Eine ganz andere Perspektive erhältst Du, wenn du im Urlaub ein Land nach geographischen Punkten erkundest. Geographen vorwärts!
Nach der Zeitung „La Voz de Galicia“ gibt es in Spanien so einige interessante geographische Punkte. Ich persönlich habe mit dem Ort Tarifa jetzt endlich eine Eselsbrücke für die Grenze zwischen Atlantik und Mittelmeer gefunden, denn ich konnte mir das bisher nie merken. In Tarifa ist mir bei einer meiner Radwanderungen vor allem der wahnsinnige Wind am Strand aufgefallen, weshalb die Gegend besonders Surfern gefällt.
Hingegen gilt Estaca de Baresin der Provinz A Coruña als Ort, wo der Atlantik vom kantabrischen Meer getrennt wird. Dort liegt ebenfalls der nördlichste Punkt der Iberischen Halbinsel mit schöner Steilküste, die zugleich Lebensraum und Durchzugsgebiet von Zugvögeln ist.
Hingegen war mir aber schon beim Urlaub auf der Kanareninsel El Hierro bewusst, dass ich mich an der Punta de la Orchilla am westlichsten Punkt Spaniens befand. Vor 1492 habe man geglaubt, dass sich dort der westlichste Punkt der Erde befand, schreibt „La Voz“.
Und an welchen Punkten ergibt sich die längste Strecke zwischen Westen und Osten der Halbinsel? Den östlichen Punkt bildet der Cabo de Creusbei Gerona, wo es einen spektakulären Naturpark gibt. Im Westen hingegen liegt der Cabo Fisterra das Gegenüber, der auch Ziel der Jakobspilger ist, die auch etwas von der beeindruckenden Steilküste sehen wollen, von der ein Teil sogar als Todesküste bezeichnet wird. Unter Seefahrern gilt diese Küste als gefährlich. Viel Spaß beim Durchstreifen und Erleben.
Funken der Costa da Morte fotografieren: eine originelle Idee, interessante Urlaubsfotos nach Hause zu nehmen. Wenn das Meer ruhig und kaum Licht vorhanden ist, kann man bei Vorkommen von Phytoplankton das Meer leuchten sehen. Woran das liegt und wie man es am besten fotografiert, beschreibt jetzt die spanische Zeitung “La Voz de Galicia”. Das leuchtende und phosphoreszierende Meer gehe auf alte Erzählungen der Seeleute zurück. Der französische Erzähler Jules Verne habe die Erscheinung in seinem Roman “20000 Meilen unter dem Meer” aufgegriffen. Und im Jahre 2005 sei es der NASA erstmals gelungen, dieses von einer hohen Konzentration an Algen erzeugte Phänomen von einem Satelliten aus zu fotografieren.
Die Engländer nennten es “Baden im milchigen Meer”, wenn Gezeiten und Wellen Phytoplankton aufwirbeln. Nur das Vorkommen von Phytoplankton ermögliche die Sichtbarkeit der Funken. Am besten zu sehen, sei das Leuchten nachts. Urlauber können das Phänomen an der Costa da Morte im Nordwesten Spaniens zum Beispiel an Bord des Taximar Robinsón da Lobeira beobachten. Kapitän David Trillo bietet bei Neumond Fahrten in ruhige Zonen an, wo es wenig Wind gibt. Denn die See muss glatt sein.
Funken der Costa da Morte richtig fotografieren
Und es gehört auch etwas Glück dazu, überhaupt etwas von den “Funken des Meeres” zu sehen. Diese Erfahrung machte der Reisende selbst bei der Suche nach dem Polarlicht in Nordnorwegen. “La Voz de Galicia” befragte den Fotografen Rubén Prieto nach geeigneten Plätzen. Dieses empfiehlt Strände mit wenig “Luftverschmutzung. Dazu gehörten in Galicien die Strände von Nemiña, Rostro und Fisterra. Aber dort am offenen Meer sollte man sich sehr vorsichtig verhalten. Er gehe selbst nie tiefer als bis zur Hüfte ins Wasser. Für Aufnahmen legt er Besuchern eine Langzeitbelichtung von zwei bis drei Sekunden nahe. Er selbst nutze ein Objektiv mit Festbrennweite: 24 mm, Blende F1.4. Viel Glück beim Einfangen der Funken des Meeres! Schön ist die Atmosphäre auch an der Praia das Furnas, kurz vor Beginn der Costa da Morte.
