Reiseziele

Winterzauber in den Rieselfeldern

Win­ter­zau­ber in den Rie­sel­fel­dern: Eine wei­ße Frost­schicht bedeckt zur­zeit die Land­schaft im Müns­ter­land. Häu­fig ist dies nicht zu sehen. Meis­tens nimmt der Rei­sen­de so höchs­tens Rau­reif wahr, wenn er mor­gens auf den Ästen von Bäu­men und Sträu­chern liegt. Jetzt ähnelt die Frost­schicht Schnee. Aber ab mor­gen wird es so warm sein, dass der Zau­ber wie­der ver­fliegt. Auch das Win­ter­licht dürf­te dann ver­schwun­den sein.

So wird es auch in den Rie­sel­fel­dern, ein wich­ti­ges Vogel­schutz­ge­biet, ab mor­gen wie­der grau­er wer­den, sobald die Wol­ken die Son­ne ver­de­cken. Daher pack­te der Rei­sen­de heu­te auf der Rad­tour sein Smart­phone her­aus, um ein wenig die Atmo­sphä­re mitzunehmen. 

Auf­fäl­lig: Die vie­len Tei­che, einst nah­men sie das Abwas­ser der Stadt Müns­ter auf, sind mit dün­nem Eis bedeckt. Die Eis­bil­dung war schon am ver­gan­ge­nen Mitt­woch auf einer Rad­wan­de­rung zu erken­nen. Prompt such­ten die vie­len hier sonst leben­den Vögel das Wei­te. Die sonst hier zu sehen­den Grau­gän­se, Grau­rei­her und selbst wei­ße Schwä­ne waren heu­te ver­schwun­den. Sie haben sich wohl in wär­me­re Gefil­de abge­setzt. Viel­leicht sind sie ins Rhein­land gezo­gen, das oft wär­mer ist als das Müns­ter­land. Dort sind man­che Gewäs­ser wohl noch nicht zugefroren.

Seit Janu­ar 2026 kön­nen alle Natur­freun­de sogar etwas Gutes tun: Durch­strei­fen & Erle­ben gibt einen Kalen­der über das Natur­schutz­ge­biet her­aus. Von jedem ver­kauf­ten Exem­plar geht ein Euro an die Bio­lo­gi­sche Sta­ti­on, um deren Enga­ge­ment zu belohnen.

Statt­des­sen such­ten heu­te am Wochen­en­de vie­le Men­schen die Gewäs­ser in und um Müns­ter auf. Wie zum Bei­spiel den Aasee: zum Schlitt­schuh­lau­fen und Spa­zie­ren­ge­hen auf der Eis­flä­che. An der Tor­min­brü­cke, die den See in zwei Hälf­ten teilt, schien jemand ins Eis ein­ge­bro­chen zu sein. Ret­tungs­wa­gen kamen mit Blau­licht in dem Moment ange­fah­ren, als der Rei­sen­de an ihr vorbeikam.

Spannende Geschichte des Aasees

Der Aasee hat neben Ein­brü­chen ins Eis eine span­nen­de Geschich­te, die die ande­rer Städ­te über­tref­fen dürf­te: An des­sen Zufluss Aa — indo­ger­ma­ni­sches Wort für Was­ser — grün­de­te sich einst die Stadt Müns­ter. Denn an einer Furt zwi­schen Bis­ping­hof und Spie­gel­turm sol­len wan­dern­de Sach­sen eine Sied­lung auf­ge­baut haben. Einer von ihnen könn­te Mimi­ger gehei­ßen haben, wes­halb Müns­ter ursprüng­lich Mimi­gernaford hieß. Eine ande­re Theo­rie besagt, dass hier einem gewis­sen Mimir aus der nor­di­schen Mytho­lo­gie die Furt gewid­met wur­de. Man­che mei­nen, Mimi­gernaford sei auf dem Dom­hü­gel gebo­ren wor­den. Ande­re neh­men an, die sei auf der lin­ken, west­li­chen Sei­te geschehen.

