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Camping in europäischen Metropolen

Immer wieder fragen Camper in den sozialen Medien nach guten Plätzen in Spanien, Schweden, Frankreich und so fort. Der “Kurier” in Wien hat jetzt das Bedürfnis vieler Leser aufgegriffen und empfiehlt Campingplätze in verschiedenen europäischen Metropolen. Ihnen gemeinsam ist eine akzeptable Entfernung zur jeweiligen Innenstadt und eine gute Anbindung an den ÖPNV.

Die Liste für Deine nächsten Trips findest Du hier:

Campingplätze europäischer Metropolen

Karpfenschuppen als Glücksbringer

Ein Abend im Lendviertel in Graz

Nach einem Tag Rundgang bietet es sich an, den Abend im Lendviertel zu verbringen, das nah an der Murinsel liegt. Besucher können sich leicht einem Rundgang anschließen, den die jungen Kreativen hier gelegentlich anbieten. Dabei handelt es sich um eine Umgestaltung des ehemaligen Rotlichtviertels. Doch von Reeperbahnatmosphäre ist nur wenig zu sehen. Hier verkauft Iris Kastner in ihrem Geschäft „kwirl“ Designgegenstände, Geschenke und Souvenirs. 2008 hat sie ihr Geschäft gegründet. Gerade versilbern sie und eine Mitarbeiterin in der Werkstatt Karpfenschuppen, die sie am nächsten Morgen an einem Aktionsstand als Glücksbringer verkaufen wollen. „Dies ist ein osteuropäischer Brauch. Es ist für uns ein kleiner Anfang, eigene Produkte herzustellen und zu verkaufen“, erklärt sie. Werde die Schuppe in ein Portemonnaie gelegt, gehe dem Besitzer nie das Geld aus. Doch nicht nur sie stellt eigenes her, sondern auch andere Designer können bei ihr Produkte verkaufen.

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Endlich gibt es auch den im Magazin abgebildeten Friseursalon „Die Haarschneiderei“ zu sehen, bei dem erstmals Zweifel am Konzept der Bewerbung aufkamen, weil Friseurhandwerk im engeren Sinne kein Design ist. Kultstatus hatte bislang nur der Brite Vidal Sassoon. Dessen Frisuren der Jahre 1964 bis 1966 schrieben ein Stück Gestaltungsgeschichte, womit erstmals und wohl bislang das einzige Mal, ein Friseur nicht allein der Star seines Faches, sondern kurzfristig auch ernstzunehmender Protagonist der gestalterisch-künstlerischen Avantgarde wurde. Friseure hatten es von alters her schwer, ernst genommen zu werden. Und wenn sich die TV-Prominenz mit einem Besuch bei Udo Walz schmückt, der einen Salon auf dem Traumschiff hat, steht Frisieren im Mittelpunkt sowie die Verwöhnung einer liquiden, aber kaum neuerungswilligen Kundschaft. Der Salon erinnert an die 50er Jahre, eingerichtet mit alten Fotoporträts an den Wänden, einer alten Tischlampe und einer Pinnwand, auf der zu einer Collage angeordnete Seiten aus alten Modemagazinen fixiert sind. Inhaber Jakob Esslinger ist selbst ein Kunstwerk, seine Arme sind tätowiert. Auf www.diehaarsschneiderei.com kann sich jeder selbst einen Eindruck von diesem Sammelsurium machen und Bilder anschauen. Als Kontrast dazu stechen auf dem Lendplatz elegant gestaltete Holzbänke neben einem schönen Brunnen ins Auge, mal nicht die Lattenholzbänke, die sonst auf der ganzen Welt zu sehen sind. „Ältere Menschen freuen sich über das warme Holz“, berichtet Sabine Prammer.

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Nach der Führung durchs Stadtviertel treffen sich die Kreativen aus allen Bereichen mit anderen Bewohnern und rösten auf einem Gehweg sechs Kilo Maronen, die sie selbst gesammelt haben. Am Feuer werden die Ereignisse des Tages besprochen. Währenddessen laufen Ausschnitte von Live-Konzerten auf einer Leinwand. Mit der Zeit kommen weitere junge Menschen hinzu wie ein Architekt, der gerade erst nach dem Studium in Wien in sein Heimatviertel zurückgekehrt ist. Hier wird also zwischen Privatem und Öffentlichem vermittelt. Die Menschen treten aus ihrer Privatheit heraus. Sie netzwerken nicht nur über Chaträume, sondern auch in einem öffentlich zugänglichen Raum, dem Lendviertel.

