Nach 500 Kilometern Radeln erste Stadt

Nach 500 Kilo­me­tern Radeln ers­te Stadt: Mehr als 500 Kilo­me­ter lie­gen jetzt hin­ter dem Rei­sen­den, seit­dem er Por­to ver­las­sen hat. Heu­te Nach­mit­tag ist er in Zamo­ra ein­ge­trof­fen — in Casti­lia y León also. Sie ist eine sei­ner Lieb­lings­städ­te auf sei­ner Rund­rei­se auf der Ibe­ri­schen Halb­in­sel. Von nun an geht es auf der Via de la Pla­ta in Rich­tung Sevilla. 

Shop­ping — ein längst nicht mehr bekann­tes Erleb­nis. Coim­bra und Por­to waren auf nun 2200 Kilo­me­tern ab Faro die ein­zi­gen wirk­li­chen Städ­te. Zehn Wochen hat der Rei­sen­de fast nur auf dem Land, in Klein­städ­ten und Dör­fern ver­bracht. Por­to und Zamo­ra ver­bin­det der Rio Dou­ro. Die­ser ent­springt in der Gegend von Soria.

Mode, Par­füm, Mobil­funk — welch ein Kon­trast zu den Unmen­gen an Bar­bie­ren und Fri­seu­ren, Bars und Cafés in den Klein­städ­ten in Por­tu­gal. Heu­te hät­te der Rei­sen­de mal Zeit für einen Besuch beim Fri­seur gehabt. Aber er fand in der Alt­stadt nur ein Nagel­stu­dio. Das wäre viel­leicht auch mal ange­bracht, nach­dem der Rad­ler ges­tern fünf Löcher eines Schlau­ches ver­sie­gelt hat­te. Die Sta­cheln einer Pflan­ze hat­ten sich hin­ein­ge­bohrt. Öl ist noch immer auf der Haut zu sehen. Zwei Nägel bra­chen etwas ab, not­dürf­tig mit dem Taschen­mes­ser in Form gebracht. Aber es fand sich ein­fach kein Friseur.

Einkaufen ist nach 500 Kilometern Radeln mal wieder ein Erlebnis

Und was kauf­te der Rei­sen­de in der rie­si­gen Stadt? Größ­te Inves­ti­ti­on war bis­her in Por­to ein neu­er Hin­ter­rei­fen. Sta­cheln hält der aller­dings nicht stand. Heu­te folg­te eine … Han­dy­hül­le. Eine rote wähl­te die Ver­käu­fe­rin für ihn aus. Die­se hielt nur weni­ge Wochen, wie auch eine spä­te­re in einem indi­schen Laden an der Algar­ve. Fin­ger davon: Daher soll­te man sich bes­ser eine neue vor einer Rei­se im eige­nen Land kau­fen. Die meis­ten Läden mit Smart­phone-Asses­soires ver­kau­fen nur Bil­lig­wa­re. Sie frag­te dann auch noch nach dem Smart­phone-Modell. Völ­li­ge Über­for­de­rung beim Ver­kaufs­ge­spräch. Nach neun Wochen Unter­hal­tung auf Por­tu­gie­sisch folgt nun eine auf Spa­nisch. Dank ihrer freund­li­chen Anlei­tung fand der Rei­sen­de dann noch her­aus, wel­ches Modell er seit acht Jah­ren sein eigen nennt. Ver­bun­den mit einem Rabatt hät­te er noch Ohr­hö­rer dazu­kau­fen kön­nen. Er emp­fahl ihr aber statt­des­sen sei­ne eige­nen. Nach etwas Nach­den­ken fand sie es wit­zig, dass der Kun­de das Gespräch dre­hen wollte.

In der Menge treiben lassen

Dann ließ er sich wie­der drau­ßen mit der Men­ge trei­ben. Men­ge ist gut gesagt, ange­sichts der viel­leicht 100 Leu­te auf der Ein­kaufs­stra­ße. Aber ver­gli­chen mit den ein­zel­nen Pas­san­ten, die er in den Vor­wo­chen gese­hen hat­te, ist das viel. In Cafés und Bars saß er meis­tens nur mit drei oder vier Leu­ten zusam­men im Raum. In Covid-Zei­ten ist das aber auch nicht ganz verkehrt.

Zamo­ra ähnelt einem Stadt­teil Madrids. Vorm Hotel liegt die Sevil­la-Bar. Vor die­ser spie­len ein Gitar­rist und ein Sän­ger spa­ni­sche Klas­si­ker. Eine per­fek­te Ein­stim­mung auf die bevor­ste­hen­de Rad­rei­se Rich­tung Sevil­la auf dem Jakobs­weg. Vorm Hotel liegt auch eine Tapas­bar. Zum Zen­trum gehö­ren Muse­en und ein Thea­ter. Und es gibt eine schö­ne Burg, hoch über der beein­dru­cken­den Land­schaft. Von ihr wirft der Rei­sen­de einen weh­mü­ti­gen Blick zurück auf die zurück­lie­gen­den Wochen am Rio Dou­ro. Das ist pures Bike-Pack­ing. Und nach 500 Kilo­me­tern Radeln war sogar das unge­lieb­te Ein­kau­fen in der ers­ten Stadt ein Erlebnis.

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Reisen auf den Spuren Don Quijotes

Burg in Pue­bla de Sanabria

In sei­nem Leben hat der Rei­sen­de wahr­schein­lich schon eini­ge Bur­gen gese­hen, die in Miguel de Cer­van­tes Roman „Don Qui­jo­te“ vor­kom­men. Er sah eine von ihnen sogar zufäl­lig schon zwei­mal, war über­rascht, als ich sie vor eini­gen Mona­ten beim Radeln auf einem Hügel inmit­ten einer fla­chen Ebe­ne wie­der­erkann­te. Unter­halb des Hügels fließt ein Fluss, mit dem man wahr­schein­lich die alte Stadt schütz­te. Auf einer lan­gen Schlei­fe muss­te er zur Burg her­auf­fah­ren, was ihn eini­ge Mil­li­li­ter Schweiß kos­te­te. Er erin­ner­te sich ange­sichts eines Gelän­ders und eini­ger Bän­ke an der Flan­ke des Hügels dar­an, sich hier schon ein­mal her­auf­ge­schraubt zu haben.

Blick in die weite Landschaft

Hier war er bereits vor eini­gen Jah­ren mit sei­nem dama­li­gen Kum­pel Dom­in­go aus Mála­ga auf der Via de la pla­ta unter­wegs. Der von Süden von her­auf­kom­men­de Teil des Jakobs­we­ges führt von Sevil­la nach Sant­ia­go de Com­pos­te­la. Die Burg selbst befin­det sich in Pue­bla da San­ab­ria in der Nähe von Zamo­ra – eine rich­ti­ge Rit­ter­burg mit Zin­nen auf fes­ten Tür­men. Sie schaut nach Astu­ri­a­nos und Zamo­ra. Dane­ben sieht man links und rechts Tei­le der Stadt­mau­er, direkt dane­ben eine Kir­che. Vor der Burg gibt es einen Platz mit zwei offen­bar unbe­wohn­ten Häu­sern. Von hier oben kann man weit in die Land­schaft schau­en. Damals konn­te man also sehr leicht Bewe­gun­gen feind­li­cher Trup­pen wahr­neh­men. Links erhe­ben die Ber­ge von der Land­schaft bei Ouren­se. Die­se lagen aber schon hin­ter dem Bike­pa­cker, immer zwi­schen 900 und 1300 Metern Höhe pendelnd. 

Ihm kam ein Wan­de­rer aus Fran­ken ent­ge­gen, den er zuvor schon auf dem Jakobs­weg getrof­fen hat­te. Er frag­te ihn, ob es sich loh­ne, die drei Euro in einen Besuch zu inves­tie­ren. Aber er mein­te, außer Stei­nen gäbe es nichts zu sehen. Dann fand der Rei­sen­de eine Infor­ma­ti­on, die sag­te, dass Cer­van­tes die­se Burg mög­li­cher­wei­se gekannt habe. Denn in sei­nem Roman zie­hen Don Qui­jo­te und Sancho Pan­sa durch San­ab­ria. Heu­te zieht es eher Wan­de­rer in die nahen Ber­ge, die durch ihre Höhe und Ein­sam­keit bestechen.

