst noch delikat, verlieren sie schon binnen einer Stunde deutlich an Aroma. Aber sie langten bis zum nächsten Tag und wurden auch nicht schlecht. Übel ist dem Reisenden auch nach einem Tag Transport ohne Eis nicht geworden.
In den Supermärkten entlang der Todesküste sah er aber ständig Konserven mit Meeresfrüchten. So reifte in ihm der Entschluss, nach dem Genuss der frischen Muscheln die eingelegten galicischen Produkte zu testen, ob diese einem Vergleich standhalten. Deshalb griff er nun auch zu Sardinen, Muscheln und Tintenfisch. Er stellte sie fein säuberlich auf einen Zaun am Strand. So fällt später auch leichter, sich später an die Produkte zu erinnern.
Der Tetilla-Käse ist der Form einer weiblichen Brust nachempfunden
Besonders interessiert ihn der Käse “tetilla”, nicht nur der Form wegen. Er ist der Form einer weiblichen Brust nachempfunden. Statt Fleisch vom Rind oder Schwein isst er generell lieber Käse, bevorzugt biologischen, da Tiere dann nicht leiden müssen. Oft kombiniert er gerne verschiedene Käse, um herauszufinden, ob die Aromen der jeweiligen Regionen durchschlagen. Kräuter von verschiedenen Weiden können den Käse stark beeinflussen. Im Radreiseführer “Serra da Estrela” und dem You-Tube-Film “Die Schafe sind die Bosse auf den Weiden” beschreibt er, wie Bio-Landwirte in Gouveia den aromatischen “Queixo da Serra da Estrela” produzieren.
Solche gastronomischen Angebote schmecken am besten an der frischen Luft. Und erst recht, wenn eine atemberaubende Landschaft hinzukommt, in der man als Radreisender mit Sicherheit gut unterwegs ist. Wie sicher Radler sich auf der Straße der Ölsardinen mit Tetilla und Kalmaren bewegen können, zeigt der folgende Bericht auf.
Finisterre: Himmel auf Erden? Namen von Orten wie Finisterre — also Ende der Welt — ziehen den Reisenden geradezu magisch an. Am Ende der Welt vermuteten die Menschen des Mittelalters die größte Nähe zu den Inseln der Seligen. In einer keltischen Sage wird erzählt, die Inseln lägen hinter dem Horizont des Atlantiks. Dort suchten die Pilger das Gespräch mit den Toten.
Außerdem hilft es, auf langen Strecken einige Ziele vor Augen zu haben und sie dann auch einzuhalten. Denn sonst fährt man nur durch Landschaft. Dies kann auf Dauer ermüdend sein. In der ersten Zeit seiner Radreisen beschränkten sich die Touren oft nur darauf, Landschaft wahrzunehmen die Wahrnehmung. Doch ab einem bestimmten Punkt ist zu erkennen, dass viele Landschaften einander ähneln. Das Spezifische, was Menschen von Region zu Region anders macht, kommt dabei nicht heraus. Und da wird es erst spannend. Auf dem Rad kommt man den Menschen auch ziemlich nah. Einladungen kommen leichter zustande, als wenn man nur im Auto hockt.
Landschaft prägt Menschen. Menschen prägen Landschaft: Das Klima, der Boden, die Lage an einer Küste, an einem Fluss, in den Bergen. Das formt. Menschen bauen dort Häuser, kochen regionaltypisches Essen, leiden unter Hitze oder erfreuen sich am milden Klima. Bei einer Urlaubsreise mit dem Rad entwickelt man ein gutes Gespür für die Landschaft. Wind und Wetter, Steigung und Gefälle sind unmittelbar zu fühlen. Vor allem am Po.
Doch wie ist es am Ende der Welt? Wie sieht es an der nächsten Ecke aus? Geht es dort weiter? Eine Sackgasse gibt es dort auf der Radreise durch Galicien nicht. Denn der Caminho de Santiago endet nicht dort. Der Reisende setzt von dort aus seinen individuellen Pilgerweg fort. Denn Santiago de Compostela hat er in diesem Jahr noch nicht erreicht. Von hier aus geht die Tour weiter in den Norden nach A Coruña. Er ist noch lange nicht erschöpft, obwohl viele harte Berge hinter ihm liegen.
