Reisen auf den Spuren Don Quijotes

Burg in Pue­bla de Sanabria

In sei­nem Leben hat der Rei­sen­de wahr­schein­lich schon eini­ge Bur­gen gese­hen, die in Miguel de Cer­van­tes Roman „Don Qui­jo­te“ vor­kom­men. Er sah eine von ihnen sogar zufäl­lig schon zwei­mal, war über­rascht, als ich sie vor eini­gen Mona­ten beim Radeln auf einem Hügel inmit­ten einer fla­chen Ebe­ne wie­der­erkann­te. Unter­halb des Hügels fließt ein Fluss, mit dem man wahr­schein­lich die alte Stadt schütz­te. Auf einer lan­gen Schlei­fe muss­te er zur Burg her­auf­fah­ren, was ihn eini­ge Mil­li­li­ter Schweiß kos­te­te. Er erin­ner­te sich ange­sichts eines Gelän­ders und eini­ger Bän­ke an der Flan­ke des Hügels dar­an, sich hier schon ein­mal her­auf­ge­schraubt zu haben.

Blick in die weite Landschaft

Hier war er bereits vor eini­gen Jah­ren mit sei­nem dama­li­gen Kum­pel Dom­in­go aus Mála­ga auf der Via de la pla­ta unter­wegs. Der von Süden von her­auf­kom­men­de Teil des Jakobs­we­ges führt von Sevil­la nach Sant­ia­go de Com­pos­te­la. Die Burg selbst befin­det sich in Pue­bla da San­ab­ria in der Nähe von Zamo­ra – eine rich­ti­ge Rit­ter­burg mit Zin­nen auf fes­ten Tür­men. Sie schaut nach Astu­ri­a­nos und Zamo­ra. Dane­ben sieht man links und rechts Tei­le der Stadt­mau­er, direkt dane­ben eine Kir­che. Vor der Burg gibt es einen Platz mit zwei offen­bar unbe­wohn­ten Häu­sern. Von hier oben kann man weit in die Land­schaft schau­en. Damals konn­te man also sehr leicht Bewe­gun­gen feind­li­cher Trup­pen wahr­neh­men. Links erhe­ben die Ber­ge von der Land­schaft bei Ouren­se. Die­se lagen aber schon hin­ter dem Bike­pa­cker, immer zwi­schen 900 und 1300 Metern Höhe pendelnd. 

Ihm kam ein Wan­de­rer aus Fran­ken ent­ge­gen, den er zuvor schon auf dem Jakobs­weg getrof­fen hat­te. Er frag­te ihn, ob es sich loh­ne, die drei Euro in einen Besuch zu inves­tie­ren. Aber er mein­te, außer Stei­nen gäbe es nichts zu sehen. Dann fand der Rei­sen­de eine Infor­ma­ti­on, die sag­te, dass Cer­van­tes die­se Burg mög­li­cher­wei­se gekannt habe. Denn in sei­nem Roman zie­hen Don Qui­jo­te und Sancho Pan­sa durch San­ab­ria. Heu­te zieht es eher Wan­de­rer in die nahen Ber­ge, die durch ihre Höhe und Ein­sam­keit bestechen.

Gemeinden kreierten Route für Reisen auf den Spuren Don Quijotes

Ob er in sei­nem Leben noch mehr Stät­ten aus dem Qui­jo­te-Roman gese­hen habe, weiß der Rad­wan­de­rer nicht. Wohl eher zufäl­lig. Wenn Du eini­ge sehen willst: Weit ent­fernt in Kas­ti­li­en-La Man­cha haben sich jetzt Gemein­den nahe Tole­do zusam­men­ge­schlos­sen. Sie kre­ierten eine tou­ris­ti­sche Rou­te auf den Spu­ren des Qui­jo­te, schreibt die spa­ni­sche Zei­tung „El Mun­do“. Du kannst dort den Tauf­schein Cer­van­tes in der Kir­che San­ta Maria la Mayor in Alcá­zar de San Juan anschau­en. Ob er es aber wirk­lich ist, ist nicht gesi­chert. Im Ort kannst Du auch das Muse­um Form­ma besu­chen, wo sich die Töp­fe­rei­kunst der Regi­on präsentiert.

