Herzogin von Burgund betete in Lille

Andere Kulturhauptstädte wie Graz in der Steiermark heißen ihre Besucher direkt in einer schönen Altstadt willkommen. Lille hingegen im Bahnhofsviertel. Der Weg vom dort gelegenen Hotel in die Altstadt dauert aber nur wenige Minuten. Fremdenführerin Anne übernimmt die Aufgabe, deutsche Journalisten in die Stadtgeschichte einzuführen.

Sie beginnt eine Zeitreise ins späte Mittelalter. Diese führt in eine private Kapelle der Herzogin Maria von Burgund. Erbaut wurde diese von 1450 bis 1470. Das schlichte, innen weitgehend schmucklose Gebäude befindet sich im ehemaligen Rathaus der Stadt. Darin ist jetzt die Touristeninformation untergebracht. Das Rathaus hieß im 15. Jahrhundert Palais Rihour. Dieser war eine Residenz der Herzöge von Burgund. Karl der Kühne, Herzog von Burgund, starb 1477. Dann habe seine Tochter Maria von Burgund den Erzherzog Maximilian von Österreich geheiratet, erzählt Anne. Maria war eine der besten Partien Europas. Denn ihr gehörte das Herzogtum. Die burgundische Erbschaft war einer der entscheidenden Schritte. Denn so konnte das Hauses Habsburg zur Weltmacht aufsteigen. Lille gehörte jetzt zu Österreich.

3sat zeigte im Januar 2018 eine sehr gute Verfilmung über Maximilian und Maria. „Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe“. Dem Regisseur gelingt es, die Geschehnisse auf die wichtigsten Ereignisse zu Beginn seiner Regentschaft zu reduzieren. Die Verfilmung steht leider nicht mehr in der Mediathek.

Sehenswert in der Sakristei sind Bleiglasfenster aus dem 16. Jahrhundert. Ursprünglich befanden sie sich in der Kirche Saint-Pierre in La Couture in der Nähe von Lille. Eines zeigt Figuren aus dem Alten Testament wie zum Beispiel König David. Ein anderes zeigt einen Mönch, ein weiteres einen Bischof.

Fortsetzung folgt.