Himmel auf Erden?
Selbst der enttäuschende Anblick der Kleinstadt Finisterre — auf Galizisch Fisterra — kann ihn nicht davon abhalten. Denn eine schöne Stadt ist sie nicht. Die Architektur liegt weiter unter dem, was sonst eine spanische Stadt zu bieten hat. Es ist vor allem ein touristischer Ort mit Übernachtungsmöglichkeiten. Zum Glück aber liegt der Ort malerisch am Strand. Und die Strecke entlang der Küste ist reizvoll. Es reihen sich viele schöne Aussichtspunkte aneinander. Und die Menschen sind sehr lebendig. Viele Festivals gab es im August und September von Porto über Barcelos und Pontevedra zu sehen.
Unbedingt zu empfehlen ist in Finisterre der Besuch des Leuchtturms. In einem Nebengebäude ist ein Hotel mit nur sieben Zimmern zu untergebracht. Der Reisende bekam gerade noch das letzte Zimmer, in dem an sich ein Auszubildender untergebracht ist. Glück gehabt, um den ganzen Abend hier vollauf zu genießen. Von oben schaut man auf Klippen im Meer und in die Ferne. Dann beginnt das Leuchtfeuer zu glimmen und dann seine Kreise zu ziehen.
Es gibt nicht viele Orte auf der Welt, wo es derart stimmungsvoll ist. Dazu zählen für den Reisenden der Leuchtturm Bjuröklub in Västerbotten und Eckwarderhörne am Übergang vom Jadebusen zur Nordsee. Aber Finisterre, Himmel auf Erden? Jeder Pilger muss das für sich selbst entscheiden.
Ab Monte do Castelo nach Porto do Son: Nix für Couch-Potatoes — steil und windig. Da war die gestrige Etappe ab Arousa deutlich bequemer. Aber es ist schön. Insgesamt ist der abwechslungsreiche Weg 33 Kilometer lang. Schöner als morgens an einem langen Sandstrand ohne großartige Bebauung kann man kaum nach dem Frühstück starten. Direkt hinter Xuño geht es den Berg herauf für Radler, die nicht nur flach am Strand entlang fahren, Autoverkehr meiden wollen. Ganz in der Nähe verläuft der 92 Kilometer lange Pilgerwerg “Camino Finisterre”.
Kaum oben mit klopfendem Herzen angekommen, hört der Radler: Ich bin nicht der einzige, der den beschwerlichen Weg erklommen hat. Hinter ihm hört er das Surren einer Gangschaltung. Ein anderer Mountainbiker setzt zum Überholen an. Aber nach einem kurzen Gespräch geht es zusammen weiter. Der Galicier führt den Reisenden einige Kilometer soweit, dass er möglichst auf einer Höhe bleiben, um die Bergluft zu genießen. Schafe laufen hier frei herum wie in Norwegen. Den norwegischen Witz, dass die weißen Steine im Tunnel keine Steine sind, hat er hier noch nicht gehört. Es gibt auch einige kleine Höfe entlang des Passes.
Fischerfest in Porto do Son schon vorbei
Am Nachmittag ist die Abfahrt nach Porto do Son erreicht. An Stelle der Sonne dominiert jetzt Nebel die Landschaft. Unten im Tal läuft eine Party. Musik schallt herauf. Oder ist es ein Workout? Denn die Musik erinnert an die Powerfitness des Hochschulsports Münster. Da es erst 18.47 Uhr ist, ist dies eher möglich. In Spanien geht das Nachtleben nämlich erst ab 22 Uhr los.
Die Musik entpuppt sich bei der Ankunft als Fischerfest in Porto do Son. Morgen isst der Reisende mit ihnen Sardinen. Doch als er am nächsten Tag vormittags am Hafen eintrifft, sieht er nur noch Gräten. Das Fest ist bereits beendet. Vielleicht haben andere Urlauber im September mehr Glück mit einem Fischerfest 2021. Leider geht es so schneller als gedacht weiter nach Ézora.
