Gruselige portugiesische Friedhöfe zu Beginn des neuen Jahres

Viele Friedhöfe in Europa ähneln einander. Doch in Portugal sehen sie anders aus. Die „Welt“ veröffentlicht jetzt einen Artikel über Friedhöfe, die der Autor als gruselig empfindet. Damit kratzt er leider nur an der Oberfläche. Dabei ist auch die Religiosität der Portugiesen etwas Besonderes in Europa. Doch lest und urteilt selbst.

Nichts für schwache Nerven

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Muslimisches Gräberfeld mit 576 Gräbern

Totenruhe wird gestört

Zurück nach Nordfrankreich: Auf dem Friedhof Notre-Dame-de-Lorette bei Ablaint-Saint-Nazaire im Raum Lille müssen heute freiwillige „Veteranen“ die Gräber von Gefallenen des Ersten Weltkriegs bewachen. Denn es haben bereits Grabschändungen stattgefunden. Es gibt hier ein muslimisches Gräberfeld mit 576 Gräbern. Die Soldaten aus den französischen Kolonien, oft aus Marokko geholt, sind nach muslimischem Ritus bestattet. Dabei erwartet man, Totenruhe gelte religionsübergreifend. Das Tor zu diesem Friedhof wird abends geschlossen.

Bewachung-Notre-Dame-de-Lorette

Ende der Serie.

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„Solltet ihr im Krieg in fremden Landen fallen“

36 Kreuze an alten Linden in Wormbach bei Schmallenberg

In Wormbach nahe Schmallenberg im Sauerland ist der Versuch einer Sinngebung des Soldatentodes völlig aufgegeben. Auf dem an einer alten Kirche liegenden Friedhof gewannen die während des Dreißigjährigen Krieges gepflanzten Linden eine besondere Bedeutung.

Denn Pfarrer August Rüsing ordnete schon vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs jeder Familie des Ortes eine Linde zu. Wormbach-LaterneDen jungen Männer versprach er: „Solltet Ihr im Krieg in fremden Landen fallen, so wird ein Kreuz mit eurem Namen zur Erinnerung an eure Linde gehängt.“ Bis heute hängen 36 Kreuze an den Linden des Wormbacher Kirchhofs. Kein Gedenkstein, kein Sinngebungsversuch. Die Sprache verstummt.

 

 

 

 

Fortsetzung folgt.

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„Ich hatt‘ einen Kameraden, einen Bessern findst Du nicht“

Viel Toleranz der Franzosen schon kurz nach dem Krieg

Einige unter den jungen schottischen Besuchern haben ein Massengrab entdeckt, in dem 7.000 deutsche Soldaten liegen. Auf einer Steinplatte steht, dass ihre Namen unbekannt seien. „Das ist traurig“, sagt einer von ihnen. Ihm werde die Größe des Leids und die Sinnlosigkeit der Kampfhandlungen hierdurch besonders klar. Die Schotten finden auf dem Friedhof auch den Vers „Ich hatt‘ einen Kameraden, einen Bessern findst Du nicht“. Er steht auf einem Gedenkstein. Über dem Vers ist ein eisernes Kreuz in den Stein gemeißelt. Er stammt aus einem bekannten Soldatenlied, gesungen während der gegen Napoleon geführten Befreiungskriege Anfang des 19. Jahrhunderts, heute noch gesungen am Volkstrauertag und auf Trauerfeiern für gefallene Soldaten.

Denkmal-Ich-hatte-einen-Kameraden

Das eiserne Kreuz hat Schinkel zur Zeit der Befreiungskriege entworfen. Gedacht wird hier der fürs Vaterland gefallenen Kameraden. Der Friedhof wirkt aus heutiger Sicht durch dieses Arrangement versöhnlich: Der Tod ist überwunden. Christus hat über ihn gesiegt: Es gibt Hoffnung auf Auferstehung. Nun soll der Friede bewahrt bleiben. Immerhin durften auf dem Gedenkstein die Sätze „Gefallen fürs Vaterland“ und der Vers des Liedes aus den Befreiungskriegen verwendet werden; dies spricht für viel Toleranz der Franzosen schon kurz nach dem Krieg.

Fortsetzung folgt.

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„Der Name der Gefallenen lebt auf ewig fort“

Mogli-Schöpfer Kipling gehörte Kriegsgräberorganisation an

Die Anlage entspricht dem Grundplan englischer Friedhöfe: Um ein Opferkreuz und einen Gedenkstein im Mittelpunkt gruppieren sich die Gräber. Der schwere massive Gedenkstein ist wie ein Altar geformt, ein Symbol für den Opfertod. Die Inschrift lautet: „Their name liveth for evermore“ (Der Name der Gefallenen lebt auf ewig fort). Rudyard Kipling, der der 1916 gegründeten britischen Kriegsgräberorganisation angehörte, hat den Vers dem Buch Sirach entnommen. Ihre Seele weilt demnach hier, auch wenn niemand weiß, wo der Soldat gestorben ist. Und ihre Namen sind das, was bleibt; das bedeutet etwas in Großbritannien.

Fleurbaix-Kreuz
Typisches britisches Kreuz

Schwierig ist die Deutung des daneben stehenden Kreuzes, in das ein Kreuz oder ein Schwert eingearbeitet ist. Kipling deutet es als „ein starres Schwert, das im Schoß des Kreuzes hing, dessen Symbolik unbestimmt war.“ Man kann es als Kriegsopfer und als Hoffnung auf Auferstehung deuten. Nach dem Zweiten Weltkrieg vollzog sich ein radikaler Wandel der Erinnerungskultur an die Kriegsgeschehnisse. Bundeskanzler Kohl und Staatspräsident Mitterand setzten sich für Versöhnung zwischen den ehemaligen Feinden ein.


Fortsetzung folgt

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