Ein­be­zo­gen ist auch die Höh­le von Medra­no, in der de Cer­van­tes gefan­gen gehal­ten wur­de. Dort soll er die ers­ten Kapi­tel des Romans geschrie­ben haben. Dar­über hin­aus kannst Du das Hin­ter­zim­mer der Aka­de­mi­ker von Arga­mas­il­la, das Schloss von Peñar­roya und die Kir­che von San Juan Bau­tis­ta sehen. Ein attrak­ti­ves Ziel soll auch der Natur­park der Lagu­nas de Rui­de­ra sein, eines der gro­ßen spa­ni­schen Feuchtgebiete.

Windmühlen in Campo de Criptana

In Cam­po de Cript­a­na ste­hen Wind­müh­len, die Miguel de Cer­van­tes inspi­rier­ten. Dort kämpf­te Don Qui­jo­te gegen Rie­sen. Das dort lie­gen­de Gebir­ge und das Vier­tel von Albaicín sei­en der Zenit des cer­van­ti­ni­schen Welt­li­te­ra­tur, schreibt El Mun­do. Es exis­tie­re kein bes­se­rer Ort, um die Pracht der Man­cha erfas­sen. Am jedem ers­ten Sonn­tag eines Monats kann man sich am Mah­len die­ser Müh­len erfreu­en, die noch gut erhal­ten sein sol­len und sogar damals ver­wen­de­te Maschi­nen in sich bergen.

Abschlie­ßend kannst Du Dich nach El Tobo­so bege­ben, wo es vor allem um Dul­ci­nea geht. Es gebe dort, so schreibt El Mun­do, das Muse­um „Casa de Dul­ci­nea“ sowie typi­sche Häu­ser der Ade­li­gen und der rei­chen Land­wir­te der Man­cha aus dem 16. Jahr­hun­dert. Viel Spaß auf einer Dei­ner nächs­ten Reisen.

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Sauberkeit spanischer Urlaubsziele untersucht

Sau­ber­keit spa­ni­scher Urlaubs­zie­le unter­sucht: Gali­cier gel­ten in Spa­ni­en als fröh­li­ches Volk. Als der Rei­sen­de vor eini­gen Mona­ten in Sant­ia­go de Com­pos­te­la gas­tier­te, waren die Bars abends im Zen­trum immer gut gefüllt. Es war schwie­rig, dort einen Platz zu bekom­men. An vie­len Orten wird musi­ziert. Noch heu­te nimmt der Dudel­sack eine her­vor­ra­gen­de Rol­le ein. Das liegt nicht nur dar­an, dass Sant­ia­go eine wich­ti­ge Pil­ger­stadt ist. Daher tref­fen vie­le Men­schen aus der gan­zen Welt täg­lich in der Stadt ein. Ähn­lich gepolt sind auch die Men­schen in Städ­ten wie A Coru­ña oder Ourense.

Doch wie sau­ber sind spa­ni­sche Städ­te? Für jeden ist es ent­täu­schend, am Urlaubs­ort anzu­kom­men und fie­se mensch­li­che Hin­ter­las­sen­schaf­ten vorzufinden.

Die Tages­zei­tung „La Voz de Gali­cia“ ver­öf­fent­licht jetzt einen Arti­kel über die Sau­ber­keit 60 spa­ni­scher Städ­te. Am sau­bers­ten sind Ovie­do, Bil­bao und Vigo. Feder­füh­rend ist die Orga­ni­za­ción de Con­sum­i­do­res y Usua­ri­os (OCU).

