Winterwunderland Münsterland

Wann bist Du das letz­te Mal beim Spa­zie­ren­ge­hen im tie­fen Schnee ver­sun­ken? Der Rei­sen­de heu­te Nach­mit­tag gemein­sam mit einer ehe­ma­li­gen Klas­sen­ka­me­ra­din sei­ner Schwes­ter. Sie lief zufäl­lig vor der Haus­tür lang. Der Rei­sen­de schipp­te gera­de unter gro­ßen Anstren­gun­gen Schnee weg, als sie vor­bei­kam. Sie besuch­te gera­de ihre Mut­ter und woll­te sich die Stra­ßen­ver­hält­nis­se anschau­en, um die Rück­fahrt nach Frank­furt zu pla­nen. Doch dar­aus wird wohl erst­mal nichts im Win­ter­wun­der­land Müns­ter­land. Da sie ohne­hin im Home­of­fice steckt, kann sie noch ver­län­gern und von Müns­ter aus arbeiten. 

So viel geschneit, hat es lan­ge nicht mehr. Der Rei­sen­de glaubt, 2010 schnei­te es im Müns­ter­land zuletzt wirk­lich. Aber es war längst nicht so viel her­un­ter­ge­kom­men. Und es wur­de damals auch nicht so kalt. Wenn der Rei­sen­de das Fens­ter nachts öff­ne, um zu lüf­ten, fegt ein hef­ti­ger Wind her­ein. Lan­ge aus­zu­hal­ten, ist das nicht.

Gang zum Rüschhaus

Es wur­de beschlos­sen, gemein­sam durch den Schnee des Win­ter­wun­der­lan­des Müns­ter­land zu lau­fen und das foto­ge­ne Haus Rüsch­haus auf­zu­su­chen. Der Rei­sen­de stell­te die Schip­pe bei­sei­te. Dies ist bekannt als Wohn­ort der bekann­ten Dich­te­rin Annet­te von Dros­te-Hüls­hoff. Vie­le ken­nen die “Juden­bu­che” und “Der Kna­be im Moor”. Gestal­tet hat es der berühm­te Barock­bau­meis­ter Johann Con­rad Schlaun (1695–1773).

Als wei­te­res Ziel lockt dar­über hin­aus die Bron­ze­skulp­tur “Dia­lo­gue with Johann Con­rad Schlaun”. Dies ließ der bekann­te ame­ri­ka­ni­sche Bild­hau­er Richard Ser­ra anläss­lich der Skulp­tu­ren­aus­stel­lung am Anfang einer klei­nen Allee 1996 auf­stel­len. Durch eine Nei­gung ver­neigt sich die Skulp­tur um sie­ben Grad vor den bei­den west­fä­li­schen Gro­ßen. Das Unge­tüm aus Stahl nimmt aus 270 Metern Ent­fer­nung eine Bezie­hung zur Tür des Rüsch­hau­ses auf, die zwei Meter hoch, 1,5 Meter breit ist. Gegos­sen hat man den Koloss in der Hat­tin­ger Hen­richs­hüt­te, wo auch schon ande­re Kunst­wer­ke Ser­ras ent­stan­den. Ser­ra hat­te sich zuvor bereits mit einer gan­zen Rei­he von Bau­wer­ken Schlauns beschäftigt.

Schlauns bekann­tes­te Bau­wer­ke sind der Erb­dros­ten­hof und das Schloss in Müns­ter. “Pater Patriae” steht an des­sen Fas­sa­de. Der Spruch steht für einen auf­ge­klär­ten Staat. Dies drückt schlicht die nied­ri­ge und aufs Stadt­zen­trum aus­ge­rich­te­te Ein­gangs­trep­pe aus. Ein Schloss für die Bürger.

Schloss zu Münster

Seit 1773 ist es offi­zi­ell Resi­denz des Fürst­bi­schofs Max Fried­rich von König­segg-Rothen­fels. Die­ser war in Per­so­nal­uni­on Erz­bi­schof und Kur­fürst von Köln. Er resi­dier­te sowohl in Bonn am Hof­gar­ten, hielt sich aber auch mehr­fach zwi­schen 1768 und 1783 in Müns­ter auf. Durch­schnitt­lich 69 Tage pro Jahr. Einen fes­ten Sitz besaß er nicht. Er folg­te der Tra­di­ti­on seit dem Mit­tel­al­ter sein Leben auf Lan­des­bur­gen zu ver­brin­gen. Um Müns­ter her­um waren dies Wol­beck, Ahaus, Bever­gern, Horst­mar und Coesfeld. 