Galicische Feste sind nämlich lustig. Sein erstes sah der Reisende vor einigen Jahren in Santiago de Compostela. Dort versuchten sich in Trachten gekleidete Musiker aus verschiedenen Landesteilen im Dudelsackspielen gegenseitig zu übertrumpfen. Santiago ist ohnehin feierfreudig. Eine fröhliche Stadt! Vom Monte do Castelo nach Porto do Son — eine empfehlenswerte Route für den Urlaub in Galicien.
Wie gemalt: Abendstimmung in Arousa. Hier werden die berühmten Herzmuscheln und Miesmuscheln angebaut. Morgens um vier verlassen die Fischer den Hafen. Morgen besucht der Reisende Muschelfischer an der Ria de Arousa. Das ist das Ziel.
Unweigerlich muss er zuvor an die unsägliche Verschmutzung der Küste durch Öl denken, die immer wieder Galicien heimsucht. Im Jahre 2002 sank hier der unter der Flagge der Bahamas fahrende Öltanker “Prestige”. Er wollte im November 2002 Öl von Lettland nach Singapur bringen. Der Kurzsichtigkeit der spanischen Behörden ist das Desaster zu verdanken, dass die Existenz vieler Fischer ruinierte. Denn sie ließen den durch einen Sturm leckgeschlagenen Tanker nicht in einen Hafen fahren. Dort hätte das Öl abgepumpt werden können. So zerbrach das Schiff und sank in die Tiefe. 3600 Meter. Tausende von Seevögeln und Meerestieren starben der Ölpest wegen.
Wie geht es heute den Fischern?
Daher wollte der Reisende im Interview erfahren, wie es den Fischern heute geht. Unter der Verschmutzung leidet heute zum Glück niemand mehr, versicherten ihm Mitarbeiter der Qualitätskontrolle im Hafen. Sie wiegen und kochen die “Ernte” von den vor der Küste liegenden Muschelbänken. Anschließend probieren sie auch, wie sie schmecken. Die Qualität ist nicht immer gleich. Sie hängt stark von den Niederschlägen ab, die aus den Bergen über die Flüsse in die Buchten gelangen. Daher ist das Wasser in Nordspanien oft ziemlich kalt. So kalt, dass der Reisende es einfacher findet, kurz ins Polarmeer zu steigen als hier in den Atlantik. In Nordnorwegen ist der Temperaturunterschied zwischen Luft und Wasser nicht so groß wie hier. Aber je kälter das Wasser, desto besser fürs Wachstum der Muscheln.
Es war schön, zu beobachten, welches Feuer in den Augen der Fischer glimmt, sobald ihre Ernte auf der Waage landet. Je mehr Muskelfleisch vorhanden ist, desto besser für den Preis. Ist wenig Regen in den Vorwochen gefallen, fallen die Muscheln kleiner aus. Zum Abschied schenken die Mitarbeiter dem Reisenden einen Beutel mit frisch gekochten Miesmuscheln. Der reicht für zwei Tage. Und er fängt auch nicht an zu gammeln. In der Qualität sind weder Muscheln in der Dose noch in den Restaurants zu finden. Trotz mehrfach folgender Versuche entlang der Strecke bis nach Ribadeo.
Dann geht die Radreise durch Galicien weiter. Das berühmte Castro de Baroña wartet schon. Dies ist der nächste Höhepunkt nach dem Besuch der Muschelfischer an der Ria de Arousa.
Pilgerweg von Combarro nach Arousa: Auf das Ende der Welt — Finisterre — bewegt der Reisende sich jetzt zu auf der Pilgerreise. Da alle Wege nach Santiago de Compostela führen, radelt er seit einem Tag auf dem Küstenweg ab Pontevedra. Die Strecke ist leicht zu bewältigen. Nur beim Versuch, sie zu queren, ist mit etwas Wartezeit zu rechnen. Bisher gibt es viele Siedlungen. Weniger schön. Es gibt aber einen Seitenstreifen an der Fahrbahn.
Ganz so einsam ist es hier nicht zwischen Combarro, A Granxa und Arousa. Die Feriensaison an beliebten Plätzen an der Ria de Arousa oder an der Ria de Vigo endet erst Mitte September. Bis dahin muss der Pilger die Küstenstraße mit vielen Auto- und Motorradfahrern teilen. Es scheint wenigstens so, dass diese an Radfahrer gewöhnt sind. Schnell fahren die wenigsten. Denn viele Rennradfahrer sind an der Westküste Galiciens unterwegs.
