Straße der Ölsardinen

Stra­ße der Ölsar­di­nen mit Tetil­la und Kal­ma­ren: Wochen­lang ist der Rei­sen­de schon unter­wegs auf sei­ner Rad­tour durch Nord­por­tu­gal und Gali­ci­en. Er hat sich in der Zeit durch ver­schie­de­ne Restau­rants gefut­tert. Frisch vom Kut­ter kamen frisch gekoch­te Mies­mu­scheln im Hafen von Arou­sa. Die Qua­li­täts­kon­trol­le in einen Hafen schenk­te ihm eine gan­ze Tüte davon. So käme er nie mehr auf die Idee, irgend­wo anders als an der Küs­te Mee­res­früch­te zu kau­fen. Und wenn dann nur frisch vom Boot. Zuerst noch deli­kat, ver­lie­ren sie schon bin­nen einer Stun­de deut­lich an Aro­ma. Aber sie lang­ten bis zum nächs­ten Tag und wur­den auch nicht schlecht. Übel ist dem Rei­sen­den auch nach einem Tag Trans­port ohne Eis nicht geworden.

In den Super­märk­ten ent­lang der Todes­küs­te sah er aber stän­dig Kon­ser­ven mit Mee­res­früch­ten. So reif­te in ihm der Ent­schluss, nach dem Genuss der fri­schen Muscheln die ein­ge­leg­ten gali­cis­chen Pro­duk­te zu tes­ten, ob die­se einem Ver­gleich stand­hal­ten. Des­halb griff er nun auch zu Sar­di­nen, Muscheln und Tin­ten­fisch. Er stell­te sie fein säu­ber­lich auf einen Zaun am Strand. So fällt spä­ter auch leich­ter, sich spä­ter an die Pro­duk­te zu erinnern.

Der Tetilla-Käse ist der Form einer weiblichen Brust nachempfunden

Beson­ders inter­es­siert ihn der Käse “tetil­la”, nicht nur der Form wegen. Er ist der Form einer weib­li­chen Brust nach­emp­fun­den. Statt Fleisch vom Rind oder Schwein isst er gene­rell lie­ber Käse, bevor­zugt bio­lo­gi­schen, da Tie­re dann nicht lei­den müs­sen. Oft kom­bi­niert er ger­ne ver­schie­de­ne Käse, um her­aus­zu­fin­den, ob die Aro­men der jewei­li­gen Regio­nen durch­schla­gen. Kräu­ter von ver­schie­de­nen Wei­den kön­nen den Käse stark beein­flus­sen. Im Rad­rei­se­füh­rer “Ser­ra da Est­re­la” und dem You-Tube-Film “Die Scha­fe sind die Bos­se auf den Wei­den” beschreibt er, wie Bio-Land­wir­te in Gou­veia den aro­ma­ti­schen “Queixo da Ser­ra da Est­re­la” produzieren.

Sol­che gas­tro­no­mi­schen Ange­bo­te schme­cken am bes­ten an der fri­schen Luft. Und erst recht, wenn eine atem­be­rau­ben­de Land­schaft hin­zu­kommt, in der man als Rad­rei­sen­der mit Sicher­heit gut unter­wegs ist. Wie sicher Rad­ler sich auf der Stra­ße der Ölsar­di­nen mit Tetil­la und Kal­ma­ren bewe­gen kön­nen, zeigt der fol­gen­de Bericht auf.

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Verzaubert an Castros de Neixón

Ver­zau­bert an Cas­tros de Neixón: 60 Kilo­me­ter Radeln mit etli­chen Höhen­me­tern haben sich gelohnt: Heu­te Abend fand der Rei­sen­de den schöns­ten Ort sei­ner nun schon lan­gen Rei­se auf dem por­tu­gie­si­schen Jakobs­weg. Er ist magisch. Was ist der Rad­ler froh, dass er nicht schon nach­mit­tags in dem Hos­tal in Rianxi­ño abge­stie­gen ist. Dies war irgend­wie gru­se­lig. Eine sehr alte Frau, hun­dert Jah­re alt viel­leicht, schlurf­te bei der Besich­ti­gung des Zim­mers auf ihn zu. Sie raun­te: “Vor­sicht!” Da such­te er natür­lich das Wei­te. Er fühl­te sich in der Unter­kunft auch sehr ein­sam. Wahr­schein­lich wäre er der ein­zi­ge Gast gewe­sen. Das Dorf sah auch öde aus ohne net­te Knei­pen und his­to­ri­sches Zentrum. 