Denn die Kir­chen­ober­häup­ter lei­te­ten auch Bis­tü­mer, von denen Osna­brück, Köln und Pader­born. Sie resi­dier­ten dann im heu­ti­gen Bad Iburg im Teu­to­bur­ger Wald, Schloss Neu­haus, Bonn und Brühl. Bis zum Schloss­brand am 26. März 1945 durch Bom­ben exis­tier­te ein Gemäl­de Johann Hein­rich Tisch­beins von Max Fried­rich im Fürs­ten­saal. Heu­te exis­tiert davon zum Glück noch eine Ölskiz­ze. Deren Eigen­tü­mer ist das Lan­des­mu­se­um. In Cle­mens­werth in Sögel und Sas­sen­berg bei Waren­dorf ging er auf die Jagd.

Auch Maximilian Franz von Österreich lebte im Schloss

Auch sein Nach­fol­ger Maxi­mi­li­an Franz von Öster­reich (1756–1801) hielt sich dort auf. Er wur­de gar im Dom zu Müns­ter gekrönt, nach­dem ihn eine sechs­spän­ni­ge Kut­sche vom Schloss abge­holt hat­te. Gefei­ert wur­de danach im Gro­ßen Saal. Rit­ter und Ver­tre­ter der Städ­te muss­ten ihm auf dem Dom­platz einen Eid able­gen. 280 Tage soll­te er fort­an ins­ge­samt zwi­schen 1784 und 1793 in Müns­ter verbringen. 

Er emp­fing dort 1785, 1787 und 1793 den Land­tag, wo dann Dom­her­ren, Rit­ter und Ver­tre­ter der Städ­te berie­ten. Und er weih­te drei Weih­bi­schö­fe. Auch in der Schloss­ka­pel­le nahm er sei­ne Auf­ga­ben wahr, nicht nur im Dom oder im Bischofspalast.

Sogar einem Teil sei­ner Fami­lie dien­te das Schloss als Zufluchts­stät­te: Sei­ne Schwes­ter Maria Chris­ti­na und der mit ihr ver­hei­ra­te­te Her­zog Albert von Sach­sen-Teschen leb­ten hier gut sechs Wochen. Sie waren Gou­ver­neu­re der damals von Frank­reich besetz­ten öster­rei­chi­schen Nie­der­lan­de. Denn fran­zö­si­sche Sol­da­ten waren nach Bonn 1792/3 im Zuge des Revo­lu­ti­ons­krie­ges gekommen. 

Als preu­ßi­sche Trup­pen West­fa­len 1802 besetz­ten, war das Kapi­tel als fürst­bi­schöf­li­che Resi­denz been­det. Der Frei­herr vom Stein als Ober­kam­mer­prä­si­dent und Mili­tär­gou­ver­neur Geb­hard Lebe­recht von Blü­cher, ab 1814 Fürst Blü­cher von Wahl­statt, zogen ein. Sie über­nah­men das Heft des Handelns. 

Den Spa­zier­gang durchs Win­ter­wun­der­land ver­län­ger­te der Rei­sen­de an den dar­auf­fol­gen­den Tagen bei strah­len­dem Son­nen­schein. Auf dem auch bei Jog­gern auf Schnee belieb­te Twe­ren­feld­weg führt am Hotel Haus Hüer­län­der vor­bei. Dort war­tet auf Fami­li­en mit Kin­dern ein Zoo mit Dam­wild. Und Mini­golf. Die Stra­ße Rich­tung Roxel lau­fend, lohnt sich ein Blick auf die Was­ser­burg Haus Vöge­ding. Die­se ist trotz ihrer Jah­re sehr gut in Schuss. Dazu gehört auch ein grö­ße­rer Bau­ern­hof. Von dort kön­nen Besu­cher in der Fer­ne die Gip­fel der Baum­ber­ge sehen. Wann wird es ein Win­ter­wun­der­land Müns­ter­land je wie­der geben? 