Gemeinden kreierten Route für Reisen auf den Spuren Don Quijotes

Ob er in sei­nem Leben noch mehr Stät­ten aus dem Qui­jo­te-Roman gese­hen habe, weiß der Rad­wan­de­rer nicht. Wohl eher zufäl­lig. Wenn Du eini­ge sehen willst: Weit ent­fernt in Kas­ti­li­en-La Man­cha haben sich jetzt Gemein­den nahe Tole­do zusam­men­ge­schlos­sen. Sie kre­ierten eine tou­ris­ti­sche Rou­te auf den Spu­ren des Qui­jo­te, schreibt die spa­ni­sche Zei­tung „El Mun­do“. Du kannst dort den Tauf­schein Cer­van­tes in der Kir­che San­ta Maria la Mayor in Alcá­zar de San Juan anschau­en. Ob er es aber wirk­lich ist, ist nicht gesi­chert. Im Ort kannst Du auch das Muse­um Form­ma besu­chen, wo sich die Töp­fe­rei­kunst der Regi­on präsentiert.

Ein­be­zo­gen ist auch die Höh­le von Medra­no, in der de Cer­van­tes gefan­gen gehal­ten wur­de. Dort soll er die ers­ten Kapi­tel des Romans geschrie­ben haben. Dar­über hin­aus kannst Du das Hin­ter­zim­mer der Aka­de­mi­ker von Arga­mas­il­la, das Schloss von Peñar­roya und die Kir­che von San Juan Bau­tis­ta sehen. Ein attrak­ti­ves Ziel soll auch der Natur­park der Lagu­nas de Rui­de­ra sein, eines der gro­ßen spa­ni­schen Feuchtgebiete.

Windmühlen in Campo de Criptana

In Cam­po de Cript­a­na ste­hen Wind­müh­len, die Miguel de Cer­van­tes inspi­rier­ten. Dort kämpf­te Don Qui­jo­te gegen Rie­sen. Das dort lie­gen­de Gebir­ge und das Vier­tel von Albaicín sei­en der Zenit des cer­van­ti­ni­schen Welt­li­te­ra­tur, schreibt El Mun­do. Es exis­tie­re kein bes­se­rer Ort, um die Pracht der Man­cha erfas­sen. Am jedem ers­ten Sonn­tag eines Monats kann man sich am Mah­len die­ser Müh­len erfreu­en, die noch gut erhal­ten sein sol­len und sogar damals ver­wen­de­te Maschi­nen in sich bergen.

Abschlie­ßend kannst Du Dich nach El Tobo­so bege­ben, wo es vor allem um Dul­ci­nea geht. Es gebe dort, so schreibt El Mun­do, das Muse­um „Casa de Dul­ci­nea“ sowie typi­sche Häu­ser der Ade­li­gen und der rei­chen Land­wir­te der Man­cha aus dem 16. Jahr­hun­dert. Viel Spaß auf einer Dei­ner nächs­ten Reisen.

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Wilde Katze im Naturpark

Wil­de Kat­ze im Natur­park: Die­se jun­ge Dame besuch­te den Rei­sen­den gleich nach sei­ner Ankunft in Vil­la­ri­no de los Aires, einer Klein­stadt in der Nähe des Rio Due­ro. Der Park Arri­bes del Due­ro bie­tet sich sehr schön zum Radeln an, sobald man die male­ri­sche Stadt Zamo­ra in Kas­ti­li­en ver­las­sen hat. Es ist ein­fach, da man nur dem Due­ro fol­gen zu braucht, der zeit­wei­se Spa­ni­en von Por­tu­gal trennt. 