Die­sen drei Städ­ten gegen­über schnei­den die Hafen­stadt A Coru­ña und das Städt­chen Lugo rela­tiv schlecht ab. Lugo hat sich dem­nach sogar ver­schlech­tert in den ver­gan­ge­nen Jah­ren, Vigo hin­ge­gen ver­bes­sert. Die ers­te Stu­die dar­über wur­de 1995 ver­öf­fent­licht. Die letz­te Unter­su­chung ist vier Jah­re her.

Der Ver­fas­ser des Arti­kels sieht eine Ursa­che für die Sau­ber­keit dar­in, dass Städ­te bereit sind, in Sau­ber­keit zu inves­tie­ren. So gibt die Stadt Vigo 71 Euro pro Ein­woh­ner aus. Hin­ge­gen liegt A Coru­ña mit 43 Euro deut­lich niedriger.

Ärger gilt Exkrementen, wilden Plakaten sowie ungepflegten Parks

Vo allem ärgern sich die Bewoh­ner A Coru­ñas über wil­de Graf­fi­ti und Pla­ka­te sowie Exkre­men­te auf den Wegen. Auch schlech­te Müll­be­sei­ti­gung wer­den bemän­gelt und die man­geln­de Pfle­ge der Grün­an­la­gen. Eben­so wird die Ver­nach­läs­si­gung der Außen­vier­tel der Stadt genannt. Hin­ge­gen schnei­det die Qua­li­tät der Luft gut für eine Stadt die­ser Grö­ße ab. Denn sie ist ein wich­ti­ger Industriestandort.

Schlecht schnei­det auch die Römer­stadt Lugo ab. Durch die­se kommt auch man­cher Jakobs­pil­ger auf dem Weg nach Sant­ia­go. Die „Stadt der römisch-anti­ken Mau­ern“ erhält nur bei der Bewer­tung der Luft­qua­li­tät gute Noten. Bemän­gelt wer­den aber die Sau­ber­keit der Stra­ßen und die Instand­hal­tung der Park­an­la­gen. Ähn­lich schlecht bewer­tet man auch, dass Exkre­men­te vor­han­den sind und Müll schlecht besei­tigt wird.

Etwas bes­ser scheint es hin­ge­gen in Städ­ten wie Pon­te­ve­dra und Ouren­se aus­zu­se­hen. Die lie­gen in der Mit­te der 60 bewer­te­ten Städ­te. Ouren­se hat aber auch eine attrak­ti­ve Alt­stadt. Jakobs­pil­ger kön­nen ihre Glie­der kos­ten­los im Was­ser einer Ther­mal­quel­le aus­stre­cken. Die Sau­ber­keit in Pon­te­ve­dra wird wohl­wol­lend zur Kennt­nis genom­men. Dort muss sich dort zuletzt eini­ges getan haben. Denn die Stadt macht im Ran­king einen gro­ßen Satz nach vorne.

Bilbao macht großen Satz nach vorne

Dies trifft auch auf die bas­ki­sche Metro­po­le Bil­bao zu. Sie ist eben­so wie A Coru­ña eine alte Indus­trie­stadt. Bil­bao mach­te von allen unter­such­ten Städ­ten den größ­ten Sprung nach vor­ne. In Ouren­se sieht es etwas schlech­ter aus. Gut schnei­det wie­der­um die Luft­qua­li­tät ab. Ledig­lich in Lérez ist man mit der Sau­ber­keit und dem Zustand der Grün­an­la­gen sehr zufrie­den. Aller­dings stört die Ein­woh­ner der Anblick von Kot erheblich. 

Sau­ber­keit spa­ni­scher Urlaubs­zie­le unter­sucht: Mal schau­en, wie es bei der nächs­ten Unter­su­chung aus­sieht. Sau­ber­keit am Urlaubs­ziel betrifft ja auch Tou­ris­ten und nicht nur die Ein­woh­ner. In Laxe, dem nächs­ten Ziel auf dem Pil­ger­weg, ist die Welt aber noch in Ordnung.