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Kloster Gerleve: Adventsgruß

Klos­ter Gerle­ve Advents­gruß: Allen Lese­rin­nen und Lesern wünscht Durch­strei­fen & Erle­ben einen Fro­hen Zwei­ten Advent vom Klos­ter Gerle­ve. Das Klos­ter hat der Rei­sen­de natür­lich mit dem Rad besucht. Denn so kalt ist es heu­te nicht. In gut vier Stun­den lässt sich die schö­ne Stre­cke von Müns­ter aus gut bewäl­ti­gen. Sie ist gut 70 Kilo­me­ter lang. Und als gro­ßer Anreiz bie­tet sich die Über­win­dung von 400 Metern Stei­gung an. Fürs Müns­ter­land ist das schon ganz gut.

Sie führt zunächst in die wohl reiz­volls­te Bau­er­schaft des Müns­ter­lan­des: in die Beer­la­ge. Die­se ist von einer sanf­ten Hügel­land­schaft geprägt. In die­se ein­ge­bet­tet sind schö­ne Höfe. Die­se bestehen teils aus dem hie­si­gen Sand­stein. Teils sind sie von Wei­hern umge­ben. So haben man­che schon fast Burgcharakter. 

Adventsgruß vom Kloster Gerleve

Von dort geht es direkt zum auf einem Hügel lie­gen­den Klos­ter. Des­sen schö­ne Oster­mes­sen sind noch heu­te tief in den Kind­heits­er­in­ne­run­gen des Rei­sen­den. Heu­te schenk­te immer­hin eine hüb­sche Frau vor dem Por­tal der moder­nen Klos­ter­kir­che dem Rei­sen­den ein schö­nes Lächeln. Eine Mes­se wur­de dort heu­te Mit­tag nicht gehal­ten. Pater Bla­si­us, einst Ange­hö­ri­ger die­ses Klos­ters, tauf­te den Rei­sen­den. Ganz in der Nähe ist noch der dazu­ge­hö­ren­de Klos­ter­hof erhal­ten, auf­fäl­lig durch die dort wei­den­den Pferde.

Nach einer schö­nen Fahrt ent­lang des natur­nah erschei­nen­den Wald­ge­bie­tes Heng­wehr errei­chen Rad­ler das male­ri­sche Bil­ler­beck. Des­sen Orts­kern mit alten Häu­sern und beson­ders die St. Johan­nis­kir­che sind einen Besuch wert. Die Kir­che wur­de bereits um 800 nach Chris­tus erbaut und ist kunst­his­to­risch wert­voll. Sie gilt als viel bedeu­ten­der als der so genann­te Dom. Dar­an kann auch der davor gela­ger­te Advents­kranz nichts ändern. In der Advents­zeit ist der gro­ße Advents­markt auf der Kol­ven­burg gut besucht.

Blick auf Gräftenhof Haus Brock

Zurück nach Müns­ter führt der Trip am Lon­gi­nus­turm vor­bei. Die­ser liegt auf dem höchs­ten Punkt der Baum­ber­ge. Es fol­gen der hüb­sche Ort Havix­beck. Gut zwan­zig Minu­ten spä­ter ergibt sich nach Durch­que­rung eines Wal­des ein Blick auf Haus Brock am west­li­chen Ran­de Roxels. Die­ses ist ein alter Gräf­ten­hof, den eini­ge Jahr­hun­der­te Erb­män­ner­fa­mi­li­en besa­ßen. Zwi­schen 1600 und 1650 über­nahm Fami­lie Ste­vening das Gebäu­de und ließ es wäh­rend der Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges umbau­en. Von da an war es mit Gräf­ten — Grä­ben — ver­se­hen. Und seit 1623 ver­fügt es auch über ein Tor­haus. Es besteht aus Back­stein und gilt als wert­vol­les Zeug­nis west­fä­li­scher Renais­sance­kunst. Für Haus Brock selbst gilt dies nicht min­der, da es unver­fälscht ist. Im Stadt­ge­biet Müns­ter ist der­ar­ti­ges sel­ten zu fin­den. Daher steht es unter Denk­mal­schutz. Heu­te nutzt Land­wirt Mat­thi­as Heit­platz das Tor­haus als Lager.