Im Zim­mer war die Kat­ze etwas ner­vig. Aber sie war eben auch noch so jung, dass sie sein Herz erweich­te. Da ahn­te der Rei­sen­de noch nicht, dass sie sich zu einer wil­den Kat­ze im Natio­nal­park Par­que Arri­bes del Due­ro ent­wi­ckeln würde.

Der Rad­ler pack­te gera­de sei­ne Fahr­rad­ta­schen in sei­nem Zim­mer aus. Da kam sie schon ange­schli­chen und hüpf­te auf sein Bett. Alles, aber auch alles, woll­te sie unter­su­chen. So steck­te sie ihr Näs­chen in alle sei­ne Taschen. Wahr­schein­lich roch sie den Pro­vi­ant wie zum Bei­spiel die lecke­re Cho­ri­zo, eine spa­ni­sche Wurstspezialität.

Wilde Katze im Naturpark verdient sich Platz in diesem Blog

Die Kat­ze war erst drei Mona­te alt. Aber dafür war sie manch­mal ganz schön frech. Sie ver­barg sich unter einer Tisch­de­cke. Von dort aus schlug sie den Rad­ler, wäh­rend er auf der Dach­ter­ras­se in der Mor­gen­son­ne sei­ne Aben­teu­er am Rio Due­ro auf­zu­schrei­ben ver­such­te. Erst nach­dem er sie in ihrem Körb­chen ein­ge­sperrt hat­te, beru­hig­te sie sich. Aber sie war auch etwas erschro­cken über solch eine Maß­nah­me. Nach­dem der Rei­sen­de ihr bra­ves Ver­hal­ten abver­langt hat­te, ließ er sie wie­der frei. Und sie hielt sich an die Abma­chung. Daher hat die einst böse Kat­ze im Par­que Arri­bes del Due­ro nun auch einen Platz in die­sem Blog ver­dient. Sie ver­ewigt sich hier als bis­her in Form eines bis­her noch nie im Blog gebrach­ten Katzenbildes. 

Dem gesellt sich bald noch das Por­trät eines Hun­des im Natur­park Ser­ra da Est­re­la im Cen­tro de Por­tu­gal dazu. Denn es zieht den Rei­sen­den in den Distrikt Guar­da. Dort liegt die Haupt­stadt der Bei­ra Alta in der Nähe des Rio Dou­ro am Ran­de des gro­ßen Natur­parks. Und der höchs­te Berg Kontinental-Portugals.

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Troll versteinert wie im Hobbit

Troll ver­stei­nert wie im Hob­bit: Na, wer traut sich, nach dem Rei­sen­den hier durch­zu­ra­deln? Ach, was heißt radeln? Gescho­ben hat der Bike­pa­cker auch zwei bis drei Kilo­me­ter, zum Glück abwärts auf dem Sen­de­ro GR-14. Er ist wun­der­schön. Aber er ist schmal, führt eini­ge hun­dert Meter tief zu einem Fluss. Glück­lich ist der Wan­de­rer bei der Wär­me end­lich auf eine Land­stra­ße zu sto­ßen. Die­se bringt ihn ange­nehm wie­der auf lich­te Höhen. Der Sen­de­ro beginnt an der Due­ro-Quel­le in Spa­ni­en und endet an der Mün­dung in Portugal. 

Wäh­rend des Auf­stiegs lässt der Rei­sen­de natür­lich neu­gie­rig sei­nen Blick über die Umge­bung schwei­fen. Nicht immer fin­det er Inter­es­san­tes. Doch heu­te stößt er auf einen ver­stei­ner­ten Troll in den Schluch­ten des Rio Due­ro zwi­schen Zamo­ra und Sala­man­ca. Kopf, Rumpf und Bei­ne sind noch erhal­ten, obwohl schon etwas ange­grif­fen. Sogar Augen und Nase sind noch vor­han­den. Die Arme sind lei­der ver­wit­tert. Er wirkt wie ein Troll, ver­stei­nert wie im Hob­bit. Bil­bo Beut­lin begeg­net drei von ihnen auf sei­ner Rei­se zum ein­sa­men Berg. Er ret­tet durch raf­fi­nier­te Hin­hal­te­tak­tik sei­ne Zwer­ge davor, von den Trol­len ver­speist zu wer­den. Das Mor­gen­licht ver­wan­delt sie in Stein. Lei­der fällt das Licht grell auf den Stein. Für eine arme Smart­phone-Kame­ra ist es lei­der zu viel Licht.