Zwei Feen begegnet

Und auf ein­mal waren sei­ne Bei­ne dann wie­der fit für die Rad­rei­se an der gali­cis­chen West­küs­te. Die Son­ne ging bald unter und so wür­de er an der Küs­te das schöns­te Licht genie­ßen kön­nen. Die Stre­cke führ­te über den Rio Belu­so zu einer Halb­in­sel. Die Bucht lässt sich hier herr­lich über­bli­cken bis hin zum zuletzt durch­kreuz­ten Ort. Auf der Insel brei­te­te sich eine gro­ße Wie­se aus mit alten Kie­fern und Fel­sen am Strand. 

Hier ent­deck­te er die Cas­tros de Neixón bei Boi­ro aus vor­christ­li­cher Zeit. Doch als wäre das nicht genug, tra­ten zwei Elfen auf den Weg. Eine von ihnen schob einen Kin­der­wa­gen, beglei­tet von einer sehr schö­nen Gefähr­tin. Deren Stim­me perl­te weich und melo­disch, als sie mit ihm ins Gespräch kam. Sie erzähl­te, dass sie als Leh­re­rin in Sant­ia­go arbei­te­te. Was haben die­se Schü­ler es gut! Die jun­ge Mut­ter lächel­te der­weil ver­schmitzt. Denn sie regis­trier­te wohl die schon ein­set­zen­de Ver­zau­be­rung des Radlers.

Doch genießt nun die Atmo­sphä­re, soweit das bei die­sen Fotos mög­lich ist. Jeden Tag lernt der Rei­sen­de immer etwas ken­nen, was er bis­her noch nicht kann­te. Ein wei­te­rer Höhe­punkt nach dem Besuch der Muschel­fi­scher. Mor­gen geht es zu einem klei­nen Para­dies — Boi­ro. Es geht mor­gen auch wei­ter zu traum­haf­ten Strän­den, nach­dem der Bike­pa­cker ver­zau­bert an den Cas­tros de Neixón war.

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Muschelfischer an der Ria de Arousa

Wie gemalt: Abend­stim­mung in Arou­sa. Hier wer­den die berühm­ten Herz­mu­scheln und Mies­mu­scheln ange­baut. Mor­gens um vier ver­las­sen die Fischer den Hafen. Mor­gen besucht der Rei­sen­de Muschel­fi­scher an der Ria de Arou­sa. Das ist das Ziel.

Unwei­ger­lich muss er zuvor an die unsäg­li­che Ver­schmut­zung der Küs­te durch Öl den­ken, die immer wie­der Gali­ci­en heim­sucht. Im Jah­re 2002 sank hier der unter der Flag­ge der Baha­mas fah­ren­de Öltan­ker “Pres­ti­ge”. Er woll­te im Novem­ber 2002 Öl von Lett­land nach Sin­ga­pur brin­gen. Der Kurz­sich­tig­keit der spa­ni­schen Behör­den ist das Desas­ter zu ver­dan­ken, dass die Exis­tenz vie­ler Fischer rui­nier­te. Denn sie lie­ßen den durch einen Sturm leck­ge­schla­ge­nen Tan­ker nicht in einen Hafen fah­ren. Dort hät­te das Öl abge­pumpt wer­den kön­nen. So zer­brach das Schiff und sank in die Tie­fe. 3600 Meter. Tau­sen­de von See­vö­geln und Mee­res­tie­ren star­ben der Ölpest wegen.

Wie geht es heute den Fischern?

Daher woll­te der Rei­sen­de im Inter­view erfah­ren, wie es den Fischern heu­te geht. Unter der Ver­schmut­zung lei­det heu­te zum Glück nie­mand mehr, ver­si­cher­ten ihm Mit­ar­bei­ter der Qua­li­täts­kon­trol­le im Hafen. Sie wie­gen und kochen die “Ern­te” von den vor der Küs­te lie­gen­den Muschel­bän­ken. Anschlie­ßend pro­bie­ren sie auch, wie sie schme­cken. Die Qua­li­tät ist nicht immer gleich. Sie hängt stark von den Nie­der­schlä­gen ab, die aus den Ber­gen über die Flüs­se in die Buch­ten gelan­gen. Daher ist das Was­ser in Nord­spa­ni­en oft ziem­lich kalt. So kalt, dass der Rei­sen­de es ein­fa­cher fin­det, kurz ins Polar­meer zu stei­gen als hier in den Atlan­tik. In Nord­nor­we­gen ist der Tem­pe­ra­tur­un­ter­schied zwi­schen Luft und Was­ser nicht so groß wie hier. Aber je käl­ter das Was­ser, des­to bes­ser fürs Wachs­tum der Muscheln.