Danach erreicht der Rei­sen­de den Stadt­teil Gie­ven­beck. Damit befin­det er sich schon am Ran­de Müns­ters und fast zurück am Aus­gangs­punkt. Freut euch jetzt in der war­men Stu­be oder spä­ter in der Kir­che auf die Fei­er der Geburt des Christkindes.

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Mai-Idylle in den Baumbergen

Mai-Idyl­le in den Baum­ber­gen: ein Fach­werk­hof bei Havix­beck am Fuße der Baum­ber­ge im Müns­ter­land. Die Gers­te ist bin­nen kur­zem ziem­lich hoch­ge­schos­sen. Am Don­ners­tag war sie noch nicht so weit. Schnapp­schuss beim Moun­tain­bi­ken am Sonntagvormittag.

Hof und Feld lie­gen am Ran­de einer der Lieb­lings­tre­cken des Rei­sen­den in die Baum­ber­ge. Je nach Lau­ne, Wet­ter und Zeit fährt er ent­we­der 60 Kilo­me­ter mit dem Renn­rad oder 70 Kilo­me­ter mit dem Moun­tain­bike. Ent­we­der lockt es ihn, auf gut aus­ge­bau­ten Stre­cken schnell zu fah­ren oder aber Forst­we­ge zu bestrei­ten und dabei kur­ze anspruchs­vol­le Stei­gun­gen zu nehmen.

Von Müns­ter aus führt der Weg zunächst zum Dorf Hohen­hol­te. Kurz davor liegt eine hüb­sche Was­ser­müh­le, von denen es im Umkreis Müns­ters nicht wirk­lich vie­le gibt. Das Rad bewegt sich lei­der nicht mehr, obwohl der Bach nach star­kem Regen doch erstaun­lich viel Was­ser führt. Dabei kommt mir das Gedicht Fried­rich Schil­lers in den Sinn:

Ein Mühl­werk mit ver­borg­ner Feder
Bewegt sich ohne Ruh und Rast,
Ein ewi­ger Strom treibt sein Rad,
Sein Werk ist vom Was­ser gefasst.


Der Strom ist’s, der die Müh­le regt,
Die Müh­le, die den Strom bewegt,
So för­dern sie sich wech­sel­wei­se
In ewig wun­der­vol­lem Krei­se,
Und wie die Wel­le rat­los bran­det,
Sie stockt doch und erschöpft sich immer,
Bis sich zuletzt der Strom versandet.


Dann steht das Rad und steht auf immer.

Frei nach Fried­rich Schiller

Es folgt ein net­ter Feld­weg in einen Wald. Den ent­deck­te der Rei­sen­de erst in die­sem Jahr. Er sucht immer neue Stre­cken, damit es nicht zu mono­ton wird. Und es lie­fert ihm Inspi­ra­ti­on zum Schreiben.

Spöt­ter sin­gen ger­ne “Wenn ich könn­te, wenn ich woll­te, füh­re ich immer nach Hohen­hol­te”. Es ist klein, liegt zwar etwas ab vom Schuss. Dafür aber hat es mit der Stifts­kir­che St. Georg einen zen­tra­len Mit­tel­punkt, den schon recht alte Häu­ser ein­krei­sen. Dort gibt es einen Dorf­la­den inklu­si­ve Post­stel­le. Dis­coun­ter gibt es erst wie­der in Havix­beck. Der Ort ist mit dem Rad in gut einer Vier­tel­stun­de zu errei­chen. Bei Oeding-Erdel kön­nen Durch­rei­sen­de und Ein­hei­mi­sche Kaf­fee trin­ken. Dass Hohen­hol­te über­haupt außer eini­gen Höfen exis­tiert, ist der Grün­dung eines Augus­ti­ner­klos­ters zu ver­dan­ken, das spä­ter in ein Damen­stift (1557 — 1811) umge­wan­delt wur­de. All dies trägt zur Mai-Idyl­le in den Baum­ber­gen bei.