Sanxenxo touristisch überfüllt
Ein Einwohner im überfüllten Touristenort Sanxenxo erzählte, es hätten sich im vergangenen Jahr zwei Unfälle ereignet. Daher führen viele Autofahrer jetzt vorsichtig. Sanxenxo ist wirklich abschreckend. Der Ort ist überbaut mit Hotels und Restaurants, ähnlich enttäuschend wie Juelsminde auf Jütland oder Le Trou du Diable in der Vendée. Da Massentourismus an diesen Orten abgefertigt wird, ist das Verkehrsaufkommen hoch. Die Straßen werden breiter, die Parkplätze größer, die Bebauung vermehrt. Also bitte Rückbau!
Ab Arousa wird es besser, wo es eine gute Pilgerherberge gibt. Pilgerin Alexandra wartet schon. Sie verbrachte einige Tage mit einer Freundin auf einem Festival in Vigo. Nahe bei Arousa steigt sie wieder in den portugiesischen Jakobsweg ein. Für sie ist Santiago mit gut 60 Kilometern nicht mehr weit. Aber erstmal besuchen die beiden Pilger morgen Muschelfischer im Hafen. Dann heißt es Abschied voneinander nehmen am Pilgerweg von Combarro nach Arousa.
Jenny Holzers zweite Steinbank im Skulpturenpark von Pontevedra
Ulrich Rückriems Stele
Jenny Holzers Steinbank im Skulpturenpark von Pontevedra
Kunst in Pontevedra und Münster vereint: Steinbänke mit Aphorismen finden sich in einem Skulpturenpark auf einer Halbinsel am Fluss Lérez. Zum Beispiel steht dort: “Emotionale Reaktionen sind genauso wertvoll wie intellektuelle”. Oder: “Du kannst nicht erwarten, dass das Volk etwas ist, was es nicht ist”.
Solche geistvollen Sprüche kennt der Reisende doch? Wer hat — im Nordwesten Spaniens — am Jakobsweg die Idee der amerikanischen Künstlerin Jenny Holzer “geklaut”? Ähnliche Bänke stehen im Schlosspark der Stadt Münster. Sie thematisieren, wie sinnlos Kriege sind. Dies zeigte sich nicht nur in Vietnam oder auf dem Balkan, sondern erweist sich auch wieder 2021 an Afghanistan. Die Bänke sind aber nicht plagiiert. Der Künstlerin aus Gallipolis in Ohio gelang es demnach, eine spanische Jury vom Wert ihrer Arbeit zu überzeugen. Vielleicht sah sich jemand davor ihre Werke in Münster an. Und dann beschloss man, solche Bänke zu erwerben, damit auch Galicier und ab heute auch Pilger etwas von ihnen haben.
Jenny Holzer und Ulrich Rückriem auch in Spanien vertreten
Zuvor stieß der Reisende auf eine hohe Granitstele. Sie erinnert an “Spardose” von 2017 in der Nähe des Train-Denkmals an der münsterischen Promenade. Wie die Bänke wurde auch diese anlässlich der Skulptur Projekte in Münster aufgestellt. Die Stele in Pontevedra stammt von Ulrich Rückriem aus Düsseldorf. Er produzierte auch “Dolomit zugeschnitten” an der Petrikirche in Münster. Auf dem Camino de Santiago entdeckt der Pilger also ein Stück Heimat. Europa wächst zusammen, nicht nur über die Jakobsmuschel.
Zu beeilen braucht sich niemand, um die Kunstwerke zu sehen. Diese stehen noch länger sowohl in Münster als auch in Pontevedra. Wer mehr über “Münster Stadt der Skulpturen” erfahren möchte, greift am besten nur zum gleichnamigen Buch. Dort lädt der Reisende zu Stadtwanderungen durch Münster zwischen 5 und 13 Kilometern ein. Dabei erfahren Besucher bisher Unentdecktes über Architektur und Kunst.
Kunst in Pontevedra und Münster vereint: Wer weiß, ob nicht bald Gemeinschaftsprojekte zwischen den Städten laufen. Zwischen Kassel und Athen auf der Documenta 14 ist es schon geschehen. Morgen führt die Pilgerreise nach Combarro, angeblich eines der schönsten Fischerdörfer Galiciens.