Finisterre: Himmel auf Erden? Namen von Orten wie Finisterre — also Ende der Welt — ziehen den Reisenden geradezu magisch an. Am Ende der Welt vermuteten die Menschen des Mittelalters die größte Nähe zu den Inseln der Seligen. In einer keltischen Sage wird erzählt, die Inseln lägen hinter dem Horizont des Atlantiks. Dort suchten die Pilger das Gespräch mit den Toten.
Außerdem hilft es, auf langen Strecken einige Ziele vor Augen zu haben und sie dann auch einzuhalten. Denn sonst fährt man nur durch Landschaft. Dies kann auf Dauer ermüdend sein. In der ersten Zeit seiner Radreisen beschränkten sich die Touren oft nur darauf, Landschaft wahrzunehmen die Wahrnehmung. Doch ab einem bestimmten Punkt ist zu erkennen, dass viele Landschaften einander ähneln. Das Spezifische, was Menschen von Region zu Region anders macht, kommt dabei nicht heraus. Und da wird es erst spannend. Auf dem Rad kommt man den Menschen auch ziemlich nah. Einladungen kommen leichter zustande, als wenn man nur im Auto hockt.
Landschaft prägt Menschen. Menschen prägen Landschaft: Das Klima, der Boden, die Lage an einer Küste, an einem Fluss, in den Bergen. Das formt. Menschen bauen dort Häuser, kochen regionaltypisches Essen, leiden unter Hitze oder erfreuen sich am milden Klima. Bei einer Urlaubsreise mit dem Rad entwickelt man ein gutes Gespür für die Landschaft. Wind und Wetter, Steigung und Gefälle sind unmittelbar zu fühlen. Vor allem am Po.
Doch wie ist es am Ende der Welt? Wie sieht es an der nächsten Ecke aus? Geht es dort weiter? Eine Sackgasse gibt es dort auf der Radreise durch Galicien nicht. Denn der Caminho de Santiago endet nicht dort. Der Reisende setzt von dort aus seinen individuellen Pilgerweg fort. Denn Santiago de Compostela hat er in diesem Jahr noch nicht erreicht. Von hier aus geht die Tour weiter in den Norden nach A Coruña. Er ist noch lange nicht erschöpft, obwohl viele harte Berge hinter ihm liegen.
Himmel auf Erden?
Selbst der enttäuschende Anblick der Kleinstadt Finisterre — auf Galizisch Fisterra — kann ihn nicht davon abhalten. Denn eine schöne Stadt ist sie nicht. Die Architektur liegt weiter unter dem, was sonst eine spanische Stadt zu bieten hat. Es ist vor allem ein touristischer Ort mit Übernachtungsmöglichkeiten. Zum Glück aber liegt der Ort malerisch am Strand. Und die Strecke entlang der Küste ist reizvoll. Es reihen sich viele schöne Aussichtspunkte aneinander. Und die Menschen sind sehr lebendig. Viele Festivals gab es im August und September von Porto über Barcelos und Pontevedra zu sehen.
Unbedingt zu empfehlen ist in Finisterre der Besuch des Leuchtturms. In einem Nebengebäude ist ein Hotel mit nur sieben Zimmern zu untergebracht. Der Reisende bekam gerade noch das letzte Zimmer, in dem an sich ein Auszubildender untergebracht ist. Glück gehabt, um den ganzen Abend hier vollauf zu genießen. Von oben schaut man auf Klippen im Meer und in die Ferne. Dann beginnt das Leuchtfeuer zu glimmen und dann seine Kreise zu ziehen.
Es gibt nicht viele Orte auf der Welt, wo es derart stimmungsvoll ist. Dazu zählen für den Reisenden der Leuchtturm Bjuröklub in Västerbotten und Eckwarderhörne am Übergang vom Jadebusen zur Nordsee. Aber Finisterre, Himmel auf Erden? Jeder Pilger muss das für sich selbst entscheiden.
Vom Castro de Baroña nach Fisterra: Was für ein Tag in Ézaro in Galicien nach dem trüben Wetter gestern — eben wechselhaftes atlantisches Klima. Der Ort liegt schon in der Nähe von Fisterra, Ende der Welt. Dorthin zieht es über den Camino Finisterre eine besondere Variante des Camino de Santiago viele Jakobspilger. Jetzt eben auch den Reisenden auf der Radreise durch Galicien, angeblich bestechend durch die schöne Lage an der Küste. Santiago de Compostela liegt östlich davon. Südlich hinter ihm liegt eine tolle Strecke in der Umgebung von Porto do Son.