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Radfahren in der Natur

Rad­fah­ren in der Natur: Wohin fährst Du am liebs­ten, wenn Du Dich auf das Rad schwingst? Wenn Du nach dem Tag im Hör­saal oder im Büro fri­sche Luft und Bewe­gung brauchst? Oder wenn Du mal meh­re­re Tage am Stück an der fri­schen Luft und in der frei­en Natur unter­wegs sein möchtest?

Als Nah­erho­lungs­ge­bie­te locken Durch­strei­fen & Erle­ben die Eifel rund um Bonn oder die Baum­ber­ge in der Nähe von Müns­ter. Dort genießt der Rei­sen­de die Mög­lich­keit, auf “Ber­ge” zu kra­xeln und von ihnen her­un­ter zu sau­sen, schö­ne Aus­bli­cke zu genie­ßen wie auf den Köl­ner, den Bil­ler­be­cker Dom oder auf das zu Füßen lie­gen­de Stevertal.

Steverland-Route im Münsterland

Die Ste­ver-Regi­on zwi­schen Not­tuln und Hal­te­ner See ist zur Ste­ver­land-Rou­te auf­ge­ar­bei­tet wor­den. 70 Kilo­me­ter lang ist die Rad­ver­bin­dung. Zwi­schen Appel­hül­sen und Sen­den zeigt sich zum Bei­spiel, wie sich aus einem “Bach” lang­sam ein Fluss ent­wi­ckelt. Oder ab dem Früh­jahr im Ste­ver­tal in den Baum­ber­gen die Obst­blü­te beginnt. Land­schafts­öko­lo­gen haben den Fluss, des­sen Was­ser­qua­li­tät sich seit den 1960er Jah­ren ver­schlech­tert hat­te, auf­ge­wer­tet. Es sind an eini­gen Stel­len sanft geschwun­ge­ne Fisch­trep­pen zu sehen. Zuvor war dort das Gewäs­ser begra­digt: Heu­te befin­den sich dort rena­tu­rier­te unbe­to­nier­te Abschnitte. 

Seit 6000 Jah­ren gel­ten die Baum­ber­ge als Sied­lungs­raum der Men­schen, weil dort kris­tall­kla­res Was­ser floss: Trink­was­ser für sich und ihre Tie­re. Rad­fah­rer fin­den restau­rier­te Müh­len vor wie zum Bei­spiel in der Nähe von Appel­hül­sen. Ein Modell kann dort auch per Hand betrie­ben wer­den, um zu erken­nen, wie Ener­gie gewon­nen wur­de. Was­ser­müh­len gehö­ren zu den ältes­ten Ener­gie­ge­win­nungs­an­la­gen. Wind­müh­len folg­te viel spä­ter. Und es sind noch rich­ti­ge Rit­ter­bur­gen zu sehen wie Burg Vische­ring bei Lüdinghausen.

Fern-Radfahren in der Natur

Geht es in die Fer­ne, gefal­len dem Rei­sen­den beson­ders die Küs­ten­wan­der­we­ge in Nord­nor­we­gen und im spa­ni­schen Gali­ci­en. Denn sel­ten kommt man inner­halb Euro­pas so nahe ans (unver­bau­te) Was­ser wie auf dem Lofot oder auf die Insel Sen­ja oder die Stre­cke ent­lang der Cos­ta da Mor­te. Sogar man­che Her­ber­ge liegt dort so schön und auch noch ein­sam, dass man das Meer im Zelt oder vom Zim­mer aus hören kann. Dass der Rei­sen­de dort nachts in einen tie­fen erhol­sa­men Schlaf fällt, ist selbstverständlich.

Will der Rei­sen­de Ber­ge sehen, erfreut er sich beson­ders an den Päs­sen zwi­schen Mo i Rana und Vil­hel­mi­na im Grenz­ge­biet von Schwe­den und Nor­we­gen, weil er sich dort wie ein Gold­su­cher füh­len darf in rau­er Land­schaft. Kla­re Flüs­se rau­schen vor­bei, wäh­rend der Bike­pa­cker vorm Zelt am Lager­feu­er sitzt und sich etwas brut­zelt. Das Feu­er ver­scheucht die meis­ten Mücken.