Rostige Skulptur des Künstlers Robert Schad vom Bodensee
Biennale in Cerveira, Nordportuga
Biennale in Cerveira und in Venedig
Ausstellungsraum in einer alten Festung
Eine Zeitung zu lesen, gehört zur Kultur des Landes.
Biennale in Cerveira und Venedig: Gibt es die Biennale nur in Venedig? Nein! Denn auch in der portugiesischen Kleinstadt Cerveira am schönen Río Minho gibt es eine: Bienal de Cerveira. Zwar zählt die zwischen Porto und Vigo liegende „vila“ nur wenige tausend Einwohner. Aber das heißt nicht, dass sie nicht zu bieten hat. Denn sie weist einerseits ein Museum auf, eine Art Galerie in der winzigen Altstadt. Andererseits existiert ein sehr großes Kulturforum mit Ausstellungssälen. Um zur Stadt zu gelangen, musste der Reisende etliche Hügel mit dem Rad überwinden. Den Caminho Português von Porto nach Santiago hat er für Kultur statt Natur kurz verlassen. Morgen will er auf dem hoffentlich angenehmen Flussradweg am Rio Minho nach Valença strampeln.
Oft stehen hinter Kulturangeboten ältere Herrschaften. Doch hier trifft man erfreulich viele junge Frauen und Männer aus Portugal und aus Spanien. Es kann also durchaus was wachsen! Hinter dem Evenemang steht natürlich eine Stiftung. Das Festival gibt es schon seit vielen Jahren. Dies wird sichtbar an vielen Kunstwerken in der Stadt und den am Fluss verteilten Skulpturen. Künstler aus acht Nationen nehmen daran teil.
Robert Schad, Picasso Deutschlands
Unter diesen befindet sich auch eine Skulptur des Künstlers Robert Schad aus Ravensburg. Schad ist es gelungen, unfassbar viele Eisenskulpturen über weite Teile Portugals zu verteilen. Als ihn der Reisende gegenüber Gesprächspartnern auf der Biennale als “Picasso Deutschlands” bezeichnet, nickt so mancher bestätigend. Sein Katalog wurde dem Reisenden gezeigt. Schad nimmt in diesem Jahr 2017 auch wieder an der Biennale teil.
Seine rostigen Werke erinnern an Eduardo Chillidas „Toleranz durch Dialog“ und an Richard Serras “Dialogue with Johann Conrad Schlaun”. Chillidas rostige Bank steht dauerausgestellt im Innenhof des Rathauses zu Münster. Die Bezeichnung betont Münsters Rolle beim Westfälischen Frieden aus. Es ist sinnvoller, mit Gegnern zu sprechen und zu verhandeln statt des Dialog abzubrechen. Serras Werk, ein rostroter Metallblock, soll die Hochachtung vor dem genialen barocken Baumeister Johann Conrad Schlaun und der großen Dichterin Annette von Droste- Hülshoff ausdrücken. Sie steht auf einer Allee des Rüschhauses vor den Toren Münsters, der Stadt der Skulpturen.
Schön ist der Spaziergang durch die alte Festung in Cerveira. Die Räume werden geschickt zur Präsentation ausgenutzt. Diese Skulptur mit den Händen erinnert den Reisenden an die „100 Arme der Guan-yin“ auf dem Marienplatz in Münster. Dieser hier fällt aber kleiner aus. Aber man kann auch nicht immer erwarten, etwas zu finden, das einen durch Innovation geradezu überwältigt. Biennale in Cerveira und in Venedig — ein Besuch der Ausstellung ist wärmestens zu empfehlen.
Steiniger Jakobsweg um Bandeira: So sieht der Caminho de Santiago von Porto nach Santiago öfter aus. Mit Gepäck muss der Reisende dann oft schieben. Er kennt aber immerhin fünf Freunde in Bonn und in Münster, die auch nicht aufgäben. Stephan, zwei Christians, Holger und Ulf.