Der Rio Due­ro ist nicht nur sei­ner Natur wegen bekannt, son­dern auch für sei­nen guten Wein welt­weit. Berühmt ist vor allem der Port­wein, den beson­ders Ame­ri­ka­ner und Bri­ten zu schät­zen wis­sen. Er wächst an den Berg­hän­gen zwi­schen Por­to und Bar­ca d’Al­va. Dort ist das Kli­ma spür­bar mil­der als auf spa­ni­scher Sei­te bei Sil­vest­re. Das spürt man sofort beim Über­tre­ten der spa­nisch-por­tu­gie­si­schen Gren­ze. In Spa­ni­en bei Sil­vest­re zum Bei­spiel ist es gera­de­zu kalt im Ver­gleich dazu.

In einer klei­nen Pen­si­on fin­det der Rei­sen­de am Abend noch ein Zim­mer. Dort hat er noch Besuch bekom­men. Die­ser ist gera­de ein­mal drei Mona­te alt.

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Radeln im Parque Arribes del Duero

Radeln im Par­que Arri­bes del Due­ro: Und was für eine spek­ta­ku­lä­re und daher schüt­zens­wer­te Gegend! Seit heu­te Mit­tag radelt der Rei­sen­de im Ein­zugs­be­reich des Rio Due­ro durch den Natur­park. Die­ser liegt grob zwi­schen Zamo­ra, Miran­da Do Dou­ro sowie Figuei­ra de Cas­te­lo Rodri­go. Zunächst sah er sich die schö­ne und uner­war­te­te Kathe­dra­le in Miran­da an. Sie thront hoch oben über dem Fluss Dou­ro. Er bil­det dort die natür­li­che Gren­ze zwi­schen Por­tu­gal und Spanien.

Dann kehr­te er nach Kas­ti­li­en und León in Spa­ni­en zurück und fuhr durch den Park. Dies Tour wird noch gut 150 Kilo­me­ter in Rich­tung Süden gehen. Dort fand er knor­ri­ge Bäu­me in einer hüge­li­gen Land­schaft, Scha­fe und Schlan­gen, ein­sa­me Sin­gle-Trails, die auch durch ver­brann­te Erde führ­ten. Dabei ver­fol­gen ihn auch hier und da ver­rück­te Hun­de: je klei­ner, des­to fre­cher. Sie tun einem aber nichts frei nach dem Prin­zip: Bel­len­de Hun­de bei­ßen nicht. Zum Aus­gleich gibt es nur weni­ge Autos. Aber was wäre eine Rad­rei­se auf der Ibe­ri­schen Halb­in­sel ohne Hun­de. Wein wie der Ribei­ra do Dou­ro wächst hier nicht in gro­ßen Men­gen. Die gro­ßen Gebie­te in Por­tu­gal mit den vin­has kom­men noch. Hier ist es wohl zu flach für Wein. Sobald die Rou­te von Sal­to de Sau­cel­le nach Bar­ca d’Al­va führt, kom­men die ers­ten gepfleg­ten Weingüter. 

Für den Schutz der Land­schaft müss­te der Staat viel mehr tun. Der Rei­sen­de sieht zwi­schen Zamo­ra und Miran­da vie­le Mono­kul­tu­ren ohne Hecken. Bewuchs könn­te den Grund­was­ser­spie­gel hoch­hal­ten und Ero­si­on ver­hin­dern. Und auch etwas für Insek­ten tun, soweit er bio­lo­gisch dazu in der Lage sind. Die in vie­len Gär­ten in Deutsch­land zu sehen­den Tuja-Hecken sind zum Bei­spiel wert­los. Seit Wochen schon hat es hier nicht gereg­net, sagen die Leu­te. Jetzt erfreut er sich an Sar­del­len und Tor­til­la in der leb­haf­ten Bar Mon­te­cris­to in Fer­mo­sel­le. Dort gibt es auch eini­ge Hotels zum Über­nach­ten beim Radeln im Par­que Arri­bes del Duero.

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Gottesanbeterin am Rio Duero begegnet

Got­tes­an­be­te­rin am Rio Due­ro begeg­net: Unten im Tal liegt ein klei­ner Stau­see: Es ist nach­mit­tags gegen 16 Uhr. Zeit für eine kur­ze Rast. Ein gro­ßer Stein bie­tet dem Rad­rei­sen­den einen beque­men Sitz. Wäh­rend er einen Apfel ver­zehrt, kriecht neben ihm auf dem Stein ein gro­ßes Insekt her­auf. Lang­sam, Stück für Stück. Welch ein Glück für den Rei­sen­den: Er ist einer Got­tes­an­be­te­rin am Rio Due­ro begegnet.

Die ers­te Etap­pe der kom­plett neu­en Rei­se liegt hin­ter dem Rei­sen­den. Den vor­erst abge­schlos­se­nen Jakobs­weg nach Sant­ia­go wird er erst in Por­to wie­der­se­hen. Er freut sich jetzt ein wenig, mal nicht auf Sand und Stei­nen zu ackern. Er fuhr gut 60 Kilo­me­ter am Rio Due­ro ent­lang, soweit es irgend­wie mög­lich war. Von Zamo­ra aus fuhr er nach Miran­da do Dou­ro in Por­tu­gal. In Por­tu­gal heißt der Rio Due­ro Rio Dou­ro. Das Stück war ein­sam. Ab und zu begeg­ne­te er Autos. Er sah aber auch, dass der Due­ro längst kein Natur­fluss mehr ist. An Was­ser-Kraft­wer­ken ist zu sehen, dass mehr­fach Ener­gie aus ihm gewon­nen wird.

Gottesanbeterin am Rio Duero nicht gruselig

Die Got­tes­an­be­te­rin kriecht aus dem Schat­ten. Ihr ist wohl noch zu kalt, um zu flie­gen. Auf Ver­grö­ße­run­gen sieht sie nicht gera­de ange­nehm aus. Als Kind konn­te der Rei­sen­de das Tier nicht lan­ge anschau­en. Das Weib­chen frisst den Gat­ten oft nach der Befruch­tung auf. Aber mit dem blo­ßen Auge weist es nichts Gru­se­li­ges auf.

Es bleibt genug Zeit, die Kame­ra aus dem Ruck­sack zu zie­hen, das Insekt zu fil­men und zu foto­gra­fie­ren. Denn die Son­ne wärmt im Novem­ber nicht so heiß wie ab März. Doch die ursprüng­lich aus Afri­ka stam­men­de Heu­schre­cke regis­triert die nahe Lin­se. Und wie sich der Foto­graf hin- und her­be­wegt. Sie krab­belt lang­sam weg, um sich in Sicher­heit zu brin­gen. An einer Pflan­ze hängt sich das auch als Man­ti­de bezeich­ne­te Insekt so auf, als wäre es ein Zweig. Es tarnt sich so vor Vögeln und ande­ren Fein­den. Die Got­tes­an­be­te­rin ist einem Men­schen am Rio Due­ro begeg­net. Am Fluss gedeiht also mehr als die Wein­sor­te Ribe­ra del Due­ro. Nun ist der Bike­pa­cker neu­gie­rig, was es so alles im Par­que Arri­bes del Due­ro zu sehen gibt.

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Wenn dir die Einsamkeit gefällt…

Wenn dir die Ein­sam­keit gefällt: “Si te gus­ta la sole­dad, si quie­res ser prot­ago­nis­ta de este cami­no jun­to a la gran­de­za del paisa­je y fren­te a dure­za de los fri­os y los soles. Si quie­res que los ata­r­de­ce­res te arras­tren en sus hon­dos silen­ci­os y que a las maña­nas los quie­bros de la auro­ra te agi­ten el alma … ¡este es tu camino!”

“Wenn dir die Ein­sam­keit gefällt, wenn du Haupt­dar­stel­ler die­ses Weges sein willst, zusam­men mit der Groß­ar­tig­keit der Land­schaft und gegen die Här­te der Käl­te und der Son­ne. Wenn du willst, dass die Son­nen­un­ter­gän­ge dich in ihr tie­fes Schwei­gen zie­hen und dass mor­gens die Unter­gän­ge der Mor­gen­rö­te dir die See­le auf­rüt­teln … ist dies dein Weg!”

Dies steht auf dem mit stei­ner­nen Wan­der­stie­feln ver­se­he­nen Monu­ment am Jakobs­weg “Via de la Pla­ta”. Die Stre­cke führt von Sevil­la in Anda­lu­si­en nach Sant­ia­go de Com­pos­te­la in Gali­ci­en. Den Rei­sen­den spricht der Text an. Denn er spricht von Ein­sam­keit, von der Här­te der Käl­te und der Son­ne, von wei­ter Land­schaft, von der Stil­le, der beein­dru­cken­den Stim­mung am Mor­gen. “Dann ist das dein Weg”. Kein ande­rer Jakobs­pil­ger ist in Sicht. Nur eini­ge hun­dert Meter wei­ter frisst ein ange­lein­ter Esel Gras in einer Sied­lung ohne Men­schen. Großartig!

Burg aus dem Roman “Don Quijote”

Hin­ge­gen tref­fen jetzt vor der Burg in Pue­bla de San­ab­ria Besu­cher ein. Vor die­ser steht der Rei­sen­de gera­de mit sei­nem Fahr­rad. Die­se wol­len wohl erfah­ren, wie die Fes­tung aus­sieht, die Miguel de Cer­van­tes in sei­nem berühm­ten Schel­men­ro­man “Don Qui­jo­te” zum Schau­platz sei­ner Hand­lung erwählt hat. Eine rich­ti­ge Rit­ter­burg mit run­den Eck­tür­men. Der Tou­ris­mus­ver­band bie­tet eine Tour auf den Spu­ren des Qui­jo­te an. Die­se ähnelt wohl den auch im deutsch­spra­chi­gen Raum oft zu fin­den­den Bur­gen­rou­ten. Heu­te zählt die Fes­tung zu den best­erhal­te­nen Bur­gen des 15. Jahr­hun­derts. Sie steht wie vie­le ande­re Fes­tun­gen auch auf einer Anhö­he. Von oben genie­ßen Tou­ris­ten den wei­ten Blick in die Land­schaft um die alte Fes­tungs­stadt Zamo­ra in Kas­ti­li­en-León. Hier ist es weit­ge­hend flach. Aber wuss­test Du, dass der Jakobs­weg sogar in die­ser Gegend auf weit über 1000 Meter Höhe ansteigt?

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Heiß heiß heiß in Galicien

Heiß, heiß, heiß in Gali­ci­en: Da vie­le fra­gen, wie heiß es gera­de auf dem Jakobs­weg im bren­nen­den Gali­ci­en zugeht. Zwei Mona­te soll es im Lan­des­in­ne­ren nicht mehr gereg­net haben. Dem Rei­sen­den ist zuwei­len schon ziem­lich heiß. Der Him­mel ist stau­big. Die Son­ne schil­lert des­halb grün­lich. Bevor er vom Brand erfährt, fin­det er die Fär­bung noch ziem­lich cool zum Foto­gra­fie­ren. Er hält den Staub für Sand aus Afri­ka. Es sind immer­hin 30 Kilo­me­ter bis zum Brand­herd. Die Schleim­haut in der Nase trock­net und setzt sich mit dunk­lem Staub zu. 