Vor der Kleinstadt liegt das schöne Castro de Baroña auf einer Halbinsel, eine vorchristliche Burg. Die Lage ist zwar nicht so magisch wie eines vor wenigen Tagen. Seltsam, dass das spanische Fremdenverkehrsamt das so schlecht vermarktet. Denn zum Teil ist das durchaus mit der Route 66 in Nordnorwegen zu vergleichen. Aber deutsche Touristen habe der Reisende an dieser Küste noch nicht gesehen.
Obwohl die Burg nur noch eine Ruine ist, kann sich der Besucher gut vorstellen, wo Mauern und Türme standen, um das Hinterland gut vor Einfällen von Seeräubern zu schützen. Sogar die Grundrisse der Häuser sind gut zu sehen. Und die Kelten beherrschten deutlich sichtbar auch die Kunst, runde Gebäude zu errichten. Wege führen zwischen den Häusern her. Doch hohe Wände und Dächer sind natürlich nicht mehr zu sehen.
Außerdem hatten die Wachhabenden einen sehr guten Blick übers Meer, um heranziehende Schiffe rechtzeitig zu entdecken. Nicht umsonst liegt die Siedlung auf einer Halbinsel. Schnell konnten sie die Bewohner im Hinterland warnen. Im Castro lebten Kelten, von deren 20 Wohnhäusern die Grundrisse gut erhalten sind. Sie siedelten dort ab dem ersten Jahrhundert vor Christus.
Stützpunkte wurden oft auf Halbinseln errichtet, um das Meer zu errichten. Auch in Nordnorwegen gibt es bei Harstad eine heute noch zu besichtigende Stellung der deutschen Wehrmacht. Mit der sogenannten Adolf-Kanone konnten von dort aus sich nähernde feindliche Schiffe beschossen werden. Dazu ist es zum Glück nie gekommen. Auch auf Zypern sind solche erhöhten Siedlungen in Küstennähe aus der Antike zu sehen, um sich gegen Piraterie zu schützen. Vom Castro de Baroña nach Fisterra — ein Abschnitt, der sich lohnt.
Schöne Strände an galicischer Westküste: A Pobra do Caramiñal
Schöne Strände an galicischer Westküste: Das ist doch mal ein Stadtstrand, oder? Dies ist in A Pobra do Caramiñal der Lohn für den Weg für die anstrengende Fahrt durch die Berge. Allerdings badet hier keiner. Die meisten Gäste liegen an der riesigen Ria de Arousa auf dem Handtuch im Sand und beten die Sonne an. Allerdings auch auf dem Präsentierteller, denn leider ist es hier verbaut. Und wenn die eigene Wohnung noch davor liegt, viel besser. Als der Reisende während der Studienzeit an einem Centro de Dia in Barcelona hospitierte und lernte, wie man Schizophrene betreut, wusste er das zu schätzen. Denn er lebte derweil in Segur de Calafell in einem Ferienhaus direkt am Strand. Es gibt in Galicien viele idyllische Strände. Die Provinz ist aber auch bekannt fürs feuchte und nebelige Atlantikklima.
Am Horizont ist gut zu erkennen, wie sie beschaffen sind: ein stetiges Auf und Ab westlich von Santiago de Compostela. Erst seit heute genießt es der Reisende, direkt am Wasser entlang zu radeln. Davor führte die Route durchs Binnenland oder oberhalb entlang der Steilküste. Strände wie in Combarro oder Arousa musste der Radfahrer schon gezielt anfahren. Der Jakobsweg ist hier verlassen. Es gilt einen eigenen Weg nach Fisterra zu finden. Nur noch gut hundert Kilometer sind bis zum Sehnsuchtsziel vieler Pilger zu bewältigen.
Schöne Strände an galicischer Westküste und stinkende Blechlawine
Leider gibt es hier offenbar kein Rezept gegen die stinkende Blechlawine entlang der Küste Galiciens anzukommen. Wenigstens fahren sie Leute rücksichtsvoll hinterher. Und sie halten genug Abstand ein. Bemüht sich das Land überhaupt, den Straßenverkehr besser zu regulieren? Auf den ach so tollen Spanien-Webseiten, die vieles hier gar nicht kennen, empfehlen Autoren sogar, einen Wagen zu mieten. Dabei gibt es eine Bahnlinie, die ohnehin in Spanien gut funktioniert. Verspätungen nehmen die Einheimischen mit einer stoischen Gelassenheit hin. Wandernd oder radelnd kommt man dem Lande aber viel näher. Fürs Klima ist es auch erheblich besser. Und auf schöne Strände an der galicischen Westküste, die es vielleicht auch noch Richtung Porto do Son gibt, freut man sich dann umso mehr.