Es war schön, zu beob­ach­ten, wel­ches Feu­er in den Augen der Fischer glimmt, sobald ihre Ern­te auf der Waa­ge lan­det. Je mehr Mus­kel­fleisch vor­han­den ist, des­to bes­ser für den Preis. Ist wenig Regen in den Vor­wo­chen gefal­len, fal­len die Muscheln klei­ner aus. Zum Abschied schen­ken die Mit­ar­bei­ter dem Rei­sen­den einen Beu­tel mit frisch gekoch­ten Mies­mu­scheln. Der reicht für zwei Tage. Und er fängt auch nicht an zu gam­meln. In der Qua­li­tät sind weder Muscheln in der Dose noch in den Restau­rants zu fin­den. Trotz mehr­fach fol­gen­der Ver­su­che ent­lang der Stre­cke bis nach Ribadeo.

Dann geht die Rad­rei­se durch Gali­ci­en wei­ter. Das berühm­te Cas­tro de Baro­ña war­tet schon. Dies ist der nächs­te Höhe­punkt nach dem Besuch der Muschel­fi­scher an der Ria de Arousa.

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Pilgerweg von Combarro nach Arousa

Pil­ger­weg von Com­bar­ro nach Arou­sa: Auf das Ende der Welt — Finis­terre — bewegt der Rei­sen­de sich jetzt zu auf der Pil­ger­rei­se. Da alle Wege nach Sant­ia­go de Com­pos­te­la füh­ren, radelt er seit einem Tag auf dem Küs­ten­weg ab Pon­te­ve­dra. Die Stre­cke ist leicht zu bewäl­ti­gen. Nur beim Ver­such, sie zu que­ren, ist mit etwas War­te­zeit zu rech­nen. Bis­her gibt es vie­le Sied­lun­gen. Weni­ger schön. Es gibt aber einen Sei­ten­strei­fen an der Fahrbahn.

Ganz so ein­sam ist es hier nicht zwi­schen Com­bar­ro, A Gran­xa und Arou­sa. Die Feri­en­sai­son an belieb­ten Plät­zen an der Ria de Arou­sa oder an der Ria de Vigo endet erst Mit­te Sep­tem­ber. Bis dahin muss der Pil­ger die Küs­ten­stra­ße mit vie­len Auto- und Motor­rad­fah­rern tei­len. Es scheint wenigs­tens so, dass die­se an Rad­fah­rer gewöhnt sind. Schnell fah­ren die wenigs­ten. Denn vie­le Renn­rad­fah­rer sind an der West­küs­te Gali­ci­ens unterwegs.

Sanxenxo touristisch überfüllt

Ein Ein­woh­ner im über­füll­ten Tou­ris­ten­ort San­xenxo erzähl­te, es hät­ten sich im ver­gan­ge­nen Jahr zwei Unfäl­le ereig­net. Daher füh­ren vie­le Auto­fah­rer jetzt vor­sich­tig. San­xenxo ist wirk­lich abschre­ckend. Der Ort ist über­baut mit Hotels und Restau­rants, ähn­lich ent­täu­schend wie Juels­min­de auf Jüt­land oder Le Trou du Dia­ble in der Ven­dée. Da Mas­sen­tou­ris­mus an die­sen Orten abge­fer­tigt wird, ist das Ver­kehrs­auf­kom­men hoch. Die Stra­ßen wer­den brei­ter, die Park­plät­ze grö­ßer, die Bebau­ung ver­mehrt. Also bit­te Rückbau!

Ab Arou­sa wird es bes­ser, wo es eine gute Pil­ger­her­ber­ge gibt. Pil­ge­rin Alex­an­dra war­tet schon. Sie ver­brach­te eini­ge Tage mit einer Freun­din auf einem Fes­ti­val in Vigo. Nahe bei Arou­sa steigt sie wie­der in den por­tu­gie­si­schen Jakobs­weg ein. Für sie ist Sant­ia­go mit gut 60 Kilo­me­tern nicht mehr weit. Aber erst­mal besu­chen die bei­den Pil­ger mor­gen Muschel­fi­scher im Hafen. Dann heißt es Abschied von­ein­an­der neh­men am Pil­ger­weg von Com­bar­ro nach Arousa.

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Von Barcelos nach Ponte de Lima

  • Jakobsweg vor Ponte de Lima

Von Bar­ce­los nach Pon­te de Lima: In Bar­ce­los, eine Klein­stadt, die ihr Thea­ter nach dem berühm­ten Renais­sance­dich­ter Gil Vicen­te benannt hat, dem Shake­speare Por­tu­gals, lernt der Rei­sen­de: Es kann bes­ser sein, Hüh­ner immer pfleg­lich zu behan­deln: also bes­ser bei Bio­mit­teln statt Fipro­nil blei­ben. Auch die Römer wuss­ten schon, wie wert­voll ihre Gän­sen waren, um die Stadt zu schüt­zen. Ihr Schnat­tern warn­te die Bewoh­ner vor anrü­cken­den Feinden.