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1100 Höhenmeter auf dem Jakobsweg

1100 Höhen­me­ter auf dem Jakobs­weg: Vie­le Grü­ße aus zunächst 676 Metern Höhe auf dem Jakobs­weg von Laza nach Ver­ín. Laza und Ver­ín sind auch als Kar­ne­vals­hoch­bur­gen bekannt. Die Schlamm­schlach­ten in den jewei­li­gen Dorf­zen­tren sind im Früh­jahr legen­där. Dort bewer­fen sich Dorf­be­woh­ner und Spa­ni­er aus ande­ren Tei­len des Lan­des mit Schlamm, zie­hen sich dafür Regen­klei­dung an. Ein ziem­li­cher Spaß. Jetzt ist bei der Durch­fahrt nichts davon zu sehen. Die Haus­wän­de sind wie­der gesäubert.

Die “Via de la pla­ta” führt den Bike­pa­cker in Rich­tung Zamo­ra. Fürs nächs­te Jahr ist schon eine ähn­li­che Tour geplant. Wer mit­ra­deln will, soll­te anfan­gen zu trai­nie­ren. Sonst ist die Chan­ce, nicht durch­zu­hal­ten, gerin­ger als ein Sech­ser im Lotto.

Neue Schnellverbindung nach Madrid

Nun befin­det sich der Jakobs­pil­ger auf 938 Metern Höhe. Gera­de ist er in Cerd­ede­lo ein­ge­trof­fen, wo sich ein Ein­woh­ner auf ihn stürzt. Er ver­mis­se Düs­sel­dorf, wo er 25 Jah­re gelebt habe, erzählt er. Sei­ne Toch­ter arbei­te beim Arbeits­amt in Madrid. Sein Sohn betä­ti­ge sich als Poli­zist in Ouren­se.

Der Rei­sen­de hofft, nicht einer der letz­ten sei­ner Art zu sein, der die­sen wun­der­schö­nen Gebirgs­pass her­auf­ra­deln durf­te. Denn es ent­steht zur­zeit eine Schnell­stra­ße mit Tun­nel. Die­se soll angeb­lich Gali­ci­en bes­ser an Madrid anbin­den. an ihm vor­bei fah­ren Lkw mit Mate­ri­al und Schutt. Ganz oben ist an den Weg­rän­dern alles platt­ge­walzt, neue Wege ange­legt worden.

Da sieht der Rei­sen­de schwarz für die­se Gegend. Spä­ter wird ihn ein Jäger trös­ten und sagen, dass die neu­en Wege nach Abschluss der Arbei­ten wie­der ein­ge­dampft wür­den. Sie sind also nur temporär.

Das Gefühl inne­rer Schwär­ze liegt auch dar­an, dass es hier kürz­lich gebrannt hat. Der Geruch von Asche liegt noch immer in der Luft. Manch­mal sind es Schä­fer, die zün­deln, Rau­cher, die acht­los ihre Kip­pen weg­wer­fen. Äthe­ri­sche Öle gehen schnell in Flam­men auf, beson­ders aber auch der Euka­lyp­tus. Hier und da sind es auch Bau­spe­ku­lan­ten, die Brän­de beauf­tra­gen. Die Lkw-Kolon­nen hören dann end­lich auf. 

Nach dem Auf­ent­halt auf der Ter­ras­se eines Restau­rants in einem Dorf geht es noch wei­ter her­auf; auf 1100 Meter Höhe. Gestar­tet ist der Rei­sen­de heu­te mor­gen auf 882 Metern. Anschlie­ßend ging es auf 465 Meter her­un­ter und das Gan­ze schließ­lich wie­der her­auf. Erbar­mungs­los und ein ziem­li­cher Mara­thon: Die­ser bringt aber wenigs­tens eine gute Kon­di­ti­on ein. Auf 1100 Metern auf dem Jakobs­weg unter­wegs zu sein, soll sich auch lohnen.

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Allariz, schönste Kleinstadt Galiciens

Römi­sche Brü­cke an der Pra­ia Flu­vi­al de Acearrica

All­ariz, schöns­te Klein­stadt Gali­ci­ens: Die­ser Blick wirkt fast schon kit­schig wie auf Post­kar­ten. Oder nicht? Unver­mu­tet ist der Rei­sen­de auf sei­nem Weg nach Sant­ia­go de Com­pos­te­la auf eine römi­sche Brü­cke gesto­ßen. Sie liegt an der Pra­ia Flu­vi­al de Acear­ri­ca nahe All­ariz. Ihre bei­den Bögen über dem Was­ser sind per­fekt gerun­det. Dies ist typisch für die anti­ke Archi­tek­tur, als Rom noch die Ibe­ri­sche Halb­in­sel besetzte.

Nahe der Brü­cke liegt All­ariz. Sie gilt als schöns­te Klein­stadt Gali­ci­ens im Nord­wes­ten Spa­ni­ens, befin­det sich in der Nähe von Ouren­se an der spa­nisch-por­tu­gie­si­schen Gren­ze. Sie ist es wert, auf der Rad­wan­de­rung auf­grund ihrer male­ri­schen Gas­sen und der schö­nen Lage am Fluss besucht zu wer­den. Die Gas­sen sind mit Kopf­stein gepflas­tert. In klei­nen Geschäf­ten kön­nen Tou­ris­ten nach Geschen­ken stöbern. 

Als der Rei­sen­de hier eini­ge Jah­re zuvor auf einer Pres­se­rei­se abends her­um­schlen­der­te, fand gera­de ein Tanz auf dem Dorf­platz statt. Eine Kapel­le spiel­te. Ein Mädel war so gut i n Stim­mung, dass sie ihn zum Tanz auf­for­der­te. Lei­der ent­täusch­te er sie, da er nicht gera­de gut tanzt. Zum Schwo­fen hät­te es viel­leicht gelangt. Und er trug die fal­schen Schu­he. Dar­an und an ihre trau­ri­gen Gesichts­zü­ge erin­ner­te sich der Jakobs­pil­ger jetzt wieder.

Kein Tanz in Allariz, schönste Kleinstadt Galiciens

Da die Dame heu­te nicht wie­der auf­tauch­te, ver­brach­te der Rei­sen­de den Abend in einem klei­nen Restau­rant mit wohl schme­cken­den Spei­sen. Eine Stär­kung war ihm will­kom­men. Denn von nun an führ­te die Stre­cke in die Ber­ge. Der Ther­mal­ort Ouren­se liegt mit nur 23 Kilo­me­tern bereits hin­ter ihm, der mit All­ariz über die alte Pil­ger­rou­te “Via de la pla­ta” ver­bun­den ist, die eins­ti­ge römi­sche Ver­kehrs­stra­ße. Sie heißt übri­gens nicht “Sil­ber­weg” (pla­ta = Sil­ber), son­dern gepflas­ter­ter Weg, was aus dem Ara­bi­schen abge­lei­tet ist. Der Pil­ger­weg führt ab Sevil­la im Süden in den Nord­wes­ten Spa­ni­ens. Mehr dazu folgt im Rad­rei­se­füh­rer über Galicien.

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Herbstlicht auf dem Jakobsweg

Herbst­licht auf dem Jakobs­weg: Der Herbst ist nun auch in Gali­ci­en ein­ge­zo­gen. Fast über­all lie­gen Eicheln und Kas­ta­ni­en auf dem Boden. Bau­ern haben aber auch klei­ne Hau­fen aus ihnen gebil­det, füt­tern sie doch mit den Früch­ten ihr Vieh. Deren Scha­len kna­cken rich­tig unter den Rei­fen des Rei­se­ra­des. Dabei han­delt es sich um ein Ghost-Moun­tain­bike, bepackt mit Ort­lieb-Taschen am Hin­ter­rad, Zelt und Schlaf­sack. Auf dem Rücken befin­det sich noch ein Vau­de-Ruck­sack für Wert­sa­chen. Auf noch mehr Gepäck ver­zich­tet der Rei­sen­de, weil er sich in Euro­pa befin­det, wo man prak­tisch über­all Fahr­rad­tei­le kau­fen kann.

Panische Reaktion im Herbstlicht auf dem Jakobsweg

Nachts wird es hier schon ganz schön kalt, obwohl die Regi­on so weit im Süden Euro­pas liegt. Der Son­nen­stand erlaubt tol­le Bil­der so spät im Jahr. Hier steht der Rei­sen­de in der Nähe eines der best­erhal­te­nen gali­cis­chen Dör­fer: All­ariz. Ouren­se ist weit entfernt.

Da das Rad schwer und es nicht mög­lich ist, das Rad irgend­wo anzu­leh­nen, hat der Rei­sen­de zuvor eine Spa­zier­gän­ge­rin gebe­ten, das Rad für einen Moment zu hal­ten. Statt­des­sen lief die­se panisch davon. Wäh­rend er die­sen Baum foto­gra­fier­te, sah er sie etwas wei­ter ent­fernt tele­fo­nie­ren. “Da braut sich etwas zusam­men”, dach­te er. Schnell wei­ter fah­ren, bevor ihn gleich die Guar­dia Civil noch stoppt. Doch von deren Fahr­zeu­gen tauch­te nichts auf. 

Statt­des­sen kam ihm ein frus­triert drein­schau­en­der Mann auf dem Rad ent­ge­gen, wohl der Ehe­mann. Dem Rei­sen­den wür­dig­te er kei­nes Bli­ckes. Deut­lich war ihm aber der Ärger anzu­se­hen, dass er sich ange­sichts des Bike­pa­ckers dach­te: “Mei­ne Frau hat wie­der ein­mal eine ihrer Panik­at­ta­cken. Was soll ich bloß tun?” Der Mann konn­te einem nur leid tun.

Aber mensch­li­che Begeg­nun­gen sind auch der Reiz die­ser Rei­se: Frü­her am Tag hat­te der Rei­sen­de noch zwei net­te Spa­zier­gän­ge­rin­nen getrof­fen, die ihm den wei­te­ren Weg erklär­ten. Ohne in Panik zu gera­ten. Sie zeig­ten sich begeis­tert über sein Vor­ha­ben, sich das schö­ne Gali­ci­en anzu­schau­en und dabei eben auch das schö­ne Herbst­licht auf dem Jakobs­weg zu genießen.

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Thermalwasser am Jakobsweg

Ther­mal­was­ser am Jakobs­weg: Feu­er und hef­ti­gen Gewit­ter­re­gen hat der Rei­sen­de in die­sen Tagen über­wun­den. Neu­lich saß er ver­zwei­felt auf einer Ther­ma­rest-Mat­te in einer Hei­de. Er zit­ter­te vor Käl­te, weil es in Strö­men reg­ne­te. Das Was­ser floss auf den Schlauch und in den Rei­fen, wäh­rend ande­re wahr­schein­lich gera­de gemüt­lich auf dem Sofa vor dem Fern­se­her sich das drit­te Pils rein­zisch­ten. Er muss­te irgend­wie das Loch zukle­ben. Bei Regen for­dert das her­aus, noch dazu mit zit­tern­den Hän­den. Im zwei­ten Anlauf gelang es ihm. Und es hielt sogar, obwohl direkt dane­ben ein alter Fli­cken saß. Wäh­rend­des­sen wur­de es immer schlam­mi­ger auf dem Jakobs­weg in der Umge­bung von Ouren­se in Gali­ci­en. Knie­tie­fe Was­ser­lö­cher, feuch­ter Sand, glit­schi­ge Stei­ne — der Pil­ger­pfad ver­wan­del­te sich in einen Morast. Selbst das oft tro­cke­ne Spa­ni­en kann sich schnell ändern.

