Es ist aufregend, wen ich auf der Strecke kennenlerne. Einsam ist es nie. Dazu wandern zu viele auf dem portugiesischen Jakobsweg von Porto nach Santiago de Compostela. Die Strecke ist 235 Kilometer lang. Jedem steht es frei, sich zu entscheiden, ob man alleine wandern will oder zu mehreren. Manchmal ist es schön, die Landschaft still für sich zu genießen, denn wer viel beim Wandern redet, kann auch viel übersehen.

Die Mehrheit stellen in diesen Tagen Deutsche und Spanier. Am Wochenende gesellten sich Portugiesen dazu. Aber auch Asiaten wie eine Usbekin, die ich in Gemeinschaft am Mittagstisch mit zwei Dänen und einer Deutschen traf. Sie sprach fließend Deutsch, so dass ich aufgrund des Akzents dachte, dass sie in Süddeutschland aufgewachsen wäre.

Als ich am Vorabend einen Schlafplatz suchte, stieß ich auf zwei Französinnen, die vor dem Gemeinschaftshaus eines Hostals aßen. Eine gute Gelegenheit, mal wieder Französisch zu sprechen, was nach Tagen auf Spanisch, Englisch und etwas Portugiesisch anstrengend war. Aber immer noch natürlicher als jeder Konversationskurs an der Volkshochschule. Die beiden Damen arrangierten einen Zeltplatz auf dem Gelände für mich. Wahrscheinlich war ich der erste Camper hier, da eigentlich nur Zimmer vermietet wurden. Eine Dusche allerdings boten sie mir nicht in ihrer Hütte an; da sind Norweger, Schweden, Dänen und Portugiesen gastfreundlicher. Ich nahm den Gartenschlauch stattdessen. Anschließend luden mich Irineo und seine Frau – aus Sintra – zum frisch gegrillten Steak mit Chips, Salat und Bier ein. Sie gingen davon aus, dass ich hungrig sein musste. Dabei war ich nur 21 Kilometer auf einem zum Teil allerdings holprigen Weg gefahren. Dankbar schlief ich im Zelt unter klarem Sternenhimmel mit Grillenzirpen ein.

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