Mit Schulbuchbildern nach Paris

Obwohl Freun­din Alex­an­dra im Tou­ris­mus­sek­tor arbei­tet, hat sie eini­ges in Euro­pa noch nicht gese­hen. Schon lan­ge plant sie, sich berühm­te Metro­po­len anzu­schau­en. Franz Kaf­kas “Der Pro­zess” liegt auf dem Nacht­schrank. Des­sen sur­rea­lis­ti­sche Schil­de­run­gen lös­ten den Wunsch aus, sich Prag anzu­schau­en. Kaf­ka ist in Prag auf die Welt gekom­men. Die anti­ke Mit­tel­meer­welt hat sie schon in der Schu­le fas­zi­niert. Daher will sie auch nach Athen flie­gen, um sich berühm­te Tem­pel anzu­schau­en. In Geschich­te hat sie sich auch mit Fran­zö­si­scher Revo­lu­ti­on und Son­nen­kö­nig Lud­wig XIV. aus­ein­an­der­ge­setzt. Mit Schul­buch­bil­dern im Kopf begibt sie sich jetzt nach Paris.

Die in Paris gefäll­ten Ent­schei­dun­gen bezüg­lich fran­zö­si­scher Erobe­rungs­gier waren deut­lich in ihrem Hei­mat­land Por­tu­gal in Form gro­ßer Beben spü­ren. Daher mit Ver­sailles das eins­ti­ge Zen­trum abso­lu­tis­ti­scher Macht mit eige­nen Augen sehen. Wel­che Spu­ren hat sinn­los hin­ge­rich­te­te Köni­gin Marie Antoi­net­te hin­ter­las­sen? Zuvor hat sie eine Bio­gra­fie Marie Antoi­net­tes gele­sen. Auf ihrer Lis­te ste­hen Wahr­zei­chen wie Eif­fel­turm und die Kathe­dra­le Not­re-Dame de Paris, Muse­en wie Lou­vre und d’Or­say und eine roman­ti­sche Seine-Flussfahrt.

Erstaunlich ruhige Innenstadt

Den Rei­sen­den bewegt ähn­li­ches: Von Haupt­städ­ten hat er Kopen­ha­gen, Stock­holm, Hel­sin­ki, Oslo, Lon­don und Madrid gese­hen. Doch in Paris kennt er nur den Weg zwi­schen den Bahn­hö­fen Mont­par­nas­se und Gare de l’Est. Als er aus Spa­ni­en mit dem Rad zurück­kam, muss­te er die Stadt que­ren, um nach Deutsch­land wei­ter­zu­fah­ren. Er war über­rascht, wie ruhig es war. Statt auf Cha­os traf er auf Orte der Muße wie Boule spie­len­de Männer.

Mit­te Mai 2021 mach­te das Pari­ser Rat­haus bekannt, dass es das Zen­trum ver­kehrs­be­ru­hi­gen, Auto­ver­kehr mas­siv ein­schrän­ken wol­le. 180 000 Fahr­zeu­ge füh­ren durch, davon 100 000 ohne anzu­hal­ten, sag­te David Bel­li­ard von den Grü­nen. Künf­tig sol­len nur Anwoh­ner, Bus­se, Taxis, Hand­wer­ker, Gewer­be­trei­ben­de und Zustel­ler dort unter­wegs sein dür­fen. Die Ver­än­de­rung gel­te fürs Gebiet rund um die Sei­ne-Insel Île de la Cité und das sieb­te Arrondissements.

Vieles nur aus dem Schulbuch bekannt

Schul­buch­bil­der von Paris im Kopf hat auch der Rei­sen­de. Er kennt die Stadt eben­so aus Fil­men, Erzäh­lun­gen und Ölbil­dern sei­nes Künst­ler­freun­des Frank Sie­we­ring. Die­ser brach­te Fotos und Skiz­zen aus Frank­reich mit, um sie zuhau­se in Aqua­rel­le und Ölbil­dern aus­zu­ar­bei­ten. Sie­we­ring ließ sich schon immer von van Gogh, Schie­le, Macke und Klee inspi­rie­ren. Sei­ne Wer­ke hän­gen jetzt in sei­nem Zuhau­se, in Büros von Ban­kern und Industriellen.

Klar, dass der Rei­sen­de und Alex­an­dra ein Quar­tier nahe Mont­mart­re bezie­hen wür­den. Sie haben eine Woh­nung über ein Inter­net­por­tal pri­vat gemie­tet. Wor­auf Du beim Mie­ten einer Woh­nung über Anbie­ter wie airbnb ach­ten soll­test, erfährst Du in die­sem hier in der Lokal­zeit Bonn. Dort spricht der Rei­sen­de mit Mode­ra­to­rin Sybil­le Schütt über Internetportale.