Verhaltenstipps für Radler bei Gewitter 

Da es nicht direkt über ihm blitz­te, brauch­te der Rei­sen­de sich nicht in Sicher­heit zu brin­gen. Hier bot sich aller­dings auch kei­ne Hüt­te und erst recht kei­ne Bus­hal­te­stel­le als Unter­schlupf. Und eine Mul­de, in der er sich hät­te klein machen kön­nen auch nicht. Aller­dings saß er auf der Mat­te als Schutz von unten gegen die Näs­se. Er erfuhr aber erst spä­ter beim Lesen von Ver­hal­tens­tipps für Rad­ler und Wan­de­rer bei Gewit­ter der dpa, dass er so die Gefahr von Kriech­strom gesenkt hat­te. Es hel­fe auch ein tro­cke­ner Ruck­sack, ein Klet­ter­seil oder eine Fahr­rad­ta­sche unter­zu­le­gen. Wich­tig sei es auch, Metall­ge­gen­stän­de wie Fahr­rä­der oder Eis­pi­ckel min­des­tens zehn Meter ent­fernt von einem zu lagern.

Mei­den soll­te man auf jeden Fall Gra­te und Gip­fel, frei ste­hen­de Bäu­me und Wald­rän­der. Was er nicht ahn­te, war, dass man aber im Wald selbst weit­ge­hend geschützt ist. Aber vor her­ab­fal­len­den Ästen soll­te man sich hüten.

Rückkehr nach Lalín

Da er mit die­sem Schlauch wohl kei­ne wei­te­ren Fahr­ten bestrei­ten konn­te, ent­schloss er sich, nach Lalín zurück zu radeln. Am nächs­ten Tag woll­te er sein Rad nach 2.000 Kilo­me­tern über­ho­len und doch noch das schö­ne Mario­net­ten­mu­se­um zu besu­chen. Lalín liegt am Jakobs­weg und bie­tet eine neue Her­ber­ge zum Über­nach­ten an. 

Dort gibt es auch ein Rad­ge­schäft, in dem sich der Rei­sen­de mit einem Kaf­fee wie­der auf­wär­men durf­te. Mit einer neu­en Ket­te, Zahn­kranz sowie neu­en Brems- und Schalt­zü­gen geht es mor­gen 300 Kilo­me­ter wei­ter ab Ouren­se erst ein­mal Rich­tung Sant­ia­go de Com­pos­te­la. Das Wet­ter ist wie­der som­mer­lich, wenn­gleich sich der Nebel erst mit­tags verzieht.

Entspannung im Thermalwasser am Jakobsweg

Heu­te leg­te er einen Ruhe­tag ein und besuch­te nach dem Früh­stück eine Ther­me am Rio Miño. Ouren­se ist für die Ther­men berühmt. Jeder Bür­ger der gali­cis­chen Stadt hat das Recht auf ein Ther­mal­bad. Idyl­lisch am Río Miño spru­deln war­me Quel­len aus Mut­ter Erde, aber auch im Stadt­zen­trum. Ent­span­nung zum Null­ta­rif. Das benach­bar­te Schwimm­bad ist aller­dings nicht kos­ten­los, lohnt aber wegen unter­schied­li­cher Anwen­dun­gen. Aller­dings kann es sein, dass das Bad über­füllt ist. 

Beim ers­ten Anlauf am Abend war der Jakobs­pil­ger auf etwas Luxus aus mit Mas­sa­ge und Sau­na. Statt eines der öffent­li­chen Bäder am Fluss zu neh­men, radel­te er eini­ge Meter wei­ter. Dort kann man sich in einer Ther­me ver­wöh­nen las­sen. Der Ein­tritt kos­tet 5.50 Euro. Lei­der war­te­ten dort aller­dings gut 100 wei­te­re Men­schen in einem vor­ge­la­ger­ten Restau­rant dar­auf, ein­ge­las­sen zu wer­den. Das muss­te nicht unbe­dingt sein.