Oder aber der Rei­sen­de sucht wie­der das berg­rei­che Gali­ci­en auf. Nicht weit ent­fernt davon liegt auch die Ser­ra da Est­re­la. Aber trotz­dem gibt es dort mas­si­ve Unter­schie­de. In Gali­ci­en gibt es viel mehr Schluch­ten und Wege zum Kra­xeln. Hin­ge­gen ist die Est­re­la in wei­ten Tei­len eher eine Hoch­ebe­ne. Dort kann man das por­tu­gie­si­sche Hoch­ge­bir­ge rela­tiv leicht mit dem Rad durch­strei­fen und erleben.

Wer so inspi­riert auf Tour gehen will, soll­te sich auch die Tipps eini­ger ande­rer Cracks anse­hen. Tou­ren hat die Zeit­schrift “Geo” mit­samt gpx-Daten zum Nach­fah­ren zusammengestellt.

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Münsterland-Giro ausprobiert

Müns­ter­land-Giro aus­pro­biert: Respekt — heu­te ist der Rei­sen­de mit dem Renn­rad 133 Kilo­me­ter von Müns­ter bis nach Heek und Schöp­pin­gen den Spu­ren des Müns­ter­land-Giros gefolgt. Ange­sichts sei­ner bren­nen­den Ober­schen­kel trotz ins­ge­samt wei­ter Tou­ren in sei­nem Leben nötigt ihm die Leis­tung der Ama­teu­re des Jeder­mann-Ren­nens Respekt ab. Aller­dings ist er meis­tens auf nicht immer kom­for­ta­blen Rad­weg gefah­ren. Den Kom­fort gesperr­ter Stra­ßen konn­te er lei­der nicht genie­ßen. Durch Umwe­ge sum­mier­te sich die Stre­cke um eini­ge Kilo­me­ter mehr als für Rad­ler auf der Giro-Strecke.

Hier fol­gen nun Impres­sio­nen von der Stre­cke zwi­schen Stift Til­beck und dem Ste­ver­tal rund um die Städ­te Bil­ler­beck und Havix­beck. Die­se Impres­sio­nen haben die Sport­ler am Tag der Deut­schen Ein­heit in den Baum­ber­gen so bestimmt nicht wahr­ge­nom­men. Sie ist auf jeden Fall der ruhi­ge­re Teil. Denn im Ver­gleich zum Rich­tung Nie­der­lan­de füh­ren­den zwei­ten Teil ist er deut­lich bes­ser vor Wind geschützt. Dies liegt an zahl­rei­chen Wall­he­cken, die ziem­lich typisch fürs Müns­ter­land sind. Und natür­lich an den Baum­ber­gen, die die Kraft des Win­des erheb­lich schwächen. 

Danach führt der Weg von Schloss Dar­feld zum Barock­schloss Ahaus. Er steigt empor zum Schöp­pin­g­er Berg. Und von dort zurück nach Müns­ter. Der Müns­ter­land-Giro ist nun ausprobiert.

Herausforderung Borken

Wer sich noch mehr for­dern will, kann von hier aus noch 32 Kilo­me­ter wei­ter nach Bor­ken radeln. Im Mai 2021 öff­ne­te dort das Stadt­mu­se­um wie­der sei­ne Tore. Die Stadt­ge­schich­te wird aus drei ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven beleuch­tet. Im Spei­cher befin­den sich Expo­na­te wie ein Moped oder ein deutsch-ara­bi­sches Koch­buch. Übers Smart­phone erzäh­len sie ihre Geschich­te. Eine Sta­ti­on hält his­to­ri­sche Klei­dung für Kin­der bereit. Zeit­zeu­gen berich­ten auf einer ande­ren Ebe­ne über Gescheh­nis­se der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te. Dort wol­len die Muse­ums­exper­ten auch künf­tig Inter­views mit Bür­gern der Stadt füh­ren. Inso­fern bleibt es dort leben­dig. Auf einer wei­te­ren Ebe­ne lau­fen Kurz­fil­me über bestimm­te Epo­chen der Stadt­ge­schich­te. Orte des Gesche­hens erstrah­len dann far­big wie zum Bei­spiel die alte Stadt­mau­er. Dies kann schön wir­ken, wie sich bei einem Besuch der alten Han­dels­stadt Por­to zeigt.