Die Strecke heute ist deutlich die anstrengendste. Dabei ist er die letzten fünf Kilometer parallel zum Wanderweg auf der Landstraße geradelt. Darunter forderten ihn auch neun Prozent Steigung heraus. Der Pilgerweg selbst ist ab Bandeira nur für Mountainbiker ohne Gepäck zu bewältigen. Das Rad müsse streckenweise auf den Schultern getragen werden, munkelt man. Der Anfang der Strecke hat unter Regen so stark gelitten, dass ein Stück abgerutscht ist. Er ist jetzt gesperrt.
Das Erklimmen des Berggipfels gegen Ende des Trips war heftig. Jetzt ruht er im Bergdorf Rubiães. Dieses ist abends deutlich kühler als Ponte de Lima im Tal. Die Wirtin wollte ihn gleich dazu nötigen, mit einem Shuttle zu einem nahen Restaurant zu fahren. Es tut ihm schrecklich leid, dass ihr nun 10 % Provision entgehen. Und sie wollte nicht, dass er sein Rad direkt vor dem Zimmer abstellt. Dabei liegt es ebenerdig im Hof.
Es ist das erste und einzige Mal auf der gesamten Tour, dass dem Reisenden jemand so komisch kommt. Er setzte sich trotzdem gegen sie durch. Sicherheit fürs Rad geht vor. Er ist schließlich auf das Fahrzeug angewiesen. Am nächsten Morgen hat sie sich wieder beruhigt und serviert ein gutes Frühstück. Wer weiß, was die Frau am Vortag plagte.
Der Blick vom Balkon ist ganz okay. Oder? Steiniger Jakobsweg um Bandeira, die Mühe hat sich gelohnt. Ein Pilgerweg ohne Leiden wäre auch kein Pilgerweg.
Nicht alle Wege sind so leicht zu befahren wie dieser hier im Umfeld des Mirador de Santo André de Teixido.
Oder wie dieser Strandweg.
Achtung: Elf Kilometer mit Radfahrern!
In eine Dose Pferdesalbe passt ein Mountainbike-Schlauch.
Reparieren auf dem Caminho Português: Seine ersten kleinen Reparaturen hat der Reisende am Rad schon hinter sich. Dabei ist er erst seit fünf Tagen in Portugal. Zuerst verbog das Schaltwerk leicht auf dem Flug von Köln-Bonn nach Porto. Dabei ist das Mountainbike an sich gut geschützt. Denn es findet in einem Evoc-Radkoffer seinen Platz. Die Tasche ähnelt vom Material her einer großen Sporttasche und wird seitlich durch Rohre versteift. Die Laufräder kommen in zwei Seitenfächer innerhalb der Tasche.
Ein Radkoffer hat auch den Vorteil, dass sich in ihm Werkzeug und Bücher verstauen lassen. Der an vielen Fahrradtaschen so empfindliche Reißverschluss hat bisher alle Strapazen überstanden. Unter dem Koffer befinden sich auch zwei Rollen, damit sich das schwere Stück gut ziehen lässt. Anstrengend ist es trotzdem. Niemand kann dadurch erwarten, unbeschwert auf die Reise nach Nordportugal zu gehen.
Im Sperrgepäck zusätzliche Kilos unterbringen
Denn da als Sperrgepäck am Flughafen eingestuft, kann man in ihr alles verstauen, was über die Grenze von 20 oder 23 Kilo im großen Rucksack geht. Am Schalter lässt sich der Überschuss gut bei der Abfertigung verteilen. Viele Hotels sind so freundlich, den Koffer bis zur Rückkehr aufzubewahren. Noch nie kam etwas in Norwegen, Schweden, Spanien oder Portugal weg. Der Reisende konnte das Schaltwerk im Hotel mit der Hand wieder richten. Mit dem Schraubendreher stellte er es auch neu ein.
Offenbar gelang es so gut, dass der freundliche Inhaber von Onda Bike in Vila Nova de Gaia es für in Ordnung befand. Zur Sicherheit kaufte der Reisende ihm aber ein Schaltwerk ab. Dieses befindet sich seitdem stets als Ersatzteil im Gepäck. Es kostet und wiegt nicht so viel, gemessen an der Sicherheit. Bei einem Sturz kann das montierte im schlechtesten Fall sogar abbrechen.
