Wanderurlaub in der Stadt

Netter Vorschlag der Kollegen des in England erscheinenden „Telegraph“: Innerhalb von Städten gibt es oft beachtlich große Naherholungsgebiete, die sich natürlich auch als Ziel im Urlaub anbieten.

In Porto ist es ein hoch über dem Rio Douro liegender großer Park, den man schön von der Altstadt aus erreichen kann. Auf der Strecke liegt eine alte Zitadelle mit einer ebenfalls von Einwohnern in der Freizeit besuchten Parkanlage.

Ich selbst habe auch in meinem Reiseführer „Münster Stadt der Skulpturen“ mehrere Wanderrouten entwickelt, in die natürlich auch die mehrere Kilometer lange Promenade integriert ist.

Wenn ihr wissen wollt, welche Strecken die Engländer in Spanien und in Deutschland und vielen anderen Urlaubsländern vorschlagen, dann lest bitte hier weiter.

Telegraph: Wanderrouten in der Stadt

Münster, Stadt der Skulpturen

Alte Festungen, das letzte Herbstlaub

Das schöne Wetter nutzend, sind wir am Sonntag auf dem Rheinsteig herumgeklettert.

Wir sind 12,8 Kilometer von Leutesdorf bis Rheinbrohl gelaufen, haben dabei eine Burgruine und Skulpturen mitgenommen, den Blick auf das letzte Herbstlaub genossen und den Blick auf den Rhein.

Da es fast 700 Höhenmeter sind, muss man schon Zeit einplanen – gut 5,5 Stunden.

Es geht mehrmals fast komplett ins Tal herunter.

Die Strecke liegt ungefähr auf der Mitte zwischen Bonn und Koblenz. Am Anfang und am Ende der Strecke gibt es Bahnhöfe, was An- und Abreise erleichtert. Gelegenheit zur Einkehr gibt es nur in Leutesdorf und Rheinbrohl um diese Jahreszeit. Die Hütten sind derzeit geschlossen.

Kulturangebot: Münster auf Platz 4

Auf Platz 4 landet Münster im NRW-Kulturstädtevergleich. Was passiert also aktuell in Essen, immerhin europäische Kulturhauptstadt 2010? Münster stand 2010 im Finale dieses Wettbewerbes. Zahlt sich das Kulturjahr etwa nicht aus? Denn vor Münster liegen nur Bonn, Düsseldorf und Köln.

Langfristig wird Münster auch diese Städte überholen, wenn zum Beispiel die neue Matisse-Sammlung in einem eigenen Museum gezeigt wird. Als Standort gefiele mir das schöne Gebäude der ehemaligen JVA. In der dänischen Kleinstadt Horsens wird im ehemaligen Gefängnis die Geschichte des Hauses und die Biografie einiger prominenter Insassen etwa während der Besatzungszeit gezeigt. Sehr beliebt ist es auch, dort zum Übernachten eine Gefängniszelle zu mieten.

Das ehemalige Postgebäude am Hafen wird zurzeit leider abgerissen. Lille, Kulturhauptstadt 2004, hat das alte Postgebäude erhalten und in eine erfolgreiche Kunsthalle für moderne Kunst umgewandelt. 

Als Gründe für das erfolgreiche Abschneiden zieht die Jury des Welt-Wirtschaftsinstitutes und der Privatbank Berenberg das kulturelle Angebot an Opernhäusern, Theatern, Museen und Kinos sowie die Nachfrage durch Einwohner und Besucher heran. Untersucht wurden die 30 größten deutschen Städte. Deutschlandweiter Spitzenreiter ist Stuttgart. Weitere Infos in der heutigen Ausgabe der Westfälischen Nachrichten.

Blockhauskurs im schwedischen Gränsfors

Sägemehl fliegt in Augen, Ohren und Haare. Bäume biegen sich. Denn ein eiskalter Wind aus Norwegen fegt im Oktober durch den kleinen Ort Gränsfors nahe Hudiksvall. Die Siedlung liegt im Hälsingland im Norden Schwedens. Die Finger auf dem Beil werden taub. Zimmermann Olaf Jung trägt sogar schon eine Skimütze. Gestern tanzten noch Mücken in der warmen Sonne. So ist es gut zu verstehen, dass einige Teilnehmer am Blockhauskurs in Gränsfors von einer warmen, eigens gebauten Blockhütte träumen, andere von einer Sauna am Waldsee. Oder sie wollen einfach nur lernen, wie man Fenster einbaut, einen Fußboden aus Holz verlegt, ein dichtes Dach konstruiert. Mit diesen Zielen sind Heimwerker aus England und Deutschland sowie aus Nord- und Südschweden angereist. Sogar aus den USA ist ein Teilnehmer gekommen. Dabei lernen sie im Blockhauskurs im schwedischen Gränsfors besonders die Technik des Dalaknuts kennen.

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Dieser Kurs bietet sich an, um erste „Schritte“ in der Zimmermannskunst zu erlernen. Der Text auf der Webseite des Anbieters Gränsfors Bruks ist ein bisschen dick aufgetragen. Interessenten wird vermittelt, dass jeder Teilnehmer hier alle Schritte vom Auswählen des Baumes bis zum Bau des fertigen Hauses auszuführen lernt.

Olaf Jung aber bringt Anfängern bei, wie man mit Axt, Handsäge, Handbohrer und Ziehmesser, traditionellen Werkzeugen eines Zimmermannes, die Wände eines Blockhauses hochzieht. Das Arbeiten mit der Elektrosäge und andere knifflige Arbeitsschritte ist eher etwas für Profis, die bereits mit schwerem Gerät umgehen können und ihr Wissen über die schwedische Bautechnik vertiefen wollen. Für diese bietet Jung auch Kurse an. Wer sich auf die schöne Zeit im Norden vorbereiten will, kann schon mal das Standardwerk lesen von Sven-Gunnar Håkansson, Blockhäuser und Hütten selbst gebaut.

Fortsetzung folgt.


„Den Toten zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung“

Geniales Kriegerdenkmal in Nienberge bei Münster

Ganz in der Nähe steht an der Dorfkirche St. Sebastian in Nienberge ein Kriegerdenkmal. Selten bleibt jemand hier stehen. Nur am Volkstrauertag gedenkt die Soldatenkameradschaft der Gefallenen beider Weltkriege. Dargestellt ist ein Genius, mit einer Hand gefesselt an einem seiner Krone beraubten Eichbaum. Dieser beugt sich gramvoll zu einem toten Soldaten in deutscher Uniform nieder und streckt ihm die andere Hand entgegen. Neben dem Soldaten liegt ein Stahlhelm, unter ihm Munition. Den Tornister trägt er noch auf dem Rücken. Die Inschrift des 1921 errichteten Denkmals lautet: „Den Toten zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung“.

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Niemand ruft zu politischem Handeln auf. Der Genius kommt wie der Engel der Verkündigung auf mittelalterlichen Bildern von links. Die Mahnung liegt im gefesselten Genius und in der gekürzten Eiche als bildhafte Symbole für das damalige Deutschland um 1921. Keiner wusste, wie es weitergehen sollte. Der Genius ist nicht religiös gebunden. Er steht über allen Dingen, ist unparteiisch.

Fortsetzung folgt.