Wintermezzo im Münsterland

Dass dicker Schnee kommen würde, war schon seit Tagen bekannt. Als ich aber am nächsten Morgen zum Frühstücken ging, musste ich lachen. So überrascht war ich. Ein hoher Hügel war über Nacht auf dem eigentlich flachen Beet gewachsen. Nur die Blüte einer Winterrose lugte aus ihm heraus. Von solch einer Masse war ich am Vorabend nicht ausgegangen. Ich befürchtete jetzt, dass sich der Schnee bald so hoch türmen würde, dass nur noch ein winziges Guckloch einen Blick in den Garten ermöglichen würde.

Eine Woche lag eine dicke Schneedecke auf dem Münsterland. Zwei Tage lang hatte es zuvor ohne Unterlass geschneit. Eine vertraute Landschaft veränderte sich. Andere Geräusche, andere Farben. Ein neues Profil. Bisher Unbeachtetes gewann an Bedeutung. So bringt eine Woche Schnee Menschen in Urlaubsstimmung.

Es folgten erste Spaziergänge. Aufs Rad steigen wollte ich noch nicht. Spikes standen zwar im Keller, durch die sich mein Verhältnis zu Eis und Schnee stark verändert hatte. Früher war Winter eher eine Last, heute ein Genuss, da man mit solchen Laufrädern sicher fahren kann. Selbst auf zugefrorenen Seen. Diesmal war aber soviel gefallen, dass ich mir kaum vorstellen konnte, mich durch so tiefen Schnee zu wühlen. So nahm ich mir vor, die nähere Umgebung fotografisch zu erfassen.

Der ersten Überraschung folgte zwei Tage später die zweite: Die Gewässer froren zu. Auf der Gräfte einer Wasserburg nahmen Enten auf Schnee Platz, der vom Dach gerutscht war. Sicherlich angenehmer als auf bloßem Eis. Es gab kein einziges Wasserloch mehr. Deshalb schnatterte keine einzige Ente fröhlich mit den anderen. Die Stimmung in der Gruppe war sichtlich gedrückt.

Bisher langweilige Tümpel an Bauernhöfen boten nun ein prächtiges Farbenspiel. Auf an sich schlammigen Gewässern lag nun eine braune Eisschicht mit weißen Adern. Schnee an den Ufern warf neues Licht. Er ergab auch einen schönen Kontrast zum zwischen Bäumen durchscheinenden blauen Himmel. Selbst Gräben an den Äckern gewannen nun an Reiz, da sie nun mit Eis gefüllt waren. Also entschied ich: Aus dem Luftschnappen wird bei so vielen Reizen eine Kurzwanderung.

Denn selbst Äcker rückten in neues Licht. Durch weißen Teppich gewannen sie an Weite. Es fühlte sich so an, als hätte einen jemand ins winterliche Skandinavien gebeamt. Eines der letzten Bauernhäuser in unmittelbarer Nähe der Stadt wirkte wie in der Tundra gelegen. Ein goldenes Kreuz entwickelte im Schnee mehr Strahlkraft. Eine Landstraße verwandelte sich in eine Loipe. Rechts von der Straße, wo keine Autos und Spaziergänger waren,, zogen sich tiefe Spuren von Skier. Ein Ackerrandstreifen als Skigebiet. In die Realität zurück holte einen dicker Schnee auf dem Radweg. Perfekt geräumt war nur die Landstraße. Von wegen Verkehrswende in einer Fahrradhauptstadt. Die Worte „Fahrrad frei“ auf dem Schild wirken da fast ironisch. Nicht einmal für Wanderer

Dann führte der Weg abwärts in Richtung eines Erholungs- und Landschaftsschutzgebietes. Rechts am Wege liegt ein Landfahrerplatz, auf den ich neugierig war. Denn in der Zeitung stand, dass Räumdienste hier Schnee ablüden. Meterhoch türmte er sich hier. Genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Neugierig war ich auch, wie sich das Fachwerk-Torhaus an der Stiege im Schnee präsentierte. Jemand hatte mir vor einigen Tagen erzählt, dass der dort lebende Gastwirt es vor dem Verfall gerettet hätte. Er kaufte es einem Landwirt ab, ließ es ab- und hier wieder aufbauen. Ein schöner Weg, alte Bauwerke zu bewahren.

Einige Meter weiter sah ich ein weiteres Bauwerk im Wald. Ein Baum hatte es errichtet, eher unfreiwillig. Einer seiner Äste krümmte sich so stark, dass es einem Tor ähnlich sah. Durch das Licht des Schnees erzielte es eine besondere Wirkung. Normalerweise ist es hier wohl eher dunkel. Ein Eingangstor in ein kleines Naturschutzgebiet, durchzogen von Wanderwegen durch Wald und über Hügel. Wieder ein weiter Blick, also wieder das Gefühl, im Norden Europas zu sein. Für mich eine der schönsten Gegenden rund um die Stadt.

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So entwickelte sich aus fünf Kilometer Luftschnappen eine kleine Wanderung von 8,5 Kilometern. Sie führte vom Haus Rüschhaus vor den Toren Münsters zum Horstmarer Landweg. Von dort ging es auf die Gasselstiege ins Naturschutzgebiet Vorbergs Hügel. Der Hügel ist fast 100 Meter hoch. Mit 311 Hektar ist es das zweitgrößte Naturschutzgebiet Münsters. Zurzeit diskutieren verschiedene Parteien über die Nutzung des Gebietes durch Menschen. Wäre ein Parkplatz dort sinnvoll oder nicht, um das Besucheraufkommen zu regulieren? Sollte man gar einen Aufseher einstellen, um die Ströme zu lenken? Eine ähnliche Diskussion gibt es über die Einrichtung eines Wanderweges entlang des Flüsschens Aa vom Stadtzentrum bis zur Burg Hülshoff. Menschen suchen immer mehr Entspannung im Grünen.

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