Wichtigstes Werkzeug und Kleinteile nicht vergessen
Die ersten Etappen auf dem Caminho Português sind überwiegend flach und asphaltiert. Hin und wieder kommen aber auch steinige und steile Stücke. Ab Galicien wird das noch mehr. Der galicische Jakobsweg ist oft hügelig bis bergig. Dicke Steine können das Fortkommen erschweren. Ohne Schieben vergeht dort kaum ein Tag. Aber es sind oft nur wenig mehr als hundert Meter. Daher ist es erträglich.
Heute war es dann so weit. Da der Wanderpfad holprig war, verlor der Radler eine Schraube am Gepäckträger. Vor ihm wartete ein Chauffeur mit einem Kleinbus auf Wanderer. Nach einigen Minuten registrierte er den Radler auf dem Boden, bot seine Hilfe an. Leider konnte er ihm nicht helfen, da er keine Ersatzteile mit sich führte. Auch eine seiner vielen Wasserflaschen opferte er nicht auf, obwohl es sehr warm war.
Grober Umgang mit Gepäck am Flughafen
Zum Glück konnte der Reisende sie durch eine vom Flaschenhalter opfern. Das meiste Wasser bewahrt der Reisende ohnehin in einer Trinkblase auf dem Rücken auf. Denn so kann er während der Fahrt trinken und die Hände am Lenker behalten. Und er bleibt im Rhythmus. Die übrig gebliebene Schraube langt auch noch, um die Flasche zu halten. Am Rande von Ponte de Lima gab es zum Glück einen Baumarkt. Dort versorgte sich der Reisende mit zehn Schrauben für alle empfindlichen Stellen. Ein freundlicher Mitarbeiter half ihm, passende zu finden. Sie befinden sich von nun an in Filmdöschen an Bord, wo sie nicht viel Platz wegnehmen.
Denkt also bitte immer daran, passende Schrauben mitzunehmen. Die Kette wird seit zwei Jahren nur noch mit Bio-Kettenöl geschmiert, was gut funktioniert. Und der Umwelt hilft es. Es kommt immer mal wieder ein Test heraus, an dem man sich orientieren kann, welches Öl für gut befunden wurde. So wie dieser hier.
Reparieren auf dem Caminho Português
Galicier fahren mit Milch in den Schläuchen, berichtete ein Mechaniker in einem Rad-Geschäft bei Lalín. Das hat zwar den Vorteil, dass Platten vermieden werden. Gerade bei den zahlreich vorhandenen dornigen Strecken auf der Iberischen Halbinsel ist das cool. Aber mit der Zeit trocknet die Flüssigkeit. Als der Reisende in Bonn zurück, weiter damit fuhr, war die Luft nach einigen Wochen entwichen. Grund: Noch immer saßen Dornen im Mantel und im Schlauch. Auf einen Reserveschlauch sollte trotzdem niemand verzichten. Wer seine Muckis nach dem Besuch im Fitness-Studio mit Pferde-Balsam einreibt, kann die Dose für die Aufbewahrung des Schlauches weiterverwenden. Ein Mountainbike-Schlauch passt genau hinein. Dies schont nicht nur den Schlauch und spart Platz im Gepäck, sondern es schont auch noch die Umwelt. Denn die Dose landet für die nächsten Jahre erstmal nicht im Gelben Sack, sondern im Reisegepäck.
Schaltung vor dem Flug demontieren
Und zu empfehlen ist auch, die empfindliche Schaltung vor dem Flug zu demontieren. Auf dem Düsseldorfer Flughafen hat der Reisende schon beobachtet, wie grob einer der Männer mit dem Radkoffer umging. Er flog geradezu in den Gepäckraum. Als er den Mitarbeiter zur Rede stellte, guckte dieser nur doof. Dabei steht sogar die Bitte außen auf der Tasche, mit dem “dreambike” sorgfältig umzugehen. Sonst bleibt es nicht nur beim unaufwendigeren Reparieren auf dem Caminho Português. Aber ab jetzt geht es auf jeden Fall aufregend weiter.
Einige Hühner stehen auch auf dem Campo da República in Barcelos.
Der Hahn ist portugiesisches Nationalsymbol.
Alte Römerbrücke erscheint schon bald hinter Barcelos auf dem Jakobsweg nach Ponte de Lima.