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Der oftmals erfolgende Rückgriff auf vergangene Stilepochen, Moden, Lebensformen kann Ausdruck eines Wunsches sein, vergangene glücklichere Zeiten wiederzuerwecken, zurückzuholen. Das Nostalgische kann eine Flucht aus der bedrückenden Gegenwart sein, eine Erscheinung in Epochen großer Umwälzungen. Das Zurückträumen kann zum einen das Aushalten der Gegenwart erträglicher machen, zum anderen auch das Ungenügen an ihr wachhalten. Es kann zum Erhalten befähigen, aber auch zum Verändern motivieren. „Pensionopolis“ existiert nicht mehr. Auf dem Grundriss von „Pensionopolis“ ist eine lebendige, von vielfältigen Schichten und Strömungen beherrschte moderne Stadt entstanden. Dies wird in jedem Viertel auf seine Weise sichtbar.


Ende der Serie

Tipps: Schlafen und Shoppen in Graz

Friseursalon im Lendviertel

Kaschmir und Seide

Lena Hoschek betont die Weiblichkeit

Kleidung im Stil der 50er Jahre nimmt den größten Teil ihrer Arbeit ein. Ihre persönlichen Stilvorbilder sind Ikonen wie Sophia Loren und Dita von Teese. Viele glänzende Materialien verwendet sie, schaut man sich den Film von der regelmäßig im Januar stattfindenden Berliner Fashion Week an. Kunstseide und Nylon waren zwar vor sechzig Jahren neu, pflegeleicht und schick, Lena Hoschek setzt aber zu 99 Prozent auf Naturfasern wie Kaschmir und Seide. Sie betont besonders die Taille mit breiten Gürteln und raffinierten Schnitten. Dies widerspricht dem Vorurteil einiger Kritiker, dass sie oft nur Kleider für füllige Damen entwerfe. Sie kreiere auch Kleider in den Größen 36 und 38, entgegnet Hoschek diesen. Einige Kleider tragen Namen, die jeder aus Filmen über historische Persönlichkeiten kennt wie Alexander, Rasputin und Lawrence. Die Kreationen kosten zwischen 350 und 800 Euro, aber sie sind eben nicht von der Stange. Produziert wird die Ware in Osteuropa. Dort seien die Löhne niedriger, aber es sei auch leichter, mit den Produzenten von Wien und Graz den direkten Kontakt zu halten, sagt Hoschek.

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Das Geschäft Lena Hoscheks liegt nahe eines Parks.

Früher war es ein Thema, dass man eine Frau war und einen Job machte. Heute kaufen berufstätige Frauen diese Kleidung. Es ist Kleidung aus einer Zeit, in der Männer dafür zuständig waren, Wohlstand zu schaffen, den ihre Frauen auf diese Weise zur Schau stellten. In Europa und in den USA blühte die Wirtschaft auf, aber Frauen wurde erneut die häusliche und die repräsentative Sphäre zugewiesen. In den 1950er Jahren sollte die Frau wieder ganz in ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter aufgehen. Berufstätigkeit für Frauen war nicht überall üblich. Hoschek setzt auch einen Kontrapunkt gegen Massenprodukte, indem sie edel aussehende Dirndls kreiert. Sie betont auch hier die Weiblichkeit, zwingt in einer schnelllebigen Zeit zu gemessenen Bewegungen durch guten und langen Stoff, ein Widerstand des Bäuerlichen gegen das Großstädtische. Frau ist bei Festlichkeiten immer sittsam angezogen, gerade in traditionellen Ländern wie Österreich.

Nun bleiben noch einige Minuten für Fotos. Natürlich posiert Lena Hoschek stolz. Als eine der besten Designerinnen der Welt sieht sie sich aber nicht; den internationalen Durchbruch wie der Österreicher Helmut Lang, der in den 1990er Jahren dem strengen Purismus durch minimale Effekte etwas Besonderes gab, hat sie noch nicht geschafft.

Fortsetzung folgt.

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Lena Hoschek