Eine Woche bleibe ich in Porto. Ich freue mich riesig darauf. Heute oder morgen komme ich an. Unterkunft und Rückflug sind schon gebucht. Sieben Nächte in zentraler Lage an der Avenida dos Aliados. Dann werde ich recherchieren, was die Seele der Stadt ausmacht, möglichst abseits vom Reise-Mainstream. Mal schauen, wie oft ich mein Rad noch brauche. Ich benötige dringend neue Bremskörper, bin froh, dass ich die Schlussetappe gut überstanden habe. Ein freundlicher Mechaniker verkaufte mir gestern welche und schrieb mir Tipps auf, was ich auf jeden Fall besuchen sollte. Er sprudelte fast schon über.
Schlagwort: Porto
Radwandern am Rio Douro
Portugals schöner Rio Douro im Herbst. Tagsüber ist es im Flusstal noch schön warm in der Sonne. Abends wird es schon recht frisch beim Radwandern Richtung Porto. Auf der Strecke entdeckte ich diesen schönen mit Kacheln verzierten Brunnen am Konvent von Alpendurada e Matos. 
Rauf aufs Rad und los!

Deutsche werden nicht so alt wie Italiener und Spanier. Das liege am falschen Verhalten, sagen Forscher. Komisch: Der Reisende sieht viele dicke Spanier und Portugiesen auf seiner Tour durch Galicien und die hohen Berge Portugals. Ob das so stimmen kann? Sie raten dazu, sich regelmäßig zu bewegen, um Übergewicht zu vermeiden. Also: Rauf aufs Rad und los!
Aktuell hält er sich aber noch einige Tage in der zauberhaften Stadt Lamego auf. Diese liegt im Douro-Gebiet, wenn auch nicht direkt am großen Strom. Der Rio Douro entspringt als Rio Duero in Kastilien-León nahe dem Ort Soria, bis er kurz hinter Zamora die Grenze erreicht. Dort ändert sich sein Name. Da der Douro schiffbar ist, bieten auch Kreuzfahrtschiffe einen Transfer nach Lamego an.
Lamego ist ein alter Wallfahrtsort. Das ist schon bei der Ankunft an vielen schönen Statuen zu erkennen. Eine von ihnen ist auf dem Foto über diesem Text abgebildet. Auf der Strecke zu der auch auf dem Bild zu sehenden hohen Treppe mit der Wallfahrtskirche folgen einige weitere. Dank der auf der Strecke durchs Minho-Gebiet und durch Galicien erworbenen guten Kondition fällt es dem Bikepacker ziemlich leicht, diese Treppe zu bezwingen. Beim Aufstieg halten bunte religiöse Kachelbilder den Treppenläufer bei Laune. Oben angekommen lässt leichter Wind Blätter im Park rascheln.
Tolles Museum in der Innenstadt
Auch das Museum in Lamego ist empfehlenswert. Neben archäologischen Funden aus der Region zeigt es eindrucksvolle religiöse Schätze, sogar kostbar geschmückte Kapellen, die hier besser aufgehoben sind als an ihren Ursprungsorten. Eine Aufseherin führte ihn durch einen Teil der Sammlung und erklärte ihren Hintergrund netterweise sehr langsam auf Portugiesisch. So fällt es leichter die Douro-Region im späteren Radreiseführer gut nahezubringen.
Demnächst aber heißt es wieder “Rauf aufs Rad und los!” Am Rio Douro entlang geht es weiter nach Porto. Um nicht zuzunehmen, gilt es auch, nicht zu viel Portwein trinken. Das könnte schwerfallen. Denn schon ab der spanisch-portugiesischen Grenze luden zahlreiche Winzer zum Verkosten ein. 145 Kilometer sind es nur noch bis Porto. Dort will der Reisende gut eine Woche bleiben, bevor es an Nikolaus wieder zurück nach Deutschland geht.
Wein und Oliven so weit das Auge reicht
Noch nie hat der Reisende auf seiner gesamten Reise Wein und Oliven in solchem Ausmaß gesehen. Wahnsinn! Hinter ihm liegen immerhin schon gut 3000 Kilometer Radreise durch Nordportugal und Galizien. Es ist auch angesichts der Höhe überwältigend, am Rio Douro zwischen Salto de Saucelle und Porto zu radeln. Es gibt Wein und Oliven, so weit das Auge reicht
Informationen über Anbaumethoden lieferte dem Reisenden gestern ein schickes Weinmuseum in São João da Pesqueira im Distrikt Viseu. Es lohnt sich nicht nur ein Besuch, weil es nach dem Rundgang über drei Etagen ein fabelhaften Rotwein zur Abrundung gibt. Es gibt viel und gutes Material, warum sich die “vinhas” hier gut für den Anbau der Reben eignen.
Mildes Klima im Douro-Tal
Dafür gibt am Fluss entlang mehr als genug Weingüter für die eine oder andere Kostprobe. Schließlich kommt der meiste portugiesische Rotwein vom Douro. Das meiste geht in den Export nach Übersee und England. Der schwere Portwein ist besonders beliebt. Warum sich die Gegend dafür besonders eignet, ist gleich beim Übergang von Spanien nach Portugal zu bemerken. Wer von Saucelle kommend im November die Grenze überschreitet, spürt deutlich die höhere Temperatur. Der Wind lässt nach. Amphibien und Reptilien scheint das Klima auch zu liegen. Es gibt hier offenbar viele Schlangen, die aber leider Autofahrer totfahren. Von Salto de Saucelle ergibt sich übrigens ein toller Blick über ein großes Stauwerk und ins Tal.
Auch zum Paddeln geeignet
Vor anderthalb Jahren war der Reisende schon einmal hier. Er genoss eine grandiose Fahrt von Castelo Rodrigo nach Barca d’Alva, weil es über viele Kilometer nur bergab ging. In Barca d’Alva, ein Hafen für Kreuzfahrtschiffe, bestieg er ein Kajak. Er paddelte mit einem Einheimischen, der hier als Lehrer arbeitet, auf dem großen Fluss. Über ihm kreisten Greifvögel wie der Rote Milan. Einziger Kontakt am Fluss war die besorgte Anfrage eines Campers aus den Niederlanden. Dieser hielt neben ihm und fragte, ob der Reisende genug zu essen und zu trinken dabei hätte. So wenig Verkehr befindet sich auf der Strecke. Der nächste Kontakt wird wohl erst mit Ana und António in der Edel-Pension Casa da Cisterna in Castelo Rodrigo sein. Ana und ihre Köchin kochen hervorragend. Das wohl beste Essen Portugals gibt es dort.
Gut zu befahrende Nationalstraße
Viele besuchen die Gegend nur mit der Bahn von Porto aus. Sie schaffen es gerade einmal, in der Kleinstadt Pinhão ein Weingut zu besuchen und zu speisen. Den Ort kann man sich sparen. Doch hier auf Radwanderung zu gehen, lohnt sich, weil die Strecke ab Zamora gut über die Nationalstraßen zu bewältigen ist. Es gibt nie eine wirklich steile Strecke. Es sei denn, man fährt an manchen Punkten direkt in ein kleines Dorf am Fluss herab. Aber die meisten Dörfer liegen recht angenehm am Fluss. So lohnt es sich kaum, wegen fünf schwierig erreichbarer Orte einen beschwerlichen Weg auf sich zu nehmen. So sehr unterscheiden sie sich am Ende auch wieder nicht. Es gibt zwar keinen offiziellen Douro-Radweg. Aber der Verkehr ist auch nur mäßig. Statt vieler Autos gibt es Wein und Oliven so weit das Auge reicht.
Bikepacker tarnt sich perfekt

Bikepacker tarnt sich perfekt: Wer will den Reisenden weiter begleiten auf seiner Tour? Es geht nach wie vor durchs Zentrum Spaniens und Portugals. Auf der Couch Mitreisende werden in den nächsten Tagen den zauberhaften Rio Duero kennenlernen. Vor allem ist dieser durch Weinanbau in beiden Landern bekannt. Dort lebt auch so manch seltsames Getier, das ganz früher nicht zur Iberischen Halbinsel gehörte. Gut 50 Kilometer radelt der Reisende jetzt noch durch Kastilien-León. Dann biegt er über Zamora am Fluss entlang Richtung Porto ab.
Der Camino de Santiago wird trotz Schotters einfacher. Meistens ist das Gelände flach. Schieben bleibt einem daher weitgehend erspart. Hier und da mal eine steile kurze Strecke, die mit 23 Kilo Gepäck bei losem Untergrund nicht leicht zu bewältigen ist.
Jeder hätte also gute Chancen, hier zu überleben und voranzukommen. 😊 Auch das Wetter ist Ende Oktober/Anfang November angenehm kühl für Mitteleuropäer. Es lebt sich hier wie im Spätsommer. Übermäßig viel trinken muss hier daher niemand. Kurze Kleidung reicht völlig aus, wenngleich es hier und da erstaunte Blicke der Einwohner gibt. Manche tragen schon Winterkleidung. Oder liegt das Erstaunen am Farbton?
Ocker tarnt Bikepacker
Denn Reiserad und Gesicht des Bikepackers verfärben sich nach und nach ockerfarben. Das liegt am Staub auf der Piste: Adaptation. Daher sehen selbst manche Häuser entlang der Strecke so aus. Sie wurden vor gut 100 Jahren aus Lehm erbaut. In der Mischung enthalten sind Steinchen. Der untere Rand ist noch gemauert. Holzbalken tragen heute noch die Last. Vernünftig restauriert könnten sie sogar eine Touristenattraktion sein entlang der “Via de la Plata”, ein von Sevilla nach Santiago de Compostela führender Jakobsweg. Rasten oder Übernachten in historischen Häusern! Aber die Spanier lassen sie offenbar nach und nach verfallen. Dabei tragen sie gut zur Identifikation mit der Region bei.
Heiß heiß heiß in Galicien
Heiß, heiß, heiß in Galicien: Da viele fragen, wie heiß es gerade auf dem Jakobsweg im brennenden Galicien zugeht. Zwei Monate soll es im Landesinneren nicht mehr geregnet haben. Dem Reisenden ist zuweilen schon ziemlich heiß. Der Himmel ist staubig. Die Sonne schillert deshalb grünlich. Bevor er vom Brand erfährt, findet er die Färbung noch ziemlich cool zum Fotografieren. Er hält den Staub für Sand aus Afrika. Es sind immerhin 30 Kilometer bis zum Brandherd. Die Schleimhaut in der Nase trocknet und setzt sich mit dunklem Staub zu.
Trotz des Radelns im Gebirgswald wird ihm so heiß, dass er das erste Mal seit Jahren im Dorf Rosende eiskalte Cola trinkt. Diese verschafft tatsächlich Abkühlung auf der Radreise durch den Nordwesten Spaniens. Eigentlich verabscheut er solche Getränke genauso wie Zigaretten. Es ist immerhin 30 Grad warm. Das nimmt er aber nicht so wahr. Denn er ist mittlerweile gut trainiert.
7000 Hektar Land verbrennen
Später kommt er in Barreiro an. Dort will er übernachten. Das liegt gemessen am Camino de Santiago gut 40 Kilometer südlich von Santiago de Compostela entfernt. Von dort war er noch vor einer zu erwartenden Sintflut geflohen. Der Wirt sagte ihm, dass der Staub von einem zehn Kilometer entfernten Brand in Sellida stammte. Und jetzt riecht er tatsächlich das Feuer. Als es dunkel wird, tritt er aus dem Hostal wieder auf die Straße. Die meisten Fenster sind dunkel. Kein Mensch ist zu sehen.
Einige Männer stehen an der Theke einer Bar, drehen sich sogar etwas weg. Dies ist für Galicien schon ungewöhnlich. Sonst grüßen die meisten höflich. Der Reisende erklärt es sich mit der Furcht vor dem Feuer. Immerhin brennen 7000 Hektar. 10.000 Hühner sterben, während er wie elektrisiert “Estrella Galicia” trinkt. Diese Zahlen entnimmt er am nächsten Tag aus der Zeitung „Faro de Galicia“. Vielleicht haben die Leute auch Komplexe ihres seltsamen Ortes wegen, weil er lacht, weil es hier nur pinchos zum Knabbern gibt. Der Wirt guckt etwas säuerlich. Als er später die benachbarten Vinothek die Wirtin der benachbarten Vinothek auf die Geisterstunde anspricht, meint sie, die Leute ruhten sich nur aus. Beim Verlassen der Vinothek hat sich der Brandgeruch verstärkt.
Eine portugiesische Freundin schreibt, nachdem er ihr von seinen Ängsten vor dem Brand geschrieben hat, dass es auch an vielen Orten in Portugal brenne: in Guarda, Viseu und Certo. Das stärkste Feuer befinde sich in Vigo am Atlantik. Genau durch diese Orte führt sein Rückweg nach Porto. Wird er bald ins Feuer fahren? Bieten sich Umwege an?
Regen erwünscht
Jetzt wünscht er sich den Regen, dem er zuvor in Santiago eigentlich entkommen wollte. Wie alle Menschen hier. Im Hostal ist kein Laut zu hören. Wie würde er handeln, wenn der Ort evakuiert werden müsste. Er hatte solch eine Situation einmal in Narvik in Nordnorwegen erlebt, als er frisch aus der Dusche kam. Nackt wollte er nicht auf die Straße treten. Also zog er sich zügig an und schnappte sich seine Packtaschen.
Nachts hört er Regentropfen in Barreiro fallen. Reifen von Autos rollten auf nassem Asphalt. Jetzt hofft er, dass es bald auf der ganzen iberischen Halbinsel regnet. Hoffentlich wird es nicht so bald wieder “Heiß heiß heiß in Galicien” heißen. Morgen geht es weiter auf der Via de la plata in Richtung Zamora.
Rätselhafter galicischer Eukalyptus
Rätselhafter galicischer Eukalyptus: Spanienfahrer und Biologen! Um welche Bäume handelt es sich hier? Der Reisende sieht diese Pflanzen öfter auf seiner Pilgertour durch Galicien. Er befindet sich jetzt im bergigen Umland von Porto do Son. Der Küstenort liegt zwischen Porto und Finisterre, also an der Westküste Portugals und Spaniens. Ein galicischer Bauer war trotz vereinzelter Höfe nicht zu sehen. Immer dann nicht da, wenn man ihn braucht. Er könnte ziemlich sicher, diese Frage beantworten.
Zum Glück traf der Bikepacker am Monte do Castelo auf José, den Mountainbiker. Dieser begleitete ihn einige Kilometer durch die Berge, führte ihn auf schönen Wegen vorbei an Irrwegen. So wurden eine Irrfahrt wie in der Wilsberg-Verfilmung “Die Bielefeld-Verschwörung” vermieden. Der privat ermittelnde Finanzbeamte Ekki Talkötter fährt immer nur im Kreis.
Als wieder solch ein bleicher Baum am Wegesrand stand, war die Gelegenheit zum Fragen da. José klärte den Reisenden auf: Es handele sich um Eukalyptus. Vor einem Jahr habe es hier aufgrund von dessen hier häufigem Vorkommen heftig gebrannt. Nicht wenige Bergbewohner hätten aufgrund der damit verbundenen Gefahr evakuiert werden müssen. Dies war also dem verheerenden Brand bei Coimbra vor einigen Wochen ähnlich. Zum Glück habe es keine Todesopfer gegeben.
Die Papier- und Holzindustrie verlangt nach Rohware auf der Iberischen Halbinsel, vor allem nach dem Blauen Eukalyptus. Alleine in Portugal sollen damit bepflanzte Felder mit einer Größe von 812 000 Hektar existieren. Aber mit verheerenden Folgen für die Umwelt ist dies verbunden: Zum einen verbrennen durch ihn ganze Wälder in ohnehin schon trockenen Landesteilen. Zum anderen beklagen Bauern, dass der Spiegel des Grundwassers durch ihn erheblich sinke. Rätselhafter Eukalyptus im galicischen Bergland: Dank José ist das Rätsel gelöst. Daher konnte der Reisende die Zeit an der wunderschönen Praia de Lires später besser genießen. Und im Blog noch etwas intensiver auf Monte de Castelo eingehen.
Fluss des Vergessens am Jakobsweg
Fluss des Vergessens am Jakobsweg: Drei Tage hält sich der Reisende schon am Fluss des Vergessens in Ponte de Lima auf. Ob er wirklich alles vergisst, stellt er wahrscheinlich erst hinter der Ortsgrenze fest. Pilgerin Alexandra hat ihn jedenfalls nicht vergessen. Denn sie schreibt ihm immer noch, obwohl sie die Kleinstadt seit drei Tagen verlassen hat. So schlimm ist es also nicht.
Er hält die Erzählung auch für eine List der Feinde der Römer, um die Legionen am Vormarsch über den Fluss Lima zu hindern. Am Ufer stehen ein paar bewaffnete junge Kerle um die zwanzig Jahre mit unsicheren Gesichtern. Die Lanze eines Legionärs ist sogar verbogen, als seien gerade Asterix und Obelix vorbeigekommen, um sich mit ihnen zu prügeln. Auf der anderen Seite wartet ihr Anführer zu Pferde, der vorgeritten ist. Die Legionäre wollen erst durch den Fluss waten, sobald jeder einzelne von ihnen seinen Namen gehört hat. Eine hübsche Geschichte zu einer angenehmen Kleinstadt, in der so einige Pilger zwei Tage ihre Wunden pflegen.
Die schönsten Frauen Portugals kommen aus dem Norden
Das Leben ist gemütlich. Das Bier ist billig, die Menschen hilfsbereit. Der Reisende hat sich in einem Handel für 29 Cent fünf Schrauben besorgt, um weiteren Verlusten auf der holperigen Strecke die Stirn bieten zu können. Der Gepäckträger sitzt jedenfalls wieder fest, wofür allerdings der Flaschenhalter daran glauben musste. Wie gut, dass er mit zwei passenden Schrauben fixiert ist. Die Schuhsohle klebte gestern ein Schuster für einen Euro.
In Ponte de Lima gibt es auch ein schönes Museum mit sakraler Kunst. Abends bieten Bands lebhafte Konzerte. Gestern trat ein Fado-Sänger auf, den der Reisende im Hotelzimmer bis drei Uhr nachts hörte. Gestört es es überhaupt nicht. Denn er sang phantastisch. Und die Zuschauer lachten viel, weshalb es wohl auch lustig war. Unvergessen ist auch die bildhübsche Rezeptionistin Ana im Hotel, deren Sprachmelodie einfach phantastisch klang. Diese erinnerte an die schwedische Art, beim Sprechen fast zu Singen — Sprechgesang. Die schönsten Frauen Portugals kommen aus dem Norden. Das ist bekannt.
Einziges Manko: Die Restaurants bieten hier nur Dosenfraß an, was unschwer am Foto in der Galerie zu erkennen ist. Halbe Dosen, ganze Dosen. Der Reisende will frischen portugiesischen Fisch, keine Konserven. Obwohl am Fluss des Vergessens am Jakobsweg: Diese Zustände hier wird der Reisende niemals vergessen.
Radpilgern von Porto nach Barcelos
Radpilgern von Porto nach Barcelos: Wäre der Reisende zu Fuß auf dem portugiesischen Pilgerweg unterwegs, er würde jetzt erschöpft in einer nahen Herberge vor Porto schlafen. Denn erste Etappe auf der Radreise durch Nordportugal führt lange durch Porto. Es geht überwiegend an der Straße entlang. Als Wanderer würde er mit dem Bus aus der Stadt bis an deren Grenze fahren. Bei Moreira sah er die ersten Pilger und war erleichtert, auf dem richtigen Weg zu sein. Mit dem gpx-Track auf dem Navi folgte er ungefähr der Strecke durch die Stadt. Das war angesichts des Verkehrs nicht immer einfach.
Ähnlich wie der erschöpfende Start vom Flughafen aus: Er wollte zuerst den zuvor im Netz gebuchten Ryanair-Bus nehmen. Doch der war nirgendwo zu finden. Leute vor Ort erklärten ihm, dass dieser keinen festen Platz hätte und auch nicht länger an einer Haltestelle verweile. Die Buchungsgebühr war also für die Katz’.
Elende Schlepperei
So entschloss er sich, die Straßenbahn zum Hotel nehmen. Die Strecke erwies sich als elende Schlepperei inklusive Umsteigen. Velo-Tasche mit Rad, Packtaschen, Schlafsack und Zelt wogen mit der Zeit immer mehr. Ein Klotz am Bein. Dann hielt die Straßenbahn auch nicht direkt vorm Hotel. Dies erforderte einiges Hin- und Herzuckeln an der Avenida das Liberdades. Dann sah er doch noch das Hotelschild. Zum guten Ende lag die Rezeption ausgerechnet im ersten Stock — ohne Aufzug. In zwei Gängen schleppte er alles herauf.
Beim nächsten Mal würde er einen Shuttle-Service bei der Hotelbuchung dazunehmen, bei dem der Fahrer auch auf den Passagier wartet. Dieser ist mit sieben bis 14 Euro nicht zu teuer. So erleichtert sich jeder den Einstieg in Wochen der Meditation auf dem Caminho Português.
Erschöpft baute er das Rad zusammen, konnte wenigstens dabei durch eine laufende TV-Sendung erfahren, was sich aktuell in Portugal so tut. Dabei stellte er fest, dass sich das Schaltwerk offenbar auf dem Flug ein wenig verbogen hatte. Ganz komfortables Radeln schien ihm unmöglich. Am nächsten Tag fand er in Vila Nova de Gaia das Geschäft OndaBike Shop. Der freundliche Chef untersuchte das Mountainbike. Er befand das Schaltwerk für fahrtüchtig. Dafür reparierte er dann andere Sachen.
Tag 1 auf dem Caminho Português
Am nächsten Morgen ging es dann schon auf dem Jakobsweg zur Stadtgrenze. Von dort an bessert sich die Situation erheblich. Für Radler ist es geradezu bequem. Denn über flaches Land geht es auf Bauernwegen und Landstraßen weiter. Hier und da kommen auch Feld- und Forstwege dazu. Das erste Etappenziel für Pilger — Vilarinho — ist schnell erreicht. Doch in der Herberge wollte er nicht bleiben. Dafür war es noch zu früh.
Die 54 Kilometer Strecke nach Barcelos ist insgesamt nett. Aber sie ist nicht spektakulär. Schöner wird sie direkt um Barcelos, führt sie doch leicht auf und ab durch eine Hügellandschaft. Hätte er nicht noch eine Unterkunft suchen müssen, hätte er die Gegend wahrscheinlich mehr genossen. Denn die Dunkelheit brach herein. Aber er fand er noch ein kleines Hotel in der Nähe des die Kleinstadt kreuzenden Flusses. So muss der Reisende sich nicht gleich in der ersten Nacht beim Radpilgern von Porto nach Barcelos auf eine Bank legen und mit Zeitungspapier bedecken.