In einem Arti­kel Otto-Ehren­fried Sel­les für die Sei­te “Auf Roter Erde” für die West­fä­li­schen Nach­rich­ten lern­te der Rei­sen­de Anfang April 2023, dass mitt­ler­wei­le eine Ansicht über­holt ist: Ein Gra­ben an der Stadt­mau­er sei um 1200 zur Ver­tei­di­gung mit Was­ser gefüllt wor­den. Was­ser­bä­ren hät­ten eher die Aa dar­an gehin­dert, in den Gra­ben zu flie­ßen. Von den Was­ser­bä­ren ist noch heu­te einer nahe am Bud­den­turm, der ande­re am Alten Zoo zu sehen. Bela­ge­rer konn­ten so auch nicht das Was­ser aus der Aa ein­fach ablei­ten, um leich­ter in die Stadt zu gelan­gen. Mehr dazu erfährst Du im Stadt­füh­rer Müns­ter Stadt der Skulp­tu­ren.

Frü­her habe es ent­lang der Aa Was­ser­müh­len gege­ben, die Getrei­de mahl­ten, schreibt Sel­le wei­ter. Dies spiel­te Fürst­bi­schof Chris­toph Bern­hard von Galen in die Kar­ten. Um 1660 ver­pflich­te­te er dem­nach Bau­ern dazu, in der Nähe des heu­ti­gen Zoos einen Damm zu bau­en. So woll­te er Was­ser zu einem See stau­en und die Müh­len zum Still­stand brin­gen. Dies erschwer­te auch die Ver­sor­gung mit Brot. Der Damm brach vor Weih­nach­ten 1660. Die Flu­ten setz­ten die Stadt zum Teil unter Was­ser. Ende März 1661 kapi­tu­lier­ten die Bür­ger. Von Galen ent­ließ dann Rat und Bür­ger­meis­ter. Die Rats­kam­mer hieß fort­an und bis heu­te Friedenssaal.

Wild unruhig in der Kälte

Zurück zum Win­ter­aus­flug: Nicht nur Men­schen tau­chen auf, son­dern auch das Wild wird unru­hig: Auf einem ver­fro­re­nen Acker bei Häger stan­den vier Rehe schon am frü­hen Nach­mit­tag, um dort Nah­rung zu suchen. Dies ist tags­über unge­wöhn­lich. Auch ein Hase quer­te die Stra­ße an der Nien­ber­ger Orts­gren­ze. Lei­der wird mor­gen der Win­ter­zau­ber in den Rie­sel­fel­dern und auch wohl anders­wo im Müns­ter­land fürs ers­te ver­flo­gen sein.

Fes­tungs­stadt Almei­da, Portugal

Abonniere den Durchstreifen & Erleben-Newsletter.

Willst Du künftig keine Beiträge über Reise- und Kulturthemen verpassen?

Dann tra­ge hier Dei­ne E‑Mail-Adres­se ein und freue Dich auf neue Blog­bei­trä­ge. Die­se lan­den auto­ma­tisch und kos­ten­los in Dei­nem E‑Mail-Post­fach.

Wenn Du Dich hier anmel­dest, erhältst Du in der Regel maxi­mal zehn Nach­rich­ten pro Monat über neue Blog­bei­trä­ge. Dein Post­fach wird also nicht üb überlastet.

Wir sen­den kei­nen Spam! Erfah­re mehr in unse­rer Daten­schutz­er­klä­rung.

likeheartlaugh­terwowsadangry
0
Kristen Benning

Freier Reise- und Kulturjournalist. Fachautor von Kulturreiseführern wie Serra da Estrela, Die hohen Berge Portugals durchstreifen und erleben, Berlin 2019. Münster, Stadt der Skulpturen, Die Kulturhauptstadt-Finalistin durchstreifen und erleben, Berlin 2017. Aarhus, Stadt des Lächelns, Die dänische Kulturhauptstadt 2017 durchstreifen und erleben, Berlin 2016. Västerbotten Land der Abenteuer. Ein unbekanntes Land im Norden Schwedens, Berlin 2014.

Kommentieren

Entdecke mehr von Durchstreifen & Erleben

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen