300 Kilometer durchs wilde Friesistan

Das ging ja gut los auf den ers­ten 300 Kilo­me­tern durchs wil­de Frie­si­stan: Erst ver­schloss der Zug die Türen in Bre­mer­ha­ven. „Jetzt fährt der Zug non­stop durch bis Ber­lin“ fürch­te­te Rei­se­ge­fähr­te Chris­toph. Doch ganz so schlimm wur­de es nicht. Er ende­te in Lehe. Von dort muss­te also impro­vi­siert wer­den, was sich an feuch­ten Schu­hen Chris­tophs und Schlamm auf der Klei­dung bemerk­bar mach­te. Am ers­ten Tag war das Rad eben noch reich­lich schwer und auch noch nicht all­zu gut gepackt. Der Weg führ­te auf zum Teil lan­ge nicht befah­re­nen Pfa­den nach Duh­nen bei Cux­ha­ven. So führ­te die wil­de Fahrt zwei­mal bei­na­he in Was­ser­grä­ben. Der vie­le Regen hat­te sei­ne Spu­ren hinterlassen.

Land­schaft­lich bie­tet der Nord­see­küs­ten­rad­weg zwi­schen Bre­mer­ha­ven und Roden­äs mehr Abwechs­lung als zwi­schen Emden und Bre­mer­ha­ven. Denn es geht nicht immer an Deich ent­lang. Inter­es­san­te­re Städ­te, Fähr­fahr­ten und tie­fe­re Wäl­der erwar­ten Rei­sen­de. Aller­dings scheint man­chen Bewoh­nern in Nord­fries­land die ost­frie­si­sche Gelas­sen­heit zu fehlen.

Zum ers­ten Mal durch­streif­te und erleb­te der Rei­sen­de den hohen Nord­wes­ten Deutsch­lands. Der Ein­stieg in den war zwar uner­war­tet hart. Doch besänf­tig­ten zwei net­te Rad­ler aus Kas­sel wenigs­tens den Hun­ger der bei­den Gefähr­ten. Sie ver­sorg­ten die bei­den vorm Schla­fen­ge­hen mit Käse, Brot und Schli­cke­rei­en. Denn ab 21.00 Uhr legen die Köche an der Küs­te ihre Löf­fel in die Spül­ma­schi­nen. Mit viel Glück ser­viert einem jemand viel­leicht noch ein Fischbrötchen.

Für Wahr­zei­chen an der Küs­te wird zwar immer wie­der gewor­ben auf tou­ris­ti­schen Web­sei­ten. Aber ent­schei­den­der ist eben doch freund­li­ches authen­ti­sches Ver­hal­ten. So freu­ten sich Mit­ar­bei­ter in Cafés über inter­es­sier­te Fra­gen und gute Fotos auf dem Tablet. Statt einen weg­zu­ja­gen, räum­ten sie den Nach­bar­tisch frei. „Dann hast du mehr Platz“. Dies betraf den Rei­sen­den selbst. Bewun­dernd schau­te er auch ande­ren zu wie einer har­ten Schwim­me­rin bei Cux­ha­ven. Ende Mai hielt sie es gut eine hal­be Stun­de im kal­ten Was­ser aus. 17 Grad sol­len es gewe­sen sein.

Tol­le Aus­sichts­punk­te steu­ern dann zum Gelin­gen des Urlaubs bei. Die Schwim­me­rin konn­te man gut vom Deich nahe am Wahr­zei­chen „Kugel­ba­ke“ beob­ach­ten. Am Leucht­turm „Dicke Ber­ta“ nahe Ottern­dorf schau­en Besu­cher von der Ter­ras­se eines Cafés auf einen hüb­schen Boots­ha­fen her­ab. Ähn­lich hübsch ist auch der Hafen in Neu­haus. Vie­le Wald­stü­cke bis zur Elbe sor­gen für Kühlung.

Abenteuer Elbe

Die Über­que­rung der Elbe nach Glück­stadt ist das nächs­te Erleb­nis. Sie ist so breit, dass sogar rich­tig gro­ße „Pöt­te“ auf ihr schif­fen kön­nen. Die­se fuh­ren schon unglaub­lich nah zuvor in Strand­nä­he an man­chen Stel­len vor­bei wie zum Bei­spiel an der Kugel­ba­ke. Auch in Frei­burg erfreu­ten sich die Rad­ler an einer mensch­li­chen Begeg­nung: Ein Ein­woh­ner führ­te sie unge­fragt durch den Ort. Die Aus­schil­de­rung zur Elb­fäh­re emp­fand er näm­lich als unzu­mut­bar. Vie­le wür­den sich verfahren.

Wären da nicht der Wut­aus­bruch des Cam­ping­platz­be­sit­zers am Nord­strand oder Beschimp­fun­gen von einer Auto­fah­re­rin in Husum gewe­sen, hät­te die gan­ze Woche ein aus­ge­spro­chen schö­ne sein kön­nen. In Husum wur­de der Rei­sen­de nett von einer Ein­woh­ne­rin auf den Foto­ruck­sack ange­spro­chen. So auf der Stra­ße gestoppt, ent­wi­ckel­te sich ein gutes Gespräch. Die Fah­re­rin fühl­te sich in ihrem Bedürf­nis nach Platz beeinträchtigt.

Wutausbruch

Der Cam­ping­platz-Inha­ber warf dem Repor­ter sogar „Haus­frie­dens­bruch“ vor und droh­te mit der Poli­zei. Wer nach 18 Uhr ohne Anmel­dung den Platz betre­te, tue dies unbe­rech­tigt. Etwas spä­ter beru­hig­te er sich aber, begrün­de­te sei­ne Hal­tung mit schlech­tem Ver­hal­ten man­cher Zel­ter. Sie uri­nier­ten gegen Wohn­wa­gen, hin­ter­lie­ßen Müll auf dem Rasen. Er gab dem Rei­sen­den dann doch noch einen Platz. Einen Rad­fah­rer mit vie­len Kilo­me­tern in den Bei­nen woll­te er von sich wei­sen. Den­noch konn­te es der Rei­sen­de nicht erwar­ten, auf däni­sche Zelt­plät­ze zu gelan­gen. Denn dort geht es weni­ger rau zu. Anmel­dung am nächs­ten Mor­gen reicht. Solch eine Anspan­nung hat­te er auch auf sei­nen letz­ten grö­ße­ren Rei­sen durch Spa­ni­en und Por­tu­gal nicht erlebt.

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Jetzt im TV: von Porto bis Schweden

Jetzt im TV: von Por­to bis Schwe­den. Durch­strei­fen & Erle­ben ver­sorgt Abon­nen­ten regel­mä­ßig mit den bes­ten Kul­tur- und Rei­se­fil­men im TV-Pro­gramm. Im Zen­trum ste­hen belieb­te Zie­le in Euro­pa. Dies­mal erwar­tet alle die Län­der-Aus­wahl Deutsch­land, Frank­reich, Por­tu­gal, Schwe­den und Spa­ni­en. Wie­der­ho­lun­gen machen sich in die­ser Über­sicht bewusst rar. Denn vie­le von ihnen ste­hen schon in zuvor ver­öf­fent­lich­ten Newslettern.

Noch heu­te sträu­ben sich dem Rei­sen­den die Nacken­haa­re, wenn er “Wald­brand” hört. Er hat näm­lich nicht nur ein­fach Qualm vor einer Lan­dung in Faro vom Flug­zeug aus gese­hen. Die Wahr­neh­mung aus der Vogel­per­spek­ti­ve war schon beklem­mend genug. Als er aber 2017 mit dem Moun­tain­bike mona­te­lang im Nord­wes­ten der Ibe­ri­schen Halb­in­sel unter­wegs war, erleb­te er in der Nähe von Sant­ia­go de Com­pos­te­la einen gro­ßen Brand aus nächs­ter Nähe — in der Umge­bung von Sil­le­da. Er emp­fand Todes­angst. In die­sem Arti­kel könnt ihr gut nach­er­le­ben, wie sich Bike­pa­cker und Bevöl­ke­rung in einem Dorf fühl­ten. Doch wird ver­säumt, etwas für die Natur zu tun?

Naturschutz im Centro de Portugal

Mit Natur­schutz neh­men es die Por­tu­gie­sen ernst. Und auch die Spa­ni­er. Denn nur so kön­nen sie die Gefahr von Wald­brän­den erheb­lich min­dern. Der Rei­sen­de besuch­te mit dem Bio­lo­gen Antó­nio die “Faia Bra­va” in der Nähe von Cas­te­lo Rodri­go. Die­ser betreut das Natur­re­ser­vat im Cen­tro de Por­tu­gal mit einer Grup­pe Frei­wil­li­ger. Sie fors­ten das Gebiet auf, las­sen Tüm­pel wie­der auf­le­ben. Tie­re hal­ten das Gras nied­rig. In die­sem Are­al gab es einst Land­wirt­schaft. Heu­te leben dank der Maß­nah­men im Natur­schutz­ge­biet Greif­vö­gel wie Gei­er und Schlan­gen wie Vipern. Mal schau­en, was der Bei­trag „Vom Feu­er bedroht, Wald­brand in Por­tu­gal“ auf 3sat an Lösun­gen bietet.

Und was erwar­tet euch schon ab heu­te unter “Jetzt im TV: von Por­to bis Schweden”?


SaSoMiDoFr
Deutsch­land

Urlaub rund um Dort­mund, WDR, 20.15 UhrAus­ge­rech­net: Nord­see, WDR, 21.00 UhrDie Rück­kehr der Biber, arte, 17.50 UhrWil­der Rhein, arte, 17.50 Uhr
Frank­reich
Bor­deaux und Süd­wes­ten Frank­reichs, SWR, 16 Uhr

Frank­reich mild und wild, arte, 17.50 Uhr
Wil­des Elsass, arte, 18.30 Uhr

Por­tu­galPor­to, SWR, 17.00 Uhr

Vom Feu­er bedroht, Wald­brand in Por­tu­gal, 3sat, 23.15 Uhr
Schwe­den
Schwe­dens Seen­land, SWR, 20.15 Uhr


Spa­ni­enUnbe­kann­tes Mit­tel­meer, MDR, 13.15 Uhr



Schöns­te Kul­tur- und Rei­se­fil­me im TV
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Meere zu sehr Wirtschaftsraum?

Mil­der Mat­jes schmeckt gut. Aber des­sen Befi­schung ist nicht immer astrein.

Mee­re zu sehr Wirt­schafts­raum? Eine gute Zusam­men­fas­sung über die Fra­ge, ob Nord- und Ost­see zu stark unter wirt­schaft­li­chen Zwän­gen ste­hen, lie­fert die­ser dpa-Arti­kel. Es gebe wesent­li­che Fort­schrit­te zu ver­zeich­nen. Trotz­dem sei noch viel zu tun, mei­nen For­scher. Ihrer Ansicht nach wür­den bei­de Mee­re zu stark dem Pro­fit unter­wor­fen. Zwar sei­en in Deutsch­land 45 Pro­zent der Mee­res­ober­flä­che geschützt. Aber es wür­den nach wie vor schäd­li­che Stof­fe ein­ge­lei­tet. Wirt­schaft und Mili­tär ver­än­der­ten die Unter­was­ser­welt. Beson­de­ren Scha­den rich­te die Hoch­see­fi­sche­rei an. Die­se zer­stö­re den Mee­res­bo­den und drin­ge dafür sogar in Schutz­ge­bie­te ein. Auch die Fisch­be­stän­de wür­den zu stark befischt. Sogar Mut­ter­tie­re blie­ben nicht davor ver­schont, um zum Bei­spiel deren Rogen ver­kau­fen zu kön­nen. Dabei sei es sowohl tech­nisch als auch regu­la­to­risch mög­lich, dies zu ver­hin­dern. Dies gesche­he auch schon zum Teil.

Der dpa-Jour­na­list beruft sich dabei auf Exper­ten vom Bun­des­amt für Natur­schutz und vom Insti­tut für Ost­see­fi­sche­rei.

Hering Fisch des Jahres 2021

Den Hering ernann­te Ende März 2021 der Deut­sche Angel­fi­scher­ver­band zum Fisch des Jah­res. Dies geschah in einer gemein­sa­men Akti­on mit dem Bun­des­amt für Natur­schutz und dem Ver­band Deut­scher Sport­tau­cher. Der Fisch kann über 20 Jah­re alt wer­den. Er lei­det aber stark dar­un­ter, dass sich die west­li­che Ost­see erwärmt. 