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Kunst am Radweg

Kunst am Rad­weg: Ulf Schulz und der Rei­sen­de sind nach wie vor im Sau­er­land unter­wegs. Heu­te sind bei­de in Eslo­he. Auf der Fahrt genos­sen sie die schö­ne Land­schaft. Dabei fand der Rei­sen­de nicht nur den Gruß am bun­ten Fahr­rad aus Ser­ken­ro­de. Die­ser trägt zur Erhei­te­rung bei. Und man fühlt sich will­kom­men bei sol­chen Aktio­nen. Fahr­rä­der wie die­ses fin­det man mitt­ler­wei­le an vie­len Orten der Welt. In Baum­berg bei Havix­beck steht ein Fahr­rad mit der Auf­schrift “Quäl dich!”. Die­se auf­mun­tern­den Wor­te gel­ten den­je­ni­gen, die sich trau­en, die stei­le Ram­pe zum Lon­gi­nus­turm hin­auf­zu­fah­ren. Selbst in den Baum­ber­gen gibt es also hier und da wie auch in Dar­up stei­le Stü­cke, über die sich Tour de France-Fah­rer Linus Ger­de­mann sei­ne Kar­rie­re auf­ge­baut hat. Und im Müns­ter­land fand der Rei­sen­de in der Umge­bung Dren­stein­furts ein schö­nes Ver­kehrs­schild mit den Bre­mer Stadt­mu­si­kan­ten. Ein Bau­er scheint es gestal­tet zu haben. Denn es steht an der Zufahrt zu sei­nem Hof.

Bier und Fledermaustunnel

In Algar­ve in Por­tu­gal ste­hen im Hin­ter­land auch Räder und dazu kunst­voll gestal­te­te Figu­ren mit Hel­men und Tri­kots vor Dorf­ein­gän­gen. Die “Kunst am Rad­weg” zeugt von der Rad­be­geis­te­rung der Bewoh­ner, obwohl Por­tu­gal nie den Sta­tus eines gro­ßen Rad­ren­nens erhal­ten hat wie die Tour de France oder die Vuel­ta de Espa­ña. Die Por­tu­gal-Rund­fahrt ist längst nicht jedem bekannt. Immer­hin aber gibt es hier und da Ver­an­stal­tun­gen wie in Coim­bra, wo Moun­tain­bike-Wett­be­wer­be lau­fen. Wer BTT Por­tu­gal in die Such­ma­schi­ne ein­gibt, fin­det bestimmt eini­ge Wettbewerbe.

Ulf hin­ge­gen fas­zi­nier­te auf der Stre­cke nach Eslo­he ein Fle­der­maus­tun­nel. Gro­ße Tei­le des Ruhr­tal­rad­wegs ver­lau­fen auf einer ehe­ma­li­gen Bahn­tras­se. Die­se erleich­tert dem sport­li­chen Schwer­ge­wicht Ulf unge­mein die Erkun­dung des Mit­tel­ge­bir­ges. Aber dies ist etwas über­trie­ben. Denn er meis­ter­te leicht den Auf­stieg zum Kah­len Asten, die Erklim­mung Win­ter­bergs und ande­rer höhe­rer Zie­le, ohne zu schnau­fen. Im Fle­der­maus­tun­nel leben wirk­lich geflü­gel­te Insektenjäger.

Schön dann auch der abend­li­che Emp­fang, im Gast- und Brau­haus in Eslo­he. Eigent­lich wären die Rei­sen­den lie­ber auf dem nahen Pony­hof unter­ge­kom­men. Doch die Betrei­ber sahen die­se wohl eher als Vaga­bun­den an. Dabei ver­lock­te der Anblick der Pfer­de und der Tisch­ten­nis­plat­te, hier einen lus­ti­gen Abend zu ver­brin­gen. Eher etwas unwirsch wie­sen einen die Eigen­tü­mer dort ab. Dafür aber hieß der Besit­zer die Bike­pa­cker herz­lich will­kom­men. Er spen­dier­te sei­nen Über­nach­tungs­gäs­ten ein lecke­res Bier. Prost!

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