Am nächs­ten Mor­gen star­te­te er einen neu­en Ver­such. Im Gepäck befand sich auch ein Bade­man­tel aus dem Hotel. Für heu­te 7.20 Euro ent­spann­te er sich wun­der­bar drei Stun­den in gut zehn unter­schied­lich tem­pe­rier­ten Becken. Die Bei­ne sind den­noch etwas ange­spannt. Viel­leicht merkt er mor­gen mehr Wir­kung nach einem guten Schlaf. Und hof­fent­lich wer­den Feu­er und Ther­mal­was­ser auf dem Jakobs­weg so schnell nicht wie­der auf­tau­chen. Auf der Stre­cke nach Ouren­se lern­te er auch das bezau­bern­de All­ariz kennen.

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Radeln auf dem Jakobsweg hält jung

Radeln auf dem Jakobs­weg hält jung: Gera­de gele­sen: Sport hält jung. Das hofft der Rei­sen­de doch sehr auf sei­ner Rund­rei­se durch Gali­ci­en. Schließ­lich muss auch etwas dabei her­aus­kom­men, wenn er fast jeden Tag 30 bis 50 Kilo­me­ter erst auf dem por­tu­gie­si­schen und dann auf dem nörd­li­chen Jakobs­weg an der Küs­te radelt. Dabei geht es meis­tens durchs Mit­tel­ge­bir­ge. Dabei bewegt er ins­ge­samt gut 35 Kilo unter sich fort. Das Rad selbst wiegt gut zwölf Kilo. Die Pack­ta­schen plus Zelt und Schlaf­sack bean­spru­chen um die 23 Kilo. Zehn Kilo hat er bin­nen acht Wochen abge­nom­men, ohne wirk­lich lei­den zu müs­sen. Er quält sich nicht mit einer Diät, indem er zum Bei­spiel nur noch bit­te­re Tei­le einer Aga­ve oder Früch­te eines Kak­tus isst. Aller­dings ist er auch wenig am Tag: Müs­li am Mor­gen, tags­über Äpfel und Erd­nüs­se, Tapas hier und da in einer Bar. Abends füllt leich­te medi­ter­ra­ne Kost den Magen. Und dazu gibt es lecke­ren spa­ni­schen Kaf­fee. Der Erfolg stellt sich ein: 76 Kilo zeig­te die Waa­ge neu­lich an.

Ans Schie­ben auf stei­ni­gen oder stei­len Stre­cken hat er sich auch gewöhnt. Mitt­ler­wei­le beherrscht er das sogar deut­lich bes­ser und flucht nicht mehr so viel. Denn sei­ne Arm- und Rumpf­mus­ku­la­tur ist deut­lich stär­ker gewor­den. Außer­dem trai­niert das frei nach der Devi­se: Was nicht tötet, här­tet ab. 

Bin­nen kur­zer Zeit hat er also schon schö­ne Ergeb­nis­se erzielt. Und er hat noch eini­ges vor sich: Jetzt geht es gut 500 Kilo­me­ter wei­ter auf der Via de la pla­ta nach Zamo­ra. Die­ser Weg führt Pil­ger von Sevil­la in Anda­lu­si­en nach Sant­ia­go. Es schließt sich eine ähn­li­che Ent­fer­nung am Rio Dou­ro ent­lang nach Por­to an. 

Radeln auf dem Jakobs­weg hält jung. Medi­ta­ti­ve Erfah­run­gen und tol­le Kon­tak­te gesel­len sich dazu. Eine run­de Sache. Und jetzt war­tet nach der Hit­ze am Tag des Feu­ers und dem Ver­lust vie­ler Kilos ein Ther­mal­bad in Ouren­se auf ihn!

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