Blick von der Promenade in Ponte de Lima auf den Fluss
Von Barcelos nach Ponte de Lima: In Barcelos, eine Kleinstadt, die ihr Theater nach dem berühmten Renaissancedichter Gil Vicente benannt hat, dem Shakespeare Portugals, lernt der Reisende: Es kann besser sein, Hühner immer pfleglich zu behandeln: also besser bei Biomitteln statt Fipronil bleiben. Auch die Römer wussten schon, wie wertvoll ihre Gänsen waren, um die Stadt zu schützen. Ihr Schnattern warnte die Bewohner vor anrückenden Feinden.
Ein in Barcelos zum Tode Verurteilter erbat einen letzten Wunsch. Er möge verschont bleiben, wenn ein Hahn krähe. Als der Bauer schon zum Galgen gebracht wurde, wollte der Richter einen Hahn verzehren. Dieser aber sprang vom Teller und krähte. Der Richter rannte zum Galgen. Aber der Strick hatte sich schon gelöst. Und der Bauer durfte gehen. Bis heute hält Barcelos die Hühner in Ehren. Die längere Version der Legende findest Du hier.
Hahn ist portugiesisches Nationalsymbol
Beim Rundgang durch die schön an einem Fluss liegende Stadt ist das deutlich zu erkennen: Auf vielen Plätzen stehen kunstvoll bemalte Hühner. Die meisten befinden sich im Zentrum auf dem Campo da República vor der großen Kirche Igreja Matriz. Dies erinnert den Reisenden an Dalarna, wo die berühmten schwedischen Pferdchen geschnitzt werden. Dort waren sie für Arbeiten im Wald wichtig. Deshalb hält man bis heute als Skulpturen in Ehren und verschenkt sie. Wie in Schweden das Pferd, ist der Hahn von Barcelos ein portugiesisches Nationalsymbol. Deshalb sind in Hotels und Privathäusern in Portugal nicht nur Figuren aus Holz, sondern auch aus Keramik zu sehen. Genauso so wichtig wie christliche Kreuze und Heiligenbildchen. Der Reisende hörte einen Hahn schon ab dem frühen Morgen mehrfach in einem der Nachbargärten am Hotel krähen. Vielleicht ist das ein gutes Omen auf dem Pilgerweg von Porto nach Santiago de Compostela.
Wie auch die überraschend auftauchende schöne römische Brücke über einen Fluss, der so nicht am Fortkommen hindert. Wer hätte das gedacht bei all den fürchterlichen Bränden, die das Fernsehen immer wieder zeigt. Aber in und um Porto kommt oft frischer Wind vom Meer, obwohl der Weg übers Binnenland führt. Heiß, wasserlos und verbrannt ist es hier nicht überall.
Alexandra pilgert durch die Hitze
Gleich hinter der Stadt sieht der Reisende die Pilgerin Alexandra aus Heidelberg. Sie sitzt auf einem Stein in der Hitze und telefoniert. Da er im Vergleich zu den Pilgern einen größeren Aktionsradius mit dem Rad hat, kann er in der Umgebung viel mehr besichtigen. Einige Kilometer vor Ponte de Lima trifft er sie daher nachmittags wieder. Beide freunden sich schnell an und baden etwas später im Fluss Lima. Dort gibt es verschiedene Badeplätze. Das Wasser ist angenehm kühl. In der Ferne sind schemenhaft Bergrücken zu sehen.
Während sie danach in die Pilgerherberge geht, quartiert er sich in ein an einer Promenade liegendes Hotel ein. Daneben gibt es ein gutes Restaurant, wo sich Alexandra später einfindet. Beide nehmen sich für den nächsten Tag eine Stadtbesichtigung vor.
Mit 32 Kilometern reiner Pilgerstrecke, hinzu kommen noch kleinere Umwege, geht das Pilgern von Barcelos nach Ponte de Lima zwar nicht mit großen Schritten voran. Aber wie heißt es so schön mit Alexandras Worten: “Der Weg ist das Ziel”. Es gibt eben viel schon auf der Reise durch Nordportugal zu durchstreifen und zu erleben. Dazu gehören natürlich auch Reparaturen am Rad als lästige Beschäftigung.