Trotz des Radelns im Gebirgs­wald wird ihm so heiß, dass er das ers­te Mal seit Jah­ren im Dorf Rosen­de eis­kal­te Cola trinkt. Die­se ver­schafft tat­säch­lich Abküh­lung auf der Rad­rei­se durch den Nord­wes­ten Spa­ni­ens. Eigent­lich ver­ab­scheut er sol­che Geträn­ke genau­so wie Ziga­ret­ten. Es ist immer­hin 30 Grad warm. Das nimmt er aber nicht so wahr. Denn er ist mitt­ler­wei­le gut trainiert.

7000 Hektar Land verbrennen

Spä­ter kommt er in Bar­rei­ro an. Dort will er über­nach­ten. Das liegt gemes­sen am Cami­no de Sant­ia­go gut 40 Kilo­me­ter süd­lich von Sant­ia­go de Com­pos­te­la ent­fernt. Von dort war er noch vor einer zu erwar­ten­den Sint­flut geflo­hen. Der Wirt sag­te ihm, dass der Staub von einem zehn Kilo­me­ter ent­fern­ten Brand in Selli­da stamm­te. Und jetzt riecht er tat­säch­lich das Feu­er. Als es dun­kel wird, tritt er aus dem Hos­tal wie­der auf die Stra­ße. Die meis­ten Fens­ter sind dun­kel. Kein Mensch ist zu sehen. 

Eini­ge Män­ner ste­hen an der The­ke einer Bar, dre­hen sich sogar etwas weg. Dies ist für Gali­ci­en schon unge­wöhn­lich. Sonst grü­ßen die meis­ten höf­lich. Der Rei­sen­de erklärt es sich mit der Furcht vor dem Feu­er. Immer­hin bren­nen 7000 Hekt­ar. 10.000 Hüh­ner ster­ben, wäh­rend er wie elek­tri­siert “Est­rel­la Gali­cia” trinkt. Die­se Zah­len ent­nimmt er am nächs­ten Tag aus der Zei­tung „Faro de Gali­cia“. Viel­leicht haben die Leu­te auch Kom­ple­xe ihres selt­sa­men Ortes wegen, weil er lacht, weil es hier nur pin­chos zum Knab­bern gibt. Der Wirt guckt etwas säu­er­lich. Als er spä­ter die benach­bar­ten Vino­thek die Wir­tin der benach­bar­ten Vino­thek auf die Geis­ter­stun­de anspricht, meint sie, die Leu­te ruh­ten sich nur aus. Beim Ver­las­sen der Vino­thek hat sich der Brand­ge­ruch verstärkt.

Eine por­tu­gie­si­sche Freun­din schreibt, nach­dem er ihr von sei­nen Ängs­ten vor dem Brand geschrie­ben hat, dass es auch an vie­len Orten in Por­tu­gal bren­ne: in Guar­da, Viseu und Cer­to. Das stärks­te Feu­er befin­de sich in Vigo am Atlan­tik. Genau durch die­se Orte führt sein Rück­weg nach Por­to. Wird er bald ins Feu­er fah­ren? Bie­ten sich Umwe­ge an?

Regen erwünscht

Jetzt wünscht er sich den Regen, dem er zuvor in Sant­ia­go eigent­lich ent­kom­men woll­te. Wie alle Men­schen hier. Im Hos­tal ist kein Laut zu hören. Wie wür­de er han­deln, wenn der Ort eva­ku­iert wer­den müss­te. Er hat­te solch eine Situa­ti­on ein­mal in Nar­vik in Nord­nor­we­gen erlebt, als er frisch aus der Dusche kam. Nackt woll­te er nicht auf die Stra­ße tre­ten. Also zog er sich zügig an und schnapp­te sich sei­ne Packtaschen. 

Nachts hört er Regen­trop­fen in Bar­rei­ro fal­len. Rei­fen von Autos roll­ten auf nas­sem Asphalt. Jetzt hofft er, dass es bald auf der gan­zen ibe­ri­schen Halb­in­sel reg­net. Hof­fent­lich wird es nicht so bald wie­der “Heiß heiß heiß in Gali­ci­en” hei­ßen. Mor­gen geht es wei­ter auf der Via de la pla­ta in Rich­tung Zamora.

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