Neben his­to­ri­schen Quel­len aus Schu­le und Stu­di­um kennt der Rei­sen­de Paris aus Fil­men, die er eini­ge Jah­re ger­ne ange­schaut hat. Dar­un­ter fal­len Fran­tic und “Die Lie­ben­den von Pont Neuf”. Aber auch Hör­spie­le mit Kom­mis­sar Mai­gret inspi­rie­ren ihn. Er will den Spie­gel­saal von Ver­sailles sehen, der in der deut­schen Geschich­te eine wich­ti­ge Rol­le spiel­te. Mit die­sen Inspi­ra­tio­nen im Gepäck fah­ren er und Alex­an­dra bald nach Frank­reich. Natür­lich mit Boule-Kugeln in der Tasche. Denn das tut der Rei­sen­de seit sei­ner Kind­heit. Oft spiel­te er in Süd­frank­reich ger­ne mit Ein­hei­mi­schen. Mal schau­en, was aus den Schul­buch­bil­dern von Paris am Ende übrig bleibt!

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Subtropenparadies auf dem Vulkan

Sub­tro­pen­pa­ra­dies auf dem Vul­kan: So weit drau­ßen im Atlan­tik hat sich der Rei­sen­de bis­her noch nie auf­ge­hal­ten. Am wei­tes­ten war es bis­her auf der Kana­ren­in­sel El Hier­ro. Doch Madei­ra — ein Sub­tro­pen­pa­ra­dies auf dem Vul­kan — unter­schei­det sich deut­lich von den Kana­ri­schen Inseln. Dies gilt sowohl für die Vege­ta­ti­on als auch für die Men­schen. Dies hat sich auf der Madei­ra-Rund­rei­se gezeigt. Gut zu errei­chen ist die Insel über die Ver­bin­dung Frank­furt — Fun­chal mit Umstei­gen in Lissabon.

Feuchter als auf den Kanaren

Auf den Kana­ren hat der Rei­sen­de das Gefühl, nach wie vor in Spa­ni­en zu sein. Selbst im Win­ter ist es dort recht tro­cken. Der Tei­de auf Tene­rif­fa unter­schei­det sich auch nicht so sehr von ande­ren Ber­gen Spa­ni­ens. Hier wie dort wach­sen Pflan­zen wie auf dem Fest­land: Agar­ven und Pal­men. Beson­ders ist Vul­kan­ge­stein, das auf El Hier­ro schwarz ist und auch als Bau­ma­te­ri­al ver­wen­det wird. Je nach Wet­ter­la­ge kann es sich etwas depres­siv auf die Stim­mung aus­wir­ken, wenn man weiß getünch­te spa­ni­sche Häu­ser gewöhnt ist. Aber die Ein­woh­ner sind und blei­ben Spa­ni­er: ein fröh­li­ches Volk.

Auf Madei­ra wan­delt sich das Bild: Es scheint feuch­ter zu sein und daher auch grü­ner. Eine Wan­de­rung führt den Rei­sen­den und sei­ne Grup­pe durch den Par­que das Quei­ma­das. Madei­ra-Wan­der­ur­laub wol­len die Tou­ris­ti­ker der Insel eta­blie­ren, um so auch vom Image der Rent­ner- und Golf-Insel weg­zu­kom­men. An der Sei­te des Wan­der­we­ges plät­schern Rinn­sa­le durch die so genann­ten leva­das. Mit die­sen bewäs­sern Bau­ern ihre Fel­der. Es ist natür­li­ches Was­ser. Dies kommt vor allem auf der nie­der­schlags­rei­chen Nord­sei­te der Insel vor. Hor­ten­si­en wach­sen in Mas­sen am Weges­rand, was optisch den in Schwe­den häu­fig wach­sen­den Lupi­nen ent­spricht. Üppi­ger Blu­men­be­wuchs ist in Spa­ni­en hin­ge­gen sel­ten zu sehen. Hor­ten­si­en wach­sen dort wohl fast nur in Gär­ten. Die Far­be des Vul­kan­ge­steins fällt nicht so ins Auge. 

Fast schon devot

Die Men­schen sind hier ruhi­ger als in Spa­ni­en. Man­che Direk­to­ren wie Kell­ner in den Hotels erschei­nen einem fast schon devot. Das ist der Rei­sen­de nicht so gewöhnt. Und es nervt auch etwas, wenn sich jemand vor einem stän­dig leicht ver­neigt, wenn man sich mit jeman­dem unter­hält oder man das Essen ser­viert bekommt. Viel­leicht liegt es dar­an, dass das der hier manch­mal her­bei segeln­de Adel es so erwar­tet. Prin­zes­sin Vik­to­ria von Schwe­den gas­tier­te hier schon eini­ge Male. Natür­lich schau­en auch ent­spre­chend Ade­li­ge aus Eng­land vorbei. 

Bri­ten machen den Haupt­teil aus­län­di­scher Besu­cher aus. Die­se sieht man dann abends erschöpft vom Golf­platz zurück­kom­men. Es liegt ganz sicher dar­an, dass das Sub­tro­pen­pa­ra­dies auf dem Vul­kan abge­le­ge­ner ist. Die geo­gra­phi­sche Lage formt die Bewoh­ner. Men­schen im Dou­ro-Tal in Nord­por­tu­gal sind wie­der ganz anders. Dort ist die Land­schaft auch medi­ter­ran und nicht atlantisch.

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