In einem Dos­sier über den Hering erklärt das Thü­nen-Dos­sier, was man dage­gen tun kann. Ver­tre­ter spre­chen sich zum einen dafür aus, die Befi­schung deut­lich zu redu­zie­ren. So könn­ten sich die Bestän­de erho­len und in eini­gen Jah­ren nach­hal­tig befischt wer­den. Erstaun­lich dabei: Der Fisch lie­fe­re dann unge­fähr die Hälf­te der bis­he­ri­gen Erträ­ge. Zum ande­ren soll­ten ande­re Stres­so­ren wie die Ein­lei­tung von Nähr­stof­fen ver­rin­gert wer­den. Das betrifft also die Land­wirt­schaft. Die Über­dün­gung beträ­fe vor allem für Laich­ge­bie­te. Eine Ver­rin­ge­rung sor­ge dafür, dass der Hering wider­stands­fä­hi­ger wer­de. Soll­ten die­se Maß­nah­men voll­zo­gen wer­den, ändert sich wohl auch die Fra­ge, ob Mee­re zu sehr Wirt­schafts­raum ist, im posi­ti­ven Sinne.

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Urlaub an Orten der Sehnsucht

Es gibt vie­le Orte auf der Welt, die einen klang­vol­len Namen tra­gen, die man daher unbe­dingt gese­hen haben muss. Für den Rei­sen­den waren es als Jugend­li­cher Nor­der­ney und Mon­schau. Spä­ter gesell­ten sich Orte wie Biar­ritz, Sant­ia­go de Com­pos­te­la, die Ave­nue des Champs-Ély­sées oder Pont Neuf dazu. Urlaub an Orten der Sehn­sucht rea­li­sier­te sich aber lan­ge noch nicht.

Nach Nor­der­ney woll­te er radeln, weil sich der Name nach hohem Nor­den anhör­te. Noch dazu eine Insel in der Nord­see mit Sand und hohen Wel­len. Es erschien ihm mutig, eine so wei­te Stre­cke, von Müns­ter aus hinzustrampeln.

Mon­schau hin­ge­gen erschien ihm als ver­wun­schen, wahr­schein­lich wegen des ‑sch- dar­in. Fotos zeig­ten viel Wald, Ber­ge, Flüs­se, eben das, was die Eifel so zu bie­ten hat. Mit­schü­ler waren dort auf Klas­sen­fahrt. Aber er war damals krank, wes­halb ihm Hel­len­thal und Mon­schau vor­ent­hal­ten blie­ben. Er war trau­rig, nicht mit ins Schul­land­heim mit­zu­dür­fen. Dafür aber konn­te er spä­ter Fische in Banyu­les-sur-mer in Frank­reich oder Pala­mos in Spa­ni­en auf der Fahrt mit dem Leis­tungs­kurs beim Tau­chen beobachten.

Entdeckerdrang wuchs

Da er immer schon ger­ne Land­kar­ten abzeich­ne­te, gedank­lich oft mit deut­schen Fuß­ball­ver­ei­nen durch Euro­pa reis­te, Lite­ra­tur wie “Ich rade­le um die Welt” las, roman­ti­sche Fil­me sah, erwei­ter­te sich sein Ent­de­cker­drang zuse­hends. Die Welt umra­deln woll­te er auch. Oder wenigs­tens durch Euro­pa fah­ren, um See­bä­der, Pil­ger­or­te, wil­de Tie­re, den Glanz der gro­ßen wei­ten Welt anschauen.

Das durchs Film­fes­ti­val bekann­te Biar­ritz war der ers­te Ort, an dem er die Sehn­sucht stil­len konn­te. Er kam dort auf einer sei­ner ers­ten Rad­rei­sen auf dem berühm­ten Jakobs­weg dort an. Er hat­te sich zuvor immer tol­le Sand­strän­de vor­ge­stellt, einen Ort mit gemüt­li­chen Cafés, schö­ner Musik. Aber er war dann ziem­lich ent­täuscht über die­ses lang­wei­li­ge See­bad. Und beson­ders toll fand er den Strand auch nicht.

Die Seen und Strän­de Däne­marks und Schwe­dens fand er stets schö­ner: Dünen, hei­ßen Zucker­sand durch die Fin­ger glei­ten zu las­sen. Nor­der­ney hat er übri­gens bis heu­te noch nicht gese­hen. Was hin­ge­gen eine Autorin der öster­rei­chi­schen Zei­tung “Die Pres­se” am Sehn­suchts­ort Can­nes erleb­te, kannst du hier nachlesen.

Wie ergeht es Dir bei Dei­nem Urlaub an Orten der Sehnsucht?

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Zeitungsschlagzeilen im Jahre 1972

Wer von euch hat 1972 die­se Schlag­zei­len getex­tet? Oder kennt jeman­den? Tol­ler Zei­tungs­ki­osk im Aus­wan­der­er­haus in Bre­mer­ha­ven, das ich gera­de besuche.

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Bremer Kogge von 1380

Bre­mer Kog­ge aus dem Jah­re 1380

Bre­mer Kog­ge von 1380: Bre­mer­ha­ven ist die letz­te Sta­ti­on des Rei­sen­den, der vor vie­len Wochen von Bonn aus mit Rad und Zelt star­te­te. Über die Sieg ging es zum Kah­len Asten, von dort an der Die­mel ent­lang zur Weser. Etwas weh­mü­tig ist er schon. Denn es war eine schö­ne Tour, begüns­tigt durch exzel­len­tes Wet­ter. Ein Leben wie in Süd­eu­ro­pa, wes­halb es fast nur im Zelt statt­fand und abends auf der Ter­ras­se eines guten Restau­rants. Oft gibt es das nicht bei einem mehr­wö­chi­gen Urlaub in Deutschland. 

Etwas geschmä­lert wur­de das Fina­le durch den kräf­ti­gen Wind auf dem heu­ti­gen Stück von Bre­men nach Bre­mer­ha­ven. Ent­lang des Weser­deichs gibt es wenig Hin­der­nis­se, die ihn brem­sen. Und der Weg ist etwas mono­ton. Es gibt wesent­lich kom­for­ta­ble­re und span­nen­de­re Wege in den Nor­den. Es lohnt sich wirk­lich, ab Bre­men abzu­bie­gen, den Ems­rad­weg anzu­steu­ern und von Emden auf dem Nord­see­küs­ten­weg nach Bre­mer­ha­ven zu radeln. Auch wenn die Tour dadurch län­ger dauert.

Auswandererhaus und Schifffahrtsmuseum locken

Inter­es­san­tes­te Zie­le in Bre­mer­ha­ven sind das Deut­sche Aus­wan­der­er­haus und das Deut­sche Schiff­fahrts­mu­se­um. Bei­de lie­gen zum Glück nahe bei­ein­an­der im Hafen. So las­sen sie sich leicht mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren. Da Donald Trump gera­de Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka ist, bege­ben sich sogar eini­ge Besu­cher im Aus­wan­der­er­haus auf sei­ne Spu­ren. Im Muse­um sind drei unter­schied­li­che Schif­fe nach­ge­baut, die in die Neue Welt füh­ren: ein Segel­schiff, ein Dampf­schiff und ein Oce­an Liner. Die Unter­künf­te auf die­sen Schif­fen ent­de­cken Besu­cher wäh­rend des Rund­gangs und erfah­ren dabei mehr zum Auf­ent­halt der Aus­wan­de­rer an Bord.

Ein Teil sei­ner Fami­lie stammt bekannt­lich aus Deutsch­land. Denn von Bre­mer­ha­ven aus sind die meis­ten Deut­schen aus in ihr neu­es Leben in Über­see gestar­tet. So eini­ge Neu­gie­ri­ge strö­men tat­säch­lich zum Saal, wo sich Doku­men­te so man­cher Fami­lie fin­den. Es gibt sehr vie­le deut­sche Fami­li­en, die es geschafft haben, sich ein erfolg­rei­ches Leben auf­zu­bau­en, was Fotos von Unter­neh­mern in der Indus­trie, Han­del und Film zei­gen. Nicht alle blie­ben hier, son­dern sie kehr­ten vom Heim­weh geplagt wie­der zurück.

Aber der Rei­sen­de hat kei­ne Ver­wand­ten in den USA, es sei denn, dass ein Vor­fah­re dort Fort Ben­ning errich­te­te. Sein jün­ge­rer Bru­der ver­kün­de­te dies mal stolz im Erd­kun­de­un­ter­richt, als der Leh­rer Klas­se die Ame­ri­ka-Kar­te im Diercke-Welt­at­las auf­schla­gen ließ. Er genoss die Bewun­de­rung vie­ler Mit­schü­ler. Das Moment zählt. So spart sich der Rei­sen­de die Suche nach Ver­wandt­schaft im Aus­wan­der­er­haus. Auf eine rei­che Erb­schaft wie die Fami­lie eines Jugend­freun­des ist er ohne­hin nie aus gewe­sen. Jah­re­lang erhoff­te die Fami­lie einen Gold­re­gen des “rei­chen Onkels” in Ame­ri­ka. Doch nach einem Besuch in den USA war die Ernüch­te­rung groß. Er leb­te in beschei­de­nen Ver­hält­nis­sen. Ein Geld­spei­cher stand dort nicht.

Wohin es sie ver­schla­gen hat, ist schön an einer digi­ta­len Kar­te zu erken­nen. Vie­le Städ­te tra­gen deut­sche Namen. Sie las­sen sich ein­blen­den wie zum Bei­spiel Colo­gne (Min­ne­so­ta), Ham­burg (New York), Munich (North Dako­ta), Stutt­gart (Arkan­sas), Augs­burg (Arkan­sas), Bis­marck (North Dako­ta), New Braun­fels (Texas), Min­den (Nebras­ka) oder Schaum­burg (Illi­nois). An Aus­ru­fen im Saal ist zu hören, dass dies immer noch Ver­blüf­fung aus­löst, denkt der Rei­sen­de doch, dass man das noch aus der Schu­le wis­sen müss­te. In der Mas­se hat er sich das aller­dings auch nicht vor­ge­stellt. Und so treibt der Besu­cher durch die Säle, wobei die Auf­merk­sam­keit doch mit der Zeit auf­grund der Mas­se der Ange­bo­te nach­lässt. Aber er freut sich auch schon auf den Besuch des Schifffahrtsmuseums.

Bremer Kogge von 1380 lag 700 Jahre im Schlamm

Im Zen­trum des Inter­es­ses: eine alte Han­dels­kog­ge aus dem Jah­re 1380. Den Rei­sen­den inter­es­sie­ren schon lan­ge Schif­fe, war einer sei­ner Vor­fah­ren doch Weser­dampf­schiff­ka­pi­tän. Die Hälf­te sei­ner Fami­lie stammt aus Bre­men. Fort­be­we­gungs­mit­tel für den Urlaub im hohen Nor­den war oft eine Fäh­re wie die berühm­te Viking Line von Kapell­skär nach Naan­ta­li in Finn­land oder aber auf der Däne­mark-Ver­bin­dung von Putt­gar­den nach Rød­by auf Lol­land. Und sein älte­rer Bru­der woll­te immer Kapi­tän wer­den. Des­halb lud sei­ne Mut­ter einen Kapi­tän des Alfred-Wege­ner-Insti­tuts für Polar­for­schung ein. Sie woll­te die Wiss­be­gier ihres Soh­nes stillen.

Das Schiff ist noch ziem­lich gut erhal­ten, dafür, dass es 700 Jah­re im Schlamm lag. Die Archäo­lo­gen nah­men die Bre­mer Kog­ge von 1380 nach der Ber­gung Stück für Stück aus­ein­an­der. Dann prä­pa­rier­ten sie das Eichen­holz gegen den Zer­fall an der Luft. Als Gegen­stück, wie schnell es unter Sau­er­stoff­ein­wir­kung zer­fällt, leg­ten sie eini­ge Stü­cke in Schau­käs­ten. Über drei Eta­gen kön­nen Besu­cher um das Han­dels­schiff her­um­ge­hen und vom Kiel bis zu den Mas­ten aus­gie­big betrachten.

Widerstandsfähiges Eichenholz

Eichen­holz ist wider­stands­fä­hig, selbst im Eis. Der Rei­sen­de las in einer Bio­gra­phie über Arved Fuchs (Ein Leben für Aben­teu­er und Umwelt), dass er ein altes Fischer­boot sei­nes Freun­des Niels Bach über­nahm. Er unter­such­te die Dag­mar Aaen auf Herz und Nie­ren und ent­deck­te, dass das Eichen­holz im Rumpf des Schif­fes völ­lig unver­sehrt war. Dabei war es vie­le Jahr­zehn­te har­ten Bedin­gun­gen auf hoher See aus­ge­setzt. Niels Bach lern­te der Rei­sen­de auf der Kat­te­ga­tin­sel Samsø ken­nen, wo er Tou­ris­ten auf sei­nem Fisch­kut­ter die Schön­heit der Insel erklärt. Auch Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de der Kog­ge sind im Schiff­fahrts­mu­se­um aus­ge­stellt, so dass man sich ein gutes Bild von der Zeit machen kann.

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