Ein in Bar­ce­los zum Tode Ver­ur­teil­ter erbat einen letz­ten Wunsch. Er möge ver­schont blei­ben, wenn ein Hahn krä­he. Als der Bau­er schon zum Gal­gen gebracht wur­de, woll­te der Rich­ter einen Hahn ver­zeh­ren. Die­ser aber sprang vom Tel­ler und kräh­te. Der Rich­ter rann­te zum Gal­gen. Aber der Strick hat­te sich schon gelöst. Und der Bau­er durf­te gehen. Bis heu­te hält Bar­ce­los die Hüh­ner in Ehren. Die län­ge­re Ver­si­on der Legen­de fin­dest Du hier.

Hahn ist portugiesisches Nationalsymbol

Beim Rund­gang durch die schön an einem Fluss lie­gen­de Stadt ist das deut­lich zu erken­nen: Auf vie­len Plät­zen ste­hen kunst­voll bemal­te Hüh­ner. Die meis­ten befin­den sich im Zen­trum auf dem Cam­po da Repú­b­li­ca vor der gro­ßen Kir­che Igre­ja Matriz. Dies erin­nert den Rei­sen­den an Dalar­na, wo die berühm­ten schwe­di­schen Pferd­chen geschnitzt wer­den. Dort waren sie für Arbei­ten im Wald wich­tig. Des­halb hält man bis heu­te als Skulp­tu­ren in Ehren und ver­schenkt sie. Wie in Schwe­den das Pferd, ist der Hahn von Bar­ce­los ein por­tu­gie­si­sches Natio­nal­sym­bol. Des­halb sind in Hotels und Pri­vat­häu­sern in Por­tu­gal nicht nur Figu­ren aus Holz, son­dern auch aus Kera­mik zu sehen. Genau­so so wich­tig wie christ­li­che Kreu­ze und Hei­li­gen­bild­chen. Der Rei­sen­de hör­te einen Hahn schon ab dem frü­hen Mor­gen mehr­fach in einem der Nach­bar­gär­ten am Hotel krä­hen. Viel­leicht ist das ein gutes Omen auf dem Pil­ger­weg von Por­to nach Sant­ia­go de Compostela. 

Wie auch die über­ra­schend auf­tau­chen­de schö­ne römi­sche Brü­cke über einen Fluss, der so nicht am Fort­kom­men hin­dert. Wer hät­te das gedacht bei all den fürch­ter­li­chen Brän­den, die das Fern­se­hen immer wie­der zeigt. Aber in und um Por­to kommt oft fri­scher Wind vom Meer, obwohl der Weg übers Bin­nen­land führt. Heiß, was­ser­los und ver­brannt ist es hier nicht überall.

Alexandra pilgert durch die Hitze

Gleich hin­ter der Stadt sieht der Rei­sen­de die Pil­ge­rin Alex­an­dra aus Hei­del­berg. Sie sitzt auf einem Stein in der Hit­ze und tele­fo­niert. Da er im Ver­gleich zu den Pil­gern einen grö­ße­ren Akti­ons­ra­di­us mit dem Rad hat, kann er in der Umge­bung viel mehr besich­ti­gen. Eini­ge Kilo­me­ter vor Pon­te de Lima trifft er sie daher nach­mit­tags wie­der. Bei­de freun­den sich schnell an und baden etwas spä­ter im Fluss Lima. Dort gibt es ver­schie­de­ne Bade­plät­ze. Das Was­ser ist ange­nehm kühl. In der Fer­ne sind sche­men­haft Berg­rü­cken zu sehen. 

Wäh­rend sie danach in die Pil­ger­her­ber­ge geht, quar­tiert er sich in ein an einer Pro­me­na­de lie­gen­des Hotel ein. Dane­ben gibt es ein gutes Restau­rant, wo sich Alex­an­dra spä­ter ein­fin­det. Bei­de neh­men sich für den nächs­ten Tag eine Stadt­be­sich­ti­gung vor.

Mit 32 Kilo­me­tern rei­ner Pil­ger­stre­cke, hin­zu kom­men noch klei­ne­re Umwe­ge, geht das Pil­gern von Bar­ce­los nach Pon­te de Lima zwar nicht mit gro­ßen Schrit­ten vor­an. Aber wie heißt es so schön mit Alex­an­dras Wor­ten: “Der Weg ist das Ziel”. Es gibt eben viel schon auf der Rei­se durch Nord­por­tu­gal zu durch­strei­fen und zu erle­ben. Dazu gehö­ren natür­lich auch Repa­ra­tu­ren am Rad als läs­ti­ge Beschäftigung.

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